Repetitionen

Erfahrungen, Alltagserlebnisse, Beruf, Freundschaft, Vorstellungen der Forumsteilnehmer...
Antworten
Benutzeravatar
Torsten
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1016
Registriert: 9. Februar 2011 17:47
Ort: Salzwedel
BVSS-Mitglied: ja

Repetitionen

Beitrag von Torsten » 24. November 2015 10:10

Um die Diskussion über Repetitionen, die sich im Thread Atypische Unflüssigkeiten" ergeben hat, in einen eigenen Thread umzulagern, kopiere ich die betreffenden Beiträge hier herüber. Dabei mache ich es mir technisch einfach und füge die Beiträge verschiedener Autoren hier nacheinander ein:

***************************************************************************************************************

Torsten am 23.11.2015:
PetraS hat geschrieben:So kann ich mich an eine Situation erinnern, in der ich "in Europa" sagen wollte und mehrfach "in Eu... in Eu... in Eu..." gesagt habe, also nicht "in Eu... Eu... Eu..." Ich könnte dir nicht sagen, wieso ich das gemacht habe.
Interessantes Symptom :D
Beim Stottern ist ein motorisches Programm blockiert. Bei einer Repetition versucht das Gehirn – aufgrund des weiter bestehenden Sprechdrangs der Person – das blockierte Programm mehrmals neu zu starten. Das Programm läuft aber immer nur bis zum blockierten Punkt - solange, bis die Blockierung nachlässt.

Meistens bezieht sich ein sprechmotorisches Programm auf ein Wort – es kann sich aber auch auf eine Silbe innerhalb des Wortes beziehen oder auf eine geläufige Phrase, also auf mehrere Wörter, die von der Person oft zusammen benutzt werden – zum Beispiel auf "in Europa".

Gruß, Torsten

**************************************************************************************************************

paul.dest am 23.11.2015:

Ich bin mit dem Folgenden leicht off-topic, aber zu
Torsten hat geschrieben:Beim Stottern ist ein motorisches Programm blockiert. Bei einer Repetition versucht das Gehirn – aufgrund des weiter bestehenden Sprechdrangs der Person – das blockierte Programm mehrmals neu zu starten.
Ich weiß ja nicht, wessen Gehirn was macht, aber ich weiß, was ich bei "Repetitionen" mache:
ich setze wieder dort ein, wo (a) das Sprechen nicht mehr weiter ging, oder (b) am Beginn derjenigen semantischen Einheit, die ich für den Zuhörer als "kaputtgegangen" erachte:
  1. Im ersten Fall ist das eine Lautwiederholung, die bei mehrsilbigen Wörtern auch mitten im Wort sein kann: "Vertttttrag"
  2. Im zweiten Fall ist der Wiederholungsumfang variabel: kann bis an die Wortgrenze zurückgehen "Vert,Vert,Vert,Vertrag", kann bis an die Satzgliedgrenze zurückgehen "an den Vert, an den Vert, an den Vert, an den Vertrag" oder sogar bis an den Satzanfang "Denkst Du an den Vert, Denkst Du an den Vertrag?"
Wenn ich durch eine "kurze" Schleife längere Zeit nicht auflösen kann (etwa "Verttttttttttt"), gehe ich davon aus, dass der Zuhörer durch das Stotterereignis schon so weit vom eigentlichen Inhalt abgelenkt ist, dass eine Auflösung ihn lediglich ratlos stehen lassen würde; dann schalte ich auf eine "längere" Schleife um, um den Zuhörer inhaltlich wieder in die Spur zu bringen (etwa "an den Vert, an den Vert, an den Vertrag"): je größer die Schleife, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Anlauf klappt - denn der längere Schleifenvorlauf gibt mir größere Zeit, mein Sprechen an der Hindernisstelle freizuräumen, was auch immer ich dabei mache und was auch immer in mir dabei vorgeht.

Man mag sich nun darüber streiten, ob das oben von mir Beschriebene überhaupt echte Repetitionen oder lediglich durch Neuanläufe bewältigte Blockierungen sind. Wie auch immer man das einreihen mag: ich tue das. Was ich jedoch nicht tue, ist das Erlebnis eines Sprechhindernisses: das ist wider meinen Willen da. Hier ist es schon mal berechtigt zu entpersonalisieren und sich auf mein Gehirn zu berufen anstatt auf mich.

