Stottern Kontakte gesucht

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Mat Wsun
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Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 6. Dezember 2016 10:51

Hallo meine Lieben,

ich bin Pole, komme auch aus Polen und habe ein starkes Stotterproblem. Als Kind habe ich gestottert - das hat im Kindergarten etwa mit 5 begonnen und ist in der Pubertät irgendwie verschwunden. Von 13 bis zu meinem 21 Lebensjahr konnte ich stotterfrei reden und hatte sogar Personen kennengelernt, die gestottert haben und ich mir dabei dachte, zum Glück sei dieses Problem schon vorbei.
Seit einiger Zeit ist Stottern leider wieder zum Ausdruck gekommen. Ich habe gemerkt, dass ich wieder ein bisschen stottere und konnte das nicht hemmen und das Problem hat im Laufe der Zeit leider zugenommen. Das wäre sogar nicht komisch und ich habe mich an Logopäden hier in der Nähe gewendet, aber das Problem besteht darin, dass ich stottere, während ich Deutsch oder Englisch rede. Mit Polnisch gibt es praktisch gar kein Problem, nur manchmal und das fällt auch nicht auf.

Ich suche gern eine Person aus Deutschland, da ich es immer schön fand neue Personen kennenzulernen, insbesondere aus dem Ausland, die vielleicht auch ein gleiches Problem hat und sich darüber unterhalten möchte. Einfach eine neue Bekanntschaft und Meinungsaustausch. Ich suche einfach Personen, mit denen ich regelmäßig reden könnte und ich kann euch auch etwas polnisch beibringen :)

Wer Lust hat und offen ist, meldet sich mal bei mir: mat.wsun@o2.pl. Ich freue mich auf jeden Kontakt!

MfG.

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von T_homas » 6. Dezember 2016 11:35

Hallo,

da gehts dir ja genauso wie mir.
Mit der Pubertät war es bei mir genauso weg,so zwischen 13 und 20 J.
Als ich Stottern mal im TV zur damaligen Zeit sah,dachte ich ebenso,dass ich das auch mal hatte,aber das ist Vergangenheit und zum Glück nicht mehr Gegenwart.

Gab es bei dir irgendwie einen Auslöser weswegen es wieder zurückkam und wie hat sich das bei dir gezeigt?
Bei mir wars anfangs kein Stottern,ich brachte einige Wörter nur leicht undeutlich raus in der Aussprache.
Mit der Zeit wurde es mehr und ca. nach einem Jahr kamen die Blockaden schleichend.

Wie alt ist man denn und wo kommt man her?

Gruß
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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 6. Dezember 2016 14:47

Hallo,

ich weiß ja auch nicht, ob es einen richtigen Auslöser gab. Ich habe in der Puberät sehr intensiv deutsch gelernt. Ich habe intensiv nach neuen Kontakten mit Leuten aus DE z.B. über Skype gesucht und so habe ich zahlreiche Bekanntschaften geschlossen. Ich habe sogar diesen Moment nicht gemerkt, als ich einfach flüssig Deutsch reden konnte. Das ist einfach so, als ob du eines Tages kaum etwas sagen könntens und nach ein paar Tagen einfach ganz spontan reden würdest, ohne sich Gedanken zu machen, ob man nach "dass" oder "ob" das Verb ans Ende setzen kann usw.
Damals ging es mir richtig gut und davon, dass ich stottere, was damals gar keine Rede!
Ich habe mit 22 einige Zeit in Detuschland verbracht (habe dort gearbeitet) und in der Arbeit habe ich eigentlich mehrmals telefoniert. Wenn du über diese Apps auf dem Computer telefonierst, kriegst du die Stimme deines Gesprächspartners oft mit einer kleinen Verzögerung (du weißt sicherlich was ich meine) und dementsprechend ist auch deine Rückmeldung etwas zeitlich verzögert. Dadurch sind wir uns gegenseitig oft ins Wort gefallen und diese Situation hat, glaube ich, meine ersten Stotterprobleme ausgelöst.
Hinzu kommt auch die Tatsache, dass ich wegen meinem Studium (Germanistik) immer darauf geachtet habe, dass alles, was ich sage, richtig sein muss, also fehlerfrei, anstatt einfach spontan zu sprechen. Das alles hat sicherlich dazu geführt, dass ich schlussendlich Angst bekommen habe zu sprechen, mich zurückgezogen habe und nicht reden wollte/konnte.
Ich war immer eine offene Person, neue Kontakte aufnehmen war für mich wirklich Spaß. In meiner Arbeit muss ich hauptsächlich Deutsch sprechen, denn darauf beruht sie auch und von Tag zu Tag habe ich den Eindruck, es gehe mir immer schlechter. Ich muss mit Kunden reden, verstehe sie, will schnell antworten, aber das funktioniert nicht. In meinem Kopf spielt sich nämlich eine Art "laute Party" ab, ich bin nicht in der Lage Gedanken zu sammeln und wenn ich schon beginne zu sprechen, endet es immer mit stottern... Das was ich mag und machen will ist einfach Kontakt mit Deutsch zu haben und mit anderen reden und dieses Problem macht mein Leben einfach kompliziert... Heutzutage ist es doch nicht so leicht einen Arbeitsplatz zu finden, zumal ich in einer kleinen Stadt lebe und meine Arbeit eigentlich mag...

Deshalb suche ich gerne Personen mit ähnlichen Problemen die bereit wären auch neue Kontakte zu knöpfen oder so. Dass ich Ausländer bin, spielt hier wohl keine Rolle...

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von T_homas » 6. Dezember 2016 17:27

Ja ok und wie genau hat sich dann dein Stottern wieder bemerkbar gemacht?Ich meine kam das von jetzt auf gleich zurück oder war das schleichend?
Ich hab damals zum Beispiel mit 14 angefangen,als das bei uns Mode war,Funker zu werden (normaler CB-Funk).Hab also weit über ein Jahr täglich,teilweise bis nachts mich mit irgendwelchen Leuten unterhalten (das war die Wendezeit,also 1990,da hatte kaum einer Telefon,demzufolge waren damals die Kanäle rappelvoll).
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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 7. Dezember 2016 08:16

Das war schleichend. Noch vor einem Jahr war es kaum merkbar und hat im Laufe der Zeit einfach zugenommen, so dass ich einfach Angst bekommen habe zu reden. Deshalb möchte ich gerne mal probieren einfach neue Leute kennen zu lernen ohne irgendwie geschäftlich verbunden zu sein, einfach reine Freundschaften :) Beide Seiten könnten ja davon profitieren.

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 7. Dezember 2016 08:39

Ach und ich habe natürlich eine Familie (Frau und Kind) und auf polnisch habe ich ja wirklich kein Problem mit stottern, von Zeit zu Zeit wiederhole eine Silbe oder so aber das fällt ja gar nicht auf und man kann mir das nicht ansehen.
Anders ist es eben mit Fremdsprachen wie Deutsch oder Englisch - da Deutsch mein Werkzeug ist, dank dem ich Geld verdiene, versuche ich es irgendwie loszuwerden oder so tun, als ob ich dieses Problem gar nicht hätte aber das klappt ja leider oft nicht.

Meine polnischen Bekannten oder Familie hätten gar nicht gewusst, dass ich ein Stotterproblem habe, wenn ich ihnen das nicht gesagt hätte... Wirklich

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Hurets » 7. Dezember 2016 17:24

Hallo! Ich bin immer froh, neue Bekanntschaften zu machen. Ich отписала Sie per post, wir kommunizieren. §dup

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 7. Dezember 2016 19:52

Hallo Hurets,

schreib mich per Mail an, ich habe meine E-Mail-Adresse im ersten Beitrag angegeben, wir können uns z.B. bei Skype zusammenrufen :)

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von PetraS » 22. Dezember 2016 12:35

