Tabuthema rund ums stottern

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warsteiner
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von warsteiner » 18. März 2016 09:09

Hallo Juspis

Danke für den Tipp wegen des Gesundheitsamtes. Ich habe auch schon Kontakt aufgenommen und einen Termin bekommen. Bzgl meines Fenstersturzes. :wink: Da habe ich in der Tat ein entscheidenes Detail unter den Tisch fallen lassen. Ich meinte natürlich nur die, die ich kennengelernt habe, einschließlich SHG`s und Gruppentherapien. Leider sind die, die sich alleine durchs Leben schlagen (mussten), für mich unerreichbar. Ist gar nicht so einfach, sie aufzuspüren. Aber vielleicht werden ja im Laufe der Zeit einige von google in diesen Thread verlinkt. Ich werde aber auch selbst weiterhin am Ball bleiben..........

Gruß, warsteiner

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Ernst-Martin » 18. März 2016 10:50

Wirklich ein Tabu-Thema?
Dazu ein Auszug aus der heutigen Süddeutschen Zeitung unter „Gesellschaft“:

"Eine echte Herausforderung sind erste Dates. Ich meine, Partnersuche an sich ist schon keine leichte Aufgabe. Aber das ist die Hölle - womöglich noch in einem Lokal, unter lauter Fremden.
Was glaubt Ihr:
Wann ist der richtige Zeitpunkt, dem anderen zu sagen, dass man stottert?"

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-ic ... -1.2879578

Im Übrigen: Gleich und gleich gesellt sich gern …
Ernst-Martin,
der Lechgeist
--------------------------------
... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von warsteiner » 18. März 2016 12:49

Ernst-Martin hat geschrieben:Wirklich ein Tabu-Thema?
Das stottern selbst? Keineswegs. Das, was daraus enststeht, bzw. entstehen kann.........definiitv.
Ernst-Martin hat geschrieben: Im Übrigen: Gleich und gleich gesellt sich gern …
wohl war :!:

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von T_homas » 19. März 2016 13:05

Was will man denn hier aufspüren?Leute die alleine durchs Leben gehen und mussten?Viele haben soziale Ängste wegen des Stotterns,das ist nichts Außergewöhnliches.
Ich muss mich auch oft alleine durchs Leben schlagen.
1.Beispiel:Ich habe mich vor geraumer Zeit bei World of Tanks angemeldet.Nun spiele ich dort hin und wieder mal,macht richtig Spaß,Grafik ist supi und der Ton wie im Kino,hat man Kopfhörer auf kommt man sich vor als wäre man mittendrin.

Da ich nicht alleine spielen wollte,wollte ich mich da einer Gruppe anschließen,die nennen sich dort Clans.
Also nicht lange gefackelt und eine Bewerbung rausgeschickt,dachte damit hat mein alleiniges Rumkrebsen ein Ende.
Es dauerte nicht lange und ich wurde angenommen.
Leider hatte die Sache einen Haken,in Clans unterhält man sich über einen Sprechchat,per Mikrofon oder Headset.
So koordiniert und instruiert man auch das Geschehen während eines Gefechts.

Da ich mich nicht meldete,dachte Textchat reicht,schrieb mich der Clanchef an:"Wenn du nicht mit uns reden willst,fliegste wieder raus.":-(
Ich schrieb zurück:"Ja ähm,ich dachte Textchat reicht?"
Keine 5 Minuten später wurde ich vor die Tür gesetzt und krebste wieder alleine rum.:-(
Ich bin also auch alleine.:-D

Wenn jemand Lust hat da mitzuspielen,einfach World of Tanks googeln.Das ist ein richtig gutes Spiel,da kann man auch seinen Frust mal rauslassen.:-D
Die Panzer sind detailgetreu in Grafik und Physik,vom 1.WK bis ins Heute.Wenn jemand da schon sein sollte oder vorhat sich da anzumelden,der kann mich mal anschreiben,dann könnte man ein paar Runden zusammen spielen.

Momentan fahre ich einen über 100-Tonnen-Panzer der Japaner,ist der größte und schwerste im Spiel,damit kann man wunderbar die Gegner kaputtrammen.:-D

Hier eine schöne Halbprofilaufnahme: http://speedcore.weebly.com/uploads/7/3 ... 1_orig.jpg
Zuletzt geändert von T_homas am 20. März 2016 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Eberhard » 20. März 2016 14:26

Also das tut ja nun schon richtig weh, das hier von dir zu lesen, Thomas. Bist du auf dem Trip, dich selbst zu ruinieren?

Du verbringst dein Leben mit Cyberspielen, um nicht allein zu sein? Du vermeidest konsequent Sprechsituationen, um dein Stottern nicht zu zeigen. Geht’s noch?

Wenn ich persönlichen Kontakt zu dir hätte, würde ich dich zum nächsten Verein für asiatische Kampfsportarten schleppen und dich dazu bringen, dich bei Judo oder Karate anzumelden. Dort lernt man nette Menschen kennen, denen dein Stottern egal ist. Außerdem muss man dort nichts können, man wird dort ausgebildet.

Thomas, komm heraus aus dem Loch, in dem du dich vergraben hast.

Kannst du das blöde Panzerbild wieder löschen?

Eberhard
Zuletzt geändert von Eberhard am 20. März 2016 20:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Jaspis » 20. März 2016 16:01

Na ja, Thomas beschreibt eine völlig normale Freizeitbeschäftigung und Situation von Leuten seiner Generation. Man kann total gegen Computerspiele sein, Eberhard, das ist auch völlig in Ordnung.
Aber sei gewiss, nicht aus jedem Spieler wird ein Amokläufer oder Sozialphobiker!

Ich habe das auch erst in den letzten Jahren gelernt. Ich habe viele "völlig normale" Kollegen, die solche Spiele spielen. Und sie spielen in Gruppen, genauso wie es Thomas beschreibt. Von daher kann ich den Frust und Schmerz von Thomas gut nachvollziehen, wenn er aufgrund von Sprechangst und Stottern keine Mitspieler findet, die ihn in ihren Clan aufnehmen.
Und es ist eigentlich eine super Idee, sich dann Mitspieler zu suchen mit dem gleichen Handicap! Wie im realen Leben. Man muss sich seine Leute suchen!
Ob nun im Kampfsportverein, bei Greenpeace oder in der virtuellen Welt.

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von T_homas » 20. März 2016 16:02

Hab das Bild mal rausgenommen und nur verlinkt.
Ich spiel das nur zum Zeitvertreib und dass ich da nicht im Clan bin,hat mich auch nicht erschüttert.:-)Viele spielen da alleine.Außerdem sind die Runden auch relativ kurz,ca. 10 Minuten.Man lebt da also nicht in einer anderen Welt wie bei Endlosspielen wie World of Warcraft.So viel Zeit investiere ich nicht in Spiele,weswegen solche auch nicht für mich in Betracht kämen.

Genau Jaspis. :)
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Eberhard » 20. März 2016 21:18

Hallo Thomas und Jaspis,

Das Gefühl von Frust kann man auch einfach beiseite legen, statt sich darin zu baden.

Für soziale Ängste gilt im Prinzip das gleiche, wenn es hier auch ungleich schwerer ist und in schweren Fällen ohne Hilfe von außen oder glückliche Zufälle möglicherweise nicht zu bewerkstelligen ist.

Diesen Satz „Momentan fahre ich einen über 100-Tonnen-Panzer der Japaner, ist der größte und schwerste im Spiel, damit kann man wunderbar die Gegner kaputtrammen“, Thomas, hängst du dir am besten irgendwo in dein Zimmer gut sichtbar hin und liest ihn dir jeden Tag ein paar mal laut vor, solange, bis dir ein Licht aufgeht, was du da eigentlich schreibst.

Das könnte ich Warsteiner und anderen hier für einige ihrer Sätze auch empfehlen.

Um das Stottern beiseite legen zu können, müssen einem ziemlich viele Lichter aufgehen. Das sagt einer, der es aus eigener Erfahrung weiß.

Jaspis, du kennst aber schon den Unterschied zwischen anonymen und phantasierten Menschen in der virtuellen Welt und echten Menschen im Kampfsportverein oder bei Greenpeace. Wer Probleme mit der realen Welt hat, kann sich seine Probleme verschärfen, wenn er in der virtuellen Ersatzwelt nicht nur spielt, sondern dort Zuflucht sucht.

Eberhard
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von T_homas » 20. März 2016 22:50

Ich hab das nur übertrieben ironisch so geschrieben.Das ist nicht so,dass man da drauflos zerstören will.Alle sehen es sportlich da und wurde einer getroffen,gerammt oder ist im See ertrunken,dann sendet er noch einen lachenden Smilie über den Textchat oder einen flotten,lustigen Spruch,der während des Spiel eingeblendet ist und live mitläuft.
Heute ist einer umgekippt und lag auf der Seite,er bat mich ihm zu helfen,da ich in der Nähe war.Er fuhr einen leichten Panzer mit dünner Panzerung,da musste ich behutsam mit meinem rangehen,da sonst Schäden bei ihm entstanden wären.Ich hab ihn also wieder auf die Ketten gestupst und er war glücklich.:-)

Mit Internet ist das nicht mehr so wie vor 20 Jahren,viele tummeln sich dann da.Zu denen gehöre ich aber nicht.Ich hab ein Smartphone-Handy,bekam ich geschenkt,benutz ich aber nicht.Viel zu viel Technik und der Akku ist gleich leer.Ich nehm ein normales,älteres Modell ohne
Schnickschnack und nur um erreichbar zu sein.Wenn ich rausgehe nehme ichs schon gar nicht mit,dann bin ich halt mal nicht erreichbar.

Wenn ich heute die Leute sehe,die nur noch auf ihr Display schauen und dich fast umrennen dabei,weil man nichts verpassen will,sträuben sich teilweise schon die Nackenhaare bei mir.
Zuletzt geändert von T_homas am 21. März 2016 11:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Jaspis » 20. März 2016 23:12

Hallo Eberhard,
ich kenne die Gefahren des Internets und übermäßigem Computerspielens.
Ich weiß aber auch, dass Computerspiele für viele der jüngeren Generation einfach zum Leben dazu gehören.

Aus meiner Sicht hat Thomas nicht in seinem Frust gebadet. Sondern er hat die Situation beschrieben - und er hat sogar Hilfe gesucht, Mitspieler mit dem gleichen Problem. Ich finde, das ist ein guter Lösungsansatz.

Natürlich kann und sollte die virtuelle Welt die reale nicht ersetzen und sollte krine Zuflucht sein. Aber die virtuelle Welt kann unterstützen und unterhalten, gerade Menschen, die in der realen Welt ein paar Probleme haben. Dieses Forum ist doch ein gutes Beispiel dafür. Viele können hier erstmals über ihre Probleme berichten und sich austauschen. Das ist kein Ersatz, klar, aber eine sehr gute Ergänzung.

Das mit dem japanischen Panzer empfand ich auch sehr ironisch überzogen, der macht mir keine Angst!

Ich wünsche Thomas, dass er Mitspieler findet! Und Warsteiner die Kontakte und Unterstützung, die er sich wünscht! Sehr mutig und konstruktiv, gleich einen Termin beim Gesundheitsamt auszumachen, alle Achtung!

Viele Grüße, Jaspis!

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von T_homas » 21. März 2016 00:34

Danke Jaspis,du verstehst mich.:-)
Den Nachfolger von meinem jetzigen Gefährt hab ich auch schon in der virtuellen Garage stehen,wiegt über 150 Tonnen (dürfte nun aber der Schwerste sein).:-D

Zur Information:Ich befinde mich in der Halbzeit des Lebens,da macht man sich langsam Gedanken nicht vorher ausgewechselt zu werden. §dup
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von PetraS » 21. März 2016 15:26

