Tabuthema rund ums stottern

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PetraS
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von PetraS » 22. März 2016 15:06

Hallo gS,
grasendes Schaf hat geschrieben:Auch wenn es gut gemeint ist, finde ich diese unsäglich pauschalen Fraßen wie „davon geht die Welt nicht unter“ oder mein persönlicher Favorit: „es gibt Schlimmeres“ wirklich ganz ganz fürchterlich schlimm. Besonders dann, wenn man die angesprochene Person entweder gar nicht oder nur oberflächlich kennt. Wie will man beurteilen, wie schlimm für jemanden das Stottern ist?
Ich finde, es spielt immer eine Rolle, von wem sie kommen. Von einem, der das ganze selbst durchlebt hat, ist etwas immer glaubwürdiger als von einem, der etwas nur "studiert" hat. Am schlimmsten wenn es von denen kommt, die nicht mal das gemacht haben.
Dies ist auch der Grund, warum ich zu einer Frauenärztin gehe, die mir sagen kann: "Weißt du, wenn es mir so ergeht, dann mache ich immer..."
grasendes Schaf hat geschrieben: Stottern für sich genommen ist in der Tat nicht schlimm, es gibt tatsächlich Schlimmeres. Alle daraus resultierenden Ängste und Phobien sind aber schlimm! Bei dem einen sind diese mehr ausgepräg,t bei dem anderen weniger, da spielen Charaktereigenschaften, die persönlichen Lebensumstände, Erfahrungen die man bezüglich des Stotterns gemacht hat und eine Prise Glück (oder Pech) eine Rolle.
Stottern für sich genommen IST für den Betroffenen schlimm, und zwar meistens unverhältnismäßig schlimmer, als es für den Zuhörer erscheinen mag. Darum sollte man auch alle Ängste und Sorgen von Betroffenen ernst nehmen. Aber wenn man nicht mal in einem Forum für Stotternde mögliche Schritte zu einer Verbesserung vorschlagen kann, dann wären ja psychische Probleme mit dem Stottern schon wieder ein Tabuthema!
Wer sowas thematisiert, der macht dies sicher nicht nur, um allen zu zeigen "guck mal, mir geht es in meiner asketischen Lebensform prima, macht ihr es doch auch so." Ratschläge, die wir hier erteilen, ob sie nun als GUT oder als unpassend bewertet werden, sind immer noch nur Ratschläge. Jedem steht es frei, sich von ihnen inspirieren zu lassen oder auch nicht.
grasendes Schaf hat geschrieben:Eigentlich wollte ich ja nicht ungefragt mit „guten Ratschlägen“ um mich werfen. Aber da sich das meine Vorredner nicht haben nehmen lassen, wollte ich ihnen in nichts nachstehen. :wink: Ich glaub ich mach nen neuen Thread auf „Dinge die flüssiges sprechen begünstigen, ganz ohne Hokuspokus“
Jo, das is ne gute Idee, glaub das mach ich.....demnächst.
Wer oder was hindert dich daran, es zu machen?
Gruß
Petra

P.S. Für Warsteiner und Thomas kann ich nur das Buch "Kein Berg ohne Täler" empfehlen, das in einem anderen Thread von Dosi empfohlen wurde.

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von T_homas » 22. März 2016 17:07

Ich finde es schön,dass man mich meinen Panzer weiterhin fahren lässt.
Ich werde darauf achten,nicht allzu böse zu werden.:-)
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von PetraS » 22. März 2016 17:27

Solange du uns nicht plattwalzt :G

Eberhard
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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Eberhard » 22. März 2016 18:57

*
Zuletzt geändert von Eberhard am 23. März 2016 20:49, insgesamt 1-mal geändert.
Nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem einer durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es für seine wahre Natur hält.

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von grasendes Schaf » 23. März 2016 00:37

PetraS hat geschrieben: Aber wenn man nicht mal in einem Forum für Stotternde mögliche Schritte zu einer Verbesserung vorschlagen kann, dann wären ja psychische Probleme mit dem Stottern schon wieder ein Tabuthema!
Wer sowas thematisiert, der macht dies sicher nicht nur, um allen zu zeigen "guck mal, mir geht es in meiner asketischen Lebensform prima, macht ihr es doch auch so." Ratschläge, die wir hier erteilen, ob sie nun als GUT oder als unpassend bewertet werden, sind immer noch nur Ratschläge. Jedem steht es frei, sich von ihnen inspirieren zu lassen oder auch nicht.
Hallo Petra
Mir ging es nicht um gut gemeinte Ratschläge :wink: . Natürlich ist dieses Forum in erster Linie dazu da Betroffenen zu helfen, ihnen Denkanstöße und Hilfestellungen anzubieten. Hilfe zur Selbsthilfe. Jeder kann etwas dazu beitragen, ob es schlussendlich angenommen wird, liegt bei jedem selber. Ich kenne das ja, man ist so in seinem kleinen Kosmos verfahren, dass man nicht über den eigenen Tellerrand hinaus blicken kann. Da ist es gut wenn jemand einem eine andere Perspektive aufzeigt. Manchmal hilft auch einfach nur die Erkenntnis „hey, dem geht’s ja genau wie mir, bin ja doch nicht alleine“.
Ich bezog mich auf pauschale Aussagen wie „es gibt Schlimmeres“ o.Ä. Das ich so darauf herumreite mag vielleicht etwas übertrieben erscheinen, aber m.M wird das viel zu leichtfertig dahin geplappert. Ohne auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben wie es in der Person wirklich aussieht. Für mich ist das abwertend, man nimmt die Probleme einfach nicht ernst, und riskiert, dass die Person evtl. noch mehr in Selbstzweifel verharrt als sie es eh schon macht.

