mündliches Abi

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Hope
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mündliches Abi

Beitrag von Hope » 7. Mai 2009 16:51

Hallo,
ich mache bald mein Abi und habe mich deshalb mal beim Bundesministerium für Bildung NRW gemeldet und die gefragt, ob es da ein offizielles Schreiben oder so etwas gibt, damit meine Lehrer auch von offizieller Seite wissen, dass Stottern als Behinderung gilt und es deshalb diesen Nachteilsausgleich gibt.
Die Antwort lautete dann, dass es zwar Nachteilsausgleiche gäbe, jedoch die nicht fürs mündliche Abi gelten würden.
Stimmt das? Und hab ich jetzt überhaupt keine Möglichkeit den Tag irgendwie positiver zu gestalten als er ohnehin schon ist :D ?
lg
Hope

2412

Re: mündliches Abi

Beitrag von 2412 » 7. Mai 2009 18:24

Merke:
Wenn es ums Stottern geht, immer erst hier erkundigen, anstatt bei irgendwelche Ministerien anzufragen, die von Stottern keinen Schimmer haben.

Natürlich gilt der Nachteilsausgleich für das mündliche Abi. Ich selbst hatte ihn und habe viele weitere beraten, wie sie dazu kommen können.

Zunächst brauchst du ein Attest (besser: ein Gutachten) von einem Facharzt. Einige HNO-Ärzte haben die Facharztausbildung für Kommunikationsstörungen. Genau das ist dein Mann. Mit dem Attest/Gutachten gehst du dann zu deinem Direktor und beantragst einen Nachteilsausglich für das mündliche Abitur. Ein rechtlicher Anspruch als behinderter Mensch besteht bei dir.

Für weitergehende Fragen und Anekdoten können wir gerne PNs austauschen oder auch ICQ schreiben. Meld dich einfach, wenn Bedarf steht.


Gruß,
Jonny

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Ernst-Martin
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mündliches Abi

Beitrag von Ernst-Martin » 22. Mai 2009 04:39

JonnyHell hat geschrieben:Merke:
Wenn es ums Stottern geht, immer erst hier erkundigen, anstatt bei irgendwelche Ministerien anzufragen, die von Stottern keinen Schimmer haben.

Natürlich gilt der Nachteilsausgleich für das mündliche Abi. Ich selbst hatte ihn und habe viele weitere beraten, wie sie dazu kommen können.

Gruß,
Jonny
... und wie stellst Du Dir den idealen Nachteilsausgleich beim mündlichen Abi vor?
Ernst-Martin,
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Micha136
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Re: mündliches Abi

Beitrag von Micha136 » 24. Mai 2009 13:02

Ernst-Martin hat geschrieben:
JonnyHell hat geschrieben:Merke:
Wenn es ums Stottern geht, immer erst hier erkundigen, anstatt bei irgendwelche Ministerien anzufragen, die von Stottern keinen Schimmer haben.

Natürlich gilt der Nachteilsausgleich für das mündliche Abi. Ich selbst hatte ihn und habe viele weitere beraten, wie sie dazu kommen können.
... und wie stellst Du Dir den idealen Nachteilsausgleich beim mündlichen Abi vor?
Das würde mich auch interessieren, Jonny ... bzw. wie sah er denn ganz konkret bei dir aus? Mehr Zeit bei mündlichen Prüfungen? Oder schriftlich statt mündlich? ...

Deine "Merke"-Anweisung bekäme im übrigen einen ganz anderen Anstrich, wenn du "bevor" statt "anstatt" schreiben könntest :)

@Hope
Kurz zur Info ...
Das BVSS-Forum ist kein Treffpunkt von Allwissenden, sondern von am Thema "Stottern" Interessierter ...
Zudem gibt es hier eine ganze Menge "Anonymer", die dir im Vier-Augen-Gespräch oder am Telefon vielleicht etwas ganz anderes sagen würden.

