Der mentale Weg aus dem Stottern

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Roland Pauli
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Der mentale Weg aus dem Stottern

Beitrag von Roland Pauli » 28. November 2014 01:04

Liebe Forumsmitglieder,

wer Zeit und Lust zum Lesen hat, ist eingeladen mir Rückmeldung (Inhalt, Rechtschreibung und Satzzeichen) zu meinem aktualisierten Text geben.

Die Ropana-Methode - der mentale Weg aus dem Stottern

Jeder Stotternde kennt das Phänomen, in einem gelösten Zustand flüssig sprechen zu können.

Aber wie können wir möglichst oft gerade in kritischen Situationen in diesen Zustand kommen?

Ziel der Methode ist, auftretende Spannungen wahrzunehmen, sie abklingen zu lassen und mit dem Sprechen erst zu beginnen, wenn der richtige Spannungszustand in der stimmgebenden Muskulatur erreicht ist. Durch gezieltes mentales Training wird ein gutes Sprechselbstbewusstsein aufgebaut und flüssiges Sprechen im Übungsraum produziert, das nach und nach in den Alltag übertragen wird.

Es werden weder auffällige Sprechtechniken noch ein verfremdetes Sprechen eingesetzt, sondern es geht direkt in das natürliche spontane Sprechen. Mit dieser überwiegend mentalen Methode, die ihren Ursprung im Leistungssportbereich hat, können sprechmotorische Schwächen und bisherige Versagensängste gut kompensiert werden. Durch regelmäßiges Hören, Lesen und Umsetzen der autosuggestiven Leitsätze wird das Unterbewusstsein in die Richtung eines individuellen und flüssigen Sprechens trainiert.

Stottern ist oft mit Angst besetzt und kann sich über Jahre sehr verstärken. Die Befürchtung, im nächsten Moment zu stottern, kann durch das Prinzip der Nachbereitung nach und nach reduziert werden. Deshalb sollte bei Stotterereignissen im Übungsraum abgesetzt werden, weil in diesem Moment ein direkter Zugang zum Unterbewusstsein möglich ist. Nach einer kleinen Pause kann mit mentaler Vorbereitung noch einmal neu begonnen werden. Ist das Sprechen nach ein oder zwei Neustarts immer noch nicht ganz flüssig, so kann trotzdem weiter gesprochen werden. Nach einer kurzen Pause, wird auf natürliches Atmen und eine angepasste Sprechgeschwindigkeit geachtet. Das natürliche Atmen wird mit Hilfe von Wahrnehmungsübungen trainiert und später immer wieder bewusst eingesetzt, bis es sich automatisiert hat.

Die gestotterten Wörter oder Sätze, an die man sich noch deutlich erinnern kann, werden in Pausen oder spätestens am Abend alleine an einem ungestörten Ort intensiv mehrmals flüssig vor sich hin gesprochen. Die nun erlebte flüssige Sprechweise wird positiv verstärkt und mit der vorherigen Situation verknüpft. Die Amygdala, das Zentrum unserer Emotionen und der Furcht, die sich in einem Teil des limbischen Systems in unserem Gehirn befindet, wird dadurch künftig gelassener auf Stotterereignisse reagieren und das Stottern weniger als bisher verstärken. Wenn die Umstände im Nachhinein als weniger verhängnisvoll oder bedrohlich eingestuft werden und in der Nachbereitung flüssig gesprochen wurde, ist bald festzustellen, dass man seinem Stottern nicht mehr hoffnungslos ausgeliefert ist, sondern schon nach kurzer Zeit sein Sprechen bewusst gestalten kann.

Es gilt bei Stotterereignissen das bisherige Ankämpfverhalten aufzugeben und stattdessen kurz abzusetzen und mit Gelassenheit neu zu starten. Mit den sprachlichen Erfolgen verstärkt sich der Wunsch, auch frühere angstauslösende Situationen nach und nach im Alltag zu meistern. Durch aufklärende Gespräche in den Seminaren oder Einzelsitzungen und erreichte Erfolge können schrittweise frühere Ängste, Frustrationen, Depressionen, Vermeidungsverhalten, Scham- und Minderwertigkeitsgefühle abgebaut und überwunden werden, sofern sie durch negative Erfahrungen mit dem Stottern erworben worden sind.

Letztlich ist es möglich, ohne Einschränkungen zu telefonieren, sich an Diskussionen zu beteiligen und souverän Vorträge zu halten.

Vielen Dank fürs Lesen.

Roland
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Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

Beitrag von paul.dest » 28. November 2014 10:39

Hallo Roland,

Insgesamt ein sehr gelungener Text!

...

Zu dem Inhalt habe ich drei Anmerkungen:

--- 1. ------
Roland Pauli hat geschrieben:Jeder Stotternde kennt das Phänomen, in einem gelösten Zustand flüssig sprechen zu können.
Hier war ich mir nicht sicher, worauf das abzielt. Denn ich kenne auch das Phänomen, in einem gelösten Zustand unflüssig (im Sinne von stotterig) zu sprechen, als auch das Phänomen, in einem nicht gelösten Zustand flüssig (im Sinne von stotterfrei) zu sprechen.

...