Hallo an alle Mitlesenden,
es ist selten, aber dieses Mal gehe ich mit Eberhard FAST konform, außer mit folgender Bemerkung:
Eberhard hat geschrieben: Das Gefühl von Frust kann man auch einfach beiseite legen, statt sich darin zu baden.
Nein, Eberhard, das Gefühl können manche Menschen nicht einfach beiseite legen, und sie baden auch nicht darin. Aber sie verlieren ihren Bezug zur Realität, obwohl ihre Probleme vielleicht für einen Außenstehenden betrachtet kaum der Rede wert sind. Sie schaffen es allerdings nicht allein, dies zu erkennen und zu ändern - dafür brauchen sie therapeutische Hilfe oder einen echten Freund, der sie bei der Hand nimmt und aus der Scheiße zieht.
T_homas hat geschrieben:Momentan fahre ich einen über 100-Tonnen-Panzer der Japaner,ist der größte und schwerste im Spiel,damit kann man wunderbar die Gegner kaputtrammen.:-D
Ich bin mit der Antwort, das sei ein wenig ironisch gemeint, nicht ganz einverstanden. Zumindest drückt es für mich die Sehnsucht aus, es einmal so richtig allen heimzuzahlen. Und das finde auch ich alarmierend.
T_homas hat geschrieben: Da ich mich nicht meldete,dachte Textchat reicht,schrieb mich der Clanchef an:"Wenn du nicht mit uns reden willst,fliegste wieder raus.":-(
Ich schrieb zurück:"Ja ähm,ich dachte Textchat reicht?"
Keine 5 Minuten später wurde ich vor die Tür gesetzt und krebste wieder alleine rum.:-(
Ich bin also auch alleine.:-D
Thomas, was hielt dich konkret davon ab zu schreiben "ich habe Probleme mit dem Sprechen, weil ich stottere. Ich dachte, Textchat reicht?"
Glaubst du, die Leute hätten dann genauso reagiert?
Wie kannst du die Leute für etwas beschuldigen (dich vor die Tür gesetzt zu haben) wenn du in sie Dinge hineininterpretierst, die überhaupt nicht bestätigt sind? Sowas würde mich wahnsinnig machen, und meine Erfahrung im Leben ist, nur die Flucht nach vorne kann deine negativen Gefühle abbauen.
Aber du hast es gar nicht erst ausprobiert und dich sofort wieder in deinem Elend bestätigt gefühlt. Wenn es dir mündlich auch schwer fallen mag, diese Worte auszusprechen - einfach in die Tastatur hineinzuhacken tut weder weh, noch dir einen Abbruch! Hier schaffst du es ja auch!
T_homas hat geschrieben: Therapien hab ich schon alles durch,Psycho- wie Sprechtherapien.
Nichts hat was gebracht.
Bei der Sprechtherapie sinds jetzt knapp 7 Jahre,in der Zeit warens ca. 7 verschiedene Logopäden,teils mit verschiedenen Ansätzen.War alles für die Katz.

Bei den Intensivtherapien wurde ich abgelehnt,Prüß will ich gar nicht erst erwähnen,bei der Delphin-Therapie war das Stottern nicht stark genug und aufgrund meiner Dysphonie,kann ich den weichen Stimmeinsatz eh nicht konsequent und richtig üben wies es da der Fall zu sein scheint,da die Stimme dann bricht usw.
Weißt du, warum du abgelehnt wurdest? Weißt du, woran die Sprach- und Psychotherapien gescheitert sind?
Wenn du noch nicht einmal nach über sieben Jahren Therapie in der Lage bist zu sagen "ich stottere", dann können nicht allein die Therapeuten alles falsch gemacht haben.

Eine Therapie ist keine Theateraufführung, bei der du zuschauen darfst, während der Therapeut sich Mühe gibt, dir etwas vorzuführen. Zu einer Therapie gehört zunächst einmal der Wille, etwas verändern zu wollen.
Ich war am Wochenende auf dem Van-Riper-Ehemaligentreff in Hübingen und habe dort rund 60 Stotterer getroffen, die durch die Therapie (die teilweise schon Jahre her war) eine andere Einstellung zu sich selbst und ihrem Stottern gefunden haben. Und ein Begriff gilt nach wie vor als das A und O jeder gelungenen Stottertherapie, und das ist die Desensibilisierung. Warum das so ist, hat uns Hartmut Zückner erklärt, und ich fand diese Erklärung sehr einleuchtend.

Wer sich darauf also nicht einlässt, der wird früher oder später in seine alten Muster zurückfallen. Erst ein offener Umgang mit dem Stottern, ein Umgang, bei dem die Mauern aus Scham und Frustration, die man sich im Laufe des Lebens um sich aufgebaut hat, ggf. Millimeter für Millimeter abgebaut werden, wird dazu führen, dass auch Sprechtechniken irgendwann funktionieren können.

Ich finde die Idee von Eberhard mit dem Kampfsport gar nicht so schlecht. Sport fördert beim Menschen nicht nur körperliches Geschick, sondern tut auch der Psyche unendlich gut. Wenn meine Eltern mich seinerzeit nicht zum Turnen geschickt hätten, wo ich gelernt habe, mich auf die sichernde Hand meines Trainers zu verlassen, wo ich mich oft überwinden musste, schwierige Elemente zum ersten Mal zu probieren, wo ich Siege und vor allem auch Niederlagen gelernt habe zu verkraften, hätte ich m.E. nicht die Stabilität erhalten, die mich im Leben dahin gebracht hat, wo ich heute stehe.

Wenn dir eine reale (Kampf-)Sportart zu unattraktiv erscheint, wie wäre es mit folgenden Schritten:
  1. Du offenbarst dich deinen Mitspielern in der Cyberwelt als Stotterer, der deshalb nicht mündlich reden möchte
  2. Wenn die erste Gruppe dich ablehnt, vielleicht findest du ja eine andere. Vorausgesetzt, es sind nicht alles Deppen da im Netz, so wird irgendwer Nachsicht mit dir haben
  3. Du gehst auf ein reales Treffen deiner Cyber-Freunde, wenn ein solches irgendwo stattfindet - und das, nachdem alle wissen, dass du stotterst. Dann wirst du merken, dass Stottern kein Weltuntergang ist - auch schweres Stottern nicht.
Ich sehe ein bisschen eine Parallele zu mir und dem Thema Stottern, als ich mich hier im Forum anmeldete.
  • Erst kostete es mich eine wahnsinnige Überwindung, HIER überhaupt zu schreiben.
  • Dann lernte ich übers Forum Leute kennen, mit denen ich auch in (fern-)mündliche Kommunikation trat. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich offen und detailliert über mein Stottern gesprochen habe.
  • Durch die Teilnahme am stutter social http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=10&t=4323(immerhin wieder Cyberwelt, auch wenn man in lebende Gesichter schaut) nahm ich Kontakt zur Kölner SHG auf. Und - glaube mir - es fiel mir wahnsinnig schwer, den anderen Stotternden gegenüberzutreten. Meine Gefühle haben verrückt gespielt, es wechselte zwischen Peinlichkeit und Schweißausbrüchen.
  • Noch schwerer war, das ganze meiner Familie gegenüber zu vertreten. Jedes mal diese Überwindung: ich gehe zu meiner Stotterer-Gruppe! (An eben diesem Punkt bin ich auch noch nicht am Ende, weil ich es immer noch nicht ganz locker flockig sagen kann.)
  • Ich empfinde allerdings überhaupt keine unangenehmen Gefühle mehr, wenn ich Stotternden gegenübertrete; im Gegenteil, ich freue mich bereits auf die fruchtbaren Gespräche. Und ich habe eines gelernt: ich kann nun endlich anderen Menschen zuhören, was immer eines meiner größten Defizite war.
Gehe einfach mal in dich.
Gruß
Petra

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Jaspis » 21. März 2016 23:42

Desensibilisierung ist gut und wichtig. Aber sie sollte auch in andere Bereiche außer Stottern wirken. Es erschreckt mich etwas, wie "erzieherisch" auf Thomas einfewirkt wird, dass er ja statt Kampfspielen frönen sich doch mit Kampfsport ertüchtigen sollte. Gilt nicht in der Selbsthilfe das Motto - erstmal reden lassen, ohne zu bewerten? Warsteiner und Thomas äußern sich hier zum Thema Sozialphobie - und bekommen "Boing" gleich ganz viel vorgehalten? Ob sie da weiter aus sich heraus gehen und über sich berichten?