Sicher kannst du einige Dinge nutzen, die du hier erfahren kannst, doch letztlich kennt keiner hier deine Lehrer, deine Schule, die für dich zuständigen Behörden noch gibt es genügend Informationen über dein Stottern bzw. wie es sich in der Praxis zeigt.

Letztlich kommt es darauf an, was du erreichen willst. Behördenstress kann auch vom eigentlichen Ziel ablenken - du weißt ja vielleicht, dass die bürokratischen Mühlen manchmal seeehr la-a-a-ngsam arbeiten und sie stottern sozusagen auch mal :)
Anfragen kann helfen, jedoch sollte man keine Lösung von anderen erwarten ... höchstens die Informationen zu nutzen lernen - genau wie hier im Forum.

Ich habe mir vielleicht auch ein, zwei oder drei Zehntel beim Abi "verschenkt". Meine mündliche Abi-Prüfung in Geschichte endete mit 6 Punkten, nachdem ich mit 14 Punkten reingegangen war. Bei vierfacher Wertung gingen in 20 Minuten vielleicht 4 bis 36 Punkte "verloren" ... Nach einer Stunde Nachdenken/Grübeln kam mir in den Sinn 'Was soll's du hast 12 Jahre Schule abgeschlossen, mit einem sehr guten Abschluss (1,5) ... was interessiert mich und die Welt der Schnee von gestern?'

Ich war mir allerdings auch schon ein Jahr vor dem Abi über meine spätere Studienrichtung im Klaren und brauchte keinen Numerus Clausus beachten.

Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass mich In meinem ganzen Leben "jemand Offizielles" nach meiner Abi-Note gefragt hätte.

Viel Erfolg beim Abi ... Micha.

PS: Falls es interessiert, hier noch ein paar Erfahrungen aus meiner Schulzeit: Deutsch-deutsches Stottern
Neues Leben - neues Glück :)

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Re: mündliches Abi

Beitrag von olga7 » 26. Mai 2009 13:58

Hi Leute,
ich habe ein riesen großes Problem.Hoffe sehr, dass mir irgendjemand hier helfen kann.

Ich stottere seit meinem 4. Lebensjahr, war auch in Logopädischer Behandlung,was nicht wirklich geholfen hat.Irgendwann habe ich aber gelernt wie ich es mit einigen "Tricks" vor der Umwelt verbergen kann, so tun als ob ich nachdenke, Luft holen, Verbindungswörter benutzen wie "ehm", Synonyme für Wörter benutzen die mir grade schwer fallen, oder auch mal die klappe halten :wink:
Es funktionierte mittlerweile ganz gut, so gut,dass es vielen gar nicht auffiel.
Vor einigen Monaten hatte ich mein Physiotherapiestaatsexamen, und hatte in der mündlichen Prüfung einen totalen Zusammenbruch meiner Sprachfähigkeit. Bin durchgefallen beim zweiten Anlauf!
Ich war schockiert von mir selbst, von der Tatsache, dass ausgerechnet in den wichtigsten Minuten meines Lebens, die über alles entscheiden, ich nicht mal die einfachsten Wörter rausbekommen habe.Die " Tricks" funktionierten nicht mehr, und je mehr ich versuchte mich zum Entspannen zu zwingen ,und nochmal Luft zu holen,desto schlimmer wurde es.
Natürlich hätte ich es vielleicht vor der Prüfung sagen sollen,wegen dem Nachteilsausgleich. Aber ich dachte ich hätte es im Griff,und hätte nie damit gerechnet,dass es so ausartet. ehrlich gesagt hatte ich auch Angst,dass die Schulleitung sagen könnte ich sei für den job als Physiotherapeutin nicht geeignet,aufgrund des Stotterns.jedesmal,wenn ich mich früher "geoutet" habe, gab es für die Leute meist nur zwei Optionen: Mitleid oder Ausgrenzung, und ich möchte keines von beiden!

cih habe Widerspruch eingelegt, weil die prüfer gesehen haben,dass ich sprachlich total blockiert war,und die Prüfung trotzdem nicht abgebrochen haben,was sie hätten tun müssen. Das Unglaublich Dreiste ist,die Schule versucht mich jetzt als Lügnerin darzustellen,und behauptet in der Prüfung von dem Stottern nichts gemerkt zu haben.Ich muss gestehen, das hat mich am Meisten getroffen. Mein ganzes leben lang habe ich versucht es zu verbergen, und jetzt wo ich ehrlich darüber sprechen kann, werde ich dargestellt,als ob ich mir das ganze nur ausgedacht habe um eine neue prüfungschance zu bekommen,ich meine wer würde soetwas tun?

