Poltern - Suche Polterer

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Silas
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Poltern - Suche Polterer

Beitrag von Silas » 28. November 2013 17:19

Hallo, liebe Leser,

ich suche nach Polterern, denn ich leide selbst unter Poltern seit ich ein Kind bin und speziell die Einsamkeit ist eine große Belastung.
Eigentlich bin ich in einem Forum für Stotterer falsch, aber in offiziellen Verlautbarungen von Logopädieverbänden und HNO-Ärzten wird immer geschrieben, dass man sich auch an Stotterer-Selbsthilfegruppen wenden könne, wenn man Polterer sei. Meine Erfahrungen diesbezüglich waren leider bisher negativ, denn Stotterer verstehen mein Problem normalerweise nicht. Schlimmer ist es für mich aber mit Fachpersonal wie Logopäden und HNO-Ärzten.

Es war extrem schwer, eine Logopädin zu finden, die genau weiß, was Poltern ist, etwas Erfahrung damit hat und therapeutisch kompetent ist. Leider wird über Poltern viel Unsinn publiziert. So liest man oft, dass polternde Menschen sich ihrer Sprechstörung nicht bewusst seien und sie daher keinen Leidensdruck verspürten. Das ist selbstverständlich falsch und Aussagen dieser Art zeigen nur, dass Poltern kaum erforscht ist, weswegen man zu Verallgemeinerung dieser Art kommt. Es ist überdies bezeichnend für die mangelnde fachliche Qualifikation von Experten, die solche Aussagen verbreiten.

Anja Mannhard: Die Behandlung des Polterns bei Jugendlichen und Erwachsenen, in: Forum Logopädie 19 (3/2005), S. 18-25, hier: 19, nennt das zutreffend ein „weiteres Vorurteil“, das gegenüber polternden Menschen besteht. Zum selben Ergebnis kam auch Anna Stenzel (Vergleich Stottern/Poltern, mit Fokus auf psychosoziale Komponenten, München 2010) im empirischen Teil ihrer Bachelorarbeit. Als Betroffener wünsche ich mir manchmal, dass die Leute, die den Quatsch vom „fehlenden Leidensdruck“ verbreiten, einmal ein paar Tage unter Poltern leiden sollten, damit sie wieder Realitätsbezug gewinnen.

Ich persönlich leide – dieses Wort ist im eigentlichen Sinn gemeint – unter Poltern, und zwar jeden Tag, bei jedem Gespräch, bei jedem mündlichen Sozialkontakt. Ich stehe immer vor der Wahl: Entweder ich versuche die Symptome zu unterdrücken, indem ich mich intensiv auf das Sprechen konzentriere, ganz wenig rede, viele Fragen stelle, so dass ich Zeit habe, um mich wieder konzentrieren zu können, dann werde ich für einen „Normalsprecher“ gehalten, der eben extrem introvertiert und „langsam“, „im Leben nicht erfolgreich“ oder bestenfalls ein sog. stiller Mensch ist. Oder ich spreche spontan und zwanglos, also mit Symptomen, dann werde ich für aggressiv, dumm, verwirrt, inkompetent gehalten oder sonst negativ eingeschätzt. Die logisch mögliche dritte Variante, dass ich nämlich erkläre, dass ich Polterer bin, ist praktisch nicht möglich, weil ich das mündlich nicht kann, zumal es ohnehin selbst für Fachleute wie Logopäden schwierig mit wenigen Worten zu erklären ist, was man genau unter Poltern versteht.

In der Konsequenz leide ich unter Einsamkeit und Isolation und stehe ständig unter Stress, weil mich das Vermeiden des Sprechens bzw. die jeweilige Ersatzhandlung, wie Briefe oder Mails schreiben, viel Zeit kostet.

Ich beneide Stotterer, weil sie nicht erklären müssen, was ihr Problem ist, da die meisten Menschen wissen oder zumindest erkennen können, was Stottern ist. Stotterer haben den Luxus, sich aus einer Vielzahl von schulmedizinischen und alternativen Therapiemethoden eine für sie passende aussuchen zu können. Diese Möglichkeiten habe ich nicht. Allein das Krankenkassenproblem bei Poltern ist eine Unverschämtheit, obwohl die meisten HNO-Ärzte oder Logopädinnen das kreativ umgehen. Aber auch das muss man erst wissen.

