Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Steffen-2
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 16
Registriert: 30. Dezember 2014 14:39

Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Steffen-2 » 30. Dezember 2014 14:47

Hallo zusammen,

ich habe mich hier angemeldet in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand helfen kann in einer Lebenssituation, in der ich selbst keinen Rat mehr für mich weiß. Mittlerweile bin ich Anfang 40 und stottere seit meinem 5 oder 6 Lebensjahr. In der letzen Zeit stottere ich wieder recht stark, was mich auch sehr belastet.

In den vergangegen 30 Jahren hatte ich insgesamt sieben verschiedene Sprachtherapien hinter mir (ambulant und stationär), die mir aber niemals einen langfristig stablilen Erfolg brachten. Ich habe die verschiedensten Richtungen ausprobiert, von Werscherberg über Del Ferro, bis zu Atemtechnick nach Fernau-Horn bis zur Prolangation.

Die letze Therapie habe ich erst Anfang des Jahres (März 2014) abgeschlossen. Es war eine Therapie bei einer Logogädin bei mir am Wohnort, die Erfahrung in der Behandlung von Stotternden hat. Sie arbeitet nach der Methode der Prolongation von Hartmut Zückler. Menschlich bin ich mit Therapeutin sehr gut klargekommen. Die Therapie selbst hat mir aber auch diesmal so gut wie gar keine Verbesserung gebracht. Es sind bei mir immer zwei grundverschiedene Welten, die sich gegenüber stehen: In therapeutischen Situationen kann ich praktisch mühelos sprechen, da brauche ich die Prolongation nicht. Dort wo ich sie dringend brauchen könnte, kann ich sie nicht anweden, da ich in realen Sprechsituation derart verkrampfe, mich so unter Druck und Ohnmacht fühle, dass ich die Blockaden beim besten Willen nicht überwinden kann, sondern mich innerlich immer noch wie gelähmt fühle. Es ist wirklich sehr belastend für mich.

Selbst meine Therapuetin konnte sich diesen erneuten Misserfolg nicht erklären und war am Ende volkommen ratlos, so dass auch sie keinen Sinn mehr in einer Fortsetzung der Therapie sah. Seitdem bin ich sehr angeschlagen und kann weder der Prolongation noch irgendeiner anderen sprachtherapeutischen Methode ein ernsthaftes Vertrauen entgegen bringen. Der ständige Kreislauf aus Hoffung und Enttäuchung ist belastend und zehrt an den Kräften.

Meine Frage wäre deshalb: Was kann man tun, wenn logopädische Therapien keinen Erfolg mehr bringen? Gibt es alternative Methoden, die man versuchen kan? Ich bin da für alles offen; seien es Naturheilverfahren, psychotherapeutische Methoden, Hypnose oder auch Entpannungstechniken. Nur an die Logopädie glaube ich nicht mehr. Ich bitte darum, das nicht als Affront gegen den Berufsstand der Logopäden aufzufassen. Natürlich gibt es Logopäden, die (bei bestimmten Sprachstörungen) gute und wertvolle Abeit leisten. Trotzdem sind meine Erfahrungen mit Sprachtherapie derart frustrierend und enttäuschend, dass ich davon nichts mehr wissen will. Für andere Heilmethoden bin ich aber nach wie vor offen und interessiert. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand einen Tipp geben kann!

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Mut » 30. Dezember 2014 17:16

Hey , erstmal Willkommen hier im Forum!

Ich versteh deine Probleme ganz genau.
Also Logopädie half mir auch null!
Bin zurzeit in einer Homöopathiebehandlung, was mir nichts bringt!
Nebenbei mache ich noch ein Heilverfahren, es wird eine Klopftechnik angewandt, welche die Ängste lösen soll.
Tatsächlich wurde es bei mir nach dem ersten Termin besser was ich aber als Zufall sehe weil die Sitzungen danach brachten wieder nichts.

Ich mache in wenigen Wochen eine andere Therapie, ich kann dir gerne berichten wie es mir ergangen ist wenn ich fertig bin.

Gruß

Steffen-2
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 16
Registriert: 30. Dezember 2014 14:39

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Steffen-2 » 30. Dezember 2014 19:07

Danke für deine Antwort. Ich stehe auch der Homöopathie sehr skeptisch gegenüber, weil ich da keine reale wissenschaftliche Grundlage sehe, aber trotzdem sage ich mir: Es muss doch auch irgendwie weitergehen, wenn die Schulmedizin versagt und nicht mehr weiter weiß. :roll:

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Mut » 30. Dezember 2014 22:01

So sehe ich das auch, deswegen versuche ich jetzt eine Therapie die über mehrere Tage geht damit ich das gelernte wirklich halbwegs verinnerlichen kann.
Ich bin jetzt mitte 20 und will beruflich was erreichen, deswegen werde ich da 120% Konzentration geben und üben so viel ich kann.
Ich denke der Weg führt bei mir über die Atmung.
Hast du die zufällig die Videos vom McGuire Programm angesehen, das war meine Morivation noch eine Therapie zu beginnen. Das Video ist zwar auf Englisch und dauert knapp Ne Stunde aber Wahnsinn was Leute da erreichen, die deutlich mehr Stottern als ich. Mein Stottern ist privat nicht so schlimm aber es stört mich einfach persönlich und hindert den Berufsweg einzuschlagen den ich eigentlich machen möchte.

