Immer Sprachheilschule?

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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SteffMeff
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Immer Sprachheilschule?

Beitrag von SteffMeff » 8. September 2008 13:51

Hallo
Ich habe mal eine Frage an die Menschen, die sich am Besten auskennen, nämliche diese die es "durch gemacht" haben.
Müssen StottererKinder IMMER grundsätzlich auf eine Sprachheilschule? Ich als Mutter habe immer den Gedanken, entschuldigen im Vorwege dafür, Sprachheilschule=Förderschule. Mein Sohn ist jetzt 6 Jahre alt geworden und besucht seit letzer Woche die Vorschule einer Regelschule. Er ist jetzt schon gut 2 Jahre in logopädischer Behandlung. Ursprünglich ging es gar nicht um das Stottern, dass kam erst so 4 1/2. Mit 3 1/2 Jahren ca. fing er bei einer Logopädin an, da er sehr wenig und schlecht sprach. Der Kinderarzt war immer der Meinung, das gäbe sich schon noch von allein. Wie auch immer, letzendlich hat das eine Jahr Logopädin SEHR viel gebracht. Sein Wortschatz hat sich rasant erweitert. Es war wirklich ein UNterschied wie Tag und Nacht. Dann nach ca. einem Jahr 2 mal wöchetnlich wurde es ihm zuviel. Er verweigerte die Therapie völlig. Zu dieser Zeit find er an zu stottert. Ich hab also für uns erstmal die Notbremse gezogen und wir machten Pause. Das Stottern aber blieb! Jetzt ist er wieder seit einger Zeit bei einer anderen Logopädin in Behandlung. Dort geht er wieder sehr gerne hin. Leider hat sich das Stottern bei ihm so festgesetzt, dass es wirklich schwer ist. Ihn selbst stört das Stottern allerdings nicht. Er hat keine Scheu zu sprechen bis jetzt und fragt man ihn ob es ihn denn nicht doch mal stört, NÖ! In der Therapie bei Übungen oder wenn er sich sehr konzentriert geht es prima ohne!
Nun aber zu meiner eigentlichen Frage. Seine Logopädin sprach zuerst von Sprachheilschule, dann aber fand sie es gut, dass er erst in die normale Vorschule geht und wir dann sehen wie es wird. Nun sind es erst ein paar Tage die er in die Schule geht. Seine Lehrerin findet ihn grundsätzlich klasse, hab aber eben zwischendurch auch Probleme ihn zu verstehen. Nun weiß ich natürlich nicht wie massiv das Stottern jetzt die ersten Tage in der neuen Situation war. Sie meinte dann heute, man müssen mal weiter schauen und hätte j aimmer noch die Option der Sprachheilschule. Mir wiederstrebt dies aber irgendwie.. Er ist ein kluger Junge der so gut klar kommt. Er kommt in größeren Gruppen klar, hat vorher einen normalen Kindergarten bsucht in dem es nie Schwierigkeiten gab. Wieso also Sprachheilschule? Wir machen die Therapie bei der Logopädin weiterhin!
Die Logopädin ist sich übrigens bis heute nicht klar, ob es sich noch um Entwicklungstottern handelnt oder nicht..

---***---
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Re: Immer Sprachheilschule?

Beitrag von ---***--- » 8. September 2008 14:51

Hallo,
ganz so firm bin ich in dieser Sache auch nicht, aber ich erzähl mal, was ich weiß.
Grundsätzlich müssen stotternde Kinder nicht auf eine Sprachheilschule, zumindest nicht hier in Bayern. Vielleicht ist das in anderen Bundesländern anders?
Ich selber war auf der Regelschule, ganz geradlinig, Grundschule, Gymnasium, Studium.
Mein stotternder Neffe hat einen Sprachheilkindergarten und die Grundschule in der Sprachheilschule besucht. Allerdings war der Grund nicht Stottern, sondern eine verzögerte Sprachentwicklung wie bei Deinem Sohn. Bei ihm war das wegen einer Schwerhörigkeit als Kleinkind. Stottern kam erst später, so mit 5, 6 Jahren. Die Sprachheilschule für Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung halte ich für sehr sinnvoll, die Klassen sind viel kleiner und es gibt zusätzlich noch eine Erzieherin für jede Klasse. Das Verstandenwerden ist für die Kinder nicht so sehr die Schwierigkeit, sondern selber zu verstehen, Sprache anwenden zu können. Das könnte Auswirkungen auf das Lesen haben. Die Kompetenzen werden durch den speziellen Unterricht unterstützt. Ich kenne einige Kinder, die wegen einer verzögerten Sprachentwicklung während ihrer gesamten Grundschulzeit oder nur über zwei Jahre in einer solchen Schule waren und dann in eine Regelschule gekommen sind, in eine Realschule oder ins Gymnasium.

Mein Neffe bekam in der Sprachheilschule keine Stotter-Therapie, ich glaube auch nicht, dass das vorgesehen ist. Bei der Logopädin solltet Ihr trotzdem weitermachen. Was meint sie eigentlich mit "Entwicklungsstottern"?
Viele Grüße!

Ellinor
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Re: Immer Sprachheilschule?

Beitrag von Ellinor » 12. September 2008 11:24

Hallo,
als Logopädin kann ich auch nur bestätigen, dass ein Kind mit Stottern nicht auf eine Sprachheilschule muss.
Entscheidend sind:
Wie wird mit dem Stottern in der Klasse (Lehrer und Mitschüler) umgegangen?
Wie fühlt sich das Kind in der Schule?
Wenn das Kind ansonsten einen unauffälligen Spracherwerb hat oder nur geringe Rückstände und mit dem Stottern gut zurecht kommt oder/und auf dem Weg ist, gut damit umgehen zu können und die Umgebung gut damit umgeht ist kein Grund vorhanden, dass Kind auf eine Sprachheilschule zu schicken.
Von den 8 stotternden Kindern , die ich zur Zeit behandel ist nur ein Kind auf einer Sprachheilschule. Und dieses Kind auch nur weil noch andere Gebiete der Wahrnehmung und Sprachverarbeitung betroffen sind. Stottern ist ein Symptom unter mehreren. Alle anderen sind ihren Weg gut in der Regelschule gegangen. Die größeren befinden sich gerade im Wechsel auf die Oberschule.
Mit Gruß aus Berlin
Ellinor Schunack

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Auch Sprech- und Sprachtalente haben Hunger

Beitrag von F.J.Neffe » 4. November 2008 20:09

Jeder Stotternde kann ja sowohl stottern als auch sprechen. Das Problem ist nur, dass er es nicht immer so kann wie er will. Um die Lösung dafür zu finden, müssen wir uns fragen, welche Instanz die von unseren Lebensfunktionen steuert, die dem direkten Zugriff durch den bewussten Verstand entzogen sind. Das ist das Unbewusste.
Mit dem Unbewussten kann man reden. Wenn wir das allerdings so tun, wie wir es gewöhnlich bewusst tun, haben wir mit dem Unbewussten nicht den erwünschten Erfolg. Das Unbewusste hat seine eigenen Gesetze - die allerdings kein geheimnis sind und die man sehr gut beobachten kann, wenn man achtsam ist. Im Grunde handelt das Unbewusste nach dem Motto "Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es heraus." Wenn man ihm sagt: "Du musst mir helfen", dann fühlt sich das Müssen angesprochen und wir bekommen Müssen als Antwort. Wenn ich ihm sage: "Du kannst und wirst mir gut helfen", dann fühlt sich das Können und das Gutwerden angesprochen und ich bekomme dieses als Antwort. Es geht also nur nebenbei um das, WAS ich sage, in der Hauptsache geht es darum, IN WELCHEM GEISTE ich es sage. Es geht also gar nicht um viel Anstrengung (um Quantitäten) sondern um Qualität.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer spreche ich natürlich deshalb sinnvollerweise in jedem Kind das Können an und zwar ganz besonders da, wo es noch so klein ist, dass man gar nichts davon bemerkt. Und ich spreche das Nichtkönnen so gut wie gar nicht an, denn aus meiner Zuwendung zieht es Energie und wird stark. Wenn mir das klar ist, dann achte ich akribisch darauf, wo meine Energie hingeht. Wenn ein Kind stottert und ich etwas zu dem Ereignis sage, dann werde ich immer über die Fähigkeit des Sprechens reden, die sich noch entwickeln wird und auf die ich mich freue - damit stelle ich die Energie für die gute Entwicklung dieser ja vorhandenen Talente bereit. Würde ich sagen, dass Stottern nicht so schlimm ist, so wäre die Aufmerksamkei9t dorthin gelegt und die Energie würde in das Stottern und das Schlimm fließen. Das lasse ich aber mit meiner Energie nicht machen. Würde sich jemand einmischen und das Kind bedauern, so würde ich das sofort relativieren und mit meiner Energie die Aufmerksamkeit auf die mögliche gute Entwicklung lenken. Dann sind die Weichen auf das Ziel gestellt, das ja alle anstreben, und wenn dann der Zug kommt, ist er auf dem rechten Gleis unter´wegs.
Eltern haben einen großen Vorteil dadurch, dass sie Vertraute sind und ihr Kind zu Hause haben. Zu Hause schläft das Kind. Wenn das Kind schläft, hat der beschränkte bewusste Verstand, der nur ganz am Rande für Problemlösung zustäbdig ist, Pause; dann kann man ungestört direkt mit dem UNBEWUSSTEN Verstand und seinen Talenten sprechen.
Sind diese Talente gekränkt und gedemütogt worden, dann stelle ich mich auf ihre Seite und bestätige ihnen ihre Güte. Und dann spreche ich den Talenten alles zu, was sie für eine optimale Entwicklung brauchen: Anerkennung, Achtung, lebhaftes Interesse an ihrer guten Entwicklung, Stärkung, Ermutigung, Solidarität, ..... ich zeichne die mögliche gute Entwicklung vor und gebe den Talenten einen klaren Auftrag, sich voll zu entfalten und zu zeigen, was sie können. Beschrieben ist die Schlafsuggestion, mit der man in feiner Qualität mit den Persönlichkeitsanteilen seines Kindes sprechen kann, die sonst meist arg vernachlässigt werden, in einem kleinen Kapitel in Coués Autosuggestion. Die Autosuggestion = der eigene Einfluss und ein bedachter Umgang damit ist auch die Grundlage der neuen Ich-kann-Schule. Ich schließe hier einmal mit dem aktuellsten IKS-Satz als Anregung: "Wenn ich mit deinen Talenten besser umgehe als Du, mögen sie mich und folgen mir (ggf. lieber als Dir.)" Ich wünsche Dir also besten Erfolg beim geistig Einflussnehmen auf die Talente Deines Sohnes.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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