Buchempfehlung: Katherine Preston, "Out with it"

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julius
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Buchempfehlung: Katherine Preston, "Out with it"

Beitrag von julius » 29. November 2016 21:10

Liebe alle,

ich habe gerade das Buch "Out with it" von Katherine Preston gelesen. Es wurde schon einmal in diesem Forumsbeitrag kurz erwähnt, und ich glaube es ist es wert, stärker hervorgehoben zu werden. Katherine Preston beschreibt im Buch ihren Lebensweg ab dem Alter von 7 Jahren (als ihr Stottern zum ersten Mal deutlich zu Tage trat) bis zu ihrem heutigen Alter von etwa 30 Jahren. Dabei bezieht sie auch Stimmen vieler anderer Stotternder ein, die sie im Rahmen einer einjährigen Recherche interviewt hat. Dies sind sowohl "ganz normale" Menschen, die sie bei einer Reise quer durch die USA kennen gelernt hat, als auch bekannte(re) Musiker, Schauspieler, Wissenschaftler, ...

Ich finde das Buch in jeder Hinsicht sehr gelungen: Es gibt einen berührenden, informativen und umfassenden Einblick, was es bedeutet zu Stottern (ich kann nur für mich sprechen, fand aber alles sehr nachvollziehbar, teilweise auf erstaunliche Weise!). Ihre eigene Geschichte wird durch die Einbindung weiterer Meinungen und Erfahrungen aus den o.g. Interviews bereichert, wodurch sie noch repräsentativer wird. Sie schreibt gut und unterhaltsam, teilweise außerordentlich witzig (aber nie banal, oft auch traurig-berührend). Ihr eigener Weg von mehreren Therapieversuchen hin zu größerer Akzeptanz des eigenen Stotterns ist vielleicht nicht für jeden "das Richtige", aber ihre Überlegungen hierzu sind glaube ich für jede/n Stotternde/n relevant. Indem sie selbst inzwischen als Trainerin für öffentliches Sprechen ("public speaking") arbeitet, bringt sie schließlich das Thema auf eine allgemeinere Ebene: wie gehen wir - stotternd oder nicht - mit unserer Imperfektion und Verletzlichkeit um? Können wir es in eine Stärke verwandeln? Hilft es uns ein positives Beispiel für andere - mit möglicherweise ganz anderen Schwierigkeiten und Ängsten - sein?

Leider gibt es das Buch bisher nur auf Englisch, aber vielleicht findet sich ja ein/e Übersetzer/in...

In diesem Video kann man die Autorin in einem interessanten Interview über das Buch erleben, auf ihrer Website/ihrem Blog kann man Artikel von ihr lesen. Ich finde, sie hat wirklich Gutes zu sagen.

Wäre gespannt, ob noch andere dieses Buch gelesen haben, und wie ihr es fandet. Und ob ihr vergleichbare deutschsprachige Bücher kennt!

Viele Grüße, Julius

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Re: Buchempfehlung: Katherine Preston, "Out with it"

Beitrag von Roland Pauli » 30. November 2016 00:14

Hallo Julius,

vielen Dank für den Link zum Video.

Noch nie habe ich jemanden so charmant stottern gesehen wie Katherine Preston in dem Video, in dem sie interviewt wurde.
Manche Sätze fing sie 4 mal an und lächte oft dabei, als ob sie sagen wollte " na sowas, will das Wort gerade nicht raus, aber irgendwann kann ich es schon sagen." Das hätte ich vermutet, aber wer weiß, was sie gerade dabei empfunden hat?

Jedenfalls hat sie weder mit Kampf und Flucht reagiert, sondern mit charmanter Gelassenheit. Das ist mir auch erst nach jahrzehntelangem Kampf eingefallen, dass es auch diese Reaktion gibt, wenn der Sprechfluss stockt.

LG

Roland
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Re: Buchempfehlung: Katherine Preston, "Out with it"

Beitrag von PetraS » 30. November 2016 13:33

Hallo Julius,
danke für den Beitrag und das verlinkte Video.
julius hat geschrieben: ich habe gerade das Buch "Out with it" von Katherine Preston gelesen. Es wurde schon einmal in diesem Forumsbeitrag kurz erwähnt, und ich glaube es ist es wert, stärker hervorgehoben zu werden. Katherine Preston beschreibt im Buch ihren Lebensweg ab dem Alter von 7 Jahren (als ihr Stottern zum ersten Mal deutlich zu Tage trat) bis zu ihrem heutigen Alter von etwa 30 Jahren. Dabei bezieht sie auch Stimmen vieler anderer Stotternder ein, die sie im Rahmen einer einjährigen Recherche interviewt hat. Dies sind sowohl "ganz normale" Menschen, die sie bei einer Reise quer durch die USA kennen gelernt hat, als auch bekannte(re) Musiker, Schauspieler, Wissenschaftler, ...
Vielleicht kann man eine solche Anregung ja mal an die BV herantragen. Sie sucht immer wieder nach guten und Mut machenden Werken zum Thema Stottern bzw. Biographien von Stotternden.
Da es bereits viele übersetzte Bücher gibt, wird sich auch in solch einem Falle sicher ein Übersetzer finden.
julius hat geschrieben:Wäre gespannt, ob noch andere dieses Buch gelesen haben, und wie ihr es fandet. Und ob ihr vergleichbare deutschsprachige Bücher kennt!
Ich habe das Buch nicht gelesen, mir fällt es leider zu schwer, etwas auf im englischen Original zu lesen. Daher kann ich auch nicht sagen, ob es wirklich vergleichbar ist, aber der Demosthenes-Verlag hat erst vor wenigen Wochen das Buch "Mein Weg - Biographische Gespräche mit stotternden Menschen" herausgegeben.
Im Klappentext heißt es:
Was sind das für Menschen, die stottern? In den biographischen Gesprächen, die Gerd Riese führt, entfalten sich höchst unterschiedliche, faszinierende Lebenswege.

Die jüngste ist achtzehn, der Älteste zweiundachtzig Jahre alt. Es sind Frauen und Männer, Jugendliche, Familienväter und Alleinlebende, Handwerker, Lehrer, Frührentner, Dolmetscher und Informatiker. Immer interessiert sich Gerd Riese für ihr GANZES Leben, nicht nur für das eine Handicap. Er stellt Fragen, die vielleicht manchmal verblüffen und die mit dem Stottern auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas zu tun haben. Fragen, die auch den Leser, die Leserin in Bewegung bringen. Themen, die reichlich Gesprächsstoff bieten für jede Selbsthilfegruppe. Ein Buch, das die Stärke, das Einmalige, die besonderen Fähigkeiten eines jeden Einzelnen herausstellt. Elf starke Leben mit einem Handicap. Elf Leben des Trotzalledem. Elf Leben voll von Fragen.
Wie jedes bewusste Leben.
Da ich das Buch von Katherine Preston nicht gelesen habe, kann ich nichts zur Vergleichbarkeit sagen, aber dieses Buch über Stotternde und ihren steinigen Weg kann ich nur empfehlen. (Die BV hat noch mehrere solcher biographischen Werke)

Gruß
Petra

julius
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Re: Buchempfehlung: Katherine Preston, "Out with it"

Beitrag von julius » 30. November 2016 14:35

@Petra: Vielen Dank für den Buch-Tipp!

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