Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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dosi
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Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von dosi » 3. Januar 2007 18:30

Ich habe bei den neuen Seminarangeboten gestöbert und bin über "HAUSDÖRFER" gestolpert. Kann mir mal jemand erzählen, was dieser Mensch macht bzw. um welche Therapieform es sich dabei handelt. Ich stehe diesbezüglich total im Dunkeln. Dosi
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

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Ralf_D.
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Beitrag von Ralf_D. » 3. Januar 2007 20:12

Hallo dosi,
ich hab den Thread mal hierhin verschoben, da passt er besser hin. Außerdem habe ich mir erlaubt, den Titel zu ändern. Ich hoffe, das geht in Ordnung :wink:
Hier kann nun nach Herzenslust über die Therapie nach Oskar Hausdörfer diskutiert werden... 8)

Gruß
Ralf
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Frenky
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Beitrag von Frenky » 4. Januar 2007 20:44

Hallo Dosi.
Oskar Hausdörfer lebte von 1864-1951.
Er war selber Stotterer und hatte sich zum Ziel gemacht das Wesen des Stotterns zu ergründen. Laut seiner Aussagen hat er sich, und später auch seine Kinder, vom Stotten befreit.

Er stellte fest, dass Stottern nur eine Folgeerscheinung ist und demnach nicht direkt zu behandeln ist.
Ausgelöst durch das falsche Ziel "fließend Sprechen wollen" und dem Gedanken es nicht zu können hat der Stotternde eine ängstliche Erregung vor dem Sprechen. Nicht stotternde Menschen hingegen haben Sprechruhe.
Sprechruhe ist das Vertrauen in die Fähigkeit "Sprechen zu können".

Beim Sprechen werden Gedanken hörbar gemacht. Zum Sprechen braucht man vor allen Stimme (Ton). Dieser Ton muss bewußt erzeugt werden.
Bei den Übungen geht es darum bewußt den Ton zu erzeugen.
Dies bringt einem zu der Gewissheit : ich kann jeden Ton erzeugen.
Dies hat unmittelbar Sprechruhe zur Folge.

Als Folgeerscheinung (und nur als Folgeerscheinung) der Sprechruhe und spricht der Stotternde ohne zu stottern.

Früher wurde Hausdörfer oft falsch verstanden und angewendet.
Das bewußte Steuern des Tons wurde häufig mit Singen verwechselt und hörte sich stark verfremdet an.
Dies hat sich heute zum Teil geändert.


In seinem Buch "Durch Nacht zum Licht - Des Stotterers bester Freund" erzählt er die Geschichte eines Stotterers, der von einem alten Gelehrten über das Wesen seines Leidens aufgeklärt wird.

Herzliche Grüße,
Frenky

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Hausdörfer

Beitrag von Zypresse » 5. Januar 2007 10:20

mein stotternder Großvater gewöhnte sich ein Sprechen nach Hausdörfer an.DA sich aber meine gesamte Familie über seine Sprechtechnik lustig machte,habe ich nie diese Art von Sprechtechnik übernehmen wollen.Ich habe andere wege gesucht +gefunden um heute fast stotterfrei zu sprechen.Zypresse

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Vokale

Beitrag von Tarantandy » 5. Januar 2007 11:12

Um Frenkies Beitrag, der wohl vieles wichtige nennt, noch zu ergänzen: Beim Sprechen nach Hausdörfer geht es v.a. um die Vokale, die man klingen und tönen lassen soll. Man soll sich vor allem darauf konzentrieren und die Konsonanten vernachlässigen.

Ein Kritikpunkt an der Hausdörfer Methode ist, dass sie keine Block-Löse-Verfahren lehrt. Für den Fall, wenn man mal mittendrin in einem Block steckt und nicht weiß, wie man da heraus kommen soll.

Dennoch würde ich es durchaus empfehlen, mal ein solches Seminar mitzumachen.
Die Hausdörfer Technik ermöglicht es einem sehr schnell, für kurze Zeit flüssig zu sprechen. Das kennen zu lernen finde ich sehr empfehlenswert und ich habe das auf meinen Seminar-Besuchen immer genossen.
Allerdings darf man nicht die Erwartung haben, dass man das dann 1:1 in den Alltag übernehmen kann, denn das ist leider nicht so einfach.

Liebe Grüße

Andi.

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Beitrag von Ralf_D. » 5. Januar 2007 11:25

Mich persönlich würde auch mal interessieren, was die Lehre von Hausdörfer von den Lehren Ronald Muirdens, Erwin Richters und letztendlich auch von der sogen. "Naturmethode" unterscheidet.

Wo liegen da Paralellen, wo Unterschiede?

Gruß
Ralf
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Beitrag von Tarantandy » 5. Januar 2007 13:43

Hi Ralf,

kurze Ergänzung:

Naturmethode = Methode von Erwin Richter und Ronald Muirden.

Was genau der Unterschied zu Hausdörfer ist, habe ich auch nie so ganz verstanden. Beide Methoden fühlen sich aber auf jeden Fall verwandt.
Ich glaube, bei der Naturmethode kommt u.a. der Kniff "Sprechen in Abschnitten" noch hinzu.
Wenn ich das Richtung in Erinnerung habe, zählen die Naturmethode-Verfechter Hausdörfer als eine Form des sg. "natürlichen Sprechens" und damit als eine Unterform der Naturmethode.

Grüße

Andi.

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Beitrag von Frankie » 5. Januar 2007 15:39

Hi,

ich war in den 80igern schon mal in einer SHG und bin dort mit Hausdörfer in Berührung gekommen (einer der damaligen SHGler ist heute ein bekannter Therapeut dieser Methode). Sprechtechnisch hat mir diese Methode nur kurzfristig geholfen, denn die Umsetzung im Alltag ist mir auf Dauer nicht gelungen. So eine dauerhafte Umstellung der Sprechweise liegt mir einfach nicht und ist auch allgemein sehr schwierig. Paradoxerweise kam mir die Sprechweise eher unnatürlich vor, daher kann ich auch die Bezeichnung "Naturmethode" nicht ganz nachvollziehen. Ich hatte damals den Eindruck, man spricht ständig übertrieben tönend, um ja flüssig zu bleiben und Blocks zu umschiffen, denn - wie schon gesagt wurde - wenn man doch in einen Block kommt, hilft die Methode nicht weiter.

Positiv war jedoch für mich zu sehen, dass Veränderungen generell möglich sind. Außerdem hatte ich mit dieser Sprechtechnik eine Vorgehensweise für "sprachliche Notfälle" zu Hand, also für Situationen, in denen ich unbedingt flüssig bleiben wollte.

Grüße,
Frank

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Beitrag von Frenky » 5. Januar 2007 17:16

Ja, wie ich schon sagte.
Früher wurde Hausdörfer meist falsch verstanden und angewendet.
In Hausdörfers Buch steht gar nichts von übertriebener Vokalisierung um irgendwelche Blocks zu umschiffen.
Im Gegenteil: Hier geht es vor allem um Sprechruhe und darum sich nicht über das Stottern zu ärgern.
Deshalb gibt es (wie Andi schon sagte) auch kein Block-Löse-Verfahren.
Das fließende Sprechen ist bei Hausdörfer nicht das Ziel, sondern lediglich die Folgeerscheinung der Sprechruhe.


Die Naturmethode ist eine "Weiterentwicklung" von Hausdörfers Lehre.
Bei dieser geht es Hauptsächlich um klangvolles Sprechen (den Vokal als Träger der Stimme hervor heben). Weiter wichtige Punkte bei Erwin Richter waren:
-die Atmung
-der Stimmansatz
-der weiche Stimmansatz
-betonter Sprechablauf
-langsam-ruhiges Sprechen
-begleitende Gesten
-das Mithören der eigenen Stimme

Meiner Meinung nach hat sich der Herr Richter wirklich viele tolle Gedanken gemacht. Ich halte es jedoch kaum für Möglich beim Sprechen an all diese Dinge gleichzeitig zu denken.
Außerdem ist das Ziel all dieser Techniken das fließende Sprechen.
Hierin unterscheidet sich Hausdörfer von Erwin Richters Naturmethode.

Liebe Grüße,
Frenky

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Hausdörfer

Beitrag von Arno » 14. Februar 2007 21:00

Hallo Andi,
du hast Frenkies Beitrag ergänzt, aber leider nicht ganz richtig: Beim Sprechen nach Hausdörfer geht es gerade nicht um die Vokale, und man soll auf keinen Fall die Konsonanten vernachlässigen. Wichtig ist, dass man auf seinen Ton achtet und die Sprechruhe erlangt.
Richtig ist, dass die Hausdörfer-Lehre keine Block-Löse-Verfahren kennt. Braucht sie aber auch nicht. Im Gegenteil. Das Ziel ist nicht, mit Hilfe einer Sprechtechnik aus dem Block rauszukommen sondern, wie schon erwähnt, sich vorher die Sprechruhe zu holen. Wenn mir das nicht gelingt erlaube ich mir halt das Stottern.
Gruß, Arno

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Beitrag von Tarantandy » 15. Februar 2007 11:03

Lieber Arno,

vielen Dank für deine Nachricht und schön, dass du hier im Forum mit dabei bist!

Mit Hausdörfer und Naturmethode kennst du dich natürlich viel besser aus als ich. Ich habe auch lange kein entsprechendes Seminar mehr besucht. Hatte aber in Erinnerung, dass man v.a. auf die Vokale achten soll, quasi von Vokal zu Vokal zu tönen.

Wo mir das beigebracht wurde, weiß ich nicht mehr im einzelnen. Wir hatten ja in Stuttgart lange eine wöchentliche Tön-Gruppe, in der wir geübt haben. Ob das Hausdörfers "reine Lehre" war, wage ich sowieso zu bezweifeln. Auf jeden Fall erinnere ich mich daran, dass mir diese Vorstellung (von Vokal zu Vokal zu tönen, und nicht an die Konsonanten zu denken) damals durchaus geholfen hat.

Was du über die Block-Löse-Verfahren schreibst, überzeugt mich als von van Riper Beeinflussten allerdings nicht 100%ig. Aber wie Ludwig Werle einst schrieb: Jeder nach seiner Fasson, und davon bin ich wirklich überzeugt.

Liebe Grüße

Andi!

Frenky
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Beitrag von Frenky » 16. Februar 2007 18:13

Hallo .
Der Vollständigkeit halber habe ich noch zwei Punkte die ich ansprechen möchte.

1. Zum Thema "Hervorheben der Vokale und Vernachlässigen der Konsonante":
Hausdörfer wies immer wieder darauh hin, dass Worte und Buchstaben beim Sprechen nicht existieren. Sie sind Schriftzeichen und demnach nicht zu sprechen sondern nur zu lesen und zu schreiben. Also geht es bei ihm auch nicht um das Hervorheben von Vokalen.
Das Ziel Worte oder Bchstaben sprechen zu wollen bedeutet für den Stotternden eine große Gefahr. Er beginnt damit diese zu visualisieren. Vor seinem geistigen Auge sieht er die Buchstaben; und er sieht auch die Buchstaben, die ihm eine ängstliche Erregung bereiten. Entweder versucht er sie auszutauschen oder aber er versucht mit Gewalt einen Ton durch die (schon vorgeformte) Mundstellung zu drücken.

2. Zum Thema "Blocklöseverfahren":
Hausdörfer hat erkannt, dass Stottern viel mehr beinhaltet als die sichtbaren Symtome. Man kann sich das ganze wie einen Eisberg vorstellen, bei dem die sichtbaren Symptome den Teil über dem Wasserspiegel darstellen. Der größere Teil des Eisberges befindet sich ,nicht sichtbar, unter der Wasseroberfläche. Wie beim Eisberg sind auch beim Stottern die nicht sichtbaren Symptome von größerem Ausmaß als die Sichtbaren. Diese gilt es bei Hausdörfer anzugehen.
Die sichtbaren Stottersymptome sind nur die Folgeerscheinung und demnach nicht direkt anzugehen.

Liebe Grüße,
Frenky

Ach ja: Hallo Arno, willkommen im Forum !
Und immer wieder geht die Sonne auf - und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht.
Denn Dunkelheit für immer gibt es nicht !

Peter K.
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Hausdörfer

Beitrag von Peter K. » 18. Februar 2007 19:00

Hallo Dosi, Hallo Forum,

ich selbst bin vom Natürlichen Sprechen nach Oscar Hausdörfer überzeugt und vieles von dem, was Hausdörfer ausmacht, ist auch schon von den Experten gesagt worden. Ich bin kein Fachmann, möchte aber von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Es gibt zwei Punkte, die ich ergänzen möchte.
Ich glaube, der zentrale Punkt ist der “Ich-kann-Gedanke“. Ich kann sprechen! (Ich kann ALLES sprechen; zwar (noch) nicht immer und (noch) nicht in allen Situationen, aber ich kann es!) Diese Überzeugung ist der Einstieg in die Therapie. Es war sehr wichtig für mich, mir das bewusst zu machen, denn einmal von dieser Gewissheit infiziert, habe ich sie nie mehr verloren. Im Gegenteil, diese Gewissheit ist von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr stärker geworden. Damit komme ich auch schon zu meinem zweiten Punkt. Mir hat Hausdörfer sehr wohl langfristig helfen können. Ich habe die Hausdörfer Methode vor ein paar Jahren kennen gelernt und bin seit dem auf einem guten Weg.

Kölle Alaaf

Peter

Boggi
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Beitrag von Boggi » 17. März 2008 23:10

Hallo zusammen,
Ich sehe gerade, zu der Hausdörfermethode wurde lange nichts mehr geschrieben. Ich selber kam zu Hausdörfer nachdem ich mit der van Riper-Methode nicht weiter kam. Ich bekam einfach den Pullout nicht hin, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Scheu vor dieser starken Verlangsamung hatte, irgendwo ist es ja auch eine auffällige Veränderung des Sprechens. Ich wollte immer unauffällig flüssig sprechen. Von dem Buch ,,Durch Nacht zum Licht" war ich begeistert, es erschien mir alles so logisch und einfach. Ich versuchte das Tönen in die Praxis umzusetzen, es ging auch anfangs ganz gut. Doch in der Folgezeit machte ich immer wieder den Fehler flüssig sprechen und Stottern verhindern zu wollen. Dadurch gingen mir immer wieder die schwierigen Buchstaben und Wörter durch den Kopf und ich stotterte manchmal mehr als je zuvor. Um herauszufinden wie das Tönen in der Realität umgesetzt wird, schaute ich mir ein Video über ein Hausdörfer-Seminar an. Ich war schockiert. So kann das Hausdörfer nicht gemeint haben, war mein erster Gedanke. Von einigen Seminarteilnehmern war die Sprechweise so stark entstellt, als wären sie auf einem Tripp. Ich hatte es mit dem Tönen so verstanden, das man bei Leseübungen,den Ton vor dem ersten Wort anmacht und ihn nur zum einatmen kurz ausgehen läßt. Im Arbeitskreis auf dem Bundestreffen lernte ich dann noch, das es der Flüssigkeit gut tut, bei Tön-Übungen die Stimme, ich sage mal tanzen zu lassen. Dazu gehörte zB. Vokale zu dehnen, Tempowechsel usw.Es ging im Grunde genommen darum,eine gewisse Leichtigkeit und Ruhe ins Sprechen zu bekommen und zu erleben.
Aber draußen halte ich das nicht für anwendbar. Das wollte auch Hausdörfer nicht, glaube ich. Dort kann man sich vorher sugerieren, das man Sprechen kann, was man sich schon oft genug bewiesen hat, ich zum Beispiel stottere bei meiner Frau ganz selten und wenn,dann stört´s mich nicht. Beim Sprechen lausche ich seit einiger Zeit dem Brummen meiner Stimme, ich höre also auf den Ton. Ich verändere aber nicht meine Sprechweise ins Unkenntliche.
Für schwierig halte ich weiterhin mich nicht über mein Stottern zu ärgern, es kocht immer wieder mal hoch.
Wenn es dann mal wieder gut läuft, passiert es mir immer wieder, stottern verhindern zu wollen, was mich dann immer wieder auf die Schnautze fallen lässt.
Aber ich stehe wieder auf, versprochen.

Gruß Boggi

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djub
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Beitrag von djub » 18. März 2008 11:18

Hausdörfer.
Ich bin immer überzeugter davon. In den 14 Tagen Urlaub lief es zwar absolut nicht gut mit dem Sprechen, seit ich aber wieder "tönen" übe (erst seit 3 Tagen), läuft es prächtig im Alltag und in Telefongesprächen. Im Urlaub habe ich mich einfach nicht an das "Sprechgesetz" halten können. Der Grund war imho neu aufgeflammte Sprechangst. Vor dem Urlaub hatte ich mir eine wunderbar offensive Haltung antrainiert. Im Urlaub habe ich diese irgendwie verloren. Ich bin instinktiv Sprechsituationen ausgewichen, denen ich noch kurz vorher positiv entgegengeblickt hatte.
Aber (massive) Rückfälle gehören dazu und man sollte sie sich ein- und zugestehen.

zum Thema Verfremdung des Sprechens:
Ich verstehe gar nicht, warum man nach Hausdörfer seine Sprechweise ins Seltsame treiben sollte. Ich spreche natürlich anders als vorher (wenn es denn gut klappt), aber nicht "komisch", sondern einfach schöner, ruhiger, sonorer und flüssiger. Tönen heißt für mich viel Stimme ins Sprechen zu nehmen. Das hat nichts mit Schreien oder Seltsamkeit zu tun. Es fühlt sich gut und natürlich an. Allerdings fühlt es sich für mich natürlich auch sehr ungewohnt an. Wer sein Leben lang gestottert hat, kann nicht erwarten, dass ihm flüssiges Sprechen "normal" vorkommt.

Wirkliche Probleme habe ich eigentlich nur noch mit - um doch in Buchstaben zu sprechen - stimmlosen Konsonaten + Vokal. Hier setzen der weiche Stimmeinsatz und die "Einstellung auf den Vokal" von Erwin Richter ein.

Klar klappt es oft nicht. Aber hey, Stottern habe ich über 20 Jahre lang geübt, da sollte man nicht erwarten, dass das "Tönen" nach einem Wochenend-Seminar sitzt. Ich rechne eher mit Monaten und Jahren bis sich das Üben voll auszahlt.

Abgesehen vom Tönen ist es für mich wichtig mit meiner Stimme zu spielen, also Tonhöhe, Tempo, Stimmkraft, Lautstärke spielerisch variieren. Hier helfen mir Bücher über Rhetorik und Stimmtraining.
Das schwierigste daran ist, es sich im normalen Gespräch zu trauen.
Denn so "schön" zu sprechen ist sehr ungewohnt.

Allerdings hat man die Wahl zwischen altem Stottern und "Schönsprechen". Letzteres stellte sich bisher für mich als sozial hoch angesehen heraus. Trotzdem ist sie sehr ungewohnt und ich falle noch oft in alte, gewohnte Muster (=Stottern) zurück.

Dabei heißt "Schönsprechen" nicht flüssig oder gar "perfekt" sprechen. Wortfindungsschwierigkeiten, Verhaspler, fehlerhafter Inhalt usw. sind absolut zulässig. Es geht darum, immer die Ruhe zu bewahren und seine Stimme zu erkunden, sie zu variieren, mit ihr zu spielen.

Schriftlich ist das schwer zu schildern.

Mein Fazit: Ich spreche unauffälliger als vorher, wenn ich nach meiner Interpretation von Hasudörfer spreche. Allerdings spreche ich überdurchschnittlich "gut", wenn alles gut klappt. Man muss sich daran gewöhnen, auch mal positive Aufmerksamkeit bzgl. seines Sprechens zu bekommen, was auch nicht leicht ist. Denn auch das ist ungewohnt.

Wie immer gilt:
Verstehen, üben, üben, üben und die Erfolge kommen.
Noch mehr üben und verfeinern und die Erfolge bleiben.

Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute über ihre Erfahrungen mit Hausdörfer (und der Naturmethode) schreiben würden und vor allem über ihre Interpretation der Methode, also ihre konkrete Anwendung.

djub
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