Hallo Mat Wsun,
erstmal willkommen hier im Forum!
Mat Wsun hat geschrieben: Anders ist es eben mit Fremdsprachen wie Deutsch oder Englisch - da Deutsch mein Werkzeug ist, dank dem ich Geld verdiene, versuche ich es irgendwie loszuwerden oder so tun, als ob ich dieses Problem gar nicht hätte aber das klappt ja leider oft nicht.
Meine polnischen Bekannten oder Familie hätten gar nicht gewusst, dass ich ein Stotterproblem habe, wenn ich ihnen das nicht gesagt hätte...
Dieses Phänomen mit dem Stottern und der Mehrsprachigkeit hat mich immer schon fasziniert. Ich hatte dazu hier mal einen Thread eröffnet, der dich interessieren dürfte. Es gibt sogar Studien dazu, die belegen, dass wenn ein Mensch in einer Sprache stottert, er dies auch in der anderen tut.
Selbst Leute, die behauptet haben, dass sie NUR in dieser oder der anderen Sprache stottern, wurden genau beobachtet, und dabei wurde entdeckt, dass zwar Stotterhäufigkeit und -schwere tatsächlich viel weniger sein können, aber dass das Stottern immer noch präsent ist.

Und was das "Los-werden" angeht... Du wirst das Problem sicher nicht gänzlich los werden, aber du kannst deinen Umgang damit verändern, was auch zu einer Reduzierung der Stotterhäufigkeit und -schwere führen kann. Dabei ist ein "so-tun-als-ob" meistens der genau falsche Weg.

Das Stottern nur verschleiern zu wollen ist, wie über ein Minenfeld zu schreiten. Viel einfacher ist es, am Anfang eines Gesprächs zu sagen, dass du stotterst und ab und zu hängen bleiben könntest. Dann entstehen auch gar nicht erst diese kleinen, schmerzhaften Missverständnisse, die ein Stotternder als Ablehnung versteht und in Wirklichkeit nur eine natürliche Reaktion des Zuhörers auf Dinge sind, die er nicht zuordnen kann.
Freue mich auf weitere Beiträge von dir.
Petra

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von abc » 27. Dezember 2016 13:27

Hallo, Mat Wsun,

meine Muttersprahe ist Russisch auch ein wenig Ukrainisch. Ich bin mit 19 nach D. gekommen und habe relativ schnell und sehr gern Deutsch gelernt. Meine allgemeine Begeisterung für Sprachen hat mir dabei geholfen. Ich habe Fremdsprachen hier in D. studiert (inkl.Polnisch ;-), Fach Slavistik). Mein aktueller Stand: Ich stottere am wenigsten, wenn ich Deutsch spreche, weil dies mittlerweile meine Muttersprache geworden ist (ich bin inzwischen 37 geworden). Ich fühle mich sicher und spreche sozusagen "automatisch". Sobald ich es versuche, in Sprachen, die ich mal gernt hatte (inkl. meine Muttersprache), zu sprechen, komme ich wesentlich mehr ins Stottern, als wenn ich Deutsch spreche.

Ich habe mich für eine Van-Riper-Therapie angemeldet, die im Januar starten soll. Dieser Schritt ist ein ERgebnis eines intensiven Austausches mit Petra.S., deren Aussagen zu Deinem Beitrag ich nur unterschreiben kann. Kurz und bündig: Dein persönlicher Umgang mit dem Stottern macht die Stärke der Symptomatik aus. Ich schäme mich (fast) nie mehr wegen meines Stotterns und sottere folglich weniger. Auch mache ich mir (im Gegensatz zu früher) Tage lang keine Gedanken mehr, wenn ich mal richtig stark gestottert habe. Dies war ein Prozess von bis jetzt 1,5 Jahren und ich arbeite immer noch daran. Bei mir war Petra der Auslöser in Richtung "Desinsibilisierung". Von ihr erfuhr ich auch vieles über die Van-Riper-Therapie, deren Bruchteile ich bei mir selbst angewendet habe. Ich befinde mich derzeit in einem Zustand, wo ich sagen kann:"Ich komme mit meinem Stottern ganz gut klar und brauche eigentlich keine Therapie". Doch ich weiß, dass sich das jeder Zeit ändern kann.

So weit ich das richtig verstanden habe, belastet Dich Dein stottert nicht so stark, dass Du eine Therapie brauchst/wünschst. Stottern ist ein interessantes Phänomen und jeder Betroffene stellt eine individuelle, einmalige "Stotterer-Welt", über die man - wie über so vieles - nicht immer allgemein reden kann.

Ein ehemaliger User namens Paul Dest hätte da bestimmt auch viel Konstruktives zu sagen, weil Deutsch auch seine zweite Muttersprache ist.

Schöne Weihnachtsgrüße von
Viktoria

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von paul.dest » 27. Dezember 2016 20:39

abc hat geschrieben:Ein ehemaliger User namens Paul Dest hätte da bestimmt auch viel Konstruktives zu sagen...
Hallo Viktoria,

Freut mich, von Dir zu lesen, und schmeichelt mir, von Dir auf diese Weise erwähnt zu werden.

Auch wenn der Vorstand der BVSS mich gerne als ehemaligen User gesehen hätte, hat das Amtsgericht Köln in seinem Urteil vom 26.10.2016 (AZ 113 C 206/16) festgestellt, dass dem nicht so ist, und die BVSS als Betreiberin dieses Forums dazu verurteilt, mir wieder die vollumfängliche Nutzung einzuräumen. Außerdem hat das Gericht festgestellt, dass viele weitere Behauptungen der BVSS weder der Fakten- noch der Rechtslage entsprechen und dass die Nutzungsbedingungen dieses Forums in einigen Punkten unwirksam (sprich: unrechtens) sind.


Hallo Mat,
abc hat geschrieben:...viel Konstruktives zu sagen, weil Deutsch auch seine zweite Muttersprache ist.
Wie Viktoria schon erwähnt hat, ist Deutsch tatsächlich meine "zweite Muttersprache". Deine Berichte habe ich mit Interesse gelesen. Deine Erfahrungen sind Erfahrungen und können daher nicht bestritten werden. Sie müssen auch nicht im Einklang mit Erfahrungen anderer stehen, denn Erfahrungen stehen für sich selbst und bedürfen keiner Rechtfertigung oder Erklärung.

Dass das Stottern einer und derselben Person von Sprache zu Sprache in unterschiedlicher Stärke zum Vorschein kommt, wird häufig behauptet. Schon der Onkel des Evolutionstheoretikers Charles Darwin, der ebenfalls Charles Darwin hieß, wurde von seinem Vater Erasmus Darwin für eine längere Zeit nach Frankreich geschickt. Erasmus Darwin war einer der führenden Intellektuellen des 18. Jahrhunderts, stotterte selbst stark und soll beobachtet haben, dass sein Sohn im Französischen nicht stotterte. Daher hegte er die Hoffnung, der längere französischsprachige Aufenthalt seines Sohnes Charles würde ihn vom Stottern kurieren. Siehe auch: Darwin stotterte! Aber welche(r)?

Schaut man genau hin, stellt man in vielen Fällen fest, dass der behauptete sprachabhängige Unterschied nur ein Wunsch-, Wahrnehmungs- oder Stotternvermeidungsunterschied ist. Siehe auch Re: Sergej Karjakin: knapp der Schach-Weltmeister.

Viele Grüße,
Paul
http://stottern-verstehen.de

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 28. Dezember 2016 20:17

Hallo Viktoria und Paul,

danke für eure Beiträge.

Paul - ich habe zahlreiche Videos von dir bei Youtube gesehen und kann ganz ruhig feststellen - im Gegensatz zu mir stotterst du überhaupt nicht. Dass du auf einem oder zwei Wörtern hängen bleibst - spielt hier wohl gar keine Rolle. Ich belibe, wenn ich Deutsch rede, sehr oft hängen und dazu kommen auch Probleme mit Prosodie usw. Und das nimmt leider zu... Was hast du eigentlich mit Stottern zu tun? Ich meine Erfahrungen, Ausbildung, usw... Können wir uns vielliecht bei Skype zusammenrufen? Danke.

