Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Boggi
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Beitrag von Boggi » 18. März 2008 17:44

Hallo djub, Du schreibst:

,,Der Grund war imho neu aufgeflammte Sprechangst. Vor dem Urlaub hatte ich mir eine wunderbar offensive Haltung antrainiert. Im Urlaub habe ich diese irgendwie verloren. Ich bin instinktiv Sprechsituationen ausgewichen, denen ich noch kurz vorher positiv entgegengeblickt hatte."

Davon kann ich ein Lied singen. was mir gestern noch leicht viel, zB. nicht vermeiden oder Blickkontakt halten, kann heute schon unmöglich sein. An manchen Tagen setze ich mir ganz feste Regeln, woran ich mich künftig beim Sprechen halten will. Ein paar Tage später kann ich manchmal garnicht mehr dran erinnern, was das war. Seit einiger Zeit schreibe ich sie mir auf und lese sie mir laut vor, das klappt besser.

Du nennst es mit der Stimme spielen, ich nannte es die Stimme tanzen lassen, es ist wohl beides das Gleiche.
Diese Übungen haben einen sehr entspannenden Effekt auf mein Sprechen. Es stellt sich eine gewisse Lockerheit ein, auch hetze ich nicht so durch die Sätze, sondern lasse die Stimme gleiten. Es fasst sich aber komisch an. Es ist gar kein Druck und keine Stotterangst da, einfach toll aber doch komisch. Ich habe dann das Gefühl alles sagen zu können.
So ein Gefühl hatte ich schon einmal, als ich nach der zweiten Wochen meiner van-Riper Therapie einige Tage fast stotterfrei sprechen konnte. Leider klappt das meistens nur bei vertrauten Personen, aber der Kreis wird sich sicher erweitern mit dem Gefühl, ich kann.

Gruß Boggi

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Beitrag von djub » 19. März 2008 11:05

Ja, die Phasen, in denen man WEIß, dass man alles sagen kann, in denen man sich völlig frei fühlt. Mit Hausdörfer, finde ich, hat man eine Methode an der Hand sich diesen Zustand selbst zu erarbeiten. Es kommt mir alles nicht mehr so zufällig wie früher vor. "Trotz Stottern einfach alles sagen" befriedigt mich nicht, da ich mein stotterndes Sprechen durchaus als unangenehm empfinde (sonst würde ich ja nicht daran arbeiten). Meistens (also nicht zwangsläufig immer) frei, ruhig und flüssig sprechen, ab und an (locker) Stottern ist mein Ziel. Dazu benötige ich ein Instrument, das mich flüssig(er) sprechen lässt (Tönen). Und je flüssiger ich spreche, desto besser kann ich mein Stottern akzeptieren, woraus mehr Sprechruhe und "Gleichgültigkeit" resultiert, was mein Sprechen wiedrum angenehmer und souveräner macht.

Die Phasen, in denen nichts geht, sollte man sich aber zugestehen. Jeder hat mal ne schlechte Zeit. Das schlimmste, was man tun kann, ist in solchen Phasen aufzugeben. Konsequent weitermachen und man wird diese Phasen überbrücken und oft sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen. An solchen Phasen sieht man gut, wieviel man erreicht hat. Wenn das Level plötzlich wieder fällt, kann man gut mit seinem Zustand kurz zuvor vergleichen. Insofern sollte man Rückschläge als Motivation ansehen, auch wenn es oft schwer fällt.

Hausdörfers Methode sollte aber nicht das einzige sein, was man tut. Persönliche Veränderungen helfen mir auch immer sehr mein Sprechen zu verflüssigen. Besser Zuhören, sich Fehler eingestehen, sich realistischer einschätzen etc.
Viel hilft mir auch, mein Gesprächsverhalten kritisch zu betrachten. Z.B. ist mir aufgefallen, dass ich relativ flüssig von mir selbst erzählen kann, wenn ich gefragt werde. Schwieriger wird es für mich, wenn ich andere über sie ausfrage. Ich denke, das liegt nicht unwesentlich daran, dass ich das selten geübt habe, weil ich als Stotterer oft von mir aus keine Gespräche angefangen und nur das nötigste erzählt habe.
Weiterhin spreche ich viel ruhiger und flüssiger, wenn ich dem anderen wirklich immer ruhig und bis zum Ende zuhöre, ihm nichts ins Wort falle und weniger darauf achte, dass ich alles erzähle, was ich erzählen will, als darauf, dass ich verständig zuhöre und darauf eingehe.
Dadurch bekomme ich sehr viel Sprechruhe, sowohl vor Sprechbeginn, als auch während des Sprechens und danach.

