Wenn das eigene Kind auch stottert...

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esche
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Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von esche » 18. Juli 2015 22:26

Folgender Beitrag aus der Vorstellungrunde beschäftig mich ziemlich und ich fände es sehr interessant, wie ihr damit klarkommt, dass das eigene Kind vermutlich aufgrund der familiären Veranlagung stottert bzw. stottern könnte. Und natürlich, ob es den Kinderwunsch beeinflusst.
abc hat geschrieben:Wobei mich gerade der Beitrag von "Esche" ziemlich beunruhigt hat. Denn er/sie hat geschrieben, dass seine Tochter 8 ist und vermutlich zu stottern anfängt. Das hat mich gerade ziemlich "runtergezogen". Den unser "Stotterer-Schicksal" wünsche ich niemandem, und meinen Kindern erst recht nicht. Vielleicht übertreibe ich (denn ich werfe meinem Vater nicht wirklich vor, mich auf diese Welt gesetzt zu haben), aber ich würde mir selbst im Fall der Fälle ganz sicher vorwerfen, beim Kinderwunsch eine verantwortungslose Entscheidung getroffen zu haben. Mir bleibt nun nichts anderes übrig, als abzuwarten in der Hoffnung, dass nichts passiert. Obwohl wenn meine Tochter manchmal mit den Worten anfängt: "Aber... aber...aber...", schlagen alle meine Nervenzellen Alarm, dass... Ihr wisst schon...
Erst mal - ich bin weiblich. Meine Tochter hatte so ab 6 Jahren erste, wirklich sehr seltene Stolperstellen - die hat bestimmt keiner außer mir wahrgenommen. Die Alarmglocken klingelten zwar bei mir, aber ich hoffte, das regelt sich von alleine wieder. Im Laufe der zweiten Klasse wurden die Symptome stärker und seit einem halben Jahr ist es besonders in der Schule so, dass sie teilweise beim Sprechen blockiert. Laut Lehrerin bemerken es zwar die Mitschüler, aber meine Tochter meldet sich gerne und spricht bis jetzt ungeniert vor der Klasse. Soweit ich die Logopädin richtig verstanden habe, ist es auch das vorrangige Ziel der Therapie, selbstbewusst mit dem Stottern umzugehen. Soweit mal eine kurze Zusammenfassung.

Mit der Entscheidung für eigene Kinder trägt man schlagartig eine sehr große Verantwortung. Und man will natürlich den eigenen Kindern alles Leid ersparen, besonders das Leid, das man aus dem eigenen Leben kennt. Auch falls für meine Tochter bezüglich des Sprechens noch schwierigere Zeiten zukommen sollten - aus heutiger Sicht bin ich glücklich und dankbar, dass mein Kind auf der Welt ist. Letztendlich ist es unberechenbar, mit was unsere Kinder konfrontiert werden und wir können nur versuchen, das Beste daraus zu machen und ihnen dabei zu helfen.
Liebe abc, ich hoffe natürlich, dass deine Kinder kein Stottern entwickeln, aber wenn doch - so wie du rüberkommst bist du alles andere als ein verantwortungsloser Mensch ...

Gibt es eigentlich eine Statistik, die besagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Stotterns bei familiärer Veranlagung ist?

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PetraS
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von PetraS » 20. Juli 2015 16:51