Gibt es ähnliche Fälle,die Ihnen bekannt sind? Was kann ich noch tun ,damit ich die Prüfung schriftlich machen darf?
Würde mich über eine Antwort sehr freuen,
Gruß,Olga
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2412

Re: mündliches Abi

Beitrag von 2412 » 26. Mai 2009 14:49

Hi Olga,
olga7 hat geschrieben:ehrlich gesagt hatte ich auch Angst,dass die Schulleitung sagen könnte ich sei für den job als Physiotherapeutin nicht geeignet,aufgrund des Stotterns.
Tja, hättest du dich mal zuvor über die Rechte stotternder Menschen informiert, wüsstest du, dass man a) die Schulleitung auslachen kann, wenn sie sowas sagen würde und b) so eine Aussage überhaupt keine rechtliche Relevanz hätte. Sie kann auch sagen, dass die Erde eine Scheibe sei. Wichtig ist doch, dass sie überhaupt keine rechtliche Handhabe besitzen zu verhindern, dass du Physiotherapeutin wirst.
olga7 hat geschrieben: jedesmal,wenn ich mich früher "geoutet" habe, gab es für die Leute meist nur zwei Optionen: Mitleid oder Ausgrenzung, und ich möchte keines von beiden!
Och, es gibt auch eine dritte: Akzeptanz und Bewunderung darüber, dass man so selbstbewusst mit einer Behinderung umgeht.
olga7 hat geschrieben: cih habe Widerspruch eingelegt, weil die prüfer gesehen haben,dass ich sprachlich total blockiert war,und die Prüfung trotzdem nicht abgebrochen haben,was sie hätten tun müssen.
Widerspruch ist schon mal gut.
olga7 hat geschrieben: Das Unglaublich Dreiste ist,die Schule versucht mich jetzt als Lügnerin darzustellen,und behauptet in der Prüfung von dem Stottern nichts gemerkt zu haben.Ich muss gestehen, das hat mich am Meisten getroffen.
Das ist normal. Steh drüber.
olga7 hat geschrieben: Gibt es ähnliche Fälle,die Ihnen bekannt sind? Was kann ich noch tun ,damit ich die Prüfung schriftlich machen darf?
Würde mich über eine Antwort sehr freuen,
Du solltest dir sofort einen Fachanwalt für Sozialrecht nehmen. Falls du ein geringes Einkommen hast, kannst du dir bei Gericht einen Berechtigungsschein holen, so dass du nur 10 Euro für den Anwalt zahlen müsstest.

In meinen Augen geht es erstmal darum, den letzten Versuch aufgrund Rechtswidrigkeit zu annullieren. Es ist jedoch fraglich, ob dies möglich ist. Im Prüfungsrecht gilt eigentlich der Grundsatz, dass man alle nicht zu vertretenden Prüfungsbehinderungen VOR der Prüfung der Kommission geltend machen muss.

Sofern dir jedoch noch ein Versuch eingeräumt werden sollte, hast du ohne jeden Zweifel das Recht, die Prüfung schriftlich abzulegen. Konsultiere also auf jeden Fall einen Anwalt.


Alles Gute,
Jonny

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Physiotherapiestaatsexamen

Beitrag von Ernst-Martin » 26. Mai 2009 16:54

Ich würde mir auch mal hierüber Gedanken machen:

1) Du bist noch in der Ausbildung. Bekommst Du irgendeine Vergütung wie ein Auszubildender?
Dies wurde ich bei der Gewerkschaft Ver.di gefragt; aber ich bin mir ziemlich sicher, daß jeder - auch Schülerinnen - in die Gewerkschaft (für Euro 2,50) eintreten können.