--- 2. ------
Roland Pauli hat geschrieben:Ziel der Methode ist, auftretende Spannungen wahrzunehmen, sie abklingen zu lassen und mit dem Sprechen erst zu beginnen, wenn der richtige Spannungszustand in der stimmgebenden Muskulatur erreicht ist.
Ich vermute, dass Du an dieser Stelle nicht die stimmgebende Muskulatur allein meinst, sondern die am Sprechen beteiligte.

...

Durch den von Dir benutzten Ausdruck "stimmgebende Muskulatur" wird die Artikulationsmuskulatur jedoch nicht erfasst. Doch gerade hier ist der Ort unnötiger Spannung vieler Konsonanten(cluster)-Stotterereignisse.

--- 3. ------
Roland Pauli hat geschrieben:Stottern ist oft mit Angst besetzt und kann sich über Jahre sehr verstärken. Die Befürchtung, im nächsten Moment zu stottern, kann durch das Prinzip der Nachbereitung nach und nach reduziert werden.
...

---

...

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Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

Beitrag von Eberhard » 28. November 2014 16:06

Hallo Roland,
ich versuche nun schon seit Jahren, das Stotter-Problem zu verstehen. Die Augen wirklich geöffnet hat mir aber erst Literatur von Peter A. Levine und Daniel Siegel in den letzten Monaten.

Der mentale Weg ist sicher der einzige, der vom Stottern wegführen kann. Auch wenn manchmal bei einem Kind Sprech- und Leseübungen helfen, so muss man den mentalen Prozess verstehen, der sich dahinter abspielt.

Ich sage jetzt mal provozierend: Stottern ist keine sprechmotorische Schwäche, allem anderen von dir oben Geschriebenen kann ich leicht zustimmen. Stottern als Sprechstörung gibt es gar nicht.

Wir stottern, wenn wir im Gehirn auf die unterste Ebene abrutschen, das ist die Ebene die von Erstarrung und Angst geprägt ist. In diesem Zustand kann kein Mensch mehr richtig sprechen, unser Sprachzentrum fährt dann herunter, weil es nicht mehr gebraucht wird.

Wir rutschen dann auf die unterste Gehirnebene ab, wenn unser Hirnstamm eine Bedrohung wahrnimmt, die wir mit unserem Kortex nicht als unbegründet auflösen können. Der Hirnstamm kennt dann nur noch die Reaktionen Kampf, Flucht oder Erstarrung. Da die Bedrohung, gleich stottern zu müssen, aber nicht von außen kommt und abgeschüttelt werden kann, wenn sie vorbei ist, sondern von innen kommt, scheiden Kampf und Flucht sofort aus, es bleibt nur noch die angstbesetzte Erstarrung, die die Stimme versagen lässt und zudem auch ein Trauma erzeugt.

Leider versperrt uns das einseitige Starren auf das Stottern den Blick nach innen, der aber dringend erforderlich wäre, um das immer wieder kehrende Abrutschen auf die untere Ebene des Gehirns zu verhindern. Der ständige Blick auf das Stottern verhindert alles, was uns in dieser Beziehung weiter bringen könnte, weil er eben Angst erzeugt und uns so in den Zustand der Erstarrung oder Immobilität versetzt, in dem Sprechen völlig natürlicherweise nicht mehr funktioniert.

Daniel Siegel nennt unser Gehirn eine Antizipationsmaschine. Diese erzeugt situationsbedingt dieses Stotter-Bedrohungsgefühl mit seinen Folgen.

Der gelöste Zustand, von dem du oben erzählst und der flüssiges Sprechen ermöglicht, ist sehr abhängig von den Personen, mit denen man zu tun hat. Allerdings hat es nur indirekt etwas mit der Person zu tun, sondern eher mit der Antizipation, die unser Gehirn aufgrund autobiografischer Erfahrungen bezogen auf diese Person erzeugt. Also auch wieder ein Grund, in sich selbst hinein zu schauen, statt vor der vermeintlichen Bedrohung zurück zu schrecken.

Thema von Peter A. Levine sind traumatische Erfahrungen und die Möglichkeiten zur Selbstheilung.

Daniel Siegel erläutert die Folgen und Heilungsmöglichkeiten mangelnder Integration im Gehirn, der horizontalen Integration zwischen linker und rechter Gehirnhälfte und der vertikalen Integration zwischen Kortex, limbischem System und Hirnstamm.

Beide Autoren schreiben sehr allgemein verständlich und vermitteln hervorragende Einsichten in die Funktionsweise unseres Gehirns.

Da kann man dann erkennen, dass der Versuch, durch ewiges Rotieren in seiner linken Gehirnhälfte die Regungen seiner anderen Gehirnteile flach zu halten, zu nix Sinnvollem führen kann. Damit bist aber nicht du gemeint, Roland. In seiner rechten Hirnhälfte zu versinken führt natürlich auch zu nichts und diejenigen, die dieses Problem haben, sind oft fasziniert von denen, die sich in der linken Hälfte aufhalten und den Kontakt zur rechten Hälfte abgeschnitten haben.

Dabei ist eigentlich nur die Integration gefragt und sonst nichts. Dieses sich Einschließen in den Aktivitäten der linken Gehirnhälfte hat oft damit zu tun, dass man seine autobiografischen Erinnerungen verdrängen will.

Stottern ist sehr gut heilbar, wenn man aufhört zu glauben, man müsse eine Sprechstörung heilen. Sich seinen mentalen Zuständen aufmerksam zuwenden statt sich hinter dem Stottern verstecken, macht den Weg zur mentalen Freiheit erst wirklich frei.
Nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem einer durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es für seine wahre Natur hält.

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1.000 EUR, wenn Eberhards Unsinn keins ist!

Beitrag von paul.dest » 29. November 2014 11:05

Wer ein tausend Euro verdienen will, sollte bis zum Ende lesen.
Eberhard hat geschrieben:Stottern als Sprechstörung gibt es gar nicht.
Leugnung der Realität ist der erste Schritt zur Konstruktion von Wahnvorstellungen.
Schon merkwürdig, dass obwohl das Stottern keine andere menschliche Funktion als das kommunikative Sprechen beeinträchtigt, es das Stottern als Sprechstörung gar nicht geben soll.

Vielleicht meint der Eberhard aber auch nur, dass die Andersartigkeit, die zum S-s-s-s-stottern führt, sich beim genauen Hinsehen nicht nur im Sprechen erkennen lässt? In der Tat: Stotterer sind anders. Nicht nur beim Sprechen. - Doch diese nachsichtige Interpretation der realitätsverlustigen Äußerungen Eberhards passt leider nicht zu seinen folgenden Ausführungen.
Eberhard hat geschrieben:Wir stottern, wenn wir im Gehirn auf die unterste Ebene abrutschen, das ist die Ebene die von Erstarrung und Angst geprägt ist. In diesem Zustand kann kein Mensch mehr richtig sprechen, unser Sprachzentrum fährt dann herunter, weil es nicht mehr gebraucht wird. ... die angstbesetzte Erstarrung, die die Stimme versagen lässt...
...
Der ständige Blick auf das Stottern verhindert alles, ... weil er eben Angst erzeugt und uns so in den Zustand der Erstarrung oder Immobilität versetzt, in dem Sprechen völlig natürlicherweise nicht mehr funktioniert.
Interessant ist zum einen zu beobachten, wie hartnäckig Eberhard jedes Mal von "wir" spricht. Und das, obwohl er schon seit mehr als 5 Jahren von verschiedenen Forumteilnehmern gemahnt wird, den Unsinn nicht im Namen anderer zu verzapfen. Eindeutig eine manifeste Störung, die kein Stottern ist.

Zum anderen ist es interessant zu beobachten, wie Eberhard mit "Stottern" niemals Stottern bezeichnet,
sondern - sofern er damit überhaupt etwas konkretes andeutet - zwei Störungen, die mit Stottern nichts zu tun haben:
  1. Beim Versagen der Stimme in ihrer allgemeinen Form handelt es sich um Dysphonie.
    Die psychogene Form einer Disphonie, von welcher Eberhard zu sprechen scheint, ist dissoziative Dysphonie (früher auch als Aphonie bezeichnet).
    • Zusätzlich scheint Eberhard mit "Stottern" auch den Ausfall von Sprachfunktionen zu meinen, wenn er schreibt, dass sein Sprachzentrum "dann" runterfährt: vermutlich sind damit Wortfindungsstörungen oder Formulierungsschwierigkeiten gemeint. Ebenfalls etwas, was kein Stottern ist. Ganz im Gegenteil sogar: es ist die Fähigkeit der Synonymfindung und der blitzschnellen Umformulierung, die manche Stotterer als Ausgleich zum Umgehen des Stotterns benutzen. Das "Sprachzentrum" läuft beim Stottern also eher auf Hochtouren.
    Die wissenschaftlich anmutenden Ausführungen von Eberhard zur Funktionsweise des Gehirns beim Stottern fallen wieder mal in die Kategorie "Riesengroße Klappe, aber nichts dahinter!" Denn in keiner der dutzenden, wenn nicht hunderten Gehirn-Studien, bei denen Gehirnen beim Stottern zugeschaut worden ist, lassen sich Eberhards Behauptungen wie "Sprachzentrum fährt herunter" oder "Hirnstamm übernimmt die Kontrolle" erkennen. Es muss wohl ein Paralleluniversum sein, aus dem Eberhard seine pseudo-wissenschaftlichen Weisheiten schöpft.

    Und so bleibt es für mich leider verborgen, welche seine Störung Eberhard hinter der Bezeichnung "Stottern" versteckt, wenn er schreibt:
    Eberhard hat geschrieben:Stottern ist sehr gut heilbar, wenn man aufhört zu glauben, man müsse eine Sprechstörung heilen. Sich seinen mentalen Zuständen aufmerksam zuwenden statt sich hinter dem Stottern verstecken, macht den Weg zur mentalen Freiheit erst wirklich frei.
    Dass aber die alte Volksmär, Stottern sei traumatischen Ursprungs oder nichts anderes als Angststarre, die Eberhard so sehr als neue Wissenschaftlichkeit auszugeben versucht, weiterhin eine Volksmär bleibt, sieht man daran, dass man beim Durchforsten von hunderten der Schreckstreich-Videos kein einziges entdeckt, in der die erschreckte Person anschließend stottert. Siehe den Absatz zu "prank scares" im Beitrag "Stottern durch traumatische Erlebnisse? - Wohl kaum."