Viele Grüße,
Paul

************************************************************************************************************

PetraS am 23.11.2015:

Hallo,
ich bleib auch noch mal kurz in diesem off-topic, aber eines interessiert mich wirklich, Paul!
paul.dest hat geschrieben: (...)aber ich weiß, was ich bei "Repetitionen" mache:
ich setze wieder dort ein, wo (a) das Sprechen nicht mehr weiter ging, oder (b) am Beginn derjenigen semantischen Einheit, die ich für den Zuhörer als "kaputtgegangen" erachte:
  1. Im ersten Fall ist das eine Lautwiederholung, die bei mehrsilbigen Wörtern auch mitten im Wort sein kann: "Vertttttrag"
  2. Im zweiten Fall ist der Wiederholungsumfang variabel: kann bis an die Wortgrenze zurückgehen "Vert,Vert,Vert,Vertrag", kann bis an die Satzgliedgrenze zurückgehen "an den Vert, an den Vert, an den Vert, an den Vertrag" oder sogar bis an den Satzanfang "Denkst Du an den Vert, Denkst Du an den Vertrag?"
(...)
Man mag sich nun darüber streiten, ob das oben von mir Beschriebene überhaupt echte Repetitionen oder lediglich durch Neuanläufe bewältigte Blockierungen sind. Wie auch immer man das einreihen mag: ich tue das.
Mir ist klar, dass DU das machst und ich glaube auch, dein Sprechen mittlerweile relativ gut zu kennen. Ich frage mich nur, ob du die Entscheidung, welche Repetition-/Neuanlaufstrategie du wählst, immer bewusst triffst, oder ob sowas nicht durch eine Gewohnheit bzw. Automatismen veranlasst wird. (Nur durch wen oder was?)

Ich für meinen Teil wundere mich oft hinterher, was für eine merkwürdige Repetition entstanden ist, so wie bei dem "in Eu... in Eu... in Eu... in Europa". Ich habe zu keiner Zeit darüber nachgedacht, dass "in Europa" in dem Moment für mich eine untrennbare Einheit sein könnte.
Wohl kann ich es verstehen, dass man nach mehreren Fehlversuchen bewusst nach einer neuen Strategie sucht, um das Sprechhindernis zu überwinden und dabei die von dir beschriebene längere Schleife wählt, also an den Anfang des Syntagmas oder gar des Satzes zurückgeht in der Hoffnung, dass bis dahin das Sprechhindernis verschwunden ist.

Was mich immer wieder am meisten wundert, sind kurze Ganzwortwiederholungen auf Präpositionen (einsilbig) oder dem unbestimmten Artikelsegment 'ne (von eine). Ich sage diese nämlich öfter, indem ich mit der Sprechplanung eigentlich schon das nächste Wort spreche. Beispiel: Ich will sagen "bei Lavinia", wähne mich schon bei dem Wort "Lavinia", stelle aber zu meinem Erstaunen fest, dass ich die ganze Zeit "bei" sage. In dem Moment, wo ich diese Feststellung treffe, greife ich bewusst ins Sprechen ein, aber anstatt nun "Lavinia" zu sagen, sage ich eine Kette von "bei" nur noch schneller - und irgendwann erst "Lavinia".
Komisch, nicht? :shock:
Gruß
Petra

**************************************************************************************************************

Torsten am 23.11.2015:

Hallo Paul,

ein bisschen off topic ist es – aber da es hier darum geht, was Stottersymptome sind und was nicht, eine kurze Antwort:
paul.dest hat geschrieben:...ich weiß, was ich bei "Repetitionen" mache […] Man mag sich nun darüber streiten, ob das oben von mir Beschriebene überhaupt echte Repetitionen oder lediglich durch Neuanläufe bewältigte Blockierungen sind.
Das genau ist der Punkt. Was ich meinte, sind echte Stotter-Repititionen, die ich nicht mache, sondern die mir komplett gegen meinen Willen passieren. Und die sind zumindest bei mir dadurch gekennzeichnet, dass sie immer am selben Punkt beginnen – am Anfang eines Wortes oder einer Silbe – und bis zu der Stelle gehen, wo es nicht weiter geht, wo die Blockierung, das Sprechhindernis sitzt. Man spürt das Sprechhindernis nicht als Barriere wie bei einem stummen Block oder einer Dehnung. Es geht nur einfach ein paar mal nicht weiter – das Programm springt zurück zum Anfang:
  • Lautwiederholung (ə = Schwa-Laut):
    • Tə -tə-tomate
      gewə -wə-waschen
  • Wortwiederholung:
    • da-da-da habe ich …
      hinter-hinter dem Schrank …
  • oder Petras seltenes Beispiel:
    • in Eu-in Eu-in Europa …
Gruß, Torsten

**************************************************************************************************************
so weit der Verlauf der bisherigen Diskussion.
www.stottertheorie.de

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast