Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, Landesverbänden und Seminaren. Hier bitte keine Diskussion über BVSS-interne Themen
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dosi
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 28. Juli 2008 22:08

Irgendwie mache ich mir da selber keine große Hoffnung. Ich habe erst einen Fragebogen zurück bekommen und ansonsten keine Reaktion. Es ist nun nicht so, daß ich mich deshalb erschießen werde. Ich werde so und so etwas für mein Sprechen tun und vielleicht kann ich für "unsere Sache" an anderer Stelle etwas bewegen.
Im Fragebogen habe ich auch danach gefragt, was die Leute als gut und schlecht empfunden haben und ob ihnen die SHG wichtig oder unwichtig ist. Vielleicht ist es für Einige auch so, wie bei mir mit diesem Forum. Am Anfang war es mir ungeheuer wichtig und nun brauche ich es nicht mehr wirklich. Ich habe darin ausreichend Informationen für mich gesammelt und das reicht mir. Vielleicht auch deshalb dieser Mitgliederschwund in allen Gruppen. Kann sein, daß das nur als Art "Durchlaufstation" benötigt wird. Aber wo sind denn die ominösen 800.000 Stotterer in Deutschland? Und die wachsen ja auch nach. Es gibt doch ausreichend Kinder und Jugendliche, die Sprachprobleme haben.
Vielleicht sollte die Bundesvereinigung mal einen Fragebogen diesbezüglich ausarbeiten und an alle bekannten Stotterer senden. Ist doch eine Idee, oder?
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 29. Juli 2008 00:25

Heute mal ganz kurz, versprochen :) ...
Einige "Probleme", die sich in SHGs allgemein bilden können, habe ich auf folgender Internetseite -
http://www.lebe-dein-stottern.de/seiten ... ar.htm#shg - zu schildern versucht ...
Alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 29. Juli 2008 00:58

Hallo Ihr,
@djub
so jung und schon so zynisch :no:
:laugh
Ich find, Ihr seid zu streng mit den 798.000 anderen Stotterern in Deutschland!

Ich glaub auch, dass Selbsthilfegruppen "Durchlaufstationen" sind, man engagiert sich einige Zeit, beschäftigt sind mit Stottern und dann isses wieder gut. Kleine Gruppen haben dann ein Problem, weil sie instabil sind und immer wieder neu anfangen müssen, mit großer Anstrengung. Ich hatte am Wochenende Klassentreffen und aus einem ist ein Sonderpädagoge geworden, der sich mit den Prozessen in Gruppen beschäftigt (Grüße! falls er mal hier reinschaut). Er hat mir einiges erklärt, was ich gut auf die Stotterer-Selbsthilfe anwendbar finde. Zum einen können die Leute, die nicht regelmäßig kommen, die wegbleiben, die gesamte Gruppe in Frage stellen. Was machen die stattdessen? Sich amüsieren?

Dann ist es energieaufwändig, die Struktur der Gruppe (gibt es einen Chef?), die Spielregeln, die Ziele, immer neu auszuhandeln - anders als bei AA-Gruppen z.B.
Jede Gruppe legt ihre "Identität" fest, ob sie nach einem bestimmten (Therapie-)Konzept arbeitet oder offen für alle Ansätze ist, ob überhaupt "geübt" wird, ob das Erreichen von Flüssigkeit im Vordergrund steht oder von Eloquenz oder oder... oder ob die Gruppe da ist, um jedes Mitglied zu unterstützen bei der Selbst-Hilfe oder gemeinsam Freizeit verbringt. Die Identitätsbildung kann schief gehen, weil es unterschiedliche Ziele gibt, unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Herangehensweisen, aber nicht darüber gesprochen werden kann. Ich glaube, auch weil Stotterer-Selbsthilfegruppen so konfliktbehaftet sein können, jeder so sehr mit sich und dem anderen konfrontiert ist, sind sie wichtig. Da ließe sich so vieles lernen... Leider scheint das Lehrgeld aber sehr hoch zu sein.

Es gibt Material für SHGs, wie ich von Berthold W. weiß, sollen die Fragebögen demnächst wohl über die Homepage des LV-NRW runtergeladen werden können. Ob Moderations-Schulungen für SHG-Mitglieder angeboten werden, weiß ich nicht. Würd ich begrüßen!

