Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, Landesverbänden und Seminaren. Hier bitte keine Diskussion über BVSS-interne Themen
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dosi
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 6. Mai 2008 22:01

Da mein Computer momentan recht gut gelaunt ist und nicht dauernd abstürzt, will ich endlich einmal von der Buchlesung mit Dr. Benecken berichten.
Das Schlimmste an der ganzen Sache für mich war, daß ich zu Beginn ein paar kurze einleitende Worte sagen wollte, bevor Dr. Benecken loslegt. Tage davor habe ich mir schon den Kopf zerbrochen, was ich relativ flüssig sagen kann. Das waren drei Sätze, die "normale" Menschen ohne jede Vorbereitung aus dem Ärmel schütteln. Es ging trotz der ganzen Aufregung recht gut.
Ich kann wirklich nur empfehlen, wer die Möglichkeit dazu hat, mal an so einer Lesung teilzunehmen. Das war keineswegs so eine trockene Angelegenheit, wie man evtl. meinen könnte. Dr. Benecken hatte Filmausschnitte dabei, die die ganze Problematik sehr anschaulich darstellten. Ich fand es sehr gut und die Leute, mit denen ich danach gesprochen habe, auch.
Leider waren nur ca. 20 Leute da. Wenn ich bedenke, was ich für Werbung betrieben habe, war das eindeutig zu wenig. Dann war auch noch der größte Teil aus meinem Bekanntenkreis und die sind sowieso schon durch mich über das Stottern informiert. Die Unwissenden hätte ich mir mehr gewünscht.
Die Leute aus meiner Gruppe waren auch nicht vollständig da. Manche konnten echt nicht, aber bei einigen war ich einfach nur enttäuscht. Auch was die Vor-und Nachbereitung betraf, war ich ganz allein auf mich gestellt. Das will ich am Freitag zum nächsten Gruppenabend auch noch ansprechen. Einerseits wollen Alle, daß wir auf unsere Problematik aufmerksam machen, damit wir ganz normal behandelt werden. Doch sobald das mit etwas Mühe verbunden ist, finden sich keine Mitstreiter.
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 7. Mai 2008 18:19

Liebe Dosi, Danke für die Schilderung Eurer Lesung!
Ich wär gerne dabei gewesen, komme aber so schlecht nach Braunsbedra.

20 Zuhörer sind eher normal, beim Themenabend unserer SHG waren es wohl über 30, weil die Logopädinnen ihre Mitschülerinnen und Lehrlogopäden mitgebracht hatten. Die Resonanz war aber nicht nur auf den Besuch der Veranstaltung beschränkt. Wir hatten eine Meldung in der Zeitung, auf die ich von Bekannten angesprochen wurde, wir haben Kontakte geknüpft zu einigen Logopädinnen, erfahren mehr, wie es um die Therapien bestellt ist, die hier in der Gegend angeboten werden, bekommen vielleicht neue Teilnehmer für die SHG usw. – also alles in allem doch eine gute Werbung und auch Information über Stottern. Ich denke, das wird bei Eurer Veranstaltung ähnlich sein. Übrigens war der Psychologe, der über "Sprechangst" gesprochen hat, recht aufgeregt :biggrin, nein, er hat nicht gestottert, seine Stimme ist hochgegangen und er ist ein wenig rot geworden :wink:... lG Mechthild

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 11. Juni 2008 21:44

Ich habe jetzt gehört, daß manche Selbsthilfegruppen nicht kostenlos aufzusuchen sind. Angeblich z.B. München.
1. Ist das wahr?
2. Warum?
3. Ist das zulässig?

Ich persönlich finde das unmöglich. Aber vielleicht lasse ich mich durch gute Argumente von der Notwendigkeit überzeugen.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 14. Juni 2008 00:56

Hallo Dosi,

kurz zu der von dir organisierten Buchlesung ... das mit den 20 Leuten ist wohl schon okay, so aus meiner "Dresdner Sicht". Wir hatten bei unseren 3, 4 Informationsveranstaltungen am Welttag des Stotterns um die 10 Personen da (einmal 25) ... bei 500.000 Einwohnern in Dresden und rund 100.000 "drumherum". PR fürs Stottern zu machen ist genauso einfach bzw. schwierig wie für eine OB-Kandidatur :) ...