Hausdörfer (tönen, Ruhe,...) + persönliche Entwicklung + Verbesserung des Gesprächsverhaltens + ? = Erfolg

Bitte ergänzen. ;)
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Beitrag von Boggi » 20. März 2008 21:20

Ich geb Dir in vielem, was Du schreibst recht djub, ein wenig stottern oder ab und an, würde mich auch nicht mehr nervös machen, verhaspeln tut sich jeder mal,oder sucht nach Worten, das wäre wenig auffällig.
Heute ist es ebend noch oft so, das ich ziemlich angespannt beim Sprechen bin und trotz nicht stottern unzufrieden bin, weil mir eben wegen der Anspannung nicht die richtigen Argumente eingefallen sind. Nach der Unterhaltung strömen sie dann in meinen Kopf, ja toll, bloß ein bisschen spät. Ich muß aber dazu sagen, das es vor meiner Therapie natürlich noch viel schlimmer war, ich konnte mich kaum an Diskusionen beteiligen,das geht heute schon besser. Mit fortschreitender Desensibilisierung und Sprechruhe wird das sicher noch besser.
Ich halte die Desensibilisierung nach Hausdörfer übrigens völlig ausreichend. Keinem Gespräch aus dem Weg gehen, den Ärger über´s eigene Stottern herunterschlucken, sich nichts daraus zu machen, ist schon hart genug, wenn man sich daran hält. Ich halte das absichtliche Stottern bei der van Riper-Methode von dem Punkt an für nicht mehr notwendig, an dem man sich nichts mehr aus seinem Stottern macht. Von da an glaube ich, stört man die aufkommende Flüssigkeit durch dieses ,,Stottern üben". Das Gehirn wird das Stottern vieleicht dadurch nicht so schnell verlernen.Ich bin natürlich nur Laie, war nur so ein Gedanke.

Zum Thema,, Persönliche Veränderung" möchte ich sagen, das ich mich soweit verändern muss, das ich mich nicht von anderen so stark beeinflussen lasse wie bisher. denn bis jetzt hängt meine Flüssigkeit oft noch von meinem Gegenüber ab. Von fast ganz flüssig bei meiner Frau oder vertrauten Menschen bis zum rumgestammel bei Leuten, die mich irgendwie verunsichern. Ich muss das vieleicht mit steigendem Schwierigkeitsgrad abarbeiten,bis die Menschen fast alle gleich für mich sind, ganz werde ich es wohl nicht hinbekommen.
Bis jetzt bin ich ja meistens noch der angenehme Zuhörer, wenn meine Sprechangst weg ist bin ich vieleicht auch ein Sprechsüchtiger und lasse keinen mehr zu Wort kommen, viel zu erzählen hätte ich schon, wenn ich mich nur trauen würde.

Gruß Boggi

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 27. März 2008 10:47

Hallo,

ja, unzufrieden nach Sprechsituationen bin ich auch oft. Daran Schuld trägt wohl ein übertriebener Anspruch an mich selbst. Ich muss lernen, realistischer zu werden und mir vor allem eingestehen, dass ich ein normaler Mensch bin. Und normale Menschen machen Fehler und machen vor allem nichts perfekt. Man sollte öfter mit sich zufrieden sein bzw. die Situation analysieren und als Chance zum Lernen nutzen. Fazit: Ehrlicher, realistischer mit sich selbst umgehen.

Die "Desensibilisierung" nach Hausdörfer halte ich nicht nur für ausreichend, sondern für ideal. Man geht nicht einfach so in Sprechsituationen, sonder kann aktiv üben, flüssiger zu sprechen. Bringt mir persönlich viel mehr, als mich nur durchzustottern.
Ich fühle mich auch nach dem 100. verstotterten Gespräch noch unwohl. Nach einem Gespräch, in dem ich gestottert habe, aber es auch hin und wieder hinbekommen habe, durch Anwendung der neuen Sprechweise flüssig, schön und ruhig zu sprechen (und wenn es nur einmal ist), fühle ich mich gut.

