Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

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Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von Ralf_D. » 23. Oktober 2016 11:38

Tach zusammen...

Ich stell hier mal ein Video ein würde gerne wissen, was ihr davon haltet.
Ich habe vor, (evt. auch mit Hilfe der BVSS) gegen den Typen vorzugehen, weiß aber noch nicht genau, wie.



Gestern abend im TV auf WDR hatte er wieder einen Auftritt, wo er noch krasser gegen Stotterer zu Werke ging (u.a. ein Zitat: "Ganz ehrlich Leute, wer von Euch hat noch nie daran gedacht, jemanden, der B-B-B-B-B... sagt, eins in die Fresse zu hauen").

Das Video zum gestrigen Auftritt finde ich im Moment nicht. Vielleicht findet einer von Euch es und kann das hier posten. Danke
http://www1.wdr.de/radio/1live/events/1 ... l-100.html

Gruß
Ralf
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von grasendes Schaf » 23. Oktober 2016 20:05

Hi Ralf.

Meinst du das ab 01:46:00 ? Ist seit gestern in der Mediathek, aber ohne dein genanntes Zitat (oder ich hab es überhört)

Ein Newcomer? Ich hatte bis jetzt noch nichts über ihn gehört.

Er scheint sich auf Behinderte und Randgruppen eingeschossen zu haben. Lustig geht anders, finde es aber auch nicht tragisch.
Da bekommt halt jeder sein Fett weg, apropos macht er auch Witze über Dicke? Würde seiner Authentizität nichts schaden.

Gruß, gS
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von Ralf_D. » 23. Oktober 2016 21:20

Hi,
ja stimmt, da muss ich mich korrigieren. Er sagt sowas wie "Wir haben alle schon mal gedacht, wenn wir einem Stotterer zuhören "Halt die Fresse".

Trotzdem, mir geht das zu weit. Ich würde gern mal einen Brief an sein Management aufsetzen. Ja, der Typ hat schon eine Managerin. ;-)
Aber es wird schwierig werden, das so zu formulieren, dass man nicht als generell humorlos hingestellt wird.

Klar macht er auch Witze über seine eigene Figur und sein Doppelkinn, usw. Aber das ist was ganz anderes.
Ich finde, wir (mehr oder weniger) stotternden Menschen müssen uns sowas nicht gefallen lassen. Meine Meinung.
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von grasendes Schaf » 23. Oktober 2016 23:26

Hab gerade gegoogelt.
Chris Tall scheint ja doch einigermaßen bekannt zu sein, also zumindest hat er einen Wiki Eintrag :wink: .
Einen Brief an seine Managerin fände ich nicht verkehrt, auch wenn ich mich nicht persönlich angegriffen fühle. Wenn er schon Witze über Behinderte macht sollte er sich fairerweise auch im Vorfeld ein wenig mit der jeweiligen Behinderung auseinander setzen. Der Grat zwischen Humor und Beleidigung ist schmal. Ein wenig Hintergrundwissen wäre da hilfreich.

Die Aussicht auf Erfolg halte ich aber dennoch für gering. Der Typ möchte polarisieren.
Dies wird auch nicht der erste Beschwerdebrief eines Randgruppenvertreters :wink: sein. Aber genau das bezweckt er, raus aus dem Einheitsbrei a la Mario Barth und Co.
An moralische Grenzen zu gehen, spaltet die Gemüter, das bringt Einschaltquoten und steigert den Erfolg. Das ganze natürlich hübsch garniert mit erhobenem (doppel)moralischem Zeigefinger „Randgruppen gehören auch zu uns, und ich will es salonfähig machen" bin ja selber fett und hässlich

Gruß, gS
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von Torsten » 24. Oktober 2016 11:58

Hallo Ralf,

natürlich ist das weit unter der Gürtellinie, was Chris Tall macht. Es ist geschmacklos, und interessant oder lustig wird es überhaupt nur vor dem Hintergrund der verbreiteten political-correctness- und Antidiskriminierungs-Verkrampfung. Dieses Getue geht vielen Leuten auf die Nerven – mir auch. Tall diskriminiert niemanden, er zieht alle gleichermaßen durch den Kakao.

Wenn man etwas dagegen unternehmen will, dann wäre das Beste wohl eine Beschwerde bei den Rundfunkanstalten, die das senden.