Alles in allem sehe ich es so: lieber Klasse statt Masse, d.h. lieber 20 Interessierte als 50 und davon 20 Nichtinteressierte, die vielleicht aus Sympathiezwecken o.ä. mitgehen.
dosi hat geschrieben:Ich habe jetzt gehört, daß manche Selbsthilfegruppen nicht kostenlos aufzusuchen sind. Angeblich z.B. München.
...
3. Ist das zulässig?
Ich glaube, die 3. Frage erübrigt sich, wenn es Leute zahlen. Wer eine kostenfreie Selbsthilfegruppe aufmachen möchte, der kann es ja tun.
Und vielleicht kann man dieses Mittel (Geld) auch mal testen, um zu sehen, wer wirklich Interesse an einer SHG hat oder wer einfach aus Gewohnheit, Mangel an Alternativen oder oder hingeht ... unmotivierte Mitglieder sind manchmal lähmender als gar keine SHG ... das sagt mir zumindest meine Erfahrung. Und als ich merkte, dass ich keine Motivation mehr aufbringen kann, bin ich der SHG auch fern geblieben. War auch sicher besser für alle Beteiligten :)

Alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 14. Juni 2008 22:46

Ich finde nicht, daß sich die dritte Frage erübrigt. Ich verbinde Selbsthilfe keinesfalls mit finanziellen Beiträgen und war regelrecht schockiert, als ich davon hörte. Einerseits kann man Fördergelder beantragen und dann sehe ich nicht, wozu die Mitgliedsbeiträge Verwendung finden könnten.
Stotternde Menschen, die sowieso mitunter tausend Hemmungen überwinden müssen, um eine SHG zu besuchen, werden durch solche Maßnahmen nicht gerade angelockt. An Beitragszahlungen dann wirkliches Interesse zu erkennen, finde ich total lächerlich. Nur wer Kirchensteuer zahlt, ist auch nicht automatisch ein guter Christ. Das sei mal nur ein Beispiel.
SELBSTHILFE verbinde ich in meiner wahrscheinlich allzu großen Naivität auch ein wenig mit SELBSTLOSER HILFE.
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 15. Juni 2008 02:37