Es wäre schön, wenn du noch einmal deine konkreten Übungen - die du durchführst, wenn du allein bist - beschreiben würdest, falls du überhaupt übst, Boggi. :)
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Re:

Beitrag von ---***--- » 27. März 2008 18:41

Hi zusammen,

Hausdörfer habe ich leider (noch) nicht gelesen, nach Einschätzung von Van-Riper-Leuten, die "Durch Nacht zum Licht" kennen, vertritt Hausdörfer sehr überzeugend das Nicht-Vermeiden.
Boggi hat geschrieben:Ich halte die Desensibilisierung nach Hausdörfer übrigens völlig ausreichend. Keinem Gespräch aus dem Weg gehen, den Ärger über´s eigene Stottern herunterschlucken, sich nichts daraus zu machen, ist schon hart genug, wenn man sich daran hält. Ich halte das absichtliche Stottern bei der van Riper-Methode von dem Punkt an für nicht mehr notwendig, an dem man sich nichts mehr aus seinem Stottern macht. Von da an glaube ich, stört man die aufkommende Flüssigkeit durch dieses ,,Stottern üben". Das Gehirn wird das Stottern vieleicht dadurch nicht so schnell verlernen.Ich bin natürlich nur Laie, war nur so ein Gedanke.
Es gibt hier einen Thread zum Pseudostottern, viewtopic.php?p=79#p79, auch mit einem Link zu einem Artikel von Andreas Starke, in dem erläutert wird, wann und wozu Pseudostottern eingesetzt wird. Boggi, vielleicht magst Du dort über Pseudostottern schreiben? Ich glaube, Du hast recht, dass Pseudostottern nicht mehr eingesetzt werden braucht, wenn man keine Angst hat, zu stottern. Ich selber setze Pseudostottern sehr wenig ein, ab und zu aber, gerade wenn ich fürchte zu stottern, ängstlich bin. Meine Flüssigkeit hat das immer sehr unterstützt, nie geschadet. Pseudostottern sehe ich als Wunderwaffe gegen Stotterangst, so einfach wie effektiv.

schöne Grüße!
Mechthild

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 28. März 2008 10:00

Ja genau. In seinem Buch ist das Nicht-Vermeiden von Gesprächssituationen (für mich) der Hauptgrund für die Sprech-Verflüssigung des Protagonisten.
Komischerweise spreche ich mittlerweile unter (sympathischen) Leuten flüssiger, als wenn ich alleine bin und z.B. diese Zeilen hier lese. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber es fühlt sich an, wie ein "Drang zu stottern". Vergleichbar mit einem Jucken an ungünstiger Stelle. In der Öffentlichkeit kratzt man sich nicht, man bemüht sich es auszuhalten, zu hause aber, kratzt man sich ohne groß darüber nachzudenken an besagter Stelle.

Es ist mir so, als hätte ich die Fähigkeit flüssig zu sprechen. Das habe ich mir jetzt oft genug bewiesen. Wenn ich aber allein bin, dann spüre ich manchmal ein inneres Verlangen ein Wort zu stottern. Nicht wirklich bewusst. Eher unbewusst. Das bewusste Gefühl flammt nur ganz kurz auf. Wenn ich dann bei dem Laut hänge, wird mir klar, dass ich ihn auch hätte flüssig aussprechen können.

Natürlich gibt es noch Laute, bei denen es einfach oft nicht geht, obwohl ich mich bemühe, aber dieser oben beschriebene Drang macht mich etwas nachdenklich.
Der Valsalva-Mann hat dieses Phänomen imho auch beschrieben. Ich erinnere mich an Sätze, in denen er von einem Drang zum kraftvollen Einsatz der Artikulationsmuskulatur schrieb.

Ob es mit Gewohnheit zusammenhängt, dem Drang es so zu tun wie immer, auch wenn es "falsch" ist?

