Hormone

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LDS-TG90
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Hormone

Beitrag von LDS-TG90 » 13. März 2015 20:43

Hallo, ich stelle mich hier auch nochmal vor. Ich bin Thomas, 24 Jahre und Stotterer.

Mir ist aufgefallen dass mein Sprachfluss sehr gut mit meiner Gefühlslage übereinstimmt. Wenn ich unter Stress stehe, also wenn die Stresshormone (z.B. Adrenalin) aktiv sind fällt mir das Sprechen sehr schwer und ich habe viele Blockaden, die schwer zu überwinden sind. Z.B. morgens oder wenn es bei der Arbeit stressig ist oder wenn ich schnell etwas sagen muss oder wenn ich mit einer nicht so vertrauten Person spreche. Wenn aber viel Adrenalin freigesetzt wird, bin ich sehr konzentriert und stottere fast gar nicht. Das ist mir schon früher in der Schule bei Vorträgen aufgefallen. Dann gibt es ja noch die Glückshormone Dopamin und Serotonin, die werden freigesetzt wenn man gute Laune hat. Besonders wenn ich sehr gute Laune habe kann ich gut flüssig sprechen. Ich bin dann selbstsicherer, habe weniger Hemmungen und rede auch viel mehr. Da habe ich noch nie so drüber nachgedacht. Jetzt kann ich immer schon vorher einschätzen ob ich gerade gut reden kann oder es lieber sein lasse, bzw. nur das nötigste sage. Dann brauche ich mich auch nicht mehr darüber aufregen wenn ich gerade nicht gut sprechen kann, womit ich unnötige Stresshormone vermeide. Ist das bei euch genauso?

freundliche Grüße
Thomas

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Re: Hormone

Beitrag von 777 » 14. März 2015 22:13

Ja, das ist wohl völlig normal. Wer sich gut fühlt, spricht auch gut.

Fraglich ist es aber, ob es wirklich so gut ist, wenn man das Sprechen einfach sein lässt, wenn man sich gerade nicht gut fühlt? Vermeidungsstrategien sind eigentlich nie gut, man sollte lieber versuchen, auch mit diesen Situationen umzugehen, wobei ich natürlich selbst weiß, dass das schwierig genug ist.

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Re: Hormone

Beitrag von LDS-TG90 » 15. März 2015 00:19

Ich vermeide wenn möglich unnötig viele Worte in Stresssituationen. Man muss sich ja nicht noch mehr Stress machen. Stress ist ungesund.

Übertragen auf den Straßenverkehr würde das bedeuten: Ich vermeide unnötige Fahrten im Berufsverkehr oder zur Hauptreisewelle. Wenn man zur Arbeit fahren muss oder seinen Urlaub nicht verschieben kann, muss man eben trotzdem fahren.

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Re: Hormone

Beitrag von 777 » 19. März 2015 13:33

Ich kam aber irgendwann an den Punkt, wo ich keine Lust mehr hatte, Wörter zu vermeiden, nur weil ich stottere und weniger Stress möchte. Der Stress baut sich dadurch mehr und mehr ab, indem man häufiger in solche Situationen geht, anstatt sie aus dem Weg zu gehen.

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Re: Hormone

Beitrag von LDS-TG90 » 29. März 2015 16:10

Das ist verständlich, wenn man es schafft auch solche Situationen zu meistern, schafft das sicher Selbstbewusstsein, was dann die Angst beim nächsten Mal verringert. Wenn man in solchen Situationen aber extrem stottert, schämt man sich auch extrem und man hat dann beim nächsten Mal noch mehr Angst zu stottern. Es kann also so oder so der bessere Weg sein.

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Re: Hormone

Beitrag von 777 » 1. April 2015 11:39

LDS-TG90 hat geschrieben:Das ist verständlich, wenn man es schafft auch solche Situationen zu meistern, schafft das sicher Selbstbewusstsein, was dann die Angst beim nächsten Mal verringert. Wenn man in solchen Situationen aber extrem stottert, schämt man sich auch extrem und man hat dann beim nächsten Mal noch mehr Angst zu stottern. Es kann also so oder so der bessere Weg sein.
Das ist wahrscheinlich der springende Punkt. Man muss es schaffen, dass es einen nicht mehr belastet und es kein Grund ist, sich zu schämen. Ich weiß, dass ist alles leicht gesagt und ich war sicherlich mehr als 15 Jahre ebenso auf diesem Wege unterwegs. Vor zwei Jahren habe ich dem Stottern dann auch im Hinblick auf meinem Berufswunsch den Kampf angesagt. Die ersten Anrufe (nach seeeehr vielen Jahren) waren ebenso nicht besonders gut und mit viel Angst besetzt, wenn man die teils seltsamen und respektlosen Reaktionen ignoriert und die Leute eher als Versuchsobjekte ansieht, kann es irgendwann gelingen, dass die Angst langsam sinkt. Das ist zwar ein harter Weg, aber für mich lohnt er sich aktuell!

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Re: Hormone

Beitrag von Torsten » 11. September 2015 19:27

LDS-TG90 hat geschrieben:Besonders wenn ich sehr gute Laune habe kann ich gut flüssig sprechen. Ich bin dann selbstsicherer, habe weniger Hemmungen und rede auch viel mehr.
Hallo Thomas und alle anderen,
hier ist ein interessanter Bericht von John, der gut in diesen Thread passt. Tom Weidig hat ihn auf seinem Blog TheStutteringBrain veröffentlicht. Wer möchte, kann John kontaktieren - er freut sich über Rückmeldungen:
john@1123interactive.com

Hier nun der Bericht, danach meine (grobe) Übersetzung:
  • Like a lot of people who stutter, as I am told, I frequently experience issues with low mood. On about my 15th effort to find a solution for this, I started supplementing with various amino acids to target various neurotransmitters, specifically the ones known to cause mood issues (e.g. serotonin, beta endorphins, dopamine, etc.).

    Quite unexpectedly, after using these supplements, I noticed a marked drop in stuttering, on the order of about 90% most days (some days 100%). I found myself being able to have conversations with people where I was talking a solid 20-30 minutes without a single stutter. Even the people around me remark that "it" is just "gone". I have stuttered for over 30 years, and this had never happened, especially for this long (I have sustained these effects for about 15 months now).

    I have tried on my own, as a hacky citizen-scientist, to try and piece together what I have observed. What I *think* is happening is some sort of synergistic process between boosting both dopamine and beta-endorphin. Ironically, this sort of flies in the face with what I understand about he current pharmaceutical approaches to stuttering treatment, that is, trying to cut down on available dopamine.

    What is amazing about amino acid supplementation is that, at least for me, there are zero side-effects. My mood is a ton better and my speech is a ton better. Of course, it could just be that, that my speech is better because I feel better, but I do see a definite increase in stuttering when I stop taking the aminos, even before I notice a drop in mood.

    What I would love to be able to do is be able to study this further. I would love to be able to work to understand what I have found, if I am just an anomaly, or if this sort of therapy holds promise for others as well.
Übersetzung:
  • Ähnlich vielen anderen Leuten, die stottern, erlebte auch ich oft Phasen von Niedergeschlagenheit. Als den ungefähr 15. Versuch, das Problem zu lösen, begann ich damit, verschiedene Aminosäuren als Nahrungsergänzung einzunehmen, um damit gewisse Neurotransmitter zu beeinflussen – besonders die, von denen bekannt ist, dass sie Stimmungsprobleme verursachen, z.B. Serotonin, Beta-Endorphine, Dopamin usw.

    Ganz unerwartet, nachdem ich diese Nahrungsergänzungen genommen hatte, bemerkte ich ein deutliches Nachlassen des Stotterns, um etwa 90% an den meisten Tagen (an manchen Tagen um 100%). Ich stellte fest, dass ich in der Lage war, mich mit Leuten zu unterhalten, wobei ich gut 20-30 Minuten ohne ein einziges Stottern redete. Sogar die Leute um mich herum bemerkten, dass „es“ auf einmal „weg“ war. Ich habe mehr als 30 Jahre lang gestottert, und das ist niemals passiert, besonders nicht über eine so lange Zeit (ich habe den Effekt nun ungefähr 15 Monate lang).

    Ich habe versucht, mir selbst meine Beobachtungen zu erklären – als ein armseliger Laien-Wissenschaftler. Ich vermute, was da abläuft ist eine Art synergetischer Prozess zwischen Dopamin und Beta-Endorphin, die sich gegenseitig hochschaukeln. Paradoxerweise ist das Bisschen, was ich von der üblichen pharmazeutischen Stotterbehandlung verstehe, gerade das, dass man versucht, das verwertbare Dopamin einzuschränken.

    Das Erstaunliche an der Nahrungsergänzung mit Aminosäuren ist, dass es, zumindest bei mir, keinerlei Nebenwirkungen gibt. Meine Stimmung ist enorm besser und mein Sprechen ist enorm besser. Es könnte natürlich sein, dass das Sprechen besser ist, weil die Stimmung besser ist, aber ich bemerke wirklich einen definitiven Anstieg des Stotterns, wenn ich aufhöre, die Aminos zu nehmen – und zwar bevor ich ein Abfallen der Stimmung bemerke.

    Ich wäre gern in der Lage, das weiter zu untersuchen. Ich wäre gern in der Lage, zu verstehen, was ich entdeckt habe – ob ich eine Ausnahme bin oder ob diese Art der Therapie auch für andere erfolgversprechend ist.
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Re: Hormone

Beitrag von Max84 » 15. September 2015 21:32

Hallo Thomas,

deine Theorie mit den Hormonen finde ich interessant. Ich kenne das von mir persönlich auch.

Habe ich einen "erfolgreichen" Tag, der mein Selbstbewusstsein steigert (egal ob beruflich oder privat), nehme ich das positive Gefühl meist in den Folgetag mit. Wenn ich dann am nächsten Morgen bei Bäcker Brötchen kaufe, schießen die Wörter aus mir raus, ohne das ich darüber nachdenke und mein Redefluss ist ganz normal. Selbst wenn an diesem Tag etwas negatives geschieht, ändert das nichts an meinem Sprechen. Sobald sich die Fronten wieder ändern, sieht es anders aus.... Einmal in einem negativen "Loch" gefangen, ist es schon schwer, wieder heraus zu kommen.

