ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

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Quax
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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Quax » 10. April 2010 11:03

Hallo zusammen,

mir sind in letzter Zeit noch zwei Fragen zur Ropana-Methode eingefallen, die ich an dieser Stelle natürlich in erster Linie an Roland richten will. Ich denke, dass diese Fragen von allgemeinem Interesse sind und daher stelle ich sie jetzt einfach mal öffentlich:

(1)
Ropana unterteilt ja das Sprechen ganz logisch in Vorbereitung - Sprechphase - Nachbereitung. Mir geht es jetzt um die Vorbereitung. Unter die Vorbereitung fallen ja z.B. Dinge wie das Lesen der Leitsätze, eine wohltuende Anfangspause, ein besonnener Sprechbeginn, ggf. auch Nachbereitungen (Nachbereitungen als Vorbereitungen für ähnliche Situationen :wink: ) usw.
Was mich aber noch interessieren würde ist, ob es aus deiner Sicht etwas bringt, Roland, wenn man Situationen im Vorfeld schon in Gedanken "durchspielt" ?! Hast du damit Erfahrugen gemacht und wenn ja welche ? Welche Dinge gilt es dabei zu beachten ?

(2)
Thema Ropana und Vermeidung. Du hattest mal erwähnt Roland, dass man, wenn man merkt, dass man vermeidet, dies sofort unterlassen und mithilfe der Elemente versuchen soll, das zu sagen, was man will (siehe auch den Leitsatz "Ich sage alles so klar, wie ich es sagen will."). So weit, so gut.
Wie sollte man aber vorgehen, wenn man Situationen ganz meidet oder aufschiebt, um nicht Sprechen zu müssen (für mich leider nach wie vor ein Thema) ?! Ich vermute mal, hier hilft nur immer wieder sich zu überwinden oder ? Auch hier letztlich wieder die Frage, ob man es schaffen kann, durch gute Vorbereitungen mehr Mut für solche Situationen zu schöpfen.

So, ich muss leider weiter.


Viele Grüße an Alle

BERND :D :grinundwe: §dup :knuddel:

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Roland Pauli » 11. April 2010 01:11

Mechthild hat geschrieben:...
Ropana ist mit Nicht-Vermeidung/Stottermodifikation nicht kombinierbar. Bei VR geht es gerade darum zu trainieren, Stottern direkt, in jeder Situation bearbeiten zu können. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man über "Befindlichkeiten" rationalisiert, die einem angeblich hindern, genau dies zu tun. So gerät man wieder in eine Angst- und Vermeidungsspirale, die eigentlich schnell unterbrochen werden könnte...
Grüße, Mechthild
Liebe Mechthild,

ja auf den ersten Blick scheint das so, und Van Riper ist in der Desensibilisierung echt stark. Wer aber nicht so selbstbewusst mit seinem Stottern umgehen kann, weil er oder sie schon zahlreiche unangenehme Reaktionen unserer Mitmenschen ertragen musste, hat mit Ropana vielleicht einen etwas angenehmeren Weg.

Die Ropana-Methode ermutigt einen Stotternden (bzw. eine Stotternde) mit einer guten mentalen Vorbereitung in Situationen zu gehen, die er sich sonst nicht zugetraut hätte - aus Scham, Angst vor dem Versagen oder weil es ihm einfach unangenehm ist, in der Öffentlichkeit zu stottern.

Wir versuchen auch rational erlebte Emotionen zu bewerten, um Scham und Angstgefühle dadurch zu entmachten.

Oft gelingt am Anfang das Sprechen in der Öffentlichkeit überhaupt nicht gut, und deshalb machen wir anschließend oder am Abend unsere Nachbereitung - die emotionale und rationale Bearbeitung missglückter Situationen. Im Nachhinein stellen wir oft fest, dass unsere Befürchtungen unbegründet waren und wir beim nächsten mal ruhig lockerer und entschlossener in die Situation hineingehen können.

Letztlich ist auch unser Ziel, trotz auftretenden Stotterns, gelassen und selbstbewusst unsere Sprache zu gebrauchen, um alles das zu tun und zu erleben, was unser Leben lebenswert macht.

Sich Gedanken wegen seines Stotterns sollte sich keiner machen, jeder spricht halt so gut er kann und wenn jemand Zeit und Muße hat, sich mental vorher in eine gelöste Verfassung zu bringen - umso besser. Oft genug passiert im Leben auch so viel spontan, dass man erst gar nicht dazu kommt, sich vorher groß Gedanken zu machen. Dann spricht man eben und zwar so wie es gerade geht. Das ist dann Lebensqualität.

In Kombination mit Van Riper kann man Stotterereignisse, die trotz guter mentaler Vorbereitung eingetreten sind, mit pullouts und Nachbesserungen elegant abwickeln; und zum Abschluss noch eine Nachbereitung machen - wenn man will.

Aber pur ist Van Riper natürlich auch eine tolle Sache und Du bist ein gutes Beispiel dafür.

Herzlichst

Roland
http://www.ropana.de

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Roland Pauli » 14. April 2010 00:29

Quax hat geschrieben:...
1)
Was mich aber noch interessieren würde ist, ob es aus deiner Sicht etwas bringt, Roland, wenn man Situationen im Vorfeld schon in Gedanken "durchspielt" ?! Hast du damit Erfahrugen gemacht und wenn ja welche ? Welche Dinge gilt es dabei zu beachten ?
Lieber Bernd, mir hat am meisten geholfen, auf eine besonnene Sprechweise zu achten, denn meistens entwickelten sich die Situationen dann ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Quax hat geschrieben: 2)
Thema Ropana und Vermeidung. Du hattest mal erwähnt Roland, dass man, wenn man merkt, dass man vermeidet, dies sofort unterlassen und mithilfe der Elemente versuchen soll, das zu sagen, was man will (siehe auch den Leitsatz "Ich sage alles so klar, wie ich es sagen will."). So weit, so gut.
Wie sollte man aber vorgehen, wenn man Situationen ganz meidet oder aufschiebt, um nicht Sprechen zu müssen (für mich leider nach wie vor ein Thema) ?! Ich vermute mal, hier hilft nur immer wieder sich zu überwinden oder ? Auch hier letztlich wieder die Frage, ob man es schaffen kann, durch gute Vorbereitungen mehr Mut für solche Situationen zu schöpfen.
Ich hatte anfangs auch noch oft vermieden, mich aber in meiner "schweren Zeit" dann doch entschlossen, mich kurz mental vorbereiten, es versucht und bin oft genug gescheitert. Habe es dann aber nachbereitet und im Laufe der Zeit bin ich immer zuversichtlicher geworden. Es ist wirklich kein Zuckerschlecken ;-)
- aber man kann es schaffen. Ich wünsche Dir viel Erfolg.

Herzlichst
Roland
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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von ---***--- » 30. Mai 2010 01:38

Roland Pauli hat geschrieben:ja auf den ersten Blick scheint das so
Hallo Roland, es waren schon ein paar Blicke mehr und auch in die Tiefe gehende. Auch Deine Antwort zeigt die unterschiedlichen Haltungen.
Grüße, Mechthild

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Quax » 30. Mai 2010 22:21

Hallo Mechthild, Hallo Roland, Hallo alle anderen :wink:

ich möchte hier eine etwas vermittelnde Meinung vertreten. Ropana und VR gehen unterschiedlich an das Problem des Stotterns heran. VR wählt einen sehr offensiven und eher kinästhetisch-propriozeptiven Weg, Ropana arbeitet eher mit einem mentalen und emotionalen Weg.
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung und ich denke, man kann von beiden Ansätzen profitieren. Letztlich müssen wir uns fragen, was wir unter "Kombination von Therapieansätzen" verstehen. Wenn man darunter versteht, Methoden zu vermischen, dann sind sehr wenige Ansätze miteinander kompatibel. Wenn man aber Kombination eher im Sinne von "sinnvolle Ergänzung" versteht, dann sehe ich überhaupt kein Problem

Im Übrigen ist es leider so, dass auch viele VR-Absolventen Angst- und Vermeidungsspiralen noch nicht durchbrochen haben. Desensiblisierung ist hartes Brot, das weißt du, Mechthild, wahrscheinlich besser als ich und "so schnell unterbrochen werden" kann die Spirale wohl auch nicht. Es hängt letztlich auch immer von der jeweiligen Person und ihrer Vorgeschichte ab. Du bist zweifelsohne eine sehr starke Persönlichkeit und bist daher gut mit VR und dem eher konfrontativen Weg klar gekommen. §dup

Ich glaube auch nicht, dass Ropana "über Befindlichkeiten rationalisiert", sondern verstehe es eher als mentales Training, das mehr als nur das Sprechen umfasst. Klar, man darf in Ropana nicht mehr hineininterpretieren, als es ist - es ist kein "universelles Lebensprinzip" oder ein allumfassendes Training, aber es hat doch sehr positive Effekte, weil es bedingt durch Rolands Person und seinen religiösen Hintergrund doch auch gute Gedanken beinhaltet und verbreitet: Du bist ok, so wie du bist - Du bist von Gott geliebt - Du hast das wunderbarste Werkzeug, das es gibt, in der Brust und im Kopf - Du kannst Stottern nachbereiten - Du kannst an dir Arbeiten - Du hast Perspektive und Zukunft §dup :knuddel:

Manch einer mag sagen, das wäre "über Befindlichkeiten rationalisiert" ... vielleicht ist es das. Aber für mich persönlich (ich kann nur für mich sprechen), ist Sprechen auch Befindlichkeit und natürlich ist auch Stottern auch Befindlichkeit. Stottern ist etwas, das ich tue und das hängt zu einem nicht unwesentlichen Maße auch von meiner Befindlichkeit ab.

Abgesehen davon, würde der Welt ein bisschen mehr "empowerment" sicherlich nicht schaden §dup :knuddel:

In diesem Sinne

Viele Grüße an Alle

BERND :D §dup :grinundwe: :knuddel:

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Quax » 13. Juni 2010 10:50

... um das Thema aus aktuellem Anlass nochmals aufzugreifen. Ich denke, dass Ropana v.a. in der Anfangszeit extrem schwer ist, weil man eben keinen Blocklöser hat :? . Ropana schafft die mentalen Voraussetzungen, um besser zu sprechen, aber am Block selbst kann man eben nicht arbeiten.
Ich persönlich spreche zur Zeit wieder sehr schlecht und kann zwar eingreifen (Absetzen, Pausieren, Neustart versuchen), allerdings bleibe ich dann meistens direkt wieder hängen oder ich starte in Gespräche schon mit einem "Mini-Block", den ich mit kleinem Kraftaufwand sprenge oder im Satz kommt plötzlich Lautangst auf oder ich bleibe mitten im Wort hängen oder oder oder ... letztlich schaffe ich es dann auch nicht, mich aus diesen Situationen zu befreien, was mich sehr traurig macht. Ich bereite jetzt Situationen doch sehr regelmäßig nach, arbeite viel mit den Leitsätzen und versuche zumindest immer mal die Elemente einzusetzen. Trotzdem kommt es mir manchmal vor, als würde ich gegen Windmühlen kämpfen. Ich bin frustriert, wütend und traurig, weil ich schon so viele Jahre unter dem Stottern gelitten habe und es mich immer noch im Griff hat, wie "es" gerade will, trotz all meiner Anstrengungen :? :(

In diesem Sinne Viele Grüße

BERND :D

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Roland Pauli » 13. Juni 2010 13:27

Quax hat geschrieben:... Trotzdem kommt es mir manchmal vor, als würde ich gegen Windmühlen kämpfen. Ich bin frustriert, wütend und traurig, weil ich schon so viele Jahre unter dem Stottern gelitten habe und es mich immer noch im Griff hat, wie "es" gerade will, trotz all meiner Anstrengungen :? :(

In diesem Sinne Viele Grüße

BERND :D
Ja Bernd, es ist anfangs wirklich ein Kampf gegen Windmühlen, vor allem wenn es nicht schnell genug voran geht.
Mir haben auch nur sehr viele bewusste Übungstelefonate und Gespräche geholfen, bis ich das Maß an Grundflüssigkeit erreicht hatte, das mir akzeptabel erschien.

