Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
AndreasStarke
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von AndreasStarke » 12. Januar 2017 13:46

julius hat geschrieben:Nebenbei bemerkt finde ich das ganze Video sehr gelungen, insbesondere im Gegensatz zu anderen Darstellungen zum Verständnis und zur Therapie des Stotterns, die einem so begegnen.
Wenn das Deine ehrliche Meinung ist, würde ich mich über einen Kommentar, auch einen nicht so zustimmenden, auf Youtube freuen. Ich war mir des letzten Abschnittes nicht so sicher, ob ich mich überzeugend genug ausgedrückt habe. Das Argument "Aus den falschen Gründen das Richtige tun" steht nämlich noch immer dagegen. Aber sicherer ist es natürlich schon, wenn man versucht aus den richtigen, den "guten Gründen" das Richtige zu tun.
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von julius » 13. Januar 2017 10:34

Hallo Andreas,

ja, das ist meine ehrliche Meinung. Ich habe das Video hier vor allem erwähnt, weil ich erstaunt war, zufällig fast zeitgleich, die Aussage "Wer heilt hat recht" und ihr Gegenteil von dir zu lesen/hören. Ich habe keine ganz klare Meinung, aber die einfache Aussage "Wer heilt hat recht" hat mich schon immer gestört (auch wenn auch ich sie im ersten Moment plausibel fand). Und ich weiß nicht, ob es wirklich erwiesenermaßen effektive Therapien/Methoden ohne vernünftige Grundlagen gibt (egal in welchem Bereich). Vielleicht gibt es sie, aber ich habe eher den Eindruck, dass der Satz genutzt wird, um aus einzelnen spektakulären Einzelfällen oder Kurzzeiterfolgen, den Schluss zu ziehen, dass die "Methode" allgemein funktioniere. Ich werde dein Video vermutlich noch einmal ansehen und denke dann gerne über einen qualifizierteren Kommentar nach.

Spektakuläre Kurzzeiterfolge sind ein Thema, dass mich sehr interessiert, und das glaube ich noch unzureichend verstanden ist. Ich habe so etwas selbst vor 25 Jahren, als Jugendlicher, in Amsterdam erlebt. Nach den 10 Tagen war habe ich im Prinzip flüssig gesprochen, und zwar ohne dabei ständig an die Technik zu denken, soweit ich mich erinnere. Dann wurde es langsam wieder schlechter, was sehr frustrierend und mit Schuldgefühlen verbunden war. Meine Versuche, auf mich gestellt, den Therapieerfolg wiederherzustellen, scheiterten, und als ich dann ein paar Monate später noch einmal in Amsterdam zur "Nachbehandlung" war, wurde ich vor der versammelten (neuen) Gruppe kritisiert, ich würde alles falsch machen und sei selber schuld. Das hat mir natürlich nicht weitergeholfen. Dennoch hatte die Therapie in Amsterdam letztlich einen positiven Einfluss auf mein Sprechen - es war vermutlich nur ein bisschen flüssiger als vorher, aber die kurzzeitige starke Verbesserung (in einer Phase, in der ich in den meisten Situationen kaum einen Satz am Stück sagen konnte) hat mir geholfen, aus der (teilweise selbstgewählten) Isolation herauszukommen.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese "wundersame" Wirkung nur auf ein einem Verfremdungseffekt basiert. Und frage mich immer wieder, ob dieser Therapieansatz zusammen mit einer vernünftigen Begleitung beim Transfer in den Alltag, nicht doch eine gute Idee ist. Allerdings glaube ich nicht, dass das Dogma des "100%ig stotterfreien Sprechens" hilfreich ist - im Gegenteil.

Vieleicht starte ich hierzu mal eine Diskussion hier (in einem separaten Thread), oder vielleicht gibt es auch schon eine...
Zuletzt geändert von julius am 13. Januar 2017 12:27, insgesamt 1-mal geändert.

PetraS
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von PetraS » 13. Januar 2017 12:03

Hallo Julius, hallo Andreas und wer sonst noch mitliest!
julius hat geschrieben: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese "wundersame" Wirkung nur auf ein einem Verfremdungseffekt basiert. Und frage mich immer wieder, ob dieser Therapieansatz zusammen mit einer vernünftigen Begleitung beim Transfer in den Alltag, nicht doch eine gute Idee ist. Allerdings glaube ich nicht, dass das Dogma des "100%ig stotterfreien Sprechens" hilfreich ist - im Gegenteil.

Vieleicht starte ich hierzu mal eine (separate) Diskussion hier, oder vielleicht gibt es auch schon eine.
Eine solche Diskussion würde auch mich und sicher viele andere interessieren, wir sollten das aber unter einem neuen Thread machen.

Ich verfolge die Debatte jetzt seit Anbeginn, hatte aber leider nicht die Zeit, ausführlich zu antworten.
Ehe Andreas in die Diskussion eingestiegen ist, hatte ich mir vieles durch den Kopf gehen lassen, was er schließlich niedergeschrieben hat und vermutlich viel eleganter, als es mir je gelungen wäre.

Daher finde ich es auch richtig und wünschenswert, wenn Therapeuten mitdiskutieren und damit gleichzeitig ja auch eine gewisse Angriffsfläche bieten - sie stellen sich einer Debatte, in der sie ihr Wissen auf den Prüfstand stellen oder eben bestätigt oder auch widerlegt werden können.

Was für mich eine seriöse Therapie ausmacht, ist ein glaubwürdiges theoretisches Konzept, das dahinter steht.
Es hat Jahrzehntelang auch in Deutschland Therapiekonzepte von Nicht-Stotterern gegeben, die von der falschen Voraussetzung ausgingen, ein Stotterer lebe mit denselben Voraussetzungen fürs Sprechen wir ein Nicht-Stotterer, er mache einfach nur etwas falsch.
Und wenn ich so etwas lese...
julius hat geschrieben: Zur Verdeutlichung die vollständigen (!) Erklärungen von Anna Deeter zu den Fragen "Was ist Stottern" und "Wie sieht die Therapie aus" in einer TV-Sendung zum Thema... genau: "Stuttering solved!"

Moderator: "What is stuttering?"
"Stuttering is a simple lack of ability to speak correctly."
"A completely healthy individual performs irrational actions and makes mistakes."
"His irrational actions are performed because of incorrect memory that he has in his memory."
"He believes that's how he's supposed to do it."

Moderator: "What do you do?"
"It is a psychophysiological training, basically a progamme of self-education, self-speech education. I am just there to guide the person to make changes in his own speech behavior. That's it."
(...)
"Our students just have to turn their natural speech (on)."
...dann sehe ich, es ist haarsträubender Blödsinn. Nehmen wir bereits den ersten Satz, der widerlegt werden kann durch die Tatsache, dass die meisten Stotternden im Selbstgespräch eben nicht ein "lack of ability to speak correctly" haben.
Oder - frei zitiert - nach Van Riper: "Ich brauche dir nicht beizubringen, flüssig zu sprechen, denn das kannst du bereits. Ich muss dir nur beibringen, besser zu stottern." (Wenn das echte Zitat sehr abweicht, lasse ich mich gerne korrigieren)

Diese Aussage ist für mich passend, denn hier spricht jemand AUS SELBSTERFAHRUNG! Natürlich hört sich so ein Satz als Werbung nicht schön an, weil das Produkt Stottertherapie sicher sehr viel besser (und teurer) zu verkaufen ist, wenn man mit einfachen Erklärungsmustern überzeugend rüberkommt.

Was mich nur immer wieder wundert, ist, dass Stotternde, die das Erleben des Stotterns kennen, sich von Erklärungen Nicht-Stotternder überzeugen lassen, sie würden "Fehler" machen.

Sicher sind viele Anteile an der eigenen Symptomatik bzw. der Stotter-Reaktionen langjährigen Prozessen von Gewöhnung geschuldet, die sich ungünstig auf das Kommunikationsverhalten auswirken. Aber selbst wenn, so sind es immer noch nur die Reaktionen des Individuums auf die Unfähigkeit, ein Wort einzuleiten oder einfach nur weiterzusprechen. Meistens verbunden mit einem wilden Gefühlschaos.

Genauso wehre ich mich gegen Personen in der Therapie-Szene, die einem Stotterer sagen: "so ein bisschen stottern tut doch jeder Mensch ab und zu" und damit offensichtlich eine Art Solidarität bekunden wollen, aber ganz etwas anderes meinen, als der Stotternde erlebt: nämlich eben nicht das Wort genau zu wissen, was man sagen will, sondern aufgrund eines Zögerns, einer Unschlüssigkeit stotter-ähnliche Symptome zu produzieren.

Ich bin daher wirklich gespannt, ob sich die Aussage: "wer heilt hat Recht" in diesem Falle bewahrheitet.
Gruß
Petra

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von AndreasStarke » 14. Januar 2017 18:32

Ich möchte dazu gleich mal um Entschuldigung bitten. Die Informationen (...) waren, aber das war natürlich nicht gleich erkennbar, an den Gladiator Steppl gerichtet. Wenn ich das richtig verstanden habe, will er sich ja schon am Montag, d.h. übermorgen, in das Abenteuer stürzen. Es wird ein Abenteuer, vergleichbar mit meinem Lotto-Spiel heute abend. Ich hoffe auch, den Jackpot von 23M Euro zu erwischen, aber ich lasse mir das auch nur 8,60 Euro kosten. Die Gewinnschancen schätze ich ähnlich ein. Beim Lotto betragen sie 1:140 Mio.

Aber jetzt etwas Ernsthaftes.
Die Vermutung, dass bei der Anwendung der Atemkontrolle nach Del Ferro noch etwas anderes wirkt, als der bekannte Verfremdungseffekt scheint mir so abwegig nicht. Das Andere kann man daran erkennen, dass nach dem DF-Kurs und Durchführung der empfohlenen Übungen bei einigen (wievielen kann ich nicht ansatzweise abschätzen) Teilnehmern ein Nachwirkungseffekt (carry-over effect) eintritt, der darin besteht, dass die Abschnitte des Sprechens in Zustand A (siehe mein Youtube-Interview "Heldentaten") viel länger werden und teils über Tage und sogar Wochen anhalten. Zustand A bedeutet: Der Proband spricht, ohne das Stottern auftritt und ohne, dass er etwas dafür (bzw. gegen das Stottern) tut. Das ist natürlich das ideale Ergebnis einer Stottertherapie, das im Übrigen in meiner Therapie VIERMALFÜNF auch sehr oft eintritt, leider nicht bei allen Patienten und so gut wie nie auf Dauer. Wir empfehlen dann immer den betreffenden Patienten, dieses "Kippen in die Flüssigkeit" nicht zu ernst zu nehmen. Es kann ja auch mit einem Hochgefühl, einer Euphorie, zusammenhängen.

Als ich im Jahre 1976, nach ein paar Wochen treuen Legato-Sprechens (ganz langsam) vom zweiten überregionalen Stotterertreffen (für mich das erste) in Bielefeld zurückkam, rief ich von der Autobahnraststätte meine Frau an und stotterte überhaupt nicht. Sie war sehr überrascht, weil sie mich zum ersten Mal überhaupt normal sprechen hörte. Sie sagte: "Andreas, hör mal, was ist denn los? Du stotterst ja gar nicht. Bleibt das jetzt für immer so?" Seit dem Beginn meines Legato-Sprechens war sie schon auf allerhand Verrücktheiten meinerseits gefasst, und war ganz verblüfft, dass die Rechnung jetzt aufzugehen schien. Ich antwortete: "Weiß ich auch nicht. Wär ja schön!" Ich war tatsächlich ziemlich euphorisch. Ich hatte bei dem Treffen viel gesprochen (immer in Legato) und war von der positiven Gesamtstimmung des Treffens angetörnt.

Ich glaube übrigens, dass sehr viele Methoden der Stottertherapie solche Nachwirkungseffekte produzieren. Ich habe mir dazu auch schon ein Experiment ausgedacht, dass einmal ein/e Bachelor- oder Masterstudent/in für eine Abschlussthesis durchführen könnte. Sie/Er könnte damit wirklich berühmt werden. [Wer dies liest und Interesse hat, möge mir schreiben.] Eine meiner Patientinnen, eine Opernsängerin, hatte vor der Therapie bei mir eine Therapie nach der Tomatis-Methode gemacht. Tomatis ist ein frz. Mediziner, der eine Art Gehörtraining entwickelt hat, das er für allerhand Probleme einsetzt, u.a. gegen Stottern. Auch sie berichtete, dass sie mehrere Wochen nach dem Training nicht gestottert hat. Nach einer Wiederholung/Auffrischung trat der Effekt aber nicht wieder ein. Man sieht, dass nicht nur Übungen, die die Sprechbewegung verändern, dazu würde ich DF auch zählen, diesen Nachwirkungseffekt auslösen, sondern auch andere Konstellationen, die noch schwieriger zu interpretieren sind.

