Stottern und Meningitis

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PetraS
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Stottern und Meningitis

Beitrag von PetraS » 30. Mai 2016 13:20

Hallo,
ich habe auf der Suche nach Antworten mal hier im Forum gestöbert und bin auf folgenden Thread gestoßen
http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=4& ... itis#p3730
Hierin spricht ein Marco davon, dass er sei Stottern vermutlich auf eine frühkindliche Meningitis zurückführt.

Ich bin nun erneut auf diese Problematik gestoßen. Daher meine Frage an alle, die sich medizinisch besser auskennen als ich:
  • Ist es überhaupt wahrscheinlich, dass Stottern aus einer frühkindlichen Meningitis entstehen kann
  • Gibt es vielleicht hier Leute, die unmittelbar nach einer Meningitis angefangen haben zu stottern
  • Hat jemand weitere Erkenntnisse zu dieser Problematik
Danke schon für eure Antworten und Bemühungen.
Gruß
Petra

Nina 1999
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Re: Stottern und Meningitis

Beitrag von Nina 1999 » 27. August 2017 14:55

Hallo PetraS!

Bevor ich versuche, deine gestellten Fragen zu beantworten, möchte ich dir und den anderen Mitgliedern einen Text der Online-Plattform "Onmeda" zeigen, der die Erkrankung erstmal näher erklärt:

Was ist eine Meningitis?

Eine Meningitis ist eine Hirnhautentzündung, das heißt: Die Gehirn- und/oder Rückenmarkshäute (Meningen), die als Schutzhülle für Gehirn- und Rückenmark dienen, sind entzündet. Meist wird die Meningitis durch Bakterien oder Viren ausgelöst.

Wie häufig eine Hirnhautentzündung vorkommt, kann von Region zu Region ganz verschieden sein. In Deutschland erkranken Schätzungen zufolge etwa 0,5 von 100.000 Personen an einer Meningitis.

Was sind die Ursachen?

Die häufigsten Erreger einer bateriellen Meningitis sind:
  • Meningokokken

  • Pneumokokken


Meningokokken besiedeln häufig den Nasen-Rachen-Raum, ohne irgendwelche Beschwerden zu verursachen. Wer den Erreger in sich trägt, kann diesen jedoch auf andere Personen übertragen, auch wenn er selbst keine Beschwerden hat. Wenn die Meningokokken zu den Hirnhäuten gelangen, verursachen sie eine Hirnhautentzündung: die Meningokokken-Meningitis.

Pneumokokken leben vor allem auf der Schleimhaut der unteren Atemwege. Bei einem intakten Immunsystem ist das kein Problem. Breiten sich die Pneumokokken jedeoch aus, können sie verschiedene Erkrankungen auslösen - so zum Beispiel eine Lungenenzündung, eine Mittelohrentzündung oder eben eine Meningitis.

Die meist milder verlaufende virale Meningitis entsteht unter anderem durch Erreger wie
  • Mumps-Viren

  • Herpes-Viren

  • FSME-Virus


Wie bekommt man eine Hirnhautentzündung?

Häufig gelangen die Erreger über eine Tröpfcheninfektion in den Körper, zum Beispiel durch Niesen, Husten oder Sprechen. Meist führen die Erreger zu einer unkomplizierten und harmlosen Entzündung der oberen Atemwege. Manche Menschen tragen die Erreger im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst dran zu erkranken. Trotzdem sind sie eine Infektionsquelle für andere, bei denen die Keime möglicherweise schwere Erkrankungen auslösen.

Bei einer eitrigen, meist durch Bakterien verursachten Meningitis können die Erreger auf mehreren Wegen zu den Hirnhäuten gelangen.

Durch Streuung über den Blutweg (hämatogen): Erreger können von einem Entzündungsherd, der sich woanders im Körper befindet, über das Blut zu den Hirnhäuten vordringen. So kann es beispielsweise passieren, dass der Patient zunächst eine Lungenentzündung hat, die gleichen Erreger aber später eine Meningitis auslösen.

Durch Ausbreitung einer Infektion (fortgeleitete Meningitis): Eine Entzündung, die sich in der Nähe der Hirnhäute befindet - zum Beispiel eine Mittelohrentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung -, kann sich ausdehnen und auf die Hirnhäute übergreifen.

Durch direkten Kontakt: Meningitis-Erreger können auch durch unfallbedingte Schädelfrakturen oder durch operative Eingriffe an Gehirn und Rückenmark direkt mit den Hirn- und Rückenmarkshäuten in Kontakt kommen.

Typische Symptome einer Hirnhautentzündung
  • Zunehmende, starke Kopf- und Nackenschmerzen

  • (Hohes) Fieber, häufig mit Schüttelfrost

  • Nackensteifigkeit


Wie stark die Beschwerden ausfallen und welche Symptome genau auftreten, hängt von ist unter anderem davon abhängig, welcher Erreger die Hirnhautentzündung ausgelöst hat.

