Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, Landesverbänden und Seminaren. Hier bitte keine Diskussion über BVSS-interne Themen
transit
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Beitrag von transit » 20. Februar 2008 12:11

Joachim, 20.02.'08, hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich möchte eine ganz wichtige Bekanntmachung machen. da unser Weltverband ISA eine Petition stellen möchte gegen die schlechterstellung stotternder Menschen bei Youtube.

Die Petition findet ihr unter: http://www.stutterisa.org oder direkt unter http://www.stammering.org/nojokepetition.html
Hallo Joachim,

einerseits ist es sinnvoll, dass du an die Petition erinnerst,
andererseits hatte Norbert den Hinweis bereits im letzten Jahr am 03.12.'07 in dem doch auch von dir moderierten Unterforum "Inter-und Transnationales", welches insgesamt auf Michaels Initiative zurückgeht, bekanntgegeben. Viele von uns haben dort bereits ihre Stimmen im Sinne der Petition abgegeben.
Die Beiträge findet ihr hier :
"Online Petition - "Stammering is no Joke" Campaign" viewtopic.php?t=1032

sowie die auf deutsch geführte Diskussion im Unterforum "Stottern - alles zum Thema" hier :
"Stottern in YouTube.com" http://forum.bvss.de/viewtopic.php?t=10 ... tition+bsa

Ich schlage daher vor, dass du unsere beiden Beiträge dieses Threads dort anhängst.
Tipp : über den Button "Suchen" können wir uns vorab informieren, ob über ein Thema bereits geschrieben wurde. Dieses kommt der Struktur unseres Forums zugute.

Joachim, bei dieser Gelegenheit möchte ich dich höflich an die noch ausstehende Beantwortung meiner Fragen an dich erinnern. Du hast es gelesen.

LG Isabel

---***---
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Beitrag von ---***--- » 20. Februar 2008 13:27

Hi,
gute Gelegenheit, einmal wieder an die Petition zu erinnern.
transit hat geschrieben:Viele von uns haben dort bereits ihre Stimmen im Sinne der Petition abgegeben.
So viele sind es nicht aus Deutschland, was ich nicht verstehe.
Es geht darum, dass Clips mit stotternden Menschen (Menschen, die gerade stottern :wink:) auf Youtube in der Kategorie "Comedy" eingestellt werden dürfen, z. B. ein Schüler, der vorliest und heimlich gefilmt wurde und als "Spasti" tituliert wird. (finde den link gerade nicht :roll:)
Die Petition wendet sich dagegen, dass solche Videos in dieser Kategorie eingestellt werden.
transit hat geschrieben:Ich schlage daher vor, dass du unsere beiden Beiträge dieses Threads dort anhängst.
Ja.

sG Mechthild

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Übersetzung

Beitrag von webhamster » 26. Februar 2008 11:06

Hallö,
ich hab mir mal die Mühe gemacht, den Text des Briefes zu übersetzen. Das wäre ja gelacht, wenn mangelnde sprachliche Qualifikation das Unterzeichnen behindern würde ;-)

MfG aus Leipzig
PS: Comedy steht mittlerweile im Duden. Leider.
An: Geschäftsführer/Vorstand von Google

OFFENER BRIEF AN GOOGLE, INHABER VON YOUTUBE

3. Dezember 2007, Internationaler Tag der Behinderten

Eric Emerson Schmidt, Ph. D
Chief Executive Officer, Google

Sehr geehrter Mr. Schmidt,

STOTTERERVIDEOS AUF YOUTUBE ALS COMEDY EINGESTUFT

wir, die Unterzeichner, sind darüber betroffen, dass Videoaufnahmen des Stotterns als 'Comedy' eingestuft sind. In unserer Gesellschaft wird das Sprechen als eines der wichtigsten Mittel für die zwischenmenschliche Kommunikation erachtet. Während andere Medien, wie die geschriebene Sprache, häufig im Übermitteln des Textinhalts überlegen sind, befördert das Sprechen nicht nur den Inhalt, sondern schließt Informationen über Absichten, Gefühle, Persönlichkeit und Wahrnehmungen des Sprechenden ein.

Leider können diese Einsichten, die das Sprechen über den Sprechenden selbst eröffnet, auch zu stereotypen Wahrnehmungen über Menschen mit Sprachstörungen führen, die abseits ihrer Sprachschwierigkeiten gut zurechtkommen. Während das gesprochene Wort von den Meisten als selbstverständlich erachtet wird, ist der Gebrauch der Sprache für Millionen von stotternden Menschen auf der Welt eine tägliche Herausforderung.

Es wird geschätzt, dass etwa 1% der 6 Milliarden Menschen auf dieser Erde, das heißt 60 Millionen, stottern. Für viele dieser Personen ist die tägliche Kommunikation ein unablässiger Kampf. Für viele von ihnen öffnet Sprache keine Türen, sondern verschließt sie für die zwischenmenschliche, akademische und berufliche Entwicklung und Verwirklichung.

Im April 2007 sendete die British Stammering Association eine E-Mail an YouTube, in der sie Beschwerde führt gegen die Einstufung mehrerer Videos, die Stottern oder vorgetäuschtes Stottern zeigen, als Comedy. YouTube antwortete, dass dabei keine Verletzung der Nutzungsbedingungen zu erkennen sei, aber dass die Anfrage in künftige Grundsatzdiskussionen einfließen würde. Seither ist nichts weiter getan worden.

Das Verständnis und die Unterstützung für Menschen mit Behinderungen haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert, insbesondere durch verstärkte Sensibilisierung und Aufklärung. YouTube hat die Macht, Politik zu machen und öffentliche Wahrnehmungen zu ändern.

Die gegenwärtige Bewertung dieser Videos als 'Comedy' ist zutiefst beleidigend gegenüber Denjenigen, die stottern, und, noch schlimmer, fördert sie Diskriminierung. Wir hoffen, dass YouTube helfen kann, das Leben für stotternde Menschen zu verbessern, indem diese Videos neu eingestuft werden.