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von PetraS » 29. Dezember 2016 10:57

Hallo Mat,
Mat Wsun hat geschrieben: ich weiß ja auch nicht, ob es einen richtigen Auslöser gab.
Ich glaube nicht, dass es eines Auslösers bedarf. Mir fallen die Worte von Andreas Starke, einem der bekanntesten und besten deutschen Stottertherapeuten ein, der einmal - frei zitiert - sagte: "Stottern ist wie die Börse, ein ständiges Auf und Ab. Es lässt sich vorher nicht vorhersagen, erst hinterher kann man vielleicht Zusammenhänge erkennen, warum..." (oder so ähnlich)
Meine Antwort darauf ist: "Entscheidend ist, wie ich mich zu dieser Tatsache positioniere. Wenn ich die Aufs als meine "guten" und die Abs als meine "schlechten" Tage bezeichne und mich von den Wellen mitreißen lasse, dann ist dies äußerst ungünstig. Wenn ich mir aber dieser Tatsache bewusst bin und aus einer stabilen, objektiven Perspektive heraus sagen kann, "heute habe ich mehr" bzw. "heute weniger" gestottert, dann machen mir diese Aufs und Abs nicht so viel aus.
Mat Wsun hat geschrieben:Ich habe in der Puberät sehr intensiv deutsch gelernt. Ich habe intensiv nach neuen Kontakten mit Leuten aus DE z.B. über Skype gesucht und so habe ich zahlreiche Bekanntschaften geschlossen. Ich habe sogar diesen Moment nicht gemerkt, als ich einfach flüssig Deutsch reden konnte. Das ist einfach so, als ob du eines Tages kaum etwas sagen könntens und nach ein paar Tagen einfach ganz spontan reden würdest, ohne sich Gedanken zu machen, ob man nach "dass" oder "ob" das Verb ans Ende setzen kann usw.
Damals ging es mir richtig gut und davon, dass ich stottere, was damals gar keine Rede!
Das kenne ich. So ging es mir, als ich Türkisch lernte. Mir war zwar lange Zeit bewusst, dass ich es schwerer habe als die meisten Normalsprecher, wenn sie eine Fremdsprache lernen, aber mir kam es damals sehr entgegen, dass eventuelle Hänger, die ich beim Sprechen hatte, von meinem Gesprächspartner als "die kennt das Wort nicht" verstanden wurden, was sie mit dem Vorsagen des Wortes quittierten. Somit haben sie mich quasi gegen Wörter-Vorsagen desensibilisiert, denn ich konnte ihnen doch nicht übel nehmen, wenn sie die Situation so missverstanden!
Ich habe damals auch viel für mich laut vorgelesen, um das flüssige Sprechen zu lernen, damit die Wörter fließen und ich mich an die Aussprache gewöhne. Und ich weiß auch nicht mehr, wo der Punkt lag, an dem ich einfach flüssig sprechen konnte.
Das Stottern war nur noch selten präsent oder zumindest das, was ich damals unter Stottern verstand.