Ich will Computerspiele nicht verharmlosen. Und es gibt aus meiner Sicht viel spannendere Freizeitbetätigungen. Aber Spielen mit PC oder Handy etc. gehört für viele heutzutage einfach dazu. Eine andere Form der Unterhaltung und Entspannung. Auch hier Schreiben ist -vorm PC sitzen- oder auf dem Handy tippen.

Mal nicht so streng sein, mit sich selbst und anderen - das tut auch Stotterern gut!

Ich spiele übrigens nur und ausschließlich Quizduell auf dem Handy... Ich oute mich, yeah! ;-)

Grüße, Jaspis!

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von PetraS » 22. März 2016 09:15

Hallo!
(ein wenig off-topic)
Jaspis wie ist dein Quizduell-Name (nur ein Tipp: ich spiele unter eigenem Namen zusammengeschrieben). Ich spiele mittlerweile mit mehreren Stotterern aus der SHG ständig Quizduell, außerdem bin ich in Angry-Birds 2 schon fast bei Level 300 (297 oder so).

Ich verurteile Computerspielen nicht, habe ich auch Thomas gegenüber nicht gemacht. Ich habe ihn nur darauf hingewiesen, dass man nicht erwarten kann, dass die Mitmenschen adäquat reagieren, wenn sie gar nicht wissen, wo das Problem liegt.

Dies ist ein großes Problem, das ich bei vielen Menschen beobachte - egal ob sie stottern oder nicht. Ohne dass das Gegenüber auch nur ahnen kann, was mit einem los ist, wird eine Situation so interpretiert, als werde man aus persönlichen Gründen abgelehnt.

Beispiel: eine stotternde Bekannte war furchtbar aufgelöst, weil der Kinderarzt, als er dem 5 jährigen Sohn ein Inhaliergerät geben wollte, gesagt hat: "Und wenn du dann hierdurch einatmen musst, liest Papi dir so lange Geschichten vor." Sie war gleich auf 180, hat aber nichts gesagt.
Sie rief mich dann an und sagte zu mir: "Ich wollte schon sagen: ich kann aber auch lesen, und wenn ich lese, stottere ich auch nicht." Sie hat es aber nicht gesagt, sondern in sich hineingefressen und sich geärgert.

Ich sagte daraufhin, dass ich strategischer geantwortet hätte. Ich hätte gesagt: "Ach - und sie glauben, ich bin Analphabetin und kann meinen Kindern nicht vorlesen?"
Was ist der Unterschied: Im ersteren Fall rechtfertigt sie sich für ihr Stottern, was - wenn ich es wäre - das Stottern nur verstärken würde, denn rechtfertigen habe ich immer gehasst, weil es meistens nicht gut ging.
Im zweiteren Fall hätte sich der Kinderarzt rechtfertigen müssen, weil er entweder die Situation aufgeklärt hätte, indem er gesagt hätte:
"Nein, das habe ich gar nicht gemeint, ich dachte nur..." Und dann wäre er ganz schön in der Bredouille.

Oder er hätte gesagt: "Ja natürlich glaube ich nicht, dass Sie Analphabetin sind, ich dachte nur, Sie sind dann mit dem anderen Kind beschäftigt. Sie können das handhaben wie Sie wollen, wer liest ist doch egal. Es war ja nur beispielhaft gemeint."

Nur durch Konfrontation des Gegenübers kann man dessen wahre Intention für sein Handeln erkennen, und in vielen Fällen - ich würde mal sagen in den meisten Fällen - hat der arme Mensch überhaupt nicht an das Stottern gedacht.
Thomas kann so viel Panzer fahren wie er will...

Gruß
Petra

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von grasendes Schaf » 22. März 2016 12:58

Erst mal möchte ich etwas zu einem Thema schreiben, das mir schon länger auf der Seele brennt. Ich wollte eigentlich schon mal einen eigenen Thread dazu eröffnen, habe aber leider nicht die Zeit dazu gefunden. Jetzt hole ich es hier nach, da es ganz gut in diesen Faden passt.