Grüße, Mechthild

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 30. Juli 2008 18:36

Hallo Mechthild,

wenn ich mir mal erlauben darf, kurz auf einige deiner Zeilen einzugehen ...
Mechthild hat geschrieben:@djub
so jung und schon so zynisch :no:
Ich finde nicht, dass Djub ("DJ UB"? :)) zynisch ist, sondern eher aus seinen Erfahrungen gelernt hat. Wer wirklich etwas tun möchte, kommt von selbst ... mehr als anbieten kann mensch Hilfe nicht, sonst ist es ja keine Selbsthilfe mehr. Ich kenne allerdings die von dir gewählte "Ansprechform" nicht, Djub. Bist du gleich mit "der Tür ins Haus gefallen"? Oder hast relativ "niederschwellig" Gleichgesinnte gesucht?
Meine eigenen Erfahrungen sind die, dass sich Gleichgesinnte über LogopädInnen finden lassen. Dort die Kontaktdaten hinterlassen und anbieten auch außerhalb der Therapie- bzw. Sprechzeiten zur Verfügung zu stehen. Das kann dann in konkrete InVivo-Übungen münden oder einfach nur mal nen Kaffee miteinander trinken und sehen, ob überhaupt Interesse besteht.

Alles in allem halte ich regelmäßige Treffen nicht für sinnvoll, da das Stottern auch nicht regelmäßig ist und ich Übungen auch meist nur mit dem nötigen "Leidensdruck" gemacht habe. Es kann schon vorkommen, dass ich selbst InVivo-Übungen mit einem Freund gemacht habe, wenn er anrief und mal Lust hatte (und ich es bei mir selbst für nicht 100%-ig nötig hielt), Umfragen zu machen, doch dies geschah vielleicht aller zwei, drei Monate ... und da war es für mich auch eher ein Beobachten und Lernen aus einer anderen Perspektive heraus, weniger als reine Übungsform.
Ansonsten bin ich auch alleine losgegangen ...

Und Djub ...
Djub hat geschrieben:Ich arbeite lieber alleine, als mit Leuten, die man immer antreiben muss.

... Leute kann man nicht antreiben :) ... sonst fehlt die (eigene) Motivation. Inspirieren ja, motivieren okay, doch "antreiben" ... da ist das Scheitern schon vorprogrammiert, denke ich.
Mechthild hat geschrieben:Ich glaub auch, dass Selbsthilfegruppen "Durchlaufstationen" sind, man engagiert sich einige Zeit, beschäftigt sind mit Stottern und dann isses wieder gut.

Ganz deiner Meinung, Mechthild ... Und so soll es ja auch eigentlich sein. Wozu braucht man eine SHG, wenn das Ausgangsproblem keines mehr ist? Wer hält schon gern - aus "gruppen-sozialen" Gründen - an seinen Problemen fest ...
Wenn tiefere Freundschaften dabei entstehen, schön und gut ... doch ansonsten reichen klassentreffen-ähnliche Zusammenkünfte m.E. auch aus.
Mechthild hat geschrieben:Zum einen können die Leute, die nicht regelmäßig kommen, die wegbleiben, die gesamte Gruppe in Frage stellen. Was machen die stattdessen? Sich amüsieren?

Vielleicht liegt ein Problem darin, dass die SHG-Arbeit manchmal so rüberkommt als würde sie das Sich-Amüsieren ausschließen. Wenn die SHG-Arbeit auch amüsant bleiben kann, dann kann mensch beides miteinander verbinden.
Mechthild hat geschrieben:Dann ist es energieaufwändig, die Struktur der Gruppe (gibt es einen Chef?), die Spielregeln, die Ziele, immer neu auszuhandeln - anders als bei AA-Gruppen z.B.
Jede Gruppe legt ihre "Identität" fest, ob sie nach einem bestimmten (Therapie-)Konzept arbeitet oder offen für alle Ansätze ist, ob überhaupt "geübt" wird, ob das Erreichen von Flüssigkeit im Vordergrund steht oder von Eloquenz oder oder... oder ob die Gruppe da ist, um jedes Mitglied zu unterstützen bei der Selbst-Hilfe oder gemeinsam Freizeit verbringt. Die Identitätsbildung kann schief gehen, weil es unterschiedliche Ziele gibt, unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Herangehensweisen, aber nicht darüber gesprochen werden kann.
Im Grunde gebe ich dir recht, Mechthild. Zielvorstellungen immer mal wieder zu überprüfen, ist sehr gut und wichtig. Doch das kann nur jeder zunächst mit sich selbst ausmachen. Wie man die Zusammenkünfte gestaltet ist, eine immer wieder kehrende Frage und ich denke, es hängt ehedem meist an ein, zwei Personen, die das ganze "ziehen" ... und wenn die keine Lust mehr haben bzw. das "alltägliche" Leben mehr Zeit bedarf, dann kommen eben Stagnationen ... was auch gut sein kann - für alle.

