Neuer Anlauf einer Therapie

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Mut
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Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 24. Dezember 2014 17:47

Guten Abend, ich bin neu hier und möchte mich erstmal vorstellen ohne viel privates von mir preiszugeben.

Ich bin Mitte Zwanzig und stottere seit frühester Kindheit.
Das Stottern wurde mit der Zeit immer schlimmer. Ich denke es kam durch die "Erlebnisse" in der Schulzeit, aber ich muss dazu sagen ich wurde nie gemobbt und war immer sehr beliebt. Aber ich schätze durch diesen ganzen Druck verstärkten sich die Sprachprobleme. Mit DrucK meine ich: genau jetzt antworten zu müssen, jetzt vorlesen zu müssen, jetzt einen Vortrag halten zu müssen usw. Ich denke ohne Stottern wäre ich der beste Schüler meines Lehrgangs geworden weil mir das Lernen immer Spaß gemacht hat. Doch von Klasse zu Klasse hat sich meine Einstellung verändert, weil es immer mehr auf die mündliche Leistung ankam.

Ein Beispiel: In der 10. Klasse mussten wir in Technik eine Abschlussarbeit machen und sie dann auch vorstellen. Diese Arbeit zählte wie eine normale Klausur, sprich die Note floss komplett in das Abschlusszeugnis ein. Durch die Klausuren hatte ich zu dem Zeitpunkt eine 1 auf dem Zeugnis, da ich aber nichts vorgestellt habe, kam noch eine 6 dazu und somit wurde es dann eine 3. Ich wollte mich einfach dieser Situation nicht aussetzen, versteht sicher jeder hier.

Mit einem Abschluss an einer Realschule fing ich eine Ausbildung in einem Handwerksberuf an, wo ich immernoch tätig bin und auch sehr gut bin. Doch es fordert mich einfach nicht, ich kann mir nicht vorstellen noch 40 Jahre in dem Beruf zu arbeiten. Ich weiß ich bin zu besserem fähig, wenn dieses scheiss Stottern nur nicht wäre, würde ich schon lange studieren, verschiedene Fremdsprachen lernen und mich weiterbilden wo ich nur kann.

Um mir nicht mein Leben lang Vorwürfe zu machen nicht alles versucht zu haben, starte ich noch einen Versuch. Ich werde noch nicht verraten wo ich meine Therapie mache, um mir Vorurteile zu ersparen. Aufjedenfall werde ich euch in paar Wochen berichten wie es mir ergangen ist und ob es mir geholfen hat.
Ich hab schon einiges probiert von Logopädie, über Homoäpathie bis zu verschiedenen Heilmethoden.
Alles ohne Erfolg.

Bei Fragen und Anmerkungen stehe ich gerne zur Verfügung

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Jaspis
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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Jaspis » 25. Dezember 2014 23:31

Hallo Mut,
willkommen hier im Forum!
Aus eigener Erfahrung würde ich Dir raten, Dich neben einer Stottertherapie auch von einem Coach oder Psychologen bei den anstehenden Veränderungen (Sprechen und Beruf) beraten und begleiten zu lassen. Und Du solltest Deine zeitlichen Ziele so ausrichten, dass Du an beidem parallel arbeiten kannst - am Sprechen und an den beruflichen Veränderungen. Das Stottern wird nicht von heute auf morgen vollständig und für immer weg sein. Aber das sollte Dich nicht hindern, Dich trotzdem beruflich weiterzuentwickeln. Beides, Veränderungen im Beruf und Verbesserungen im Sprechen können sich gegenseitig verstärken, die Motivation für beides solltest Du Dir aus kleinen planbaren und dann umgesetzten Schritten immer wieder auf Neue holen.

Ich habe ein bisschen Bedenken, wenn ich Deinen Text lese, dass Du alle Hoffnungen komplett auf diese eine Therapie jetzt setzt - und davon Deine berufliche Weiterbildung abhängig machst. Das wäre schade - Du könntest in nächster Zeit auch an beidem arbeiten, nicht das Eine zur Bedingung des Anderen machen.

Habe Mut! Denn: Mut tut gut! §dup
Schöne Feiertage, Jaspis!

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 27. Dezember 2014 14:58

Hey Japsis, danke für deine ehrliche Antwort!