Vielleicht findest du hier irgendwie Motivation doch noch was zu probieren, im Internet sind ja paar Experten mit guten Erfahrungen von Patienten. So bin ich auch drauf gekommen.

Gruß

Benutzeravatar
T_homas
kompetent
kompetent
Beiträge: 269
Registriert: 9. Januar 2010 20:12
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von T_homas » 31. Dezember 2014 11:39

Hallo,

Tipps geben kann ich keine,aber mir gehts genauso.
Ich bin jetzt seit 2009 ca. 4 J. in Therapie,mit kleinen Pausen,die sind schon abgezogen.
In der Zeit hatte ich ca. 5,6 Therapeuten,Therapierichtungen warens auch verschiedene.

Geholfen hat mir eigentlich nichts,Veränderungen meines Sprechens höre ich keine.
Die Blockaden sind weiterhin da,egal welche Technik ich anwende.
Draußen kann ich sie nicht anwenden,da gehts mir genauso wie dir.

Früher hatte ich auch mal über Hypnose nachgedacht,aber das bezahlt dir keiner,außerdem soll der Erfolg nur von kurzer Dauer sein.

Bei welchen Intensivtherapien hat man denn teilgenommen?

Hier wurde außerdem erst vor Kurzem Haldol als Medikament empfohlen,dem einen oder anderen hats geholfen,bloß wenn ich mir die Nebenwirkungen durchlese oder Erfahrungsberichte von einigen dies wegen anderer Sachen einnehmen,dann glaub ich kaum,dass man das über lange Zeiträume einnehmen kann.
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

Steffen-2
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 16
Registriert: 30. Dezember 2014 14:39

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Steffen-2 » 31. Dezember 2014 12:16

Danke soweit für eure Antworten. An Intensivtherapien habe ich 10 Tage Del Ferro hinter mir, außerdem hat die Klinik Werscherberg in den 1990er-Jahren evenfalls stationäre Intensivkurse für Erwachsene angeboten, da war ich insgesamt viermal.

Über Del Ferro wurde hier ja schon (soweit ich sehen konnte) ausgiebig diskutiert, ich möchte mich da selbst ma liebsten gar nicht zu äußern.

Es beruhigt mich aber, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht, der trotz vieler Bemühungen nicht wirklich weiter kommt. Man neigt ja leicht dazu, die Schuld dann immer bei sich selber zu suchen, man würde ich nicht genügen üben, nicht genug tun etc.

Ja, sicher: Wenn ich Zeit und Kaft hätte, würde ich vielleicht noch mehr tun und meinetwegen auch jeden Tag 12 Stunden oder noch mehr üben, aber man hat ja noch einen Beruf, einen Haushalt und andere Verpflichtungen, die auch ihren Tribut fordern. Ich kann (und will) auch mein Stottern nicht zum einzigen Lebensmittelpunkt machen, das wäre total unrealistisch und wahrscheinlich auch nicht gut. Versteht ihr, was ich meine?

Benutzeravatar
T_homas
kompetent
kompetent
Beiträge: 269
Registriert: 9. Januar 2010 20:12
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von T_homas » 31. Dezember 2014 14:08

Ja,geht mir ähnlich.
Die Übungen bringen meines Erachtens nicht viel,ich vertue mir die Zeit,indem ich 2x die Woche Sprechübungen dahingehend mache,dass ich in verschiedenen Stufen ca. 1h Zeitlupe spreche (vorlesen).
Das bringt mich zwar bezüglich des Stotterns nicht wirklich weiter,vielmehr mache ich das,dass meine Mundmotorik nicht einschläft,bei den wenigen Sätzen die man am Tag so von sich gibt.

Ach ja und jeden Tag versuch ich mal 5-7 Seiten normal zu lesen,dabei baue ich dann Prolongationen ein wenn Blöcke kommen.
Normalerweise wechsle ich ja aus oder press mit Druck Wörter raus,gelingt aber nicht immer,wenn ich mit Prolongationen anfange,löse ich zwar einige Blocks recht gut (intern),außerhalb würde ich aber total blocken.
Was passieren kann ist,dass ich gerade bei Verschlusslauten wegen der Prolongationen teilweise klonische Einsätze habe,was sonst nicht der Fall ist.
Also brauch ich das auch nicht außerhalb versuchen,so dreht man sich im Kreis und ist wieder am Anfang.

Zumindest hast du Arbeit,bei mir siehts da schon anders aus.2 medizinische Untersuchungen,die mich nur beschränkt einsetzbar machen,mit Einschränkungen die kein Arbeitgeber mitmacht,hab ich schon absolviert.
Letztens wurde mir sogar vorgeschlagen ich solle mir nen Schwerbehindertenausweis holen. :shock:
Das wäre so etwas wie der Goldene Schlüssel für mich,Vergünstigungen und falls jemand was will,einfach vorzeigen.
Wirklich toller Ratschlag. :|
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Mut » 31. Dezember 2014 15:20

Stottert ihr beim Lesen oder bei Selbstgesprächen?

Benutzeravatar
T_homas
kompetent
kompetent
Beiträge: 269
Registriert: 9. Januar 2010 20:12
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von T_homas » 31. Dezember 2014 16:13

Bei beidem.Das aber weniger als beim normalen Sprechen.
In meinen Träumen bin ich auch immer mit dem Fehler behaftet,nicht ein einziger Traum wo ich mal ein Normalo bin.Selbst da vermeidet man Wörter.
:mrgreen:
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

AndreasStarke
kompetent
kompetent
Beiträge: 264
Registriert: 19. August 2006 20:46
PLZ: 21033
Ort: Hamburg [Bergedorf]
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von AndreasStarke » 1. Januar 2015 16:48

Lieber Steffen-2,

da hast Du eine interessante Diskussion angestoßen. Ich will mal versuchen, ein paar Gedanken hereinzubringen, die Dir vielleicht helfen können.

Das ist ja eine sehr beeindruckende Liste an Therapieerfahrungen, die Du da zusammenbringst: Werscherberg, Del Ferro, Fernau-Horn, Zückner. Ja, die kann man wohl alle als "logopädische Therapien" bezeichnen. Dein Satz "Logopädie hilft nicht" scheint also insofern richtig zu sein. Mit einer Einschränkung allerdings: Wenn mit "Logopädie" "alle logopädischen Verfahren" gemeint sind, wird's kritisch. Mit diesen genannten Verfahren sind es erst einmal 4. Wer sagt Dir, dass das "alle logopädischen Verfahren" sind? Kurz davor schreibst Du von 7 Sprachtherapien, da müssen also ein paar mehrfache Versuche unter den 4 sein. Bemerkenswert erscheint mir, dass alle bis auf "Zückner" als "sprechtechnische Verfahren" = Änderung des gesamten Sprechaktes und nicht als "Modifikationsverfahren" einzuordnen sind. In Werscherberg hat man, mindestens seit den 80er Jahren, das sog. Monterey-Programm nach Bruce Ryan angewendet. Del Ferro und Fernau-Horn gehören in dieselbe Gruppe.

Ich bevorzuge ganz klar den Modifikationsansatz. Die wesentlichen Gründe sind: (1) Die Modifikation des Stotterns ist ökonomischer, (2) die Patienten mögen keine Sprechtechniken anwenden, (3) die erwünschte Automatisierung tritt, außer in verschwindend wenigen Ausnahmefällen, nicht ein. Da bleibt eigentlich nur das Verfahren nach Zückner, das Du unter dem Begriff "Prolongation" zitierst. Ich kenne Hartmut Zückner ziemlich gut, wir treffen uns auch immer mal wieder bei Tagungen und Workshops. Ich finde es sehr schade, dass er den Begriff "Prolongation" für etwas verwendet, was bei Van Riper "vorbereitete Einstellung" heißt. Das ist sozusagen das "Sahnehäubchen" fast am Ende der Van-Riper-Therapie. Davor kommen die klassischen Phasen der Van-Riper-Therapie, nämlich die "Identifikation", die "Desensibilisierung" und die Teilschritte der Modifikation wie Nachbesserung und Pullout. Das ganze Konzept ist sehr kurz und griffig enthalten in meinem Heidelberger Vortrag "Kahneman Meets Van Riper", den Du hier nachlesen kannst:
http://www.andreasstarke.de/_dateien/vo ... _riper.pdf

Was mir noch auffällt ist, dass Du alle 4 Therapieverfahren bei Therapeuten absolviert hast, die diese Verfahren nicht entwickelt, sondern "nach diesen Verfahren gearbeitet" haben. Du hast insofern mit "Sekundärtherapeuten" gearbeitet. Das ist nun nichts Verkehrtes, bei mir, der ich mich ziemlich eng an Van Riper halte, wäre es ja genau so. Aber das Risiko ist natürlich dabei, dass diese Sekundärtherapeuten nur das machen, (1) was sie verstanden haben (und vielleicht haben sie nicht alles Wichtige verstanden), (2) was sie vermitteln können (das betrifft nicht nur das Erklären, sondern auch das Vormachen und Bewerten) und (3) was sie für wichtig halten (das ist der Punkt, wo die Erfahrung einfließt). Am Ende kommt heraus, dass doch wesentliche Teile des Therapieprogramms nicht oder nicht ausreichend bearbeitet worden sind. Wenn ich Deine Darstellung lese, habe sofort die Vermutung, dass die Desensibilisierung wohl zu kurz gekommen ist. Du schreibst von "zwei verschiedenen Welten". Ja, klar.

Als langjähriger Stotterer und als Stottertherapeut weiß ich natürlich genau, was Du meinst. Fachlich gesprochen hat die Therapieumgebung (Gespräch im Therapieraum mit der Therapeutin) für Dich einen völlig anderen Reizwert als das, was Du als "reale Sprechsituation" bezeichnest. Nun ist es aus der Verhaltenstherapie (insbesondere Phobietherapie = Therapie spezifischer Ängste) längst bekannt, dass man solche Probleme sehr gut behandeln kann und dass sich die Ergebnisse überraschenderweise ziemlich schnell, und nicht erst allmählich, einstellen. Diese Arbeit wird in einer vollständigen Stottertherapie unter dem Stichwort "Desensibilisierung" geleistet, und zwar vor der Modifikation!

Kurz zusammengefasst:
Lass Dich nicht entmutigen und gib Deine Hoffnung auf fragwürdige "alternative Heilmethoden" auf. Nach meinem Eindruck hast Du die Möglichkeiten, die als "logopädische Verfahren" bezeichnet werden, noch keineswegs ausgeschöpft. Suche Dir ein Therapieangebot, in dem eine Modifikationstherapie vollständig mit allen notwendigen Bestandteilen von erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird.

Versuche Kontakt aufzunehmen mit Leuten, die schon eine solche Therapie gemacht haben. Die nächste gute Gelegenheit wäre das "16. Ehemaligen-Treffen für Absolventen einer Van-Riper-Therapie oder einer verwandten Therapie nach dem Modifikationsansatz". Nähere Informationen findest Du hier:
http://www.vanripertreff.de

Suche auch den Kontakt zu bekannten Stottertherapeuten. Wenn z.B. Deine Therapeutin, die versucht hat, nach Zückner zu arbeiten, nicht weiterweiß, warum rückst Du dem Urheber nicht "auf den Leib"? Schreib ihm eine E-Mail, mach einen Termin und frage ihn, was Du weiter machen kannst / sollst. Wenn er die Hände hebt und auch nicht weiterweiß, suche Dir jemanden anderen. Ich stehe auch zur Verfügung. Nähere Informationen findest Du hier:
http://www.viermalfuenf.de und hier: http://www.andreasstarke.de

Alles Gute!
Andreas Starke
info@andreasstarke.de
Zuletzt geändert von AndreasStarke am 4. Januar 2015 12:11, insgesamt 1-mal geändert.
www.andreasstarke.de
www.viermalfuenf.de

AndreasStarke
kompetent
kompetent
Beiträge: 264
Registriert: 19. August 2006 20:46
PLZ: 21033
Ort: Hamburg [Bergedorf]
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von AndreasStarke » 1. Januar 2015 17:28

Mut hat geschrieben: Ich versteh deine Probleme ganz genau.
Also Logopädie half mir auch null!
Bin zurzeit in einer Homöopathiebehandlung, was mir nichts bringt!
Nebenbei mache ich noch ein Heilverfahren, es wird eine Klopftechnik angewandt, welche die Ängste lösen soll.
Tatsächlich wurde es bei mir nach dem ersten Termin besser was ich aber als Zufall sehe weil die Sitzungen danach brachten wieder nichts.

Ich mache in wenigen Wochen eine andere Therapie, ich kann dir gerne berichten wie es mir ergangen ist wenn ich fertig bin.
Zum Thema, "Logopädie half mir auch null" habe ich schon an Steffen-2 etwas geschrieben.

Zur Homöopathie kann ich nicht viel sagen, meine Frau ist Heilpraktikerin und macht "klassische Homöopathie". Als naturwissenschaftlich orientierter Mensch bin ich natürlich sehr skeptisch, muss aber sagen, dass diese kleinen Kügelchen manchmal Wirkungen haben, die einen echt überraschen können. Vielleicht täuscht man sich auch insofern, dass man den Placebo-Effekt, der ja auch Wirkungen erzeugt, nicht bemerkt. Wie auch immer: Einen Versuch ist das wert - wenn er nicht zu viel kostet.

Heilverfahren mit "Klopftechnik". Was diese "Klopftechnik" in Bezug auf Ängste bewirken soll, ist mir völlig schleierhaft. Aber da hast Du ja schon bemerkt, dass diese Sache auch nicht wirkt.

Was für eine "andere Therapie" willst Du in wenigen Wochen beginnen? Du schreibst in einem anderen Beitrag, dass Du von einem Video über die McGuire-Therapie so begeistert ist. McGuire ist ein ernsthafter und vertrauenswürdiger Mann, den ich vor über 20 Jahren in Deutschland kennengelernt und 2004 in Perth/Australien beim 7. Weltkongress der Stotterer wieder getroffen habe. Es war sehr beeindruckend, weil die McGuire-Absolventen sehr viel und gut sprachen, dabei ständig vor dem Publikum hin und her liefen und einen herrlichen Kontrast zu den schüchternen Onlow-Absolventen abgaben. (Marc Oslow ist ein Professor, der die australische Stotterszene mit einem sprechtechnischen Verfahren beherrscht.)

