Stottern und Singen

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Spicy
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Stottern und Singen

Beitrag von Spicy » 9. Januar 2014 19:34

Hallo, ich habe gehört, dass Menschen, die stottern, flüssig singen können. Stimmt das eigentlich, oder ist das ein Gerücht? Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht bei manchen Betroffenen so funktioniert, aber nicht bei allen Arten von Stottern. Falls es wirklich möglich ist, dass beim Singen die Sprechstörung nicht entsteht, stellt sich mir die Frage, was man aus dieser Erkenntnis machen kann. Gibt es entsprechende Therapien, die darauf aufbauen?

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Torsten
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Re: Stottern und Singen

Beitrag von Torsten » 10. Januar 2014 12:26

Hallo Spicy,

stotterst Du selbst? Wenn ja, dann probier einfach aus, ob es bei dir mit dem stotterfreien Singen funktioniert!

Falls Du nicht stotterst: Es ist tatsächlich so, dass praktisch kein Stotterer beim Singen stottert. Aber auch beim Lesen im Chor oder beim Sprechen in einem monotonen Rhythmus tritt gewöhnlich kein Stottern auf. Die Tatsache, dass beim Singen kein Stottern auftritt, ist also nicht so überraschend.

Ob man eine Therapie darauf aufbauen kann, ist eine schwierige Frage. Es gab einen Therapeuten, der geglaubt hat, das zu tun: Oskar Hausdörfer (siehe diesen Thread). Hausdörfer hat den Stotterern empfohlen, mit klangvoller Stimme zu sprechen (zu "tönen") und auf ihre Stimme zu hören - "wie beim Singen", denn, so seine Begründung - "beim Singen stottert man auch nicht". Hausdörfers Empfehlungen (die ich aus eigener Erfahrung für richtig halte) wurden manchmal in der Weise missverstanden, dann man eine Art Singsang-Sprechen propagiert hat, bei dem zwar kein Stottern auftritt, das sich aber auch ziemlich komisch anhört. Ich bin außerdem der Ansicht, dass Hausdörfers Therapieansatz anders begründet werden müsste, weil Sprechen und Singen nicht so ohne Weiteres vergleichbar sind. Aber das ist, wie gesagt, kein einfaches Thema.

So viel erst mal. Gruß

Torsten
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Re: Stottern und Singen

Beitrag von Ninchen » 15. Januar 2014 17:22

Ich finde das auch ein interessanter Ansatz! Aber wie Thorsten sagt, sind es zwei ganz verschiedene Tätigkeiten (Sprechen und Singen). Weiss nicht wie sinnvoll daher eine Gesangstherapie ist, denn keiner kann singend durchs Leben gehen. Somit hat es schlussendlich nur wenig Einfluss auf unser Sprachzentrum. Hausdörfers Erkenntnisse und Empfehlungen finde ich im Grundgedanken sehr gut, jedoch werden sie oft fehl interpretiert. Ein Wechsel zu monotoner Erzählform ist eine Möglichkeit das Stottern etwas zu unterdrücken, wenn Anspannung oder Nervosität eine Blockade erstellen wollen.

Wäre das mit dem Stottern so einfach in den Griff zu kriegen, gäbe es schon längst Therapieformen basierend auf dem Gebiet deiner Frage.

Beste Grüsse

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Re: Stottern und Singen

Beitrag von Roland Pauli » 15. Januar 2014 20:06

Singen kann therapiebegleitend schon hilfreich sein.
Unter http://www.oesis.at/images/dialog_2013_1.pdf auf Seite 6 ist der Bericht eines professionellen Sängers zu finden.

Herzliche Grüße

Roland
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Re: Stottern und Singen

Beitrag von Spicy » 17. Januar 2014 11:01

Nein, ich stottere selbst nicht, habe aber im Freundeskreis einen jungen Mann, der das Problem hat. Ich interessiere mich daher für dieses Thema und nach Möglichkeiten einer Therapie. Interessant sind für mich auch Tipps, wie man sich als Angehöriger verhalten soll und wie man helfen kann.

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Re: Stottern und Singen

Beitrag von Torsten » 17. Januar 2014 22:51

Schön, dass Du dich um diesen Freund bemühst. Die beste Hilfe ist: Geduldig zuhören, ausreden lassen, keine Sätze vollenden - auch wenn Du längst weißt, was der andere sagen will und nicht herausbekommt.
Es gibt einen langen Thread zu dem Thema - hier.
www.stottertheorie.de

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