Wenn anderer Polterer das hier lesen, mögen sie sich bitte per PN an mich wenden, denn ich würde mich gerne mit anderen austauschen. Vor allen interessiert mich, was andere Polterer therapeutisch gemacht haben, und wie sie ihren Alltag gestalten. Es ist nämlich so, dass die Lösung des Nichtvermeidens bei Poltern nicht funktioniert. Polterndes Sprechen wird immer negativ gewertet. Wer das nicht glaubt, schaue einmal im Duden den Begriff nach, damit klar ist, welche Bedeutungsvarianten damit verbunden sind. Niemand hat mit polternden Menschen Mitleid oder nähme deswegen Rücksicht. So ist das leider.

Ich freue mich über jede Rückmeldung. Zum Schluss möchte ich aber gleich sagen, dass ich nicht jeden Tag hier in das Forum sehen kann. Leider ist mein Leben wegen meines Sprechproblems sehr stressig.

Liebe Grüße

Silas

P.S. Falls sich hier jemand über Poltern informieren möchte, sei auf folgende Internetseiten hingewiesen:

http://logopaediewiki.de/wiki/Poltern
Internationale Vereinigung Poltern (ICA)

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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von Roland Pauli » 29. November 2013 00:22

Hallo Silas,

dein Fall interessiert mich sehr. Willst du einmal mit mir telefonieren?

Liebe Grüße

Roland
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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von T_homas » 29. November 2013 01:20

Als Kind wurde bei mir in einer Sprachheilschule ein leichtes Poltern diagnostiziert.
Hab die Symptome heute noch,aber eher leicht.Werde zu schell beim Sprechen und neige dazu,gerade bei Artikeln die Vokale unterzubetonen.
Das heißt,dass man bei mir bei "das" kaum das a hört,eher hört man nur ds.
Teilweise springe ich auch über ganze Wörter in Folge hinweg,man hört dann kaum die Vokale,das aber eher beim Lesen.
Das engt mich aber nicht wirklich ein,vllt. wird es bei dir schwerer sein.
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von transit » 29. November 2013 13:01

Hallo Silas,

Konzentration - Handlungsplanung - Exekutive Funktionen

Hast du dich schon mit den Themen Hochsensitivität HSP und Reizoffene Wahrnehmung AD(H)S befasst ?
Hast du Erfahrung mit Psycho-Stimulantien-Medikation diesbzgl ?

Silas
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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von Silas » 3. März 2014 09:29

Hallo an alle,

zuerst möchte ich allgemein mitteilen, dass ich leider heute erst zum Antworten komme, da ich bisher keine Zeit dafür gefunden hatte, weil ich auch noch Prüfungen machen musste, und um Nachsicht bitten. Nun zu den einzelnen Beiträgen:

Hallo Roland,

ja, wir können gerne miteinander telefonieren. Per PN können wir einen Termin ausmachen. Das wäre wohl das einfachste. Ich möchte aber gleich sagen, dass mein Fall nichts Besonderes ist, denn so wie mir geht es vielen - und ich würde fast sagen allen - Polterern. Ich habe in meinem Beitrag keine Probleme angesprochen, die speziell nur auf mich zutreffen.

Hallo T_thomas,

danke für Deine Antwort. Wie Dein Sprechen konkret aussieht, weiß ich zwar nicht, aber es ist beim Poltern so, dass die unbetonten Silben, vor allem Endsilben verschliffen werden. Bei Vokalen, die ja selbstklingende Laute sind, fällt das besonders auf.

Hallo transit,

herzlichen Dank für den Hinweis. Bisher habe ich mich noch nicht mit diesen Themen befasst. Ich habe mich jetzt nur ein wenig eingelesen, um Definitives sagen zu können. Aber ich bin etwas skeptisch, ob die von Dir angegebenden Möglichkeiten bzw. Ursachen bei mir vorliegen. Nach dem, was ich gelesen habe, trifft manches auf mich zu, anderes wiederum klar nicht. Ich werde mich damit noch intensiver befassen müssen.

Viele Grüße an alle

Silas

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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von Silas » 8. Februar 2015 19:33

Konkrete Situation des Polterns

Da ich mitbekommen habe, dass mehrfach auf diese Diskussion hingewiesen wurde, möchte ich ein Beispiel für eine konkrete Situation geben, wie es einem Polterer ergeht, wenn er polternd spricht, denn man nimmt normalerweise auf Polterer keine Rücksicht, wie das bei anderen Sprechstörungen oft der Fall ist, weil Poltern eben niemand kennt.

