Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

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LaCote23
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Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von LaCote23 » 2. Dezember 2016 14:18

Liebe Alle

Ich habe dieses Forum heute entdeckt und bin positiv überrascht, wie viele Leute sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Ich selber bin immer noch ein Stotterer, jedoch stottere ich nur noch selten. Ich hoffe, dass ich mit meinem Beitrag ein paar von euch helfen kann und allenfalls auch noch Einblicke in eure Erfahrungen dazu bekommen werde.

Zurzeit bin ich 23 Jahre alt und Student. Das Stottern hat bei mir auch schon sehr früh angefangen, im Kindesalter von 2-3 hätte ich jetzt gesagt. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich mit dem Stottern angefangen habe, als sie mich die Rechtshändigkeit erzwungen haben. Nach meiner Recherche kann dies dann als Folge zum Stottern führen, was ich heute auch davon ausgehe.

Vielleicht noch zu meiner Stotter-Situation: Ich stottere gelegentlich, d.h. ca. jede 10. Minute einmal. Pro Tag jetzt höchstens 10-15x.

Früher habe ich viel öfter gestottert, sicher in jedem Satz einmal. Einen Arzt, Therapien, Medikamente, etc. hatte ich noch nie. Wie habe ich mich nun geholfen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, nach der Ursache gesucht. Bzw. eine Forschung betrieben an eigenem Stottern. Ich habe damals immer aufgeschrieben, wann ich gestottert habe, in welchen Situationen, etc. Ich bin dann zum Schluss gekommen, dass ich persönlich immer dann stottere, wenn ich etwas unheimlich wichtiges loswerden wollte, Sätze gebildet habe die mit dem Buchstaben "A" oder "H" beginnen, mich unsicher gefühlt habe oder mich zu sehr auf das "nicht-stottern" konzentriert habe.

Nun habe ich auch schon gelesen, dass man dann den Satz anders beginnen sollte, dass es auch Selbsthilfegruppen dafür gibt. Auch ich habe mich Mal dafür angemeldet, erschienen bin ich jedoch noch nie (es war mir immer unangenehm). Ich habe auch im Internet gelesen, dass man seine Atmung kontrollieren soll (ich habe früher, auch heute immer mit dem Internet recherchiert und mich so schlau gemacht). Das hat für mich auch bis zu einem Teil gut geklappt. Aber das Stottern war immer noch präsent.

Vorallem bei Präsentationen, Bewerbungsgespräche hatte ich die Angst davor aufgrund meines Stotterns zu versagen. Es war nicht immer einfach, aber das Stottern kann man sicherlich bewältigen, da bin ich überzeugt!

All diese Probleme, die ich oben aufgezählt habe, sind rein psychischer Natur. Es gibt Zeiten und Momente, an denen ich sotterfrei kommunizieren kann. Das sind beispielsweise Situation, in welcher ich mich wohl und sicher fühle. Was ich dann oft gegen das Stottern gemacht habe, war die Tonlage zu verändern. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass das Stottern vermehrt aufkommt, wenn ich mit eine bestimmte Tonlage spreche. Weiter ist die Lautstärke. Euch ist sicher aufgefallen, dass wenn ihr vor euch hin murmelt oder leise sprecht, weniger stottert. Als letzter Punkt die Atmung. Je weniger Luft ich hatte, umso mehr habe ich gestottert. Also auch hier gilt tief Luft holen.

Was mir auch geholfen hat, ist das Selbstbewusstsein. Aus meiner Erfahrung, wenn ich mit Mädels gesprochen habe und unsicher war, kam ich öfters ins stottern, nicht weil ich nicht wusste was ich zu sagen hatte, sondern weil ich mir die Situation unangenehm war, das Stottern war dann eine Nebenwirkung, was nicht ohnehin schon bis zu einem Teil da war. Hier gilt auch die Regel, dass man mit dem Mindset kommen muss, dass man sowieso alles im Griff hat.

Der letzte Punkt was mir auch sehr geholfen hat, sind die Emotionen, welches man bei einem Gespräch aufbringt, zu senken. Meistens, wenn ich aufgeregt war oder etwas unbedingt loswerden wollte, habe ich sofort angefangen zu stottern. Einfach easy peasy Gespräche führen ist der Schlüssel zu stotterfreies Sprechen. Das kommt in der Arbeit, bei Freunden und beim Flirten ohnehin schon sehr gut an, weil man ein gewisses "coolness" mit sich bringt.


