Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Fragen, Erklärungen, allgemeine Diskussionen und Erfahrungsberichte zu bestimmten Therapiekonzepten (reine Sprechtechniken, Non-Avoidance-Ansatz, ...). Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Antworten
Dolano
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 8
Registriert: 25. Juli 2017 10:02
BVSS-Mitglied: nein

Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Dolano » 25. Juli 2017 10:10

Hallo Leute,

ich will nun endlich mal etwas gegen mein Stottern unternehmen. (Bin seit Kindheit auf Stotterer...bin nun 28)

Mir stach da durch die Google Suche sofort die Kasseler Stottertherapie ins Auge.

Hauptanreiz für mich ist sicher auch die Kostenübernahme der KK.

Kann man diese Therapie empfehlen? Wenn ja, für welche Stadt in der der Kurs stattfindet, soll ich mich am besten entscheiden?

Zeitlich passt es mir momentan alles sehr gut. Ich wohne in Hannover. Kann aber überall hin für eine Langzeittherapie.

Liebe Grüße!

LisbethSunshine
neu
neu
Beiträge: 3
Registriert: 24. Juli 2017 18:27
PLZ: 58097
Ort: Hagen
Land: Deutschland
BVSS-Mitglied: ja

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von LisbethSunshine » 25. Juli 2017 13:28

Hallo Dolano ich stotter auch und bin 15 und war mit 10 jahren in kassel bei der therapie und ich fand es anstrengend und nervend und für mich hat es zwar was gebracht aber dann habe ich mich entscheiden einfach mit stottern zu reden wenn du mal lust hast mit mir zu skypen dann kann ich dir ein paar tipps geben

Dolano
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 8
Registriert: 25. Juli 2017 10:02
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Dolano » 25. Juli 2017 13:37

Hey, danke für deine Antwort! - Was war den so anstrengend für dich daran? Wäre cool, wenn du das mal genauer erläutern könntest. :) lg

Benutzeravatar
T_homas
kompetent
kompetent
Beiträge: 265
Registriert: 9. Januar 2010 20:12
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von T_homas » 25. Juli 2017 18:40

Ich denke mal die gekünstelte Sprechtechnik wird gemeint sein.Du lernst die an einer Art Computer.
Für mich kam die Therapie nie infrage,da derjenige der sie erfand (ein Dr. Sowieso) und bei sich selbst anwendet und anwandt,immer noch stark stottert.Du kannst ihn ja mal googeln,da gibts einige Videos.
Wenn das bei ihm nicht wirkt,wieso dann bei mir?

Aber wenn die Therapie komplett übernommen werden sollte,also auch die Übernachtungen und Fahrtkosten und du dich damit anfreunden kannst,dann versuchs halt mal.Die gekünstelte Sprechtechnik ist aber nicht für jeden etwas,da du damit schon recht auffällst im Alltag.


mfg
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

Benutzeravatar
PetraS
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1097
Registriert: 9. November 2013 19:45
Ort: Wesseling (Nähe Köln)
BVSS-Mitglied: ja

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von PetraS » 26. Juli 2017 10:29

Hallo Dolano,
neben der Möglichkeit, von uns Informationen zu bekommen, kannst du auch jederzeit die Fachberatung der BVSS unter 0221-1391106 anrufen, um dich beraten zu lassen.

Um dir die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich auf einige Aspekte und Schwerpunkte eingehen, die bei der Kasseler Stottertherapie oder Konkurrenzmodellen im Vordergrund stehen.
Zunächst einmal ein aufschlussreiches Video, das du dir ansehen solltest:

In diesem Video wird der Ablauf der Therapie gezeigt, natürlich nur auf einen Bruchteil reduziert, aber der allgemeine Tenor wird deutlich.
Im nächsten Video siehst du den "Erfinder" der Therapie, der ein sehr starker Stotterer war und es immer noch ist, allerdings zeigt, dass er mithilfe der Therapie sich heute jederzeit ausdrücken kann (wenn auch mit Auffälligkeiten).


Die Kasseler Stottertherapie wird heute auch als reine online-Therapie angeboten, d.h. du bräuchtest überhaupt nirgendwohin anzureisen (vielleicht für ein Erstgespräch etc., das weiß ich nicht so genau, könnte ich mir aber vorstellen.)

