Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

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Nina 1999
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Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 12. Februar 2016 20:07

Hallo allerseits,

ich bin ganz neu hier und wollte mich erst einmal vorstellen... :D

Ich bin 16 Jahre alt und durch Zufall auf dieses Forum aufmerksam geworden. Mit dem Stottern habe ich schon seit längerer Zeit Probleme. In der Schule, beim Vorlesen oder dem Halten von Vorträgen macht sich dies besonders bemerkbar.

Seit September letzten Jahres absolviere ich eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte. Anfangs dachte ich sogar über einen Beruf nach, wobei man nicht viel sprechen muss... Mir macht die Arbeit und vor allem der Umgang mit Menschen sehr Spaß, jedoch ergeben sich hierbei die ein oder anderen (kleinen) Probleme.

Das Telefonieren fällt mir - gerade in Stresssituationen - nicht immer leicht. Mitunter ist es mir vor den Patienten, meinen Kolleginnen und dem Chef mehr als peinlich, mein Sprachproblem zu offenbaren...

Bis vor kurzem konnte ich mit (fast) niemanden über die ständige Angst vor dem Stottern und die dabei empfundenen Gefühle sprechen. Dies wurde mehr und mehr zu einer großen psychischen Belastung. Mein einziger "Anhaltspunkt" war nach langer Recherche im Internet ein erfahrener Fachmann. - Dessen Namen möchte ich (vorerst) nicht preisgeben.

Durch ihn gewann ich - wenn auch nur langsam - den erforderlichen Mut, um mich endlich nahestehenden Personen anzuvertrauen und von meinen Sorgen und Ängsten - diese das ständige Vermeiden der Stottersymptomatik mit sich brachte - ohne Scham zu berichten.

Dies brachte mich einen entscheidenen Schritt weiter, sodass ich schließlich auch meinen größten Wunsch mitteilen konnte. - Eine Stottertherapie nach Charles Van Riper! Dieser Therapie-Ansatz ist dafür prädestiniert, nicht das Stottern "zu verlernen", sondern trägt lediglich dazu bei, es nicht mehr durch Füllwörter oder Vermeideverhalten zu unterbinden. Man könnte auch sagen "gelassen stottern" ist nach meinen Informationen ein wichtiger Aspekt.

Mit der Heilmittelverordnung - diese vom Hausarzt ausgestellt wurde - ging ich auf die Suche nach einer geeigneten logopädischen Praxis und wurde schnell fündig... Dabei werden 10 Mal á 45 Minuten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ende Januar hatte ich meine erste Stunde bei einer qualifizierten Logopädin. Ich war nervös, denn ich wusste bis dato nicht, was mich erwarten würde...

Als erstes begannen die Logopädin und ich mit der "Identifikation": diese beinhaltete ein Anamnese-Gespräch zur Beurteilung der Symptomatik. Dabei erfolgte parallel die Aufzeichung auf ein Tonband.

Die Zeitspanne - meistens eine Woche - zwischen den Stunden vergeht wie im Flug. Eine Woche später stand die "Desensibilisierung (Teil 1)" an. Folgende Übungen waren dabei ausschlaggebend:

1) Analysierung bzw. Besprechung der Aufnahme

2) Erläuterung des Therapie-Konzepts

3) Grafische Darstellung der am Sprechen beteiligten Muskelpartien

4) Progressive Muskelentspannung und

5) Pseudostottern (der für mich vorerst schwerste Teil)

Beim Pseudostottern produziert man in einer lockeren Art und Weise absichtliche Unflüssigkeiten im Sprechvorgang. Dies kann als "Einstieg" mit einzelnen Wörtern erfolgen. Ein wichtiger Aspekt: wenn man in der Therapie von seinem Therapeuten aufgefordert wird, das Pseudostottern anzuwenden, dann hilft es dem Patienten, wenn der Logopäde - zu Übungszwecken - ebenfalls in einer entspannten Atmosphäre das Stottern imitiert.

Später können auch kurze Sätze pseudo gestottert werden, sodass eventuell ein lockeres und angstfreies Sprechen (über die Störung) in der Geborgenheit des Behandlungsraums stattfindet. Ziel dieses "absichtlichen Stotterns" ist, dass der Patient die Scham- und Angstgefühle - diese beim Vermeiden oder während des Stotterns entstehen, Schritt für Schritt überwinden kann. Zuerst benötigt es aber - aus eigener Erfahrung - eine große Portion Mut, um dieses Therapie-Ziel in die Tat umzusetzen. Sobald man es jedoch geschafft und die erste Angst überwunden hat, kann es sehr befreiend sein, dies (vorerst nur in der Therapie) anzuwenden.

Eine Woche später stand die "Desensibilisierung (Teil 2)" auf dem Plan. Folgende Inhalte waren zu beachten:

1) Erneut Übungen zum Pseudostottern. Diesmal fiel es mir leichter, das "absichtliche Stottern" einzusetzen. - Ich empfand ein richtig befreiendes Gefühl und war zugleich stolz auf mich selbst.

2) Gemeinsames Analysieren der Erst-Aufnahme und

3) Beschreibung der wahrnehmbaren Stotter- bzw. Vermeidungssymptomatik mit Hilfe der "Stotterzwiebel"

Die sogenannte "Stotterzwiebel" ist in drei Bereiche aufgeteilt:

1) Kernsymptome

2) Vermeidungsverhalten und

3) Sekundäre Symptome

Es kann in dieser Phase der Therapie vorkommen, dass Patienten mit der Konfrontation der Erst-Aufnahme emotional reagieren, weil ihnen das Bild vom eigenen Stottern noch nie in dieser gewissen Art und Weise präsentiert wurde. Sich selbst - womöglich auch noch stotternd bzw. die jahrelange Vermeidungsstrategie so offen zu erleben, war auch für mich eine seelische Belastung. Aber, auch solche Erfahrungen sind wichtige Elemente in der Stottertherapie. - Schließlich löst jedes Stotterereignis ein mehr oder weniger emotionales Ereignis aus, dieses wir schnellstmöglich beenden wollen.

In der nächsten Stunde werde ich mit Hilfe der Logopädin in die "Modifikation" einsteigen. Bereits weiter oben habe ich erwähnt, dass das Ziel der Van Riper-Therapie lediglich auf das "flüssige Stottern" nicht auf "stotterfreies Sprechen" zurückzuführen ist. Insofern erwartet mich (meines Erachtens) Folgendes:

Durch Techniken - beispielsweise dem "leisen Stimmeinsatz" - wird die Vorbereitung auf ein zu erwartendes Stotterereignis begünstigt, sodass wenn die Unflüssigkeiten tatsächlich eintreten, mit einer glatten und langsamen Bewegung die Stotterstellung "aufgelöst" und überwunden werden kann. Mehr kann ich leider noch nicht dazu sagen. Die Informationen bezüglich des "Nicht-Vermeidungs-Ansatzes" fand ich bei meiner Recherche im Internet. Ob diese tatsächlich richtig sind, dies weiß ich noch nicht...

