Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

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Okarin1994
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Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

Beitrag von Okarin1994 » 14. Januar 2018 22:38

Hallo liebe Gemeinde, ich möchte sehr gerne mal eure Meinungen hören.

Stottern tue ich schon, seit ich klein bin! Nicht sehr stark aber auch nicht sehr schwach. Unter Druck kann es aber dann schon Stärker werden!

Ich bin derzeit auf der Suche nach einer Therapie, habe aber so einige bedenken.
Ich hoffe ihr könnt mir vielleicht dabei irgendwie helfen §prost

Viele Therapien beruhen eigentlich darauf sein sprechen zu Modifizieren, dies ist mir noch ein Dorn im Auge :grrr:

Ich sage euch auch gleich wieso, erstmal aber seit wann Stottere ich?

Ausgelöst wurde es durch das Kindergarten, ich wollte dort nie hin, wurde aber von den Erzieher sozusagen gezwungen. Ich kann mich auch noch leicht dran erinnern, das ich mich an meiner Mutter festgehalten habe, mich aber die Erzieher versucht haben mich wegzuziehen. Ich war auch immer sehr Panisch in den Situationen..

Dann fing das Stottern an und meine Mutter brachte mich trotz ärger mit den Erziehern ,sehr selten hin.

Als ich dann irgendwann in der 5 Klasse war, hatten wir einen sehr strengen Klassenlehrer und ich fühlte mich aber irgendwie sehr sicher. Ich konnte flüssig laut vorlesen oder sogar perfekt Referate halten, ohne wirklich nur 1 zu Stottern..

Ab der 7 Klasse, hatten wir dann verschiedene Lehrer gehabt, je nach Lehrer konnte ich dann Stotterfrei agieren oder halt nicht.

Ich denke manche Lehrer gaben mir einfach ein "sicheres Gefühl"! Da ich keine angst haben müsste, das mich die anderen auslachten.

Dies war auch unter meinen Freunden so, manchmal war ich komplett Flüssig, dann manchmal fing das Stottern wieder an.

Als ich dann arbeiten musste, wollte ich mein Arbeitgeber wegen meines Sprechens dann nicht mehr übernehmen, da ich manchmal bei Kundengespräche angefangen habe zu Stottern. Seitdem Zeitpunkt hat sich bei mir in der Entwicklung kaum was getan, es bleibt also stehen.

Jetzt meine Frage, wenn ich jetzt diese Sprechtechniken erlerne, dann fühlt es sich irgendwie so an, als würde ich einen starken Rückschritt in mir machen.

Da ich ja dann komplett anders Sprechen muss, für mich wäre das ein zu starker eingriff in meiner Sprache.

Ich hoffe Ihr könnt verstehen was ich meine und wisst vielleicht, welche Therapie da am Sinnvollsten wäre? Denke bei mir liegt es zum großteil am Selbstwertgefühl!
Ich achte zu sehr darauf, was die anderen über ich denken..

Vielen Dank an alle, die sich meinen etwas längeren Text durchgelesen haben :=)

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Roland Pauli
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Re: Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

Beitrag von Roland Pauli » 14. Januar 2018 23:08

Hallo Okarin1994,

in deinen Beschreibungen finde ich mich wieder.
Schau mal unter Ropana.de, ob das etwas für dich wäre.

LG

Roland

Okarin1994
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Re: Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

Beitrag von Okarin1994 » 15. Januar 2018 00:35

Vielen Dank :)
Das wäre ja wirklich genau sowas :)

§dup

Hassan
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Re: Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

Beitrag von Hassan » 18. Januar 2018 00:41

Hallo Oktarin1994,
kennst du vielleicht die Therapiemethode nach Charles Van riper?
Zwar wird in einer späteren Phase (insgesamt teilt sich die Therapie in 5 Phasen ein, die chronologisch abgehandelt werden) der Therapie eine Modifikationen der Sprechens in Form von "Pseudo-Stottern" durchgeführt, also das absichtliche Stottern durch wiederholen der ersten Silben eines Wortes. Wenn du das oft genug gemacht hast, verbessert sich dein Redefluss und du brauchst diese Sprechtechnik immer weniger. Eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist der, dass du keinesfalls gegen das Stottern ankämpfen darfst. Du sollst das Stottern akzeptieren und sie als ein Teil von dir anerkennen, sonst bringt dir diese Therapie nichts...

AndreasStarke
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Re: Stottern Modifizieren Sinnvoll für mich?

Beitrag von AndreasStarke » 2. März 2018 19:20

Lieber Okarin1994:

Ja, ich glaube ich verstehe, was Du meinst.

> Viele Therapien beruhen eigentlich darauf sein sprechen zu Modifizieren, dies ist mir noch ein Dorn im Auge.

Du meinst wahrscheinlich, dass viele Therapien darauf beruhen, sein ganzes Sprechen, seinen "Sprechstil" sozusagen, abzuändern (zu modifizieren). Dazu sagt man üblicherweise "eine Sprechtechnik anzuwenden". Diese Technik kann z.B. darin bestehen, dass man extrem langsam spricht, dass man Silbe für Silbe nach dem Schlag eines Metronoms spricht, dass man seine Stimme verstellt usw. In der Kasseler Stottertherapie übt man z.B. mit extrem weichen Stimmeinsätzen zu sprechen. Dort nennt man diese Vorgehensweise "Fluency Shaping" (Formung der Sprechflüssigkeit) in Anlehnung an das "Precision Fluency Shaping Program" des US-Amerikaners Ronald Webster.

Modifiziert (abgeändert) wird in allen Therapien, die Frage ist nur was?

Da gibt es zwei wichtige Möglichkeiten:
- Man kann die ganze Sprechweise abändern, so dass man immer verändert spricht. Das wäre das Fluency Shaping. "Immer" heißt natürlich, solange man überhaupt noch stottert. Wenn man dann normal-flüssig spricht, braucht man die Sprechtechnik nicht mehr anzuwenden.
- Man kann auch in der Therapie lernen, das vorkommende Stottern besser abzuwickeln, d.h. buchstäblich "besser zu stottern". Eine Therapie, die so vorgeht, wird "Modifikationstherapie" oder auch "Van-Riper-Therapie" genannt nach ihrem bekanntesten Vertreter, Charles Van Riper.

Hassan hat dazu etwas geschrieben. Tatsächlich besteht die VRT aus 4 Phasen. VR hat als erstes ein 6-phasiges Modell namens MIDVAS (Motivation / Identifikation / Desensibilisierung / Variation / Annäherung = Approximation / Stabilisierung) verwendet. In seinem klassischen Buch "Die Behandlung des Stotterns" aus dem Jahre 1973 (deutsch 1986) hat Van Riper ein 4-phasiges Modell ausführlich dargestellt (Identifikation / Desensibilisierung / Modifikation / Stabilisierung). Als "Pseudostottern" (fake stuttering) bezeichnet man jede Art von absichtlichem Stottern. Die absichtliche Wiederholung der ersten Silbe eines gestotterten Wortes nennt man "bounce". Das macht ein Ball, der mehrfach auf den Boden fällt und wieder hochprallt. Da fehlt ein passendes deutsches Wort. Das "Nicht-Ankämpfen" ist nicht eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie, sondern das zu lernen, ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Das gilt auch für das "Akzeptieren des Stotterns", wobei man sich ja fragen kann, was "Stottern akzeptieren" überhaupt heißt. Wenn das heißen sollte: "Mit dem Stottern, so wie es ist, glücklich sein", schätze ich, wäre eine Stottertherapie vergeblich. Der Patient sollte sich gerade nicht mit dem Stottern, so wie es ist, zufrieden geben, sondern sollte lernen wollen, mit dem Stottern so gut umzugehen, dass er weniger und insbesondere weniger heftig stottert. Dazu sollte er das Stottern akzeptieren, indem er sich selbst und anderen zugibt, dass er dieses Problem hat, d.h. ein "Stotterer ist".

Wo findet man eine solche Therapie? Ich habe in den Jahren 1995 bis 2005 insgesamt 1.008 Kolleginnen in meinen 5-tägigen Fortbildungsseminare gehabt. Viele von denen führen wahrscheinlich Stottertherapien durch. Einige von diesen werden sagen, dass sie "nach Van Riper arbeiten". Eine Gruppentherapie läuft unter der Überschrift "VIERMALFÜNF". EIne Informationsseite mit Terminen findet man im Internet.
www.andreasstarke.de
www.viermalfuenf.de

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