So ich hoffe, dass ich ein paar von euch damit helfen konnte oder auch Inputs verschaffen konnte. Ich habe diesen langen Text an einem Stück geschrieben und da werden bestimmt auch Rechtschreibfehler oder andere Dinge zu finden sein, die ihr gerne behalten dürft :D.

Ich wäre über eure Erfahrungen und Tipps froh, den auch ich bin noch nicht völlig stotterfrei. Bei Fragen stehe ich euch gerne und jederzeit zur Verfügung.

Liebe Grüsse

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Heiko Bräuer
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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von Heiko Bräuer » 2. Dezember 2016 18:45

Hallo LaCote23,

Willkommen hier im Forum und Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.

In den letzten Jahren habe ich einen ähnlichen Weg hinter mir, jedoch habe ich zu jedem Zeitpunkt, in welchem mein Stottern auftritt und jetzt noch auftritt, zu diesem gestanden und es zu keinem Zeitpunkt versucht zu unterbinden.
Ich persönlich möchte auch nie stotterfrei werden und bei mir ist es merklich weniger geworden, indem ich mit Ihm zusammen in Harmonie lebe und spreche ;)
Ob du dies für dich immer und überall schaffst, ist mit den heute vorherrschenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Stottern, auch fraglich. Warum möchtest du dieses Ziel erreichen und würde es dir merklich mehr Lebensqualität bringen, als ein leichtes Stottern, was deiner Umwelt wahrscheinlich auch nicht sonderlich auffällt bzw. Dich in deinem Leben nicht merklich "behindert"?

Gruß Heiko

LaCote23
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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von LaCote23 » 3. Dezember 2016 00:49

Lieber Heiko

Danke für dein Feedback!

Ich finde es sehr schön, dass du das Stottern als ein Weggefährte betrachtest. Gewiss ist es so, dass man letztendlich mit dem Stottern auch eins werden muss.
Zu deiner Frage, ob mir ein stotterfreies Leben mehr Lebensqualität bietet:
Tendenziell würde ich diese Frage mit einem ja beantworten. Ich studiere derzeit im Master Rechtswissenschaft und bin angehender Jurist. Da dieser Beruf sehr stark die verbale Kommunikation beansprucht (Kontakt mit Mandaten, Gerichtsverhandlungen, etc.), wäre ein stotterfreies Artikulieren mehr als erwünscht. Nichts desto trotz, würde meiner Meinung nach ein bisschen Stottern kaum Schaden.

Liebe Grüsse

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PetraS
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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von PetraS » 3. Dezember 2016 11:21

Hallo LaCote23,
was du schreibst, ist nicht wirklich etwas Neues, sondern eine Sammlung der Tricks und doppelten Böden, die die meisten Stotternden kennen und nutzen, wenn sie ihr Stottern möglichst "klein halten" wollen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen unabhängig voneinander auf dieselben Ideen kommen! :D

Und ja, vieles davon sind psychische Komponenten, die vielleicht früher die Haupttrigger waren, die das Stottern vermehrt auftreten ließen. Und wenn man sich dieser Dinge bewusst wird und sie bearbeitet, dann kann auch das Stottern weniger bis unsichtbar werden. Aber bedenke, dass es damit nicht WEG ist.
LaCote23 hat geschrieben: Ich studiere derzeit im Master Rechtswissenschaft und bin angehender Jurist. Da dieser Beruf sehr stark die verbale Kommunikation beansprucht (Kontakt mit Mandaten, Gerichtsverhandlungen, etc.), wäre ein stotterfreies Artikulieren mehr als erwünscht. Nichts desto trotz, würde meiner Meinung nach ein bisschen Stottern kaum Schaden.
Ich habe beruflich viel mit Juristen zu tun und kenne einige unter ihnen, die Sprechschwierigkeiten haben. Ein Richter (mittlerweile pensioniert) am Verwaltungsgericht Köln hat Zeitlebens ziemlich stark gestottert, dies nur durch Abbrüche und Schweigen vertuscht. Er hat also einfach aufgehört zu reden, wenn sonst Symptome aufgetreten wären. In etwa so wie hier. Mein Leben als Stotterer Teil 2
Wenn er dann zu oft hängen blieb, fing er an, betont und melodiös zu sprechen. Ebenso kenne ich einen Rechtsanwalt, der während der mündlichen Verhandlung stets ziemlich wortkarg war, bei dem mir ebenfalls klar war, dass er stottert. Ein Richter hat ihn mal während einer Mittagspause abfällig als "Schreibtischtäter" bezeichnet, weil er in seinen Schriftsätzen doch ziemlich dick auftrug und während der Verhandlung nichts sagte.
Dass dies aber vermutlich seinem Stottern zu schulden war, war dem Richter offenbar nicht klar - mir schon.