Hallo liebe Dosi, liebe Mitlesenden & Schreibenden,
dosi hat geschrieben:Ich verbinde Selbsthilfe keinesfalls mit finanziellen Beiträgen ...
Ganz richtig schriebst du "Ich", Dosi ... es gibt jedoch auch andere Menschen, mit anderen Einstellungen, anderen Gründen etc.
Der Tellerrand mag hoch sein, doch er ist erreichbar :) ... entschuldige, die spitzen Worte, Dosi ... nimm es bitte sportlich :)
dosi hat geschrieben:Einerseits kann man Fördergelder beantragen und dann sehe ich nicht, wozu die Mitgliedsbeiträge Verwendung finden könnten.
Machen kann man viel, doch Fördergelder muss dann wieder meist eine/r eintreiben und der Rest nutzt sie dann ... warum also nicht z.B. alle 5 Euro im Monat zahlen lassen und davon z.B. mal einen Referenten das Fahrgeld bezahlen können. Auch Selbsthilfe kann kosten und ist nicht umsonst zu bekommen. Ich halte es mittlerweile schon mit der Vermutung, dass einige Menschen unbewusst denken, dass wenn etwas nichts kostet, es auch nichts wert ist ...
Und mal ehrlich, 5 Euro sind zwei Bier in einer Kneipe pro Monat weniger ... wenn's daran scheitern sollte, ist es mit dem Stottern auch nicht wirklich so schlimm :)
dosi hat geschrieben:Stotternde Menschen, die sowieso mitunter tausend Hemmungen überwinden müssen, um eine SHG zu besuchen, werden durch solche Maßnahmen nicht gerade angelockt.
Wie gesagt, dann sollen diese Leute eben eine eigene SHG aufmachen ... Wo ist das Problem?
Menschen kann man nicht zu ihrem Glück zwingen ... die Schritte dahin können sie nur selbst tun. Einmal abgesehen davon brauchen vielleicht viele gar keine SHG ... sie mag für einige ganz gut sein, für andere eben nicht. Und wer wirklich möchte, zahlt eben seine 5 Euro (oder 3 oder 10?) ... ich finde die Idee jedenfalls ganz sympathisch. Beim Logopäden zahlen die Hilfesuchenden doch auch ...
dosi hat geschrieben:An Beitragszahlungen dann wirkliches Interesse zu erkennen, finde ich total lächerlich.
Hab's verstanden, Dosi :)
dosi hat geschrieben:Nur wer Kirchensteuer zahlt, ist auch nicht automatisch ein guter Christ. Das sei mal nur ein Beispiel.
Kirchensteuer wird vom Staat erhoben und das nicht gerade auf freiwilliger Basis (Apropos, Trennung von Kirche und Staat). Und was hält Menschen davon ab, aus der Kirche auszutreten und trotzdem an Gott zu glauben? Vielleicht würden sie dadurch sogar eher den Sinn der Sache erleben können?
Ich drehe deinen Satz mal um: Wer keine Kirchensteuer zahlt, ist nicht automatisch ein schlechter Christ. Kirchen sind menschgemacht, Gott nicht (zumindest, wenn man an Gott glaubt :)) ...
Und gleiches gilt für eine SHG ... eine SHG mit Mitgliedsbeitrag kann genau so gut oder schlecht sein wie eine SHG ohne Beitrag.
dosi hat geschrieben:SELBSTHILFE verbinde ich in meiner wahrscheinlich allzu großen Naivität auch ein wenig mit SELBSTLOSER HILFE.
Das Problem ist nur, dass manche das Wort "selbstlos" so umdeuten, dass dann die anderen die "selbstlose Hilfe" auch gefälligst anerkennen sollten :) ... so selbstlos sind die vermeintlich Selbstlosen m.E. meist gar nicht. Sie unterdrücken meinen Erfahrungen nach meistens ihr Ego und das kommt dann woanders wieder raus ... welch Zufall? :)

So weit, so selbstlos :) ... Alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von ---***--- » 16. Juni 2008 18:57

Liebe Dosi,

noch ist das ein unbestätigtes Gerücht, oder? Dass man etwas bezahlen muss, wenn man zum SHG-Abend geht. Auf der Seite der Münchner Gruppe lese ich nichts von Kosten oder einem Unkostenbeitrag. Noch steht also Deine erste Frage im Raum: Ist das wahr?
Alles andere, warum?, ist das gut? schlecht? ergibt sich daraus.
(bei Gelegenheit werde ich Bekannte aus der SHG München befragen, falls niemand hier drauf antwortet).

lG Mechthild

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 19. Juli 2008 21:57

Ich habe die Nase voll. Gestern hatten wir wieder Gruppenabend(Schon dieses Wort ist ein Witz.) und wir saßen zu Zweit da. Das muß ich echt nicht haben. Dazu ist meine Zeit zu kostbar und ich muß noch bei der Dienstplangestaltung extra betteln,daß ich an dem bewußten Abend frei bekomme. Ich rufe 1-2 Tage vorher noch all meine Leute an, um an den Abend zu erinnern. Da bekomme ich evtl. sogar einige Zusagen und dann sind wir zwei Leute oder ich sitze allein da und vergammle meine Zeit. Warum tue ich mir das an?
Ich habe wirklich gedacht, wir könnten gemeinsam etwas bewegen. Doch das war wohl ein Irrtum. Ich organisiere und mache und die Leute zeigen keinerlei Initiative. Da kann ich mein Ding auch allein machen. Ich brauche die Gruppe nicht. Was ich für mein Sprechen tuen möchte, kann ich allein genauso gut. Ich traue mir ja gar nicht mehr irgendwelche Leute (z.B. Logopäden) einzuladen. Das ist doch voll peinlich, wenn dann Niemand kommt.
Ich werde jetzt an alle Mitglieder meiner Gruppe einen Brief schreiben. Sollen sie ehrlich sein und sagen ob sie noch Interesse am Fortbestand haben und inwieweit sie sich da mit einbringen möchten. Ich bin nicht mehr bereit alles allein zu organisieren. Wenn ich nur an die Buchlesung denke! Ich habe die ganze Werbung allein gemacht, den Saal eingeräumt und danach wieder aufgeräumt...
Einerseits wollen Alle, daß sie besser sprechen, daß sie von den Mitmenschen so akzeptiert werden wie sie sind - aber etwas wirklich dafür tun, Zeit opfern, Ideen einbringen, das ist dann wohl zu anstrengend!
Wütend bin ich, enttäuscht und traurig.
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Lämmchen » 22. Juli 2008 09:44