Hm.
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von ---***--- » 28. März 2008 11:32

Hi djub,

ja, über die Frage, ob Stottern eine "Gewohnheit" ist, hab ich auch schon gegrübelt, ich kenne den Effekt, den Du beschreibst. Meine Idee nun, nachdem ich in Hübingen das Blinken im Gehirn gesehen habe, beim Vortrag von Frau Prof. Neumann :wink: : Um nicht zu stottern, müssen wir kompensieren, andere Hirnareale aktivieren, als es Normalsprecher tun und wir es bislang gelernt haben. Es gibt "vorbereitende Einstellungen", die es wohl erleichtern, diese (Nerven-)Wege zur Flüssigkeit zu gehen, Deine Haltung, vor anderen zu sprechen, könnte so etwas sein. Auch wenn Du (oder ich), irgendwann immer völlig flüssig wären, unsere Steuerung wäre anders als bei den meisten anderen Menschen. Das "Programm" für Stottern ist da, das würde mE erklären, weshalb wir so leicht zwischen unterschiedlichen Zuständen schalten können (:roll: oweh, Theorienbildung, hoffentlich nicht völlig daneben, Oskar Hausdörfer möge mir auch verzeihen...)

lG Mechthild

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Frenky » 28. März 2008 20:56

Hallo ihr Lieben,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich gar nicht genug mit Hausdörfers Lehre beschäftigen kann. Jedes Mal wenn ich mich mit Hausdörfer beschäftige wird mir wieder etwas anderes klar.
Das Wesen des Stotterns ist so einfach - und doch so verzwickt.

Um noch mal auf den Punkt zu kommen:

Irgendeine Ursache (z.B.ein Schock, eine Krankheit, Vererbung...) ruft eine übergangsweise Erschwerung der Stimmbildung hervor. Dem, zum Stottern veranlagten (vielleicht sehr sensiblen) Mensch wird dies bewußt. Der Ich-kann-Gedanke wird zu einem Ich-kann-schlecht-Gedanken. Von da an wird das Sprechen ängstlich beobachtet, nämlich darauf ob es gelingt. Da den meisten Menschen das Sprechgesetzt nicht bekannt ist wird diese Sprecherschwernis als schlechtes Sprechenkönnen der Buchstaben gewertet.
Was man nicht gut kann muss man üben. Folglich wird in Zukunft fleißig geübt Buchstaben zu sprechen.
Wo entstehen die Buchstaben? Im Mund. Also üben wir mit dem und zu sprechen.

Je häufiger uns dies misslingt, desto fester wird der Ich-kann-nicht-Gedanke gestärkt. In der Folgezeit geben wir uns mehr Mühe und drücken noch heftiger auf die Mundstellungen.
Jedes Scheitern des Sprechens ruft negative Gedanken in uns hervor. Irgendwann erregt uns bereits der Gedanke ans "Sprechenmüssen". Folglich bekommt der Stotternde leicht erregbare Nerven!

So jetzt kommt Hausdörfer.
Zuerst erklärt er uns das Sprechgesetz. Sprechen ist Lautmachen (Hörbarmachen) der Gedanken. Das Hörbare ist der Ton! Dieser muss zum Sprechen unbedingt vorhanden sein! Im Mund wird der Ton geformt.
Es ist wie beim Kuchen. Der Kuchen ist der Teig. Die Kuchenform gibt die Form. Ohne Teig und nur mit der Form kann man keinen Kuchen backen.
Genausowenig kann man ohne Ton nicht sprechen.
Zuerst muss der Ton da sein, dann erst übernimmt der Mund die Formgebung!

Grundsätzlich kann jeder Stotternde Ton erzeugen. Am leichtesten gelingt es ihm wenn er ruhig ist (davon kann er sich bei jedem Hausdörfer-Grundkurs überzeugen). Der Ton kommt von unten, aus der Kehle - oder besser noch aus der Brust.
Eine Hilfestellung: Bildet ein brummendes "m" (kein "em") und schon seit ihr in der Stimmbildung.

Dies brauch der Stotternde nicht so üben! Weil er es bereits kann!
Er brauch es nicht zu lernen. Er kann es! Ohne Zweifel - er kann es!
Dies brauch er in seiner Unsicherheit nicht zu kontrollieren - er kann es!

Was fehlt dem Stotternden noch?
Ruhige Nerven, die ihm die Fähigkeit geben in jeder Situation die Ruhe zu behalten und (als Folge) den Ton.

Also muss er sich (anfagst bewußt) die Ruhe auferlegen. Deshalb lehrte Hausdörfer seinen Schülern das Phlegma.
Ein Phlegmatiker zu werden sollte das höchste Ziel eines Stotternden sein!

Was ist ein Phlegmatiker? Als Phlegmatiker wird ein Mensch bezeichnet, der langsam, ruhig und schwerfällig ist.
Der Phlegmatiker ist Sprechfehler gegenüber unempfindlich. Er ärgert sich nicht nicht mehr über eventuel auftretende Sprechfehler. Geht es wie es geht. Nur nicht über Sprechfehler ärgern. Das schafft nur neues Leiden und belastet die Nerven.