Noch ein Wort zu "Wer heilt hat Recht". Ich finde, das Argument ist unschlagbar. Es kommt nicht darauf an, ob man einen Heilvorgang erklären kann. Dass er funktioniert, reicht schon. Aber daran hapert es halt meistens. Noch eine Anekdote dazu: Ich habe mal in einer Stitzungspause vor dem Landgericht in Paderborn mit dem Vater Greifenhofer gesprochen. Das Verfahren ging gegen seinen Sohn Roman wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde. Wir kamen auf Alfons zu sprechen, einem Pat. seines Sohnes, den der kurz vorher im Fernsehen präsentiert hatte. Ich sagte: "Aber der Alfons, den Roman im Fernsehen vorgeführt hat, ist doch nicht vom Stottern geheilt, oder?" Da lachte der Vater nur und sagte: "Der Alfons? Meine Güte, Sie können sich nicht vorstellen, wie der vorher gesprochen hat!" Das ist die Krux mit den "Heilern". Sie berichten von Heilungen, meinen aber "deutliche Verbesserung", "klare Steigerung der Lebensqualität" oder "Lösung des Stotterproblems". Aber, das mag der Leser glauben, können wir schon lange, leider nicht bei allen Pat. in derselben Stärke. Die Greifenhofers haben ein Verfahren entwickelt, dass die Pat. davon überzeugen soll, dass sie normal sprechen können. Das ist die Kernidee seiner Therapie: Wenn sie das glauben (O-Ton Greifenhofer: "Und ich kann's ihnen beweisen!"), dann stottern sie nicht mehr. Die Sache sei also sehr einfach.
Zuletzt geändert von PetraS am 3. Februar 2017 20:20, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von AndreasStarke » 15. Januar 2017 15:56

Liebe Petra:

Deine Version des VR-Zitats ist schon ganz gut. Ich glaube auch, dass es verschiedene Versionen gibt. Eine habe ich in meinem Vorwort zu "Die Behandlung des Stotterns" genannt: "Der Stotterer braucht nicht zu lernen, wie man flüssig spricht. Das tut er bereits die meiste Zeit. Was er wirklich wissen muss, ist, wie er mit seinem Stottern fertig wird." Wo das genau im Buch steht, weiß ich allerdings nicht (mehr). Etwas länger schreibt VR das auf Seite 6: "Wir glauben, dass der Stotterer nicht zu lernen braucht, ohne Stottern zu sprechen. Das kann er bereits. Er spricht die meiste Zeit normal. Einen großen Teil seiner Wörter spricht er frei. ... Muss er lernen, wie man normal spricht, oder muss er lernen, wie man stottert? [Gemeint ist: wie man besser stottert.] Unserer Meinung besteht das Hauptproblem darin, eine bessere Art und Weise zu lernen, mit dem Stottern fertig zu werden, wenn es aufzutreten droht oder auftritt."

Was mir an Deiner Version nicht gefällt, ist das Wort "nur". Es konnte so verstanden werden, dass es eine leichte Aufgabe sei, die "bessere Art des Stotterns" zu lernen. Das ist sie nicht. Sie ist eher kompliziert und langwierig. Wenn sie es nicht wäre, könnten wir ja in unserer Therapie direkt am Anfang, den Pullout erklären und demonstrieren und den Patienten aufgeben, alles Stottern so abzuwickeln. Tatsächlich befassen wir uns je einen ganzen Therapieabschnitt mit der sog. Identifikation (Gewinnung von Erkenntnissen über Stottern im Allgemeinen, über das eigene Stottern und über die Vorgänge beim normal-flüssigen Sprechen), mit der sog. Desensibilisierung (Übungen in Gelassenheit, nicht, um weniger zu stottern, sondern vor allem beim Stottern) und mit der sog. Nachbesserung (schwierige Reaktion auf ein gestotteres Wort mit guter desensibilisierender Wirkung als Vorbereitung auf den Pullout, die von uns so genannte optimale Reaktion auf erwartetes oder eingetretenes Stottern) und schließlich erst im vierten Abschnitt, kurz vor dem Ende der Therapie, benutzen wir den Pullout selbst. Die meisten Patienten sprechen dann allerdings so flüssig, dass sie ihn nicht mehr brauchen.

Das nur zur Erklärung, warum mir das Wort "nur" in Deiner Version nicht gefällt. Mit Werbung hat das natürlich nichts zu tun. ;-)

Gruß
Andreas
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von Steppl89 » 15. Januar 2017 20:26

Alter....
könnt ihr bitte euren Offtopic und eure Vermutungen aus Halbwissen in einem anderen Threat klären...Ich hab es mir zumindestens nicht durchgelesen und andere Leser werden durch euer Halbwissen ggf. abgeschreckt...

hier meine erste Erfahrung:

Zunächst muss ich sagen, dass ich bisher bei keiner anderen Therapie so schnelle Erfolge erzielt habe. Ich kann aktuell sagen, dass ich in 98% der Situationen flüssig bin. Stottern mache ich nur noch bei „langen Worten“ und bei Nicht-100%er-Fokussierung. Gestern war ich zum Beispiel 3h mit 8 Freunden frühstücken und hatte bei einem sehr hohen Redeanteil 2 kurze Hänger. (ob 1on1 oder vor allen 8) Abends habe ich erneut einen Freund getroffen (wieder 3h) und hatte hier auch 2 kurze Hänger (trotz Wein - dafür wurde ich von Mrs. Deeter schon gerügt :) ). Dazu habe ich ca. 5h mit verschiedenen Leuten telefononiert und da hatte ich insgesamt 1 Hänger...

Mein Sprechen würde Ich mit dem eines Nachrichtensprechers vergleichen. Flüssig, ohne eine komische Atemsprechtechnik, aber ohne große Emotionen.

Kurze Erläuterung:

Anna Deener verfolgt den Ansatz, dass das Sprechen ansich von 2 Faktoren abhängt. Unserem Sprechorgan und unseren Gedanken. Stottern tritt auf, weil unsere Stimme nicht mit unseren Gedanken im Einklang ist. Das heisst, dass unsere Gedanken unsere Stimme nicht mit den nötigen Informationen versorgt.
Um richtig sprechen zu wollen, müssen wir das Wort nur klar und deutlich in unseren Gedanken haben und so wird unser Sprechorgan mit den richtigen Informationen versorgt. So sind wir in der Lage richtig zu sprechen.

Ich muss am Tag nun 9h „trainieren“ (reden , die Aussprache von Wörtern aus dem Duden lernen usw.). Ich bin aufjedenfall mal gespannt wie sich mein Reden weiter entwickelt und bin froh nicht auf irgendwelche Internethelden gehört zu haben ;)

Viele Grüße

Ich habe vor den Threat über meine Fortschritte weiter aktuell zu halten und bitte den Moderator Dikussionen aus Halbwissen oder Erfahrungen aus anderen Therapien bitte zu entfernen...
Zuletzt geändert von Steppl89 am 15. Januar 2017 20:44, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von PetraS » 15. Januar 2017 20:31

Lieber Steppl,
wir freuen uns über deine ersten Erfolge und sind wirklich gespannt, wie es weitergeht.
Ja, die Debatte ist ein bisschen abgedriftet, wobei sie sich stets um die Kernfrage "welche Theorie steht hinter dem Stottern, wie wird darauf eine Therapie bzw. ein Therapieerfolg aufgebaut, bestand.

Wir freuen uns, von nun an in diesem Thread von deiner Geschichte zu hören und drücken dir die Daumen.
Petra

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von Märchenzähler » 15. Januar 2017 21:01

Editiert von der Moderation
Zuletzt geändert von PetraS am 16. Januar 2017 12:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von Steppl89 » 16. Januar 2017 15:33

Da muss ich meinem Vorredner zustimmen...
Ich habe vl das falsche Forum gewählt, um meinen Erfahrungsbericht darzulegen
Andere Menschen als „Betrüger“ darzustellen ist übrigens nach §186 StGB eine Straftat.