@Dosi
Ich halte aus einer solchen Sicht, die "Existenzfrage" in einer SHG sogar für sehr wichtig. Denn dann zeigt sich, wohin die Reise weitergehen kann ...
Mechthild hat geschrieben:Ich glaube, auch weil Stotterer-Selbsthilfegruppen so konfliktbehaftet sein können, jeder so sehr mit sich und dem anderen konfrontiert ist, sind sie wichtig. Da ließe sich so vieles lernen... Leider scheint das Lehrgeld aber sehr hoch zu sein.
Ich vermute zu wissen, was du ausdrücken möchtest, Mechthild ... doch ich denke, dass gerade dieses "Lehrgeld" so wichtig ist bei diesem Prozess. Haben wir nicht manchmal so ein vorgefertigtes Bild von einer "idealen SHG" ... einer idealen Beziehung, einer idealen Gesellschaft, einer idealen Welt etc. ...

Hmmm, so weit, so viel :) ... Alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von djub » 31. Juli 2008 08:11

Michael13 hat geschrieben: Und Djub ...
Djub hat geschrieben:Ich arbeite lieber alleine, als mit Leuten, die man immer antreiben muss.

... Leute kann man nicht antreiben :) ... sonst fehlt die (eigene) Motivation. Inspirieren ja, motivieren okay, doch "antreiben" ... da ist das Scheitern schon vorprogrammiert, denke ich.
Genau das wollte ich ja damit sagen. Wer "angetrieben" werden muss, dem fehlt die Motivation und der hält einen in seinen eigenen Vorhaben nur zurück.
Ich war immer der, der andere versucht hat zu motivieren unter Zurücksteckung meines eigenen Vorankommens, z.B. in der Schule oder dem Studium. Aber mittlerweile habe auch ich gelernt, dass das Zeitverschwendung ist. Alle versuche, eine sehr nahestehende Person davon zu überzeugen, doch endlich mit Sport anzufangen, damit es ihr wieder gesundheitlich besser geht (und das mit vllt. 2h in der Woche!, damit sind erstaunliche Effekte zu erzielen, und sie hat sehr viel Freizeit....) waren bis jetzt zwecklos - trotz aller "subtiler Geschenke" und Tipps und "Schmackhaftmachung". Es war gut gemeint, aber zwecklos. Ich muss einfach lernen, dass einige Leute grundsätzlich nichts für sich tun wollen. Dann könnten sie sich ja nicht mehr über schlechte Noten, Schmerzen, zu schwache Muskeln, Stottern und und und beklagen.... :?

Und was wäre das Leben ohne die Möglichkeit rumzujammern?
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 31. Juli 2008 22:02

Hallo Djub,
djub hat geschrieben:Wer "angetrieben" werden muss, dem fehlt die Motivation und der hält einen in seinen eigenen Vorhaben nur zurück.
Ich war immer der, der andere versucht hat zu motivieren unter Zurücksteckung meines eigenen Vorankommens, z.B. in der Schule oder dem Studium. Aber mittlerweile habe auch ich gelernt, dass das Zeitverschwendung ist. Alle versuche, eine sehr nahestehende Person davon zu überzeugen, ...
Ich weiß nicht mehr, wie alt du bist (die neue Forums-Software ist etwas "geheimnisvoller" :)), doch ich erinnere mich an Anfang Mitte 20, oder? ... Wenn ich mich richtig erinnere, kann ich dir gratulieren, dass du diese Erkenntnis ca. 10 Jahre früher als ich machen konntest :) ... das spart ziemlich viel Zeit und Nerven ... und dennoch ist dieser Prozess wichtig. Hauptsache, mensch erreicht diesen Punkt ... von dann an ist vieles einfacher, wenn auch nicht immer leicht ...