Die erfahrene Logopädin wird mir Ende nächster Woche die Phase der "Modifikation" auführlich erläutern und erste Übungen durchführen. Theoretisch könnte ich auch bis nächste Woche abwarten und hätte mir diesen Beitrag sparen können. Jedoch bin ich schon etwas neugierig und möchte von Euch gerne wissen:

Habt Ihr schon einmal Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz" gemacht? - Wenn ja, wie geht es in der "Modifikation" weiter und was passiert dort wirklich mit dem "alten Vermeidungsverhalten?" Seid Ihr mit dem Erfolg der Therapie zufrieden und kann man das "neue Sprechen" dauerhaft aufrecht erhalten?

Ich würde mich über hilfreiche Antworten sehr freuen!

Danke, schon mal im Voraus!

Ein schönes Wochenende wünscht Euch

Nina 1999

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PetraS
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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von PetraS » 14. Februar 2016 12:07

Hallo Nina,
schön dass du es hier in dieses Forum gefunden hast. Ich finde es auch sehr gut, dass du uns gleich so eine ausführliche Schilderung des Therapiekonzeptes deiner Logopädin gegeben hast.
Nina 1999 hat geschrieben: Ende Januar hatte ich meine erste Stunde bei einer qualifizierten Logopädin. Ich war nervös, denn ich wusste bis dato nicht, was mich erwarten würde...

Als erstes begannen die Logopädin und ich mit der "Identifikation": diese beinhaltete ein Anamnese-Gespräch zur Beurteilung der Symptomatik. Dabei erfolgte parallel die Aufzeichung auf ein Tonband.

Die Zeitspanne - meistens eine Woche - zwischen den Stunden vergeht wie im Flug. Eine Woche später stand die "Desensibilisierung (Teil 1)" an. Folgende Übungen waren dabei ausschlaggebend: (...)
Das Therapiekonzept nach Van Riper ist vielen hier im Forum bekannt, und vielleicht meldet sich ja auch noch der eine oder andere, der ebenfalls eine Therapie nach diesem Konzept absolviert hat.
Was mir in deiner Schilderung aufgefallen ist, ist das rasante Tempo, mit dem deine Logopädin vorzugehen scheint. Das finde ich sehr ungewöhnlich.
Es mag ja sein, dass bei dir viele Erkenntnisse viel schneller greifen als bei so manchem eingefleischten, erwachsenen Stotterer, weil du einfach viel weniger Lebensjahre zählst. Dennoch kann ich mir kaum vorstellen, dass die Identifikation innerhalb von einer Woche abgeschlossen werden kann, ebenso wie ich zwei Wochen für sehr kurz für eine Desensibilisierung halte.
Du musst davon ausgehen, dass beides, sowohl Identifikation als auch Desensibilisierung, Prozesse sind, die Monate, ja sogar Jahre dauern können. Die Einleitung einer solchen Phase durch einen Logopäden dürfte daher nur als "den-Stein-ins-Rollen-Bringen" verstanden werden, die weitere Arbeit liegt bei dir.

Ich identifiziere nach Jahren (und ich bin 52) bei mir immer noch stotterbedingte Verhaltensweisen, die mir zuvor nie aufgefallen waren, und immer wieder analysiere ich mein Verhalten in bestimmten Situationen, wo ich mir zum Beispiel denke, "wieso ist mir dieses oder jenes eigentlich immer noch peinlich, eigentlich dachte ich doch, ich hätte mich schon so gut desensibilisiert."
Nina 1999 hat geschrieben:Die erfahrene Logopädin wird mir Ende nächster Woche die Phase der "Modifikation" auführlich erläutern und erste Übungen durchführen. Theoretisch könnte ich auch bis nächste Woche abwarten und hätte mir diesen Beitrag sparen können. (...)
Deiner Schilderung nach kommst du nach nur drei Wochen Vorlauf bereits zur Modifikation. Mir kommt das äußerst ungewöhnlich vor.
Darum meine Frage an dich: Merkst du denn überhaupt schon Unterschiede bei dir in deiner Einstellung zum Stottern, in deinen Ängsten vor Situationen, in deinem Vermeidungs-Verhalten?
Was hast du identifiziert? Worin bist du jetzt desensibilisiert? Zuckst du nicht mehr zusammen, wenn jemand in deinem Beisein das Wort "Stottern" in den Mund nimmt, bist du schon ein anderer Mensch geworden? Kannst du jetzt Stotterer-Witze hören, ohne rot zu werden? Kann in deiner Lieblingsserie, die du gerade mit Freundinnen schaust, ein Stotterer auftauchen, ohne dass du am liebsten den Raum verlassen möchtest?
Wie ist es für dich in der Therapiestunde; eher so wie mit einem Lehrer, der dir vorbetet: "So muss es sein und nur so kommst du zum Ziel" oder leistet die Logopädin bei die Überzeugungsarbeit, ändert sie etwas in deinen inneren Einstellungen?
Nina 1999 hat geschrieben:Habt Ihr schon einmal Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz" gemacht? - Wenn ja, wie geht es in der "Modifikation" weiter und was passiert dort wirklich mit dem "alten Vermeidungsverhalten?" Seid Ihr mit dem Erfolg der Therapie zufrieden und kann man das "neue Sprechen" dauerhaft aufrecht erhalten?
Hier muss ich etwas differenzierter antworten.
Erfahrungen mit dem Nicht-Vermeidungs-Ansatz habe ich insofern, als dass ich die deutsche Übersetzung von "Die Behandlung des Stotterns" (übersetzt von Andreas Starke) gelesen und mich intensiv damit befasst habe. Viele der im dortigen Konzept beschriebenen Dinge, insbesondere die Phasen Identifikation und Desensibilisierung, hatte ich irgendwann von selbst für mich entdeckt und dadurch an mir gearbeitet. Eine Modifikation war dann aus meiner Sicht in meinem Falle gar nicht mehr nötig, weshalb ich auch keine Therapie besucht habe. Durch die Arbeit in der SHG und Kontakte zu aktiven Logopäden komme ich jedoch immer wieder mit dem Therapiekonzept in Berührung und halte es nach wie vor für sehr gut durchdacht.