McGuire hat übrigens in seinen jungen Jahren eine Desensiblisierungstherapie bei Vivian Sheehan (der Ehefrau von Joe Sheehan, dem "Vater der Nichtvermeidungs-Therapie") gemacht. Das Therapieelement der Desensibilisierung ist ihm also sehr wichtig. Im Kern macht McGuire eine Modifikationstherapie. Seine Korrekturmaßnahme ist eine schnelle kleine Einatmung vor einem Block, einem Stimmverschluss vorzubeugen. Wie man an folgendem Video sieht, kommen dabei im Ergebnis auch viele gelungene Pullouts heraus, wobei ich die Pullouts schon viel eleganter finde. (Das schnelle kurze Einatmen wird nämlich auf die Dauer lästig und ist auch m.E. atemtechnisch falsch.)


Auf diesem Video geht es Gareth Gates nicht so gut. Ich habe in der Eile auf Youtube kein besseres Video gefunden, aber es gibt sie. Nach diesem Video finde ich, dass MacGuire besser daran getan hätte, wenn er ihm Pullouts beigebracht hätte ...

Also: Machst Du jetzt eine McGuire-Therapie oder kommst Du zu uns? Wir fangen ja am 30. Januar 2015 wieder eine Gruppe an. ;-)
http://www.viermalfuenf.de oder http://www.andreasstarke.de

Alles Gute!
Andreas Starke
www.andreasstarke.de
www.viermalfuenf.de

Steffen-2
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 16
Registriert: 30. Dezember 2014 14:39

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Steffen-2 » 1. Januar 2015 23:01

Hallo Andreas,

danke für deine ausführliche Meinung als erfahrener Logopäde. Ich kann deine Empfehlungen durchaus nachvollziehen udn es sind ja auch konkret Tipps dabei. Trotzdem ist es so, dass ich der Logopädie (auch der Prologation) derzeit sehr entmutigt gegenüber stehe und nicht mehr richtig damit warm werden kann.

Vielleicht werde ich trotzdem mal zu so einem van-Riper-Treffen gehen. Den Vorschlag, Herrn Zückner selbst anzuschreiben, finde ich auch eine gute Idee. Ich hätte nur nicht gedacht, dass man an so "hohe Herrschaften" (er soll immerhin Lehrlogopäde sein) so einfach und unkompliziert rankommt, aber wenn du ihn kennst und das empfiehlst, wird es vielleicht einen Versuch wert sein.
AndreasStarke hat geschrieben:Wenn ich Deine Darstellung lese, habe sofort die Vermutung, dass die Desensibilisierung wohl zu kurz gekommen ist. Du schreibst von "zwei verschiedenen Welten". Ja, klar.
Vielleicht hast du sogar recht, denn meine Therapeutin hat die Phase der Desensibilierung tatsächlich ein wenig abgekürzt, das hatte folgende Gründen:

1. weil ich schon viele Therapien hinter mir habe, wo es auch schon um Desensibilisierung ging.

2. weil ich sie den Eindruck hatte, dass ich trotz Stottern recht aktiv am Leben teilnehme und viel erreicht habe, z.b. beruflich integriert bin oder im Sportverein aktiv bin. Ich kann auch telefonieren, wenn es unbedingt sein muss, aber es ist auch nach vielen Jahren immer noch eine große Belastung und Hürde für mich.

Ich würde mich selbst nicht als jemanden bezeichnen, der Sprechsituationen gezielt meidet, aber selbst bei Arbeitskollegen oder meiner eigenen Familie (Eltern, Geschwister) stottere ich oft noch sehr stark, obwohl das ja Menschen sind, die schon viele Jahre kenne und die mir eigentlich bestens vertraut sind. Trotzdem ist auch da bis heute keine Desensibiliserung eingetreten. Ich bin da wirklich ratlos, warum diese Übertragung in den Alltag bei mir nur so unzureichend gelingt.
AndreasStarke hat geschrieben:Lass Dich nicht entmutigen und gib Deine Hoffnung auf fragwürdige "alternative Heilmethoden" auf.
Mal ganz offen gefragt: Wer sagt denn, dass die "offizielle" Logopädie weniger fragwürdig ist als andere Ansätze? Ich bin davon noch keineswegs überzeugt nach allem, was ich bisher erlebt habe.

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von Mut » 2. Januar 2015 01:11

Hey Andreas, erstmal danke ich dir für deine Antwort.

Ich hab es vielleicht etwas falsch ausgedrückt mit "andere Therapie".
Es ist eine , wie ich beurteilen kann , "normale" Sprachtherapie und wenn ich den Namen sage dann wirst du Bescheid wissen, wer und wo das ist. Aber ich möchte mir erstmal selber eine Meinung bilden, deswegen erwähne ich den Namen nicht. Ich hatte bisher nur Therapien, bei denen ich einmal die Woche 1 Stunde dort war.
Und deswegen versuche ich jetzt was intensiveres.