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Re: Hormone

Beitrag von Torsten » 29. September 2015 10:32

Hallo Max,
Max84 hat geschrieben:deine Theorie mit den Hormonen finde ich interessant.
Es ist nicht meine Theorie - die geht ganz anders - siehe http://www.stottertheorie.de/. Ich habe den Bericht von John hier eingestellt, weil ich ihn interessant finde, und weil ich weiß, dass es vielen so geht wie dir und John: Bei guter Stimmung tritt weniger Stottern auf.

Von mir selber kann ich das so nicht sagen. Erstens bin ich emotional relativ ausgeglichen, d.h. ich neige nicht zu Depressionen (eher mal zu kurzen Wutanfällen :D ). Zweitens tritt bei mir Stottern auch dann mit größerer Wahrscheinlichkeit auf, wenn ich von etwas begeistert bin. Positive Erregung wirkt bei mir genau wie negative Erregung.

Aber für alle diejenigen, die stottern und zu trüben Stimmungen neigen. könnten Johns Erfahrungen vielleicht von Nutzen sein. Leider schreibt er nicht, welche Aminosäuren er genommen hat - aber man kann ihn ja fragen.

Gruß, Torsten
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Serotonin

Beitrag von Graf Stottern » 10. Januar 2017 14:27

Liebe Freunde,

mir ist aufgefallen, dass ich, wenn ich MDMA (Ecstasy) konsumiere, während der Wirkung, komplett vom Stottern geheilt / befreit bin. Das geschieht manchmal auch bei Psilocybin (Zauberpilze) oder LSD, aber nicht immer. Bei MDMA ist mein Stottern allerdings immer komplett verschwunden.

Wie manche von euch sicher wissen, verursacht MDMA eine erhöhte Serotonin-Konzentration zwischen den synaptischen Spalten, welche gewisse psychische & körperliche Folgen nach sich zieht: Es kommt zur MDMA-Wirkung. Ein Teil der Wirkung ist dabei auch das Verschwinden des Stotterns.

Demnach muss das Stottern irgendwie mit dem Neurotransmitter Serotonin in Zusammenhang stehen. :!:

Gibt es hierzu bereits Forschungen oder Überlegungen? :?:

vielen Dank & liebe Grüße

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Re: Serotonin

Beitrag von Torsten » 10. Januar 2017 14:56

Hallo, willkommen im Forum!

Die Wirkung auf das Stottern muss nicht direkt mit dem Serotonin zusammenhängen. Sie kann auf das zurückzuführen sein. was die jeweilige Droge sonst noch bewirkt, z.B. Veränderungen der Wahrnehmung.

Gruß, Torsten
www.stottertheorie.de

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Re: Hormone

Beitrag von Graf Stottern » 12. Januar 2017 11:11

Ja, das kann sein.

Aber wie bei den meisten hier ist ja so, dass wie bei besserer Laune, d. h. erhöhtem Serotonin-Spiegel, weniger stottern. Das würde sich also mit der Beobachtung decken.
Auch LSD und Psilocybin imitieren, durch ihre Ähnlichkeit zum Serotonin-Molekül, das Serotonin-Molekül bzw. das Gehirn denkt, es seinen hohe Serotonin-Konzentrationen vorhanden. Auch diese Drogen führen, bei mir, manchmal zur kompletten Befreiung, aber in jedem Fall zu einer Verbesserung.
Auch bei Alkohol, welcher, wie MDMA, eine Serotonin-Ausschüttung erzwingt, spreche ich, je höher die Dosis, immer flüssiger.

Ich habe soeben auch gefunden, dass Serotonin Angst, Kummer und Sorgen beseitigt / unterdrückt. Das sind wesentliche Probleme beim Stottern; Stichwort: Rede-Angst, Vermeidung, etc.

Geht man davon aus, dass Stottern immer die gleiche Ursache hat? Vllt. ist das ja, in meinem Fall, der Weg.

Ich habe einen Psychiater / Neurologen kontaktiert und ihn von meinen Gedanken erzählt. Morgen sollte ich eine Antwort bekommen.
Auch habe ich mir, wie Tom Wedding, die Aminosäure L-Tryptophan besorgt, die eine Vorstufe zum Serotonin darstellt.

Ich werde berichten.

Wünscht mir Glück & Erfolg!

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Re: Hormone

Beitrag von Märchenzähler » 14. Januar 2017 20:14

Graf Stottern hat geschrieben:Aber wie bei den meisten hier ist ja so, dass wie bei besserer Laune, d. h. erhöhtem Serotonin-Spiegel, weniger stottern.
Oi! Wieder ein Märchen für meine Märchensammlung!

Von Serotonin-Spiegel weiß ich nichts. Aber dass man bei besserer Laune weniger stottert, kann wohl nur jemand behaupten, der noch nie in einer besser gelaunten Selbsthilfegruppe war.

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