2) Dort bekommst Du auch dann kostenlose Unterstützung durch ihre Rechtsanwälte.

3) Das Verhalten den Prüfungsausschußes gefällt mir nicht; ist der Vorsitzende nicht "einer vom Krankenhaus" (in der Metallindustrie ist es ein Abteilungsleiter in einem Industriebetrieb) ... Deinem zukünftigen Arbeitgeber ... und seine Entscheidung gilt?

Vielleicht kennt ver.di bereits ähnliche Fälle - und kann bei Gericht Widerspruch einlegen?

Ich habe heute niemand mehr von ver.di erwischt - aber Du kannst ja selbst mal dort anrufen.

Aufgeben brauchst Du nicht und ich drücke Dir beide Daumen
was mich noch interessieren würde:
welche Schulbildung hast Du?
Ich hätte es auch erstmal ohne Hinweis auf den Nachteils-Ausgleich versucht ...
§dup
Ernst-Martin,
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Re: mündliches Abi

Beitrag von olga7 » 26. Mai 2009 18:28

hey jonny,
danke erstmal für die schnelle antwort :)
klar hast du recht, ich hätte das alles vor dem examen erklären müssen, dann wäre ich jetzt auch nicht in der klemme.aber wie gesagt, ich dachte ich hätte es unter kontrolle.
das positive an der ganzen sache ist, dass ich jetzt endlich darüber reden kann, und dazu stehe, was vorher absolut nicht der fall war.naja, wenigstens etwas positives :D

ich habe mir schon einen guten anwalt besorgt, und mit ihm zusammen diesen widerspruch eingereicht. das problem ist, ich war während der prüfung alleine mit dem schulleiter, dem lehrer für das fach(arzt) , und dem prüfungsvorsitzenden(arzt) vom regierungspräsidium. d.h. meine aussage gegen drei. wenn die gegenseite zugeben würde, dass sie mein stottern bemerkt hatten, aber trotzdem nicht gehandelt haben, würde man ihre kompetenz in frage stellen, und das wollen die natürlich nicht.

ich muss es einfach versuchen, inzwischen habe ich ehemalige mitschüler gefunden,die aussagen können, dass sie es während der ausbildung und auch in einigen zwischenprüfungen bemerkt haben. ausserdem ein logopädisches und medizinisches gutachten. zwei der prüfer sind ärzte, natürlich haben sie es gemerkt,das hätte jeder.

also danke nochmal,falls dir noch irgendetwas einfällt, schreib mir bitte
olga
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Re: Physiotherapiestaatsexamen

Beitrag von olga7 » 26. Mai 2009 18:52

Hallo Ernst-Martin,


danke auch für die schnelle antwort,


1) Du bist noch in der Ausbildung. Bekommst Du irgendeine Vergütung wie ein Auszubildender?

nein, die ausbildung war nach dem staatsexamen zu ende. während der ausbildung hatte ich leider auch keine vergütung,im gegenteil,ich musste monatlich 400 euro bezahlen.
aber ich glaube einen guten anwalt gefunden zu haben, wird sich erst noch rausstellen :)


3) Das Verhalten den Prüfungsausschußes gefällt mir nicht; ist der Vorsitzende nicht "einer vom Krankenhaus" (in der Metallindustrie ist es ein Abteilungsleiter in einem Industriebetrieb) ... Deinem zukünftigen Arbeitgeber ... und seine Entscheidung gilt?

der prüfungsvorsitzende war vom regierungspräsidium freiburg , ausserdem mein schulleiter und der fachlehrer.letztere haben es sich auch nicht nehmen lassen mich während des examens auszulachen, was nicht nur menschlich gesehen etwas daneben war ,sondern auch sehr unproffessionel.


Ich habe heute niemand mehr von ver.di erwischt - aber Du kannst ja selbst mal dort anrufen.

ja,ich werde mich auf jeden fall erkundigen.