Vielen Dank.
Hochachtungsvoll
Die Unterzeichner

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 24. Mai 2008 20:56

Ein Hallo an alle,

der letzte Beitrag liegt zwar schon einige Zeit zurück, die ganze Angelegenheit noch mehr, doch ich möchte dennoch einige Gedanken anfügen ...

Ich halte die Petition für nicht sinnvoll, auch wenn ich das Anliegen grundsätzlich zu verstehen glaube.

Wo ist das Problem, wenn stotternde Menschen unter der Rubrik "Comedy" laufen?
Ich glaube, bei der Lage der Menschheit und den Millionen YouTube-Nutzern würde es wohl eher zu einer anderen Verbreitung von gewissen Videos kommen. Was nützt es, wenn Videos, in denen man sich über sog. Behinderungen lustig macht, dann eben unter "Documentary" o.ä. laufen? Da finde ich "Comedy" schon passender.

Ich denke, die Öffentlichkeit können stotternde Menschen nur erreichen, wenn sie bereit sind, sich auch selbst auf den Arm zu nehmen. Das ist zumindest meine Erfahrung und nicht nur meine ... Wie in der letzten Blether-Ausgabe (Frühjahr 2008, schottisches Pendant zum dt. "Der Kieselstein") der schottische Rugby-Spieler Kelly Brown (http://en.wikipedia.org/wiki/Kelly_Brow ... _player%29 bzw. http://uk.eurosport.yahoo.com/24092007/ ... tland.html) über seinen Vater berichtet, der genau wie er stottert: "Stammering certainly has not held him back, in fact, exactly the opposite. He uses stammering as a tool to make people laugh! He’s not sensitive about it. Looking back now, I guess he helped me to adopt the same attitude." ... sinngemäß übersetzt in etwa so: "Das Stottern hat ihn [seinen Vater] bestimmt nicht zurückgehalten, eigentlich genau im Gegenteil. Er benutzt Stottern als Mittel um Menschen zum Lachen zu bringen! Er ist da nicht empfindlich. Zurückblickend, schätze ich, hat er mir geholfen, die selbe Einstellung anzunehmen."
aus "Blether 7" (http://www.stammering.org/scotland/blether7.pdf, S. 4)


Ich denke, wer kann bessere Witze über das bzw. mit dem Stottern machen als wir? Warum lassen sich stotternde Menschen auch noch das aus der Hand nehmen? Ich meine, so ist das doch noch nie gelaufen in der Welt. Jemanden bitten etwas nicht zu tun oder es so und so zu tun, hat weit weniger Effekt (wenn nicht sogar das Gegenteil dabei erreicht wird?) als mit besserem Beispiel voranzugehen ...

Sicherlich keine sehr populäre Meinung, die ich da vertrete, doch aus dem Grund verfallen wohl auch sehr häufig stotternde Menschen in eine Art Selbstmitleid als über ihre eigene Schatten zu springen ...

In diesem Sinne, alles Gute, Micha.

---***---
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von ---***--- » 25. Mai 2008 16:28

Hi Micha,

es gibt bereits eine Diskussion zu dem Thema hier im Forum, hier, aus der auch ersichtlich ist, worum es bei der Petition geht.
Michael13 hat geschrieben: Ich halte die Petition für nicht sinnvoll, auch wenn ich das Anliegen grundsätzlich zu verstehen glaube.
Ich glaube, Du hast das Anliegen grundsätzlich nicht verstanden, und ich glaube, Du hast Dir keines der Videos von schwer Stotternden angesehen. Es geht nicht darum, dass sich Stotternde nicht selbst auf den Arm nehmen können. Es geht auch nicht darum, Leute zu bitten, sich nicht über Stottern lustig zu machen.
Michael13 hat geschrieben:Sicherlich keine sehr populäre Meinung, die ich da vertrete, doch aus dem Grund verfallen wohl auch sehr häufig stotternde Menschen in eine Art Selbstmitleid als über ihre eigene Schatten zu springen ...
... nicht jeder Stotterer ist ein Großmeister der Sprache... :wink:
Kann es sein, dass Dir sehr häufig selbstmitleidge "stotternde Menschen" begegnen, weil Du die anderen nicht sehen willst? Oder steckst Du alle, die Dir begegnen, gerne in diese Schublade? Oder wie kommst Du zu dieser Quantifizierung "sehr häufig" in "eine Art Selbstmitleid verfallen"? Sind Menschen entweder nur selbstmitleidig oder immer nur selbstironisch? Kann ein und derselbe Mensch nicht zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Stimmungen haben? Du bist ein beinahe 35jähriger leicht Stotternder, Du warst nie ein schwer Stotternder. Ich kann verstehen, wenn Dir die Sorgen und Nöte der Jüngeren und der schweren Stotterer gleichgültig sind oder sogar lästig, so leicht wegwischen musst Du sie deshalb nicht. Und dabei sind viele schwere Stotterer so positive und humorvolle Menschen... schade für Dich, dass Du die nicht kennst.

sG Mechthild

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 25. Mai 2008 17:24

Hallo liebe Mechthild,
Mechthild hat geschrieben:Ich glaube, Du hast das Anliegen grundsätzlich nicht verstanden, und ich glaube, Du hast Dir keines der Videos von schwer Stotternden angesehen. Es geht nicht darum, dass sich Stotternde nicht selbst auf den Arm nehmen können. Es geht auch nicht darum, Leute zu bitten, sich nicht über Stottern lustig zu machen.
Dann habe ich das Anliegen der Petition offensichtlich nicht verstanden ... tja, offenbar habe ich diesbezüglich einen etwas langen Draht.
Nichtsdestotrotz, denke ich, dürfte der direkte Kontakt zu den Video-Einstellern bei YouTube mehr bewirken als eine Petition, die sich letztlich über Umwege an die Angesprochenen wendet.
Wer die Petition unterschreiben möchte, kann dies natürlich jederzeit tun ... ich wollte mit meiner Meinungsäußerung niemanden davon abhalten, sondern eher zum Nachdenken anregen.
Mechthild hat geschrieben:... nicht jeder Stotterer ist ein Großmeister der Sprache... :wink:
Er oder sie kann es jedoch immer werden, es gibt da keine Grenzen ...
Mechthild hat geschrieben:Kann es sein, dass Dir sehr häufig selbstmitleidge "stotternde Menschen" begegnen, weil Du die anderen nicht sehen willst?
Gut möglich ... ich denke drüber nach. Danke für die Anregung.
Mechthild hat geschrieben:Oder steckst Du alle, die Dir begegnen, gerne in diese Schublade? Oder wie kommst Du zu dieser Quantifizierung "sehr häufig" in "eine Art Selbstmitleid verfallen"? Sind Menschen entweder nur selbstmitleidig oder immer nur selbstironisch?
Mag sein, dass es nach Schublade aussieht ... gut möglich. Ich treffe verhältnismäßig wenige stotternde Menschen. In Dresden kenne ich die SHGs. Hinzu kommen ein paar Freunde und Bekannte (um sie mal so zu "klassifizieren" bzw. zu "schubladisieren") ... dort habe ich bisher relativ wenig Selbstironie angetroffen. Die meisten sind wohl ehedem eher im "Dunklen" ... sonst würde ich von den statistisch 5000 Stotternden in Dresden nicht nur rund 20 kennen.

Nur habe ich so das Gefühl - und da komme ich zum Ausgangspunkt "Petition" zurück - würden die eher Selbstironischen wohl kaum eine solche Petition für allzu ernst nehmen. Ich mag mich da täuschen, ist eben so ein Bauchgefühl.
Mechthild hat geschrieben:Kann ein und derselbe Mensch nicht zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Stimmungen haben?
Kann sie oder er sehr wohl haben ... es kommt auf das Verhältnis von beiden an. Und ob es wahrhaftig ist oder gespielt bzw. selbstverleugnend.
Mechthild hat geschrieben:Du bist ein beinahe 35jähriger leicht Stotternder, Du warst nie ein schwer Stotternder. Ich kann verstehen, wenn Dir die Sorgen und Nöte der Jüngeren und der schweren Stotterer gleichgültig sind oder sogar lästig, so leicht wegwischen musst Du sie deshalb nicht.
Als wahrscheinlich ebenso "beinahe 35jährige Stotternde" :) wirst du wahrscheinlich auch wissen, dass die Stärke des Stotterns nicht zwangsläufig ein Indikator für den inneren (Gemüts-)Zustand des jeweiligen Menschen sein muss. Auch wenn ich nach außen hin lange Zeit kaum als Stotternder erkennbar war, war es sehr stark "in mir". Darunter leiden m.E. ja die meisten stotternden Menschen. Die Angst sich und es zu zeigen, es wirklich zu akzeptieren und es sich verändern zu lassen.
Mechthild hat geschrieben:Und dabei sind viele schwere Stotterer so positive und humorvolle Menschen... schade für Dich, dass Du die nicht kennst.
Schön, dass du so viele kennst, Mechthild ... vielleicht kannst du noch ein paar mehr ins Forum bringen :) ... Was nicht heißen soll, dass es hier keine "positiven und humorvollen Menschen" gäbe :) ...
Ich kenne durchaus solche Menschen, doch sie sind weit in der Unterzahl ...
Mir scheint, dass die meisten - ähnlich wie in der Religion - immer nach Veränderung suchen, wenn das Stottern wieder mal völlig im Vorderkopf manifestiert ist. Es ist ein Auf und Ab im Verdrängen. Kommt der Frühling, geht's besser ... kommt der Herbst, häufig wieder nicht so usw. ... m.E. haben die wenigstens das Stottern als "ständigen sinnvollen Lebensbegleiter" entdeckt, der so gar nichts Angstmachendes mehr an sich hat, umso mehr man erkennt, was es denn eigentlich ist ...

Doch da kommen wir wahrscheinlich wieder in eine der ältesten "Ur-Diskussionen" - "Was eigentlich ist Stottern?" :) ...

In diesem Sinne, Pause für heute und alles Gute, ciao Micha.

Qwent
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Qwent » 26. Mai 2008 21:15

Hallo zusammen,

ich habe die Petition nicht unterzeichnet und werde sie auch nicht unterzeichen, noch habe ich mich jemals auf YouTube eingeklickt und habe auch nicht die Absicht es zu tun, denn das ist genau was YouTube will – möglichst viele Klicks (wenn ich dies aus zweiter Hand so richtig verstanden habe). Und dies wird erreicht indem man im Gespräch bleibt, ob positiv oder negativ ist spielt keine Rolle. Das ist ähnlich wie die „Zeitung“ mit den vier blutigen Buchstaben. Hauptsache das Blatt verkauft sich, egal ob dabei jemand verletzt, geschädigt oder gar zu Tode kommt, oder nicht. – Ich kaufe die Lügenzeitung bewusst nicht, auch nicht um zu sehen wie viel Blödsinn wieder unters Volk gebracht wird und genauso halte ich es mit Websites wie YouTube.

Ich verstehe sehr wohl die Gründe derer die die Petition auf den Weg gebracht haben und ich halte sie auch für ehrenhaft aber ich halte sie nicht für sinnvoll, ehe für kontraproduktiv, was u. a. auch der Formulierung der Petition liegt.

Die Petition erweckt den Eindruck das alle Stotternden humorlose, bierernste Miesepeter sind die um Mitleid heischen, mit ihrem Schicksal hadern und keinerlei Spaß versehen. Menschen die nicht in der Lage sind ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die besonderen Schutz benötigen. Mit dem Bild von Stotternden das in der Petition gezeichnet wird, kann und will ich mich nicht identifizieren. Wenn ich nicht wüsste das es anders wäre, könnt ich glatt depressiv werden.

