Stotterer und Kinderwunsch

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fieldsofgold86
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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von fieldsofgold86 » 10. Oktober 2016 11:03

Petra, danke für deinen Beitrag und die Beschreibung, wie man zitiert. :-)

Stimmt, die Diskussion ist jetzt ein wenig vom Thema "Stottern" abgekommen. Aber an sich bin ich ausschließlich an weiteren Meinungen bzgl. Co-Elternschaft in Verbindung mit Stottern interessiert (also die zu Beginn von mir gestellten Fragen) und NICHT bzgl. Co-Elternschaft allgemein. Insofern könnte man doch die Diskussion in dieser Rubrik belassen oder?

Viele Grüße

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PetraS
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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von PetraS » 10. Oktober 2016 11:19

Hallo!
Ich denke, wenn niemand sonst dagegen weitere Einwände hat, ist das okay, hier zu bleiben.

Meine Überlegung bezüglich Co-Elternschaft (mit oder ohne Stottern) wäre noch, dass wir nicht aus den Augen lassen sollten, dass es z.B. zahlreiche Frauen mit einem Kinderwunsch gibt, die es sich da ganz einfach machen können: Sie suchen sich ein "paarungsbereites" Männchen, dem sie gleich sagen, sie legen es nicht auf eine Beziehung an und bekommen das Kind, das seinen Vater niemals kennenlernt.

Das wäre die eine Variante. Die andere ist, die Frau legt es auf eine Beziehung an, der Mann ist jedoch über alle Berge, ehe das Kind das Licht der Welt erblickt, weil man einfach nicht drüber gesprochen hat, wie es MIT Kind weitergehen soll.

Auch wenn ich solche Lebensentwürfe nicht nachvollziehen kann, respektiere ich doch auch Frauen, die so ihren Kinderwunsch erfüllen. Und wenn diese Frauen dem Kind genügend Liebe schenken und ihm Mutter UND Vater zugleich sind, dann können auch diese Kinder glücklich und geborgen aufwachsen.

So, der Mann, der einen Kinderwunsch hat, hat es da nicht so einfach. Weil - für das Gebären eines Kindes braucht es immer noch eine Frau. Dann ist es doch nur konsequent, wenn er sich in ein Netzwerk einklinkt, in dem ihm die Möglichkeit geboten wird, nicht nur Samenspender, sondern gleichzeitig auch Vater im klassischen Sinne zu sein.

Darum, und genau darum finde ich das Konzept einer Co-Elternschaft im Deutschland des 21. Jahrhunderts alles andere als verwerflich. Mit oder ohne Stottern.
Gruß
Petra

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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von Jaspis » 10. Oktober 2016 20:53

fieldsofgold86 hat geschrieben:Und wieso sollte es später schwieriger für das Kind sein? Woher nimmst du deine Annahme? Lieber Jaspis, bitte nicht falls verstehen: Ich möchte dir nichts vorwerfen und respektiere deine Meinung, aber ich diskutiere gerne :-)
Hallo fieldsofgold86,
meine Skepsis gegenüber starkem Kinderwunsch ohne Partnerschaft war vielleicht etwas weit hergeholt und beruht auf eigenen Erfahrungen (mit dem Vater meiner Kinder). Aus persönlichen Gründen habe ich da evtl. etwas überreagiert.
Und vom Thema Stottern müssen wir auch nicht abweichen ... Im Prinzip stellt sich die Frage der Vererbbarkeit von Stottern allen potentiellen Eltern. Egal in welcher Beziehung/Konstellation die Eltern jeweils leben.
Also, besser über das eigentliche Thema diskutieren! §dup

Du schreibst, dass Deine eigenen Eltern trotz Stottern Deiner Mutter Eltern werden wollten. Kannst Du das denn nachvollziehen? Oder haderst Du mit dieser Einstellung/Entscheidung?

Wie ist denn Deine eigene Einstellung zur möglichen Weitergabe des Stotterns? Wäre das für Dich schlimm? Was würdest Du tun, wenn Dein Kind anfangen würde zu stottern?

Wenn Du Dir selbst in diesen Fragen klar bist, dann strahlst Du das auch gegenüber anderen aus, inkl. einer potentiellen Co-Mutter. Ob sie dann mit Dir auf einer Wellenlänge liegt, ist der 2. entscheidene Punkt. Den kannst Du auch nicht beeinflussen. Nur Deine eigene Einstellung und Ausstrahlung - und dann schauen, was passiert...

Gruß, Jaspis!