Gruß, Torsten
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von PetraS » 24. Oktober 2016 16:28

Hallo,
ich schließe mich Torsten an. Insbesondere die Öffentlich Rechtlichen sollten auf das Niveau ihrer Gäste ein wenig Acht geben, und da könnten die Beschwerden von Stotterern, Schwulen- und Lesbenverbänden, Farbigen und anderen "Randgruppen", die er ins Visier nimmt, zumindest für ein wenig mehr Nachdenken sorgen.
Und vielleicht auch dafür sorgen, dass das Publikum nicht so unreflektiert über jeden Scheiß lacht.
Gruß
Petra

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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von Ralf_D. » 24. Oktober 2016 23:02

Schwarze, Schwule, Lesben, Dicke, Rollstuhlfahrer, Segelohren, usw. können sich aber bei Bedarf verbal gut zur Wehr setzen. Sie können Contra geben, sie können schlagfertig reagieren, usw. Viele Stotterer können das eben nicht. Weil sie dann nichts rausbekommen. Und wenn sie nichts rausbekommen, lacht man erst recht über sie.
Das ist schon ein Unterschied, finde ich.
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von PetraS » 25. Oktober 2016 09:45

Hallo Ralf,
Das ist ganz richtig, was du sagst, betrifft aber in dem Falle sicher nur die Scheinfrage ins Publikum, "sind Stotterer hier?" Auf die Frage nach Schwulen und schwarzen Rollstuhlfahrern hat schließlich auch niemand reagiert.

Bei schriftlicher Beschwerde sind Stotterer nicht im Nachteil, und da kann man sicher auch die eine oder andere Infobroschüre gleich mitschicken.

Petra

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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von dosi » 25. Oktober 2016 10:38

Ich bin der Meinung, dass man nichts gegen diese Art der Comedy machen sollte. Es ist niveaulos und der Knabe ist nicht gerade mit Empathie und Intelligenz gesegnet. Das entschuldigt nichts - aber über so einen Schwachsinn aufregen? Damit würde das Ganze nur gepuscht.
Im Übrigen finde ich, dass auch wir Stotternde uns sehr wohl zur Wehr setzen können. Vielleicht nicht sofort verbal und schlagfertig. Aber ich denke, dass auch kein Schwuler bei so einer Sendung sofort aufsteht und den Comedian als Vollpfosten bezeichnet.
Wenn jetzt Kritik von Stotternden kommt, dann kann das auch wieder so ausgelegt werden, dass die armen Stottis sich immer benachteiligt, angegriffen und falsch verstanden fühlen.

Dosi
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von Torsten » 25. Oktober 2016 10:47

Hallo Ralf,

Stotterer können sich nicht verbal zur Wehr setzen, sie sind nicht schlagfertig, das stimmt (gilt auch für mich). Es ist aber die Frage, ob man sich gegen einen Witz oder einen Comedy-Gag zur Wehr setzen muss – man kann ja auch einfach mal mitlachen (in dem Fall über sich selbst).

Im Publikum waren viele Frauen. Die hätten C.T. auch ausbuhen können, als er sie als „Menschen mit Menstruationshintergrund“ tituliert hat. Haben sie aber nicht getan. Der Punkt ist m.E. der, dass sich seine Witze eigentlich nicht gegen die „Randgruppen“ richten, die er aufs Korn nimmt, sondern gegen die latenten Sprechverbote und das grassierende Neusprech („Stotternde“ statt „Stotterer“, „Studierende“ statt „Studenten“ etc.).

Übrigens (ganz nebenbei) wäre „Menschen mit Stotterhintergrund“ viel passender als „stotternde Menschen“ oder „Stotternde“, denn „stotternd“ (Partizip Präsens) bezieht sich auf das, was gegenwärtig geschieht (Verlaufsform): Ein Stotternder ist jemand, der jetzt in diesem Moment tatsächlich stottert. Viele Stotterer stottern aber eher selten. Doch sie wissen, dass es ihnen jederzeit passieren kann - und dieser „Hintergrund“, die damit verbundenen Gefühle und Ängste, das ist das eigentliche Problem.

Gruß,
Torsten (mit Stotterhintergrund :wink: )
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Re: Der Comedian Chris Tall und seine Art, sich über Stotterer lustig zu machen...

Beitrag von PetraS » 25. Oktober 2016 10:55

Wow Torsten, du bist Spitze, wenn nicht sogar genial :D

Wobei wir Stotternden oder auch Menschen mit Stotterhintergrund die Wörter immer nach der Sprechbarkeit beurteilen und weniger nach der politischen Korrektheit.

Für mich war der Begriff Stotternde ein Segen, weil ich ihn (komischerweise) immer viel leichter aussprechen kann als Stotterer.
(Das Gleiche gilt für Putenschnitzel vs. Puterschnitzel wie meine Mutter zu sagen pflegte).

Und ein Wort, das ich - segensreicherweise - kaum aussprechen kann ist "Alternative für Deutschland". Ein Grund, diese nicht zu wählen (auch wenn ich jetzt off-topic bin.)

Gruß
Petra

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