Hallo Esche,
esche hat geschrieben:Folgender Beitrag aus der Vorstellungrunde beschäftig mich ziemlich und ich fände es sehr interessant, wie ihr damit klarkommt, dass das eigene Kind vermutlich aufgrund der familiären Veranlagung stottert bzw. stottern könnte. Und natürlich, ob es den Kinderwunsch beeinflusst.
Ich habe mir vor dem Kinderwunsch nie Gedanken gemacht, dass oder ob meine Kinder Stottern entwickeln könnten. Denn ich wusste zu dem Zeitpunkt schlichtweg nichts davon, dass die Disposition fürs Stottern erblich ist. Als mein Sohn dann klein war und in die sensible Phase kam, habe ich seine Sprachentwicklung mit Argusaugen beobachtet, zumal ich auch glaubte, dass ich sogenannte "entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten" durch ein positives Kommunikationsverhalten beeinflussen könnte. Der Kelch ging an ihm vorbei, auch wenn er eine kurze Phase von Unflüssigkeiten hatte, die ich allerdings einer unausgewogene Zweisprachigkeit zuschrieb.
Als meine Tochter zur Welt kam, war das anders - vielleicht weil ich mich mehr mit ihr identifizierte -, denn da kam auch bei mir alles wieder hoch, allerdings ausgelöst durch einen Fernsehbeitrag, den ich zufällig gesehen hatte. Da erst befasste ich mich sehr intensiv mit dem Stottern und der familiären Disposition und beschloss: wenn meine Tochter Stottern entwickeln sollte, dann würde sie die beste Mama haben, die sie bei der Hand nimmt und mit ihr da durchgeht. Auch sie blieb aber vom Stottern verschont.
esche hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine Statistik, die besagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Stotterns bei familiärer Veranlagung ist?
In den zahlreichen Studien, die ich übers Stottern gelesen habe, stand auch etwas darüber, wie hoch der Anteil stotternder Kinder bei stotternden Eltern ist.
Leider kann ich jetzt die Quelle nicht so schnell auffinden. In jedem Fall kann ich mich daran erinnern, dass der Anteil stotternder Kinder bei einer stotternden Mutter größer ist als der bei einem stotternden Vater.
In der Realität habe ich ziemlich viele Leute kennen gelernt, die von stotternden Eltern gesprochen haben. So erst neulich eine junge Abiturientin, deren Mutter ebenso stottert wie sie und ihr Bruder.

Aber wie war das denn bei den anderen hier im Forum, die stottern und selber Kinder haben? Ich kann doch nicht die einzige sein!?
Gruß
Petra

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von paul.dest » 21. Juli 2015 14:26

esche hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine Statistik, die besagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Stotterns bei familiärer Veranlagung ist?
Ulrich Natke und Anke Alpermann schreiben in "Stottern: Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden" im Kapitel "4.6 Familiäre Häufung, Zwillingsstudien und Vererbung":
...

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von esche » 21. Juli 2015 20:17

danke Paul für deine Recherchen!
die Wahrscheinlichkeit ist nach dieser Schätzung ja ganz schön hoch...

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von eisvogel » 21. Juli 2015 23:08

Hallo Esche, ich bin Vater von drei Söhnen (jetzt alle schon erwachsen). Der mittlere hatte als Zweijähriger mal eine kurze Stotterphase - da klingelten bei mir alle Alarmglocken. Aber dabei blieb es dann auch.
Vor der Geburt meiner Kinder habe ich mir keinen Kopf gemacht, wußte auch wenig über Stottern und deren Ursachen.
Manchmal führt Unwissenheit eben auch zu einer gewissen Unbeschwertheit :)
Dafür hat einer meiner Söhne als junger Erwachsener eine Psychose bekommen und ist davon noch heute beeinträchtigt - auch das ist eine Erfahrung mit der man klarkommen kann (und irgendwie auch muss).

Schöne Grüße

Norbert

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von Jaspis » 23. Juli 2015 18:11

Hallo,
zu diesem Thema kann ich auch was beisteuern! :D

Komischerweise hatte ich keine Angst davor, wenn meine Kinder angefangen hätten zu stottern.
In den Jahren vor der Geburt meines 1.Kindes hatte ich mich (endlich!) intensiv mit Stottern beschäftigt. Und so fühlte ich mich gut gewappnet. Ich rechnete sogar damit, dass meine Kinder ebenso stottern könnten. Denn: ich stottere, mein Vater stottert und die Zahl 36% Wahrscheinlichkeit, dass Söhne stotternder Mütter auch stottern, kannte ich. Mein 1.Kind wurde ein Junge - und ich habe gewartet und seine Sprechentwicklung genau beobachtet. Nicht ängstlich beobachtet, sondern neugierig und endlich mal live dabei, wie sich Sprechen - und evtl. Stottern - entwickelt. 8)
Beim 1.Kind hat man ja viel Zeit und Ruhe für die Kommunikation. Mir selbst hat das sehr gut getan, mein Stottern hat sich in den ersten Jahren mit Kind sehr verbessert. Ich glaube, ich habe das Sprechen lernen so genau beobachtet, dass ich es selbst sozusagen nochmal "neu" gelernt habe... §dup
Mein Sohn hat sehr früh angefangen zu sprechen, auch schwierige Wörter, ich kam kaum hinterher. Ewig im Gedächtnis wird mir bleiben: "Kartoffelerntemaschine" -- Ich kann es heute noch! Ich befand mich in einem kleinen Wettbewerb, mein Ehrgeiz war geweckt, ich musste die schwierigen Wörter einen Tick früher (wieder) sprechen können, bevor mein Sohn sie können wollte. Jedenfalls, das Ergebnis ist: mein Sohn stottert nicht. Er lispelt und poltert etwas. Ich habe lange gezögert, ihn deswegen zum Logopäden "zu schleppen". Inzwischen will er es selbst, sozusagen als Feinschliff, und ich werde mich im neuen Schuljahr mal darum bemühen.