Ich musste lernen, dass es ein langer Weg ist, der mit Misserfolgen gespickt ist und ich nichts erzwingen oder erkämpfen kann. Und die Gelassenheit aufzubringen, nicht zu verzweifeln ist wirklich nicht einfach.

Wenn die Anspannung zu groß wird, versuche ich beim Block die Spannung herauszunehmen. Die Kasseler Stottertherapie und die Pullouts nach Van Riper bieten da ja gute ergänzende Werkzeuge.

Ich wünsche Dir viel Ruhe und Gelassenheit auf Deinem weiteren Weg.

Herzlichst

Roland

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von ---***--- » 13. Juni 2010 14:18

Hallo Bernd,
Quax hat geschrieben:Ropana und VR gehen unterschiedlich an das Problem des Stotterns heran. VR wählt einen sehr offensiven und eher kinästhetisch-propriozeptiven Weg, Ropana arbeitet eher mit einem mentalen und emotionalen Weg.
VR bietet hervorragende Werkzeuge für die mentale und emotionale Arbeit - ich verstehe gar nicht, woher ein solches Missverständnis kommt.

Ropana und VR gehen tatsächlich unterschiedlich an Stottern heran. Ich sehe unterschiedliche Coping-Strategien. Ropana versucht, die emotionale Erregung abzubauen, ohne sich mit den Ursachen (warum und wie stresst mich Stottern?) auseinander zu setzen. Bei VR steht im Vordergrund, das Problem direkt zu ändern, also Stottern zu ändern, und zwar genau dann, wenn es auftritt (auch ändern zu können). Zudem wird Stottern umbewertet. Du bist ok. Du bist ok, mit blonden Locken, Schnittlauchlocken, ohne Haare, Plattfüßen, mit Stottern, ohne Stottern. Du kannst Stottern verändern. Du kannst Deine Einstellung zur Kommunikation verändern. Du kannst frühere Erlebnisse ansehen und neu bewerten. Du kannst Dich sprechend einbringen. Du darfst dich zeigen wie du bist. Du darfst stottern. Du sollst sogar stottern, wenn du es verändern willst.

Ein Missverständnis ist, die Desensiblisierung würde, wie die Vorbereitung bei Ropana, dazu eingesetzt, sich in einen Zustand zu bringen, in dem Stottern nicht vorkommen kann. Die Desensibilisierung ermöglicht vor allem, Gesprächssituationen nicht zu fürchten, weil man stottern könnte, und sie ermöglicht, Stottern zu verändern, zu leichten und anstrengungsfreien Unflüssigkeiten. Weil man leichter eingreifen kann, wenn man nicht von Angst oder Scham überwältigt ist.

Ich kann auch nicht bestätigen, dass meine emotionale Lage meine Flüssigkeit/Unflüssigkeit so sehr beeinflusst. Ich kann völlig ruhig und gelassen sein und stottern und umgekehrt angespannt und flüssig sein.
Quax hat geschrieben:Im Übrigen ist es leider so, dass auch viele VR-Absolventen Angst- und Vermeidungsspiralen noch nicht durchbrochen haben.
Ja, natürlich. Es ist ein Prozeß. Die Angst ist listig. Sie sagt womöglich Sätze wie: Für Dich ist es viel schwerer. Du hast schlimmere Erfahrungen. Du bist doch nicht so stark und mutig.
Wichtig ist zu erkennen, wo ich der Angst nachgebe und andere Wünsche und Ziele für eine kurzzeitige Erleichterung opfere.

Geht es überhaupt darum, unbedingt nicht-stotternd zu sprechen? Oder geht es darum, sich zeigen zu können, sich einzubringen? Ich denke, auch in diesem, wesentlichen, Punkt verfolgen Ropana und VR unterschiedliche und schwer zu vereinbarende Ziele.

Ich habe mich hier nicht eingebracht, um allen zuzurufen, sie müssten auf die eine Art mit Stottern umgehen. Wenn jemand sich entschieden hat, den Weg der Nichtvermeidung und Stottermodifikation zu gehen, und auch die entsprechenden Methoden kennt, dann ist Ropana kein "sanfterer" Ersatz, es ist ein gänzlich anderer Weg, meines Erachtens eine Kehrtwendung.
Grüße!

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Jaspis » 13. Juni 2010 16:13

Mechthild hat geschrieben:Wenn jemand sich entschieden hat, den Weg der Nichtvermeidung und Stottermodifikation zu gehen, und auch die entsprechenden Methoden kennt, dann ist Ropana kein "sanfterer" Ersatz, es ist ein gänzlich anderer Weg, meines Erachtens eine Kehrtwendung.
Ja, ist das nicht logisch? Wenn ich den einen Weg schon gegangen bin, dann muß ich kehrtwenden, um einen weiteren, anderen Weg zu gehen. Es sei denn, ich kenne eine querfeldein-Abkürzung. ;-) Nein, ohne Quatsch, ein Therapieweg, den ich selbst nicht gegangen bin, muß mir gänzlich anders vorkommen, wenn ich einen anderen Weg schon sehr gut kenne, mir sein Ziel gefällt und ihn immer wieder gern gehe. Das alles ohne Bewertung beider Wegstrecken und der Art, wie ich mich fortbewege. Der eine joggt einen Berg- und Talweg entlang, der andere bevorzugt eine Nordic-Walking-Strecke mit regelmäßigen Ruheplätzchen ... beide tun entschieden was für ihre Fitness, wetten! §dup
Quax hat geschrieben:Ich denke, dass Ropana v.a. in der Anfangszeit extrem schwer ist, weil man eben keinen Blocklöser hat :?
Über diesen Satz habe ich etwas gestutzt, Bernd. Was meinst Du mit extrem schwer? Meiner Meinung nach ändert sich nach außen mit ROPANA erst mal gar nichts, also alles bleibt wie es ist, die Änderungen greifen erst schrittweise in Richtung gelassenerem und bewußterem Sprechen. Extrem schwer würden aus meiner Sicht die Blöcke bleiben, so wie sie es vorher waren. Das kann man nicht ROPANA "anlasten", um es mal etwas zugespitzt zu formulieren. Aber ich hoffe, Du kannst Dir vorstellen, wie ich das meine?
Gruß!

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von ---***--- » 13. Juni 2010 17:37

Hallo Karen,
okay, Bilder scheinen manchmal missverständlich zu sein. Deshalb hier die Klartext-Fassung: Ropana und VR sind Ansätze mit sich ausschließenden Herangehensweisen und Zielen. Roland hatte geschrieben, sie würden sich gut ergänzen. Dem widerspreche ich. Weil ich beide Wege kenne. Selbstsuggestion, mentale Vorbereitung und Regulierung der körperlichen Anspannung etwa gibt es ja nicht nur bei Ropana. Einige Unterschiede in der Haltung habe ich aufgezeigt, dabei möchte ich es belassen.
Grüße!

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Quax » 28. Juli 2010 22:08

Hallo zusammen, Hallo Karen,
Karen hat geschrieben
Über diesen Satz habe ich etwas gestutzt, Bernd. Was meinst Du mit extrem schwer? Meiner Meinung nach ändert sich nach außen mit ROPANA erst mal gar nichts, also alles bleibt wie es ist, die Änderungen greifen erst schrittweise in Richtung gelassenerem und bewußterem Sprechen. Extrem schwer würden aus meiner Sicht die Blöcke bleiben, so wie sie es vorher waren. Das kann man nicht ROPANA "anlasten", um es mal etwas zugespitzt zu formulieren. Aber ich hoffe, Du kannst Dir vorstellen, wie ich das meine?
Gruß!
Ich glaube, ich muss hierzu nochmal nachfassen. Ich meinte, dass man mit Ropana in der Anfangszeit "extrem schwer" klarkommt. Man schafft es eben nur mit sehr viel bewusster Übung, von Anspannungen herunterzukommen bzw. sich überhaupt dazu zu zwingen zu pausieren. Es ist wirklich nicht einfach, sofort bei der ersten kleinen motorischen Fehlleistung abzusetzen, alles kämpfen einzustellen und erst mal zu warten. Auch heute gelingt mir das nicht immer, aber immer öfter. Wenn man es dann noch schafft, kontrolliert, d.h. über einen natürlichen und kühlen Atem und einer besonnenen ersten Silbe (ggf. etwas verlängert) in den Satz neu zu starten, hat man gute Chancen, dass es beim zweiten Mal schon flüssig(er) geht. In Übungsgesprächen kann man dann auch noch ein drittes oder viertes Mal starten, bis man zufrieden ist oder fühlt, dass man den Satz gerade nicht besser hinbekommt.
Ich hoffe, diese Passage ist jetzt klarer geworden, ansonsten kann ich es dir gerne auch mal in einem Telefongespräch näher erläutern.

Viele Grüße

BERND :D

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Jaspis » 1. August 2010 22:07

Hallo Bernd,
man merkt, Du bleibst dran! §dup
Quax hat geschrieben:Ich meinte, dass man mit Ropana in der Anfangszeit "extrem schwer" klarkommt. Man schafft es eben nur mit sehr viel bewusster Übung, von Anspannungen herunterzukommen bzw. sich überhaupt dazu zu zwingen zu pausieren. Es ist wirklich nicht einfach, sofort bei der ersten kleinen motorischen Fehlleistung abzusetzen, alles kämpfen einzustellen und erst mal zu warten.
Ja, das stimmt, das ist das Schwierige, vielleicht Schwierigste überhaupt, egal bei welcher Therapie - diese Stottermomente auszuhalten und bei sich zu bleiben bzw. wieder zu sich zu kommen.

Ich glaube, ich habe damals zunächst in flüssigen Situationen angefangen, einen engeren Draht zu mir beim Sprechen aufzubauen, also meine Anspannung spüren zu lernen, innere Stoppunkte einzubauen, dabei mein Verhalten, emotionales und motorisches, einschätzen zu lernen. Erst dann habe ich probiert, in Stottersituationen tatsächlich einzugreifen. Ich sehe es als 2-Stufen-Plan:
1. Sich beobachten und feststellen, was, geändert werden muß.
2. Zu wissen und umsetzen zu können, wie man sein Verhalten ändern kann.

Vor allem für Stufe 2 habe ich mir viele Anregungen von ROPANA geholt, besonders die Idee der Nachbereitung (hatte weiter oben schon mal was dazu geschrieben) ist aus meiner Sicht "mehrdimensional" wirksam. Mit dem kühlen Atem kann ich persönlich dagegen weniger was anfangen, ich finde meinen Flüssig-Modus irgendwie anders, habe es im Gefühl, kann es nicht detailliert beschreiben.

Ich denke, ROPANA erklärt das Sprechen nicht neu, keine Therapie macht das. Wie flüssiges Sprechen geht, gibt die Natur einfach vor. Aber beim Entdecken, wie mein flüssiges Sprechen funktioniert und mich in die Lage zu versetzen, diese "Funktionsweise" auch in Stottersituationen zu aktivieren, dabei hat es mir sehr entscheidend geholfen.

Hab Geduld, Bernd! Ich kenne ROPANA seit 12 Jahren, seit Roland anfing, darüber zu berichten.
Schönen Gruß!

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von ---***--- » 4. August 2010 15:06

Quax hat geschrieben:Ich meinte, dass man mit Ropana in der Anfangszeit "extrem schwer" klarkommt. Man schafft es eben nur mit sehr viel bewusster Übung, von Anspannungen herunterzukommen bzw. sich überhaupt dazu zu zwingen zu pausieren. Es ist wirklich nicht einfach, sofort bei der ersten kleinen motorischen Fehlleistung abzusetzen, alles kämpfen einzustellen und erst mal zu warten. Auch heute gelingt mir das nicht immer, aber immer öfter. Wenn man es dann noch schafft, kontrolliert, d.h. über einen natürlichen und kühlen Atem und einer besonnenen ersten Silbe (ggf. etwas verlängert) in den Satz neu zu starten, hat man gute Chancen, dass es beim zweiten Mal schon flüssig(er) geht. In Übungsgesprächen kann man dann auch noch ein drittes oder viertes Mal starten, bis man zufrieden ist oder fühlt, dass man den Satz gerade nicht besser hinbekommt.
Hi Bernd, das Verfahren, das Du beschreibst, ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Es hört sich in deiner Beschreibung quälend und wenig erfolgreich an, was mich traurig macht. Wer sich anstrengt sollte auch belohnt werden...

Wenn es so mühsam ist, können zwei Ebenen verantwortlich sein.
- Das Verhalten wurde nicht in kleinen Schritten angebahnt, keine Zwischenschritte sicher eingeübt, bevor nächste Schritte dran waren. Du versuchst Dich gleich am Endergebnis, was als Ziel zu hoch ist.
- Die Desensibilisierung wurde vernachlässigt. Das gewünschte Verhalten kann nicht vor anderen gezeigt werden, wenn das vorrangige Ziel ist, nicht aufzufallen, Stottern zu verstecken usw.

Wenn Du wirklich alleine arbeiten willst, kann ich Dir Malcolm Frasers Buch zur Selbsttherapie sehr empfehlen. Keine Angst, dass es wieder ein neuer Ansatz ist, es ist das, was Du nun tust.
Grüße!

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von Quax » 4. August 2010 18:14

Hallo Karen, Hallo Mechthild,
Jaspis hat geschrieben
Ja, das stimmt, das ist das Schwierige, vielleicht Schwierigste überhaupt, egal bei welcher Therapie - diese Stottermomente auszuhalten und bei sich zu bleiben bzw. wieder zu sich zu kommen.
Das ist richtig, es ist wirklich nicht einfach, aber machbar. Man kann wirklich bewusst üben "loszulassen" und einfach die Sprechabsicht für einen Moment beiseite zu legen. Das geht aber anfangs nur im Schonraum, mit viel Geduld und hohem persönlichen Einsatz.
Jaspis hat geschrieben
Ich glaube, ich habe damals zunächst in flüssigen Situationen angefangen, einen engeren Draht zu mir beim Sprechen aufzubauen, also meine Anspannung spüren zu lernen, innere Stoppunkte einzubauen, dabei mein Verhalten, emotionales und motorisches, einschätzen zu lernen. Erst dann habe ich probiert, in Stottersituationen tatsächlich einzugreifen. Ich sehe es als 2-Stufen-Plan:
1. Sich beobachten und feststellen, was, geändert werden muß.
2. Zu wissen und umsetzen zu können, wie man sein Verhalten ändern kann.
Selbstbeobachtung halte ich auch für sehr wichtig. Ich persönlich habe nämlich festgestellt, dass mein Stottern oftmals schon "früher" beginnt, als ich ursprünglich angenommen habe. Da kann es sein, dass ich schon am Ende eines Lautes eine minimale Verlängerung habe, um in den folgenden zu kommen oder sonst kleine Fehlspannungen wahrnehme. Allerdings würde ich diese Kleinigkeiten nicht überbewerten und ich habe mittlerweile in vielen Situationen schon ein gewisses Gefühl dafür, was ich nachbereiten will und kann. Kleinigkeiten zu verbessern setzt einen nur unnötig unter Druck, denke ich.

Ic h hätte noch gerne gewusst, was du mit "inneren Stoppunkten" meinst.

Danke jedenfalls auch für die motivierenden Worte am Ende deines Postings :D
Mechthild hat geschrieben
Hi Bernd, das Verfahren, das Du beschreibst, ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Es hört sich quälend und wenig erfolgreich an, was mich traurig macht. Wer sich anstrengt sollte auch belohnt werden...
Als quälend würde ich es nicht bezeichnen, auch wenn es natürlich eine massive Verhaltensänderung ist. Frühzeitig abbrechen, alles Kämpfen einstellen (was übrigens auch anstrengend und energieraubend ist), die Stille aushalten und den Satz neu zu beginnen, ist das glatte Gegenteil von dem, was viele Stotternde tun.
Belohnungen waren mit diesem Verfahren bereits durchaus da. Ich hatte Ropana-Seminare, wo ich sehr flüssig war und fast schon an einem kleinen Flow geschnuppert habe. Außerdem tat es sehr gut, mal wieder die Erfahrung zu machen, dass man bei seiner nächsten Äußerung nicht mehr schwer stottern wird. Natürlich war da auch nicht immer die absolute Sicherheit da, und der Alltag stellt ganz andere Anforderungen an einen, aber diese Erfahrungen bieten einfach schon einen gewissen Fundus auf den man zurückgreifen kann.
Mechthild hat geschrieben
Das Verhalten wurde nicht in kleinen Schritten angebahnt, keine Zwischenschritte sicher eingeübt, bevor nächste Schritte dran waren. Du versuchst Dich gleich am Endergebnis, was als Ziel zu hoch ist.
Die Erfahrung zeigt aber, dass man oftmals gleich vom "Problem" (bewusst in "") (= Stottern) in das flüssige Sprechen (= Lösung) wechseln kann. Tatsächlich ist es so, dass konsequentes Nachbereiten über einige Minuten / Stunden frappierende Effekte haben kann.
Ich glaube aber, ich weiß was du meinst: du sprichst wohl Alltagssituationen an, die natürlich nicht in einer Seminaratmosphäre ablaufen, wo man jeden Satz x-Mal nachbereiten kann. Hier stimme ich dir zu. Hier sind viele behutsame Steigerungen nötig, die ich noch nicht im Griff habe. Momentan n sind für mich sogar noch Telefonate mit Stotternden, die keine Ropana-Teilnehmer sind, noch Herausforderungen, wenn auch kleine.
Mechthild hat geschrieben
Die Desensibilisierung wurde vernachlässigt. Das gewünschte Verhalten kann nicht vor anderen gezeigt werden, wenn das vorrangige Ziel ist, nicht aufzufallen, Stottern zu verstecken usw.
S.o., absetzen und die Stille aushalten ist sehr schwer, keine Frage.
Mechthild hat geschrieben
Wenn Du wirklich alleine arbeiten willst, kann ich Dir Malcolm Frasers Buch zur Selbsttherapie sehr empfehlen.
Kenne ich noch gar nicht im Detail. Um was geht es denn da konkret ?
Mechthild hat geschrieben
Keine Angst, dass es wieder ein neuer Ansatz ist, es ist das, was Du nun tust.
Diesen Satz verstehe ich jetzt nicht so ganz. Willst du mir unterschwellig mitteilen, ich sei zu fahrig und mache zu vieles gleichzeitig ? Könnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen ...

So, ich muss jetzt weiter.

Viele Grüße an euch beide

BERND :D :knuddel:

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Re: ROPANA®-Methode/Roland Pauli, Fragen, Antworten, Erfahrungen

Beitrag von ---***--- » 5. August 2010 00:48

Hi Bernd,
nur kurz...
Quax hat geschrieben:Ich glaube aber, ich weiß was du meinst: du sprichst wohl Alltagssituationen an, die natürlich nicht in einer Seminaratmosphäre ablaufen, wo man jeden Satz x-Mal nachbereiten kann.
Ich meine das Verfahren an sich. Ich habe es als recht einfach empfunden, jeweils nur kleine Schritte einzuüben und die sicher zu beherrschen, also zB erst einmal zu üben, die Aufmerksamkeit nur auf das zu lenken, was ich beim Stottern tue, dann auch zu üben, zu stoppen, undsoweiter. Das war nicht allzu schwer, zu keinem Zeitpunkt wirklich frustrierend.
Quax hat geschrieben:S.o., absetzen und die Stille aushalten ist sehr schwer, keine Frage.
nicht unbedingt, s.o. ;)
Wobei dies ein sehr wichtiger Punkt ist, Pausen setzen können...

Über Malcolm Frasers Buch s. hier, gibt es auch in Englisch auf der Stuttering-Homepage, meines Wissens.
Quax hat geschrieben:Willst du mir unterschwellig mitteilen, ich sei zu fahrig und mache zu vieles gleichzeitig ? Könnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen ...
Nein, ich will Dir nichts unterschwellig mitteilen ;). Nach meiner Erinnerung warst Du dafür, nicht alles auf einmal auszuprobieren. Ich denke, in dem Buch finden sich einige hilfreiche Tipps, für das, was Du gerade einübst. Ich wollte Deine eventuellen Bedenken diesbezüglich zerstreuen! Wenn Du Dir das Buch nicht gleich anschaffen willst, dann kannst Du es Dir vielleicht bei einer SHG ausleihen? Ist nämlich ein Klassiker.

Viele Grüße
Mechthild

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