Also, nun eine mehr oder weniger typische Situation aus dem Leben eines polternden Menschen: Vor einiger Zeit bin ich mit dem Zug von Mannheim nach Bad Kissingen gefahren, aber es gab lokale Streiks des Bahnpersonals, was zu Verspätungen und sonstigen Fahrplanproblemen führte. Als ich mir eine Fahrkarte aus dem Automaten holen wollte, stand da für meine Verbindung "Dieser Zug hält nicht in Mannheim". Dasselbe galt für alle Züge, die ich nehmen wollte, so dass ich erst vier Stunden später abreisen gekonnt hätte. Mannheim ist ein großer Bahnhof, so dass mir klar war, dass das nicht so sein konnte. Daher ging ich zum Schalter, wo wegen des Streiks und der damit verbundenen Zugausfälle viel Betrieb war. Lange musste ich warten, bis ich an der Reihe war. Es war für mich sehr wichtig, an diesem Tag nach Bad Kissingen zu kommen, und deswegen war ich frustriert, weil ich befürchtete, ich käme nicht mehr dorthin. Als ich dann mit der Frau am Schalter sprach, habe ich nicht auf mein Sprechen geachtet und ihr mit Symptomen, also in Spontansprache, folgendes gesagt: "Ich brauche die nächsten Verbindung nach Bad Kissingen. Am Automaten habe ich gelesen, dass der nächste Zug erst in vier Stunden fährt. Das glaube ich nicht. Können Sie mir eine frühere Verbindung ausdrucken?" Daraufhin hat mich diese Frau verärgert angesehen und mich angeschrien: "Ich kann nichts dafür, dass sie ihren Zug verpasst haben. Sie wissen doch, dass gerade viele Züge Verspätung haben. Regen sie sich ab. Das ist nicht meine Schuld." Sie hat das und noch mehr sehr laut gesagt, fast geschrien. Um mich herum haben alle Leute ihre Gespräche unterbrochen und zu mir hergesehen, so dass ich plötzlich im Mittelpunkt stand. Für mich war das schlimm. Ich habe mich geschämt. Gerne hätte ich der Frau gesagt, dass sie mich missverstanden hat, dass das nicht böse gemeint war, aber natürlich konnte ich das nicht, weil ich dazu normal sprechen können gemusst hätte und das war mir in diesem Moment nicht möglich. Selbst wenn ich ihr ein vorbereitetes Blatt gegeben hätte, auf dem gestanden hätte, was Poltern ist usw., hätte sie nicht die Zeit gehabt, es zu lesen und/oder es wahrscheinlich nicht verstanden. Ich war hilflos. Ich habe dann einfach geschwiegen, bis sie mich fragte: "Wohin wollen Sie fahren?" Und dann habe ich immer nur kurz geantwortet: "Bad Kissingen". "Die nächste Verbindung?" - "Ja." "Hin- und Rückfahrt? - "Ja, beides." "Mit oder ohne Bahncard?" - "Mit Bahncard." ...

Das ist ein Extrembeispiel, aber auf einer niedrigeren Ebene erlebe ich das sehr oft. Für mich stellt sich die Frage: Wie könnte ich es hinbekommen, dass andere Menschen es nicht negativ auffassen, wenn ich mit Symptomen spreche. Extrem schnelles und undeutliches Sprechen wird leider immer negativ aufgefasst. Im konkreten Fall ist mir bewusst geworden, dass die Dame am Schalter schnelles Sprechen sogar mit erhöhter Lautstärke assoziiert hatte. Bei mir ist hingegen das Gegenteil der Fall, denn mein Problem ist, dass ich grundsätzlich zu leise spreche. Das laute Sprechen muss ich mir gerade noch angewöhnen, aber auch das ist schwierig.

Die beschriebene Situation zeigt die oft angeführten "psychosozialen Probleme", wobei ich den Begriff so erkläre: Sprechgesunde können von ihrer Psyche her nicht erkennen, dass jemand Polterer ist, und sind überfordert, diese Sprechstörung als solche einzuordnene, so dass sie unangemessen reagieren, dadurch bekommen Polterer dann soziale Probleme. Das ist z.B. ein Grund, weswegen mir ein Austausch mit Stotterern nichts nützt, denn Stotterer haben eben in dieser und andere Hinsicht eine ganz andere Lebenssituation. Daher bin ich dankbar, wenn sich doch ein Polterer bei mir melden würde. Diesen Wunsch möchte ich gleich konkretisieren, auch ein Austausch mit Stotter-Polterern bzw. Polter-Stotterern, sofern es solche Mischformen tatsächlich gibt, was von der Definition des Polterns abhängt, nützt mir leider nichts. Mit anderen Worten: Ich suche einen Austausch mit "reinen" Polterern. Herzlichen Dank.