Auszug Petition:
wir, die Unterzeichner, sind darüber betroffen, dass Videoaufnahmen des Stotterns als 'Comedy' eingestuft sind. ....
Die gegenwärtige Bewertung dieser Videos als 'Comedy' ist zutiefst beleidigend gegenüber Denjenigen, die stottern, und, noch schlimmer, fördert sie Diskriminierung. Wir hoffen, dass YouTube helfen kann, das Leben für stotternde Menschen zu verbessern, indem diese Videos neu eingestuft werden.
Tut mir leid, aber das ist eine Lachnummer für mich. Ob die Aufnahmen als „Comedy“ oder in irgendeiner anderen Rubrik eingestuft werden spielt keine Rolle. Entweder sie sind diskriminierend oder nicht – das hängt nicht von der Einstufung ab. Wenn jemand der Meinung ist das sie diskriminierend sind sollte er/sie für die Löschung der Aufnahmen stark machen aber bitteschön nicht für eine andere Rubrik.

Es ist nicht meine Absicht die Autoren und Unterzeichner der Petition zu verunglimpfen oder zu diskreditieren. Ich gehe selbstverständlich davon aus das sie nur das Beste mit der Petition beabsichtigt haben aber ich bitte um Verständnis das die Wirkung der Petition auch in ein ganz anderes Licht gesehen werden können.

Gruß
Qwent

Übrigens, hat die Petition irgendeine Reaktion von Seiten YouTube geführt?

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Michael13
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 27. Mai 2008 02:06

Hallo Qwent, hallo ForumsGemeinde

nur kurz am Rande bemerkt ... ich denke nicht, dass YouTube irgendeine Person etc. darstellt (ich beziehe mich da auf deinen Satz mit "...denn das ist genau was YouTube will"). Es gibt allen Menschen eine Plattform, die daran Interesse und natürlich Zugang zum Medium Internet haben. Im Gegensatz zu der von dir erwähnten VierBuchstaben-Gazette ... hier bestimmen Redakteure, was geschrieben wird und was nicht. Der "Läufer"-Verlag (ja, es ist eine andere Schachfigur, nicht der "Läufer" :)) hat auch klare Richtlinien, die er seinen Journalisten z.T. vorschreibt. Das Internet kennt da fast keine Grenzen.

Was beide Medien (Print und Online) m.E. nach gemeinsam haben, ist, dass man davon lernen kann ... Man mag über o.g. Zeitung denken, wie man will, die Schlagzeilengestaltung ist nahezu perfektioniert worden ... und das trotz Günter Wallraffs Aufdeckungsversuchen der späten 1970er Jahre. Von allen kann man lernen ... entweder wie man es nicht machen sollte bzw. selbst machen möchte oder wie man die Mittel (die Werkzeuge) nutzt, um seine eigenen Botschaften rüberzubringen ... letztlich ist es Öffentlichkeitsarbeit, neudeutsch "PR" ... Und welcher Mann findet die leicht bekleideten Damen in der o.g. Zeitung nicht zumindest einen Blick wert :) ... ganz gleich, was da in einem vorgehen mag und ob man das nun gut oder weniger gut findet.

Dass die o.g. Zeitung so erfolgreich ist, liegt vor allen Dingen daran, dass sie so viele Menschen kaufen ... auch wenn heutzutage vieles über die Anzeigenpreise und weniger über die verkauften Exemplare läuft ... Auch Dieter Bohlen hat großes erreicht, wenn er mit ein paar simplen Pop-Songs (immer wieder leicht verändert und mehrfach aufgekocht) weltweit über 100 Millionen Tonträger verkaufen konnte ... das muss ihm erst einmal jemand nachmachen ...
Anerkennung kann man jedem zollen, der etwas auf die Beine stellt ... wenn es einem nicht gefällt oder man sich diskriminiert fühlt, dann hilft nur eines "Besser machen." ... oder zumindest "Anders machen."
Und in diesem Punkt geht die Petition m.E. ins Leere ... was nicht heißen soll, dass sie keine Berechtigung hat. Ohne diese Petition wäre es z.B. nicht zu dieser Diskussion in diesem Forum gekommen ... und ohne die Videos auf YouTube vorher auch nicht :) ...

In diesem Sinne, alles Gute Micha.

Qwent
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Qwent » 27. Mai 2008 19:34

Hallo Michael,

nur mal kurz angemerkt. YouTube ist kein netter idealistischer gemeinnütziger Verein dessen uneigennütziges Ziel es ist den Internetnutzern eine Plattform zur veröffentlichen ihrer privaten Videos zu geben. Google hat den Laden 2006 für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien übernommen und dies bestimmt nicht aus sozialen Gründen. Unternehmensziel ist genau wie bei der Zeitung „Blöd“ (nennen wir sie mal so) eine möglichst hohe Rendite. YouTube braucht dafür möglichst viele Klicks und Blöd eine möglichst hohe verkaufte Auflage.

Michael schrieb:
Dass die o.g. Zeitung so erfolgreich ist, liegt vor allen Dingen daran, dass sie so viele Menschen kaufen ...
Na ja, so erfolgreich ist sie inzwischen nicht mehr. :biggrin Die Auflage ist innerhalb der letzten 10 Jahre über 20 % gesunken, aber du hast natürlich Recht der Erfolg beruht darauf das sie immer noch sehr viele Menschen kaufen. Der Erfolg von YouTube beruht darauf des so viele Menschen sich auf dem Portal tummeln. Also wenn man sich nicht für dumm verkaufen lassen will, keine „Blöd“ kaufen und um YouTube einen Bogen machen. Aber wer schon meint ohne „Blöd“ nicht leben zu können der sollte sich auch http://www.bildblog.de ansehen, damit er/sie weiß, wie er/sie veräppelt wird. :G

Gruß
Qwent

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von ---***--- » 27. Mai 2008 20:20

Hallo Ihr!
Qwent hat geschrieben:Tut mir leid, aber das ist eine Lachnummer für mich. Ob die Aufnahmen als „Comedy“ oder in irgendeiner anderen Rubrik eingestuft werden spielt keine Rolle. Entweder sie sind diskriminierend oder nicht – das hängt nicht von der Einstufung ab. Wenn jemand der Meinung ist das sie diskriminierend sind sollte er/sie für die Löschung der Aufnahmen stark machen aber bitteschön nicht für eine andere Rubrik.
Doch, es geht alleine um die Einstufung als "Comedy", Aufnahmen von stotternden Menschen (damit meine ich, Menschen, während sie stottern) sind an und für sich nicht diskrimierend. Es gibt einige, auch von der BVSS. Ich zitiere aus dem ersten Thread zum Thema, hier:
Frankie hat geschrieben:Es geht darum, dass echtes Stottern, echte Stotterer, echte Anstrengungsreaktionen von einem Unternehmen als "Comedy" eingestuft werden, wobei man zumindest bei den Videos, ich mir angeschaut habe, nicht davon ausgehen kann, dass die Betroffenen das ebenfalls als Comedy ansehen.
Hier ist der Link zu einem Video, das einen Jungen zeigt, aus den Kommentaren ist erkennbar, dass der Junge das Video selber nach der Einstellung entdeckt hat, entsetzt war, er schreibt nun dazu. Klar, anscheinend ist er taff. Das Video gibt es auf Youtube noch mindestens einmal, auch unter Comedy... Nach deutschem Recht müsste dieses Video entfernt werden, wenn der Betroffene klagt, aber der/die muss das ja erst einmal mitkriegen. Nicht jeder jugendliche Stotterer hat die Stärke und Unterstützung, Vorbilder?, so ein öffentliches Lustigmachen heil zu überstehen. Wie oft soll er noch seine Kommentare abgeben, wieviele User verklagen?

Youtube hin oder her, es ist ein relativ neues Medium mit faszinierenden Möglichkeiten, auch für Stottern, Stotterer können sich selber darstellen, Therapeuten stellen sich dar. Es entstehen aber auch neue Probleme mit dieser Art Öffentlichkeit. Wir hier können uns wehren und leben eher nicht mit "Freunden", die uns heimlich mit ihren Handys aufnehmen und unser Stottern öffentlich lächerlich machen. Es gibt einige Möglichkeiten, gerade den Jugendlichen zu helfen, die lernen müssen, mit Stottern zu leben und einer Art von Mobbing im Internet ausgesetzt sind, die vor 10 Jahren noch unvorstellbar war. Eine Möglichkeit ist, Youtube aufzuforden, solche Videos in der Kategorie "Comedy" zu löschen.

Mich wundern Eure Reaktionen, es hört sich für mich an, als müsste halt jeder selber durch, jeder stark genug sein oder stark genug werden, sich wehren zu können. Aber man kann den Schlägern in der U-Bahn beherzt entgegentreten und sie verscheuchen, bevor jemand verletzt ist. Es ist kein Naturgesetz, dass andere Leute Stottern für lächerlich und dumm halten. Warum sollten stotternde Jugendliche dank youtube mit diesem Bild aufwachsen müssen? Leider ist meine Ansicht eine Außenseitermeinung, 1300 Leute weltweit, die diese Petition bisher unterschrieben haben, sind nicht viel. Herrje, was sagt ihr, wenn ihr mitbekommt, wie ein stotterndes Kind gehänselt wird? Sagt ihr etwas?

sG Mechthild

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 27. Mai 2008 23:18

Hallo liebe Mechthild, lieber Qwent, liebe (Mit)Lesende,

zuerst kurz du deinem Beitrag, Qwent ... klar geht es YouTube bzw. Google um Profit, doch die Redakteure werden eben nicht von YouTube oder Google bezahlt, sondern stellen sich selbst zur Verfügung. Ich selbst habe nichts gegen YouTube, habe ja selbst zwei Videos dort stehen :) ... einen Kurzfilm aus meiner Wohnregion und was "Spaßpolitisches" ... George Bush hat mich jedenfalls noch nicht verklagt oder gebeten, letzeres Video wieder zu entfernen :) ... YouTube ist ein Werkzeug und ich bin doch auch nicht gegen Messer, nur weil ein paar Menschen auf die Idee kommen, damit Menschen zu verletzen oder umzubringen. Es ist eine Frage des WIE? ... Und so ist es mit YouTube.

Warum - und da komme ich zu deinem Beitrag, Mechthild - sich auf vielleicht 100 Personen weltweit konzentrieren, die sich über YouTube die Blöße geben, ihre eigenen psychischen Probleme auszuleben, indem sie sich über andere Menschen lustig machen? Sie stellen sich doch damit selbst ein Armutszeugnis aus. Warum den "Papa YouTube" bitten, dass er einigen seinen Kindern das Spielzeug wegnimmt? Ich finde, dass wir unter erwachsenen Menschen sind und wenn sich einige kindisch benehmen, dann kann ich nur drüber lächeln ... und mein eigenes Ding machen, z.B. Menschen auf meine Art und Weise aufklären ... in Vorträgen, auf der Straße, über alle anderen Medien (inkl. Internet & YouTube) ...
Mechthild hat geschrieben:Mich wundern Eure Reaktionen, es hört sich für mich an, als müsste halt jeder selber durch, jeder stark genug sein oder stark genug werden, sich wehren zu können. Aber man kann den Schlägern in der U-Bahn beherzt entgegentreten und sie verscheuchen, bevor jemand verletzt ist. Es ist kein Naturgesetz, dass andere Leute Stottern für lächerlich und dumm halten. Warum sollten stotternde Jugendliche dank youtube mit diesem Bild aufwachsen müssen? Leider ist meine Ansicht eine Außenseitermeinung, 1300 Leute weltweit, die diese Petition bisher unterschrieben haben, sind nicht viel. Herrje, was sagt ihr, wenn ihr mitbekommt, wie ein stotterndes Kind gehänselt wird? Sagt ihr etwas?
Ich verstehe dein Anliegen schon, Mechthild. Auch ich fühle das gewisse Ungerechtigkeiten (in vielerlei Hinsicht), doch um es mal auf YouTube bzw. die "Tube" (die Londoner U-Bahn :)) zu beziehen. Würdest du denn zum Schaffner gehen und ihm sagen, dass er sofort unterbinden soll, dass da jemand in der U-Bahn geschlagen wird? Wenn es etwas bringen soll, dann kannst du dich nur selbst entscheiden, einzugreifen ... doch jemanden anderen sagen, dass er etwas tun soll, ist m.E. genauso teilnahmslos wie wegschauen. Nur auf eine andere Art und Weise ...
Ich finde, dass es sich einige manchmal recht leicht mit der Behauptung machen, dass die Menschen oder die Gesellschaft nichts oder zu wenig tun/tut etc. Das ist m.E. genauso wenig hilfreich wie die Augen zumachen und nichts sehen wollen.

Was meinen Fall anbetrifft, bin ich in der Tat eher ratlos, weil ich das mit den Videos für recht komplex halte ... Wie entstanden diese Videos? Aus welchen Beweggründen? Welchen Effekt hat es auf die Ins-Netz-Steller selbst? Was sagen die Gefilmten dazu?
Wie gesagt, ich denke dein Satz "Mich wundern Eure Reaktionen, es hört sich für mich an, als müsste halt jeder selber durch, jeder stark genug sein oder stark genug werden, sich wehren zu können." trägt viel Wahrheit in sich. Ja, wir erleben jeden Tag Situationen, in denen wir uns vielleicht Hilfe wünschen würden, doch wir dürfen sie nicht erwarten. Was nicht ist, kann werden, doch es ist vielleicht nicht. Und bis dahin, kann ich es eben nur selbst versuchen ...

Ich finde, dass hier die Mitleids-"Schiene" zu sehr bedient wird, statt für Mitgefühl anzuregen. Ein kleiner, doch sehr feiner und wichtiger Unterschied. Letztlich wirst du nur von Menschen akzeptiert, wenn du ihnen zeigst, dass du dich da selbst behaupten kannst ... was nicht heißt, dass du keine Hilfe annehmen solltest. Wenn Hilfe da ist, dann kannst du sie jederzeit annehmen, doch erwarten oder anderen vielleicht "vorwerfen", dass sie nichts tun würden, geht. m.E. in die falsche Richtung.

Insofern meine Frage: Gibt es denn Reaktionen von stotternden Personen, über die sich über YouTube lustig gemacht wurde?

Hmm, komplexes Thema und ich hoffe, der Sache etwas Neues hinzugefügt haben zu können ...

Alles Gute, Micha.

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Jaspis » 28. Mai 2008 09:43

Hallo Mechthild!
Mechthild hat geschrieben:Warum sollten stotternde Jugendliche dank youtube mit diesem Bild aufwachsen müssen?
Ist es denn Pflicht für für Jugendliche oder uns YouTube zu benutzen und sich willenlos die dort veröffentlichten Videos reinzuziehen???
Ich selbst habe bei dieser Petition nicht unterschrieben, weil ich mit YouTube absolut nichts am Hut habe. Medien, die ich nutze, habe ich dagegen schon auf unpassende Darstellung von Stotterern und Stottern hingewiesen. Ein Radiomoderator hat sich sogar on-air entschuldigt, weil sich wahrscheinlich viele beschwert hatten. Ich denke, das sollten Leute, die YouTube benutzen genauso halten.
Mechthild hat geschrieben: Leider ist meine Ansicht eine Außenseitermeinung, 1300 Leute weltweit, die diese Petition bisher unterschrieben haben, sind nicht viel. Herrje, was sagt ihr, wenn ihr mitbekommt, wie ein stotterndes Kind gehänselt wird? Sagt ihr etwas?
Nein, Mechthild, Du hast keine Außenseitermeinung. Du kannst aber ein Nichtunterschreiben bei dieser Petition nicht mit der Duldung von Hänseleien gleichsetzen. Wenn in meinem Umfeld (und dazu zähle ich eben auch die von mir benutzten Medien) jemand gehänselt wird, schreite ich ein, wenn ich es für notwendig halte. Ich laß mir aber nicht vorschreiben, wo und was ich unterschreibe, diese Verantwortung trage ich selbst.

Gruß, Karen

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 28. Mai 2008 15:15

Hallo liebe Mechthild,
Mechthild hat geschrieben:Hier ist der Link zu einem Video, das einen Jungen zeigt, aus den Kommentaren ist erkennbar, dass der Junge das Video selber nach der Einstellung entdeckt hat, ...
Ich habe mir nun mal das Video vollständig angeschaut (mein "Heim-Laptop" stürzt immer nach der Hälfte der YouTube-Videos ab) ...
Kurze Verständnisfrage: Hast du das Video verlinkt, welches du meintest?

Ich kann bei dem Video eher sehen, dass es sich um die Darstellung eines verhältnismäßig stark stotternden jungen Menschen handelt, der eine Situation durchlebt, die viele stotternde Menschen schon so ähnlich erlebt haben: am Telefon mehrere Male heftig hängenzubleiben. Hinzukommt eine Frau am anderen Ende der Schnur, die auf der Sachebene ihm versucht zu helfen, doch - wie die meisten vom Stottern Nichtbetroffenen - sich "nur" mit den üblichen Mittel ("Buchstabieren Sie bitte Ihren Namen ...") zu helfen weiß. Aus meiner Sicht macht sie nichts falsches. Sie drängelt ihn nicht, sie legt nicht auf ... klar ist sie zu 99% an der rein sachlichen Botschaft interessiert und braucht sonst für solche Gespräche vielleicht ein Viertel der Zeit. Es ist eine ungewohnte, vielleicht sogar völlig neue Situation für sie.

Und interessant finde ich auch, dass die "Kommentar-Abteilung" von YouTube eine Art Forum (ähnlich diesem hier) darstellt, in der sich der gezeigte junge Mann ja auch dazu äußert und in Kontakt zu anderen Menschen tritt.

Also, ich weiß ja nicht, warum du gerade dieses Video verlinkt hast, Mechthild, doch ich sehe das eigentlich durchweg positiv. Und die paar schrägen Kommentare sind entweder sog. Spam oder von Leuten, die Langeweile haben ...

Doch wie gesagt, vielleicht reden wir über zwei unterschiedliche Dinge ... Klär mich bitte auf, Mechthild :)

Dir und allen alles Gute, Micha.

Qwent
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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Qwent » 28. Mai 2008 21:23

Hallo Mechthild, Karen, Michael und natürlich auch alle Andern,

ich denke das wir alle in der Sache nicht wirklich weit auseinander liegen, aber vom Zugang zur Sache haben wir anscheinend völlig verschiede Blickwinkel so das wir zumindest teilweise aneinander vorbei reden. Nun ich will versuchen nochmals meinem Standpunkt zu verdeutlichen.

Mechthild schrieb:
Qwent hat geschrieben:Tut mir leid, aber das ist eine Lachnummer für mich. Ob die Aufnahmen als „Comedy“ oder in irgendeiner anderen Rubrik eingestuft werden spielt keine Rolle. Entweder sie sind diskriminierend oder nicht – das hängt nicht von der Einstufung ab. Wenn jemand der Meinung ist das sie diskriminierend sind sollte er/sie für die Löschung der Aufnahmen stark machen aber bitteschön nicht für eine andere Rubrik.
Doch, es geht alleine um die Einstufung als "Comedy", Aufnahmen von stotternden Menschen (damit meine ich, Menschen, während sie stottern) sind an und für sich nicht diskrimierend.
Liebe Mechthild, das kann nicht funktionieren! :no: Ist gibt sehr wohl Situationen in denen stottern witzig und belustigend wirkt (Situationskomik) mir selber ist es desöfteren passiert das ich über mein eigens Stottern lachen musste und Anderen ist es ähnlich gegangen. Warum sollte also Stottern das eine Situationskomik erzeugt nicht unter „Comedy“ laufen?

Mechthild schrieb:
Hier ist der Link zu einem Video, das einen Jungen zeigt, aus den Kommentaren ist erkennbar, dass der Junge das Video selber nach der Einstellung entdeckt hat, entsetzt war, er schreibt nun dazu. Klar, anscheinend ist er taff. Das Video gibt es auf Youtube noch mindestens einmal, auch unter Comedy...
Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe mir das Video angesehen, auf das du Bezug nimmst, Mechthild. Das Video ist gar nicht mal schlecht, könnte glatt zur Aufklärung von Nichtstotternden dienen, da man mit dem Jungen sehr gut mitfühlen kann und es nachdenklich macht. Die Situation an sich finde ich weder beschämend, noch belustigend (kann man so dumm sein?), noch diskriminierend, aber auch nicht komisch. Ich glaube auch nicht das der Großteil der Betrachter das Video komisch findet, wer nicht völlig hohl im Kopf ist, dem wird es ehe nachdenklich machen.

Wenn das Video jedoch gegen den Willen des Jungen veröffentlich wurde, weil es bei ihm z. B. Scham und ein Diskriminierunggefühl hervorruft – dies scheint ja der Fall zu sein, dann frage ich mich warum die Petition in keiner Weise Bezug nimmt???! :motz Ich wäre der erste der die Petition unterschreibt würde, wenn sie entsprechend formuliert wäre.

Mechthild schrieb:
Nach deutschem Recht müsste dieses Video entfernt werden, wenn der Betroffene klagt, aber der/die muss das ja erst einmal mitkriegen. Nicht jeder jugendliche Stotterer hat die Stärke und Unterstützung, Vorbilder?, so ein öffentliches Lustigmachen heil zu überstehen. Wie oft soll er noch seine Kommentare abgeben, wieviele User verklagen?
Ja, da hast du recht.

Mechthild schrieb:
Youtube hin oder her, es ist ein relativ neues Medium mit faszinierenden Möglichkeiten, ...
Kann man so sehen, muss man aber nicht so sehen. Ich finde es schlichtweg überflüssig wie ein Kropf. Warum klickt man sich da ein? Aus Voyeurismus? Aus Langeweile? Mehr fällt mir nicht ein – na ja da kommt mein Asperger wieder durch.

Mechthild schrieb:
Es ist kein Naturgesetz, dass andere Leute Stottern für lächerlich und dumm halten.
Ich glaube nicht das sie es tun, von Ausnahmen mal abgesehen. Wie kommst du zu der Meinung das es so sein könnte? Ich kann dies aus meiner Erfahrung heraus nicht bestätigen.

Mechthild schrieb:
Leider ist meine Ansicht eine Außenseitermeinung, 1300 Leute weltweit, die diese Petition bisher unterschrieben haben, sind nicht viel.


Einmal schließe ich mich der Meinung von Karen an zum Anderen wie viele wissen überhaupt von der Petition? Von daher finde ich 1300 Leute recht beachtlich.

Nochmal die Frage: Hat es von YouTube eine Reaktion gegeben?

Mechthild schrieb:
Herrje, was sagt ihr, wenn ihr mitbekommt, wie ein stotterndes Kind gehänselt wird? Sagt ihr etwas?
Sehr emotionale Frage die das Thema verfremdet. Kann ich weder mit Nein noch mit Ja beantworten - hängt von der Situation ab, bin aber noch nicht in die Situation gekommen. Gegenfrage: Haben wir das Recht, unabhängig vom Stottern, Kindern normale negative Erfahrungen vorzuenthalten? Wo ist Grenze zwischen Schutz und in Watte packen? - Problematisches Thema!