Aufgeben brauchst Du nicht und ich drücke Dir beide Daumen
was mich noch interessieren würde:
welche Schulbildung hast Du?

Realschule

danke nochmal, ich werde auf jeden fall berichten ,wie es ausgegengen ist :)
gruß,olga
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Re: mündliches Abi

Beitrag von 2412 » 26. Mai 2009 19:12

olga7 hat geschrieben: d.h. meine aussage gegen drei. wenn die gegenseite zugeben würde, dass sie mein stottern bemerkt hatten, aber trotzdem nicht gehandelt haben, würde man ihre kompetenz in frage stellen, und das wollen die natürlich nicht.
In dem medizinischen Gutachten (lass es am besten von einem Facharzt für Kommunikationsstörungen anfertigen) sollte dieser Aspekt ausführlich zur Sprache gebracht werden. Selbst, wenn die Prüfer es nicht gemerkt haben sollten (was nach deiner Schilderung eh unglaubwürdig ist), sollte man erklären, dass Stottern sich nicht nur durch Sprechunflüssigkeit bemerkbar macht, sondern und vor allem durch Vermeidungsverhalten. Diese Vermeidungsverhalten führen dazu, dass man aus Scham wichtige Sätze einfach weglässt oder Synonyme sucht, die inhaltlich nicht immer passen bzw. das Verständnis erschweren. Es muss klar herauskommen, dass dir die Ablegung der Prüfung in der Form nicht zumutbar war.

Übrigens solltest du nicht zu viel von Ärzten erwarten. Ärzte haben in der Regel keinen blassen Schimmer von Stottern :wink: Kann also gut sein, dass deine Prüfer auch sonst nicht viel mehr von Stottern verstehen als der Otto-Normalverbraucher.

Dass die sog. Ärzte dich dann auch noch verlacht haben, ist ein Skandal. An deiner Stelle würde ich mit deinem Anwalt auch noch über eine Beschwerde beim Gesundheitsministerium oder sonstwo beraten.

Alles Gute,
Jonny

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Re: mündliches Abi

Beitrag von ---***--- » 26. Mai 2009 22:17

Liebe Olga,

noch eine Anmerkung von mir. Ich denke, sich einen Anwalt zu nehmen, wie JonnyHell es vorgeschlagen hat, auch Dein Vorgehen zwecks Gutachten usw. ist sehr gut.
olga7 hat geschrieben:klar hast du recht, ich hätte das alles vor dem examen erklären müssen, dann wäre ich jetzt auch nicht in der klemme.aber wie gesagt, ich dachte ich hätte es unter kontrolle.
das positive an der ganzen sache ist, dass ich jetzt endlich darüber reden kann, und dazu stehe, was vorher absolut nicht der fall war.naja, wenigstens etwas positives :D

ich habe mir schon einen guten anwalt besorgt, und mit ihm zusammen diesen widerspruch eingereicht. das problem ist, ich war während der prüfung alleine mit dem schulleiter, dem lehrer für das fach(arzt) , und dem prüfungsvorsitzenden(arzt) vom regierungspräsidium. d.h. meine aussage gegen drei. wenn die gegenseite zugeben würde, dass sie mein stottern bemerkt hatten, aber trotzdem nicht gehandelt haben, würde man ihre kompetenz in frage stellen, und das wollen die natürlich nicht.

ich muss es einfach versuchen, inzwischen habe ich ehemalige mitschüler gefunden,die aussagen können, dass sie es während der ausbildung und auch in einigen zwischenprüfungen bemerkt haben. ausserdem ein logopädisches und medizinisches gutachten. zwei der prüfer sind ärzte, natürlich haben sie es gemerkt,das hätte jeder.
Ich möchte aber nicht gleich Skandal! rufen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass die Prüfer nicht an Stottern gedacht haben, als sie Dich erlebt haben. Hast Du deutlich geblockt, versucht, zu sprechen, auf die Fragen geantwortet, wenn auch stotternd? Falls Du zB für Dich, innerlich, nach Synonymen gesucht hast, gewartet hast, bis Du das Gefühl hattest, Du könntest flüssig sein, ist es gut möglich, dass Außenstehende das eben nicht als Stottern wahrnehmen. In Prüfungen könnte es als alles mögliche gedeutet werden: Blackout, schlechte Vorbereitung usw. Ich habe früher stark gestottert, auch in mündlichen Prüfungen, in Schule und Studium. In fast allen Prüfungen habe ich keine Nachteile erfahren. In einer Prüfung, einer von vielen, war Stottern ein Problem. Der Prüfer unterbrach mich ständig, wurde sehr ungeduldig und beschloss schließlich, ich solle die Prüfung schriftlich beenden. Ich wollte das selber nicht, war aber zu perplex, zu jung, zu wenig selbst-bewusst, um mich vehement zu wehren.

Was ich damit sagen will: die Leute können leichter mit Stottern umgehen, wenn sie wissen, was es ist, was man da tut. Vermeidungsverhalten ist für die allermeisten Menschen nicht einordenbar. Das ist ja auch der Zweck, Stottern soll versteckt werden. Ich glaube, Du tust Dir keinen Gefallen, wenn Du den Prüfern so eine große Verantwortung zuschiebst, dass die Prüfung so gelaufen ist wie sie ist. Stottern ist eine so seltene Störung und kann sich in so unterschiedlichen Ausprägungen zeigen, dass wir gefordert sind, es unseren Gesprächspartnern einfacher zu machen. Ich denke, Du wirst davon profitieren, wenn Du mit den Prüfern im Gespräch, im Kontakt bleibst. Möglich, dass Du vieles wirst erklären müssen, worüber Du schwer sprechen kannst. Stottern kann peinlich sein, Vermeiden auch. Du siehst die positiven Aspekte der Situation, sehe ich auch.

Wünsch Dir viel Mut und alles Gute! Mechthild

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Re: mündliches Abi

Beitrag von 2412 » 26. Mai 2009 22:33

Hallo Mechthild,

so wie sie es beschrieben hat, gehe ich davon aus, dass sie merklich stotterte. Sonst würde sie ja nicht schreiben, dass es jeder gemerkt hätte, denke ich.

Aber selbst wenn sie es nicht haben einordnen können, es bleibt beim Skandal (!!!! :wink: ). Ganz einfach deshalb, weil es das Allerletzte ist, wenn eine Prüfungskommission, zumal aus Ärzten bestehend, einen Prüfling während des unheimlich wichtigen Examens auslacht. Wir sind hier nicht bei Dieter Bohlen, sondern bei einem Organ des Staates, des Sozialstaates.

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Re: mündliches Abi

Beitrag von ---***--- » 26. Mai 2009 22:51

Hi,

ja, klar, ich verstehe, dass es für Olga eine sehr unangenehme Situation war und ist.

War es ein Verlegenheiteslachen oder ein Haha-die stottert-Lachen? Ich weiß von mir, dass die eigene Erwartung, meine Angst, wie die Zuhörer reagieren können, meine Wahrnehmung beeinflussen können.

Ich weiß, es kann abwegig klingen, sich gerade in die Menschen einzufühlen, die man als Feinde erlebt. Die Perspektive der anderen einzunehmen erleichtert aber, angemessen reagieren zu können.

Grüße, M.

olga7
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Re: mündliches Abi

Beitrag von olga7 » 26. Mai 2009 23:11

Hallo mechthild,

ich hätte mich gefreut,wenn ich die möglichkeit hätte diese fragen schriftlich zu beantworten, und ich weis,dass ich dann bestanden hätte.

kann sein,dass es schwierig ist sich in meine situation zu versetzen, wenn man nicht dabei war. aber es war ja nicht so,dass ich einfach nur geschwiegen , und nach worten gesucht habe. ich habe versucht die wörter "rauszupressen", und dabei richtig gestottert. denn ich wusste,die zeit läuft mir davon. und in dem moment war es mir egal,ob jemand das merkt, obwohl es sehr peinlich war.
natürlich habe ich auch mal pausen gemacht und nach anderen wörtern gesucht,aber es ist schwierig ein synonym für z.b. Musculus quadriceps zu finden,wenn in der medizin nicht die richtigen schlüsselwörter fallen, sieht es schlecht aus.

und ich bin auch der meinung, dass so ein kindisches verhalten von seiten der lehrer einfach nicht akzeptabel ist.jeder weis,was für eine emotionale belastung das examen ist. man sollte es schülern nicht noch schwerer machen.

gruß, olga
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Diese Prüfer ...

Beitrag von Ernst-Martin » 27. Mai 2009 05:23

Du brauchst nicht traurig zu sein und ich glaube, daß jeder von uns schon mal in einer ähnlichen Situation war.
Es ist wohl wie bei der Partnerwahl:
die ersten Augenblicke (als Du nach Worten gerungen hast) entscheiden, ob Du ihnen im allgemeinen willkommen bist.
Der Prüfungsausschuß bei mir hatte die Aufgabe, möglichst viele Bewerber durchkommen zu lassen, die sich voraussichtlich nicht allzu störend als Vorgesetzte erweisen sollten und nicht allzu selbstbewußt sind - doch dafür geduldig mit jungen Menschen umgehen können.
Vielleicht weiß auch ver.di, auf welchen Platz Du gekommen bist und wieviel Planstellen insgesamt für den Nachwuchs zur Verfügung stehen.
Olga7 hat geschrieben: ich hätte mich gefreut,wenn ich die möglichkeit hätte diese fragen schriftlich zu beantworten, und ich weis,dass ich dann bestanden hätte.
Kannst Du denn nicht das Examen schriftlich wiederholen - in einem anderen Bundesstaat; so nach amerikanischem Muster?
Olga7 hat geschrieben: kann sein,dass es schwierig ist sich in meine situation zu versetzen, wenn man nicht dabei war. aber es war ja nicht so,dass ich einfach nur geschwiegen , und nach worten gesucht habe. ich habe versucht die wörter "rauszupressen", und dabei richtig gestottert. denn ich wusste,die zeit läuft mir davon. und in dem moment war es mir egal,ob jemand das merkt, obwohl es sehr peinlich war.
natürlich habe ich auch mal pausen gemacht und nach anderen wörtern gesucht,aber es ist schwierig ein synonym für z.b. Musculus quadriceps zu finden,wenn in der medizin nicht die richtigen schlüsselwörter fallen, sieht es schlecht aus.
Du hast Dir doch nichts zuschulden kommen lassen - der Ausschußvorsitzende hatte einfach andere Vorgaben - dies kann in einem anderen Land anders sein.
Natürlich haben sie gemerkt, daß Du nach Worten kämpfst – das merkt jeder Ausbilder spätestens beim 3. Satz, besonders wenn Du unter Anspannung stehst (auch wenn Du es selber nichts davon merkst); sie wollten einfach nicht.
“Olga7“ hat geschrieben: und ich bin auch der meinung, dass so ein kindisches verhalten von seiten der lehrer einfach nicht akzeptabel ist.jeder weis,was für eine emotionale belastung das examen ist. man sollte es schülern nicht noch schwerer machen.
gruß, olga
Ich glaube nicht, daß die Prüfer Dich ärgern wollten – hier muß etwas anderes dahinter stecken, denn sie müssten ja sonst mit einer Dienstaufsichts-Beschwerde rechnen.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß ver.di mal mit dem Prüfungsvorsitzenden persönlich spricht – zumindest wird dann klar, welche Chancen Du hast.

… und jeden Tag geht die Sonne neu auf
(ein Kirchenlied)
Ich drücke Dir beide Daumen – und bleibe bitte mit dem bvss in Kontakt (Du hast ja noch gar nichts erzählt, was Du dort erreicht hast – ist dies geheim?) §dup
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