Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

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Marco.WS
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Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 20. Januar 2010 23:02

Ich mache mal einen neuen Thread auf, weil der folgende Aspekt, den Mechthild angesprochen hat, weit über das Thema DELPHIN-Therapie hinausgeht:
Mechthild hat geschrieben:"Viele erwachsene Stotternde berichten von Drill-Therapien in ihrer Kindheit. Einige berichten, dass nach diesen Therapien das Vertrauen, das sie in ihre Eltern hatten, nachhaltig zerstört war. Darüber würde ich mir Gedanken machen, wenn mein Kind stottert.
Diese Aussage hat mich sehr berührt, weil sie mich stark an meine eigene Kindheit errinert. Ich glaube zwar, dass Eltern stotternder Kinder (wie die meisten Eltern) zunächst nur das Beste für ihre Kinder wollen, häufig aber mit der Situation überfordert sind - und gerade über Medien auch extrem einseitig oder sogar falsch informiert werden. Dann kann es tatsächlich dazu kommen, dass die Kinder mehr unter dem Erwartungsdruck der eigenen Eltern leiden als unter ihren Stottern. Auch bei mir war es weniger das Stottern selbst, dass mir die Kindheit vermiest hat, sonder der Erwartungsdruck der Erwachsenen, der aus heutiger Sicht völig unrealistisch war.

Das Schlimmste war der Aufenthalt in einem Sprachheilinternat, in dem ich ein ganzes Jahr lang leben musste. Ich wollte nicht in dieses Heim, aber als Kind wirst du nicht gefragt, da werden die Entscheidungen einfach über deinen Kopf hinweg getroffen. Die erzwungene Trennung von zu Hause, das brutale Herausgerissenwerden aus der vertrauten Umgebung, die Trennung von der Familie, der Verzicht auf Liebe und Geborgenheit - all diese Dinge habe ich als wesentlich traumatischer erlebt als das Stottern.

Ich frage mich: Warum tut man Kindern so etwas an? Das Stottern ist doch schon schlimm genug, warum muss man ein stotterndes Kind (dass es ohnehin nicht einfach hat) mit der zusätzlichen Trennung von zu Hause auch noch doppelt bestrafen? Mein Stottern hat sich durch den Augenthalt im Spracheilzentrum nur kurzfrsitig verbessert. Der Rückfall ließ nicht lange auf sich warten und nach spätestens einem Jahr war das Stottern schlimmer als jemals zuvor.

Die Erwachsenen mögen es vielleicht gut mit mir gemeint haben, aber bei mir hat die stationäre Therapie (die mir eigentlich helfen sollte) erst recht für das Gefühl einer verlorenen Kindheit hinterlassen. Hinzu kommt, dass ich damals im Sprachheilheim in den 80er-Jahren noch Dinge erlebt hatte, die man heute ganz klar als Kindesmisshandlung bezeichnen würde, z B. völlig überzogene und teils sadistische Strafen. Von daher bin ich überzeugt:

Selbst das stärkste Stottern ist für Kinder weniger schlimm als so manche Therapie, sei sie auch noch so gut gemeint!

Ich weiß, diese Aussage kling provokativ, aber aufgrund meiner Erfahrungen stehe ich dazu. Jedenfalls würde ich ein stotterndes Kind im Zweifel lieber gar nicht zur Therapie schicken, bevor ich ihm irgendwelche Zwangsmaßnahmen aufdrücke, die wesentlich belastender sind als das Stottern selbst. Leider gibt es viel zu viele verantwortungslose Therapeuten, die bei solch einem unwürdigen Spiel mitmachen und ebenfalls einen enormen Druck auf die Kinder ausüben, dem diese gar nicht gewachsen sind. Es ist schlimm, dass es schon im Erwachsenenbereich so viele unseriöser Anbieter gibt, aber was alles so auf stotternde Kinder losgelassen wird, da sträuben sich einem wirklich die Nackenhaare.

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Beitrag von F.J.Neffe » 21. Januar 2010 15:30

Ja: Selbst das stärkste Stottern ist für Kinder weniger schlimm als so manche Therapie, sei sie auch noch so gut gemeint!
Was ist denn überhaupt THERAPIE? Griechisch THERAPEUEIN heißt PFLEGEN, VEREHREN. WAS pflegen wir denn, wenn wir was pflegen, was verehren wir? Beispiel Rechtschreiben: Legasthenietheapie - das ist die Verehrung der Lese/RechtschreibSCHWÄCHE. Wenn ich mich für die Lese/RechtschreibSTÄRKE der so etikettierten Kinder einsetze, fällt man über mich her: "Das können die NICHT! Du darfst sie NICHT überfordern!" Für NICHT führen wir Kriege - gegen KÖNNEN. Ich könnte es mit vielen weiteren Beispielen fortsetzen. Unsere "Therapie" therapiert gar nicht die wunden, verletzten, gekrönkten, geschwächten Kräfte, sie therapiert die Verwundung, die Verletzung, die Kränkung, die Schwächung. Sie entzieht den Stärken die Energie und führt sie den Schwächen zu. So verwundert es mich als Ich-kann-Schule-Lehrer, um noch einmal auf das Beispiel der "Legasthenie" zurückzukommen, überhaupt nicht, dass wir nach 31 Jahren geradezu gigantischer Legasthenieförderung heute doppelt soviel verkehrt schreiben wie zuvor. Die Entwicklung - oder sollte ich besser sagen : die zunehmenden VERwicklungen - sehe ich in der Sprachtherapie und allen andren Bereichen nicht anders.
Insofern wäre es geradezu ein Segen, wenn wir endlich die Finger von dem ließen, was wir offensichtlich nur ausgerechnet verkehrt herum beherrschen und womit wir die Probleme immer noch perfekter groß machen können.
Sie machen aus allem ein SACHproblem, aber jeder von uns weiß es aus tiefster eigener Erfahrung: Es gibt keine Sachprobleme. Die Probleme ERSCHEINEN immer nur als Sachprobleme, in WIRKLicjkeit aber SIND sie alle MENSCHLICHE Probleme. Menschlichkeit aber darf nicht sein, da wäre man ja nicht objektiv. Nun, OBJEKTIVSEIN heißt den Menschen als OBJEKT behandeln. In der neuen Ich-kann-Schule provoziere ich seit 35 Jahren mit diesem Spiegel, den ich immer wieder vorhalte.
Deine Provokationen, Marco, sind noch sehr milde. Es sind aber Berichte über die Realität: die Realität, die wir mit unseren perfektionistischen Schablonen ständig zu verdrängen suchen. Wohin sind wir denn gekommen, wenn man sich dafür, dass man die Wahrheit berichtet, schon glaubt entschuldigen zu müssen. Die konkrete WAHRheit muss endlich Vorrang haben vor der auf Papier vorgeschriebenen Scheinwahrheit. Es verdient unseren Respekt, unsere Achtung, unsere Solidarität, wenn jemand aus seiner eigenen Betroffenheit heraus zeigt, was faul ist.
Zum Schluss erlaube ich mir nur die Frage, ob wir gegen "unseriöse Anbieter" zum Kampf trommeln oder ihnen einfach nichts bieten: unsere Kinder nicht hinzwingen - sollten. Bisher lief das doch immer so: Man war dagegen, schickte seine Kinder aber trotzdem hin. Hunderttausende tun das jeden tag z.B. in puncto Schule in höchster Inkonsequenz. Ich denke, statt mit Scheinkämpfen unsere Ohnmacht zu demonstrieren und zu vergrößern sollten wir lieber KONSEQENT HANDELN lernen. Du hast hier einen wichtigen Anstoß dazu gegeben. Danke!
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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Frankie » 21. Januar 2010 20:48

@Marco
Ich kann Dir nicht zustimmen. Deine Erfahrungen aus dem Internat zweifle ich nicht an, ich kann sie in gewisser Weise bestätigen, denn ich war in den 60-iger Jahren einige Wochen in einem "Kindersanatorium", geführt von katholischen Nonnen, an das ich ähnliche schlimme Erinnerungen habe. Seitdem stottere ich übrigens...