Michael schrieb:
..., Qwent ... klar geht es YouTube bzw. Google um Profit, doch die Redakteure werden eben nicht von YouTube oder Google bezahlt, sondern stellen sich selbst zur Verfügung.
Es geht nicht darum ob es von Redakteuren bearbeitet wurde oder nicht. Es geht um die Wirkung der Beiträge auf die Betrachter! Von der Rendite her ist es natürlich eine tolle Sache, wenn die Nutzer auch zu Autoren werden und so noch mehr Nutzer anziehen. Toller Schneeballeffekt – Kapitalismus pur – die Eigentümer von YouTube werden sich die Hände reiben. Es irritiert mich etwas das du so etwas unterstützt, Michael. :shock:

Karen schrieb:
Mechthild hat geschrieben:Warum sollten stotternde Jugendliche dank youtube mit diesem Bild aufwachsen müssen?
Ist es denn Pflicht für für Jugendliche oder uns YouTube zu benutzen und sich willenlos die dort veröffentlichten Videos reinzuziehen??? Ich selbst habe bei dieser Petition nicht unterschrieben, weil ich mit YouTube absolut nichts am Hut habe.
Kann ich voll und ganz unterschreiben. §dup Mechthild, ich glaube du tust YouTub völlig überbewerten. So krank ist die Jugend noch nicht, das sie sich nach der Schule an den Rechner setzen und gucken was es Neues auf YouTube gibt und dies für bare Münze nehmen.

Ich euch lieb :streichel :zwinkern

Qwent

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Re: Petition gegen die Schlechterstellung Stotternder Menschen

Beitrag von Michael13 » 28. Mai 2008 22:26

Hallo liebe Qwent & "alle anderen",

ich sehe viele Dinge ähnlich wie du ... in gewisser Weise auch, dass wir alle gar nicht so weit auseinander liegen mit unseren Meinungen und Wünschen. Hauptwunsch: wir wollen als Stotternde verstanden werden (ich meine hier nicht speziell, dass was wir sagen - das auch - sondern mehr unsere Beweggründe, Gefühle, Hinderungsgründe etc.) ... so würde ich es mal formulieren. Korrekturen gern gesehen ...

In einem würde ich jedoch etwas ergänzen ... die unterschiedlichen Blickwinkel sind m.E. der eigentliche Knackpunkt. Das Problem und die Herausforderung ist m.E., dass wir uns zu sehr auf unseren eigenen Standpunkt/Blickwinkel beschränken und daher nicht offen sind für andere Sichtweisen. Somit wird vieles plötzlich zum Problem ... und habe ich ein großes Ego wird's ganz schnell mal zum "großen Problem für alle" :)

Da komme ich auch zu deiner "Kapitalismuskritik", die da ein bisschen im Fall "YouTube" durchschimmert :) ... ich erahne das zumindest. Ich finde YouTube wunderbar, denn ich finde dort viele Dinge, die ich sonst nie finden würde ... z.B. Musikvideos und vieles anderes mehr. Ich weiß, dass es auf YouTube sicher auch ne Menge weniger schöner Dinge gibt, doch das gab es immer ... in Büchern, im Fernsehen, im Radio ... in allen Medien ...
Doch wie gesagt, YouTube bzw. das Internet im Allgemeinen gibt vielen Menschen die Chance, etwas zu beeinflussen. Was hindert denn Menschen, die etwas zu diesem oder jenem Video schreiben wollen, daran, einem "Kommentar" zu schreiben und/oder einen Link zu einer anderen Internetseite (z.B. zu der Petition) zu setzen? Was hindert sie daran, selbst Videos zu machen ... so wie es bspw. Leys Geddes (BSA-Petition) getan hat.

Und warum hinterfragt keiner mal den Umstand, dass die BSA (British Stammering Association) solche Videos auch gut als Anlass nehmen kann, selbst mal in Aktion zu treten. Ich finde es zwar wichtig, dass Menschen Petitionen auch unterschreiben, was jedoch voraussetzt, dass sie dahinter stehen (einfaches Herdenverhalten und wenig zur Selbstreflexion aufrufende "Bitte unterschreibt"-Mails führen in die falsche Richtung). Doch sehe ich auch den Umstand, dass solche YouTube-Videos eine willkommene PR-Aktion für offizielle Stotterorganisationen sind. Da steht auch immer ein gewisser Eigennutz dahinter. Eigennutz ist völlig legitim, doch sollte er nicht in einem übertriebenen Schutz, à la Qwents Worten "in Watte packen", münden. Warum hat die BVSS bspw. diese Petition nicht auf ihrer Webseite? Warum wird nicht z.B. zu einer Kampagne mit dem Titel "Wir stotternde Menschen können über uns selbst am besten lachen." inkl. ein paar Videos gestartet? Ich meine, es gibt immer Gründe etwas zu unterstützen oder nicht ... Ich habe manchmal das Gefühl, viele Menschen verstecken sich ein bisschen hinter Organisationen oder auch Petitionen, weil sie Angst vor sich selbst und ihren eigenen Möglichkeiten haben.

Qwent ... letzte Sache, mir ist es übrigens völlig gleich, ob YouTube daran verdienen könnte oder nicht. Geldverdienen ist nichts grundsätzlich schlechtes - es kommt auf das WIE an. Ich kann ja eine eigene Videoplattform aufbauen, doch - wenn es etwas bekanntes wie YouTube, MyVideo oder oder gibt, warum nicht diese nutzen? Und die Leute von YouTube nutzen das Potential, das da ist ... da gibt es immer zwei Seiten. Es kommt eben auf das "Wie nutzen?" an ...

Nun, genug der Worte ... :) ... Allen alles Gute, Micha.

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