Gruß, gS
"Seid doch nicht so unverantwortungslos"

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Jaspis » 23. März 2016 12:01

Hallo Petra,
PetraS hat geschrieben: (ein wenig off-topic)
Jaspis wie ist dein Quizduell-Name (nur ein Tipp: ich spiele unter eigenem Namen zusammengeschrieben). Ich spiele mittlerweile mit mehreren Stotterern aus der SHG ständig Quizduell, ...
Ich habe festgestellt, dass es mir mehr Spaß macht gegen anonyme "Gegner" zu spielen. Da kann ich irgendwie besser triumphieren und denke nicht zuvorderst über mein Gegenüber nach. Sozusagen mal ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Panzer durch die Gegen preschen und "wegräumen" was im Weg liegt ... Sorry, im normalen Leben bin ich natürlich viel braver ;-)
Beispiel: eine stotternde Bekannte war furchtbar aufgelöst, weil der Kinderarzt, als er dem 5 jährigen Sohn ein Inhaliergerät geben wollte, gesagt hat: "Und wenn du dann hierdurch einatmen musst, liest Papi dir so lange Geschichten vor." Sie war gleich auf 180, hat aber nichts gesagt.
Komisch, ich hatte einen ganz anderen Gedanken, einen neutralen: Der Arzt könnte das (Wunsch)Bild des vorlesenden Papas vor Augen gehabt haben. Vielleicht, weil er das selbst gern aber zu selten macht? Oder weil er den Papa auch mit einbinden wollte in die Behandlung?
Aber vielleicht konnte Deine Bekannte das eindeutiger einschätzen, ob sich die Bemerkung wirklich auf ihr Sprechen bezog?

Ich finde Nachfragen ansich auch eine gute, konstruktive Sache. Aber ich kann das irgendwie nicht so konfrontativ, ich käme mir da oft frech vor und als wenn ich mich zu sehr in den Vordergrund stelle. Ich verfolge deshalb seit einiger Zeit eher die Taktik, dass ich beobachte, was hinterher passiert, ob das "Schlimme" eintritt wie befürchtet bzw. noch mehr - was überhaupt passiert. Mir tut diese neutralere Position sehr gut. Ich schone mich selbst, mache mich nicht gleich verrückt und stelle dann nicht selten fest, dass die Auflösung zeigt, dass es gar nicht alles nur mit mir zu tun hat, sondern auch viel mit der Situation und mit der anderen Person. Das meinte ich auch mit nicht so streng sein, nicht mit sich selbst und nicht mit den anderen.

@Warsteiner, schreib ruhig weiter hier, lass Dir Deinen Thread von uns nicht "klauen" §dup
Grüße, Jaspis!

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von PetraS » 23. März 2016 14:29

Hallo Jaspis,
zunächst zum off-topic:
Jaspis hat geschrieben:
PetraS hat geschrieben: Jaspis wie ist dein Quizduell-Name (nur ein Tipp: ich spiele unter eigenem Namen zusammengeschrieben). Ich spiele mittlerweile mit mehreren Stotterern aus der SHG ständig Quizduell, ...
Ich habe festgestellt, dass es mir mehr Spaß macht gegen anonyme "Gegner" zu spielen. Da kann ich irgendwie besser triumphieren und denke nicht zuvorderst über mein Gegenüber nach.
Das hat meine beste Freundin auch zuerst gesagt, als ich ihr gestand, ich spiele Quizduell. Mittlerweile haben wir 951 gemeinsame Spiele. Ich habe aber auch Gegner, mit denen ich regelmäßig spiele, ohne zu wissen, wer sie sind.
Jaspis hat geschrieben: Ich finde Nachfragen ansich auch eine gute, konstruktive Sache. Aber ich kann das irgendwie nicht so konfrontativ, ich käme mir da oft frech vor und als wenn ich mich zu sehr in den Vordergrund stelle.
Wenn ich mit einem Menschen in Kommunikation bin, ist Nachfragen die natürlichste Sache der Welt und alles andere als frech. Insbesondere, wenn eine Bemerkung bei mir Gefühle auslöst oder ich nicht sicher bin, ob ich eine Frage richtig verstanden habe.
Was hält dich davon ab, auch in dem besagten Fall ganz ruhig zu sagen: "Das verstehe ich jetzt nicht. Darf denn da nur ein Mann vorlesen, weil sonst das Inhaliergerät nicht funktioniert?"

