Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, Landesverbänden und Seminaren. Hier bitte keine Diskussion über BVSS-interne Themen
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Michael13
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 4. Juni 2008 11:07

Ein Hallo an alle,

ich habe mich die letzten Tage mal ein bisschen rausgehalten aus dieser Diskussion ... nicht weil es uninteressant wäre, doch ich sehe einen wichtigen Fakt immer weniger ... Was sagt eigentlich Mudiaga selbst dazu?
Ich habe ihm gerade über meinen YouTube-Google-Account mal eine Nachricht mit ein paar Fragen geschickt und werde sehen, ob er sich meldet.
Ich denke, einige unterliegen einem "üblichen Hauptproblem" der Menschheit ... wir sprechen über Dinge, ohne die eigentlich ursächlich betroffenen Personen zu befragen. Es geht dann über ein Hören-Sagen bzw. Lesen-Weiterschicken nicht hinaus und der eigentliche Ursprung kommt immer mehr abhanden.

Was ich vermeiden möchte, ist die "Instrumentalisierung" irgendwelcher Personen für irgendeinen Zweck ... denn das liegt in den meisten Fällen nicht im Interesse der eigentlich betroffenen Personen. In erster Linie ist das Video von Mudiaga seine eigene Angelegenheit und ich denke nicht, dass er Hilfe im Sinne von "Hey-unterstützt-mich-alle" braucht, sondern wohl eher Verständnis für seine Situation. Doch um die zu kennen, sollte man ihn erst einmal sprechen können ...

Ich weiß, dass der Vergleich etwas weit hergeholt ist, doch mir fiel da ab und an eine der Tibet-Petitionen ein, die mir in den letzten Monaten ca. 5 Mal von Freunden zugesandt wurde. Ich habe auch diese nicht unterschrieben, weil
1. ... mir da zu sehr die Hintergründe fehlen (ich glaube nicht alles, was in der Zeitung steht und wenn ist es auch nur eine Sichtweise unter vielen)
2. ... mir häufiger auffällt, dass einige ganz Eifrige - wenn's z.B. um Menschenrechte geht - im eigenen Umfeld vor Ort, da gar nicht so genau sind (das fängt im Kleinen an)
3. ... ich z.B. nicht wirklich gut fand, warum man z.B. die Olympische Fackel in Paris oder London löschen möchte oder dies auch tut und nicht stattdessen einen parallelen Fackelzug mit z.B. 100 Friedensfackeln organisiert
4. ... ich einfach zu skeptisch bin, um alles gleich sofort gut zu finden und zu unterschreiben, was ich rein bauchgefühlsmäßig nicht mit mir vereinbaren kann - aus welchen Gründen auch immer ... für so eine Entscheidung kann ich mir Zeit lassen. Wenn es soweit ist, dann geht es ehedem meist recht schnell - mit dem Handeln ...


Und um das auf die Stotter-Comedy-YouTube-Petition zu übertragen ... mir ist das alles zu sehr "Gegen etwas" statt "Für etwas" ... das spricht mich nicht an, weil es keine Alternativen aufzeigt. Gegen etwas sein ist immer recht einfach, für etwas sein wesentlich schwieriger ... und insofern habe ich keine Ambitionen eine m.E. hauptsächlich in einer "Wir-sind-gegen"-Stimmung gerichtete Aktion zu unterstützen.

So weit, so gut ... Bis bald und allen alles Gute, Micha.

Qwent
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Qwent » 4. Juni 2008 21:45

Hallo zusammen,

im Moment erscheint mir das die ganze Geschichte etwas dubios, da ich verstärkt das Gefühl habe das viel um die Petition herum abläuft wovon ich nichts weiß. Vielleicht bringt da Michaels Kontaktaufnahme mit Mudiaga Licht ins Dunkel. Ich bin sehr gespannt.

Selbst wenn ich meine ganzen bisherigen geäußerten Bedenken beiseite wischen könnte und mit sehr viel Phantasie und guten Willen versuchen würde es ansatzweise wie z. B. Norbert zu sehen, bleibt ein großen Unbehagen über.

Norbert schrieb:
... Es geht darum, dass er den ungeheuren Mut hatte, sich bei dieser Telefontortur filmen zu lassen. Es geht darum, dass er den ungeheuren Mut hatte, sich einem Fernsehpublikum zu zeigen; das war eine Szene aus einer erstklassigen Reportage und wir hatten nur selten so viele Reaktionen.
Bevor ich mir das Video angesehen habe bin ich davon ausgegangen, das es um einen stotternden Jugendlichen geht der ohne sein Wissen gefilmt (z. B. über Handy) wurde. Weiter bin ich davon ausgegangen das eine starke Sekundärsymptom vorhanden wäre, so das ein Stotternder in einer entwürdigen Situation gezeigt würde. – Alles Pustekuchen.

Was ich sehe ist ein gut gemachtes Video das im vollem Einverständnis mit Mudiaga gedreht wurde und auch zur Veröffentlichung bestimmt war und wurde, wobei nebenbei angemerkt, die Frage im Raum steht ob es irgendwelche Rechte an dem Video gibt, so das es gar nicht über dritte weiterverbreitet werden darf. Es macht nachdenklich und zeigt Stottern erstaunlich Würdevoll. Ein wirklich gut gemacht das Video, das auch verstanden wird, wenn es in der falschen Rubrik erscheint.

Flojanika schrieb:
Andererseits frage ich mich, ob so ein peinlicher Fehler die Etablierung einer "Petition" rechtfertigt oder ob man das nicht auch weniger publikumswirksam hätte regeln können. Die 17.000 Klicks auf das Video sind ja auch nur entstanden, weil von Seiten der BSA oder sonstwem auf das Video aufmerksam gemacht wurde, sonst wäre das Ding irgendwo angestaubt und (fast) keiner hätte es angesehen.
Sicher gehört es nicht unter Comedy eingeordnet, das steht völlig außer Frage, aber ist es verhältnismäßig ein solches Tamtam darum zu machen? Wird hier nicht sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Ich bin da ganz Reinhold seiner Meinung. Was wollt ihr machen wenn mal ein wirklich krasses Video kommt?

Was ist mit den ganzen Stotternden die sich im guten Glauben in Sendungen, von Schreinemakers bis Jauch, für irgendeine Pseudotherapie prostituieren? Die in dem Moment noch an den Erfolg der „Therapie“ glauben und später merken das sie nur ausgenommen und missbraucht wurden. Wer setzt sich für den Schutz dieser Opfer ein? Wo waren/sind dort die engagierten Stotternden die Petitionen verfassen oder vor RTL und Co. Demo’s organisieren?

Tschüs
Qwent

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 20. Juni 2008 15:23

Ein Hallo an alle,

ich hatte Mudiaga vor reichlich 2 Wochen mal versucht eine e-Mail zu schicken und versuchte ihn diese Woche nochmals anzuschreiben. Bisher ohne Rückmeldung.
Ich werde Norbert von der BSA mal fragen, ob er Mudiaga meine e-Mail weiterleiten kann. Vielleicht bekommen wir dadurch ein aufschlussreicheres Bild.

Alles Gute einstweilen, ciao Micha.

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 28. Juni 2008 21:38

Kurze Rückmeldung nochmals von mir ...
Auch Norbert von der BSA hat keinen direkten Kontakt mehr zu Mudiaga, wie er mir kürzlich schrieb. Sie hatten sich im Rahmen der Dokumentation kennengelernt.

Insofern - und auch nachdem ich die vollständige Dokumentation "Help Me To Speak" u.a. mit Mudiaga gesehen habe - komme ich für mich persönlich wieder beim Ausgangspunkt heraus, der kurz zusammengefasst so lauten würde:
- Ganz gleich, wo die Videos über Stottern stehen (kritisiert wurde ursprünglich die Kategorisierung der "Stotter-Videos" einiger Ins-Netz-Steller als "Comedy"), es bietet einen Weg PR zu machen ... PR in eigener Sache
- Dinge, die mir in Bezug auf's Stottern nicht gefallen, brauche ich nicht zu kritisieren, wenn ich nicht etwas anderes/"besseres" anbiete
- Insofern halte ich Aufklärungsvideos u.a. bei YouTube für sinnvoller (Les Geddes Botschaft hat m.E. diesen Hauptzweck) als Anfragen bzw. Forderungen an YouTube zu stellen ... letzteres ist ehrenhaft, doch bringt m.E. wenig bzw. sieht etwas hilflos aus und damit stimmen die Klischees vom "missverstandenen Stotterer" wieder
- ich halte jede Aktion (Petitionen, Videos, Artikel etc.) für legitim und machbar, letztlich zeigen die Reaktionen der Öffentlichkeit, was bei rüberkommt ... mir persönlich hat das reine Kritisieren anderer noch nie wirklich etwas genützt ... insofern sind PR-Aktionen mit eigenem Inhalt m.E. am wirksamsten
- insgesamt halte ich es immer für sinnvoller mit den betroffenen Personen (z.B. Mudiaga) selbst kommunizieren zu können, um ihre Meinung zu der Sache zu kennen ... in diesem Fall war es leider (bisher noch) nicht möglich, dass kann mensch momentan nicht ändern.
Doch alles andere - als der direkte Kontakt zu den Betroffenen - driftet m.E. leicht in eine Art "Scheindiskussionen" ab und handelt eher von den eigenen Problemen bzw. Herausforderungen als vom eigentlichen Ausgangspunkt ... letzteres ist auch in gewisser Weise legitim, nur ist gelegentliches Zurücktreten und Nachfragen "Was war eigentlich nochmals das Problem?" ganz hilfreich ...

Da ich mich in allen Punkten selbst noch um einiges verbessern kann :), schließe ich hiermit (für mich persönlich) mal ab und übe mich im Selbst-besser-machen :) ...

Allen alles Gute, ciao Micha.

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