Es kam vielleicht etwas falsch rüber dass ich alles auf diese Therapie setze, so ist es nicht nämlich nicht.
Aber ich bin einfach wieder motiviert wie schon lange nicht mehr, nochmal einen Anlauf zu machen und neues Handwerk zu erlernen. Ich weiß dass das stottern nie ganz weggehen wird, aber ich will es so verändern dass ich voller Selbstvertrauen ein Projekt vorstellen kann ohne Wochen vorher darüber nachzudenken wie ich dem ausweichen kann. Vielleicht kam es einfach weil schon etwas älter werde, in paar Wochen von zuhause ausziehe, mit meiner wundervollen Freundin ein eigenes Leben aufbauen werde.

Ich muss auch dazu sagen ich bin ein in meinem Rahmen offener Mensch.
Also kein verschüchterter Stotterer der nur zuhause sitzt, ich bin auch selbstbewusst aber mich stört das Stottern trotzdem, vielleicht auch nur weil es mich so einschränkt beruflich was anderes zu machen.
Ich liebe es Schülern/Lehrlingen was beizubringen. Hab wochenlang den Lehrlingen aus meiner Firma Nachhilfe gegeben weil mich mein Chef gefragt hat. Er hat mir auch angeboten den Meister zu bezahlen. Hab ich aber dankend abgelehnt.

Ich denke ich absolviere die Therapie, ziehe mir meiner Freundin zusammen und dann geh ich mein Abitur auf Fernstudium an.

Liebe Grüße an alle die das lesen

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Roland Pauli » 27. Dezember 2014 15:15

Hallo Mut,

einer meiner Seminarteilnehmer hatte erst den Meister gemacht und ging danach auf eine Fachhochschule. So hatte er sich das Abitur gespart. Inzwischen ist er im 7. Semester und wird im Frühjahr seine Bachelorarbeit schreiben.

Viel Erfolg

Roland
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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 27. Dezember 2014 17:28

Roland Pauli hat geschrieben:Hallo Mut,

einer meiner Seminarteilnehmer hatte erst den Meister gemacht und ging danach auf eine Fachhochschule. So hatte er sich das Abitur gespart. Inzwischen ist er im 7. Semester und wird im Frühjahr seine Bachelorarbeit schreiben.

Viel Erfolg

Roland
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Hallo Herr Pauli,

das Abitur sehe ich auch nur als Auffrischung der ganzen allgemeinen Fächern.

Gruß

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Roland Pauli » 28. Dezember 2014 13:43

Mut hat geschrieben:
Hallo Herr Pauli,

das Abitur sehe ich auch nur als Auffrischung der ganzen allgemeinen Fächern.

Gruß
Hallo Mut,

Respekt, in Bildung zu investieren, ist immer gut.

P.S.: wir reden uns hier mit "du" an, egal wie alt wir sind.

Liebe Grüße

Roland

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 30. Dezember 2014 17:08

Roland Pauli hat geschrieben:
Mut hat geschrieben:
Hallo Herr Pauli,

das Abitur sehe ich auch nur als Auffrischung der ganzen allgemeinen Fächern.

Gruß
Hallo Mut,

Respekt, in Bildung zu investieren, ist immer gut.

P.S.: wir reden uns hier mit "du" an, egal wie alt wir sind.

Liebe Grüße

Roland
Hey Roland, danke für den Tipp!

Gruß

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Jaspis » 5. Januar 2015 22:41

Mut hat geschrieben:Es kam vielleicht etwas falsch rüber dass ich alles auf diese Therapie setze, so ist es nicht nämlich nicht.
Aber ich bin einfach wieder motiviert wie schon lange nicht mehr, nochmal einen Anlauf zu machen und neues Handwerk zu erlernen. Ich weiß dass das stottern nie ganz weggehen wird, aber ich will es so verändern dass ich voller Selbstvertrauen ein Projekt vorstellen kann ohne Wochen vorher darüber nachzudenken wie ich dem ausweichen kann. Vielleicht kam es einfach weil schon etwas älter werde, in paar Wochen von zuhause ausziehe, mit meiner wundervollen Freundin ein eigenes Leben aufbauen werde.
Hallo Mut,
das klingt gut! §dup
Einen kleinen Tipp hätte ich da: Wenn sich jetzt sowieso soviel ändert, dann gleich das Stottern, im gewissen Rahmen, etwas mehr einbauen. Also nicht in dem Sinne, dass Du jetzt überall pro-aktiv über Dein Stottern sprechen und Dich auf Teufel komm raus outen sollst (wie es ja auch durchaus einige Therapien anregen). Aber dass Du es etwas mit in Dein neues Leben "einziehen" lässt. Denn es wird wahrscheinlich wirklich nicht so schnell und auch nie ganz weg gehen. Da wäre es sinnvoll und, aus eigener Erfahrung, wirkungsvoll, wenn es in Deinem Leben (s)einen Platz haben "darf".