Das mit dem "Nachfragen" hat mir eine Kommilitonin in der Uni gesagt, wenige Minuten, bevor ich zum mündlichen Examen musste. Ich stand kurz vor der emotionalen Explosion, da sagte sie zu mir: "Wenn du dir nicht sicher bist, worauf die hinauswollen, dann sagst du einfach: 'Können Sie die Frage noch mal konkretisieren?' Oder 'Können Sie das noch mal genauer erläutern?' Und vielleicht liefern die dir die Antwort dann postwendend mit."
Diese Devise hat mich im Leben extrem viel weiter gebracht, und ich kann es nur allen empfehlen, die in eine Prüfungssituation, ein Vorstellungsgespräch o.ä. gehen. Auch wenn ich vor Gericht gelegentlich als Sachverständige aussage und Fragen beantworten muss, die dem Zweck dienen, mich zu verunsichern, gibt mir das Instrument Gegenfrage eine tiefe innere Gelassenheit.

Warum soll ich negative Gefühle wie Unsicherheit, Beleidigt-Sein etc. aushalten, die mich vielleicht noch Stunden oder Tage beschäftigen, wenn ich durch eine (neutrale) Rückfrage alles klären kann und mich hinterher gut fühle? Wenn ich mit meiner Frage dem Gegenüber einen Spiegel vorhalten kann und er dadurch vielleicht erst merkt, dass seine Bemerkung Unsinn war?

Wir sprechen doch von Gefühlen, die so etwas bei uns auslöst - und da muss ich in erster Linie an mich denken; auch wenn ich gelegentlich den anderen brüskiere. Aber vielleicht braucht er das, um zu erkennen, dass schon seine Frage übergriffig war.
Letztendlich sind es doch diese unverarbeiteten negativen Gefühle, die bei vielen bei Kumulation psychische Störungen und Ängste hervorrufen. Darum wähle ich seit langer Zeit die Flucht nach vorn als probates Mittel.

Gruß
Petra

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von trey91 » 2. August 2016 00:46

Hallo Leute,

vielen Dank an warsteiner, weil Du diese Diskussion angestoßen hast. Ich wurde dadurch angeregt, selber darüber nachzudenken, inwieweit ich selbst unter sozialen Ängste leide.

Mehr noch: Ich habe vorgeschlagen, dass unsere Selbsthilfegruppe einen Abend veranstalten könnte, in dem es um den Umgang mit sozialen Ängsten gehen sollte. Den Abend werde ich organisieren. Dafür habe ich die Selbsthilfegruppe für soziale Ängste eingeladen, die zur selben Parität gehört wie unsere Gruppe.
Torsten hat geschrieben:Unsere SHG in Magdeburg hat gute Kontakte zur SHG der Sozialphobiker; wir machen gemeinsam Projekte, und das hat seinen Grund natürlich darin, dass Stotternde häufig auch soziale Ängste haben.
Torsten, kannst Du näher erläutern, welche gemeinsamen Projekte Ihr veranstaltet?

Liebe Grüße,
trey91

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Torsten » 2. August 2016 10:38

Hallo trey91,

angefangen haben wir mit Aktionen, die dem Kennenlernen dienten: einer gemeinsamen Wanderung, einer Fahrradtour und einem Grillabend. In den beiden größeren Projekten, die jeweils auf mehrere Abende verteilt waren, ging es um das Sprechen vor Publikum, was ja sowohl für Stotterer als auch für Menschen mit sozialer Phobie ein Problem ist. Beim ersten Projekt, vor zwei Jahren, konnten diejenigen, die wollten, einen Kurzvortrag über ein selbst gewähltes Thema halten. Die Vorträge wurden als Video aufgezeichnet und später gemeinsam angeschaut und in einer Feedback-Runde bewertet. Im letzten Jahr haben wir etwas ähnliches gemacht, aber diesmal ging es um die Vorstellung eines Buches, also auch um das Lesen vor Publikum.

Der Vorteil für uns als Stotterer-SHG besteht, neben dem Austausch, auch darin, dass die Sozialphobie-SHG größer ist, sodass tatsächlich ein nennenswertes Publikum zusammenkommt.

LG, Torsten
www.stottertheorie.de

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Re: Tabuthema rund ums stottern

Beitrag von Quarti » 6. August 2016 21:03

Hallo. Ich bin neu hier. Bei mir in der Stadt gibt es Verkäufer mit Stottern, der arbeitet in einem Geschäft. Zu hören ist ein bisschen schwierig, aber wenn du sagst zeigst und nicht Ungeduld, Stottern raus!
"Wir kommen aus dem Nichts,
wir werden zu Nichts,
also was haben wir zu verlieren?
Nichts!"
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