Beim 2.Kind, einer Tochter, war dann nicht mehr soviel Zeit und Ruhe da wie beim 1.Kind. Das tat mir etwas leid. Und, aber, seitdem haben meine Kinder dann auch mal ihre Mutter immer öfter stottern gehört. Das war für mich ebenso sehr "lehrreich", denn ich habe bewußt vermieden, vor ihnen mein Stottern nicht zu zeigen. Ich wollte, dass sie lernen "Schaut her, es gibt auch Menschen, die können nicht immer so gut sprechen und das ist gar nicht schlimm." Auch als Vorsorge, falls sie selbst doch noch anfangen würden zu stottern. Stottern soll(te) in unserer Familie kein Tabu sein.
Meine Tochter stottert bei manchen Wörtern, Silben ganz leicht. Statt "hat" sagt sie z.B. "ha-ha-hat" Das ist bei der Silbe "h-a" eigentlich immer. Aber weder bemerkt sie es, noch korrigiere ich sie. Das sind so wenige Stellen, da will ich ihr Bewusstsein eigentlich gar nicht dafür schärfen. Meine Tochter hat auch viele Jahre einige wenige Wörter ganz komisch ausgesprochen. Z.B. statt "Paprika" sagte sie immer "Prapripra". Meine Eltern haben sie bei sowas dann immer gleich korrigiert. Ich nicht. Ich habe mir gesagt, wer so schwierige Silbenkombinationen wie "pra-pri-pra" aussprechen kann, der kann auch irgendwann das normale Wort "Paprika" aussprechen. Und so kam es auch. Ich wollte sie in den Jahren des Sprechenlernens so wenig wie möglich bewusst korrigieren.

Beide Kinder hatten mit 2 und 4 Jahren unflüssige Phasen und ich dachte immer: jetzt geht es doch los!
In diesen Phasen habe ich dann die Kommunikation immer um eine Stufe ruhiger und einfacher vom Niveau runtergefahren. Und habe unflüssige Wörter und Sätze in einem meiner nächsten Sätze flüssig (für mich selbst wieder höchste Übungsstufe!!) mit eingebaut. Mir war wichtig, dass sie die Wörter richtig ausgesprochen hören, damit sie sich richtig ins (Hör)Gedächtnis einprägen.

Meine beiden Kinder stottern also nicht. Und sie treten gern vor größeren Gruppen, wie z.B. Theater in der Schulklasse, auf und halten vor Publikum Reden. Ich sitze dann immer ganz still da und bekomme Gänsehaut. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und brauche auch kein Taschentuch mehr, wenn ich sie so mutig und unbekümmert vor Publikum reden höre...

Gerade heute war nämlich wieder so ein Auftritt, mein Sohn ist so cool im Schultheater aufgetreten, boah! Und ich werde ihn nachher nicht fragen "Na, das war aber ganz schön aufregend, nicht wahr, mein Sohn?" Er soll sich seine Lust und seine Coolness für solche Auftritte bewahren.

Viele Grüße!

esche
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von esche » 25. Juli 2015 12:43

Vielen Dank für eure Antworten, besonders für deine ausführliche, Jaspis. Wie alt sind deine Kinder jetzt? Ist dein Sohn von sich aus auf dich zugekommen bzw. wie hast du das Thema bei ihm angsprochen? Meine großen zwei Kinder sprechen nämlich auch nicht wirklich "gut/sauber/schön" und ich bin mir sehr unschlüssig, inwieweit man an ihnen "rumkorrigieren" soll, solange kein offensichtlicher Handlungsbedarf besteht.
Liebe Grüße

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von Jaspis » 25. Juli 2015 19:02