Ich hatte auch so eine Aufbruchzeit, da klappten auf einmal mehrere Dinge endlich gleichzeitig, Beruf, Partnerschaft und auch Sprechen. Und zum Glück hat sich damals alles gegenseitig positiv beeinflusst. In dieser gewissen Euphorie, die vielleicht einfach nur Lebenslust und damit Selbstbewußtsein war (und ist), hatte ich auch den Mut, mein Stottern mehr zu zeigen und dazu zu stehen. Vor allem im neuen Kollegenkreis hatte ich damals begonnen damit zu "spielen", es etwas zu zeigen, die nicht so schlimmen Reaktionen zu registrieren und zu akzeptieren, Modifikationstechniken auszuprobieren, etc. Immer in kleinen, überschaubaren Schritten. Und auch in der Partnerschaft hatte ich es von Anfang thematisiert und später auch meinen Kindern immer offen gezeigt.
Ich war/bin nie so mutig, um mit fremden Menschen zu üben, stottere sie z.B. zu Übungszwecken nicht an. Aber ich hatte damals begonnen, in meinem tatsächlichen Lebensumfeld mehr Stottern zu zeigen und Modifikationstechniken auszuprobieren. Hätte ich mir früher alles nicht vorstellen können. Und im Nachhinein bedauere ich das sehr, denn ich habe einige Jahre dadurch "verloren", also etwas zumindest. Aber es ist letztlich alles gut gegangen. Und von daher ist das auch meine Erfahrung - ein beruflicher und/oder privater Neuanfang kann viel Kraft und Lust freisetzen, auch am Stottern endlich was zu ändern.
Also, viel Erfolg und auch immer Spaß dabei!
Gruß, Jaspis

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 5. Januar 2015 23:45

Jaspis hat geschrieben: Gruß, Jaspis
Danke für deine offenen Worte!!!
Ich versuche das auch so umzusetzen.

Darf ich dich fragen ob deine Kinder das stottern "geerbt" haben?

Gruss

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Jaspis » 8. Januar 2015 12:57

Mut hat geschrieben:Darf ich dich fragen ob deine Kinder das stottern "geerbt" haben?
Hallo Mut,
meine Kinder stottern nicht. Und ich kenne viele Stotterer, die Kinder haben, die nicht stottern. Eine "Garantie" ist das natürlich nicht. Mein Vater stottert z.B. stark.
Mit dem "Vererben" von Stottern ist das aber so: Die Entstehung von Stottern und vor allem das Verfestigen wird in 3 Stufen erklärt
1. Veranlagung
2. Auslöser
3. aufrechterhaltende Bedingungen

Auf 1 und 2. hat man so gut wie keinen Einfluß. Ich habe mich daher immer auf 3. konzentriert. Meine Kinder hatten mit 2 und 4 Jahren unflüssige Phasen, meine Tochter nochmal mit 6.
Jetzt sind sie 13 und 9. Ich denke, damit sind sie "durch".
Gruß, Jaspis!

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Re: Neuer Anlauf einer Therapie

Beitrag von Mut » 8. Januar 2015 17:32

Jaspis hat geschrieben:
Mut hat geschrieben:Darf ich dich fragen ob deine Kinder das stottern "geerbt" haben?
Hallo Mut,
meine Kinder stottern nicht. Und ich kenne viele Stotterer, die Kinder haben, die nicht stottern. Eine "Garantie" ist das natürlich nicht. Mein Vater stottert z.B. stark.
Mit dem "Vererben" von Stottern ist das aber so: Die Entstehung von Stottern und vor allem das Verfestigen wird in 3 Stufen erklärt
1. Veranlagung
2. Auslöser
3. aufrechterhaltende Bedingungen

Auf 1 und 2. hat man so gut wie keinen Einfluß. Ich habe mich daher immer auf 3. konzentriert. Meine Kinder hatten mit 2 und 4 Jahren unflüssige Phasen, meine Tochter nochmal mit 6.
Jetzt sind sie 13 und 9. Ich denke, damit sind sie "durch".
Gruß, Jaspis!
Klingt doch super :)
Ich werde auch bald vater deswegrn Sorge ich mich etwas , aber du nimmst mir gerade etwas Anspannung.
Ich werde da auch streng drauf achten , viel lesen und viel übeN

Gruß

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