Nein, ich mach nicht das McGuire Programm, aber seine Videos haben mich motiviert einen neuen Versuch zu starten.
Wenn man hört wie Gareth Gates jetzt spricht, das ist doch der Wahnsinn. Aber natürlich ist es eine andere Welt, er hatte einen Sprachtherapeuten bei seinen täglichen Terminen dabei, zumindest hab ich ein Youtubevideo gesehen, da war Gareth Gates in einer Show und sein Trainer rief irgendwann rein "Gareth du musst atmen". Dann hat Gates ihn als sein Sprachcoach vorgestellt.

Und Gareth Gates leitet jetzt sogar Kurse und ist der jüngste Brite der die Ausbildung zum Sprechtrainer des McGuire Programmes absolviert hat.

Lieben Gruß

AndreasStarke
kompetent
kompetent
Beiträge: 264
Registriert: 19. August 2006 20:46
PLZ: 21033
Ort: Hamburg [Bergedorf]
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von AndreasStarke » 2. Januar 2015 15:46

Steffen-2 hat geschrieben:Ich kann deine Empfehlungen durchaus nachvollziehen udn es sind ja auch konkret Tipps dabei. Trotzdem ist es so, dass ich der Logopädie (auch der Prologation) derzeit sehr entmutigt gegenüber stehe und nicht mehr richtig damit warm werden kann. Vielleicht werde ich trotzdem mal zu so einem Van-Riper-Treffen gehen.
Meine Güte! Mit der Logopädie nicht mehr richtig warm werden? Nur, weil Dir ein Zahnarzt mal eine schlechte Plombe gemacht hat, wirst Du mit der Zahnheilkunde "nicht mehr richtig warm" und gehst zum Wunderheiler, wenn Du Zahnschmerzen hast? Vielleicht ist der Vergleich ein bisschen drastisch, aber am Ende läuft es darauf hinaus. Es gibt gute und schlechte Logopäden, die meisten liegen wohl irgendwo dazwischen ... Es gibt gute und schlechte Verfahren, um Stottern zu behandeln. Dabei scheint es nach einer aktuellen Studie von Euler und anderen so zu sein, dass viele Therapieangebote, die Euler als "unspezifische Einzeltherapien" bezeichnet, tatsächlich nicht viel bringen. Auch Therapien, die sich auf Hypnose oder Atemtechniken stützen, wurden als schlecht beurteilt, nicht von Euler, sondern von den befragten Absolventen. Besonders gut schnitten Modifikationstherapien (vertreten durch Zückner, mich und andere) und sog. Fluency-Shaping-Therapien (vertreten durch die Kasseler Stottertherapie) ab. Damit haben sich Gruppentherapien und Therapien in intensiver Form (Therapien an einer Anzahl von ganzen Tagen) als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Du merkst schon, das mit dem "nicht richtig warm Werden" halte ich für dummes Zeug. Stottertherapie ist kein Fitness-Training und auch dafür würde man sich für den besten Trainer entscheiden, den man finden kann.
Steffen-2 hat geschrieben:Den Vorschlag, Herrn Zückner selbst anzuschreiben, finde ich auch eine gute Idee. Ich hätte nur nicht gedacht, dass man an so "hohe Herrschaften" (er soll immerhin Lehrlogopäde sein) so einfach und unkompliziert rankommt, aber wenn du ihn kennst und das empfiehlst, wird es vielleicht einen Versuch wert sein.
Ich kann es einfach nicht verstehen. Wenn Du ein Problem lösen willst, und das gilt für alle Probleme, die dringlich und bedeutsam sind, musst Du alle Ressourcen nutzen, die Dir zur Verfügung stehen. Eine der besten Ressourcen für alle Arten von Problemen (Steuererklärung, Reparatur eines Autos, Beziehungen, körperliche Untüchtigkeit, Gesundheit usw. usf.) ist der Rat von Experten bis zur Übernahme der Problemlösung (Steuerberater, Autowerkstatt). Die erste Vermutung wäre in Deinem Fall, dass Zückner der beste Experte für seine Methode (Prolongation) ist, wenn die Prolongation das einzige wichtige Element seiner Therapie wäre, was ich nicht glaube. Und noch etwas: Wir leben in einem freien Land. Jeder, auch Du, kann jedem anderen, auch an Hartmut Zückner, eine E-Mail schreiben und um einen Termin bitten. Wenn Zückner nicht antwortet, ist nichts verloren. Dein Schicksal wird nicht schlechter, wenn er nicht antwortet.