Ich finde einen ehrlich stotternden Juristen viel besser als einen geschickten Vertuscher. Und - sei ehrlich zu dir selbst - was tut es dir für einen Abbruch zuzugeben, dass du stotterst.
Mir hat genau diese Einstellung, nämlich jederzeit jedem gegenüber mein Stottern eingestehen zu können, am meisten weitergeholfen. Insbesondere nach der Erkenntnis, dass ich ja nichts dafür kann, sondern dass dieses Stottern nun mal ein Teil von mir ist, den ich zwar beherrschen, aber nicht los werden kann.
Gruß
Petra

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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von LaCote23 » 3. Dezember 2016 16:41

Hallo Petra,

(...)
Da ich den Ursprung meines Stotterns kenne (Erzwungene Linkshändigkeit) wollte ich anfänglich wieder auf links wechseln. Jedoch habe ich gelesen, dass ein solcher Prozess viel Zeit mit sich bringt und die Gefahr das Stottern zu verstärken sehr hoch ist.

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass man das Stottern ganz loswerden kann. Es gibt Zeiten, an denen ich ohne Unterbrüche, schnell und sicher über 10 Minuten ohne Sprachbarrieren sprechen kann. Das zeigt mir, dass es möglich ist, über ein längerer Zeitraum ohne Stottern zu sprechen.

Ich denke man muss für sich selber entscheiden, ob man als stotternder Jurist eingestuft wird oder als Jurist, der eher ruhig und zurückhaltend gilt (wie der Rechtsanwalt).

Was mich interessiert ist, welche Unterdrückungsmethode für euch am effizienten war und ob ihr generell Therapien und Logopäden empfiehlt.

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Torsten
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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von Torsten » 3. Dezember 2016 17:30

Hallo,
PetraS hat geschrieben:Hallo LaCote23,
was du schreibst, ist nicht wirklich etwas Neues, sondern eine Sammlung der Tricks und doppelten Böden, die die meisten Stotternden kennen und nutzen […] Ich finde einen ehrlich stotternden Juristen viel besser als einen geschickten Vertuscher.
Ganz so kritisch sehe ich die Methoden, die LaCote23 anwendet, nicht. Ich finde den Wunsch, das Stottern zu verringern, durchaus legitim. Das bedeutet ja nicht, die Tatsache zu verheimlichen, dass man ein Stotterer ist – also jemand, der dieses Handicap hat. Ich finde, man sollte beides tun: den Leuten offen sagen, dass man stottert, und sich gleichzeitig bemühen, die Symptomatik in Schwere und Häufigkeit zu reduzieren.

Ich würde die Methoden, mit denen man Stottern reduzieren kann, auch nicht als Tricks abqualifizieren. Ich finde es z.B. legitim, abzubrechen, wenn man merkt, dass es nicht weitergeht, und eine Pause zu machen (wie in dem Video). Alles, was hilft, ist erlaubt. Entscheidend ist, ob man sich damit (auf Dauer) besser fühlt als wenn man einfach drauflos stottern würde.

Man wird sich auf Dauer aber nicht besser fühlen, wenn man die Tatsache, dass man ein Stotterer ist, zu verheimlichen versucht vor Leuten, mit denen man tagtäglich reden muss. Dann entsteht leicht eine Angst vor dem Entdecktwerden...
LaCote23 hat geschrieben:ch bin dann zum Schluss gekommen, dass ich persönlich immer dann stottere, wenn ich etwas unheimlich wichtiges loswerden wollte, Sätze gebildet habe die mit dem Buchstaben "A" oder "H" beginnen, mich unsicher gefühlt habe oder mich zu sehr auf das "nicht-stottern" konzentriert habe.
Das war/ist bei mir exakt genauso. :D

Gruß, Torsten
www.stottertheorie.de

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PetraS
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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von PetraS » 3. Dezember 2016 17:58

Hallo LaCote23,

hier im Forum wurde viel geschrieben über Möglichkeiten, stotterfrei zu sprechen. Es sind sich jedoch m.E. alle darüber einig, dass das Stottern damit nur vorübergehend ausgeschaltet und nicht beseitigt ist.

Torsten zum Beispiel beschreibt seine Methoden, mit denen er z.B. Vorträge hält, unter viewtopic.php?f=1&t=4409#p27242.
Aber auch das sind nur vorübergehend wirksame Mittel, denn seit ich Torsten kenne, stottert er, und wenn er auch unter Beachtung seiner eigenen Ratschläge stotterfrei spricht, schon sobald er sie nicht mehr beachtet, ist das Stottern wieder da.
LaCote23 hat geschrieben:Da ich den Ursprung meines Stotterns kenne (Erzwungene Linkshändigkeit) wollte ich anfänglich wieder auf links wechseln. Jedoch habe ich gelesen, dass ein solcher Prozess viel Zeit mit sich bringt und die Gefahr das Stottern zu verstärken sehr hoch ist.
Die erzwungene Rechtshändigkeit wird vermutlich bei dir der Auslöser, aber nicht die Ursache des Stotterns sein. Es wird zwar häufiger darüber berichtet, dass mit einer erzwungenen Rechtshändigkeit bei natürlichen Linkshändern Stottern auftritt, aber meines Wissens nach kann man nicht davon ausgehen, dass das Stottern sich wieder verliert, wenn man die Händigkeit erneut umpolt. Vielleicht gleich in den Anfängen, aber nicht nach 20 Jahren.
Die Veranlagung zum Stottern erbt man in aller Regel, und Auslöser können unterschiedlich sein. Aber auch diejenigen, die behaupten, von einem plötzlich Schock begonnen gaben zu stottern, hören damit nicht wieder auf, wenn sie sich wieder beruhigt haben.
Oder lange Zeit glaubte man, irgendwelche verdeckten Konflikte hätten das Stottern ausgelöst, und wenn man diesen Konflikten auf die Spur käme, wäre auch das Stottern weg. Die Psychoanalytiker haben sich daran die Zähne ausgebissen - aber mit dem Stottern hat niemand deswegen aufgehört.
LaCote23 hat geschrieben:Ich bin jedoch überzeugt davon, dass man das Stottern ganz loswerden kann. Es gibt Zeiten, an denen ich ohne Unterbrüche, schnell und sicher über 10 Minuten ohne Sprachbarrieren sprechen kann. Das zeigt mir, dass es möglich ist, über ein längerer Zeitraum ohne Stottern zu sprechen.
Die Erfahrung, lange Zeit stotterfrei zu sprechen, kennen viele Stotterer. Ich habe neulich erst mit solch einem gesprochen. viewtopic.php?f=1&t=4158#p24806 Aber dass das Stottern bei Erwachsenen sich noch gänzlich verliert, ist eher selten. Für mich war es sogar eine beruhigende Mitteilung, als mich mit 20 ein Phoniater darüber aufklärte, mein Stottern würde nicht mehr weggehen. Denn ich steckte damals in dem Dilemma, dass meine Mitmenschen meistens nicht merkten, dass ich stotterte, ich allerdings wusste, dass ich Tricks anwandte, um flüssig zu sein, und dass es auch Wörter gab, die ich äußerst ungern aussprach bzw. nicht so und zu dem Zeitpunkt sprechen konnte, wie ich sie sagen wollte. Und wenn dann ein Fachmann sagt, es gibt auch ein Stottern, dass vielleicht nur dir bewusst ist, dann weiß man zumindest, dass man keine Gespenster sieht.
LaCote23 hat geschrieben:Ich denke man muss für sich selber entscheiden, ob man als stotternder Jurist eingestuft wird oder als Jurist, der eher ruhig und zurückhaltend gilt (wie der Rechtsanwalt).
Natürlich ist es deine Entscheidung, wie du dich einstufen willst. Ich persönlich finde es nur viel, viel schlimmer, sich verstellen zu müssen, womöglich in eine Rolle zu schlüpfen, die man gar nicht ist, als ehrlich dazu zu stehen und zu sagen: "Moment mal, ich bin gerade mal hängen geblieben. Kann passieren, ich stottere nämlich gelegentlich." Und was eine veränderte Stimmlage / Sprechweise angeht, findest du hier eine interessante Debatte: Sprechen verändern - Verrat an meiner Identität
LaCote23 hat geschrieben:Was mich interessiert ist, welche Unterdrückungsmethode für euch am effizienten war und ob ihr generell Therapien und Logopäden empfiehlt.
Alle Unterdrückungsmethoden, die ich versucht habe, haben das Stottern verschlimmert. Erst nachdem ich NICHT mehr versucht habe zu unterdrücken, sondern gesagt habe: "Scheiß drauf, soll doch jeder wissen, dass ich stottere", ist das Stottern in seiner Häufigkeit und Heftigkeit enorm zurückgegangen. Und alles was übrig ist, kann ich mit folgenden Methoden so im Griff behalten, dass es einen Diskurs nicht im geringsten stört. Ich allein weiß, dass dies alles Mittel und Methoden sind, das Stottern im Griff zu behalten.
Flüssig sprechen zum Null-Tarif Das Thema Logopädie ist sehr weitläufig. Dazu ein anderes Mal.
Gruß
Petra

