mündliches Abi

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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Die Kirschblüte
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Staatsexamen

Beitrag von ---***--- » 27. Mai 2009 09:01

Hi Olga,

Du weißt, dass Du gestottert hast, ich weiß es, alle hier wissen es. Ist es dann möglich, dass die Prüfer es nicht gemerkt haben? Ja, das ist möglich. Das kann ich Dir aus meiner Erfahrung versichern. In meiner Prüfung, von der ich oben erzählt habe, war es zB so, dass wir über Stottern gesprochen haben. Der Prüfer meinte, so eine Art Stottern hätte er noch nie gehört (was ich damals auch nicht sehr prickelnd fand; bis dahin hatte ich mit kaum einem Menschen offen über mein Stottern gesprochen). Aus allem, was Du über Dein Stottern und Deinen Werdegang schilderst, ist mir klar, dass es für Dich nicht möglich war, in der Prüfung zu sagen, dass Du stotterst und nun die Fragen schriftlich beantworten möchtest. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Prüfer die Situation nicht einordnen konnten. Wahrscheinlicher, als dass sie Dir etwas Böses wollten. Darum wäre ein Gutachten sehr wichtig, aus dem Dein Verhalten und Dein Stottern erklärbar wird.

Du schreibst, Du bist im zweiten Anlauf durchgefallen. War auch beim ersten Mal Stottern das Problem? Wie lange liegt die zweite Prüfung zurück? Wie sehen Deine Pläne aus, falls Du diese zweite Prüfung nicht wiederholen darfst?

lG Mechthild

olga7
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Re: mündliches Abi

Beitrag von olga7 » 27. Mai 2009 20:21

Hi mechthild,

ich behaupte ja auch nicht ,dass es eine verschwörung gegen mich war, die auch noch geplant wurde :wink:
obwohl die schule auf die hohe durchfallquote sehr stoz ist, was der schulleiter oft und gerne erzählte, denn das motto ist nur die harten überleben.
fakt ist: sie haben es bemerkt!

ja,ich habe zwar ein gutachten von meinem logopäden,und vom hausarzt, aber nach dem tip von jonnyhell werde ich auf jeden fall zusätzlich ein gutachten bei einem facharzt für kommunikationsstörungen machen.

also die letzte prüfung war dezember´08
bei dem ersten versuch war ich nicht 100% vorbereitet, nach über 30 prüfungen ist mir gegen ende irgendwie die puste ausgegangen.war selber schuld.habe zwar auch kleinere blockaden gehabt,aber ich konnte mich mitteilen.

wenn alle stricke reissen, und ich mit der klage keinen erfolg habe, dann werde ich diese ausbildung nochmal machen, an einer staatlich geförderten schule.das heist dann zwar 3 jahre die schulbank drücken, aber das ist der einzige job, den ich wirklich machen möchte.ausserdem jede andere ausbildung dauert auch mind. 3 jahre.ich möchte später nicht bereuen müssen es nicht versucht zu haben.dann bin halt eine physiotherapeutin mit 6 jahren ausbildung :)
gruß, olga
wo alle das Selbe denken, wird nicht nicht viel gedacht

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Micha136
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Re: mündliches Abi

Beitrag von Micha136 » 27. Mai 2009 22:47

Hallo Olga,

deine Geschichte klingt interessant, sieht nach einer Situationen aus, an der du wohl offenbar wachsen solltest ... vielleicht sind manchmal solche unschönen Dinge gut für später ...

...

Hoppla, war zwischendurch mit etwas anderem abgelenkt ... und du schriebst ja bereits (20:21 Uhr) von deinen Plänen im Falle eines Nichterfolges, sprich wenn "alle Stricke reißen" ...

Mich hat das ganze an eine Situation aus der Ausbildung eines Familienmitgliedes sozusagen ... erinnert. Manche Schulen brauchen Durchfallquoten und du (be)schriebst das auch gerade ... genau ist das einer der Punkte. Manche Schulen drehen die Unzulänglichkeiten der Ausbildung, die Auswüchse der überzogenen Ansprüche (30 Prüfungen??? ... sollst du beim Militär oder Geheimdienst arbeiten? :)), der fehlenden fachlichen und sozialen Kompetenzen dann einfach so, dass hohe Durchfallquoten für die Qualität sprechen würden. Man kann alles drehen wie man es braucht ... letztlich geht es um die eigenen Posten, was kein Verbrechen ist, doch es geht auch mitmenschlicher.

Also, mir fällt nichts anderes ein, als einige hier schon schrieben und ich denke, du hast ja auch schon innerlich sehr viel für dich selbst geklärt, hast dir Alternativen vor Augen gestellt ... das schafft Freiheit und "nagelt" dich nicht fest und lässt dich nicht verkrampfen ... eigentlich so wie es sein sollte. So als Außensicht meinerseits ... kenne ja nur deine bisherigen Beschreibungen der Situation.