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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von fieldsofgold86 » 11. Oktober 2016 00:14

Danke für eure Beiträge, Jaspis und Petra.
Du schreibst, dass Deine eigenen Eltern trotz Stottern Deiner Mutter Eltern werden wollten. Kannst Du das denn nachvollziehen? Oder haderst Du mit dieser Einstellung/Entscheidung?
Ich kann die Entscheidung meiner Eltern total nachvollziehen. Kein stotternder Mensch soll aufgrund seines Stotterns auf Kinder verzichten. Das wäre ja absurd. Bevor meine Eltern meinen Bruder (der nicht stottert) und mich bekamen, stand für sie allerdings die genetische Komponente des Stotterns, obwohl sie darüber bescheid wussten, überhaupt nicht zur Debatte und war für die beiden hinsichtlich ihres Kinderwunsches irrelevant.
Wie ist denn Deine eigene Einstellung zur möglichen Weitergabe des Stotterns? Wäre das für Dich schlimm? Was würdest Du tun, wenn Dein Kind anfangen würde zu stottern?
Ich selber würde es natürlich besser finden, wenn meine Kinder nicht stottern. Aber schlimm finden würde ich es auf gar keinen Fall. Ich würde mein Kind natürlich genauso lieben und schätzen wie wenn es nicht stottert. Falls mein Kind zu stottern begönne, würde ich mit der Mutter absprechen, was wir tun könnten bzw. wie wir das Kind so gut wie möglich unterstützen könnten, sei es mit einer logopädischen Therapie oder anderen Möglichkeiten. Jaspis und Petra, wenn ich euch fragen darf: Stottern eure Kinder auch oder haben sie mal eine Zeit lang gestottert? Wie hat die genetische Komponente des Stotterns euren Kinderwunsch geprägt?

Ich selber bin mit meinem Stottern total im Reinen und gehe selbstbewusst damit um. Insgesamt merkt man mir mein Stottern auch nicht unbedingt an. Erst wenn man mich besser kennt, fällt es auf, dass ich hin und wieder "hängenbleibe".

Wenn ich dann eine potentielle Mutter kennenlerne und wir uns beide irgendwann so gut verstehen, dass wir beide uns vorstellen könnten, ein Kind zu bekommen, dann denke ich, wird sie es auch akzeptieren oder gegebenenfalls sogar als irrelevant empfinden können, dass eine geringe Wahrscheinlichkeit der Weitergabe einer Veranlagung zum Stottern an das Kind gegeben ist. Oder was denkt ihr?

Viele liebe Grüße

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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von Jaspis » 12. Oktober 2016 22:49

fieldsofgold86 hat geschrieben:Wenn ich dann eine potentielle Mutter kennenlerne und wir uns beide irgendwann so gut verstehen, dass wir beide uns vorstellen könnten, ein Kind zu bekommen, dann denke ich, wird sie es auch akzeptieren oder gegebenenfalls sogar als irrelevant empfinden können, dass eine geringe Wahrscheinlichkeit der Weitergabe einer Veranlagung zum Stottern an das Kind gegeben ist. Oder was denkt ihr?
Ich denke ... Wir können Dir diese Frage hier nicht beantworten. :wink:
Wir kennen ja die Frau nicht. :wink:
Es bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als es auszuprobieren und zu schauen, was passiert. Hab Mut! :knuddel:
Jaspis und Petra, wenn ich euch fragen darf: Stottern eure Kinder auch oder haben sie mal eine Zeit lang gestottert? Wie hat die genetische Komponente des Stotterns euren Kinderwunsch geprägt?
Meine beiden Kinder hatten mit 2 und 4 Jahren Unflüssigkeiten. Meine Tochter hat bis heute (11) bei einigen Lauten Hänger. Die sie selbst aber nicht bemerkt und die sie nicht stören. Und die auch einen Zuhörer nicht stören, weswegen ich es auch dabei belasse.

Meinen Kinderwunsch ansich hat das Stottern nicht geprägt. Der Kinderwunsch war da. Und er ließ sich auch nicht durch Stottern bremsen. Vielleicht war das egoistisch oder leichtsinnig. Denn ich ging davon aus, dass auch meine Kinder nur leicht stottern könnten, da ich selbst auch nicht stark stottere. Den großen Rest des Problems - extreme Vermeidungsstrategien und Sprechängste - hatte ich zu dem Zeitpunkt schon relativ gut für mich bearbeitet.

Ich bin aber jetzt doch sehr froh, dass meine Kinder nicht stottern - Sie in einer Stottertherapie zu begleiten, stelle ich mir nicht so einfach vor, man leidet schon sehr mit, wenn die eigenen Kinder "was" haben, egal was. Man wünscht ihnen doch, dass sie es leichter haben mögen als man selbst.

Gruß, Jaspis!

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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von fieldsofgold86 » 20. Oktober 2016 13:28

Danke Jaspis für deinen Beitrag.

Ja, ich bin sehr zuversichtlich und optimistisch, dass ich die richtige potentielle Mutter kennenlernen werde :-)

Petra, wie war das bei dir mit dem Kinderwunsch? Also wenn ich fragen darf: Stottern deine Kinder auch oder haben sie mal eine Zeit lang gestottert? Wie hat die genetische Komponente des Stotterns deinen Kinderwunsch geprägt?

Und Jaspis uns Petra: Spielte für eure Partner euer Stottern hinsichtlich eures gemeinsamen Kinderwunsches eine Rolle?

Viele liebe Grüße,

fieldsofgold

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Re: Stotterer und Kinderwunsch

Beitrag von PetraS » 22. Oktober 2016 10:33

Hallo fieldsofgold86,
sorry aber war einige Tage ohne Rechner (heißt: geschäftlich unterwegs...)
fieldsofgold86 hat geschrieben:Danke Jaspis für deinen Beitrag.
Petra, wie war das bei dir mit dem Kinderwunsch? Also wenn ich fragen darf: Stottern deine Kinder auch oder haben sie mal eine Zeit lang gestottert? Wie hat die genetische Komponente des Stotterns deinen Kinderwunsch geprägt?
Mein Sohn war so etwas wie eine provozierte ungewollte Schwangerschaft. Also nach dem Motto: da wir nicht reif sind für eine gemeinsame Entscheidung, lassen wir das Schicksal entscheiden.
Wir hatten anfangs zweisprachig begonnen, und als sich bei meinem Sohn mit etwa fünf gewisse Unflüssigkeiten zeigten, habe ich sie genau beobachtet: sie waren allerdings nur der unausgeglichenen Zweisprachigkeit geschuldet, das hatte ich oben bereits geschildert.

Ungeachtet dessen wurde ich öfters von anderen darauf angesprochen, dass er doch sehr unflüssig spreche. In den Fällen habe ich die Leute angewiesen, wie sie mit ihm umgehen sollen, dass sie ihm Zeit lassen und nicht die Wörter ergänzen oder "kluge" Ratschläge geben sollen, damit aus dem NICHT Stottern nicht noch Stottern werde. (Damals glaubte ich noch an die Theorie: das Stottern des Kindes beginnt im Ohr der Eltern)

Erst wesentlich später, als meine Tochter bereits auf der Welt war, informierte ich mich intensiv zum Thema Stottern, was aber nichts mit ihr sondern mit meinem eigenen Aufarbeiten meines eigenen Stotterns zu tun hatte. Eigentlich habe ich da erst etwas von der erblichen Komponente gelesen, weswegen ich mir auch nicht VOR dem Kinderwunsch Gedanken machen konnte.

Meine Tochter spricht nach wie vor unfassbar normal, zeigt auch keine Hektik oder sonst was. Irgendwann zwischendurch hatte sie mal - meines Empfindens nach - Wortschatzprobleme, das heißt sie kannte Wörter nicht, die meines Erachtens nach in ihrem Alter schon vorhanden sein müssten. (Habe ich im Vergleich zu ihrer Freundin festgestellt). Dann haben wir, wenn wir auf Autofahrten waren, immer Wortspiele gemacht oder zwischendurch spielerisch Begriffserklärungen gesucht. Das hat viel gebracht.
fieldsofgold86 hat geschrieben:Und Jaspis uns Petra: Spielte für eure Partner euer Stottern hinsichtlich eures gemeinsamen Kinderwunsches eine Rolle?
Da mein Stottern auch nicht so auffällig ist, habe ich beim Kennenlernen irgendwann gesagt, dass ich stottere. Das hat mein Mann anscheinend für einen Witz gehalten und machte eine flapsige Bemerkung. Damit beließ ich das Thema dann, zumal ich damals glaubte, dass ein bisschen Stottern auch nur ein bisschen Leiden bedeutet. Und wenn ich zuvor VIEL gelitten hätte, dann wäre das MEINE Dummheit.

Durch die viel spätere Aufarbeitung und eigentlich erst durch mein Engagement in den letzten drei Jahren weiß ich nun, dass ich eine völlig normale Stotterin bin, mit deren Stottern als Kind nur völlig falsch umgegangen wurde.

Und das habe ich mir bei meiner Tochter, als sie klein war und ich mit dieser Aufarbeitung begann, stets gesagt: und wenn sie eines Tages anfängt zu stottern, dann hat sie die beste Mutter, die ihr passieren kann; denn nichts kann einem stotternden Kind besseres passieren, als ein stotterndes Elternteil zu haben.

Gruß
Petra

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