Viel Spaß

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von paul.dest » 16. Januar 2017 19:06

Ich war auf den Erfahrungsbericht gespannt, aber da hat mal wieder die wunderbar willkürliche Moderation in diesem Forum zugeschlagen. Und natürlich folgendes Benehmen, welches ich schon kommentiert hatte, was aber von der Moderation gelöscht worden ist:
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AndreasStarke hat geschrieben:Ich möchte dazu glaich mal um Entschuldigung bitten. Die Informationen (...) waren, aber das war natürlich nicht gleich erkennbar, an den Gladiator Steppl gerichtet. Wenn ich das richtig verstanden habe, will er sich ja schon am Montag, d.h. übermorgen, in das Abenteuer stürzen. Es wird ein Abenteuer, vergleichbar mit meinem Lotto-Spiel heute abend. Ich hoffe auch, den Jackpot von 23M Euro zu erwischen, aber ich lasse mir das auch nur 8,60 Euro kosten. Die Gewinnschancen schätze ich ähnlich ein. Beim Lotto betragen sie 1:140 Mio.
Na, eines kann der Andreas exzellent: überheblich sein. Und zwar gleich in zweifacher Ausführung, das muss man erstmal schaffen: sich ein Mal mit voller Absicht über die zitierten Nutzungsbedingungen dieses Forums zu heben, und dann gleich ein weiteres Mal über die persönlichen Therapie-Entscheidungen anderer Personen, denen er zugleich sein eigenes Therapie-Angebot unter die Nase reibt.

Und die Moderation: ach ja, die Nutzungsbedingungen sind für alle gleich. Aber der Andreas, der ist halt viel gleicher als alle anderen.
---------------------------
Steppl89 hat geschrieben:Andere Menschen als „Betrüger“ darzustellen ist übrigens nach §186 StGB eine Straftat.
Nicht wenn diese anderen Menschen (nachweislich) Betrüger sind. Zu Anna Deeter kann ich nichts sagen, aber ich habe im russischsprachigen Internet zu Roman Snezhko (Роман Снежко) recherchiert - dem Autor der Methode. Der Mann hat ganz stark mit Betrüger-Vorwürfen verschiedenster Art zu kämpfen. Angefangen von der von Julius schon genau auseinander genommenen "Garantie", über den Umstand, dass man die Zahlung angeblich unbedingt mit der Kategorie "nicht erstattbare Spende" anweisen soll (ist spezifisch für das russische Zahlungssystem, nicht mit dem Verwendungszweck in unserem Zahlungssystem zu verwechseln), bis zur der Behauptung, er habe gar keinen akademischen Titel, obwohl er einen öffentlichkeitswirksam führe.

Die schriftlich vollständigste Darstellung seiner Methode (von ihm selbst) - ich würde die Darstellung eher als Mischmasch aus Religion, Philosophie und Sprechtheorie bezeichnen - ist hier zu finden: http://metodikasnezhko.narod.ru/ Wenn man sich die YouTube-Videos mit ihm anschaut, merkt man sofort, dass er sich als Guru inszeniert. So liest sich auch die Darstellung. Zeit, sie zu übersetzen oder wiederzugeben, habe ich leider nicht.

Viele Grüße,
Paul
http://stottern-verstehen.de

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von Jaspis » 22. Januar 2017 10:03

Das war nur Werbung, da kommt eh kein Erfahrungsbericht -- sagt mir mein Bauchgefühl.

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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von AndreasStarke » 28. Januar 2017 14:55

Steppl89 hat geschrieben: Zunächst muss ich sagen, dass ich bisher bei keiner anderen Therapie so schnelle Erfolge erzielt habe. Ich kann aktuell sagen, dass ich in 98% der Situationen flüssig bin. Stottern mache ich nur noch bei „langen Worten“ und bei Nicht-100%er-Fokussierung.
Lieber Steppl89:

Vielen Dank für Deinen Bericht. Ich entnehme diesem Absatz, dass die Häufigkeit des Stotterns (genau genommen: der Stotterereignisse) dramatisch abgenommen hat. Zwei Bedingungen scheint es zu geben, lange Wörter scheinen mehr Stottern auszulösen und eine 100%-ige Fokussierung ist für den Effekt erforderlich. Mit dem zweiten möchte ich mich in meiner Stellungnahme beschäftigen. Ich nehme an, wenn es nicht so ist, kannst Du mich gerne korrigieren, dass diese 100%-ige Fokussierung zwei Dimensionen hat: (1) es muss ein exakter inhaltlicher Plan (welche Wörter sollen gesprochen werden?) vorliegen und (2) die Sprechbewegung muss mental genau mitverfolgt werden. Beides zusammen hat den bei Dir eingetretenen Effekt, das weiß ich schon seit langem. Ich bin auch davon überzeugt, dass es der Sprechflüssigkeit eines Stotterers gut tut, wenn es ihm gelingt, lange ohne Stottern zu sprechen (das spreche ich in meinem Youtube-Interview unter der Überschrift "Autokorrelation des Stotterns" an). Das gilt allerdings nur unter der Bedingung, dass er das Nicht-Stottern nicht durch eine Technik erreicht, die abnorme Elemente der Sprechbewegung enthält. Dessen macht sich AD nicht schuldig. Weder (1) noch (2) wird dazu führen, dass Du Dir eine Sprechweise angewöhnst, die in irgendeiner Hinsicht abnorm ist.

Die Frage, die natürlich sofort auftaucht ist, warum ich in meiner Therapie diese 100%-ige Fokussierung nicht von meinen Pat. verlange oder erwarte, obwohl ich davon überzeugt bin, dass die dramatische Verminderung der Stotterereignisse / dramatische Verbesserung der Sprechflüssigkeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Das liegt natürlich daran, dass ich, auch anhand meiner eigenen Stottergeschichte (starkes Stottern bis zu meinem 32. Lj., eine ca. 10-jährige Übergangszeit und eine immer bessere Sprechflüssigkeit seit ca. weiteren 30 Jahren), mir nicht vorstellen kann, dass jemand so lange durchhält, wie es für eine weitgehende Automatisierung erforderlich wäre. Eine Lösung des Stotterproblem durch eine langfristige Festlegung für die von Dir angesprochene 100%-ige Fokussierung scheint mir unrealistisch, nicht, weil meine Pat. zu schwach sind, sondern weil sie Menschen sind. Wenn mir ein Pat. vor der Therapie erklärt, dass er bereit ist, über einen längeren Zeitraum immer nur 100%-ig fokussiert zu sprechen oder mindestens bei jedem Stotterereignis sofort und für den ganzen restlichen Tag auf 100%-ige Fokussierung umzuschalten, und das für den Rest seines Lebens, kann ich ihm eines von zwei Ergebnissen garantieren: Er wird entweder ein nicht-stotternder Sprecher, auch ohne 100%-ige Fokussierung, oder er gibt auf.

Die Versprechung der Van-Riper-Therapie, dass nämlich die Fertigkeit, besser zu stottern, langfristig dazu führt, dass das von mir so genannte Nebenergebnis des normal-flüssigen Sprechens eintritt, scheint mir ebenso attraktiv und vor allem auch von normalen Menschen erreichbar.

Es tut mir übrigens leid, dass ich durch meine Meinungsäußerung zur Methode der AD, darin enthaltene positive Aussagen zu meiner Therapie und die nachfolgenden Kabbeleien "Deinen" Thread okkupiert habe. Ich wünsche mir sehr, dass Du Deine Berichterstattung fortsetzt. Du bist sozusagen eine Rarität: Ein wirklicher Mensch, der den hohen Preis der AD-Therapie bezahlt hat, und einen realistischen und glaubwürdigen Bericht abgeben kann, wozu diese geführt hat. Bei derartigen Berichten, insbesondere dann, wenn sie positiv sind, wird meist sofort der Verdacht geäußert, dass da jemand bestellt und möglichweise sogar bezahlt Werbung macht. Den Verdacht habe ich bei Dir nicht. Mach also bitte weiter.

Ich wünsche Dir jedenfalls auf dem steinigen Weg zur Sprechflüssigkeit einen guten Erfolg!
Andreas Starke
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PetraS
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Re: Erfahrungsbericht - Anna Deeter - Etalon

Beitrag von PetraS » 19. Juni 2017 14:23

Hallo Leute,
mir hat die Sache mit Anna Deeter keine Ruhe gelassen, insbesondere weil sich der Steppl, nachdem er von kompetenter Seite gewarnt worden war, aus der Debatte zurückgezogen hat.