Ansonsten mache ich meist eines: immer wenn ich mal nicht so weiterkomme, wie ich mir das vorgestellt habe, schreibe ich kurze oder längere Geschichten (meist längere :)). Das Reflektieren hilft mir beim Ordnen, neue Strategien für sich zu finden ... letztlich die Frage "Wo kann ich mich verbessern?", "Wohin will ich eigentlich?" (letzteres scheint dir ja schon klar zu sein, umso besser) ... Und mir kommt es so vor, als wärest du wirklich etwas zwischen den Stühlen "Mitleid oder Ausgrenzung" gefangen gewesen. Vielleicht gab es auch in diesem Fall gar keine andere Möglichkeit ... zumindest nicht bisher? Vielleicht brauchtest du eine solche Situation, um festzustellen, dass das Vermeiden vielleicht ab jetzt in Angriff genommen werden kann ... vielleicht war es auch eine gute Erfahrung dafür, wie du nicht arbeiten möchtest. Ich kann es nicht 100% einschätzen.

Im Grunde hast du ja auch getan, was ging ... "ehrlich gesagt hatte ich auch Angst,dass die Schulleitung sagen könnte ich sei für den job als Physiotherapeutin nicht geeignet,aufgrund des Stotterns.jedesmal,wenn ich mich früher "geoutet" habe, gab es für die Leute meist nur zwei Optionen: Mitleid oder Ausgrenzung, und ich möchte keines von beiden!"

Was mir häufig auffällt ist, dass ich als Nicht-Outer anders wahrgenommen wurde als manchmal jetzt. Unbewusst scheint ein Stottern den Gegenüber zu verunsichern. Da Verunsicherung nicht gezeigt werden "darf", wird die vermeintliche Ursache dafür verantwortlich gemacht ... also dein Stottern und du als "Auslöserin" des Unwohlseins. Es gibt sehr wenig Menschen, die damit wirklich entspannt umgehen können ... was im Umkehrschluss natürlich auch an dir selbst liegt. Wenn du lernt drüber zu stehen und die Ängste der anderen bei ihnen lassen kannst, dann stört das auch weniger ...

Hmm, nochmals zum Schreiben ... also, ich schreibe häufig Texte, stelle sie ins Internet, lasse jedoch die Namen der involvierten Personen raus, benenne jedoch den Ort bzw. die betreffende Stelle. Und es ist klar erkennbar, dass ich den Artikel geschrieben habe - mein Name steht einfach drüber.
Manche legen das vielleicht als "Nestbeschmutzung" oder "Rufschädigung" aus, doch eine Innensicht diverser Institutionen ist erlaubt, zumindest nehme ich mir das Recht. Ich arbeite dann praktisch als ungelernter Journalist, der dennoch versuchsweise professionell von Dingen berichtet; kannst es auch eine abgeschwächte Form des investigativen Journalismus nennen :)
Ich greife ja niemanden persönlich an, sondern versuche diverse Standpunkte und Interessen zu verstehen. Meist interessieren sich dann auch offene Leute dafür ... oder ich gehe zu den Geschäftsführern persönlich hin ... je nachdem.

Eines ist jedoch wichtig ... Offenheit, sprich, du kannst nur etwas erreichen, wenn du zeigst, wer du bist. Das erfordert mitunter ein "hartes Fell", doch eigentlich ist die größte Hürde die Angst davor. Meist geht es dann recht einfach ... irgendwie.

So weit, so gut ... war jetzt vielleicht eher mehr so etwas für die persönliche Aufarbeitung, doch die ist ja meist die Grundlage für weitere Schritte :) ... Alles Gute und viel Erfolg, Micha.

PS: Ich habe da mitunter sehr lange gebraucht, da man sich natürlicherweise erstmal um die eigenen Dinge kümmert. Mit etwas Abstand treten auch die emotionalen Dinge etwas in den Hintergrund und die Fakten treten stärker hervor.
Neues Leben - neues Glück :)

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Ernst-Martin
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die Selbständigkeit ...

Beitrag von Ernst-Martin » 31. Mai 2009 04:17

olga7 hat geschrieben: wenn alle stricke reissen, und ich mit der klage keinen erfolg habe, dann werde ich diese ausbildung nochmal machen, an einer staatlich geförderten schule.das heist dann zwar 3 jahre die schulbank drücken, aber das ist der einzige job, den ich wirklich machen möchte.ausserdem jede andere ausbildung dauert auch mind. 3 jahre.ich möchte später nicht bereuen müssen es nicht versucht zu haben.dann bin halt eine physiotherapeutin mit 6 jahren ausbildung :)
gruß, olga
Ich finde diese Idee und Deinen Durchhalte-Willen für gut;
könnte es sein, das die Schulleitung Dir eher hilft, wenn Du ihnen erklärst, daß Du "nur" die Selbständigkeit irgendwo in der Prärie anstrebst - dann wärst Du eines Tages außerhalb des Verantwortungsbereichs des Prüfungsausschuß-Vorsitzenden (der ja die Interessen des Krankenhauses vertritt).
Weiterhin die besten Ideen
wünscht Dir
§prost
Ernst-Martin,
der Lechgeist
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... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

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