    Doch vielleicht war ich beim Suchen nicht gewissenhaft genug? Oder habe ein Video übersehen? Und tue Eberhard mit der Kritik somit Unrecht an? Das wäre natürlich schade und korrekturbedürftig. Und deswegen setze ich hiermit 1.000 EUR (in Worten: ein tausend Euro) auf das Auffinden von video-dokumentierten Fällen, die Eberhards Ansichten bestätigen.

    Für das Auffinden der ersten drei Videos, in denen zu sehen und zu hören ist, wie im Sprechen eines Menschen in unmittelbarer Folge eines traumatischen Ereignisses Stotterereignisse auftreten, zahle ich jedem Finder pro Fund 300 EUR! Das Auffinden weiterer Videos wird von mir wie folgt honoriert: 50 EUR, 25 EUR, 12 EUR, 6 EUR, 4 EUR, 3 EUR. Jeder Fund muss einen eigenen Fall dokumentieren: es dürfen also nicht einfach nur verschiedene Aufnahmen desselben Falles sein. Es gibt somit insgesamt 1.000 EUR für neun Fälle zu verdienen. Die Videos dürfen natürlich nicht gestellt sein. Bei den video-dokumentierten Personen darf es sich nicht um Personen handeln, die ohnehin stottern, deren Sprechen also schon vor dem traumatischen Ereignis Stotterereignisse aufwies. Die videodokumentierten Stottereignisse müssen klar und deutlich als solche zu erkennen sein (Laut- oder Silbenwiederholungen, Lautdehnungen oder stumme Sprechblockaden). Und - ganz wichtig! - es soll keiner erschreckt oder sonstwie traumatisiert werden, nur in der Hoffnung, dabei das honorierte Video-Ergebnis zu erhalten. Ich bin zwar an keine Ethik-Kommission gebunden, heiße aber auch nicht Wendell Johnson.

    ...

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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Torsten » 29. November 2014 15:09

    Lieber Roland,

    insgesamt ist das ein schöner Text. Und natürlich weißt Du selbst am besten, worauf es bei deiner Therapiemethode ankommt. Was mir aber auffällt ist, dass Du dich sehr auf das Mentale, auf Anspannungen und Ängste fokussierst. Mir geht es da ähnlich wie Paul: Ich hatte nach dem Besuch der Sprachheilschule keinerlei Sprechängste mehr, habe aber trotzdem gestottert. Ich habe nicht an Stottern gedacht und es nicht erwartet oder befürchtet – trotzdem war es plötzlich da, und mitunter sehr heftig. Und auch mir geht es so, dass Stottern auch in ganz entspannten Situationen auftreten kann, sogar (und nicht selten) beim Selbstgespräch. Und in Stotterer-Selbsthilfegruppen kann man beobachten, dass selbstbewusste, gut desensibilisierte Menschen in ganz entspannter Atmosphäre (in der SHG darf man stottern) trotzdem heftig stottern.

    Natürlich ist unbestreitbar, dass Anspannung und Angst das Stottern verstärken können. Aber dass Anspannung und Angst die Ursachen des Stotterns sind, dagegen spricht doch vieles.

    Unter deinen 62 Leitsätzen auf http://www.ropana.de sind etliche, die sich auf den Einsatz und die Wahrnehmung der Stimme beziehen:
    • 5. Ich beginne immer mit voller Stimme.
      7. Ich habe eine angenehme Stimmlage.
      8. Ich lasse meine Stimme schwingen.
      9. So klingt meine Stimme warm und souverän.
      10. Meine Stimme klingt sehr ansprechend.
      11. In dieser Stimmlage empfinde ich mein Sprechen als besonders angenehm.
      13. Wenn ich melodisch spreche, klingt mein Sprechen sympathisch.
      14. Meine Hand spürt die weichen Schwingungen an meinem Hals.
      15. Wenn ich so locker spreche, spüre ich die angenehmen Vibrationen im Hals.
      19. Ich hebe und senke meine Stimme und verleihe ihr viel Ausdruckskraft.
      20. Ich verändere bewusst die Lautstärke, um sinnbetont zu sprechen.
      23. Ich ziehe meine Stimme durch jeden Satz.
      33. Ich höre gerne mein fließendes Sprechen.
    Könnte es nicht sein, dass diese Leitsätze, in denen es um den Einsatz und die Wahrnehmung der Stimme geht, für den Erfolg deiner Methode ziemlich wichtig sind?

    Hallo Eberhard,
    Eberhard hat geschrieben:Ich sage jetzt mal provozierend: Stottern ist keine sprechmotorische Schwäche ... Stottern als Sprechstörung gibt es gar nicht.
    Ich stimme dem grundsätzlich zu: Äußerlich betrachtet ist beim Stottern zwar das Sprechen gestört - die Frage ist jedoch: IST es gestört oder WIRD es gestört? IST das Sprechen gestört, weil die motorische Steuerung defekt ist, oder WIRD es gestört – durch etwas, was außerhalb der motorischen Steuerung liegt? Ich denke, Letzteres trifft zu.