Die letzte wichtige Säule bei Hausdörfer ist die Autosuggestion. Der Betroffene sollte sich immer wieder klar machen, dass er sprechen kann. Er hat nur noch für die Ruhe zu sorgen.

Lest euch diese Anleitung ruhig mal häufiger durch. Ich denke mal, dass diese Ausführungen weitesgehend Lückenlos sind.
Vielleicht schreibe ich doch mal ein Buch ;-)

Ich wünsche euch viel Erfolg und viele neue Erkenntnisse.

Liebe Grüße, euer

Frenky
Und immer wieder geht die Sonne auf - und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht.
Denn Dunkelheit für immer gibt es nicht !

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Boggi » 29. März 2008 00:19

Hallo Mechthild,
danke für den Link. Was Andreas auf seinem Link schreibt, kannte ich schon von seiner Homepage, das steht dort unter Texte.
Als ich ihn nochmals las, wurde mir wieder klar, warum ich den Pullout nicht hinbekommen habe.
Ich hatte zu hohe Erwartungen, er sollte gleich überall funktionieren und ich wollte mit ihm stottern verhindern. Das lies mich verkrampfen und wenns dann nicht klappte, ärgerte ich mich fürchterlich. Trotz dieser Erkenntnis will ich es jetzt mit Hausdörfer versuchen, weil er mich mehr anspricht.

Hallo Djub
Du fragtest, welche Übungen ich für mich alleine zu Hause mache.
Meine Hauptübung ist eigentlich lesen, wobei ich die Art und Weise variiere. Manchmal lese ich wie es im Buch beschrieben wird, also vor dem ersten Wort Ton an, dann den Satz lesen. Beim nächsten Satzanfang mache ich wieder die gleiche Übung. Beim lesen höre ich dem Brummen meiner Stimme zu,verändere auch mal die Tonlage, außerdem versuche ich dabei locker zu bleiben.
Lockerheit bekomme ich bei einer anderen Leseübung aber besser hin. Und zwar, wenn ich beim lesen mit der Stimme spiele, zum Beispiel aus dem Wort ,,laufen" mache ich dann la la la laufen. Manche Wörter dehne ich oder spreche sie ganz langsam. Ich bin immer bestrebt eine gewisse Lockerheit dabei zu behalten, weil ich die dann mit in den Alltag mitnehmen kann. Wenn ich dort dieses Gefühl wieder abrufen kann, spreche ich oft schon ohne Angst, es tritt Sprechruhe ein.Ich fühle mich oft so, als wenn nichts geschehen kann,.. und wenn es bischen hackt, na und.
Ich lese immer aus dem Buch ,, Durch Nacht zum Licht", damit sich die Sugestionen einmeißeln,...Ich bin wohl schon vier mal durch
Aber ich glaube, Frenky hat das Buch schon öfter gelesen, er gibt hier ja originale Textstellen wieder.
Meistens nach dem Lesen, setze ich mich in einen bequemen Sessel und höre etwa 15 min Entspannugsmusik, das stärkt dann auch noch ein wenig die innere Ruhe.

Gruß Boggi

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Boggi » 29. März 2008 12:31

Mir ist heute noch ein Gedanke dazu gekommen, warum dieses ,,Spielen mit der Stimme" so eine positive Wirkung auf das Sprechen hat.
Vieleicht nimmt man damit den Druck heraus, das nächste Wort unbedingt glatt und sauber rauszukriegen. Bei diesem Spielen lässt man das Wort einfach durch den Mund gleiten, verweilt bei manchen Tönen, lässt sie noch etwas nachklingen. Machmal mache ich auch zwischen den Tönen eine kleine Pause oder atme im Wort noch einmal nach, es ist alles erlaubt, niemand zwingt mich, die Information schnell rüberzubringen. Auch ist mir aufgefallen, das durch diese Art zu lesen, ich im Text auch nicht sonderlich schnell vorankomme, ich muß mich also beherschen, muß vom Gas runtergehen, um locker zu bleiben.
Wenn ich dann einen Satz normal lese, freue ich mich, diesen fließen lassen zu dürfen.
Dieses Gefühl nehme ich dann mit nach draußen. Es ist nicht mehr so viel Druck da, ich muß nicht von Ton zu Ton hetzen, kann auch dort die Stimme gleiten lassen.
Vieleicht hört sich das jetzt etwas nach wischi waschi sprechen an, ist es aber nicht. Auf diese Art spreche ich tiefer und kräftiger, eben selbsbewußter.

