Stottern, nur eine Kopf Sache?

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Torsten
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Re: Stottern, nur eine Kopf Sache?

Beitrag von Torsten » 25. November 2016 10:27

Eberhard hat geschrieben:Für jemanden, der als Erwachsener noch stottert, stellt sich doch die viel wichtigere Frage: Warum hat das Stottern bei mir nicht in der Kind- und Jugendzeit wieder aufgehört, wie bei 75-80 % derer, die mit Stottern angefangen haben. Warum hat es sich bei mir festgesetzt?
Ich habe bis jetzt auch zu der Meinung tendiert, dass das Stottern sich „festsetzt“, wenn der/die Betroffene selber und/oder die Umgebung falsch damit umgehen – dann prägen sich Sekundärsymptome aus, die das Stottern verstärken und „chronifizieren“ (es gab eine lange Debatte zwischen mir und Paul.Dest darüber).

Man muss aber bedenken, dass es noch eine zweite Möglichkeit gibt: dass nämlich das Stottern bei denjenigen Kindern bestehen bleibt, die eine besonders starke Veranlagung haben oder bei denen in der Veranlagung ein Faktor eine Rolle spielt, der bei den Kindern, die das Stottern von selbst wieder verlieren, nicht vorhanden ist.

Für die letztere Möglichkeit spricht, dass die beiden wichtigsten Prädikatoren (Vorhersage-Faktoren) für chronisches Stottern männliches Geschlecht und starkes Stottern (von Beginn an!) sind. Ich vermute, dass beides eine Rolle spielt – die Veranlagung zum Stottern und der Umgang mit dem Stottern.
Eberhard hat geschrieben:Habt ihr nie die heftige Angst gehabt, das Stottern könnte euer Leben dauerhaft beeinträchtigen und es könne nie geheilt werden?
Nein, heftige Angst in dieser Hinsicht hatte ich nie. Besonders als Kind nicht, weil durch den Besuch von Sprachheil-Kindergarten und Sprachheil-Schule Stottern (auch bei anderen Kindern) für mich etwas Normales war. Trotzdem ist es bei mir chronisch geworden.

Damit will ich aber die Gefahr der Traumatisierung durch das Stottern nicht klein reden. Ich kenne junge Leute, die extrem unter ihrem Stottern leiden. Und es liegt auf der Hand, dass der Abbau von Angst und Minderwertigkeits-Gefühlen zumindest die Lebensqualität erhöht. Dass allein dadurch das Stottern weniger wird, konnte bis jetzt aber (interessanterweise!) wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden – obwohl entsprechende Untersuchungen durchgeführt wurden.

Eberhard, du schreibst, dass du erst mit sieben Jahren zu stottern begonnen hast. Das ist relativ spät. Bei den Kindern, die mit drei oder vier Jahren zu stottern beginnen, kann man vermuten, dass die Sprachentwicklung selbst (die in dieser Periode sehr rasant verläuft) der Auslöser für den Ausbruch des Stotterns ist. Mit sieben Jahren ist das weniger wahrscheinlich. Kannst du dich an irgend etwas erinnern, das dein Stottern ausgelöst haben könnte, an etwas, das dich erschrocken oder verunsichert hat?

Gruß, Torsten
www.stottertheorie.de

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