Silas

bodensee
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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von bodensee » 22. Oktober 2016 12:45

Hey,

Bin männlich, 27 Jahre alt und leide auch schon immer an "Poltern". Bin letztes Jahr darauf gestoßen, dass es für mein Problem eine echte Bezeichnung gibt und auch wenn es selten ist, ich nicht alleine bin ...

Habe versucht, langsamer zu sprechen, was auch gefühlt die Situation etwas verbessert hat. Ansonsten wechselt bei mir die Ausprägung sehr stark ab ... mal kann ich halbwegs "normal" reden (nicht annähren perfekt, aber "gesellschaftstauglich") und manchmal habe ich riesige Angst, auch nur ein paar Worte zu sagen, weil ich genau weiß, dass es absolut schief geht (was dann auch der Fall ist). Und da ich schon grob weiß, welche Sachen ich gut aussprechen kann und welche nicht, ändere ich auch gern den Satzbau oder verwendete nicht ganz so passende Worte, obwohl ich es besser wüsste - was mich natürlich oft etwa "dumm" wirken lässt, aber besser so, als extrem zu "poltern". Habe auch versucht, Indikatoren zu finden, warum es manchmal besser klappt und mal schlechter. Faktor Körpergewicht, körperliche Fitness, Ernährung, Tagesform (z.B. Schlaf) oder dergleichen, konnte bisher aber keinen zuverlässigen Indikator finden. Zusätzlich verstärkt wird das Ganze durch meine nicht so optimale Stimme, d.h. ich hab ne sehr farblose, eher hohe Stimme und tu mir schon mit der Stimme selbst schwer, das Poltern kommt dazu. Wenn ich zum Beispiel im Winter krank bin und deswegen eine tiefere Stimme habe, gibt mir das sehr viel Sicherheit und das Sprechen klappt wesentlich besser. Leider kann ich den Effekt nicht künstlich erzeugen (rauche nicht, nehme kein Anabolika und wüsste sonst keine Möglichkeit dazu). Lautvermischungen habe ich extrem, deshalb ich eben sehr undeutlich spreche. Kann es auch kaum erzwingen, selbst wenn ich mir Mühe gebe, es klingt einfach nicht sauber. Besonders schwierig sind für mich deutsche Konsonanten, die ziemlich "hart" sind ... ein "R" oder "T", oder dergleichen geht ziemlich unter, deshalb zumindest gefühlt die englische Sprache viel besser funktioniert, da die Aussprache besser klappt und ich mich mehr auf das Reden und nicht auf die korrekte Aussprache konzentrieren muss.

Wollte mich hier einfach mal melden und vielleicht einen Austausch beginnen. Bisher war ich noch nicht beim Logopäden deswegen, die Erfahrungsberichte hier lesen sich ja auch eher negativ...

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PetraS
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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von PetraS » 24. Oktober 2016 17:55

Hallo Bodensee,
dein Bericht interessiert mich, weil ich zwar definitiv stottere, aber immer auch die Komponente des Polterns (du sprichst ja viel zu überstürzt, zu schnell, zu undeutlich...) bei mit eine Rolle spielte und ich einige Fragen habe, die du mir vielleicht beantworten kannst.
bodensee hat geschrieben:...und manchmal habe ich riesige Angst, auch nur ein paar Worte zu sagen, weil ich genau weiß, dass es absolut schief geht (was dann auch der Fall ist). Und da ich schon grob weiß, welche Sachen ich gut aussprechen kann und welche nicht, ändere ich auch gern den Satzbau oder verwendete nicht ganz so passende Worte, obwohl ich es besser wüsste - was mich natürlich oft etwa "dumm" wirken lässt, aber besser so, als extrem zu "poltern".
In dem ersten Satz kann ich mich völlig wiederfinden. Ich erinnere mich noch gut, dass immer wenn ich als Kind sagen wollte:
"In welche Klasse gehst du?" ich erstaunte Blicke erntete und die Antwort entweder gar nicht zu dem passte, was ich gesagt hatte (weil die es schlichtweg nicht verstanden haben) oder es kam direkt die Rückfrage. Dann lag aber die Wahrscheinlichkeit nahe, dass ich beim zweiten Versuch völlig blockierte.

Zu einem der Wörter, die ich nie aussprechen konnte, gehörte das Wort "Schwebebalken" (ich war Turnerin). Da kam dann sowas raus wie "Sche-ebalken) und das auch, wenn ich mich höllisch darauf konzentrierte, das W und das B zu sprechen. Ging nicht. Einfach wie erstarrt.

Bei meinen Recherchen über Sprechstörungen bin ich mal beim Stöbern in der Literatur (ich weiß nicht mehr wo) auf die Aussage gestoßen, dass beim Poltern ein zu geringer Muskeltonus und beim Stottern ein zu hoher Muskeltonus zu den auffälligen Sprechstörungen führt.

Und in der Tat ist es so, dass wenn ich "Schwebebalken" nicht sagen kann, ich keinen Zugriff auf meinen Artikulationsapparat habe. Ich kann es nicht willentlich steuern, dass die Zähne nach dem SCH sich an die Unterlippe nähern und dann auch noch zweimal für das BEBALKEN völlig verschließen. Das ganze wird noch erschwert, weil ich die Geschwindigkeit nicht steuern kann, es sprudelt nur so heraus. Aber das Gefühl ist Überspannung, nicht Unterspannung.
bodensee hat geschrieben:Lautvermischungen habe ich extrem, deshalb ich eben sehr undeutlich spreche. Kann es auch kaum erzwingen, selbst wenn ich mir Mühe gebe, es klingt einfach nicht sauber. Besonders schwierig sind für mich deutsche Konsonanten, die ziemlich "hart" sind ... ein "R" oder "T", oder dergleichen geht ziemlich unter, deshalb zumindest gefühlt die englische Sprache viel besser funktioniert, da die Aussprache besser klappt und ich mich mehr auf das Reden und nicht auf die korrekte Aussprache konzentrieren muss.
Kannst du konkretisieren, was du mit Lautvermischungen meinst? Und wie ist das, wenn du laut vorliest? Kannst du dich dann bremsen und deutlicher werden oder ist Lesen auch schwierig?
Wenn du von R sprichst, das "hart" ist, meinst du dann auch am Anfang wie REITER oder nur in der Mitte wie bei SPORT? Bzw. das T, meinst du das auch bei TAG oder nur bei ZETTEL oder RITTER?
Was du über Englisch sagst, erinnert mich an meinen Großvater, der immer sagte: "Man braucht nur eine heiße Kartoffel in den Mund zu nehmen, dann spricht man Englisch." Als Kind habe ich das geglaubt. Gemeint war aber, dass die Engländer bzw. Amerikaner "nuscheln" würden.
Bei mir ist es anders. Auf Englisch stottere ich wesentlich mehr als auf Deutsch, da sind es besonders das W, das (engl.) R und das Y, an denen ich stets hängen bleibe.
Mir fällt aber auf, dass ich beim Türkisch-Reden weniger Probleme habe als beim Deutschen, weil die Silbenstruktur und die Betonung einfacher ist. Jedenfalls fällt mir kaum ein türkisches Wort ein, das ich als "schwer sprechbar" empfinde, während ich im Deutschen in kurzer Zeit auf eine unendliche Zahl komme. (Arbeitsplatte, Ananas, Verfassungsschutz, Vorstellungsgespräch, Schlüssel, Hochspannungsleitung, Leitungswasser, Stadtanzeiger etc.) alles Wörter, wo ich im Vorhinein ein ungutes Gefühl habe und oft Chaos dabei herauskommt.
bodensee hat geschrieben:Wollte mich hier einfach mal melden und vielleicht einen Austausch beginnen. Bisher war ich noch nicht beim Logopäden deswegen, die Erfahrungsberichte hier lesen sich ja auch eher negativ...
Austausch finde ich immer spannend. Und ob man einen Logopäden aufsucht, ist sicher eine Frage des Leidensdrucks. In jedem Falle hängt die Tatsache, ob ein Logopäde einem helfen kann, sehr stark damit zusammen, was man von ihm erwartet. Der Logopäde kann eigentlich nichts als professionelle Tipps geben, helfen muss man sich am Ende doch selber.

Gruß
Petra

Mstask
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Re: Poltern - Suche Polterer

Beitrag von Mstask » 30. Dezember 2016 18:37

Hallo zusammen,
mir geht es ähnlich wie Euch. Bin seit meiner Kindheit Polterer, dies wurde aber erst im Erwachesenalter richtig diagnostiziert. Früher war ich einfach nur jemand mit Sigmatismus (Probleme bei der S-Lautbildung) mit einem zu schnellen Sprechen. Der Sigmatisus wurde in Kindesalter von einem Logopäden zum Teil behandelt und nach einer Therapiezeit von einem Jahr abgeborchen. Mehr könne man nicht machen.
Im Erwachsenenalter versuche ich nun verschiedene Formen bereits beim Logopäden aus, aber so richtig will nichts greifen. Ich stehe beruflich viel in der Situation sprechen zu müssen, wenn ich mich darauf vorbereite geht es größenteils.
Gibt es Selsthilfegruppen oder einen Tipp für eine gute Therapie, die auch Dauerhaft was bringt?

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