Weitere Symptome, die im Rahmen einer Meningitis auftreten, sind:
  • Starkes Krankheitsgefühl

  • Überempfindlichkeit gegen Reize wie Licht

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Reizbarkeit

  • Schläfrigkeit

  • Verwirrtheit

  • Krampfneigung

  • Bewusstseinsverlust bis hin zum Koma


Bei Säuglingen, Kleinkindern und Senioren sind die Symptome anders. Insbesondere bei älteren Menschen ist die Erkennung, zum Beispiel durch eine Grunderkrankung wie Demenz, oft erschwert.

Haben Meningokokken die Hirnhautentzündung ausgelöst, setzen die Symptome meist wie aus heiterem Himmel mit einem sehr schweren Krankheitsgefühl ein. Bei manchen Patienten entstehen stecknadelkopfgroße Hauteinblutungen.

Therapie der Meningitis

Eine durch Viren hervorgerufene Meningitis bedarf nicht immer einer speziellen Therapie. Nimmt sie einen leichten Verlauf, heilt sie oft von allein aus. Anders die bakterielle Hirnhautentzündung: Hier ist rasches Handeln erforderlich, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.

Eine bakterielle Meningitis muss umgehend behandelt werden! Wenn die Behandlung nicht sofort und ohne Verzögerung einsetzt, kann eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute durch Bakterien innerhalb weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Therapie der bakteriellen Meningitis

Eine bakterielle Meningitis wird zur Sicherheit immer im Krankenhaus behandelt. Der Grund: Die Erkrankung kann schnell zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Schon beim ersten Verdacht auf eine Meningitis - also auch, wenn die Diagnose noch nicht eindeutig feststeht -, ist es notwendig, so rasch wie möglich Antibiotika zu verabreichen. Da der Erreger zur Beginn der Therapie oft noch nicht genau bestimmt werden konnte, kommen zunächst Breitbandantibiotika zum Einsatz. Diese Antibiotika wirken gegen viele unterschiedliche Bakterienarten.

Sobald das Ergebnis der Untersuchungen vorliegt und der Erreger feststeht, kann der Arzt gegebenenfalls die Therapie anpassen und das Antibiotikum wählen, das am Besten gegen das jeweilige Bakterium wirkt. Je nachdem, um welchen Erreger es sich handelt und wie der Verlauf der Erkrankungung ist, dauert die antibiotische Maßnahme etwa 10 bis 14 Tage.

Therapie der viralen Meningitis

Eine virale Meningitis heilt zwar in viele Fällen ohne eine besondere Behandlung von allein aus - es kommt aber unter anderem auf den Erreger an, wie schwer der Verlauf tatsächlich ist.

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien und kommen daher bei einer viralen Meningitis nicht infrage. Gegen bestimmte Viren stehen sogenannte Virustatika zur Verfügung.

Unterstützend können fiebersenkende Medikamente sowie Bettruhe die Beschwerden lindern.

Wenn die Virale Gehirnhautentzündung auf das Gehirn übergeht (Enzephalitis), muss der Patient auf jeden Fall im Krankenhaus behandelt werden, denn dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein.

Komplikationen

Eine Hirnhautentzündung kann unbehandelt im Verlauf weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Bei etwas jedem zweiten Erwachsenen mit einer bakteriellen Meningitis treten Komplikationen auf, die unterschiedlich schwer ausgeprägt sein können. Dazu zählen unter anderem:
  • Eine Schwellung des Gehirns (Hirnödem) mit steigendem Hirndruck

  • Ein Gefäßverschluss der Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel

  • Hydrozephalus, eine krankhafte Erweiterung der mit Flüssigkeit gefühllten Räume im Gehirn

  • Hörprobleme durch Schäden am Innenohr

  • Lähmungen der Hirnnerven

  • Hirnabszess: Eiteransammlung in einer entzündlich entstandenen Höhle im Gehirn

  • Krampfanfälle

  • Geistige Einschränkungen


Meningokokken-Sepsis

Im Rahmen einer durch Meningokokken verursachten Hirnhautentzündung, kann sich eine Blutvergiftung entwickeln: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen entsteht eine Hirnhautentzündung mit Meningokokken-Sepsis. Schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Personen, die eine Meningokokken-Sepsis entwickelt haben, erleiden einen septischen Schock in einer schweren Form.

Mit einer Impfung kann man sich gegen diese lebensbedrohliche Krankheit schützen!

Quelle: http://www.onmeda.de/krankheiten/meningitis.html

Sorry, meine Erklärung ist doch recht ausfühlich geworden. :wink: Und hat so rein gar nichts mit dem Thema "Stottern" zu tun. Aber vielleicht kann sich jetzt jeder, der hier mitliest, ein verständlicheres Bild über die Krankheit machen.

Petra, nun aber zu deinen Fragen:

PetraS hat geschrieben:
30. Mai 2016 13:20

  • Ist es überhaupt wahrscheinlich, dass Stottern aus einer frühkindlichen Meningitis entstehen kann
  • Gibt es vielleicht hier Leute, die unmittelbar nach einer Meningitis angefangen haben zu stottern
  • Hat jemand weitere Erkenntnisse zu dieser Problematik
Nach dem Lesen des weitere oben Geschriebenen kann ich mir durchaus vorstellen, dass Stottern aus einer frühkindlichen Meningitis entstehen kann - aber natürlich nicht muss. Vielleicht entstehen durch Lähmungen der Hirnnerven gewisse "Narben" im Sprechzentrum, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall, diese das Stottern auslösen. Wie gesagt, das sind alles nur Spekulationen, keine Behauptungen oder gar wissenschaftliche Erkenntnisse. Da ich kein Mediziner bin, möchte ich mich damit nicht so weit "aus dem Fenster lehnen".

Mein Stottern ist nicht durch eine Meningitis entstanden. Glücklicherweise habe ich mit dieser Krankheit noch keine Bekanntschaft gemacht.

Es gibt auch neurologische Ursachen, die für das Stottern verantwortlich sein könnten. Weitere Informationen darüber findest du hier: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 33657.html

Ich hoffe, ich konnte dir beim Rätselraten etwas weiterhelfen. :grinundwe:

Viele Grüße

Nina 1999
Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen:
In der ersten wird es lächerlich gemacht.
In der zweiten bekämpft,
in der dritten gilt es als selbstverständlich.
(Arthur Schopenhauer)

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Re: Stottern und Meningitis

Beitrag von Crintel » 28. August 2017 00:00

Es ist möglich, dass Stottern mit so etwas wie Meningitis verbunden ist. Nach der Meningitis begann mein Sohn zu stottern.

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Re: Stottern und Meningitis

Beitrag von PetraS » 28. August 2017 10:15

Hallo Nina,
hallo Crintel,

vielen Dank für die Antworten. Danke an Nina, dass du dir so viel Mühe gemacht hast, alles zu recherchieren.
An Crintel noch die Frage: wie alt war dein Sohn, als er die Meningitis hatte? Hat er unmittelbar danach mit dem Stottern begonnen?

Ich bin kein Arzt, aber mir erscheint es ebenfalls plausibel, dass nach einer schweren Erkrankung im Gehirn als eine mögliche Folge auch Stottern auftreten kann.

Dies ist dann nun schon der dritte Fall, der mir bekannt geworden ist.
Danke nochmals
Petra

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Re: Stottern und Meningitis

Beitrag von Jaspis » 28. August 2017 14:27

Mein Vater hatte mit 6 Jahren eine Hirnhautentzündung und soll danach mit Stottern angefangen haben. So war es die Erklärung in unserer Familie jahrelang. Erst ich habe sie hinterfragt, weil ich (und meine Halbschwester, wie ich erst später erfuhr) auch stottere, ohne Hirnhautentzündung. (Nur mit Ohrenentzündungen im Kleinkindalter.)
Vor ein paar Jahren habe ich meine Oma dann mal auf das Stottern angesprochen und eine Vererbbarkeit ins Spiel gebracht. Und da erzählte sie, dass eine Cousine meines Vaters als Kind ebenfalls stotterte.
Von da an war für mich eigentlich klar, dass die Meningitis bei meinem Vater allenfalls der Auslöser und Langzeitkompliaktionen wie Hörprobleme (vielleicht bei mir auch?) aufrechterhaltende Komponenten gewesen sein könnten. Mein Vater war damals auch erstmals allein von zuhause weg, für 4 Wochen im Krankenhaus, ohne Eltern wie damals üblich. Ich habe das immer als möglichen Auslöser gesehen bzw. danach gesucht, denn es war für mich eine große Belastung, dass er stottern "durfte", aufgrund der Meningitis, und ich demzufolge nicht, denn ich hatte ja keine.

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Re: Stottern und Meningitis

Beitrag von PetraS » 29. August 2017 08:53

Hallo Jaspis,
ich finde diese Bemerkung, dass die Meningitis der Auslöser gewesen sein könnte, sehr hilfreich.
Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ebenso in einer Familie, in der es zuvor keinerlei Stotternde gegeben hatte, eine Meningitis als mögliche Ursache gesehen werden könnte - was aber bedeutet, dass die Nachkommen dieser Person alle nicht stottern dürften.

Im Prinzip bedarf es einer umfassenden wissenschaftlichen Studie, um tatsächliche Zusammenhänge zu erkennen.
Auf jeden Fall ist eine Meningitis, bei der das Gehirn im Zentrum steht, plausibler für beginnendes Stottern als ein furchterregender Hund.
Gruß
Petra

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