Gruß Boggi

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 31. März 2008 13:10

Hallo,
also zuersteinmal danke für die Ausführungen.
Ich finde, dass ich schon üben muss. Und zwar die Stimmerzeugung. Ich kann zwar Ton erzeugen, allerdings oft einen eher schwachbrüstigen. Dazu nutze ich auch hauptsächlich lautes Lesen. Mein Problem dabei ist, dass ich oft wieder in das Üben von "Buchstaben" verfalle. In diesem Zusammenhang ist mir dann wieder der Text vom Valsalva-Mann eingefallen. Seine "Adronian Speech" ist eigentlich perfekt, um nicht in das Üben von Buchstaben zu verfallen, sondern allein auf den Ton zu achten.

Wie gesagt: Üben muss ich nicht nur "Phlegma", sondern auch kraftvolle Tonbildung und den Ton halten und variieren. Wie Boggi geschrieben hat, nehme auch ich nach erfolgreichem Üben meine Flüssigkeit und Ruhe, meine Stimmkraft, mit nach "draußen".

Was mir noch im Wege steht ist der Drang zu stottern, also das bewusste Sprechen der Buchstaben, statt einfach den Ton fließen zu lassen. Wenn ich das vllt. mit Hilfe der Adronian Speech überwinden kann, dann steht dem wirklich großen Durchbruch mE nichts mehr im Wege.

Ich versuche es mal zu beschreiben: Z.B. beim Wort "Gedanke" kommt mir bewusst in den Sinn, dass ich gleich ein "d+a" sprechen muss und dass das schwierig ist. Irgendwie komme ich dann oft von dem "einfach Stimme geben"-Motto ab und meine Konzentration liegt auf der Mundstellung. (Diese ist allerdings völlig richtig. Das einzige Problem ist, dass meine Stimme dann nicht weiterfließt.) Dann verspüre ich einen regelrechten Drang diese Mundstellung kraftvoll durchzudrücken, wie eine "Zwangsneurose". Resultat: Ich stottere.

Wenn ich das in den Griff bekomme, ist - meiner Meinung nach - fast all mein Stottern verschwunden.

Soweit ein paar Gedanken von mir.

Gibt es eigentlich Hausdörfer-Seminare in Berlin? Einmal würde ich schon gern mitmachen, um live zu sehen, wie andere Hausdörfer interpretieren bzw. ausführen.

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von ---***--- » 1. April 2008 13:16

Hi djub,

was ist denn die "Andronian Speech"? Ich stell mir darunter eine Art Roboterstimme vor. Wäre es für Dich attraktiv, so zu sprechen?
djub hat geschrieben:Ich versuche es mal zu beschreiben: Z.B. beim Wort "Gedanke" kommt mir bewusst in den Sinn, dass ich gleich ein "d+a" sprechen muss und dass das schwierig ist. Irgendwie komme ich dann oft von dem "einfach Stimme geben"-Motto ab und meine Konzentration liegt auf der Mundstellung. (Diese ist allerdings völlig richtig. Das einzige Problem ist, dass meine Stimme dann nicht weiterfließt.) Dann verspüre ich einen regelrechten Drang diese Mundstellung kraftvoll durchzudrücken, wie eine "Zwangsneurose". Resultat: Ich stottere.
Mir fallen noch zwei Alternativen zur Andronian Speech ein (wenn das eine Robotersprache sein soll):

- Falls das Beispiel "Gedanke" wirklich zutrifft, finde ich es bemerkenswert, dass Du auf der 2. Silbe stotterst, die zwar die betonte ist, ist aber trotzdem ungewöhnlich, wenn Du schon mit gutem Stimmeinsatz sprichst und auf dem Atemfluss sprichst (finde ich). Ich vemute, Du sprichst dann eher Silben, also irgendwie abgehackt, statt verbunden, oder?

- die andere Idee ist, dass Du Dir für den Fall, dass Stottern auftritt, den Pullout antrainierst, also lernst, den "Drang zu stottern" (Dein Stottermuster) zu unterbrechen, die Spannung abbaust, Dich über die taktile Wahrnehmung aus dem Block ziehst, indem Du Stimme bewusst zugibst, die Sprechbewegung, die Lautübergänge bewusst durchführst. Das Spüren der Bewegung ist dafür wichtig, nicht das Hören. Ich könnte mir vorstellen, "Tönen" erfolgt auch über das Spüren des Tons, nicht nur das Hören...

Just my 2 cents,
lG Mechthild

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 1. April 2008 16:00

Hi,

da musste ich nun echt schmunzeln. :mrgreen:
Es heißt nicht "Andronian", sondern "Adronian". Sie ist eine reine Übungssprechweise und nicht für den Außeneinsatz gedacht. Dabei geht es darum alle harten Konsonanten durch weiche zu ersetzen (z.B. k durch g) und mit möglichst viel Stimme durch einen Satz "zu fließen". Dieses Übungssprechen hat dann eher indirekte Auswirkungen auf das alltägliche Sprechen.
Mein Problem bei "Gedanke" ist, dass ich plötzlich nicht mehr auf die Stimme, sondern die Buchstaben, die Silbe achte. Ich sehe das Wort also dann plötzlich wieder als Buchstabenkombination statt als Klangeinheit. So "verliere" ich meinen Stimmfluss und Blocke. Dabei besteht das Wort beim Sprechen nicht aus Buchstaben, sondern aus Tönen.
Bzgl. Pull-Out kommt für mich wohl am ehesten die In-Block-Correction in betracht. Und zwar in der Form, dass ich bei einem Block absetze, statt ihn (zwangmäßig) durchzudrücken und sodann versuche das Wort flüssig zu sagen.

Danke für die Anregungen. :)
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Jaspis » 1. April 2008 19:03

Frenky hat geschrieben:Lest euch diese Anleitung ruhig mal häufiger durch. Ich denke mal, dass diese Ausführungen weitesgehend Lückenlos sind.
Hallo Frenky,
das ist ja eine tolle Zusammenfassung, Danke! Habe sie leider erst heute entdeckt, da sich meine Augen immer noch nicht an die neue Software gewöhnen wollen. Ich habe immer überlegt, mir das Hausdörfer-Buch noch zu kaufen, bisher kenne ich nur Erwin Richters "Natürlich Sprechen". Aber das brauche ich ja nun nicht mehr :-)
Wielange hast Du gebraucht, um die Hausdörfer-Idee so umsetzen zu können wie beschrieben?
Djub hat geschrieben:Dabei besteht das Wort beim Sprechen nicht aus Buchstaben, sondern aus Tönen.
Hallo Djub,
diesen Satz mache ich mir auch immer wieder klar, wenn ich bei bestimmten Wörtern immer wieder blocke. Ich übe sie dann zuhause im Silben-Sing-Sang und versuche mir das Wort nur noch über die gefühlten und gehörten Töne einzuprägen. Auch hilft mir sehr, dass ich komplizierte Wörter in sinnfreie Silben zerlege, da ich mehr blocke, je "bedeutungsvoller" mein Sprechen wird. Silben haben aber keine Bedeutung! Das mache ich mir klar und versuche, diese Wörter das nächste Mal als zusammengesetzte Silben zu sprechen und nicht das Wort in seiner Gesamtbedeutung vor mir zu sehen und schon gar nicht in Buchstaben. So ein k.O.-Wort ist bei mir z.B. Elektrotechnik, meiner Berufsbranche. Ich kann noch so flüssig sein, aber das bremst mich immer noch aus. Seit ich es aber in Silben und Töne zerlege, geht es auch öfter mal ohne Block.
Gruss, Karen

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von ---***--- » 2. April 2008 01:18

Hi djub,
djub hat geschrieben:Es heißt nicht "Andronian", sondern "Adronian".
:lol:
Ich brauch doch ne Brille...

Hört sich wie KST an, oder?
djub hat geschrieben:Und zwar in der Form, dass ich bei einem Block absetze, statt ihn (zwangmäßig) durchzudrücken und sodann versuche das Wort flüssig zu sagen.
yepp, ich glaube, die Hauptsache ist das Absetzenkönnen (was erstaunlich leicht geht, auch schnell erlernbar ist, den Sprechversuch aufgeben, das ist es wohl schon), wie und womit Du dann flüssig weiterkommst, ist dann wohl Übungssache, denk ich mir :mrgreen:

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