In diesem Sinne, alles Gute ... Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 2. August 2008 17:02

Hi Männer,
ich verstehe Euch noch nicht so ganz.
Reden wir von derselben Sache? Von Selbsthilfegruppen für Stotterer? Gehen wir alle davon aus, dass Selbsthilfe erst einmal für einen selbst ist, man weder einen anderen therapiert noch selbst von anderen therapiert wird? Und eine Gruppe, die gut läuft, mehr erreichen kann, mehr Möglichkeiten bietet, als das einsame Vorsichhinmachen? Und eine Selbsthilfe-Gruppe ein Zusammenschluss von Leuten ist, die gemeinsam Aktivitäten zum Thema Stottern planen und durchführen können, oder die sich gegenseitig zuhören, rückmelden, ob das so passt, sich austauschen usw. usf.? Ich versteh nicht, wo da andere motiviert werden müssen, und wozu?
Leute, die zu den Treffen gehen, haben ja Motivation, wenn sie die verlieren, kann das unterschiedliche Gründe haben. Leute, die nicht zu einer Gruppe gehen, sind vielleicht auch motiviert, bezahlen aber z.B. lieber einen Therapeuten, der ihnen zuhört, als im Tausch anderen zuzuhören.

Wenn Leute wegbleiben, kann das ein Zeichen für unausgesprochene Kritik sein. Dosi hat den Fragebogen verschickt, weil sie die Gründe kennenlernen möchte. Das andere ist, dass sehr viel Arbeit an Dosi hängenbleibt, dass sich andere Gruppenmitglieder nicht verantwortlich fühlen. Es fehlt an Verbindlichkeit. Wenn Leute nur sporadisch auftauchen, ist ein sinnvolles Arbeiten kaum möglich, das Thema vom letzten Mal kann nicht weitergesponnen werden, die Gruppe muss sich ja jedesmal neu zusammenfinden. Das sind Probleme, die eben auftreten können, wenn die Gruppe noch so jung ist und die Strukturen noch nicht tragen. Dosi und ihre Gruppe haben schon so viel geleistet. Eine gute Gruppe aufzubauen ist Managementarbeit, deshalb auch meine Idee für das Coaching der Gruppenmitglieder.
djup hat geschrieben:versuche, eine sehr nahestehende Person davon zu überzeugen, doch endlich mit Sport anzufangen, damit es ihr wieder gesundheitlich besser geht (und das mit vllt. 2h in der Woche!, damit sind erstaunliche Effekte zu erzielen, und sie hat sehr viel Freizeit....) waren bis jetzt zwecklos - trotz aller "subtiler Geschenke" und Tipps und "Schmackhaftmachung". Es war gut gemeint, aber zwecklos.
Eine Rückmeldung, wie sich das für mich anhört: nach Manipulation und Bevormundung. Dir liegt etwas an der Person, aber gezeigt hast Du ihr, dass Du sie so wie sie ist nicht in Ordnung findest. Warum möchtest Du, dass ein anderer Mensch regelmäßig Sport macht? Was sind Deine Motive? Wenn es "das Beste" für denjenigen ist, hast DU es falsch angepackt, vielleicht sogar verhindert, dass dieser Mensch selber mit Veränderungen beginnt. Druck erzeugt Gegendruck... (sorry!)

Ziemlich abgedroschen: man kann nur sich selber ändern, und das ist schwer genug.
Ich bin misstrauisch, wenn sich manche Chefs immer über ihre unmotivierten Mitarbeiter, Verkäufer über ihre undankbaren Kunden, Eltern über ihre unselbständigen Kinder und Therapeuten über unwillige Klienten beklagen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Grüße! Mechthild