Ich möchte dir an dieser Stelle empfehlen, dir folgendes Video anzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=WcdKiubjYAw
Du siehst dort Andreas Starke, einen der erfahrensten Van-Riper-Therapie-Anbieter in Deutschland, wie er über dieses Konzept spricht. Dort wirst du vielleicht noch einmal besser nachvollziehen können, wie sich die einzelnen Phasen zusammensetzen.

Ein weiteres Konzept, das mich sehr überzeugt, und das auch gerade die emotionale Komponente des Stotterns mit aufgreift, ist das McGuire-Programm, das ausschließlich von Stotternden für Stotternde angeboten wird.
http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=12&t=4315#p26436
Allerdings wird es in Deutschland nicht von Krankenkassen getragen, bietet jedoch durch den Konzeptaufbau eine ständige Nachsorge an und regelmäßige Auffrischungsmöglichkeiten (die freiwillig sind), weil jeder Teilnehmende und jeder Coach, die ja alle selber stottern, wissen, dass eine Stottertherapie nicht mit dem Verlassen des Therapieraumes abgeschlossen ist, nein, dass die Arbeit am Stottern eine lebenslange Aufgabe ist.

Ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben. Insbesondere zum Punkt Modifikation, den du ja angesprochen hast, wirst du Antworten in dem Video von Starke finden.
Gruß
Petra

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von dosi » 15. Februar 2016 10:08

Hallo Nina,

auch ich bin überrascht in welchem rasanten Tempo du die Therapie durchläufst. Eigentlich ist das für mich unvorstellbar. Ich mache seit längerer Zeit eine ambulante Van-Riper-Therapie und will hoffen, dass ich diese noch in diesem Jahr beenden kann. Aber ein richtiges Ende gibt es ja eigentlich nicht, denn ich muß immer weiter an mir und an meinem Stottern arbeiten.
Kannst du z.B. das Pseudostottern in all deinen Lebensbereichen anwenden? Bei mir war das hartes Training mit vielen Rückschlägen. Erst ging es nur im Therapieraum, dann nur in vorbereiteten Sprechsituationen, dann mit einigen wenigen Personen... Der Kreis, in dem ich mir das getraut habe, wurde immer ein wenig größer und ich bin jetzt noch dabei den Aktionsradius zu erweitern. Zwischendurch - nach sehr guten Phasen - ging dann mal wieder gar nichts mehr. Also wieder von vorn anfangen. Das ging bzw. geht über Monate.
Kannst du ohne Scham mit dir vertrauten und auch fremden Leuten über dein Stottern reden? Bekennst du dich offen dazu oder versuchst du weiterhin es zu verstecken?
Bitte sprich offen mit deiner Logopädin, wenn du bestimmte Dinge nur im Therapieraum wagst und im Alltag nicht.
Schreib mal wie es bei dir weiter geht.

Dosi
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Jaspis » 16. Februar 2016 09:05

Hallo Nina,
wenn das so gut funktioniert zwischen Dir und Deiner Logopädin, dann bleib dran! Ich denke, es ist von großem Vorteil, wenn man sich schnell auf die Therapieinhalte einlassen und diese umsetzen kann. Setz Dich aber nicht unter Erfolgsdruck, die 10 Stunden werden vermutlich nicht reichen, aber Du könntest sehr viel neues Wissen und Rüstzeug mitnehmen.
Ich selbst habe keine Van Riper Therapie gemacht, kenne aber einige Absolventen. Und bewundere oft, wie gut es sich doch anhören kann, wenn man "nur noch" leicht stottert. Man hört zwar die verwendeten Techniken raus (oder nur wir mit geschultem Ohr?), aber der Gewinn an Flüssigkeit und Klarheit (ohne großes Vermeidungsverhalten und Sekundärsymptomen) kann enorm sein.
Es hört sich einfach viel leichter zu, wenn jemand zwar mit gelegentlichen Symptomen und Bearbeitungen spricht, aber dennoch klar spricht, bei sich und seinem Thema bleibt und sich auch noch seinen Zuhörern widmen kann. Als wenn man die ganze Zeit nur mit sich und all dem Stotterstress beschäftigt ist.

Versuche solange wie möglich bei dieser Logopädin zu bleiben, wenn es so gut läuft. Pass aber auch auf Dich auf und überfordere Dich nicht und bereite Dich auch auf Rückschläge vor.

Hast Du diese Logopädin allein gefunden oder durch eine Beratung durch die BVSS? Ist sie als "Stottertherapeutin" zertifiziert (Mitglied bei IVS?)?
Man liest so oft negative Berichte, da freut es einen auch mal so positives zu hören!

Viele Grüße, Jaspis!

Nina 1999
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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 16. Februar 2016 20:27

Hallo Petra,

danke für Deine ausführliche Antwort.
Was mir in deiner Schilderung aufgefallen ist, ist das rasante Tempo, mit dem deine Logopädin vorzugehen scheint. Das finde ich sehr ungewöhnlich.
Es mag ja sein, dass bei dir viele Erkenntnisse viel schneller greifen als bei so manchem eingefleischten, erwachsenen Stotterer, weil du einfach viel weniger Lebensjahre zählst. Dennoch kann ich mir kaum vorstellen, dass die Identifikation innerhalb von einer Woche abgeschlossen werden kann, ebenso wie ich zwei Wochen für sehr kurz für eine Desensibilisierung halte.
Du schriebst über das ungewöhnlich schnelle Tempo, in diesem die Therapie fortzuschreiten scheint. Ferner hast Du bereits erwähnt, dass bei mir eventuell die Erkenntnisse schneller greifen, als bei anderen Stotterern, da ich noch jung bin. Bei mir ist die Stottersymptomatik im Verhältnis zu anderen Personen relativ "schwach ausgeprägt". Dennoch empfand ich den Leidensdruck durch das ständige Vermeiden als sehr belastend, sodass ich daraufhin eine Therapie begonnen habe.

Die Phase der "Identifkation" und der "Desensibilierung" dauerten bei mir tatsächlich nur eine knappe Woche. Ich bin jedoch der Meinung, dass sich diese Inhalte in den nächsten Stunden wiederspiegeln werden und die Logopädin und ich intensiv immer und immer wieder daran arbeiten werden, das bereits Gelernte zu festigen und somit den Transfer in den Alltag zu verbessern.
Deiner Schilderung nach kommst du nach nur drei Wochen Vorlauf bereits zur Modifikation. (...)
Die "Modifikation" ist ein wesentliches Element in der Stottertherapie. Es ist wichtig, seine neue Methode auch außerhalb des Übungsfeldes anzuwenden und seinen sprachlichen Horizont auf diese Art zu erweitern. Dies kann immer und immer wieder in der Therapie erfolgen.

Nun komme ich zur Beantwortung Deiner Fragen:

1)
Merkst du denn überhaupt schon Unterschiede bei dir in deiner Einstellung zum Stottern, in deinen Ängsten vor Situationen, in deinem Vermeidungs-Verhalten?
Meine Einstellung zum Stottern hat sich bereits nach der ersten Stunde bei der Logopädin zum Positiven gewandt. Die Ängste und somit das Vermeidungsverhalten sind nach wie vor noch immer ein wesentlicher Teil des Sprechens.

2)
Was hast du identifiziert?
Ich habe in der "Identifikation" mein Sprechen und das dazugehörige Vermeidungsverhalten bewusst wahrgenommen.

3)

Code: Alles auswählen

Worin bist du jetzt desensibilisiert?
In gewisser Art und Weise bin ich gegen eventuelle "dummen Bemerkungen" meiner Gesprächspartner desensibilisiert. Ich halte mir (wenn das Stottern auftreten sollte) vor Augen, dass mein Gegenüber nicht negativ auf mein Sprechen reagiert. Dieser ist vielleicht schlecht gelaunt oder hatte die Nacht zuvor keinen erholsamen Schlaf... Mittlerweile kann ich mit gutem Gewissen sagen "Ich bin Stotterer, na und?!"

4)
Zuckst du nicht mehr zusammen, wenn jemand in deinem Beisein das Wort "Stottern" in den Mund nimmt, bist du schon ein anderer Mensch geworden?
Früher - vor Beginn der Therapie - war es mir sehr peinlich, wenn jemand in meinem Beisein das Wort "Stottern" in den Mund nahm. Er wusste schließlich nicht, dass in seiner Nähe ein (versteckter) Stotterer saß.

Mittlerweile ist dies für mich keinesfalls unangenehm. - Ganz im Gegenteil. Ich freue mich darüber, wenn die Familie, Verwandte oder Freunde mich auf mein Sprachproblem aufmerksam machen und ich von meinen Erfolgen in der Therapie berichten kann. Daraufhin würde ich Deine Frage "bist Du schon ein anderer Mensch geworden?" ganz klar mit "Ja" beantworten.

5)
Kannst du jetzt Stotterer-Witze hören, ohne rot zu werden?


Noch vor wenigen Monaten empfand ich es als ziemlich verletzend, wenn jemand in meinem Umfeld über Stotterer-Witze lachte. Sobald ein Stotterer in einem Sketch vorkam, fühlte ich mich plötzlich "angesprochen", auch wenn ich diesen nur flüchtig mitbekam und wusste, dass ich nicht gemeint bin...

Jetzt lache ich gerne über so manchen Stotterer-Witz und das, ohne rot zu werden. In der Therapie wurde und werde ich auch weiterhin vor den Reaktionen meiner Gesprächspartner bezüglich meines Stotterns desensibilisiert. Dies finde ich sehr wichtig.

6)
Kann in deiner Lieblingsserie, die du gerade mit Freundinnen schaust, ein Stotterer auftauchen, ohne dass du am liebsten den Raum verlassen möchtest?
Diese Frage erinnert mich an den Oskar prämierten Kinofilm "The King´s Speech". Dabei verkörpert der amerikanische Schauspieler Colin Firth grandios den stotternden König Georg VI.

Vor gut einem Jahr, sah ich mir den Film zum ersten Mal (alleine) an. Er bewegte mich sehr, sodass es einer meiner Lieblingsfilme wurde. In König Georg VI. konnte ich mich in gewisser Art und Weise wiederfinden...

Nun wäre ich durchaus bereit, "The King´s Speech" im Beisein meiner Familie oder auch mit der besten Freundin anzusehen.

7)
Wie ist es für dich in der Therapiestunde; eher so wie mit einem Lehrer, (...) oder leistet die Logopädin bei die Überzeugungsarbeit, ändert sie etwas in deinen inneren Einstellungen?
Die Stunden in der Therapie finde ich sehr schön. Die Logopädin ist für mich keinesfalls ein "getreues Lehrer-Abbild", sondern eine gut ausgebildete Person, diese Fachwissen und Kenntnisse über das Thema "Stottern" besitzt und dies mit Betroffenen teilt. Das Ziel eines Therapie-Erfolges und das Wohl des Patienten stehen bei ihr an erster Stelle. Die Logopädin leistet bei mir auf jeden Fall Überzeugungsarbeit. - Ganz klar: ich möchte gerne weiter und erfolgreich an meinem Sprechen arbeiten.

Vielen Dank auch, für den Link des YouTube-Videos von Andreas Starke. Er gibt in seinem ausführlichen Interview gute Anregungen und Erklärungen bezüglich des entwickelten Therapiekonzepts nach Charles Van Riper.

Allerdings konnte ich mit dem Begriff "McGuire-Programm" vor Deiner Beschreibung nicht viel anfangen. - Jetzt weiß ich auch darüber bescheid. Vielen Dank.

Danke, Petra! Du hast mir sehr geholfen!

Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Liebe Grüße

Nina 1999

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 17. Februar 2016 17:28

Hallo Dosi,

auch Dir danke ich für Deine Antwort.

Richtig, ein wirkliches "Ende" gibt es in der Therapie nach Van Riper nicht. Ich bezweifle, dass man eine Stottertherapie (beispielsweise die "Fluency Shaping"-Methode) beenden kann. Letztendlich muss auch nach Abschluss das Sprechen durch regelmäßiges Training weiter stabilisert werden.

Ferner möchte ich Deine Fragen beantworten:

1)
Kannst du z.B. das Pseudostottern in all deinen Lebensbereichen anwenden?
Die vermittelten Inhalte der Therapie lassen sich - mit viel Überwindung - gut in den Alltag integrieren. Ich muss jedoch eingestehen, dass ich das von Dir angesprochene Pseudostottern bislang noch nicht in der Öffentlichkeit anwende, sondern nur in der "Geborgenheit des Behandlungsraums"... - Daran möchte ich intensiv arbeiten.

2)
Kannst du ohne Scham mit dir vertrauten und auch fremden Leuten über dein Stottern reden?
Wenn mich jemand auf das Thema "Stottern" anspricht, kann ich sowohl mit vertrauten als auch mit fremden Personen ohne Scham darüber sprechen.

3)
Bekennst du dich offen dazu oder versuchst du weiterhin es zu verstecken?
Ich kann nun mit gutem Gewissen sagen "Ich bin Stotterer, na und?! Das Vermeidungsverhalten ist nach wie vor Bestandteil meines Sprechens. - Dies aufzulösen ist (noch) schwierig, da ich ohne den "Trick" womöglich ins Stottern kommen könnte und die Techniken erst erlernen muss, wie ich ein Stottersymptom mit wenig Anstrengung "auflösen" kann.

Zu Beginn der Stunde berichte ich der Logopädin offen über Ereignisse, diese Zwischenzeitlich im privaten Umfeld oder auf der Arbeit geschehen sind. Dies finde ich sehr befreiend. Zuvor konnte ich (fast) niemanden über mein Stottern in mündlicher Form infomieren.

Alles Gute weiterhin wünscht Dir

Nina 1999

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 17. Februar 2016 19:13

Hallo Jaspis,

danke für Deine Antwort.

Es ist auch mein Ziel, durch die neue Technik das alte Vermeidungsverhalten endlich aufzulösen und dadurch an Sprechflüssigkeit zu gewinnen. - Dies ist hartes Training, aber der Ergeiz ist stärker...

Die Logopädin gab mir der Fachmann "an die Hand", mit diesem ich seit einiger Zeit erfolgreichen Mail-Kontakt habe. Sie hat durchaus Erfahrung und ist qualifiziert für einen Therapie-Ansatz nach Charles Van Riper. Ob sie allerdings bei IVS ist, das weiß ich leider nicht. - Wäre eine gute Zwischenfrage für die nächste Stunde diesen Freitag... :wink:

Viel Erfolg weiterhin wünscht Dir

Nina 1999

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von PetraS » 17. Februar 2016 20:17

Hallo Nina,
Nina 1999 hat geschrieben: Bei mir ist die Stottersymptomatik im Verhältnis zu anderen Personen relativ "schwach ausgeprägt". Dennoch empfand ich den Leidensdruck durch das ständige Vermeiden als sehr belastend, sodass ich daraufhin eine Therapie begonnen habe.
Das ist ja gerade die Krux. Viele leicht Stotternde, die oft über lange Phasen flüssig sprechen können, kommen mit der Tatsache, dass es auch immer wieder Momente des Stotterns gibt, schlechter klar als Leute, die eigentlich in jeder Situation auffällig stottern, die daher also nur die Wahl haben zwischen Mund halten oder drauf los stottern.
Ich gehörte auch mal zu den ersteren.
Nina 1999 hat geschrieben:Die Phase der "Identifkation" und der "Desensibilierung" dauerten bei mir tatsächlich nur eine knappe Woche. Ich bin jedoch der Meinung, dass sich diese Inhalte in den nächsten Stunden wiederspiegeln werden und die Logopädin und ich intensiv immer und immer wieder daran arbeiten werden, das bereits Gelernte zu festigen und somit den Transfer in den Alltag zu verbessern.
Ich habe mich gestern mit einem Absolventen einer Van-Riper-Intensivtherapie unterhalten, der auch fast vom Glauben abgefallen wäre, als ich ihm sagte, dass du nach nur zwei Wochen bei der Desensibilisierung gelandet bist. Er meinte, er habe eine ganze Woche Identifikation durchlaufen, danach mehrere (ich glaube 3) Wochen Alltag, wobei er "Hausaufgaben" aufbekommen hatte, anschließend eine Woche intensiv Desensibilierung, dann wieder mehrere Wochen Hausaufgaben und Integration in den Alltag und so fort...
Ich gehe daher auch davon aus, dass deine Logopädin wirklich nur den Stein ins Rollen gebracht hat und die Inhalte der ersten beiden Phasen immer wieder Gegenstand der folgenden Therapiestunden sein werden.
Nina 1999 hat geschrieben:Die "Modifikation" ist ein wesentliches Element in der Stottertherapie. Es ist wichtig, seine neue Methode auch außerhalb des Übungsfeldes anzuwenden und seinen sprachlichen Horizont auf diese Art zu erweitern. Dies kann immer und immer wieder in der Therapie erfolgen.
Ich bin ja mal gespannt, wie es mit der Modifikation weitergeht und berichte uns gerne davon!
Nina 1999 hat geschrieben:Meine Einstellung zum Stottern hat sich bereits nach der ersten Stunde bei der Logopädin zum Positiven gewandt. Die Ängste und somit das Vermeidungsverhalten sind nach wie vor noch immer ein wesentlicher Teil des Sprechens.
Klar, dass man langjährige Gewohnheiten nicht so einfach über Bord werfen kann. Ich kann mich selbst daran erinnern, wie ich oft lange Zeit darüber gebrütet habe, "soll ich es jetzt ansprechen oder nicht? Ich will es doch ansprechen, wieso fällt es mir so schwer?" etc.
Aber dass du meinst, deine Einstellung habe sich bereits geändert, finde ich gut und auch nicht ungewöhnlich. Denn wenn man Veränderung selber WILL, dann geht das auch! :D
Nina 1999 hat geschrieben:Ich habe in der "Identifikation" mein Sprechen und das dazugehörige Vermeidungsverhalten bewusst wahrgenommen.
Das ist dann nur der Anfang. Aber sicherlich ein Guter! Ich weiß nicht, was die Van-Riper-Therapeuten noch alles unter "Identifikation" verstehen, aber ich persönlich hätte es viel facettenreicher gesehen. Es gibt so unendlich viel am persönlichen Stottern zu entdecken!
Mir hat es geholfen, wenn man daraus eine Art "Sport" macht, wenn man geradezu nach persönlichen Mustern sucht und sie dann für sich mit viel Neugier analysiert. Man kann dann nicht nur besser daran arbeiten, es kehrt all die alten Einstellungen wie "igitt, mein Stottern, ich will damit nichts zu tun haben" in eine positive Entdeckungsreise um, und irgendwann beginnt es einem Spaß zu machen. Spaß macht dann vor allem der Austausch mit anderen darüber.
Nina 1999 hat geschrieben:In gewisser Art und Weise bin ich gegen eventuelle "dummen Bemerkungen" meiner Gesprächspartner desensibilisiert. Ich halte mir (wenn das Stottern auftreten sollte) vor Augen, dass mein Gegenüber nicht negativ auf mein Sprechen reagiert. Dieser ist vielleicht schlecht gelaunt oder hatte die Nacht zuvor keinen erholsamen Schlaf... Mittlerweile kann ich mit gutem Gewissen sagen "Ich bin Stotterer, na und?!"
Das ist schon ein großer Schritt, klingt aber für mich sehr nach "das hat mir die Logopädin so gesagt". Der Transfer in den Alltag ist manchmal gar nicht so einfach, wenn wirklich einer neben einem eine Bemerkung macht, die man auf sein Stottern beziehen könnte...
Nina 1999 hat geschrieben:Früher - vor Beginn der Therapie - war es mir sehr peinlich, wenn jemand in meinem Beisein das Wort "Stottern" in den Mund nahm. Er wusste schließlich nicht, dass in seiner Nähe ein (versteckter) Stotterer saß.