Liebe Doris,

du hast mein volles Verständnis.

Wenn sich jemand für eine Gruppe oder Verein anmeldet, dann ist das auch ein Stück weit verpflichtend.
Bei einem Verein, kann man auch nicht sagen: "Och heut komm ich dann mal wieder nicht, und wenn ich Lust habe komm ich und dann wieder irgendwann mal oder so"
Ich denke im Vornherein wurde unter allen besprochen, was es bedeutet in einer Selbsthilfegruppe zu sein.
Ich kann es verstehen, wenn jemand einmal hingeht um zu schauen, ob ihm oder ihr diese Art von Selbsthilfe liegt. Wenn die Person dann nicht mehr wieder kommt isses klar - dat war wohl nix.
Aber wenn jemand schon oft dabei war und nach einer gewissen Zeit sich einfach verdünnisiert ist das nicht nett. So geht man nicht mit Menschen um. Was ist eigentlich noch schlimmer finde ist, wenn die Personen am Telefon zusagen, dass sie kommen und dann wegbleiben, ohne sich wenigstens nochmal kurz vorher abzumelden.

Selbst wenn die Selbsthilfegruppe für die Personen nicht wichtig ist, dann frag ich mich, wo denn da die gute Erziehung geblieben ist!?!?
Das ist doch auch wohl ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich irgendwo abmeldet, wenn man nicht kann. Egal wo! Ausgenommen es kommt tatsächlich was Schwerwiegendes dazwischen. - Aber das ist in den seltensten Fällen gegeben.


Na ja liebe Doris -
lass bitte den Kopf nicht hängen -
du hast es ja auch gemerkt, dass du dir das nicht geben musst.
Und du hast meine vollste Bewunderung, dass du überhaupt den Mut hattest eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Es gibt nämlich viele die nur reden - aber wenige die auch tatsächlich etwas machen.

Grüßle Claudia

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 24. Juli 2008 23:41

Hallo Dosi,

kurz ein paar Gedanken zu deinen Beschreibungen der SHG ...
dosi hat geschrieben:... Da kann ich mein Ding auch allein machen. Ich brauche die Gruppe nicht. Was ich für mein Sprechen tuen möchte, kann ich allein genauso gut.

Nun, ich denke, man könnte es ja vielleicht auch als einen der (Haupt-)Zwecke der Erfahrung sehen. Vielleicht war es ja Teil der Erfahrung, dass du vieles auch allein tun kannst ... ohne andere dafür zu benötigen. Wie wäre es denn, wenn fünf, sechs Personen "aus Höflichkeit" gekommen wären und es wären lähmende Abende geworden. Dass Menschen zusagen und dann dennoch nicht kommen, ist zwar sicherlich ärgerlich, doch andererseits ist es ja auch ein klares Zeichen ...
Wenn du vieles allein organisiert hast, dann haben sich andere vielleicht auch einfach darauf verlassen, so à la "Die Dosi macht das schon ..." ... da muss nicht mal böser Wille dahinter stecken, sondern einfach nur die Macht der Gewohnheit ... So wie viele Frauen vielleicht heute noch den Haushalt alleine machen :) ... doch das hat sich ja zumindest vielerorts geändert ... meine Meinung.
dosi hat geschrieben:Wütend bin ich, enttäuscht und traurig.
Ist verständlich, Dosi ... doch vielleicht hilft es, auf das zurückzublicken, was es dir denn gebracht hat ... welche Fähigkeiten, welche Erfahrungen, welche Kontakte etc.? ... Beim Rückblick auf die gewinnbringenden, voranbringenden Dingen verblassen die Enttäuschungen mitunter recht schnell. Heißt ja auch nicht umsonst Ent-Täuschung :) ... also, wieder eine Täuschung weniger ...

