Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

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djub
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 2. April 2008 10:18

Hi Mechthild,

ich danke dir. Ich weiß nicht, was genau in deinen Beiträgen, aber irgendwas hat mir ein *klick* beschert und ich bin wieder in meiner alten Flüssigkeit (zumindest wenn ich übe), die seltsamerweise abhanden gekommen war. Plötzlich weiß ich wieder, wie es geht. :)

§prost

djub

//Achso: Ich suche das Buch von Ronald Muirden "Stammering Correction Simplified" bzw. "Statt stottern einfach richtig sprechen" (oder so ähnlich). Ist das das gleiche wie das Buch "Natürlich sprechen lernen", das im Demosthenes Verlag angeboten wird?
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Frenky
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Frenky » 3. April 2008 18:24

Hallo Karen,

vielleicht war es mein Glück, dass ich bis vor 3 Jahren (ich war bereits 35 Jahre alt) noch keine Stottertherapie hinter mir hatte.
Im April 2005 kam ich dann auf Hausörfer. Ich muss zugeben, ich habe das Sprechgesetz in der ersten Woche absolut extrem und übertrieben angewendet. Jedoch hat mir die (sofort vorhandene) Sprechflüssigkeit so viel Motivation und Antrieb gegeben, dass ich mich fortan immer mehr mit der Lehre von Oscar Hausdörfer beschäftigte.
Das, über die BV erhältliche, Buch "Durch Nacht zum Licht" ist ein Nachdruck der vierten Auflage von 1933.
Es besteht aus 2 Abschnitten. Der erste Teil ist die Geschichte von alten Gelehrten. Den finde ich nicht so interessant.
Im zweiten Teil erklärt Hausdörfer Punkt für Punkt das Wesen des Stotterns und die Zusammenhänge der auslösenden und erschwerenden Faktoren.

Die erste Auflage des Buches stammt aus dem Jahr 1905. Diese Auflage ist wesentlich dicker als die "aktuelle".
In deiser Ausgabe gab es die Geschichte vom alten Gelehrten noch nicht. Statt dessen sind die Ausführungen über das Wesen des Stotterns detailierter und ausführlicher. Dieses Werk kann ich wirklich empfehlen.


Hallo djub,

das Buch "Natürlich sprechen lernen" ist die dritte Auflage der Übersetzung des Buches "Stammering Correction Simplified".
Die erste Auflage hieß Stimmbetonte Stotterer-Behandlung (1983), die zweite Auflage hieß "Statt Stottern-Einfach Richtig-Sprechen (1993).
Den setzer Ludwig Werle kennen mit Sicherheit viele unter uns.


Liebe Grüße,

Frenky
Und immer wieder geht die Sonne auf - und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht.
Denn Dunkelheit für immer gibt es nicht !

---***---
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von ---***--- » 3. April 2008 18:51

Hi djub,
djub hat geschrieben:Gibt es eigentlich Hausdörfer-Seminare in Berlin? Einmal würde ich schon gern mitmachen, um live zu sehen, wie andere Hausdörfer interpretieren bzw. ausführen.
Das weiß ich leider nicht, aktuell ist wohl keines in Berlin im Seminarprogramm...

Kennst Du die DVD der BV "Manchmal ist das Leben wie ein Film"? Ein Teil zeigt ein Hausdörfer-Seminar mit Ludwig W. und Berthold W.

lG Mechthild

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djub
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 4. April 2008 10:44

Hallo,

nein die kenne ich (noch) nicht. Aber gibt es vllt. Videos aus Hausdörfer-Seminaren zum Runterladen? Das wär natürlich ideal. Hat da jmd. Infos?