    Auch deinen Gedanken, Eberhard, dass beim Stottern tiefer liegende (subkortikale) Bereiche des Gehirns die Steuerung - oder sagen wir besser: ein glückloses Krisenmanagement - übernehmen, finde ich richtig. Ich tippe aber mehr auf Kleinhirn und Basalganglien als auf den Hirnstamm. Auch die Rolle des limbischen Systems würde ich nicht überbewerten – Stottern kommt nicht primär von Angst. Ich glaube, dass es weniger um Amygdala geht (die Ärmste – was wird ihr nicht alles untergeschoben) und mehr um Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsdefizite.

    Und die gute Nachricht ist: Das können wir beeinflussen. Viele Grüße

    Torsten
    www.stottertheorie.de

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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von T_homas » 29. November 2014 18:34

    Da ich auch als Kind in der Sprachheilschule war,kann ich mal mitreden. :)
    Da ich nur ein Jahr dort war,da meine Störung nicht so wild gewesen ist,weiß ich nicht mehr,was da genau an Übungen angewandt wurden.

    Ich kann aber bestätigen,dass die Störung auch in entspannten,angstfreien Situationen auftrat bzw. heute noch gegenwärtig ist.
    Ich kann auch in Selbstgesprächen nicht vollkommen flüssig reden,bei mir ist der TS-Laut das größte Hindernis,also das Z.
    Wieso ist mir unbekannt,irgendwann mal war das überhaupt kein Thema.

    Na ja was solls.

    Ich hab die Woche mal den Bericht unten gefunden,zwar ein alter Hut,es geht da mitunter um Georg VI von England,wurde auch schon zigmal durchgekaut,ich weiß,aber vllt. interessierts ja.

    Über Churchill hab ich auch mal gegoogelt,der hat ja vor fast jedem Satz leise Ms gesummt,um so die Stimmbänder vorab schon mal in leichtes Schwingen zu bringen,um so der Blockade am Satzanfang nicht zu begegnen.Irgendwie hats bei ihm funktioniert,ich versuch das nun auch mal.


    http://bazonline.ch/wissen/geschichte/D ... y/27429492
    „Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Eberhard » 30. November 2014 00:06

    Hallo Torsten,

    dein Ausdruck - glückloses Krisenmanagement - gefällt mir ausnehmend gut. Aber ich muss noch mal darüber nachdenken.

    Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsdefizite - ja! Aber die sind nicht einfach zu erklären. Die meisten, die die Worte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit lesen, erinnern sich vielleicht, dass sie diese Worte schon mal gelesen haben, aber sie wissen nichts damit anzufangen. Ich muss zugeben, dass die wirkliche Bedeutung auch erst langsam begriffen habe.

    Nun kann man erklären, worauf sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit richten sollen, also auf sein Inneres: Gedanken, Gefühle, Emotionen, mentale Zustände, Haltungen, Einstellungen, Körperempfindungen. Auch nach dieser Erklärung bleibt oft nur Rat- und Hilflosigkeit. Wozu soll das gut sein? Schon dass ich meine Gedanken nicht nur denken, sondern auch achtsam wahrnehmen soll: hä? Du siehst ja schon, dass Heiko das letzte, was ich darüber geschrieben habe, einfach nach Off-Topics verschoben hat, er hat es vielleicht auch nicht verstanden.

    Es nützt halt nichts, ein Werkzeug in die Hand gedrückt zu bekommen, man muss erst mal lernen, verstehen und üben, damit umzugehen.

    Ich empfehle: Daniel S. Siegel, mindsight, Die neue Wissenschaft von der persönlichen Transformation, Goldmann, 12,99 Euro für 400 Seiten, die preiswerteste Investition meines Lebens (die beste kann ich nicht sagen, da würde meine Frau protestieren).

    Bei aufmerksamem Lesen lernt man, was unser Gehirn noch alles kann, außer nur vom geistigen Immobilitätsmodus in den Kampfmodus umzuschalten.

    Eberhard
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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Eberhard » 30. November 2014 16:14

    Nochmal zur Amygdala, Torsten:
    Wenn die Amygdala Gefahr erkennt, kann sie den oberen Teil des Gehirns, mit dem wir überlegt handeln könnten, völlig abschalten. Dadurch können wir handeln, bevor wir denken. In vielen Situationen ist das lebensrettend.

    Nun kann ein Kind, wenn es darauf aufmerksam gemacht wird, das es stottert, eine heftige Angst davor bekommen. In dem Alter, in dem Stottern gewöhnlich anfängt, ist die Oberstube im Gehirn noch sehr wenig entwickelt. Die Selbst-Regulierung der Sprechprobleme ist einem Kind deshalb noch nicht möglich, insbesondere dann, das Erschrecken der Erwachsenen vor dem vermeintlichen Stottern auch noch zusätzlich für Angst sorgt.

    Es könnte sein, dass bei den 20 %, bei denen das Stottern chronisch wird, diese Angst nicht abgebaut werden konnte. Eine Angstreaktion findet im Unterbewusstsein statt, wir können in dem Augenblick, in dem es passiert, nicht darüber entscheiden, ob wir Angst haben wollen oder nicht. Hinterher können wir uns aber sehr wohl klar machen, dass die Angstreaktion unangemessen war. Aber wer tut das schon, wenn er gerade mal wieder gestottert hat. Zumal die Angst nicht bewusst ist oder nicht wahrgenommen werden will. Da ist Rolands Nachbereitung eine sinnvolle Praxis.

    Unser Unterbewusstsein stellt aus der langjährigen Erfahrung eine Bedrohung durch Stottern in einer bevorstehenden Sprechsituation fest und will uns möglicherweise veranlassen, dann lieber gar nicht zu sprechen. Weil wir uns bewusst gegen die Meinung der Amygdala nicht durchsetzen können und trotzdem zu sprechen versuchen, wird dann wieder gestottert. Und so stottert man, weil man schon so lange stottert und unsere Antizipationsmaschine uns immer wieder vor einem möglichen neuen Stottern beschützen will.

    Hier besteht einfach eine Integrationslücke zwischen oben und unten im Gehirn. Unser Gehirn kann sich zeitlebens verändern. Aber nicht von jetzt auf gleich. Die Bildung neuer Neuronen und neuer synaptischer Verbindungen, die Stärkung oder Schwächung bestehender synaptischer Verbindungen brauchen Zeit und Unterstützung. Von alleine passiert nichts.

    Der Schlüssel zur Veränderungen im Gehirn ist die achtsame und unvoreingenommene Wahrnehmung unseres Innenlebens. Nur was wir gelassen wahrnehmen können, kann sich ändern. Wer da gleich hysterisch wird, wenn Trauma oder Psyche thematisiert werden, hat es schwer, bzw. bei dem geht gar nichts. Zumal leichte Erregbarkeit, Empörungsverhalten, hysterische Reaktionen und endlose Wiederholungen immer desselben sichere Hinweise auf ein Trauma sind.

    Ich empfehle deswegen ein weiteres Buch:
    Peter A. Levine: Vom Trauma befreien, wie Sie seelische und körperliche Blockaden lösen.
    Die Übungen darin sind sehr empfehlenswert, egal, in welcher Form nun ein Trauma vorliegt oder nicht.

    Wer noch mehr Aufklärung sucht:
    Peter A. Levine: Sprache ohne Worte.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sinnvolle und richtige Übungen nicht oder nur wenig helfen, wenn einem nicht klar ist, wie und weshalb sie wirken. Deshalb: Sich informieren ist wichtig.
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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Roland Pauli » 2. Dezember 2014 00:54

    Ich danke euch allen sehr für eure ausführlichen Antworten.
    Stottern ist ja so individuell und vielschichtig, dass es gut ist, soviele Meinungen zu hören.
    Und ich bin froh über alle eure Gedanken.
    Die Ropana-Methode hat sich ja seit 1998 dank vieler Anregungen zu dem entwickelt, was sie heute ist.

    Hier kommt nun mein nächster Versuch, sie in Kurzform für meine Homepage zu beschreiben, und ich würde mich über weiteres brainstorming sehr freuen. Jeder auch noch ausgefallener Gedanke ist mir hierbei willkommen:

    Die Ropana-Methode - der mentale Weg aus dem Stottern

    Jeder Stotternde kennt das Phänomen, in einem gelösten Zustand flüssig sprechen zu können.

    Aber wie können wir möglichst oft gerade in kritischen Situationen in diesen Zustand kommen?

    Ziel der Methode ist, auftretende Spannungen wahrzunehmen, sie abklingen zu lassen und mit dem Sprechen erst zu beginnen, wenn der richtige Spannungszustand in der am Sprechen beteiligten Muskulatur erreicht ist. Durch gezieltes mentales Training wird ein gutes Sprechselbstbewusstsein aufgebaut und flüssiges Sprechen im Übungsraum produziert, das nach und nach in den Alltag übertragen wird.

    Es werden weder auffällige Sprechtechniken noch ein verfremdetes Sprechen eingesetzt, sondern es geht direkt in das natürliche spontane Sprechen. Mit dieser überwiegend mentalen Methode, die ihren Ursprung im Leistungssportbereich hat, können sprechmotorische Schwächen und bisherige Versagensängste gut kompensiert werden. Durch regelmäßiges Hören, Lesen und Umsetzen der autosuggestiven Leitsätze wird das Unterbewusstsein in die Richtung eines individuellen und flüssigen Sprechens trainiert.

    Stottern ist oft mit Angst besetzt und kann sich über Jahre sehr verstärken. Die Befürchtung, im nächsten Moment zu stottern, kann durch das Prinzip der Nachbereitung nach und nach reduziert werden. Deshalb sollte bei Stotterereignissen im Übungsraum abgesetzt werden, weil in diesem Moment ein direkter Zugang zum Unterbewusstsein möglich ist. Nach einer kleinen Pause kann mit mentaler Vorbereitung noch einmal neu begonnen werden. Ist das Sprechen nach ein oder zwei Neustarts immer noch nicht ganz flüssig, so kann trotzdem weiter gesprochen werden. Nach einer kurzen Pause, wird auf natürliches Atmen und eine angepasste Sprechgeschwindigkeit geachtet. Das natürliche Atmen wird mit Hilfe von Wahrnehmungsübungen trainiert und später immer wieder bewusst eingesetzt, bis es sich automatisiert hat.