Daher möchte ich einige Infos posten, die ich aus anderen Quellen recherchiert habe.
Nachdem ich in der englisch-sprachigen Stuttering Community und unter Stuttering Hangout (Facebook-Gruppen) die Frage nach Anna Deeter gestellt hatte, habe ich zahlreiche Infos bekommen.
Die Antworten waren nicht unmittelbar zu meiner Frage, sondern stammen auf den freundlichen Verweis eines Users hin von einer bestehende Debatte, aus der ich die Infos entnommen habe.

Die Wichtigste davon war der Erfahrungsbericht von N.T., einer jungen US-Amerikanerin, die ich untenstehend wörtlich wiedergebe und zu übersetzen versuche. Leider ist der Bericht sehr kurz wie die meisten Kommentare bei Facebook, weshalb dieses Medium nicht sehr befriedigend ist. Dennoch möchte ich es nicht vorenthalten.
I did the program and can attest... don't do it! You may have temporary positive results but nothing lasting. Some of the others who payed & took it didn't even have temporary positive results. She is very believable & persuasive but don't do it.
I did it 5 years ago and was one of her first clients. She influenced me & my parents, we really believed her (but this was when I didn't know as much about stuttering as I do now). When I did it, there wasn't much to the program. She translated what Roman would say, and basically it was trying to reframe my mindset for 3 days (all day). No techniques involved but she did have me practice saying words from a dictionary etc. I can be very fluent in some situations & dysfluent in others (very variable), so I believe that's why it had a temporary fluency effect on me. She has tried reaching out to me and says that she has improved her program (so there might be more to it now). Either way, it's definitely not worth the false hope & money.
Versuch einer Übersetzung:
Ich habe das Programm gemacht und kann attestieren... lass es sein! Du hast vielleicht vorübergehende positive Ergebnisse, aber nichts dauerhaftes. Einige der anderen, die zahlten und mitmachten, haben nicht einmal vorübergehend positive Ergebnisse. Sie wirkt sehr glaubwürdig und überzeugend, aber lass es sein. (Auf eine Zwischenfrage:)
Ich habe es vor 5 Jahren gemacht und war eine ihrer ersten Klientinnen. Sie hat mich und meine Eltern beeinflusst, wir haben ihr wirklich geglaubt (aber das war, als ich noch nicht so viel über Stottern wusste, wie ich es jetzt tue). Als ich dort mitmachte, gab es nicht viel über das Programm. Sie übersetzte, was Roman sagen würde, und im Grunde versuchte man innerhalb von 3 Tagen (den ganzen Tag über) meiner Einstellung einen neuen Rahmen zu geben. Keine Techniken waren dabei, sondern sie ließ mich Wörter aus einem Wörterbuch aufsagen üben. Ich kann sehr flüssig sein in einigen Situationen und unflüssig in anderen (sehr unterschiedlich), daher glaube ich, dass es deshalb einen vorübergehenden Verflüssigungseffekt auf mich hatte. Sie hat versucht, mich (noch einmal) zu kontaktieren und sagt, dass sie ihr Programm verbessert habe (also könnte es jetzt noch mehr geben). So oder so, es ist definitiv nicht die falsche Hoffnung und das Geld wert.
Auf Interventionen durch andere Kommentatoren führte sie noch aus:
It was so long ago and I didn't sign a disclosure. I know she is very worried about her participants talking to others about it though, which I think is very sketchy in itself.
Versuch einer Übersetzung:
Es ist so lange her und ich habe kein Enthüllung(-sverbot) unterschrieben. Ich weiß, dass sie sehr besorgt ist, wenn ihre Teilnehmer mit anderen darüber reden, was ich für sehr fragwürdig halte.
Angesprochen darauf, dass es ein Youtube-Video über sie geben würde, antwortet sie:
yes I know. It had a temporary fluency effect on me as you can see, others may have found lasting fluency through it but I would be surprised.
Versuch einer Übersetzung:
Ja ich weiß. Es hatte bei mir einen vorübergehenden Flüssigkeitseffekt, wie du siehst, andere mögen dadurch dauerhaft flüssig geworden sein, aber das würde mich überraschen.
Hier ein Youtube-Video, das einer der Mitdiskutierenden als Warnung vor Anna Deeter gemacht hat.

Bitte entschuldigt die Übersetzungsqualität, wenn etwas falsch ist, bitte korrigieren.
Gruß
Petra

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