In diesem Sinne, alles Gute ... ciao Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 25. Juli 2008 00:04

Dosi, mir fiel gerade noch etwas ein ...
In einem Fall wie deinem bzw. eurem, kannst du ja nun die mögliche "München-Variante" mal testen :)
Was würde denn passieren, wenn du den Mitgliedern statt einer "Kündigung" sagst bzw. schreibst, dass du auch weiterhin die Abende einmal im Monat (oder wie auch immer Euer Rhythmus ist) organisieren wirst, du jedoch aufgrund deiner Organisationstätigkeit und des finanziellen Aufwandes einen Unkostenbeitrag von X Euro erheben möchtest?

Vielleicht kannst du dann deinen Satz "An Beitragszahlungen dann wirkliches Interesse zu erkennen, finde ich total lächerlich." vom 14.06.2008 in der Praxis noch einmal testen :) ... Auf einen Versuch würde es doch ankommen, oder? Du hast doch nichts zu verlieren ...

Einmal abgesehen davon sollte man folgendes nicht vergessen ... es ist Juli, es gibt so etwas wie (Schul-)Ferien, also auch Urlaubsfahrten etc. und das sog. Sommerloch ... und im Sommer ist das Stottern den meisten sowieso nicht so wichtig ... Ausnahmen bestätigen die Regel, versteht sich.

So weit nochmals von mir, alles Gute, Micha.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von dosi » 25. Juli 2008 22:00

Die Geschichte mit dem Sommerloch kannst Du vergessen. Das geht schon eine ganze Weile so. Ich habe jetzt an Alle einen Brief und einen Fragebogen verschickt. Mal sehen was dabei raus kommt. Das mit den Beitragszahlungen zu machen widerstrebt mir total. Da kennst Du ja meine Einstellung.
Ich hatte gedacht, wir können in der Gruppe so richtig was bewegen. Unser Film lief in diese Richtung. Also in der Gemeinschaft an unseren Sprechen arbeiten, Probleme bewältigen und die Öffentlichkeit über Stottern informieren. Wenn wir das nicht machen, macht das niemand. Das ist doch eine Geschichte, die uns am Herzen liegen sollte. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir verkriechen uns weiterhin, heulen in einer stillen Ecke und lassen alles wie es ist. Oder wir gehen mit unseren Problemen an die Öffentlichkeit und versuchen zumindest etwas zu ändern. Wir wissen wie weh das tut, wenn man wegen dem Stottern ausgelacht und nachgemacht wird. Wollen wir denn weiterhin als die geistig minderbemittelten dastehen? Ich nicht!
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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Michael13 » 26. Juli 2008 00:46

Hallo Dosi,
dosi hat geschrieben:Ich habe jetzt an Alle einen Brief und einen Fragebogen verschickt. Mal sehen was dabei raus kommt.
Gute Idee, auch wenn ich die Formulierungen aus deinem Brief sowie den Inhalt des Fragebogens nicht kenne ... vielleicht auch eine gute Idee, die deine Erfahrungen hier im Forum festzuhalten, um anderen SHGs zu helfen.
dosi hat geschrieben:Das mit den Beitragszahlungen zu machen widerstrebt mir total. Da kennst Du ja meine Einstellung.
Ja, ich kenne deine momentane Einstellung. Einstellungen können sich auch verändern.
dosi hat geschrieben:Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir verkriechen uns weiterhin, heulen in einer stillen Ecke und lassen alles wie es ist. Oder wir gehen mit unseren Problemen an die Öffentlichkeit und versuchen zumindest etwas zu ändern. Wir wissen wie weh das tut, wenn man wegen dem Stottern ausgelacht und nachgemacht wird. Wollen wir denn weiterhin als die geistig minderbemittelten dastehen? Ich nicht!
Vielleicht ist einfach die Interessenlage innerhalb Eurer SHG eine andere als Deine bzw. sehen viele die Notwendigkeit für sich nicht. Fühlen sich die anderen denn "ausgelacht" oder "nachgemacht" oder als "geistig minderbemittelt angesehen"? Und wenn ja, stört es sie?
Wenn die Zielsetzungen aller offen auf dem Tisch liegen, ist die weitere Zukunft Eurer SHG vielleicht auch klarer zu erkennen.

Alles in allem denke ich jedoch, dass du ja für dich selbst soviel erreicht hast, dass du deine eigene Interessen auch anderweitig besser durchsetzen kannst. Wenn du dein Ding machst, dann werden dir andere auch folgen ... und wenn nicht, dann macht die SHG eben ohne dich weiter ... oder löst sich allmählich auf. Und man trifft sich einmal im Jahr zum "Ehemaligen-Treffen" ... ist doch auch was, oder? :)

Alles Gute & viel Glück, Micha.

PS: Des Weiteren empfehle ich auch gern diesen Artikel hier.

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von Jaspis » 27. Juli 2008 10:48

Hallo Dosi,
hattet Ihr Euch als Gruppe und/oder jede/r Einzelne konkrete Ziele über einen bestimmten Zeitraum gesetzt, die Ihr innerhalb Eurer Gruppenarbeit erreichen wolltet? Ich könnte mir auch vorstellen, daß einige von Euch vielleicht ihr persönliches Ziel schon erreicht sehen bzw. gar kein konkretes hatten und mit dem bisherigen Stand der Gruppenarbeit erst mal "zufrieden" sind, auch wenn sich objektiv betrachtet an ihrem Sprechen und Eurer Außenwirkung vielleicht nicht soviel gebessert hat (hat sich ja aber, denn Du hast ja schon von vielen beeindruckenden Aktionen berichtet wie Film, Buchlesung ...!).

Hast Du in dem Fragebogen auch Alternativen für eine weitere Zusammenarbeit angeboten? Wäre wirklich interessant und für Viele hilfreich zu erfahren, ob und wie es bei Euch weiter geht, denn das Thema "Aufbau einer SHG" ist ja auch gerade Topthema in der BVSS. Da sind Eure, wenn vielleicht auch negativen Erfahrungen, sicherlich hilfreich und zum anderen kannst Du aber evtl. auch gerade jetzt gute Tipps zum erfolgreichen Weitermachen bekommen?

Viele Grüße, Karen

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Re: Für und Wider einer Selbsthilfegruppe

Beitrag von djub » 28. Juli 2008 17:14

Hallo,

ich glaube ehrlich gesagt, dass die meisten ihre Ziele nicht erreicht haben und dennoch nicht kommen.
Ich habe es auch schon versucht. Ich habe Stotterer in Berlin angesprochen, denen es mit ihrem Stottern nicht gut geht, die sich ständig beklagen.
Aber positive Veränderungen wäre ja mit Arbeitsaufwand verbunden. Ich habe nur ein oder zwei Leute gesucht, die mit mir gemeinsam intensiv und regelmäßig am individuellen Sprechen arbeiten wollen - also keine Kneipenrunde, sondern eine "Arbeitsrunde".
In meiner Nähe müssten - moment.... 1%*3,5Mio - rein statistisch gesehen rund 35000 Stotterer wohnen, angesprochen habe ich ca. 25 und sogar in Online-Communities gezielt Leute angeschrieben, weil es mir wichtig war.
Gefunden hat sich bis heute kein einziger. Keine einzige Antwort. Beim persönlichen Ansprechen bekommt man erst Zustimmung und dann wird man sooft vertröstet, dass man lieber alles alleine macht.
Und bis heute beklagen sich besagte Leute über ihr Leben und ihr Stottern und besagte Online-Communities sind noch immer voll von "Mir geht's so schlecht und alle anderen sind so fies" - Threads.

Ich kann dir also leider keine Hoffnung machen, Dosi.

Mir ist das auch zu blöd. Ich habe mich damit abgefunden, dass die meisten Menschen nichts für ihr Glück tun wollen und will nicht länger meine Zeit verschwenden.
Ich arbeite lieber alleine, als mit Leuten, die man immer antreiben muss.
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

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