    Die gestotterten Wörter oder Sätze, an die man sich noch deutlich erinnern kann, werden in Pausen oder spätestens am Abend alleine an einem ungestörten Ort intensiv mehrmals flüssig vor sich hin gesprochen. Die nun erlebte flüssige Sprechweise wird positiv verstärkt und mit der vorherigen Situation verknüpft. Die Amygdala, das Zentrum unserer Emotionen und der Furcht, die sich in einem Teil des limbischen Systems in unserem Gehirn befindet, wird dadurch künftig gelassener auf Stotterereignisse reagieren und das Stottern weniger als bisher verstärken. Wenn die Umstände im Nachhinein als weniger verhängnisvoll oder bedrohlich eingestuft werden und in der Nachbereitung flüssig gesprochen wurde, ist bald festzustellen, dass man seinem Stottern nicht mehr hoffnungslos ausgeliefert ist, sondern schon nach kurzer Zeit sein Sprechen bewusst gestalten kann.

    Stottern kann bekanntermaßen auch ohne Angst auftreten. Es gibt genügend selbstbewusste und erfolgreiche Menschen, die stottern. Allerdings kann schon eine unbewusste Erinnerung an ein früher gestottertes Wort oder an eine Situation, in der das Sprechen unflüssig verlaufen ist, Stottern wiederum auslösen. Solange es bei der lockeren Kernsymptomatik bleibt, könnte man es ja als Schönheitsfehler ansehen, ohne sich darüber zu grämen. Dennoch lässt sich durch die Nachbereitung eine deutliche Verbesserung erzielen, wenn es einem wichtig erscheint.

    Prinzipiell empfehle ich, ein mögliches Ankämpfverhalten aufzugeben und stattdessen kurz abzusetzen und mit Gelassenheit neu zu starten.

    Mit den sprachlichen Erfolgen verstärkt sich der Wunsch, auch Situationen nach und nach im Alltag zu meistern, denen man bisher gerne aus dem Weg ging. Durch aufklärende Gespräche in den Seminaren oder Einzelsitzungen und erreichte Erfolge können schrittweise frühere Ängste, Frustrationen, Depressionen, Vermeidungsverhalten, Scham- und Minderwertigkeitsgefühle abgebaut und überwunden werden, sofern sie durch negative Erfahrungen mit dem Stottern erworben worden sind.

    Letztlich ist es möglich, ohne Einschränkungen zu telefonieren, sich an Diskussionen zu beteiligen und souverän Vorträge zu halten.

    Vielen Dank fürs Lesen.

    Roland
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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Jaspis » 2. Dezember 2014 09:50

    Hallo Roland,
    mit dem neu hinzugefügten Absatz über Stottern ohne Angst klingt der Text irgendwie nicht mehr (oder noch nicht wieder) rund. Man merkt, dass da was absichtlich eingefügt wurde, um es verschiedenen Seiten gleichermaßen Recht machen zu wollen. So der Eindruck auf mich. Du solltest diesen Absatz noch etwas zurecht schleifen, damit er sich in den gewachsenen Rahmen einfügt.

    Vielleicht auch kürzen, so in der Art:
    "Stottern kann auch ohne Angst auftreten. Und äußert sich dann oft in einer lockeren Kernsymptomatik wie Wiederholungen. Auch diese lassen sich durch die Nachbereitung weiter reduzieren."

    Allerdings habe ich genau dazu auch gleich eine Frage: Ist das so? Hattest Du schon Klienten, die eigentlich ohne Sprechangst und große Blockaden, dafür mit lockeren, unwillkürlichen Wiederholungen sprechen und die von der Nachbereitung profitieren?

    Das interessiert mich persönlich, weil es bei mir so ist, dass ich immer häufiger leichte Wiederholungen feststelle, je "flüssiger" ich eigentlich werde. Mir kommt es so vor, dass ich es früher nie bis solchen willkürlichen Wiederholungen "geschafft" habe, weil ich mein Sprechen schon vorher gebremst und blockiert habe. Je weniger ich aber vermeide und blockiere, tauchen plötzlich diese Wiederholungen auf. Die stören weder mich noch meine Zuhörer, aber sie sind da und ich registriere sie eher überrascht und denke mir "Ach, guck mal, Du stotterst ja wirklich!" :wink:

    Da ich mit der Nachbereitung nach Deiner Methode, Roland, in den vergangenen Jahren sehr viel für mein Sprechen tun konnte, interessiert mich nun, was wirklich gegen diese Wiederholungen helfen könnte. Woher sie kommen und ob man darauf wirklich bewußt Einfluß nehmen kann?

    Viele Grüße, Karen

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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Roland Pauli » 2. Dezember 2014 13:57