Denn wir müssen davon ausgehen, dass es eine sehr große Grauzone zwischen (hörbarem) Stottern und Nicht-Stottern gibt. Und ich war von Haus aus darauf geeicht, keine Stottersymptome zeigen zu dürfen, aber niemand hat mir je verboten, äh äh äh zu machen.
Mat Wsun hat geschrieben:Ich habe mit 22 einige Zeit in Detuschland verbracht (habe dort gearbeitet) und in der Arbeit habe ich eigentlich mehrmals telefoniert. Wenn du über diese Apps auf dem Computer telefonierst, kriegst du die Stimme deines Gesprächspartners oft mit einer kleinen Verzögerung (du weißt sicherlich was ich meine) und dementsprechend ist auch deine Rückmeldung etwas zeitlich verzögert. Dadurch sind wir uns gegenseitig oft ins Wort gefallen und diese Situation hat, glaube ich, meine ersten Stotterprobleme ausgelöst.
Das kann sein, kann aber auch nur Zufall sein. Eigentlich ist die Erklärung auch völlig unwichtig, solange du eine beobachtbare Symptomzunahme verzeichnen kannst. Es sei denn, du könntest diese Zunahme durch Rückabwicklung der Ursache wieder rückgängig machen.
Mat Wsun hat geschrieben: Hinzu kommt auch die Tatsache, dass ich wegen meinem Studium (Germanistik) immer darauf geachtet habe, dass alles, was ich sage, richtig sein muss, also fehlerfrei, anstatt einfach spontan zu sprechen. Das alles hat sicherlich dazu geführt, dass ich schlussendlich Angst bekommen habe zu sprechen, mich zurückgezogen habe und nicht reden wollte/konnte.
Ich weiß nicht, ob du dich tatsächlich zurückgezogen hast, denn ein Mensch, der wirklich Spaß daran hat, Kontakte aufzunehmen, lässt sich so leicht nicht abschrecken. Das kenne ich von mir selbst auch. Aber der Perfektionismus in einer Fremdsprache ist mir sehr gut bekannt. Ich stelle das bei mir immer noch fest, auch im Schriftlichen. Während die Muttersprachler irgendwas zusammenschreiben, was gespickt ist mit Fehlern, habe ich immer die latente Angst, dass man es mir als Fremdsprachler übel nehmen oder zumindest als Mangel registrieren würde, wenn ich etwas falsch schreibe, also lese ich selbst Facebook-Kommentare Korrektur, ehe ich sie abschicke.
Mat Wsun hat geschrieben: In meiner Arbeit muss ich hauptsächlich Deutsch sprechen, denn darauf beruht sie auch und von Tag zu Tag habe ich den Eindruck, es gehe mir immer schlechter. Ich muss mit Kunden reden, verstehe sie, will schnell antworten, aber das funktioniert nicht.
Ich glaube, damit kann man umgehen lernen. Wichtig ist, dass du keine Angst vor diesen Situationen bekommst. Stottern ist nichts, was einen abwertet. Stottern kann einen behindern, und Stottern kann Missverständnisse auslösen. Während du dich vielleicht bemühst, etwas zu sagen und noch kein Wort herausbekommst, fällt der andere dir ins Wort, weil er dir vielleicht helfen will, weil er gemerkt hat, dass du Ausländer bist. Du kannst sehr viel entspannter sein, wenn du z.B. bei dem ersten Stottern oder gleich vorweg ankündigst, dass du ab und an mal hängen bleiben könntest, dass das nichts mit deinem Deutsch zu tun hat, sondern weil du stotterst.

Ich möchte dir mal eine Anekdote erzählen, die vielleicht anschaulich macht, woraus dein Problem resultiert und sich nährt.
Ich hatte einen Steuerberater, dessen Steuerfachgehilfin gebürtige Französin war. Sie sprach gut deutsch aber mit deutlich französischem Akzent. Sie sagte, sie bräuchte noch eine "Erträgnisaufstellung". Ich sah sie an und dachte: "Nein wie süß, die hat da bestimmt ein Wort durcheinandergebracht." Ich fragte sie, ob sie nicht "Ertragsaufstellung" meinte. Sie beharrte aber auf dem Wort "Erträgsnisaufstellung." Ich nahm dies zur Kenntnis und sprach anschließend meine Bank darauf an. Die gab mir solch eine Aufstellung.
Ich hätte doch aber niemals das Wort "Erträgnisaufstellung" in Frage gestellt, wenn die Dame Deutsche gewesen wäre. Ich hätte gedacht "gut, das Wort kenne ich vielleicht nicht, aber die weiß mehr als ich, die ist schließlich Fachfrau" und hätte die Bescheinigung besorgt. Nur weil sie hörbar Ausländerin war, kam mir die Idee, sie hätte ein Wort falsch gelernt, und das nur, weil ICH keine Ahnung hatte.
Das ist die Situation, in der sich Menschen befinden, die in ihrer Fremdsprache Fachleute sind, umgeben von lauter "klugscheißernden" Muttersprachlern, und dann auch noch mit einem Problem wie Stottern umgehen müssen.

Möchte gerne deine Bekanntschaft machen und Erfahrungen austauschen.
Petra

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von Mat Wsun » 29. Dezember 2016 11:52

Hallo Petra,

danke für die lieben Worte sowie deine Aufmerksamkeit.
Mit der Bekanntschaft meinst du, du möchtest Kontakt mit mir persönlich aufnehmen oder wie soll ich das verstehen? Wenn schon, sehe ich kein Problem, immer gerne!

MfG.

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Re: Stottern Kontakte gesucht

Beitrag von PetraS » 29. Dezember 2016 11:58

Hallo!
Du suchtest doch Kontakte! :D
Und ich meinte, ich würde mich über einen Austausch freuen!
Petra

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