Mittlerweile ist dies für mich keinesfalls unangenehm. - Ganz im Gegenteil. Ich freue mich darüber, wenn die Familie, Verwandte oder Freunde mich auf mein Sprachproblem aufmerksam machen und ich von meinen Erfolgen in der Therapie berichten kann. Daraufhin würde ich Deine Frage "bist Du schon ein anderer Mensch geworden?" ganz klar mit "Ja" beantworten.
§dup
Nina 1999 hat geschrieben: Jetzt lache ich gerne über so manchen Stotterer-Witz und das, ohne rot zu werden.
Keine Ahnung, ob ich bei Stotterer-Witzen rot werde, aber ich glaube nicht, dass ich auch nach so vielen Jahren ganz normal darauf reagiere. Ich glaube schon, ein bisschen steigt mein Blutdruck an.
Nina 1999 hat geschrieben:Vor gut einem Jahr, sah ich mir den Film zum ersten Mal (alleine) an. Er bewegte mich sehr, sodass es einer meiner Lieblingsfilme wurde. In König Georg VI. konnte ich mich in gewisser Art und Weise wiederfinden...

Nun wäre ich durchaus bereit, "The King´s Speech" im Beisein meiner Familie oder auch mit der besten Freundin anzusehen.
Habe ich neulich erst gemacht, hat mir gar nichts ausgemacht. Aber das war vorbereitet, das heißt wir haben (mit einem Gast: hallo Esche!) beschlossen, wir gucken heute Abend "The King's Speech" (die DVD habe ich eh). Ich habe aber vor einiger Zeit mit Kollegen einen Video-Abend gemacht und bin irgendwie unvorbereitet in den Film "Zusammen ist man weniger allein" geschlittert, in dem eine der Hauptrollen ein Stotterer ist. Das war mir zwar nicht unangenehm, aber ich fühlte mich doch mehrfach dazu genötigt, fachkundige Kommentare abzugeben, wie Stottern sein und wie es nicht sein kann (immerhin ist die Synchronisation ja auch nicht immer so toll).
Nina 1999 hat geschrieben:Die Stunden in der Therapie finde ich sehr schön. (...) Das Ziel eines Therapie-Erfolges und das Wohl des Patienten stehen bei ihr an erster Stelle.
Allein wenn man sich wohl fühlt, ist es ja schon ein großer und wichtiger Schritt.
Und ich würde nicht nur darauf warten, bis andere dich auf dein Stottern ansprechen, sondern auch versuchen, ganz von allein das Thema zu einem geeigneten Zeitpunkt anzusprechen. Oft merkt man erst dann, dass die Mitmenschen überhaupt nicht gewusst haben, dass man stottert.

Und was du stets bedenken solltest: Jeder Deutsche kennt das Wort Stottern und meint zu wissen, was damit gemeint ist.
Frag doch mal spaßeshalber deine Eltern, deine Freunde und Freundinnen, Leute, die dir nahestehen und solche, die du weniger gut kennst, was sie sich unter Stottern vorstellen und was sie glauben, woher es kommt! Du wirst die abenteuerlichsten Märchen hören.
Viele Grüße und mach so weiter §dup
Petra

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von AndreasStarke » 21. Februar 2016 18:36

Ich muss gleich zu Beginn sagen, dass ich es schier unglaublich finde, mit welcher Klarheit und welchem Geschick Du, Nina, hier Deine Stottertherapie beschreibst. Ich möchte Dich auch bitten, hier den Namen Deiner Logopädin, die das ganz offenbar sehr gut macht, und besonders auch des Fachmannes, der Dich auf die "richtige Spur" gesetzt hat (siehe Deinen ersten Beitrag) hier namentlich zu nennen. Ich bedauere es oft, dass Teilnehmer an diesem Forum und auch an anderen Orten aus der Identität Ihrer (guten) Therapeuten ein Geheimnis machen.

Ich könnte jetzt hier die ganze Diskussion durchkommentieren und es gäbe auch genug zu sagen, aber ich will mich auf einen Punkt beschränken. Das "rasende Tempo" von Ninas Therapie kommt mir nicht völlig absurd vor. Wenn man eine ganze Therapie im Rückblick betrachtet, ich mache das manchmal mit Patienten, kommt man darauf, dass es meist nur wenige Schlüsselerlebnisse, Schlüsselmomente sozusagen, sind, durch die sich wirklich etwas Wichtiges geändert hat. Wenn die Therapeutin in der Lage ist, ein solches Schlüsselerlebnis in jeder Therapiestunde zu erzeugen, kann man die ganze Therapie vielleicht sogar in 10 Stunden schaffen. Man bedenke: Die berühmte Demonstrationstherapie von Van Riper mit seinem Patienten Jeff Adamszak hat übrigens auch weniger als 10 Sitzungen gedauert. Van Riper hat allerdings zugegeben, dass er Glück gehabt hat bei dem, was er "a good strong gamble" genannt hat. Aber im Ernst: Eine Stottertherapie mit einem gut motivierten, leistungsfähigen und intelligenten Patienten ist für den Therapeuten nicht so schwierig, und das, was man wissen muss, ist auch nicht so schwer zu verstehen (auf Englisch heißt das "it's no rocket science").

Nur noch einen kleinen inhaltlichen Hinweis:
Ich halte nicht sehr viel von dem sog. "Zwiebelmodell" bestehend aus einem Stotterkern und den mehrfachen Schalen aus Sekundärsymptomen. Das Bild legt nahe, dass man von außen nach innen die Sekundärsymptome abbauen soll, um schließlich zum Stotterkern, dem primären Stottern, vorzustoßen. Wie soll das geschehen? Dadurch, dass man versucht, durch Konzentration immer weniger Sekundärsymptome zu produzieren? Und was hat man dann? Sprechen mit einem Block nach dem anderen und keinen Hilfsmitteln, um sich die Produktion von Stotterwörtern zu erleichtern. Und was dann?

Ich halte es für praktischer, wenn man einzelne Stotterereignisse (was immer heißt, die Aussprache eines Wortes, die Stottern enthält) aufzuschlüsselt nach Dingen, die dem Sprecher "passieren" (Kernstottern, dazu würde ich den Kontrollverlust, aber auch die Antizipation des Kontrollverlustes zählen), und Dingen, die der Stotterer "macht" (Stotterreaktionen). Dabei ist die Abgrenzung manchmal nicht ganz simpel. Es gibt Stotterreaktionen, die so elementar erscheinen, dass man versucht ist, manchmal zu Recht, sie zum Kernstottern zu zählen. Ein Beispiel wären Tremore des Kiefers. Aber bei einer Vielzahl von Stotterreaktionen wie Grimassieren, Körperbewegungen, Atemreaktionen, Pressen von Lippen und Zunge und anderen Anstrengungsreaktionen und allen Vermeidungen (Wort- und Situationsvermeidungen) ist völlig klar, dass es sich nicht um Kernstottern, sondern um Stotterreaktionen handelt, die gelernt sind und deswegen auch wieder verlernt werden können. Das kann manchmal schwierig und langwierig sein. Den Stotterkern dagegen halte ich letztlich nicht für gelernt, sondern eher für organisch bedingt. Der Wegfall des Kernstotterns, das eigentliche "Flüssigwerden", ist am Ende vor allem das Ergebnis von psychotherapeutischen Wirkungen einer guten Stottertherapie.

Alles Gute wünsche ich Dir, Nina. Sei froh, dass Du schon in Deinen jungen Jahren mit dieser Art von Stottertherapie in Berührung gekommen bist. Ich beneide, ehrlich gesagt, gerade die jungen Teilnehmer an meiner Gruppentherapie und denke mir oft, dass meine Jugend und mein Leben als junger Erwachsener ganz anders verlaufen wäre, wenn ich mit 14 das erfahren hätte, was ich jetzt meinen Patienten zu vermitteln versuche. Aber das ist damals nicht geschehen. Und so bin ich sozusagen "geboren worden", als ich 29 Jahre alt war, "und habe seitdem gut gelebt" (wie Van Riper von sich gesagt hat, wobei sein Geburtsalter 23 war).

Gruß
Andreas
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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von dosi » 24. Februar 2016 22:42

Hallo Nina,

was macht deine Therapie? Schon wieder die Sieben-Meilen-Stiefel angehabt? Es interessiert mich wirklich.

Dosi
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

Wolf Schneider

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 26. März 2016 16:49

Hallo Petra,

nun melde ich mich auch wieder zu Wort... :D

Danke, für Deine Zeilen. Du hast es richtig beschrieben: ich muss mich erst mit dem Gedanken "es kann auch unflüssige Phasen meines Sprechens geben", anfreunden. Dieser Prozess nimmt wahrscheinlich eine gewisse Zeit in Anspruch.

Ich finde es gut, dass Du einem ehemaligen Absolventen einer Intensiv-Therapie nach Van Riper meinen bisherigen Therapie-Verlauf geschildert hast. Das Wissen über den Ansatz und den möglichen Verlauf habe ich lediglich aus Eigenerfahrungen, aus dem Internet oder durch den (von mir verdeckt gehaltenen Fachmann) Herrn Berthold Wauligmann, erlangt. Dahingend möchte ich gerne auf die Antwort von Herrn Andreas Starke - falls Du diese noch nicht gelesen hast - verweisen. Für ihn ist das "rasante Tempo" in diesem meine Therapie fortschreitet, nicht ungewöhnlich...

Da ich länger nicht aktiv gewesen bin, habe ich etwas "den Faden verloren", was ich bereits geschrieben habe und was nicht. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, die bisherige Therapie (nochmals) kurz revue passieren zu lassen:

29. Januar 2016: Identifikation: Anamnese-Gespräch erste Übungen zur Bestimmung der konkreten Symptomatik, Aufzeichnung auf ein Tonband.

5. Februar 2016: Desensibilisierung (1): Analysierung bzw. Besprechung der Aufnahmen, Erläuterung des Therapie-Konzepts, grafische Darstellung der am Sprechen beteiligten Muskelpartien, progressive Muskelentspannung (vorerst an den Armen), Übungen zum "Pseudostottern" (vorerst mit einer Lautwiederholung am Anfang des Wortes).

10. Februar 2016: Desensibilisierung (2): Erneut Übungen zum Pseudostottern, gemeinsames Analysieren der Erst-Aufnahme, Beschreibung der Stotter- bzw. Vermeidungssymptomatik (anhand der "Stotterzwiebel") Einteilung der folgenden Symptome: Vermeidungsverhalten, sekundäre Symptome und Kernsymptome.

19. Februar 2016: Desensibilisierung (3) : Verschiedene Übungen zum Pseudostottern in Form von Karten- und Würfelspielen, Versuch das Vermeidungsverhalten aufzulösen, Erläuterung eines Problems bezüglich des Sprechens im Betrieb.

26. Februar 2016: Desensibilisierung (4): Übungen zum Pseudostottern, Weitere Übungen, das Vermeiden aufzulösen. Einstieg in die Modifikation (1): "Zeitlupensprechen" – vorerst kein Erfolg.

4. März 2016: Desensibilisierung (5): Übungen zum Pseudostottern und ohne das "alte Verhalten" zu sprechen, Erstellung einer "Rangliste" (von 1 bis 10) in diesen mir das Anwenden der Technik leicht- bzw. schwer fällt, Kopie der Liste, um Kontrolle zu Hause fortführen zu können, Vorschlag und Zielsetzung, diese Sprechweise in den Alltag zu integrieren. Modifikation (2): Zeitlupensprechen – bisher ohne Erfolg, erste Übung Wörter, diese ich sagen möchte, bewusst auszusprechen und nicht zu vermeiden, auch mit der Gefahr, zu stottern.

11. März 2016: Desensibilisierung (6): Erneute Übung zum Pseudostottern - ohne Füllwort, Weiterarbeit bzw. Ergänzung der "Rangliste", Berichterstattung über den gescheiterten Versuch, das absichtliche Stottern bezüglich der Liste zu Hause anzuwenden, Zielsetzung mittels (Kontroll)-Liste, das Pseudostottern bei Freunden via What´s App-Audio-Nachricht anzuwenden und zu dokumentieren, wie das Gefühl vor, während und nach der Übung ist, Besprechung der mehr oder weniger erfolgreichen (Sprech)-Situationen auf der Arbeit.
Modifikation (3): Wörter aussprechen, diese ich gerne sagen möchte, ohne Füllwort und sonstiges Vermeiden – auch mit der Gefahr, zu stottern.

18. März 2016: Desensibilisierung (7): Übung zum Pseudostottern Miteinbezug meiner Mutter, Besprechung der "Hausaufgabe", Zielsetzung, weiter daran anzuknüpfen, z. B. mit der Familie, anhand eines Spiels.

23. März 2016: Desensibilisierung (8): Übung zum Pseudostottern. Erhalt von Adressen der umliegenden Stotterer-Selbsthilfegruppe in der Region, Besprechung der Hausaufgabe und Sprechsituationen auf der Arbeit - Überlegung eines Rollenspiels bezüglich des Themas mit meinen Kolleginnen. Modifikation (4): Vorübung des Zeitlupensprechens – ohne Erfolg.

Die nächste Stunde findet am Freitag, den 8. April statt...

Schöne Osterfeiertage wünscht

Nina 1999

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 26. März 2016 17:54

Sehr geehrter Herr Andreas Starke,

danke für Ihre Antwort bezüglich meines Beitrags. Besonderen Dank gilt dem Lob mit welchem Geschick ich meinen Therapie-Ablauf beschreiben kann. Diese Aussage hat mich sehr gefreut. Des Weiteren haben Sie mich um die namentliche Erläuterung des Fachmanns sowie meiner Logopädin gebeten...

Ich informiere den Experten - Herrn Berthold Wauligmann - regelmäßig per Mail über meine Erfolge in der Logopädie. Schreibe ihm selbstverständlich auch, wenn es beispielsweise auf der Arbeit "Probleme" bezüglich meines Sprechens gab. Er weiß über mein Sprechen alles, was die Logopädin mittlerweile auch erfahren hat.

Für die Therapie eignete sich nach ausführlicher Recherche im Internet die qualifizierte Mitarbeiterin einer logopädischen Praxis - Frau Isabel Lippert.

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern.

Mit freundlichen Grüßen

Nina 1999
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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von PetraS » 26. März 2016 19:05

Hallo Nina,
nur mal eine interessierte Frage... Wird im Rahmen der Therapie auch in-vivo-Arbeit gemacht, d.h. gehst du mit der Therapeutin in die "freie Wildbahn", um Dinge zu üben, z.B. das Pseudostottern in der Bäckerei oder am Bahnschalter - oder findet alles im Schutzraum Therapieraum statt.
Wie ist das bei dir - wie ist das üblicherweise?
Vielleicht können hierzu auch andere - Dosi oder Andreas - Stellung nehmen.
Man hört ja immer wieder, dass im Therapieraum alles wunderbar klappt, nicht aber im wirklichen Leben.
Würde mich interessieren, wie das bei dir gemacht wird.
Wünsche frohe Ostertage
Petra

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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von Nina 1999 » 26. März 2016 19:21

Hallo Petra,

danke für Deine Zeilen.

Die Frage nach der In-Vivo-Arbeit kann ich Dir beantworten: meine Therapeutin hat in den letzten Stunden immer mal wieder von Situationen außerhalb des Therapieraums (beispielsweise die Bäckerei, im Supermarkt oder auch bei der Frage nach einer Wegbeschreibung), gesprochen. Dabei wäre es gut, wenn (vorerst) ich UND die Logopädin das Pseudostottern anwenden. Ich weiß, dass gerade diese Übungen elementar für eine gute und nachhaltige Therapie sein können, jedoch überkommen mich bei dem Gedanken daran, negative Gefühle, wie etwa Scham und Angst, das Stottern in der Öffentlichkeit zu zeigen. Aber dafür ist in meinen Augen die Desensibilisierung gedacht. Bei regelmäßiger und konsequenter Anwendung nehmen die Scham- und Angstgefühle vor und während des Stotterns ab und man kann dies zulassen.

Morgen fahre ich für eine Woche in den Urlaub. Eine fremde Stadt bedeutet auch fremde Menschen. Sie wissen nicht, wie man "normalerweise" spricht. Also, wäre dies ein gutes Übungsfeld, das Pseudostottern weiter auszubauen und die In-Vivo-Arbeit schon von selbst anzufangen. Nur, ob ich dies wirklich durchziehe, steht in den Sternen...

Ich würde mich über eine persönliche Nachricht von Dir sehr freuen, Petra. §dup

Liebe Grüße

Nina 1999
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Re: Hallo/Erfahrungen mit dem "Nicht-Vermeidungs-Ansatz?!"

Beitrag von AndreasStarke » 28. März 2016 15:15

Liebe Nina,

bitte, bitte, bitte. Gewöhne Dir das "Herr" und "Frau" ab, wenn Du jemanden ansprichst oder über jemanden sprichst. Ich heiße nicht "Herr Andreas Starke", sondern "Andreas Starke", Leute, mit denen ich mich duze, nennen mich "Andreas", Leute, mit denen ich mich sieze, nennen mich "Herr Starke". Wenn man über mich spricht, sagt man auch "Andreas" oder, falls es noch andere Andreasse gibt, die in Frage kommen, "Andreas Starke". Das kannst Du auch machen. Du siehst übrigens, dass ich Dich mit "Liebe Nina" anspreche. Das mache ich in gutem Glauben bei allen Menschen, die ich (noch) nicht kenne. Mein guter Glaube ist, dass der/die Angesprochene tatsächlich lieb ist, was ich oft nicht wirklich weiß. Aber so einen Vertrauensvorschuss finde ich schon gut. Die Grußformel "Liebe Grüße" verwende ich nur bei Menschen, die ich liebe oder liebhabe. Das ist jetzt eine Mode geworden, die mir wirklich nicht gut gefällt. "Herzlich" grüße ich Menschen, für die ich positive Gefühle habe, in Eile oftmals aber nur mit "Gruß".

Zu Deinem Therapiebericht: Ich hatte schon einmal angefangen, eine längere Stellungnahme abzugeben. Aber ich will das wirklich nicht tun. Ich bin nicht der Supervisor Deiner Therapeutin, ich kenne Dich nicht und weiß nicht, wie Du stotterst. Was die In-vivo-Aktivitäten betrifft, empfehle ich, zwar alles gut vorzubereiten, aber dann zügig damit anzufangen. In der Gruppentherapie haben wir 2 Tage (Samstag und Sonntag) zur Vorbereitung. Und am Montag und Dienstag geht's gleich raus nach Wismar (von Boltenhagen aus) und ans Telefon. Wie die Vorbereitung bei uns geht, schreibe ich jetzt nicht. Sicher hat Deine Logopädin dazu gute Ideen. Vor allem würde ich darauf dringen, dass sie Dir genau erklärt, was Desensibilisierung ist und wie man sie bewirken kann. Welche Rolle spielen dabei Angst und Scham? Was ist das Konzept? Was ist der Plan?

Gruß
Andreas Starke
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