Hallo esche,
mein Sohn ist 13 und meine Tochter 10.
Ich habe meinen Sohn offen darauf angesprochen, immer mal wieder. Ich bin da eher direkt. Anlass für die letzten Gespräche (auch mit seiner Kinderärztin) waren mehrere Vorträge, die er in der Schule halten musste. (Das nimmt ja heutzutage immer mehr zu, dass die Kinder schon frühzeitig sowas lernen. Zu meiner Zeit konnte ich alles mit schriftlichen Noten rausreißen, das ginge heute gar nicht mehr.)
Er übt die Vorträge oder Theaterrollen auch mit mir. Da bin ich ganz froh darüber, so kommt man besser ins Gespräch. Hoffe, das bleibt trotz Pubertät auch noch eine Weile so. :wink:
Aus anderen Gründen war er letztes Jahr bei einer Kinderpsychologin. Sie hat einen guten Grundstein dafür gelegt, dass er "Therapie" für sich als positiv kennengelernt hat. Danach war/ist er nun auch für Logopädie bereit. Ich will nun auch dranbleiben! §dup
Viele Grüße!

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von turnschuh » 1. August 2015 21:38

Hallo Esche,
mein Sohn ist 6 Jahre alt und stottert seit etwa 3 Jahren, ich selber stottere ebenfalls seit früher Kindheit.
In unserer Familie war ich der erste der stottert, insofern war ich eher überrascht, als mein Sohn anfing zu stottern.

Stottern empfinde ich selbst nicht als so eine Bürde, dass meine Lebensqualität leidet. Insofern wäre das für mich kein Argument pro oder contra eigenen Nachwuchs gewesen, selbst wenn mir die Wahrscheinlichkeit eines stotternden Sohnes bekannt gewesen wäre.

Da ich selber Erfahrung mit dem Stottern habe, kann ich mit meinem Sohn offen über das Stottern reden, was er mit meiner Frau beispielsweise nicht gerne macht. Manchmal lachen wir auch über die Situationen, die das Leben so bietet und machen so Späße ala "warum können die anderen eigentlich nicht auch stottern, ist doch ganz leicht" 8)

Ich hoffe natürlich, dass er genügend Selbstvertrauen bekommt um trotz Sprechbehinderung am Unterricht teilzunehmen und sich nicht zu sehr zurückzieht. Meine Frau macht sich wegen möglicher Hänseleien in der Schule mehr Gedanken, und ich glaube für sie als Nicht Stotterin ist es schwerer damit umzugehen. Ich versuche sie zu beruhigen, dass ich ganz zuversichtlich bin, dass er das gut schafft. Sie fragt mich oft wie irgendwas für mich als stotterndes Kind war, wobei ich mich an vieles gar nicht so genau erinnere. Bei mir waren es eher die Lehrer, die zurückblickend etwas "strange" mit mir umgegangen sind als die Mitschüler.

Für mich ist er eher der Punkt, wie entwickelt er sich als Mensch. Sprechen ist ja etwas, womit man in einer Gruppe von Menschen mitgestaltet. Wenn man mitgestalten möchte, muss man sich einbringen, seine Meinung sagen, Vorschläge äußern usw. da dreht sich alles ums reden. Ich erinnere mich in der Schule oft den Diskussionen gefolgt zu sein, im stillen meine Meinung gedacht zu haben, aber selber meine Meinung nicht vorgebracht, weil ich nicht gut sprechen konnte.

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von abc » 12. August 2015 12:14

Liebe Esche und alle anderen Forumsmitglieder,

nun habe ich endlich Zeit, mich auch zu äussern.

Ich befinde mich schon seit Monaten in einem ziemlichen "Stotter-Tief", dessen Konsequenz langsam aber sicher mein BEWUSSTES Vermeidungsverhalten wird. Da wo ich nur kann halte ich einfach meinen Mund. Und wenn es sich keinesfalls vermeiden lässt, sage ich bzw. stottere ich DAS NÖTIGSTE ab und versuche mich, wenn möchlich, schnellst zuzückzuziehen oder zu gehen.

Ich hatte auch mal bessere Zeiten, mehrere Jahre hintereinander. Da hatte ich so wenig gestottert, dass ich oft oder eigentlich die ganze Zeit vergaß, dass ich stottere. Mittlerweile bin ich weit von diesem Zustand entfernt, sonst hätte ich diese Seite im Dezember letzten Jahres nicht aufgesucht. In meinen "guten" Jahren wäre ich nie auf diese Idee gekommen, ich hatte schlicht und einfach kein Bedürfnis und keine NOTwendigkeit, mich mit meinem (Bisschen) Stottern zu befassen.

Das Bemerkenswerte dabei ist, dass mein Leben in den besagten "guten" Jahren äusserst STRESSIG war: Studium, Nebenjobs, Beziehungen und viel mehr... Im Moment dagegen, während meines "Stotter-Tiefs", führe ich sonst ein VÖLLIG INTAKTES Leben. So geordnet und glücklich war mein Leben noch nie. Obwohl das Wort "glücklich" würde an dieser Stelle besser passen, wenn ich mein Stottern komplett ausblende.

Man könnte diese Zusammenhänge analysieren. Doch dazu habe ich weder Zeit noch Lust. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dies vielleicht etwas für Paul wäre... und für Freud und seine Kollegen.

Liebe Esche, die Du ja, wie du selbst sagst, nicht sehr stark stotterst,

hätte ich mich damals, während meiner Kinderwunsch-Zeit, in einer ähnlichen Phase wie jetzt befunden, so hätte ich mich defiitiv DAGEGEN entschieden!

Soviel dazu und liebe Grüße an alle!
Viktoria

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von esche » 13. August 2015 22:14

Hallo turnschuh, du kannst das alles ja recht sachlich sehen - war das schon immer so? Ich stelle fest, dass die wenigen Männer, mit denen ich mich bis jetzt darüber unterhalten haben, eher rationaler rangehen als ich.

Liebe Viktoria, schön von dir zu lesen...
abc hat geschrieben:Man könnte diese Zusammenhänge analysieren. Doch dazu habe ich weder Zeit noch Lust.
Na, es wäre doch schon sehr interessant, herauszufinden wie man tickt um was ändern zu können...

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von Heiko Bräuer » 14. August 2015 17:48

esche hat geschrieben:Hallo turnschuh, du kannst das alles ja recht sachlich sehen - war das schon immer so? Ich stelle fest, dass die wenigen Männer, mit denen ich mich bis jetzt darüber unterhalten haben, eher rationaler rangehen als ich.
[...]
Hallo esche,

ich glaube die Rationalität von uns Männern liegt auch vielleicht daran, dass wir statistisch gesehen das Stottern weniger vererben als Frauen.
Für mich und meine Partnerin hat es beim 1. Kind nie eine Rolle gespielt.
Und ich wusste damals auch schon das es vererbar ist und
Und wenn ich ehrlich sein soll, dann würde ich mir bei weiteren Kindern darüber keine Gedanken machen, denn es gibt weit aus schlimmere Sachen, die vererbbar sind.

Auch wenn das Stottern bei einigen sehr intensiv ausgeprägt sein mag und man deswegen mehr darüber nachdenkt ob es vererbt werden könnte, gibt es immer Wege im Alltag gut damit klar zu kommen und wie meine Vorredener es schon erwähnt haben, hat ein Stotterndes Kind, mit einem Stotternden Elterteil, auch immer gewisse Vorteile, als wenn kein Elternteil stottern würde und womöglich dann nur auf Erfahrungen und Hilfe von 3. zurückgreifen könnte.
Denn bei mir in der Familie gibt es seit meiner Geburt keine Stotterer, welche mir oder auch meinen Eltern, Ihre Erfahrungen hätten mitteilen können. Aus diesem Grund würde ich im nachhinein auch sagen, dass meine Kindheit in Bezug auf das Stottern nicht optimal verlaufen ist und wahrscheinlich anders verlaufen wäre, wenn ein Elternteil gestottert hätte.

Die Frage ob ich auf dieser Welt wäre, hätte ein Elternteil gestottert, habe ich mir aber auch noch nie gestellt und werde ich mir oder auch meinen Eltern, auch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stellen. Denn diese Gedanken / Fragen sind für mich zu utopisch als sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen.


Gruß Heiko

abc
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von abc » 14. August 2015 21:29

Hallo Heiko und alle anderen Leser ,

zum Thema: es gebe weit schlimmere Sachen, die vererbbar seien. (Das Zitieren hier muss ich noch üben...)

Eigentlich hatte ich bis jetzt nicht vor, über andere ebenfalls vererbbare Fehler/Krankheiten zu schreiben - vor allem über die, die mich persönlich betreffen.
Also springe ich hiermit über meinen eigenen Schatten - vielleicht hilft es ja jemandem.

Ich habe von meinem Vater das Stottern geerbt und von meiner Mutter Epilepsie - wie man sieht, bin ich reichlich beschert worden :D . Und abgesehen von noch schlimmeren vererbbaren Krankheiten (die ich hier nicht aufzählen möchte), gibt es nun wirklich viel viel schlimmere Dinge, die einem im Leben widerfahren können. Doch ich bleibe bei den beiden Krankheiten bzw. Sprachfehler (Paul mag mich korrigieren, falls dieser Begriff nicht zu Stottern passt) und (bei mir) chronische Krankheit.

Meine Epilepsie habe ich mittlerweile zu 80-90 % im Griff. War zwar ein langer und steiniger Weg, aber ich habe sie nun im Griff. 100% Anfallsfreiheit werde ich nicht erreihen, doch ich bin trotzdem MEHR ALS ZUFRIEDEN. Die Wahrscheinlichkeit, Epilepsie zu vererben ist zwar deutlich geringer, als es bei Stottern der Fall ist, doch sie ist trotzdem da. Ähnlich wie bei Stottern, verrerben Mütter häufiger als Väter.

Selbstverständlich hoffe ich, dass meine Kinder weder das eine noch das andere von mir erben, doch man macht sich ja so seine "blöden" Gedanken... Hätte man mich vor "diese" Wahl gestellt, dann hätte ich ohne zu zögern Epilepsie gewählt. Das alles selbstverständlich aus meiner persönlichen Perspektive/Erfahrung betrachtet!

Beste Grüße und einen schönen Abend,
Viktoria

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von paul.dest » 16. August 2015 17:00

Hallo Viktoria,

...
abc hat geschrieben:Doch ich bleibe bei den beiden Krankheiten bzw. Sprachfehler (Paul mag mich korrigieren, falls dieser Begriff nicht zu Stottern passt) und (bei mir) chronische Krankheit.
Jederzeit gerne: Stottern ist eine Sprechstörung - "speech disorder", nicht "language disorder".
Dass Du eine "language disorder" hast, glaube ich Dir nämlich nicht, denn Deine Sprachfähigkeiten sind völlig intakt und überdurchnschnittlich entwickelt.
abc hat geschrieben:Meine Epilepsie...
Das ist interessant. Die Häufigkeit des Stotterns unter Epileptikern soll etwas höher als in der Gesamtbevölkerung sein. Außerdem treten unter Epileptikern manchmal sogar "eigene" Stotterphasen auf: siehe "plötzliches stottern" im Epilepsie-Netz Forum.

...

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Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 5. Dezember 2016 19:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von grasendes Schaf » 16. Dezember 2015 11:08

Hallo zusammen,

zu diesem Thema kann ich vielleicht auch etwas beitragen.

Die Statistiken über die Wahrscheinlichkeit der Vererbung haben mich nie sonderlich interessiert, da
die Tatsache, dass mein Kind stottern könnte keinen Einfluss auf meinen Kinderwunsch hatte. Meine Einstellung dazu war eigentlich recht locker, wenn mein Kind stottert dann ist es eben so. Des weiteren war ich davon überzeugt ich würde die kleinsten Anzeichen sofort erkennen.

Nun ist meine Tochter 3 ½ Jahre alt und ihre Sprachentwicklung ist stark verzögert. Jetzt muss ich mir eingestehen dass das Erkennen von Stottern gar nicht so einfach ist, zumindest nicht in diesem Alter. Beim Sprechen setzt sie oft ein Ä..Ä...Ä...Ä vor das Wort, ab und zu wiederholt sie auch die erste Silbe eines Wortes ( letzteres aber sehr selten).
Da sie generell sehr spät zu sprechen angefangen hat, bin ich mir nicht sicher ob das auf ihre späte Sprachentwicklung zurückzuführen ist, oder ob es sich tatsächlich schon um Stottern handelt.

Einen Logopäden lehne ich in diesem Alter ab. Ich möchte kein Fass aufmachen das möglicherweise gar nicht existent ist. Aus dem Grund fordere ich sie auch nicht auf ein bestimmtes Wort zu wiederholen. Ich möchte ihr auf keinen Fall das Gefühl vermitteln irgendwas würde mit ihrem Sprechen nicht stimmen, und somit ein Problem heraufbeschwören das es möglicherweise nie gegeben hätte.

Nun denn, da bleibt wohl nichts anderes übrig als abzuwarten bis sich die Sprache ein wenig gefestigt hat, dann fällt das Analysieren ein wenig leichter :) .

Viele Grüße, gS
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