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 3. August 2008 15:37

Hallo Mechthild,
Mechthild hat geschrieben:Hi Männer,
ich verstehe Euch noch nicht so ganz.
Reden wir von derselben Sache? Von Selbsthilfegruppen für Stotterer? Gehen wir alle davon aus, dass Selbsthilfe erst einmal für einen selbst ist, man weder einen anderen therapiert noch selbst von anderen therapiert wird? Und eine Gruppe, die gut läuft, mehr erreichen kann, mehr Möglichkeiten bietet, als das einsame Vorsichhinmachen? ...
Leute, die zu den Treffen gehen, haben ja Motivation, wenn sie die verlieren, kann das unterschiedliche Gründe haben. Leute, die nicht zu einer Gruppe gehen, sind vielleicht auch motiviert, bezahlen aber z.B. lieber einen Therapeuten, der ihnen zuhört, als im Tausch anderen zuzuhören.
...
Wenn Leute wegbleiben, kann das ein Zeichen für unausgesprochene Kritik sein.
Prinzipiell gebe ich dir Recht, doch ich denke, dass du eventuell hier verschiedene Dinge rein idealistisch betrachtest. Idealismus ist wichtig, denn ohne ihn, würde keine/r versuchen, irgendetwas zu verändern. Realistisch gesehen denke ich, sprechen wir von verschiedenen Stadien der Selbsthilfe. Natürlich besteht bei vielen das Bedürfnis nach Austausch, nach Gemeinsamkeiten, nach Gruppenarbeit etc. ... doch es gibt auch unterschiedliche Wünsche und Ziele. Und wenn die - möglicherweise unterschiedlichen - Ziele sich nicht mehr miteinander vereinbaren lassen, dann ist es nur allzu natürlich im Leben eines selbstständigen Menschen, dass sie oder er eigene Wege geht.
Es ist richtig, dass häufig unausgesprochene Kritik eine Gruppe so vor sich hinlaufen lassen. Doch es ist m.E. viel häufiger einseitig formulierte Kritik. Auch wir neigen häufig zu defizitärer Kritik, d.h. "was alles nicht läuft" bzw. "was besser laufen müsste/könnte", wobei letzteres m.E. besser ist, als sich darauf zu beschränken, was alles nicht läuft. Ich denke, in diesem Punkte können wir alle lernen ... da merke ich auch bei mir sehr häufig :) ... immer wieder. Der Zweck des Feststellens, dass etwas so oder so nicht so gut erscheint, ist ja eigentlich, dass wir auch darüber nachdenken, was uns die Sache bisher alles gebracht hat.

Ich persönlich kam nach eigener Analyse der Lage irgendwann zu dem Punkt, dass ich alleine besser komme ... was nicht heißt, dass ich nicht auch mit einer SHG zusammenarbeiten könnte. Und vielmehr halte ich es für völlig normal, dass sich Menschen nach einer gewissen Zeit aus der SHG "verabschieden" ... ganz einfach aus dem Grund, weil sie diese Phase erreicht haben und es besser für sie ist. Die Arbeit kann sich ja fortsetzen, sie arbeiten auf andere Art und Weise weiter, transformieren ihre Erfahrungen ins alltägliche Leben und machen jeden Tag SHG-Arbeit, größtenteils eben allein.

Was will denn eine SHG mehr als Menschen, die auch ihre eigenen Wege gehen können? Der letztliche Zweck eine SHG ist es ja, dass es den Menschen besser geht und nicht, dass die SHG zum Selbstzweck wird.

So weit, so gut ... Alles Gute, Micha.

PS: Im Übrigen, Mechthild, gibt es auch Frauen, die so denken wie "wir Männer" (Bezug auf deine Begrüßung "Hi Männer" ... obwohl ich weiß, dass du Djub und mich(a) damit meintest) :)