Nichtsdestotrotz hat dies nichts mit einer kompetenten Sprachtherapie für Kinder zu tun, wie sie heute abgehalten wird (von Drilltherapien wie DF mal abgesehen). Es gibt gute Kriterien, wann ein Kind kompetent therapiert werden sollte (hab gerade den Link nicht zu Hand). Darunter fällt beispielsweise, wenn ein Kind Anstrengungsreaktionen zeigt, es unter dem Stottern leidet etc. Ich halte es fatal, solchen Kindern eine Behandlung aufgrund von Therapie-Vorurteilen zu verweigern.

Grüße,
Frank

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 21. Januar 2010 21:35

Hallo Frankie,

dass es gute und kompetente Therapien auch für Kinder gibt, betreite ich ja gar nicht. Aus meiner eigenen Erfagrung kann dazu aber wenig Gutes berichten, deshalb meine manchmal etwas drastische Ausdrucksweise.

In jeden Fall sollte man sich bewusst machen, dass ein überzogener Erwartungsdruck dem stotternden Kind mehr schadet als nützt. Sehr kritisch sehe ich auch alle Therapien, bei denen das Kind für längere Zeit aus seiner vertrauten Umgebung herausgerissen wird. Insbesodnere die berüchtigten Internatstherapien lehne ich grundsätzlich ab. Stattdessen sollte man lieber in eine flächendeckende Versorgung mit ambulanten Therapieplätzen investieren. Das kostet zwar Geld, wäre aber wesentlich kindgerechter als das Festhalten an überkommenen Strukuren.

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Frankie » 21. Januar 2010 22:20

Hierfür volle Zustimmung. Gibt es denn noch Internatstherapien für Kinder?

Marco.WS
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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 22. Januar 2010 23:12

Ja, die gibt es noch. Mindestens drei Sprachheilinternate fallen mir ein: Wentorf, Werscherberg und Bad Salzdetfurth. Meiner Meinung nach gehören solche Einrichtungen abgeschafft zugunsten dezentraler Angebote in jeder größeren Stadt. Natürlich sind viele kleine Einrichtungen teurer als einige wenige Sammelzentren, aber wie schon gesagt: Es ist absolut nicht kindgerecht, stottende Kinder einfach nur abzuschieben. Daran sieht man mal wieder, dass stotternde Kinder (genau wie stotternde Erwachsene) keine Lobby haben.

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von ---***--- » 27. Januar 2010 23:01

Im Artikel von Patricia Sandrieser sind Kriterien genannt, wann eine Therapie für Kinder sinnvoll ist, hier http://www.bvss.de/images/stories/pdf/S ... er_BAG.pdf

Ich weiß nicht, ob es grundsätzlich schlecht ist, Kinder mal von zuhause wegzuholen. Es wird auf die Umstände ankommen, oder? Auch auf den Umgang in der Therapieeinrichtung mit dem Kind und mit Stottern. Auf den Eindruck, den das Kind hat, weshalb es zur Therapie geschickt wird.

Ich weiß zu wenig über die von Dir genannten Einrichtungen, um da etwas dazu sagen zu können.

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 30. Januar 2010 18:33

Mechthild hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob es grundsätzlich schlecht ist, Kinder mal von zuhause wegzuholen. Es wird auf die Umstände ankommen, oder?
Natürlich kommt es auf die Umstände an, aber aufgrund meiner eigenen Erfahrungen lehne ich stationäre Sprachtherapien für Kinder ab. Es bringt auch nichts, ein Kind gegen seinen Willen zur Therapie zu zwingen, denn dann entwickelt es eine innere Abwehrhaltung, bei der keine sprachliche Verbesserungen zu erwarten sind. Das Wichtigste aber ist, dasd Kinder in sprachtherapeutischen Einrichtungen weder körperlich noch seelisch misshandelt werden. Ich hoffe, zumindest in diesem Punkt sind wir uns alle einig.

Die Frage nach der passenden Therapie ist meiner Meinung nach gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist es, dass man stotternden Kindern die Sicherheit gibt, dass sie auch mit Stottern genauso liebenswert sind wie andere Kinder - egal, wie stark sie stottern!

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Markus » 30. Januar 2010 21:28

Hallo,
Marco.WS hat geschrieben:Natürlich kommt es auf die Umstände an, aber aufgrund meiner eigenen Erfahrungen lehne ich stationäre Sprachtherapien für Kinder ab. Es bringt auch nichts, ein Kind gegen seinen Willen zur Therapie zu zwingen,
Natürlich bringt es nichts, ein Kind gegen seinen Willen in eine stationäre Sprachtherapie zu schicken, aber wenn es damit kein Problem hat, kann sie auch positiv verlaufen. Zumindest kenne ich einen, der im Alter von acht Jahren für sechs Wochen zu einer "Sprachkur" war, und seitdem nicht mehr stottert.
Marco.WS hat geschrieben:Die Frage nach der passenden Therapie ist meiner Meinung nach gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist es, dass man stotternden Kindern die Sicherheit gibt, dass sie auch mit Stottern genauso liebenswert sind wie andere Kinder - egal, wie stark sie stottern!
Diesen Satz kann ich nur unterstreichen, obwohl ich davon ausgehe, dass jede Eltern ihre Kinder lieben egal ob sie stottern oder nicht.

mfg

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Qualität - Ja oder nein?

Beitrag von F.J.Neffe » 30. Januar 2010 21:41

Der Lösung näher kommen wir, wenn wir genauer achtgeben:
+ Es bringt keinesfalls NICHTS, wenn man jemand zu etwas zwingt, sondern es bringt vielfältige neue Probleme. Es gibt nichts, was keine Wirkung hätte.
+ Ich würde nie einem Menschen signalisieren, dass er MIT Stottern liebenswert ist. Als Ich-kann-Schule-Lehrer signalisiere ich, dass er UNABHÄNGIG von Stottern liebenswert ist. In einem Falle stärke ich seine Anhängigkeit, im anderen seine Unabhängigkeit.
Der Entwicklungsspielraum lässt sich durchaus ausdehnen. Guten Erfolg.
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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Karinol » 30. Juli 2010 13:22

Marco.WS hat geschrieben:
Die Frage nach der passenden Therapie ist meiner Meinung nach gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist es, dass man stotternden Kindern die Sicherheit gibt, dass sie auch mit Stottern genauso liebenswert sind wie andere Kinder - egal, wie stark sie stottern!
Hallo!

In den 80er Jahren war ich selbst mal ein Jahr am Werscherberg - und fand es toll! :-)
Obwohl ich als Kind und Jugendliche schüchtern und zurückgaltend war und erst ein wenig ängstlich, habe ich doch schnell Freunde gefunden und die Erzieherinnen waren auch sehr nett.
Allerdings war ich auch schon 16 und da findet man es natürlich weniger schlimm, mal von zu Hause rauszukommen.
Ich denke, dass was mir (langfristig) wirklich am meisten geholfen hat, war die Erfahrung, dass es noch viele viele andere stotternde Kinder und Jugendliche gibt. Seitdem gehe ich viel selbstbewusster damit um, was auch zum flüssig reden beiträgt (usw. usf. muss ich ja hier nicht erklären). Das hört sich ähnlich an wie der Selbsthilfe-Gedanke, ist aber noch etwas anderes und viel intensiver, weil man sich ja nicht nur 1x in der Woche oder im Monat kurz trifft.

Bei jüngeren Kindern muss man schon abwägen, ob eine ambulante oder stationäre Therapie sinnvoll ist oder eher schadet.
Damals kannte ich nur ein Mädchen, die die Trennung nicht gut verkraftet hat. Aber sie war auch vorbelastet durch viele längere Krankenhausaufenthalte in früher Kindheit. Die anderen (ich kannte TeilnehmerInnen zwischen 7 und 40 Jahren) machten meines Erinnerns einen durchaus zufriedenen Eindruck.

Natürlich ist es wichtig, seinem Kind die Sicherheit zu geben, es zu lieben, egal wie stark es stottert. Aber dieser schöne Satz sollte nicht statt einer Therapie gebraucht werden. Denn grad im Kindergartenalter sind die Chancen am größten, das Stottern noch dauerhaft zu heilen. Da reicht unter Umständen schon ambulante oder teilstationäre Therapie und wir müssten gar nicht über Sprachheilinternate diskutieren.

Liebe Grüße
Karin

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 30. Juli 2010 22:18

Hallo Karin,
karinol hat geschrieben:Natürlich ist es wichtig, seinem Kind die Sicherheit zu geben, es zu lieben, egal wie stark es stottert. Aber dieser schöne Satz sollte nicht statt einer Therapie gebraucht werden.
So habe ich das auch nicht gemeint, aber wie du selbst sagtest: Man muss im Einzelfall sehr genau überlegen, ob ein Sprachheilinternat wirklich die richtige Lösung ist. Einige Kinder verkraften es gut, auch in jüngeren Jahren mal von Hause wegzukommen, andere leiden darunter und können einem Internatsaufenthalt nichts positves abgewinnen. Ganz wichtig finde ich, dass das Kind immer in die Entscheidung mit einbezogen wird - und dass man dem Kind keinesfalls das Gefühl gibt, den Entscheidungen der Erwachsenen hilflos ausgeleifert zu sein, so wie ich das damals erlebt habe. In so einem Fall dürfte auch keine nachhaltige Verbesserung des Sprechens zu erwarten sein.

Gnau wie du bin ich der Meinung, das eine Therapie möglichst frühzeitig anfangen sollte. Ich bekam meine erste Sprachtherapie im Alter von 10 Jahren, was im Grunde viel zu spät war. Vorher hat man versucht, mittels Erziehungsberatung, Spieltherapien und neurologischen Untersuchungen an mir herumzudoktern, was mein Sprechproblem aber in keiner Weise gebessert hat.

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Karinol » 31. Juli 2010 14:53

Marco.WS hat geschrieben: Gnau wie du bin ich der Meinung, das eine Therapie möglichst frühzeitig anfangen sollte. Ich bekam meine erste Sprachtherapie im Alter von 10 Jahren, was im Grunde viel zu spät war. Vorher hat man versucht, mittels Erziehungsberatung, Spieltherapien und neurologischen Untersuchungen an mir herumzudoktern, was mein Sprechproblem aber in keiner Weise gebessert hat.
Hallo Marco,

das hört sich nicht an, als hättest Du Dich dabei gut gefühlt ;-)
Das Positive daran war, dass man es zumindest ernst genommen hat und versucht, etwas zu tun...

Ich arbeite in einem Sprachheilkindergarten und erlebe immer wieder: Wenn die Eltern nicht hartnäckig genug sind, werden viele von manchen Kinderärzten oder HNO-Ärzten vertröstet: "Das wächst sich schon raus".
Ich kannte diesen Spruch nur aus meiner eigenen Kindheit und dachte, inzwischen hätte sich was geändert. Aber meine Kolleginnen und ich sind manchmal schockiert, was Eltern heutzutage noch zu hören kriegen. Bei einigen Kinder wird darum viel zu spät etwas unternommen.

Lieben Gruß
Karin

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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Marco.WS » 31. Juli 2010 20:59

Hallo Karin,

meine Mutter erzählte mir, dass ein Kinder- und Jugendpsychiater mir wegen meines Stotterns eine Spieltherapie verordent hätte (ich muss damals etwa sechs Jahre alt gewesen sein), von einer Sprachtherapie war dagegen nie die Rede. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern, aber es macht mich richtig sauer, wenn ich höre, von welchen Scharlatanen meine Eltern damals beraten wurden. Okay, vor 30 Jahren wusste man es vielleicht noch nicht besser, aber wenn ich höre, dass die Eltern stotternder Kinder heute noch mit den gleichen Floskeln vetröstet werden, dann finde ich das skandalös, denn eins ist klar: Ausbaden müssen es die Kinder!

Chris
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Re: Therapie für stotternde Kinder - Ja oder nein?

Beitrag von Chris » 1. August 2010 03:01

Irgend ein schlauer Arzt hat meinen Eltern damals geraten, ich solle zum schwimmen gehen. §dup
Daraufhin hat mich meine Mutter zum Probetraining eines Schwimmvereins gebracht. Dabei ist es dann auch geblieben.
Grüße
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