Leute, Leute! Auch wenn es gut gemeint ist, finde ich diese unsäglich pauschalen Fraßen wie „davon geht die Welt nicht unter“ oder mein persönlicher Favorit: „es gibt Schlimmeres“ wirklich ganz ganz fürchterlich schlimm. Besonders dann, wenn man die angesprochene Person entweder gar nicht oder nur oberflächlich kennt. Wie will man beurteilen, wie schlimm für jemanden das Stottern ist?
Ängste mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, haben viel tieferliegende Ursachen, als dass diese Stammtischparolen in irgendeiner Weise von Nutzen sein könnten. Im Gegenteil, ich würde mich nicht ernst genommen fühlen und mich evtl. noch tiefer in mein Schneckenhaus verkriechen.

Stottern für sich genommen ist in der Tat nicht schlimm, es gibt tatsächlich Schlimmeres. Alle daraus resultierenden Ängste und Phobien sind aber schlimm! Bei dem einen sind diese mehr ausgepräg,t bei dem anderen weniger, da spielen Charaktereigenschaften, die persönlichen Lebensumstände, Erfahrungen die man bezüglich des Stotterns gemacht hat und eine Prise Glück (oder Pech) eine Rolle.
Also bitte bitte „alles halb so wild“ zieht vielleicht bei einem gebrochenen Arm, aber nicht bei einem so sensiblen Thema.

Nun zum Online-Gaming:
Ich selber spiele nicht online, habe aber kürzlich einem Kumpel dabei zugesehen. Ich war ehrlich erstaunt, was die Anonymität des Internets so alles ans Tageslicht befördert. Nach gut einer halben Stunde habe ich alles, wirklich jedes schmutzige Detail über das Liebesleben der Mutter eines Users erfahren wie zum Beispiel deren Verhältnis zum gesamten Fußballverein des Dorfes, einschließlich des Maskottchens, in diesem Fall ein Esel, der laut der anderen Mitspieler wohl auch bei der Zeugung besagtem User involviert sein musste. Mein Vokabular an Fäkalsprache wurde mindestens verdoppelt.
Also ja, ich kann verstehen, dass Du dich als Stotterer da nicht besonders wohl gefühlt hättest, ich übrigens auch nicht. (Fairerweise muss man sagen, dass solche Chaoten nur einen kleinen Teil der Gamecommunity ausmacht). Ansonsten ist es doch völlig o.k.,wenn du beim Zocken ein bisschen Frust ablässt. Machen andere auch. :)

Sport:
Da muss ich mich meinen Vorrednern anschließen. Sport ist gut für die Seele und das innere Gleichgewicht. Mir persönlich hat Sport, obwohl es nichts mit Sprechen zu tun hat, mehr gebracht als alle Therapien, die ich im Laufe meines Lebens durchlaufen habe. Klingt komisch, is aber so. Du musst ja nicht unbedingt Mannschaftsport betreiben. Wenn du erst mal lieber für dich alleine sein möchtest, mach doch irgendetwas Ausdauermäßiges, powere dich richtig aus, geh laufen oder fahr Fahrrad, das macht den Kopf frei. Man sieht hinterher manche Dinge vielleicht aus einem anderen Blickwinkel. Wenn du dich dann bereit fühlst, kannst du immer noch den Schritt wagen und einem örtlichen Verein beitreten.
Um dem Klugxxxxxßen noch eins drauf zu setzen, möchte ich noch erwähnt haben, dass Ernährung einen starken Einfluss auf die Psyche hat, auch das klingt vermutlich komisch, aber eine Übersäuerung des Körpers macht Antriebslos müde und depressiv.

Eigentlich wollte ich ja nicht ungefragt mit „guten Ratschlägen“ um mich werfen. Aber da sich das meine Vorredner nicht haben nehmen lassen, wollte ich ihnen in nichts nachstehen. :wink: Ich glaub ich mach nen neuen Thread auf „Dinge die flüssiges sprechen begünstigen, ganz ohne Hokuspokus“

Jo, das is ne gute Idee, glaub das mach ich.....demnächst.

Gruß, gS
"Seid doch nicht so unverantwortungslos"

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