Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

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Peter K.
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Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Peter K. » 6. Dezember 2011 13:40

Was versteht man eigentlich genau unter Desensibilisierung? Die reine Abhärtung, mit dem Ziel, das Stottern – das Eigene, aber auch das anderer Menschen – nicht so negativ (belastend, Angst auslösend, Scham verursachend …) zu empfinden?
Mein Stottern löst bei mir genau diese Gefühle aus. Ich schäme mich dafür und fühle mich als Mensch insgesamt minderwertig, (nur) weil ich stottere. So ist über viele Jahre meine Angst vor dem Stottern entstanden.
Dagegen will ich etwas tun! Doch wie genau funktioniert das eigentlich mit der Desensibilisierung?
Muss ich mich nur oft genug der Angst stellen (z.B. Pseudostottern anwenden) um meine Gefühle zu verändern? Ist die häufige Konfrontation mit dem Stottern und mit den Reaktionen der Menschen darauf alles, was ich tun muss?
Warum sollen sich meine (negativen/belastenden) Gefühle ändern, nur weil ich sie mir häufiger als sonst „antue“? (Nur weil ich schon 100 mal mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen bin, tut es beim 101 sten Mal nicht weniger weh, oder?)

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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von paul.dest » 8. Dezember 2011 23:04

Hallo Peter,

Im Rahmen einer Van-Riper-Therapie versteht man unter der Phase "Desensibilisierung" meinem Verständnis nach folgendes:
...

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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Frankie » 9. Dezember 2011 19:59

Hallo Peter,

hinzuzufügen ist noch, dass die Desensibilisierung am besten unter therapeutischer Anleitung klappt, idealerweise in einer Gruppentherapie. Ich fürchte, mal eben schnell etwas Pseudostottern alleine dürfte bei den wenigsten helfen.

Dein Vergleich mit dem Kopf gegen die Wand hinkt gewaltig. Wenn du den Kopf gegen die Wand haust, verletzt du dich real. Sinn der Desensibilisierung ist zu erkennen, dass man Ängste vor etwas hat, das aber nicht real ist, vor dem man keine Angst haben muss.

Die Desensibilisierung ist für manche erstaunlich einfach, für manche schwer, da gibt es die ganze Bandbreite. Viele, die eine Desensibilisierung durchlaufen haben, berichten aber, dass diese Stufe der eigentliche Schlüssel zu einer nachhaltigen Verbesserung war.

Grüße,
Frank

Peter K.
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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Peter K. » 9. Dezember 2011 21:06

Hallo Frank, Hallo Paul,

vielen Dank für eure Antworten. Zunächst: Dass der Vergleich mit dem Kopf und der Wand hinkt, ist klar. Das war auch nicht so ganz ernst gemeint. Trotz eurer Antworten habe ich es aber noch nicht verstanden. Was ich genau meine, hat Paul eigentlich ganz gut ausgedrückt: "Dabei erlebt er und überzeugt sich davon, dass seine Angst übertrieben ist und seine Schamgefühle unbegründet sind." Wie kann ich meine Gefühle dadurch verändern, dass ich mir etwas häufig antue (erlebe)? Wie kann ich mich davon überzeugen, dass meine Angst übertrieben und meine Scham unbegründet ist, wenn ich erlebe, dass mein Gegenüber lacht oder verlegen wegschaut? Passiert "abstumpfen bzw. abhärten" schon alleine dadruch, dass ich ES immer wieder tue (ertrage)? Oder kann/muss ich lernen meine Gefühle mit dem Kopf verändern? Nur wie?
LG
Peter

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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von paul.dest » 9. Dezember 2011 22:38

Hallo Peter,

Desensibilisierung ist nicht als Abstumpfung oder Abhärtung zu verstehen. Eher als Beseitigung ungerechtfertigter Ängste und Befürchtungen. Es gibt im Zusammenhang mit Stottern natürlich auch gerechtfertigte Ängste und Befürchtungen. Gerechtfertigte Ängste und Befürchtungen gehören nicht zum Zielbereich der Desensibilisierung.

Beispiel
...

...

Pseudostottern kann in diesem Zusammenhang zweierlei Funktionen übernehmen:
1. ...
2. ...

...

-----------------

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Peter K.
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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Peter K. » 10. Dezember 2011 11:51

Hallo Paul,
du scheinst dich mit dem Thema ja wirklich gut auszukennen. Jetzt hab sogar ich's verstanden. Grins. DANKE! Besonders der Aspekt, dass eine zweite Person dabei sein sollte, die sich die Situation "von außen" anschaut und "neutrales" Feedback gibt, finde ich sehr gut und hilfreich.
Jetzt kann's losgehen!
Wünsche dir ein schönes und sonniges Wochenende!

LG
Peter
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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Jaspis » 11. Dezember 2011 18:01

Peter K. hat geschrieben:Wie kann ich meine Gefühle dadurch verändern, dass ich mir etwas häufig antue (erlebe)? Wie kann ich mich davon überzeugen, dass meine Angst übertrieben und meine Scham unbegründet ist, wenn ich erlebe, dass mein Gegenüber lacht oder verlegen wegschaut?
Hallo Peter,
wenn Du wirklich das erlebst, wird Dich das nicht überzeugen können, stimmt! Aber erlebt man wirklich so oft (nur) diese Reaktionen? Auf die Frage "Wie kann ich mich überzeugen ..." würde ich antworten: durch Beobachten! Durch objektives Beobachten, anderer und sich selbst.
Ich selbst würde auch gar nicht als mein Ziel sehen zu erkennen, dass meine Scham unbegründet ist. Sondern - dass meine Scham existiert. Und dass ich lernen sollte mit ihr umzugehen. Nicht, sie wegzutrainieren, sondern sie anzunehmen, zu verstehen und dadurch "bearbeitbar" zu machen.
Ich mache es z.B. häufig so: Wenn ich registriere (durch mich selbst beobachten), dass ich mich gerade in einer Situation unwohl fühle, Angst habe oder mich schäme ... Dann merke ich mir diese Situation genau (was gleichzeitig auch wie eine Ablenkung funktioniert), damit ich sie mir später noch mal genau durch den Kopf gehen lassen kann und sie noch mal nachfühlen kann. Also, ich mache mir klar: diese Situation sollte ich für mich noch mal klären, aber nicht jetzt sofort, denn das schränkt mich beim Sprechen ein, sondern später, wenn ich Zeit dafür habe und mit mir allein bin.

Gefühle verändern kann man doch nur, wenn man sie auch anders erlebt, oder? Nur erlebte Gefühle kann man sich "abspeichern". Deshalb wäre es vielleicht eine Möglichkeit, nur die Situationen für seine Desensibilisierung zu "nutzen", die eben nicht wie von Dir geschildert ablaufen, sondern die mit neutralen bis positiven Reaktionen Deiner Gegenüber endeten. Die sollte man sich anschauen und seine Gefühle dabei beobachten. Wenn man ausgelacht wird, entwickelt jeder Mensch negative Gefühle, egal warum gelachte wurde. Das sind also keine guten "Trainingssituationen".

Viel Glück!
Jaspis

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Re: Wie funktioniert "Desensibilisierung"?

Beitrag von Peter K. » 18. Dezember 2011 20:31

Hallo Japsis,
vielen Dank für deine Antwort. Du sagst: "Gefühle verändern kann man doch nur, wenn man sie auch anders erlebt, oder? Nur erlebte Gefühle kann man sich "abspeichern". Wenn ich das lese, hört es sich ganz einfach an. Einfach aber schlüssig. Ich werd's ausprobieren!

DANKE!

LG
Peter

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