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 4. August 2008 11:48

Hallo Michael,

ja, ich meinte Dich und djub, sonst ist hier doch niemand, oder? :shock:
ich glaube nicht, dass ich zu idealistisch bin, vielleicht optimistisch, dass es Wege gibt, eine Gruppe am Laufen zu halten. Natürlich muss sich niemand länger als er/sie möchte an eine Gruppe binden. Das meinte ich auch mit "Durchlaufstation". Das war bei mir selber genauso: ich war vor über 10 Jahren bei einer Gruppe und hatte nach vielleicht einem Jahr den Eindruck, dass ich so nicht weitermachen wollte. Ich hab dann andere Möglichkeiten für mich gefunden, und immer auch andere Menschen gefunden, mit denen ich mich über Stottern austauschen konnte. Jetzt bin ich wieder in der Selbsthilfegruppe, mit anderen Bedürfnissen und persönlichen Zielen, aber eine Gruppe gibt es eben immer noch. Es war leicht für mich, wieder einzusteigen, weil es ein paar Menschen gegeben hat, die die Gruppe hier am Laufen gehalten haben.
Mir geht es hier in der Diskussion nicht darum, ob man zu einer Gruppe muss, und wenn, dann für immer und auf Krampf, auch wenn man schon längst nicht mehr möchte. Sondern ob und wie eine gute Gruppe aufgebaut werden kann, wie sich die Anstrengung für die Leute, die so eine Gruppe aufbauen und leiten, in Grenzen hält, wie alle Teilnehmer möglichst viel davon profitieren können.
Michael13 hat geschrieben:transformieren ihre Erfahrungen ihre Erfahrungen ins alltägliche Leben und machen jeden Tag SHG-Arbeit, größtenteils eben allein.
Dass sich die Arbeit ins alltägliche Leben auswirken sollte, das ist klar, oder? Gruppen-Erfahrungen kann man nicht alleine machen. Schwierigkeiten, die jemand in der SHG hat, wird er/sie in anderen Gruppen teilweise auch haben. Ich glaube, alle Gruppen sind den gleichen Kräften ausgesetzt, ob das nun Arbeits-Kollegen sind, Fachgremien, Bürgerinitiativen usw. usf. Konflikte gibt es überall. Ich find's schade, wenn unterschiedliche Sichtweisen in einem großen Eklat enden müssen oder sich Leute heimlich verkrümeln, statt zu sagen, was Ihnen nicht passt oder ob sie überhaupt noch Lust haben. Dosi hat das richtig gemacht, finde ich, indem sie die Dinge anspricht.

Grüße! Mechthild

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 4. August 2008 16:06

Hallo Mechthild,
Mechthild hat geschrieben:Hallo Michael, ja, ich meinte Dich und djub, sonst ist hier doch niemand, oder? :shock:
Ja, es gibt auch LeserInnen, Mechthild :) ... Ich weiß ja, wie du es meintest, nur ich ahne, was passiert, wenn ich einen Beitrag bspw. an dich und Dosi mit den Worten "Hi Frauen" beginnen würde :) ... doch kein Problem, war nur so ne Wahrnehmungssache ... wahrscheinlich irre ich mich ...

Idealistisch-realistisch-optimistisch-pessimistisch?
Zu diesem Thema fällt mir folgende Graphik wieder ein, die ich in diesem Artikel hier verwendete ...

Bild

Prinzipiell widersprechen sich unsere Ansichten ja nicht, Mechthild, sondern ergänzen sich ... Letztlich ist es ja das WIE, was den Ausschlag gibt. Der Ton macht die Musik, sozusagen. Und da haben wir beide keine Ahnung, wie Dosi das in ihrer SHG handhabt ... okay, zumindest ich habe das nicht.
Insofern ist es auch ihre Sache ... und sie wird da ihren Weg schon finden ...

Wichtig ist, dass man/frau/mensch Dinge locker nehmen lernt und darüber lachen kann ... denn ohne Humor macht auch die SHG-Arbeit keine Freu(n)de ...

In diesem Sinne, alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 4. August 2008 23:41

Hallo Michael,

ich fürchte, ich kann Dir nicht mehr folgen :D .
Macht nix.
Ich glaube, Form ist überschätzt, der Inhalt zählt.
Wie sind die Dinge denn wirklich (was ist real)? Ist nicht alles ein Abbild unserer begrenzten Wahrnehmung und Vorstellung...? :? *

Kennst Du das Konzept der kollegialen Beratung? So etwas kann eine Gruppe auch machen, wäre schön, wenn Dosi was für ihre Arbeit rausziehen konnte.

Grüße! Mechthild

*ich weiß, diese Fragen sind völlig Offtopic...

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 5. August 2008 14:33

Ihr Lieben!
Da diskutiert Ihr, daß die Tastatur qualmt und meine Gruppe sieht das Ganze sehr entspannt. Ich habe erst einen Fragebogen zurück bekommen. Das ist das gesamt Feedback auf meinen Brief und die Umfrage. Ich wollte sowieso an meiner Ungeduld ein wenig arbeiten und so sehe ich das als vorzügliche Übung an. Ich werde mich jetzt nämlich in Schweigen hüllen und am 5.September einfach abwarten, wer zum Gruppenabend kommt. Eigentlich müßte ich jetzt im August an die BVSS schreiben, um das Ropana-Seminar im April 2009 in die Seminar/Veranstaltungsbroschüre drucken zu lassen. Aber das werde ich nicht tun. Dann findet es eben nicht statt. Auch eine Form der Arbeitserleichterung. Die Krankenkassen werden jubeln, wenn ich das Fördergeld zurückzahle. Ich bin nicht wütend oder verzweifelt, denn ich kann auch prima so leben. Es gibt 1000 Dinge, die ich machen kann und Langeweile kenne ich nicht.
Ich halte Euch auf dem Laufenden, aber ich befürchte, daß es nichts mehr zu schreiben geben wird.
Dosi
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 6. August 2008 12:50