    Torsten hat geschrieben:...
    Unter deinen 62 Leitsätzen auf http://www.ropana.de sind etliche, die sich auf den Einsatz und die Wahrnehmung der Stimme beziehen:
    • 5. Ich beginne immer mit voller Stimme.
      7. Ich habe eine angenehme Stimmlage.
      8. Ich lasse meine Stimme schwingen.
      9. So klingt meine Stimme warm und souverän.
      10. Meine Stimme klingt sehr ansprechend.
      11. In dieser Stimmlage empfinde ich mein Sprechen als besonders angenehm.
      13. Wenn ich melodisch spreche, klingt mein Sprechen sympathisch.
      14. Meine Hand spürt die weichen Schwingungen an meinem Hals.
      15. Wenn ich so locker spreche, spüre ich die angenehmen Vibrationen im Hals.
      19. Ich hebe und senke meine Stimme und verleihe ihr viel Ausdruckskraft.
      20. Ich verändere bewusst die Lautstärke, um sinnbetont zu sprechen.
      23. Ich ziehe meine Stimme durch jeden Satz.
      33. Ich höre gerne mein fließendes Sprechen.
    Könnte es nicht sein, dass diese Leitsätze, in denen es um den Einsatz und die Wahrnehmung der Stimme geht, für den Erfolg deiner Methode ziemlich wichtig sind?
    Lieber Torsten,

    eine gute Wahrnehmung der eigenen Stimme ist für mich sehr wichtig, um sie bei Bedarf bewusst einsetzen zu können. Gerade beim Halten von Vorträgen in meinen Seminaren bestätigt sich immer wieder, dass Teilnehmer viel flüssiger werden, wenn sie stimmliche und rhetorische Elemente einsetzen. Viele sind anfangs sehr skeptisch und fühlen sich überfordert, neben dem Sprechen auch noch auf so etwas zu achten. Doch erstaunlicherweise klappt das wohl deshalb so gut, weil sich dann der Vortragende mehr auf die Art seiner Stimme konzentriert und weniger an ein mögliches Stottern denkt.

    Herzliche Grüße

    Roland
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    Re: Der mentale Weg aus dem Stottern

    Beitrag von Roland Pauli » 3. Dezember 2014 01:13

    Jaspis hat geschrieben:...
    Vielleicht auch kürzen, so in der Art:
    "Stottern kann auch ohne Angst auftreten. Und äußert sich dann oft in einer lockeren Kernsymptomatik wie Wiederholungen. Auch diese lassen sich durch die Nachbereitung weiter reduzieren."

    Allerdings habe ich genau dazu auch gleich eine Frage: Ist das so? Hattest Du schon Klienten, die eigentlich ohne Sprechangst und große Blockaden, dafür mit lockeren, unwillkürlichen Wiederholungen sprechen und die von der Nachbereitung profitieren?

    Das interessiert mich persönlich, weil es bei mir so ist, dass ich immer häufiger leichte Wiederholungen feststelle, je "flüssiger" ich eigentlich werde. Mir kommt es so vor, dass ich es früher nie bis solchen willkürlichen Wiederholungen "geschafft" habe, weil ich mein Sprechen schon vorher gebremst und blockiert habe. Je weniger ich aber vermeide und blockiere, tauchen plötzlich diese Wiederholungen auf. Die stören weder mich noch meine Zuhörer, aber sie sind da und ich registriere sie eher überrascht und denke mir "Ach, guck mal, Du stotterst ja wirklich!" :wink:

    Da ich mit der Nachbereitung nach Deiner Methode, Roland, in den vergangenen Jahren sehr viel für mein Sprechen tun konnte, interessiert mich nun, was wirklich gegen diese Wiederholungen helfen könnte. Woher sie kommen und ob man darauf wirklich bewußt Einfluß nehmen kann?

    Viele Grüße, Karen
    Liebe Karen,

    schön zu hören, dass du von meiner Methode profitieren konntest, sogar ohne je ein Ropana-Seminar besucht zu haben. Das zeigt, was man durch Eigenarbeit und Reflektieren alles erreichen kann.

    Ja ich hatte schon öfter fortgeschrittene Klienten, die eigentlich ohne Sprechangst und große Blockaden, dafür mit lockeren, unwillkürlichen Wiederholungen sprachen. Sie machten die Nachbereitung, wenn sie aufgrund zu flotten Sprechens die Kontrolle über ihre Flüssigkeit verloren und dann hängen blieben. Sie passten dadurch ihr Sprechtempo und ihre Achtsamkeit an. Nach einiger Zeit lief die Achtsamkeit vollautomatisch im Unterbewusstsein mit und regelte das Sprechtempo bei Bedarf etwas runter.

    Je weniger man vermeidet und spontaner spricht, umso öfter treten bei Fortgeschrittenen diese lockeren Unflüssigkeiten auf.

    Ich habe einige Seminarteilnehmer, die im Geschäftsbereich sehr achtsam und hoch flüssig sprechen, weil es ihnen da besonders wichtig ist. Im privaten Umfeld lassen sie auch gelegentlich eine lockere Symptomatik zu, ohne sich darum zu kümmern.

    Woher diese Wiederholungen kommen? Nach Erkenntnissen der Hirnforschung von Dr. Martin Sommer aus dem Jahr 2002 sind bei Stotternden die Faserstärke im linken Rolandischen Operculum weniger gut ausgeprägt wie bei Nichtstotterern, was zu einer gestörten Signalfolge und damit zu einer unzureichenden Abstimmung der am Sprechen beteiligten Areale führen kann.

    Ob man darauf wirklich bewußt Einfluß nehmen kann, fragtest du? Über die Basis-Leitsätze kann man sein Sprechen in sehr geordnete Bahnen lenken, ins Unterbewusstsein transferieren und damit immer verlässlicher sprechen. Das geht allerdings nur, wenn man sich mit meinem Ansatz anfreunden kann und über Monate damit arbeitet.

    Herzliche Grüße

    Roland
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