@Hallo Torsten,
nur mal kurz:
Torsten hat geschrieben: Ganz so kritisch sehe ich die Methoden, die LaCote23 anwendet, nicht. Ich finde den Wunsch, das Stottern zu verringern, durchaus legitim. Das bedeutet ja nicht, die Tatsache zu verheimlichen, dass man ein Stotterer ist – also jemand, der dieses Handicap hat. Ich finde, man sollte beides tun: den Leuten offen sagen, dass man stottert, und sich gleichzeitig bemühen, die Symptomatik in Schwere und Häufigkeit zu reduzieren.
Trick ist für mich nichts Kritisches oder Abwertendes. Trick besagt für mich nur, dass ich ETWAS tue, um nicht zu stottern. Eben einen Trick anwende wie anhalten Luft holen, kontrolliert sprechen, auch mal die Hand einsetzen etc.
Und wenn andere dies auch nicht wahrnehmen - es sind hilfreiche Tricks, die ein Normalsprecher in aller Regel nicht braucht.
Gruß
Petra

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Re: Wie ich mein Stottern unterbinden konnte - Erfahrung & Tipps

Beitrag von Jaspis » 12. Dezember 2016 21:37

LaCote23 hat geschrieben:Was mich interessiert ist, welche Unterdrückungsmethode für euch am effizienten war und ob ihr generell Therapien und Logopäden empfiehlt.
Für mich war am effizientesten Vermeidungen zu "unterdrücken", also zu unterlassen und möglichst locker weit an gestotterte Wörter ranzusprechen und mich dann auf das schwierige Wort zu konzentrieren. Das hat mir viel Sprechenergie zurückgegeben.

Ich kann mir gut vorstellen, dass für Dich als angehender Jurist der Wunsch stotterfrei zu sprechen sehr groß ist. Aber ich rate dennoch frühzeitig die Sache realistisch anzugehen. Und von Dir nur das abzuverlangen, was Du auch in der Lage zu leisten bist. Nicht unterfordern, weder geistig noch sprachlich, aber auch nicht überfordern.
Schau Dir auch andere Juristen genau an bzw. ihnen auf den Mund: Sprechen wirklich alle immer exzellent, und ist das wirklich immer nötig?
Beobachte mal die Vorträge anderer, was gefällt Dir daran und was nicht. Du kannst gelegentliches Stottern durch andere gut beherrschte Vortragstechniken mehr als wett machen, davon bin ich überzeugt.

Viel Glück und Spaß mit Deinem Beruf!
Grüße, Jaspis

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