Wenn das eigene Kind auch stottert...

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dieMarie
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von dieMarie » 28. Februar 2016 22:40

Hallo zusammen,

ich bin neu hier im Forum und mich beschäftigt dieses Thema "Wenn das eigene Kind auch stottert" sehr. Ich selber stottere seit ich ca. 3 Jahre alt bin.

Unser Sohn wird im April 2 Jahre alt und er brabbelt viel und gerne, kann auch schon jede Menge Wörter fast fehlerfrei aussprechen und gibt sich Mühe jeden Tag neue Wörter zu lernen. Bis jetzt konnte ich kein "Zögern" oder sonstige Anzeichen auf ein eventuelles Stottern erkennen und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt. Mich selbst hat das Stottern sehr geprägt und hat bis jetzt mein ganzes Leben stark beeinflusst. Ich weiß, dass das nicht jedem so geht, es liegt wohl auch viel am Charakter, wie sensibel jemand ist etc... mit etwa 8-9 Jahren hat es bei mir begonnen, dass ich nicht mehr vor der Klasse reden wollte und auch im Alltag jede Sprechsituation absolut vermeiden wollte. Zuhause konnte und wollte ich immer frei sprechen, nur ausserhalb vermied ich es total. Ich litt zeitweise unter Depressionen, nahm Medikamente, meine letzten 5 Schuljahre habe ich in Abendkursen absolviert und habe in der Abschlussprüfung die mündliche Prüfung "verweigert" (ich konnte sie dann schriftlich machen). Und das ist nur die absolute Kurzfassung. Kurz: das Stottern hat mir bis jetzt sehr zu schaffen gemacht und es wäre für mich schon sehr schlimm, sollte sich herausstellen, dass unser Sohn auch stottert, vor allem da ich nicht weiß, ob ich ihm genauso eine starke Stütze sein könnte, wie meine Mutter es bei mir war. Ich weiß auch nicht wie ich darauf reagieren würde, ob ich sofort etwas unternehmen würde oder erst einmal abwarten würde und versuchen sollte zu tun "als ob nix wäre". Ich glaube fast, egal wie mans macht, macht mans falsch und wie man letzendlich mit dem Sottern klar kommt hängt ganz ganz stark vom Charakter des Betroffenen ab. Ich hoffen einfach nur, dass mein Sohn, falls es ihn trifft, um einiges stärker ist als ich.

Und ja es stimmt, dass es wohl Schlimmeres gibt als Stottern. Für mich jedoch gab es sehr sehr lange absolut nichts Schlimmeres und ich wäre zeitweise lieber ganz stumm gewesen. Es hängt halt von jedem Menschen einzeln ab, wie schlimm es für ihn ist.

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Roland Pauli
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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von Roland Pauli » 28. Februar 2016 23:25

dieMarie hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich bin neu hier im Forum und mich beschäftigt dieses Thema "Wenn das eigene Kind auch stottert" sehr. Ich selber stottere seit ich ca. 3 Jahre alt bin.

Unser Sohn wird im April 2 Jahre alt und er brabbelt viel und gerne, kann auch schon jede Menge Wörter fast fehlerfrei aussprechen und gibt sich Mühe jeden Tag neue Wörter zu lernen. Bis jetzt konnte ich kein "Zögern" oder sonstige Anzeichen auf ein eventuelles Stottern erkennen und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt. Ich glaube fast, egal wie mans macht, macht mans falsch und wie man letzendlich mit dem Sottern klar kommt hängt ganz ganz stark vom Charakter des Betroffenen ab. ...
Hallo "dieMarie",

deine Sorgen kann ich gut verstehen.

Das Beste, in meinen Augen, das du deinem Kind mitgeben kannst, egal ob sich das Stottern entwickeln sollte oder nicht, ist Liebe. Da kannst du sicher nichts falsch machen.

Alles andere kann sich später ergeben und im Forum und bei der BVSS kannst du kompetende Beiträge bzw. Beratung finden.

Alles Gute

Roland

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von PetraS » 29. Februar 2016 13:01

Hallo "dieMarie",
willkommen auch von der Moderation und von mir persönlich hier im Forum!
dieMarie hat geschrieben:Für mich jedoch gab es sehr sehr lange absolut nichts Schlimmeres und ich wäre zeitweise lieber ganz stumm gewesen. Es hängt halt von jedem Menschen einzeln ab, wie schlimm es für ihn ist.
Ich kann deine Einstellung gut nachvollziehen, kann dich aber beruhigen, dass es heute viel bessere Möglichkeiten gibt, auch bei beginnendem Stottern Beratung von Fachleuten zu finden als noch vor 20-25 Jahren.

Auch für dein Problem rate ich dir, dir einmal ältere Threads und Fragestellungen hier im Forum anzusehen; und halte dich nicht zurück, deine Ideen und Gedanken dazu zu äußern, denn du wirst aus verschiedenen Sichtweisen viele wertvolle Ratschläge bekommen und Meinungen hören können.
Gruß
Petra

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Re: Wenn das eigene Kind auch stottert...

Beitrag von Jaspis » 2. März 2016 15:33

dieMarie hat geschrieben:Ich glaube fast, egal wie mans macht, macht mans falsch ...
Liebe Marie,
könntest Du Dir auch vorstellen, genau anders herum zu denken "wie ich es mache, mache ich es richtig ... weil das meine Erfahrungen sind"? :wink:
Bisschen provozierend, aber ich will Dir etwas Mut machen, dass man gewisse Dingen auch kann, wenn es darauf ankommt, und man sich der Sache stellt.

Ich selbst stottere auch, habe 2 Kinder, inzwischen 10 und 14 J. Die Angst, die Du jetzt noch hast, hatte ich auch jahrelang. Ich habe mich auch immer bewusst gefragt, was würde ich tun, wenn es "los ginge".
Und mit jeweils 2 und 4 Jahren hatten auch beide Kinder unflüssige Phasen. Ich bin ihnen gegenüber dann immer möglichst gelassen geblieben, habe aber an meinem eigenen Sprechen und meiner Einstellung gearbeitet. Mich selbst hat das dann überraschend auch viel weiter gebracht, ich bin in den Jahren des Sprechenlernens meiner Kinder viel flüssiger, gelassener und offener geworden. Weil es auch gar nicht anders ging.

Es gibt heute tatsächlich viel mehr Hilfen und Therapiemöglichkeiten für Kinder, die mit Stottern beginnen. Das hat mir persönlich die Angst sehr genommen. ich war mir ziemlich sicher, dass ich genügend über Stottern wusste und dass ich einschätzen könnte, welche Therapie / welcher Therapeut ihnen helfen würde ... falls ... wenn ... Zum Glück kam es dann aber nicht so. Beide Kinder stottern nicht. Meine Tochter wiederholt zwar oft einige Silben (ha-ha-hat), aber sie merkt es nicht und ich weise sie nicht darauf hin.
Beide Kinder sprechen aber sehr schnell (wie ich auch, wenn ich flüssig bin). Das geht oft auf Kosten der Verständlichkeit. Vor Vorträgen in der Schule (Wahnsinn, wie früh die damit heutzutage anfangen!) übe ich mit ihnen deshalb schon bewusst, und mache ihnen klar, dass es für Zuhörer einfach interessanter und spannender ist, wenn sie einen verstehen. Das Thema Sprechen ist bei uns also oft Thema, da mache ich auch kein Tabu draus. (wie das in meiner Familie früher gemacht wurde)

Hab Mut und Selbstvertrauen! Oder Lust, daran zu arbeiten! Die eigenen Kinder sind ein guter Grund und eine gute Motivation. :wink:
Viele Grüße, Jaspis!

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