Hallo Mechthild, hallo Dosi, hallo "Mitlesende" :),
Mechthild hat geschrieben:Ich glaube, Form ist überschätzt, der Inhalt zählt.
Hmm, ich weiß, was du meinst ... als erstes zählt natürlich der Inhalt - keine Frage. Doch danach kommt "sofort" die Form, das was ich als "Wie" bezeichnet habe bzw. bezeichnet haben wollte. Ohne das richtige WIE (und das kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein), kann mensch das WAS nicht so anbringen, dass es auch fruchtet. Abgesehen davon, gibt es einfach auch Menschen, die einfach gar nicht wollen, dann nützt auch das WAS und das WIE nicht viel :) ...
Mechthild hat geschrieben:Wie sind die Dinge denn wirklich (was ist real)? Ist nicht alles ein Abbild unserer begrenzten Wahrnehmung und Vorstellung...? :?
Ganz deiner Meinung, Mechthild ...
Mechthild hat geschrieben:Kennst Du das Konzept der kollegialen Beratung?
Kannte ich noch nicht ... jetzt zumindest überblicksartig. Danke für den Tipp ...
Dosi hat geschrieben:Ich halte Euch auf dem Laufenden, aber ich befürchte, daß es nichts mehr zu schreiben geben wird.
Hmm, ich glaube nicht, dass es da etwas zu "befürchten" geben muss, Dosi ... wenn du die Dinge einfach so annehmen kannst, wie sie sind, dann passt das schon ... Letztlich geht es ja darum, dass du das Gefühl hast, alles dir mögliche getan zu haben ... und was nicht geworden ist, wird entweder später oder eben anders.
Wie gesagt, ich sehe Selbsthilfe in erster Linie als Weg sich selbst weiterzuentwickeln ... und das, was mensch dabei lernt, muss ja nicht unbedingt immer etwas mit dem Stottern an sich zu tun haben. Z.B. hast du deine organisatorische Schiene ausbauen können etc. und das hilft dir vielleicht auch im beruflichen Feld weiter usw. ... ich denke, da gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge, die dir die SHG-Arbeit gebracht hat ...

So weit, so gut ... Alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Jaspis » 6. August 2008 18:39

Dosi hat geschrieben:Eigentlich müßte ich jetzt im August an die BVSS schreiben, um das Ropana-Seminar im April 2009 in die Seminar/Veranstaltungsbroschüre drucken zu lassen. Aber das werde ich nicht tun. Dann findet es eben nicht statt.
Hallo Dosi,
war das Seminar denn nur für Eure Gruppe gedacht? Wohl eher nicht und vielleicht wäre es eine Möglichkeit neue Interessierte, auch aus Deiner Region, kennenzulernen? Oder meintest Du, Du willst das Seminar nicht allein organisieren und Hilfe ist nicht in Sicht? Dann wäre Dein Rückzug verständlich. Aber andererseits haben Ropana-Seminare ja einen guten Zulauf und es könnte eine Chance für Eure Ecke sein? Vielleicht können Dir auch Sem.-Interessierte außerhalb der SHG bei der Vorbereitung helfen?

Viel Glück, Karen

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 6. August 2008 21:55

Das Seminar war natürlich nicht nur für meine Gruppe gedacht. Ich hatte schon mal hier im Forum unverbindlich gefragt, wer von den Mitlesenden Interesse hätte. Da gab es keine einzige Antwort. Meine Leute aus der SHG haben auch keinen Bock, also lassen wir das. Warum soll ich etwas organisieren, woran nur ich Interesse habe. Da ist es für mich doch viel unkomplizierter nach Erlangen zu fahren.
Heute habe ich übrigens den zweiten Fragebogen zurück bekommen. Ich war erschüttert.

Manchmal kämpft man um eine Sache, die schon so gut wie begraben ist.
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