Als ich 29 Jahre alt war, das ist jetzt schon über 40 Jahre her, wollte ich mein Stotterproblem wirklich lösen. Als ich damals mitbekam, woher "der Wind wehte", d.h. in welcher Richtung ich nach einer Lösung suchen sollte, habe ich einen Brief an den großen Van Riper geschrieben. Den Namen hatte ich von schwedischen Mitstotterern gehört. Van Riper hat mir geantwortet. Er hat sich immer für Stotterer engagiert (er nannte uns "Mitglieder in der Bruderschaft der verknoteten Zunge" - members of the brotherhood of the tangled tongue) und fühlte sich vielleicht geehrt, dass sein Ruhm ins ferne Deutschland gefunden hatte. Er selbst hatte alles studiert, was es an deutschen Quellen über Stottern gab (insbes. Fernau-Horn). Und dann habe ich die nächste Gelegenheit genutzt, um ihn in Kalamazoo, Michigan zu besuchen. Das war im Jahre 1977. Wenn Du nun schreibst, dass Du "so ein Van-Riper-Treffen trotzdem mal besuchen könntest" kann ich das wirklich nicht verstehen. Wo anders könntest Du so viele zutreffende Informationen über eine bestimmte Therapie (nämlich meine) oder Therapierichtung erhalten, als bei einem solchen Treffen?
AndreasStarke hat geschrieben:Wenn ich Deine Darstellung lese, habe sofort die Vermutung, dass die Desensibilisierung wohl zu kurz gekommen ist. Du schreibst von "zwei verschiedenen Welten". Ja, klar.
Steffen-2 hat geschrieben:Vielleicht hast du sogar recht, denn meine Therapeutin hat die Phase der Desensibilierung tatsächlich ein wenig abgekürzt, das hatte folgende Gründen:
1. weil ich schon viele Therapien hinter mir habe, wo es auch schon um Desensibilisierung ging.
2. weil ich sie den Eindruck hatte, dass ich trotz Stottern recht aktiv am Leben teilnehme und viel erreicht habe, z.b. beruflich integriert bin oder im Sportverein aktiv bin. Ich kann auch telefonieren, wenn es unbedingt sein muss, aber es ist auch nach vielen Jahren immer noch eine große Belastung und Hürde für mich.

Ich würde mich selbst nicht als jemanden bezeichnen, der Sprechsituationen gezielt meidet, aber selbst bei Arbeitskollegen oder meiner eigenen Familie (Eltern, Geschwister) stottere ich oft noch sehr stark, obwohl das ja Menschen sind, die schon viele Jahre kenne und die mir eigentlich bestens vertraut sind. Trotzdem ist auch da bis heute keine Desensibiliserung eingetreten. Ich bin da wirklich ratlos, warum diese Übertragung in den Alltag bei mir nur so unzureichend gelingt.
Das sieht ja nach einer gründlichen Analyse aus, ist es aber nicht. Dein einer Satz "Für mich sind das zwei Welten" reicht schon aus. Das Signal hätte Deine Therapeutin aufnehmen müssen um zu erreichen, dass die Reizwerte der Situation A und die Reizwerte der Situation B sich immer ähnlicher werden, möglichst bevor an der Form des Stotterns gearbeitet wird. Ich gebe zu, dass die Desensibiliserung in der Gruppe natürlich um Größenordnungen einfacher ist als in einer Einzeltherapie. Das ist der Grund, warum ich in der Regel keine Einzeltherapien mache, auch wenn die Interessenten bitten und betteln.
AndreasStarke hat geschrieben:Lass Dich nicht entmutigen und gib Deine Hoffnung auf fragwürdige "alternative Heilmethoden" auf.
Steffen-2 hat geschrieben:Mal ganz offen gefragt: Wer sagt denn, dass die "offizielle" Logopädie weniger fragwürdig ist als andere Ansätze? Ich bin davon noch keineswegs überzeugt nach allem, was ich bisher erlebt habe.
Naja, bestimmte Kreise versuchen ja, einen Gegensatz zwischen "Schulmedizin" und "alternativer Medizin" aufzubauen, und große Teile der Kritik an der Schulmedizin sind auch berechtigt. Die Schulmedizin ist zu Medikamenten-orientiert (da wird viel geforscht, weil mit den Forschungsergebnissen viel Geld zu verdienen ist), überbewertet Vorsorgeuntersuchungen und unterbewertet die Gespräche mit dem Patienten. Alternative Heilmethoden haben diese Schwächen nicht. Dafür werden in der Schulmedizin systematische Ergebnisauswertungen durchgeführt (auch wenn die teilweise falsch oder fragwürdig sind). Diese fehlen bei den alternativen Heilmethoden fast völlig. Die Suche nach einem alternativen Heiler oder einer alternativen Heilmethode ähnelt also einem Glücksspiel. Und so, wie Du die Sache anfasst, kannst Du auch nicht mehr sehr viel mehr rechnen.

Trotzdem: alles Gute!
Andreas Starke
www.andreasstarke.de
www.viermalfuenf.de

AndreasStarke
kompetent
kompetent
Beiträge: 264
Registriert: 19. August 2006 20:46
PLZ: 21033
Ort: Hamburg [Bergedorf]
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Was kann man tun, wenn Logopädie nicht mehr hilft?

Beitrag von AndreasStarke » 2. Januar 2015 16:25

Mut hat geschrieben:Ich hab es vielleicht etwas falsch ausgedrückt mit "andere Therapie".
Ja, aber irgendetwas muss doch anders sein. Ich weiß nicht, wer das war, aber jemand hat mal gesagt, dass "immer dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten" ein klares Anzeichen von Irrsinn sei. So weit würde ich hier nicht gehen, ich weiß ja nicht einmal, wer Du bist, aber ein anderer Satz, der mir auch sehr gut gefällt, ist bestimmt richtig.

Wenn Du etwas haben möchtest, was Du noch nie gehabt hast, dann musst Du etwas tun, was Du noch nie getan hast.

Der Sinn ist ja mehr oder weniger derselbe.
Mut hat geschrieben:Es ist eine , wie ich beurteilen kann , "normale" Sprachtherapie, und wenn ich den Namen sage, dann wirst du Bescheid wissen, wer und wo das ist. Aber ich möchte mir erstmal selber eine Meinung bilden, deswegen erwähne ich den Namen nicht. Ich hatte bisher nur Therapien, bei denen ich einmal die Woche 1 Stunde dort war. Und deswegen versuche ich jetzt was Intensiveres.
Schade, schade. Ich hätte es sehr gerne, dass einer der Teilnehmer an meiner Gruppentherapie (siehe http://www.viermalfuenf.de) eine ausführliche Darstellung seiner Erlebnisse hier im Forum gibt, während die Therapie läuft.

Und die intensive Form ist natürlich kein selbstverständliches Qualitätsmerkmal. Wenn man etwas Schlechtes intensiv macht, wird es dadurch auch nicht besser, jedenfalls nicht viel. ;-)
Mut hat geschrieben:Nein, ich mach nicht das McGuire-Programm, aber seine Videos haben mich motiviert, einen neuen Versuch zu starten.
Ich bin ja ein Freund des vernünftigen Denkens, aber diesen Satz verstehe ich auch wieder nicht. Die Tatsache, dass McGuire mit Gareth Gates ein beeindruckendes Therapieergebnis erzielt hat, motiviert Dich, bei irgendeinem Therapeuten, der im wesentlichen nichts anders macht als das, was Du schon kennst, eine Therapie zu machen. Nun ist dieser Therapeut ja nicht Dave McGuire und Du bist nicht Gareth Gates. Aber, während Du niemals Gareth Gates sein kannst, kann Dein nächster Therapeut sehr wohl Dave McGuire sein. (Der schickt Dich aber dann vielleicht zu mir, wenn er sich, was ich vermute, an mich erinnert. Das wäre doch auch mal eine neue Idee.)
Mut hat geschrieben:Wenn man hört wie Gareth Gates jetzt spricht, das ist doch der Wahnsinn. Aber natürlich ist es eine andere Welt, er hatte einen Sprachtherapeuten bei seinen täglichen Terminen dabei, zumindest hab ich ein Youtubevideo gesehen, da war Gareth Gates in einer Show und sein Trainer rief irgendwann rein "Gareth du musst atmen". Dann hat Gates ihn als sein Sprachcoach vorgestellt.
Ja, so funktionert das. Gates hat festgestellt, dass für eine vollwertige Showkarriere es notwendig ist, besser zu sprechen, sein Stottern war echt hammerhart (um mit Dieter Bohlen zu sprechen). Das war sein Engpass, nicht etwa das Singen. Die Lebensregel ist: Den nächsten Engpass ermitteln und dann alle Kraft auf die Überwindung des Engpasses legen. So habe ich es damals auch gemacht. Ich hatte allerdings keinen eigenen Coach ständig dabei, sondern habe mich auf die nächste Selbsthilfegruppe gestützt und meine ganze Umgebung (Kollegen, Familie, Freunde) zu Kotherapeuten gemacht. Die haben sich das auch gefallen lassen, wofür ich ihnen bis heute sehr dankbar bin.
Mut hat geschrieben:Und Gareth Gates leitet jetzt sogar Kurse und ist der jüngste Brite der die Ausbildung zum Sprechtrainer des McGuire-Programmes absolviert hat.
Nun gut, das ist ein "fancy title": Jüngster Brite mit einer Ausbildung zum Sprechtrainer des McGuire-Programms. Darin sind die Amerikaner groß, Fantasietitel erfinden und Urkunden und Anstecknadeln oder Siegelringe zu verteilen. Das beeindruckt mich nicht. Wohl aber, dass sich Gareth engagiert und die frohe Botschaft der Öffentlichkeit kundtut. Die Hauptbotschaft ist nämlich nicht: McGuire hat es verstanden, sondern Stottern ist behandelbar, und zwar in sehr vielen Fällen mit sehr guten Ergebnissen.

In diesem Sinne
Andreas Starke
Zuletzt geändert von AndreasStarke am 4. Januar 2015 12:03, insgesamt 1-mal geändert.
www.andreasstarke.de
www.viermalfuenf.de

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste