Schweigephase als Teil einer Therapie?

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Antworten
Benutzeravatar
PetraS
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 1056
Registriert: 9. November 2013 19:45
Ort: Wesseling (Nähe Köln)
BVSS-Mitglied: ja

Schweigephase als Teil einer Therapie?

Beitrag von PetraS » 29. Juni 2017 12:26

Hallo,
ich habe mal eine Frage an Leute mit Therapieerfahrung.

Ich habe gehört, dass es zumindest früher Therapieeinrichtungen gab, bei denen eine Schweigephase am Anfang einer Therapie eingelegt wurde.
Gibt es unter euch Leute, die so etwas selber noch erlebt haben und sagen können,
  • mit welcher Begründung so etwas damals gemacht wurde?
  • mit welcher Begründung so etwas heute nicht mehr gemacht wird (oder wird es das noch irgendwo?)
  • ob ihnen diese Phase nachhaltig etwas gebracht hat?
Ich würde mich über ehrliche Antworten freuen.
Petra

Robert N
neu
neu
Beiträge: 2
Registriert: 31. Dezember 2016 16:47
BVSS-Mitglied: nein

Re: Schweigephase als Teil einer Therapie?

Beitrag von Robert N » 2. August 2017 22:12

Hallo Petra,
ich habe so etwas mitgemacht. Als in der DDR aufgewachsender Stotterer gab es die Möglichkeit, als Kind an einer Stottertherapie in Thalheim (Sachsen) teilzunehmen. Ob es auch Erwachsenen-Therapien gab, weiß ich gar nicht. Jedenfalls bin ich in eine Sprachheilschule in Berlin gegangen, und nach der dritten Klasse konnten einige oder alle Schüler an dieser dreimonatigen Therapie teilnehmen. Die Eltern durften in dieser Zeit nur ein Mal zu Besuch kommen.
Der erste Teil der Therapie bestand aus vollständigem Schweigen, für etwa vier Wochen, soweit ich das jetzt noch weiß. Wir sollten auch sehr viel Schlafen und haben da auch so einige kleine Pillen bekommen (vermutlich Schlaftabletten?). Nach dieser Schweigezeit würde dann wieder langsam angefangen zu sprechen, quasi das Sprechen "neu erlernt". Ich habe keine negativen Erinnerungen an diese Zeit und die Therapeuten und Erzieher waren auch alle liebevoll und hatten immer ein offenes Ohr für uns. Alles in allem habe ich kein Trauma, aber es war doch eine sehr "intensive" Therapie. Das mit den Schlaftabletten kommt mir heutzutage natürlich schon ganz schön abgefahren vor, aber als Kind macht man sich darüber natürlich keinen Kopf.
Ziel war nach der Therapie, dass die Kinder wieder in ganz normale Schulen gingen. Das mit der Nachsorge war auch noch kein wirkliches Thema... Naja, und wie sollte es anders sein, natürlich kam das Stottern nach einiger Zeit bei mir wieder. Es gab aber wohl auch Kinder, bei denen es dauerhaft verschwand und im Kindesalter ist das ja auch nicht ungewöhnlich.
Ich hoffe das hilft dir weiter! Viele Grüße, Robert

Carposept
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 12
Registriert: 20. Juni 2017 21:47
PLZ: 28870
Ort: Ottersberg
Land: Deutschland
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Schweigephase als Teil einer Therapie?

Beitrag von Carposept » 7. August 2017 15:52

PetraS hat geschrieben:
29. Juni 2017 12:26
Hallo,
ich habe mal eine Frage an Leute mit Therapieerfahrung.

Ich habe gehört, dass es zumindest früher Therapieeinrichtungen gab, bei denen eine Schweigephase am Anfang einer Therapie eingelegt wurde.
Gibt es unter euch Leute, die so etwas selber noch erlebt haben und sagen können,
  • mit welcher Begründung so etwas damals gemacht wurde?
  • mit welcher Begründung so etwas heute nicht mehr gemacht wird (oder wird es das noch irgendwo?)
  • ob ihnen diese Phase nachhaltig etwas gebracht hat?
Ich würde mich über ehrliche Antworten freuen.
Petra
Persönlich habe ich nicht, aber ich hörte, dass es oft der Fall ist.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast