Stromsta: "Stuttering: Its Nature and Management"

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paul.dest
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Stromsta: "Stuttering: Its Nature and Management"

Beitrag von paul.dest » 9. Juli 2012 22:57

Courtney Stromsta (1922-1995) war Stotterer und Professor der "Speech and Hearing Science" an der Western Michigan University von 1968 bis 1987.
Neben Charles Van Riper war er wesentlich an der Erforschung des Phänomens "Stottern" beteiligt. In einem Vortrag bezeichnet Andreas Starke ihn als seinen Lehrer.

In dem von der Stuttering Foundation of America als E-Book veröffentlichten Buch "Stuttering: Its Nature and Management" fasst Stromsta seine Einsichten zum Phänomen "Stottern" zusammen und stellt darauf aufbauend seine aus 8 Stufen bestehende Therapie vor:

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Re: Stromsta: "Stuttering: Its Nature and Management"

Beitrag von AndreasStarke » 9. August 2013 15:47

Ja, alles richtig. Ich war ein Jahr lang (1981-82) Stromstas Assistent und habe ihn so gut wie jeden Tag gesehen und gesprochen. "A tower of research", wie Van Riper mir vor Antritt seines Studiums ankündigte. Und in der Tat: Stromsta war einer der wenigen führenden Köpfe, der auf die Formulierung einer wirklichen Theorie des Stotterns statt des kopflosen Sammelns von Einzelbefunden (Stottern und Drogenkonsum, Stottern und Menstruation usw. usf.), die keinerlei Einfluss auf die Theoriebildung haben und haben werden, drängte. William Perkins hat dadurch angeregt nach seiner Emeritierung noch ein Buch "Stuttering Wars" rausgehauen. Aber Stromsta war auch nicht sehr wirksam darin, seinen Standpunkt in der Fachwelt zu vertreten und seine Ergebnisse bekannt zu machen. Leider.
www.andreasstarke.de
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Re: Stromsta: "Stuttering: Its Nature and Management"

Beitrag von paul.dest » 8. September 2013 17:36

AndreasStarke hat geschrieben:Ja, alles richtig. Ich war ein Jahr lang (1981-82) Stromstas Assistent und habe ihn so gut wie jeden Tag gesehen und gesprochen. "A tower of research", wie Van Riper mir vor Antritt seines Studiums ankündigte.
Hallo Andreas,

Das gibt mir Gelegenheit nach Deinen persönlichen Erfahrungen mit Charles Van Riper zu fragen. Von manch einem hört man, Du hättest die "Van-Riper-Therapie" direkt von Chares Van Riper gelernt, der andere erklärt, das sei nur durch Deine Übersetzung seines Buches "The Treatment of Stuttering" gekommen. Soweit ich aus den im Internet verstreuten Aussagen dazu beurteilen kann, warst Du im Rahmen Deines Fulbright-Stipendiums "bei Stromsta" und nicht "bei Van Riper" - ist das richtig? Wie ist der Zusammenhang genau?

Meine zweite Frage ist zu Deiner Übersetzung von "The Treatment of Stuttering". Im Vorwort des Übersetzers - das bist Du - schreibst Du
Andreas Starke hat geschrieben:Zum Schluß möchte Frau Jutta Sundermann danken, die eine Rohübersetzung von etwa zwei Dritteln des vorliegenden Werkes angefertigt hat.
Wie ist es zu dieser Übersetzungsteilung gekommen? Welcher Teil wurde von Dir allein übersetzt? Wer ist Jutta Sundermann? Und auf welche Weise wurden die von Jutta Sundermann rohübersetzten Teile von Dir noch bearbeitet?

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Re: Stromsta: "Stuttering: Its Nature and Management"

Beitrag von AndreasStarke » 1. Januar 2015 14:14

Lieber Paul,

Deine Fragen stehen ja schon eine ganze Weile hier. Ich habe den Faden aus den Augen verloren, will aber jetzt die Antworten nachholen.

Ja klar, ich habe die Van-Riper-Therapie von Van Riper gelernt, von wem auch sonst? Aber nicht persönlich von ihm, sondern aus seinem Buch "Treatment of Stuttering", das ich 1986 übersetzt habe. Es ist unter dem Titel "Die Behandlung des Stotterns" bei der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. erschienen und, soviel ich weiß, noch immer lieferbar.

Ich habe Van Riper übrigens nur zweimal persönlich getroffen. Das erste Mal war 1977, als ich gerade meine Therapie ("Legato") absolviert hatte. Bei diesem Besuch an der Western Michigan University habe ich Van Ripers Video-Demonstrationstherapie mit Jeff (der übrigens vor rund 2 Jahren verstorben ist) zum ersten Mal gesehen. Vor diesem ersten Treffen hatten wir schon einen lebhaften Briefkontakt. Während meines Studiums an der WMU (1980-82) hatte ich gar keinen persönlichen Kontakt mit "Dr. Van", wie er von Freunden, Studenten und Kollegen genannt wurde. Er hat sich damals um seine totkranke Frau gekümmert, und ich wollte mich nicht aufdrängen.

Eine Therapie bei Van Riper habe ich nicht gemacht. Der Grund, warum ich mich entschieden habe, "mich zu Van Riper zu bekennen" (wenn man das so sagen möchte), war ein ganz anderer. Als ich aus den USA wieder nach Deutschland kam, hatte ich den Gedanken, jedem Patienten sozusagen einen Bauchladen von verschiedenen Therapieverfahren und -ideen anzubieten und mit ihm "zu erarbeiten", welches von diesen nun für ihn das Beste wäre. Ich hatte damals noch die Idee im Kopf, dass man jeden Stotterer als "Experten in eigener Sache" betrachten könne, was sich dann aber als vollkommener Unsinn herausgestellt hat. Die meisten Patienten, die dann zu mir kamen, wollten das nämlich gar nicht. Sie fragten mich das, was auch ich einen vertrauenswürdigen Arzt fragen würde, wenn es um die Behandlung einer ernsthaften Erkrankung (oder auch einer leichten Unpässlichkeit) ginge. Ich würde ihn fragen: "Herr Doktor, mit allem, was sie über den Stand der Forschung und über meine Krankheit wissen, was würden Sie tun, wenn Sie in meiner Lage wären?" So haben es meine Patienten auch gemacht, nur ohne den "Herrn Doktor". Sie wollten von mir eine "beste Empfehlung" haben, die Empfehlung also, die ich für die beste halte. (Offenbar ist es mir gelungen, mich als vertrauenswürdig darzustellen.)

Nach der Übersetzung des Buches habe ich mich dann gefragt, was mich eigentlich davon abhält, mich (auch nach außen sichtbar) auf all die klugen Erkenntnisse und Vorschläge zu stützen, die Van Riper in diesem Buch gemacht hat. Sein Therapiekonzept erschien mir logisch (wichtig!) und anpassbar (auch sehr wichtig). Van Riper war alles andere als ein Dogmatiker. Er hat nie den Versuch gemacht, eine Gefolgschaft zu gewinnen. Mir selbst hat er geschrieben: "Andreas, fühle Dich nicht durch mich gebunden. Forsche und entwickle. Zweifle und bezweifle Deine Zweifel. Ich bin nie jemandes Schüler gewesen und habe es stets abgelehnt, selbst welche zu haben." Und so ist es: Als Therapeut versuche ich, auf nichts, was Dr. Van für wichtig gehalten hat, ohne Not zu verzichten. Und so ist unser Therapieprogramm "Vier-mal-Fünf"
http://www.viermalfuenf.de
wohl eines der wenigen auf der Welt, in dem die sog. Nachbesserung (engl. Cancellation) noch eine bedeutende Rolle spielt. Dennoch, und das halte ich nicht für einen Widerspruch, gelingt es uns, die Therapie auf den einzelnen Patienten so individuell zuzuschneiden, dass man statt von einer "Gruppentherapie" auch von "Einzeltherapien in einer Gruppe" sprechen könnte.

Den lebhaften Briefverkehr mit Van Riper habe ich dann wieder aufgenommen, als ich wieder in Deutschland war, insbesondere im Zusammenhang mit der Übersetzung des Buches. Auf meine Bitte hat er dann 1987 einen Brief an meine erste Therapiegruppe geschrieben, den man hier nachlesen kann.
http://www.andreasstarke.de/_dateien/le ... _riper.pdf

1992, als Van Ripers Tod absehbar war, habe ich ihn noch einmal besucht, als ich aus anderen Gründen in die USA gereist bin. Er ist dann am 25.09.1994 gestorben. Ein großer Mann, der für die Sache der Stotterer und für die amerikanische Logopädie (speech-language pathology) viel erreicht hat!

"Studiert" habe ich bei Stromsta, wobei Stottern in meinem Studium schon eine wichtige, aber nicht eine übergewichtige, Rolle gespielt hat. Ich habe eine "ganz normale" Logopädenausbildung gemacht, die Berufsbilder sind in den USA und Europa so gut wie identisch. Der Schwerpunkt Stottern bestand aus meinem Kontakt zu Stromsta und dem Zugriff auf eine Fülle von Ressourcen (Bibliothek, persönliche Kontakte), die ich in Deutschland nicht gehabt hätte.

Zu Deiner zweiten Frage:
Jutta Sundermann war damals als Übersetzerin Mitarbeiterin in einem Unternehmen, das vom Vater meines ersten stotternden Patienten geleitet wurde. (Er kam mit seiner Mutter aus Deutschland nach Amerika, und ich habe ihn "ohne Lizenz" behandelt. Die Sache ist sehr gut ausgegangen.) Von welchem Teil sie die Rohübersetzung gemacht hat, weiß ich nicht mehr. Ich habe im letzten Jahr die vielen Ordner weggeworfen, in denen das Manuskript abgeheftet war und kann deshalb keine genauen Angaben machen. Soweit ich mich erinnere, waren ihre Übersetzungsversuche so schlecht, dass sie nur zwei Drittel übersetzt hatte (so wie ich das im Vorwort geschrieben habe, damals wusste ich es noch), als wir ihre Mitarbeit abgebrochen haben. Ich habe jedenfalls alles noch einmal durchredigiert und bin, wie ich auch im Vorwort geschrieben habe, für alle Fehler selbst verantwortlich. Mit der Jutta Sundermann, einer Journalistin, über die man einen Artikel in Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Jutta_Sundermann
findet, hat die Übersetzerin nichts zu tun. Die Journalistin war damals ja auch erst 15 Jahre alt.

Auf welche Weise ich die Rohübersetzungen bearbeitet habe? Das ist einfach zu beantworten. Ich habe alles, was mir verbesserungswürdig erschien, verbessert (pro bono contra malum). Das Buch hat die Form, die mir damals, vor 28 Jahren, am besten erschien. Wenn ich heute noch manchmal hineinschaue, freue ich mich über manches, das mir gelungen ist, und ärgere mich über manches, was ich heute anders machen würde. Ich würde auf jeden Fall "pull-out" nicht mehr als "leichte Befreiung" (das war ein Vorschlag von Jürgen Kellner) übersetzen, sondern als "Pullout". Wir übernehmen so viele englische Wörter ins Deutsche, dass es auf eines mehr oder weniger auch nicht ankommt.
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