Die Kasseler Stottertherapie ist einer der am besten wissenschaftlich begleiteten Therapiansätze in Deutschland, und dennoch kenne ich mehrere Personen z.B. aus unserer SHG, die mit dem Ansatz längerfristig nicht klar kamen, weil sie es nicht geschafft haben, diese veränderte Sprechweise, die ihrem Wesen zu fremd war, in ihren Alltag zu integrieren.

Das ist auch der Kern der Kasseler Stottertherapie. Sie erarbeiten eine verfremdete, eine weiche, gebundene Sprechweise, wodurch Stottern ausgeschlossen werden soll. Was nicht bearbeitet wird, sind die Gefühle, die Angst, die generell mit dem Stottern verbunden sind.
Zwar wird offen kommuniziert, dass man Stotterer ist, das heißt man muss sich outen und kriegt auch deutlich gesagt, dass das Stottern durch die Therapie nicht weggeht, sondern lediglich "ausgetrickst" wird (das ist meine Bezeichnung), aber für mich stellt sich dann die Frage: Wenn das Ziel NUR stotterfreies Sprechen ist, was passiert dann mit einem gefühlsmäßig, wenn DOCH Stottern auftritt oder einfach WIEDER Stottern auftritt.
Denn Stottern soll ja ausgeschlossen werden.

Ich gehe daher mit zahlreichen Logopäden darin konform, dass eine intensive Bearbeitung der Gefühle, eine Desensibilisierung gegenüber dem Stottern, unbedingter Bestandteil einer Therapie sein sollte.
Das bekommst du z.B. in der Bonner Stottertherapie,
welche ebenfalls von der KK übernommen wird.
Der Vorteil der "Stotterkontrolle" in der Bonner Stottertherapie oder der Modifikation im Therapieansatz nach Van Riper* ist, dass die Sprechtechniken nicht die gesamte Sprechweise verändern, sondern nur im Falle eines antizipierten oder auftretenden Blocks zum Einsatz kommen.
Das bedeutet, dass du so lange "normal" sprichst, bis du spürst, du wirst hängen bleiben, und dann setzt du die Sprechtechnik ein. Da du zuvor dich intensiv gegenüber dem Stottern desensibilisiert hast, indem du eine Zeitlang bewusst und extra stotternd auf Leute zugehen musstest, bist du dabei auch innerlich gelassen und kannst davon ausgehen, dass die Sprechtechnik funktioniert.

In Bonn erlernst du zusätzlich zu der Stotterkontrolle auch eine Fluency Shaping-Technik, die ähnlich der Technik in Kassel ist.
Ob eine Desensibilisierung für dich sehr wichtig ist, kannst du im Selbsttest herausfinden, wenn du folgenden Test machst...
http://www.desensibilisierungsfragebogen-stottern.de
Eine schlechte Desensibilisierung ist ungünstig für den Erwerb einer Sprechtechnik, daher kannst du nach dem Selbsttest vielleicht besser entscheiden, was für dich persönlich am besten ist.
Hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben.
Viel Erfolg
Petra

*)Auch eine Therapie nach dem Van-Riper-Ansatz, den du bei vielen Logopäden erlernen kannst, übernimmt in aller Regel die KK. Es gibt mehrere Möglichkeiten auch der Intensivtherapie (z.B. die http://viermalfuenf.de bei Andreas Starke und Robert Richter), wo allerdings die Anreise und Übernachtung meines Wissens selbst getragen werden muss.

Dolano
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 8
Registriert: 25. Juli 2017 10:02
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Dolano » 28. Juli 2017 15:27

Hallo PetraS,

erst einmal vielen Dank für deinen aufschlussreichen Beitrag!

Das mit der Bonner Stottertherapie hört sich auch sehr gut an. Wäre dann wohl auch besser auf mich abgestimmt, als die Therapie in Kassel.

Ich habe nämlich lediglich 60/104 Punkten (33,13,14) in dem Desensibilisierungs-Test abgeschlossen, was anscheinend verhältnismäßig wenig ist, zu den anderen teilnehmenden Probanden.

Ich werde mich mit dem Therapieplan am Wochenende bzw. kommende Woche noch einmal ausgiebig befassen und dann für mich eine Entscheidung fällen. :)

Dann wünsche ich ein schönes Wochenende. Ich schreibe hier bestimmt nochmal rein, wofür ich mich entschieden habe.

Liebe Grüße!

Benutzeravatar
PetraS
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1097
Registriert: 9. November 2013 19:45
Ort: Wesseling (Nähe Köln)
BVSS-Mitglied: ja

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von PetraS » 28. Juli 2017 23:03

Hallo Dolano,
ich wünsche dir viel Glück und hoffe, dass du für dich die richtige Wahl triffst.
Und wir würden uns sehr freuen, eine Rückmeldung zu bekommen.
Gruß
Petra

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Mut » 1. August 2017 00:56

Hey Dolano, also ich habe die Therapie vor knapp 3 Wochen gemacht und bin zurieden. Ich kann dir gerne was darüber bei Skype erzählen. Oder natürlich auch auf anderen Wegen! Lieben Gruß

Benutzeravatar
PetraS
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1097
Registriert: 9. November 2013 19:45
Ort: Wesseling (Nähe Köln)
BVSS-Mitglied: ja

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von PetraS » 1. August 2017 09:18

Hallo Mut,
ich glaube, dass deine persönlichen Erfahrungen mit der Kasseler Stottertherapie auch viele (stille) Mitleser hier im Forum interessieren dürften. Wäre es für dich zu viel Aufwand, wenn du mal einen kleinen Erfahrungsbericht reinstellst, der auch für andere wegweisend sein kann?
Danke!
Petra

Carposept
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 12
Registriert: 20. Juni 2017 21:47
PLZ: 28870
Ort: Ottersberg
Land: Deutschland
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Carposept » 7. August 2017 16:00

Dolano hat geschrieben:
25. Juli 2017 10:10
Hallo Leute,

ich will nun endlich mal etwas gegen mein Stottern unternehmen. (Bin seit Kindheit auf Stotterer...bin nun 28)

Mir stach da durch die Google Suche sofort die Kasseler Stottertherapie ins Auge.

Hauptanreiz für mich ist sicher auch die Kostenübernahme der KK.

Kann man diese Therapie empfehlen? Wenn ja, für welche Stadt in der der Kurs stattfindet, soll ich mich am besten entscheiden?

Zeitlich passt es mir momentan alles sehr gut. Ich wohne in Hannover. Kann aber überall hin für eine Langzeittherapie.

Liebe Grüße!
Beraten Sie sich mit einem Logopäden.Ich denke, dass er die notwendige Beratung geben kann :D

Mut
angekommen
angekommen
Beiträge: 46
Registriert: 24. Dezember 2014 16:36
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Mut » 16. August 2017 14:23

Hallo PetraS, verzeih mir dass ich erst so spät antworte. Ich war im Urlaub. Also generell spricht natürlich nichts dagegen einen Erfahrungsbericht hier reinzustellen. Aber ich möchte mit den Leuten, die wirklich Interesse haben, lieber persönlich kommunizieren. Entweder am Telefon oder sehr gerne auch per Skype. So können sich die Leute wirklich ein Bild davon machen, was diese Therapie bewirkt. Ich könnte natürlich auch meine Vorhervideos zeigen. Mein Sprechen ist bei weitem nicht perfekt, aber diese Therapie hat mir endlich Sicherheit gegeben. Lieben Gruß

Nina 1999
angekommen
angekommen
Beiträge: 37
Registriert: 10. Februar 2016 20:42
BVSS-Mitglied: nein

Re: Kasseler Stottertherapie - Empfehlung?

Beitrag von Nina 1999 » 18. August 2017 17:58

Hallo Dolano!

Ich finde es gut, dass du etwas gegen dein Stottern unternehmen möchtest. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieser Schritt nicht einfach ist und man oft seine Angst, die sich (vielleicht) über Jahre hinweg entwickelt hat, besiegen muss. Ich kann dir, genauso wie PetraS eine Stottertherapie nach Charles Van Riper sehr empfehlen. Bei der BVSS gibt es ein Therapeutenverzeichnis, nach Postleitzahlen sortiert. Dort kannst du nach einem Logopäden in deiner Stadt oder im Umkreis suchen. Falls du Fragen hast, melde dich einfach bei mir - gerne auch mit einer privaten Nachricht.

Ich wünsche dir weiterhin Alles Gute und bin gespannt, für was du dich entschieden hast.

Viele Grüße

Nina 1999
Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen:
In der ersten wird es lächerlich gemacht.
In der zweiten bekämpft,
in der dritten gilt es als selbstverständlich.
(Arthur Schopenhauer)

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste