simulgantechnik gegen stottern

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petra127
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simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von petra127 » 17. April 2012 10:25

Hi
ich war eigentlich auf der Suche nach etwas,womit ich meinen Wortschatz ein wenig erweitern kann.Da bin auf folgenden Link gestoßen:

http://web112.sv04.net-housting.de/nh_s ... hias-pohm/

Könnte diese Methode evtl. auch Stotterern helfen?Es wird ja erwähnt,dass auch die Aussprache durch das Nachsprechen besser wird.Und vielleicht stärkt es ja indirekt auch das Selbstbewusstsein beim Sprechen,weshalb ich mir schon vorstellen könnte,dass das helfen könnte,wenn man auf Dauer die Sprechgewohnheiten eines Sprechers übernimmt.

Was meint ihr?

Liebe Grüße

Petra

stotternzuerich
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von stotternzuerich » 17. April 2012 11:04

Eine interessante Methode, mit der man wohl die Geschwindigkeit (einer bestimmten Art) der Sprachverarbeitung trainieren kann, da man schnell zuhören und schnell nachsprechen muss. Es macht Sinn, dass Schauspieler, die ja professionelle Sprecher sind, so etwas machen.
Könnte diese Methode evtl. auch Stotterern helfen? Es wird ja erwähnt, dass auch die Aussprache durch das Nachsprechen besser wird. Und vielleicht stärkt es ja indirekt auch das Selbstbewusstsein beim Sprechen, weshalb ich mir schon vorstellen könnte, dass das helfen könnte, wenn man auf Dauer die Sprechgewohnheiten eines Sprechers übernimmt.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Methode Stotternden hilft, nicht wegen der Aussprache (die nicht unbedingt verbessert wird), nicht wegen des Selbstbewusstseins (das eher von sozialen Situationen abhängt), sondern wegen der Notwendigkeit, bei dieser Übung reflex-artig und ohne Nachzudenken zu sprechen. Hab natürlich keine Ahnung, ob es tatsächlich hilft, d.h. ob sich irgend ein Effekt auf soziale Situationen überträgt.

Probier's doch mal aus und berichte uns von deinen Erfahrungen!

Viele Grüsse,
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von Torsten » 17. April 2012 19:52

Hallo,
etwas Ähnliches ist in den 70er Jahren sogar als Stottertherapie eingesetzt worden. Erwin Richter schreibt darüber und nennt es Führungssprechen oder Shadowing: ''...Tempo, Betonung, Stimmeinsatz und Stimmaufwand werden durch den vorsprechenden Therapeuten bestimmt.'' (Richter / Wertenbroch: Die Sprechübungsbehandlung des Stotterns, Hamburg 1979, S. 59)

Ich sehe die Vorteile auch darin, dass man weniger nachdenkt, denn erstens muss man keine eigenen Sätze planen und zweitens schnell reagieren. Man kann es einfach mal ausprobieren. Und man sollte dabei nicht auf genaue Artikulation achten - im Gegenteil, ruhig nuscheln. Wenn es gelingt, flüssig zu nuscheln, kann man ganz vorsichtig und allmählich die Aussprache verbessern.

Gruß, Torsten
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von paul.dest » 17. April 2012 23:52

Hallo Petra,

Interessant von dieser Technik als Technik zur Aktivierung des passiven Wortschatzes zu erfahren! Ich kannte sie bisher nur als stottertherapeutische Technik. ...

...

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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von Torsten » 19. April 2012 10:53

Übrigens erwähnt Erwin Richter im Zusammenhang mit dem Shadowing einen gewissen P. Marland, der schreibt, dass ''der Patient dadurch neue Gewohnheiten zum Hören seiner Stimme erlernt...''
Das klingt zunächst nicht sonderlich plausibel, denn beim Shadowing muss der Stotterer ja dem Vorsprecher zuhören und nicht sich selber. Aber immerhin muss er seine Aufmerksamkeit überhaupt wähend des Sprechens auf das Hören richten - also vielleicht hat Marland Recht.

Richter gibt als Quelle an: Marland, P.: ''Shadowing'' - A Contribution of the Treatment of Stammering. Folia phoniat 9(1957), 12-24, 35-48

Gruß, Torsten
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von djub » 20. April 2012 13:35

Hallo,

danke für den sehr interessanten Beitrag.

Tatsächlich habe ich gerade erst auf youtube eine Videoserie gefunden, die explizit das "Modellieren", also Imitieren/Nachspielen/Nachmachen eines guten Sprechers hervorhebt, um selbst ein besserer Redner zu werden. Das Wichtige daran ist, den Sprecher in allen Details nachzuahmen, sich 100% auf das Imitieren einzulassen - ähnlich wie ein Kabarettist.

Vermutlich werden Bedenken bzgl. der Individualität aufkommen, aber wenn das Vorbild unfassbar schön spricht, warum sollte ich selbst nicht auch unfassbar schön sprechen? Die Abgrenzung der eigenen Person erfolgt mit der Zeit ganz automatisch ohnehin über den Inhalt des Gesagten.

Ich bemerke nicht nur einen langfristig (!) dramatisch positiven EInfluss auf mein Sprechen, sondern habe auch viel Spaß daran "gut zu sprechen". Ich habe einfach ein weniger erfüllendes Hobby gegen das Hobby "Sprecher imitieren" getauscht. Die Geschichte ist nicht neu - das habe ich schon in der Grundschule beim Nachahmen von TV-Personen gemacht - aber intensiv und fleißig betrieben - auch und gerade in Alltagsgesprächen, erhalte ich auch einen langristig positiven Effekt.

Und wenn man beim Imitieren auch noch seinen aktiven Wortschatz erweitert - umso besser. ;)

Just try it out.

Viele Grüße.
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von Roland Pauli » 20. April 2012 14:30

djub hat geschrieben:...
Vermutlich werden Bedenken bzgl. der Individualität aufkommen, aber wenn das Vorbild unfassbar schön spricht, warum sollte ich selbst nicht auch unfassbar schön sprechen? ...
Das Lernen am Modell ist doch auf vielen Gebieten sehr effektiv. Ich habe früher viel gute Redner intensiv beobachtet und ihre rhetorischen Elemente analysiert. Die für mich überzeugenden habe ich dann in mein Repertoire aufgenommen, allerdings ohne je meine Individualität zu verlieren. Gerade in Vorträgen und Weiterbildungen, die ich üblicherweise völlig frei inzwischen halte, kann ich davon heute noch profitieren.

Von Vorbildern lernen ist doch eine super Sache :-)

Herzlichst

Roland
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von transit » 13. Mai 2012 22:49

Da es - wie ihr schreibt - bereits vor ca 60 Jahren in der Stotter-Therapie erprobt wurde - scheint es nicht erfolgreich gewesen zu sein - sonst wäre es der "Gold-Standard" der StotterTherapie, auch aktuell.

Symptomfrei-Sprechen allein ist ja wirklich keine Erfolgsmethode - sonst wären alle Stotternden, welche "allein" (im "stillem Kämmerlein") symptomfrei sprechen ja infolgedessen generell bald grundsätzlich frei von Stottersymptomatik.

Die Kommunikation spielt die entscheidende Rolle - die soziale Interaktion - die Emotionen.

Bei der SimulganTechnik spielt das "Hören" eine wesentliche Rolle : mir scheint, statt des "Auditorischen Feedbacks" handelt es sich hierbei sozusagen um ein "Auditorisches Feedforward" :-) . Daraus resultiert eine völlig andere zeitlich strukturierte Handlungsplanung.
Ausserdem eine Art Ent-Personalisierung der nachsprechenden Person bzgl des Gesprochenen.

Welche Rolle spielt wohl der Inhalt des nachzusprechenden Textes - zBsp bzgl Suggestion ?

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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von paul.dest » 4. Juli 2012 18:35

transit hat geschrieben:Da es - wie ihr schreibt - bereits vor ca 60 Jahren in der Stotter-Therapie erprobt wurde - scheint es nicht erfolgreich gewesen zu sein - sonst wäre es der "Gold-Standard" der StotterTherapie, auch aktuell.
Wenn man bedenkt, dass es in der Stotterntherapie keinen "Gold-Standard" gibt, ist es lediglich ein als Schlussfolgern getarntes Vorurteilen, "nicht erfolgreich gewesen" zu behaupten. Wenn schon nicht selbst ausprobieren, dann zumindest die Wirksamkeitsberichte nachschlagen. Zumal die meisten Therapietechniken, die heute zu den "Silber-Standards"gehören, vor mehr als 60 Jahren erprobt worden sind.

Bei Fiedler und Standop in "Stottern" heißt es dazu (S. 118-119):
...

Für die Selbstnachrecherchierer die im Zitat verwendeten Quellenreferenzen:
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von Jaspis » 5. Juli 2012 13:14

paul.dest hat geschrieben:
Fiedler und Standop hat geschrieben:Vergleichbare Sprechverbesserungen können auch erzielt werden, wenn der Stotternde versucht, einer Bandaufnahme oder der Stimme eines Radiosprechers zu folgen (Yates 1963b); diese Möglichkeiten eröffnen Übungsfelder zwischen den Therapiestunden.
Hallo,
ich glaube, ich mache Schattensprechen in Gedanken beim Radiohören. Das fiel mir beim Lesen der o.g. Beschreibungen auf. Ich höre sehr gern Sprechern im Radio zu, nur im Radio, nicht im Fernsehen, das optische lenkt mich ab. Beim Nur-Hören klebe ich regelrecht am Gesprochenen und spreche innerlich nach. Wie gesagt, bisher nicht bewußt, aber das könnte doch eine gute Übung für mich am Morgen werden, bei den Radionachrichten mitzusprechen.
Ich habe auch sehr ausgeprägte Vorlieben und Abneigungen bei Radiosprechern, bei einigen schalte ich extra um, die kann ich nicht hören (= nachsprechen?).
stotternzuerich hat geschrieben:Ich könnte mir vorstellen, dass die Methode Stotternden hilft, (...) wegen der Notwendigkeit, bei dieser Übung reflex-artig und ohne Nachzudenken zu sprechen.
Sehe ich auch so und denke, Übungen dieser Art können gut helfen, vor allem, wenn man sein Sprechen dabei aktiv wahrnehmen und beobachten kann, man es nicht als nur passive Sache erlebt.

Gruß, Jaspis!

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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von paul.dest » 16. Juli 2012 12:59

Torsten hat geschrieben:Übrigens erwähnt Erwin Richter im Zusammenhang mit dem Shadowing einen gewissen P. Marland...
Es handelt sich um Pauline M. Marland vom St. Mary's Hospital in London, die Mitte der 1950er Jahre zusammen Colin Cherry und Bruce McA. Sayers vom Imperial College (ebenfalls London) auf Schattensprechen basierende Stotterntherapie durchführte. Die ersten Ansätze dazu gehen wiederum auf Artur Kern zurück: ...

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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von Torsten » 16. Juli 2012 16:53

Hallo Paul,
da hast Du dir eine Menge Arbeit gemacht! Ist aber ein sehr interessanter Bericht.

Gruß, Torsten
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Re: simulgantechnik gegen stottern

Beitrag von paul.dest » 16. Juli 2012 22:45

Danke, Torsten.

Ich muss mich berichtigen:
paul.dest hat geschrieben:Die ersten Ansätze dazu gehen wiederum auf Artur Kern zurück: "Der Einfluß des Hörens auf das Stottern", 1932.
Bei Kern taucht das Schattensprechen nicht auf. Nur die Beobachtung, dass ...

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Eigene Erfahrungen zum Schattensprechen

Beitrag von paul.dest » 27. Juli 2012 12:50

Mittlerweile habe ich das Schattensprechen selbst ausprobiert: elf Tage lang, ohne Unterbrechungen, also an jedem Tag dieser elf Tage; mindestens eine Stunde pro Tag, manchmal am Stück, manchmal in zwei oder drei Trainingseinheiten, keine kürzer als eine halbe Stunde.

...

Scheinbar widersprechen meine Erfahrungen den im obigen Beitrag zitierten Therapie-Erfolgen. ...

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Simultanübersetzung: gleicher Effekt?

Beitrag von paul.dest » 16. Dezember 2012 13:53

Gestern habe ich mich zum ersten Mal im Leben im Simultandolmetschen versucht.

...

Sieht folglich - wie von den Erfindern des Schattensprechens vermutet - wirklich danach aus, dass das Stottern dann verschwindet, wenn der Stotternde nicht auf das hört, was er spricht; wenn das auditive Feedback also in die Sprechsteuerung nicht einbezogen, sondern verworfen wird.

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