Vielen Dank Frenky für die Aufklärung. Ab nächstem Monat werde ich mich auch wieder mehr mit Hausdörfer befassen. :)

Ach und Karens Beitrag hab ich ganz übersehen. Ich finde es schön, dass es so viele Leute gibt, die auf ähnliche Weise versuchen wie ich, ihr Stottern in den Griff zu kriegen. :)
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Boggi
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Boggi » 7. April 2008 21:51

Hallo,
ich war am Wochenende auf ein Seminar von Berthold Wauligmann und es war hoch interessant. Er arbeitet nach dem Hausdörfer-Ansatz,
hat aber schon viel Eigenes eingebracht. Auch ist er ein Schüler von Ludwig Werle.In seiner neuen Naturmethode gibt er viele Hilfen um leichter Sprechen zu können und schwierige Sitiuationen zu meistern. Er rät zB. dazu, vor Sprechbeginn mit leicht geöffneten Mund in den Bauch zu atmen, außerdem soll man sich den Mund ,,locker" vorstellen. Um sich beim Sprechen besser auf den Ton konzentrieren zu können schlägt er vor, immer wieder zusätzliche Betonungen einzusetzen, am besten in Wellen. Damit geht er auch von dem stark übertriebenen Tönen, der alten Naturmethode weg, weil sie schwer umzusetzen war.
Das alte Tönen kann man auf dem Video,, Das Leben ist manchmal wie ein Film" sehen. An alles gleichzeitig denken kann sicher niemand, verlangt er auch nicht, es kann aber in gewissen Sitiuatinen eingesetzt werden.
Ich war voralldingen hingefahren, um Übungsmaterial für Draussen zu kriegen und ich konnte genug mitnehmen.
Berhold spricht übrigens fließend und bezeichnet sich selber als geheilt.

Gruß Maik

PS. Ich unterschreibe lieber mit meinem Vornahmen, da hier schon jemand dachte, ich sei eine Frau, bin ich aber nicht, trotz langer Haare.( lG nach Bochum)

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 8. April 2008 10:23

Danke für die Schilderung. Das stimmt ja fast zu 100% mit meiner Interpretation überein. Das mit dem "locker vorstellen" des Mundes klappt tatsächlich. Habe ich schon häufiger mitbekommen. Allerdings habe ich nicht immer das "Feeling" dafür.
Danke nochmal. Das zeigt mir, dass ich auf der richtigen Spur bin.
Was wohl einer der Schlüssel ist, ist sich offen gegenüber anderen zu verhalten. Gespräche führen, Anrufe tätigen, eben kommunikativ sein. Anders ausgedrückt: Die "natürliche Sprechweise" in realem Umfeld anwenden. Wenn man dabei stottert, ist das gleich noch eine Desensibilisierung bzgl. der Reaktionen der Gesprächspartner. ;)
Habe gerade wieder mitbekommen, wie sehr es meiner Flüssigkeit hilft, wenn ich mit anderen Leuten in der "natürlichen Sprechweise" spreche. Mit den paar Blocks, die ich habe, wenn ich alles soweit gut anwenden kann, kann ich gut leben. Man spürt richtig, wie das vielbeschriebene "ICH KANN" - Gefühl aufkommt, das sich auch auf alle anderen Lebensbereiche überträgt. Einzelne Blocks machen mir immer weniger aus, je flüssiger ich spreche. :)
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Boggi » 12. April 2008 21:11

Hallo,
es ist mir noch etwas eingefallen zu meinen Ausführungen von neulich. §gruebel
Berthold rät dazu, zu sprechen, wie man Auto fährt, also wenn es zu schnell wird, mal auf die Sprechbremse treten :!:
Allgemein soll man sich nicht hetzen lassen, eher in Abschnitten sprechen, anstatt ähs oder ähnliches einzubauen,
lieber eine kurze Pause machen. :isagnix:
Bei schwierigen Satzanfängen soll man ein bisschen leiser anfangen, kann auch helfen besser in Schwung zu kommen.
Um ein Gefühl für einen lockeren Mund zu bekommen eignen sich ungeformte Sätze ( ohne Artikulation) oder wie ein Bauchredner zu sprechen, eben mit wenig Mundbewegungen. Als Autosugestion kann der Satz ,,Ich spreche mit lockerer Mundmuskulatur...und mit regelmäßigen Betonungen."benutzt werden.

Gruß Maik

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Jaspis » 12. April 2008 23:07

Hallo Boggi,
Du kannst sehr gut erklären! Ich erinnere mich sofort an mein eigenes Seminar bei Berthold & Co. (vor 7 Jahren!) und an die von Dir beschriebenen Tipps. Und es macht gleich wieder "Klick" in meinem Kopf: Ja, so war das! Ich werde in den nächsten Tagen mal wieder intensiver daran denken, als Auffrischung sozusagen. Danke! :D

Gruss gen Norden,
Karen

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 13. April 2008 11:01

Hallo,

nur weiter so mit den Tipps und Hinweisen. Sowieso sollten wir mehr konkrete Tipps hier posten.
Mein erster Tipp: Mal ehrlich zu sich sein. Bei diversen Telefonaten gestern war ich im Nachhinein betrachtet viel flüssiger als ich mich eingeschätzt hab, obwohl ich den ganzen Tag kein rechtes "Feeling" hatte. Es waren sehr erfolgreiche Telefonate. Einem habe ich sogar bei einem Block gesagt, dass ich Stotterer bin. Über die paar starken Blocks, die ich hatte, ärgere ich mich nicht, weil die Telefonate sehr erfolgreich waren. :)
Ein noch konkreterer Tipp: Bei Betonten Silben nicht immer lauter werden, sondern auch öfters mal sehr viel leiser werden. Ein beliebter "Trick" vieler guter Redner. So erzielt man mehr Aufmerksamkeit, weil die Zuhörer genauer hinhören, sich konzentrieren. Mir konkret bringt das aber vor allem Stimmfluss. Mal lauter mal leiser, wie auf einer Welle. Stimmvariation macht flüssig.
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 14. April 2008 08:38

Ich nochmal,
ich poste einfach zweimal, weil man sonst nie erkennt, dass es "was neues" gibt.

Problem bei mir ist oft von einem Konsonanten in einen Vokal zu kommen (wwwwwwwwwwwwwwoher, d_______d_______danke,...). Worte, die mit Vokalen beginnen, habe ich mittlerweile ganz gut drauf.
Ich weiß, man soll nicht an Buchstaben denken, aber in diesem Fall kann ich das nicht anders beschreiben. Den weichen Stimmeinsatz kennt jeder und der hilft ganz gut, wenn man ihn anwenden kann. Was mir aufgefallen ist:
Ich schenke den Konsonanten (M ITlauten) zu viel Aufmerksamkeit, ich verharre zu lange auf ihnen, selbst wenn ich keinen Block habe.
Ich bin viel flüssiger, wenn ich bewusst und gezielt versuche, Konsonanten so kurz wie möglich zu sprechen. Klingt einfach, fällt mir aber noch recht schwer.

Beispiel: Das Wort "Stottern" (Das beim Sprechen natürlich nur aus Tönen besteht. ;) )

Ich sage fast immer: "St____ottern".

Das dumme ist, dass ich genau so ein Sprechen früher lange eingeübt habe und es jetzt mehr oder weniger automatisch ist. Der Knackpunkt ist hier, dass ich versuchen muss, den Konsonanten in den Klang des Vokals einzubauen.
Dazu finde ich eine gute Hilfe, den Mund kaum zu benutzten. Also kaum zu artikulieren. Das, was Boggi als "Sprechen wie ein Bauchredner" beschrieben hat. Dann kann man kaum in zu starke Artikulationsbewegungen verfallen. Ich glaube, das ist auch in etwa das Prinzip der "Adronian-Speech".

Nichts neues, aber manchmal hilft es ja, wenn man was altes einfach nochmal liest. ;)

Vllt. hat noch jmd. Tipps, wie man die Konsonanten einfach vergessen kann. Die Buchstaben zu vergessen fällt mir nämlich nicht leicht. Vllt. ist lesen auch genau die falsche Übung? :? ;)

Ich habe jetzt wieder etwas mehr Zeit und werde mich wieder eingehend mit Hausdörfer, Richter und Muirden befassen.
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Jaspis » 14. April 2008 11:01

Hallo Djub!
Ich schenke den Konsonanten (M ITlauten) zu viel Aufmerksamkeit, ich verharre zu lange auf ihnen, selbst wenn ich keinen Block habe.
Ich bin viel flüssiger, wenn ich bewusst und gezielt versuche, Konsonanten so kurz wie möglich zu sprechen. Klingt einfach, fällt mir aber noch recht schwer.
Mir selbst hat bei diesem Problem folgender Denk(aus)weg geholfen: Lange dachte ich auch, dass die Mitlaute mein Problem wären und ich deshalb gar nicht erst bis zu den Selbstlauten komme. Dann hat mir Einer, der sich damit etwas besser auskannte (er programmierte damals die KST-Software mit), erklärt, dass es wohl eher die Selbstlaute wären, die die Schwierigkeiten machten. Und ab da begann ich, mein Stottern ganz anders zu beobachten und fand, er hatte Recht, es sind die Selbstlaute (bei mir besonders o, e, ei), die mich an den Mitlauten verharren/kleben lassen. Bei meinen Silben-/Tön-Übungen beachte ich daher die Mitlaute kaum noch, sondern nur die Selbstlaute. Und O, E, Ei sind ja eigentlich ganz schön klingende Laute.

Klingt jetzt vielleicht irgendwie blöd oder albern, aber mir hilft das "Liebenlernen" von Tönen/Silben sehr, sie positiver und damit flüssiger anzugehen. Allenfalls nötigen sie mir heute noch Respekt ab, aber ich verdamme/hasse sie nicht mehr.

Gruss, Karen

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Boggi » 14. April 2008 22:13

Djub schreibt,
Ich bin viel flüssiger, wenn ich bewusst und gezielt versuche, Konsonanten so kurz wie möglich zu sprechen. Klingt einfach, fällt mir aber noch recht schwer.
Damit bist Du sicher auf dem richtigen Weg, Berthold W. sagt zu dem Thema ,,Statt Buchstaben sehen: Betonungen hören. Also bei schwierigen Konsonanten
sollte man lieber diese vernachlässigen, und sich mehr auf die Betonung (Vokale) konzentrieren. erreichen kann man das sicher auch mit einem leisen und
lockeren Stimmeinsatz.

Gruß Maik

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von djub » 15. April 2008 09:22

Hallo,

danke für die Antworten.
Allein die Konsonanten sind tatsächlich nicht mein Problem, sondern die Übergänge von ihnen in Vokale. Wie gesagt, allein klingende Vokale kann ich mittlerweile fast immer bilden ohne zu blocken (was noch vor zwei Jahren nicht möglich erschien...).

Das Ziel muss sein, die Mitlaute wirklich nur mitlauten zu lassen. Wer gut tönen kann und somit auf alleinstehenden Vokalen kaum blockt, dem fehlt m.E. wirklich "nur" noch die Fähigkeit, Mitlaute immer und überall locker in den Klang der Selbstlaute einzubetten.

Und was ich mal wieder feststellen konnte: Nichts hilft der Flüssigkeit mehr als offen auf Leute zu zu gehen und zu sprechen. :)
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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Torsten » 11. März 2011 11:20

Hallo,
habe mir mal diesen alten Thread durchgelesen, und mir scheint, dass Hausdörfer auch von seinen Anhängern oft missverstanden wird. In diesem ganzen langen Thread ist nur ein einziges Mal - und nur ganz nebenbei - vom Hören die Rede. Es ist die Meinung verbreitet, es ginge Hausdörfer um das "Tönen". Hier noch zwei Beispiele dafür:

Christine Michaela Busler, die sich für Hausdörfer einsetzt, schreibt in ihrer Dissertation, dass Hausdörfer "sich auf Vokalisation konzentriert, das 'Tönen' als Sprechtechnik fokussiert..." (S. 69, unterstrichen von mir).

Hartmut Zückner (Lehranstalt für Logopädie, Universitätsklinikum Aachen) zählt in seinem Aufsatz "Stottertherapie bei Jugendlichen und Erwachsenen" die "Hausdörfer-Methode" zu den Fluency-Shaping-Therapien: "Es gibt auch Therapieprogramme, die hauptsächlich oder ausschlie0lich die Stimmgebung verändern, und darüber eine veränderte Art des Einsetzens der Stimmgebungsmuskulatur, wie sie beim Singen oder Seufzen angewandt werden. Über diese stimmlichen Veränderungen kann dann stotterfreies Sprechen erreicht werden. Die in Deutschland verbreitete Methode nach "Hausdörfer" fällt in diese Richtung. [...] Die Behandlungsphilosophie all dieser Therapieprogramme gipfelt darin, Stottern grundsätzlich durch eine Sprechtechnik beherrschbar zu machen und damit weitestgehend zu unterbinden." (unterstrichen von mir)

Hausdörfer betont dagegen immer wieder, dass es ihm gerade nicht um eine Sprechtechnik geht, dass man seine Aufmerksamkeit überhaupt nicht auf das Sprechen richten soll. Und es geht auch nicht um das "Tönen" - das ist höchstens Mittel zum Zweck, sich an des bewusste Hören zu gewöhnen. An einer Stelle (S. 45) vergleicht Hausdörfer den Ton mit einem Seil, an dem man sich beim Sprechen "mit den Ohren festhalten" soll. Und in dem Gespräch mit dem "alten Gelehrten heißt es:

""...aber auch das Tönen entsteht von selbst, wenn Sie nur aufs Sprechen hören." "Demnach hätte ich all meine Aufmerksamkeit nur auf das Hören zu richten?" "Nichts weiter -- aber auch gar nichts."" (S. 33)

Grüße

Torsten
www.stottertheorie.de

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Re: Oskar Hausdörfer / Fragen, Antworten, Erfahrungen...

Beitrag von Torsten » 15. März 2011 11:55

Hausdörfer beschreibt bekanntlich keine Methode, Blockaden aufzulösen. Meine "11 Empfehlungen" - die nichts weiter als eine Aktualisierung von Hausdörfers Ansatz sind - enthalten eine Methode, Blockaden zu lösen, mit der ich selbst gute Erfahrungen gemacht habe und immer noch mache:
  • Wenn du ins Stottern kommst, brich die Rede ab, atme aus und wieder ein (in den Bauch, die Schultern locker hängen lassen), richte deine Aufmerksamkeit auf das Hören und wiederhole den letzten Satz oder die letzten Worte!
Dazu eine kleine Geschichte: Ein Freund von mir hat die Gewohnheit, mitunter Sätze mehrmals zu wiederholen. Er ist Historiker, hat ein phänomenales Gedächtnis und kann gut und interessant erzählen – beneidenswert für jeden Stotterer. Aber natürlich benötigt er manchmal kurze Denkpausen*. Die füllt er damit, dass er seinen zuletzt gesprochenen Satz wiederholt, oft sogar mehrmals. Mir kam der Gedanke, dass das eigentlich auch eine Art Stottern ist – denn beim klonischen Stottern werden auch Silben oder Laute wiederholt – nur dass niemand das Wiederholen ganzer Sätze als Stottern empfindet. Man versteht solche Wiederholungen eher als Bekräftigung des Gesagten.

Es handelt sich also in gewisser Weise um eine Stottermodifikation: Wenn du ins Stottern kommst, dann wiederhole anstelle von Silben oder Lauten lieber die letzten Wörter oder den ganzen letzten Satz!

*) Anmerkung zu "Denkpause": In einer Denkpause geht es nicht nur darum, zu überlegen, wie man weitersprechen will - dieses Weitere, das man sagen will, muss sich inhaltlich/logisch und ggf., wenn ein längerer Satz zu vollenden ist, auch syntaktisch/grammatisch an das bereits Gesagte anschließen. Es muss also in einen Kontext eingebettet werden. Deshalb dienen Wiederholungen des Gesagten nicht nur dazu, die Pause zu füllen - sie dienen vor allem der Vergegenwärtigung des Kontextes. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich bei den Wiederholungen zuzuhören.
Grüße

Torsten
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