Lehrerproblem oder Eltern?

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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Brummerly
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Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von Brummerly » 27. Mai 2009 16:34

Servus

Ist es eigentlich an den Eltern, Kindern bei "problemen" wie Stottern zu helfen? Oder den Lehrern? Aber dann muessten die doch zu viel Zeit auf die Kinder aufbringenn... Ich frag nur, weil ich selbst Lehrer bin und eine Diskussion mt Eltern hatte...

2412

Re: Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von 2412 » 27. Mai 2009 18:33

Warum hat man als Lehrer die Homepage einer Schädlingsbekämpfungsfirma in der Signatur?

Warum beherrscht man als Lehrer die deutsche Sprache unzureichend?

Was meinst du konkret mit von Stottern Betroffenen "helfen"?


Fragen über Fragen :grinundwe:

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Lehrer helfen Schülern ...?

Beitrag von Ernst-Martin » 27. Mai 2009 19:21

Ich finde es freundlich von Dir, daß Du den Lehrern diese Fähigkeiten zutraust - die Kinder werden es ihnen danken.
Ich würde als betroffenes Kind auch auf den Rat der Logopädin hören ... aber wenn der Herr Lehrer Zeit hat ... wie schön!

Den Eltern gelingt es nicht immer, das Beste für ihr Kind anzubieten - auch wenn sie in 1. Linie für ihr Kind verantwortlich sind, aber sie können sich Hilfe holen.

Rechtlichen Rat im Einzelfall kannst Du beim bvss erbitten (siehe auch im forum: Fachberatung vom bvss).
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Re: Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von Roland Pauli » 29. Mai 2009 01:47

Brummerly hat geschrieben:Servus

Ist es eigentlich an den Eltern, Kindern bei "problemen" wie Stottern zu helfen? Oder den Lehrern? Aber dann muessten die doch zu viel Zeit auf die Kinder aufbringenn... Ich frag nur, weil ich selbst Lehrer bin und eine Diskussion mt Eltern hatte...
Hallo Brummerly,

schön, dass du dir Gedanken zu dem Thema machst, ob du stotternden Schülern helfen solltest.

Es wäre sehr begrüßenswert, wenn du das tun würdest.

Als kleine Anregung folgende Hausarbeit, die kürzlich ein Berufsschulreferendar verfasst hat:

Studienseminar für berufliche Schulen …

StRef: M. B.
Semester: 1. Hauptsemester
Fächer: Bautechnik / Informatik

Hausarbeit
Pb DFB – Diagnostizieren, Fördern, Betreuen

Thema
Stottern - Diagnostik & Fördermaßnahmen

Schulform
Höhere Berufsfachschule
IT-Assistenten 11

Zielgruppe
Einzelner Schüler

„Ein stotterndes Kind in der Klasse ist aber auch für die Pädagogen eine Herausfor-derung. Sie treffen auf ein Phänomen, über das sie in Studium und Ausbildung nichts gelernt haben und dem sie häufig ratlos gegenüber stehen.“ [BVSS3.2]

Schule: …
Zeitraum: 1. Halbjahr 2008/2009
Ausbilder: …
Mentoren: … (Bautechnik), … (Informatik)
Schulleiter: Herr …

Vorbemerkung
Ich unterrichte in der Höheren Berufsfachschule die IT-Assistenten der Jahrgangsstufe 11. In dieser Klasse ist ein Schüler (Max Mustermann), dessen fachliche Kompetenz vergleichsweise überdurch-schnittlich ist. Seine sprachliche Kompetenz, vor allem im Umgang mit Respektpersonen, wird jedoch durch Stottern drastisch eingeschränkt. Bereits bei zwei Unterrichtsbesuchen wurde dieses Thema von mir aufgezeigt. Die Nachbesprechungen der UBs ergaben nur, dass eine Thematisierung der Störung mit dem Schüler direkt negative Auswirkungen zeigen könnte.

Da mich dieser Schüler und seine Sprachstörung weiterhin beschäftigt, möchte ich in dieser Ausarbeitung die Sprachstörung dieses Schülers genauer diagnostizieren und mögliche Verhaltensweisen der Lehrkräfte erarbeiten bzw. vorstellen und Fördermaßnahmen aufzeigen.

Beobachtungen
Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich über das gesamte erste Halbjahr 2008/09 mit je einer Doppel-stunde pro Woche.
Max hatte bei Gesprächen mit seinen Mitschülern anfangs leichte Sprachprobleme, redet nun jedoch viel flüssiger mit ihnen.
Bei Gesprächen mit Respektpersonen oder bei Präsentationen vor der Klasse hat sich meiner Meinung nach keine Besserung ergeben. Er redet dann in den Phasen ohne Stottern sehr schnell und ruckartig. Diese Phasen werden durch Blockaden (z.B. „------Kaskade“) unterbrochen. Wiederholungen von Wort-teilen sind mir nicht aufgefallen. [BVSS3 → FAQ3.1 → Was ist Stottern?]
Sein Stottern scheint mir mit zunehmender Aufregung ebenfalls zuzunehmen. Durch Präsentationen kämpft er sich eisern durch und lässt auch seine (körperliche) Anstrengung erkennen (Erleichterungs-schnaufen – z.B. „phuhhhh“ - nach Ende seines Vortrags).
Bei manchen Blockaden setzt er seinen Satz mit einem synonymen Wort fort, ohne dass der Satzbau oder die Aussage beeinträchtigt wird.

Diagnose
Stottern oder Poltern?
Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme - 10. Revision - German Modification Version 2009 [ICD-10-GM Version 20091 → Kapitel V → Gruppen F90-F98] grenzt Stottern (Stammeln) vom Poltern ab.
Stottern wird mit Stammeln gleichgesetzt und als rhythmische Unterbrechung des Sprechflusses defi-niert. Diese Unterbrechungen können als Blockaden (z.B. „------Block“), Wiederholungen von Wortteilen (z.B. "k-k-k-kalt") oder Dehnungen (z.B. "wwwwarm") ) auftreten (Beispiele aus BVSS 3.1 – s.o.). Die ICD definiert Poltern als „... Eine hohe Sprechgeschwindigkeit mit Störung der Sprechflüssigkeit, jedoch ohne Wiederholungen oder Zögern, von einem Schweregrad, der zu einer beeinträchtigten Sprechver-ständlichkeit führt. Das Sprechen ist unregelmäßig und unrhythmisch, mit schnellen, ruckartigen Anläu-fen, die gewöhnlich zu einem fehlerhaften Satzmuster führen.“1

Auch wenn M. sehr schnell redet und dies die Verständlichkeit beeinträchtigt, führt sein hoher Redefluss nicht zu fehlerhaften Satzmustern. Auch die Tatsache, dass Zögern in Form von Stottern vorhanden ist, lässt Poltern als Diagnose – nach der obigen Definition – ausschließen. Seine Sprachstörung kann nach den Beobachtungen und der Definition als Stottern bezeichnet werden.

Stottersymptomatik
Nach Seeman [aus Ptok2] wird nach inneren und äußeren Symptomen, die äußeren wiederum in Primär- und Sekundärsymptome unterschieden.
Primäre, äußere Symptome sind bei M. „stille Blockierungen“, d.h. Pausen vor Worten die durch keinen Laut gefüllt sind. Dies wird als tonisches Stottern bezeichnet. Stotterereignissen liegen gewisse Regel-mäßigkeiten zugrunde, die jedoch auf der Basis meiner Beobachtungen nicht festgestellt werden können.

Sekundäre, äußere Symptome treten bei M. als erhöhte Anspannung der Mundmuskulatur sowie Spre-chen während des Einatmens auf. Ptok schreibt dazu: „Es handelt sich dabei meist um Fluchtverhalten, bei dem der Betroffene versucht, die Primärsymptomatik zu überwinden.“
Hier kann auch die Verwendung synonymer Worte eingegliedert werden, die M. verwendet, wenn ein Stotter¬ereignis auftritt.

Innere Symptome können von Gesprächspartner nicht unmittelbar erkannt werden. Ich vermute jedoch – aufgrund seines Auftretens -, dass M. kein negatives Selbstbild durch seine Sprachstörung hat, diese ihn aber sehr stört.

Stotterrate

Neben der eben vorgestellten und angewandten qualitativen Diagnostik gibt es auch die quantitative Diagnostik. Hier werden Gespräche nach gestotterten und nicht gestotterten Silben oder Wörtern analy-siert und auf dieser statistischen Basis eine Stotterrate ermitteln.

Die Stotterrate wird durch verschiedene Werte ausgedrückt, deren Basis ein Protokoll zu verschiedenen Texten ist. Die Texte sollen genormt sein, um eine Therapie durch begleitende Tests beurteilen zu kön-nen. Um eine gewisse Vergleichbarkeit verschiedener Diagnostiker und Probanden untereinander ge-währleisten zu können ist es notwendig sich auf bestimmte Analysekonventionen zu einigen. In der Lite-ratur werden verschiedene Ansätze und Konventionen postuliert, so das viele Untersuchung nicht direkt untereinander vergleichbar sind. Hier ist nicht einmal geklärt, ob Wörter oder Silben zu zählen oder gar Zeiten – durch Messen mit Audiosoftware am Computer – von flüssigem Sprechen und Blockaden als Datenbasis zu erheben sind.

Für die Bewertung eines einzelnen Probanden ist es jedoch recht irrelevant, solange der Diagnostizie-rende seinen Konventionen während der Therapie treu bleibt.
Ohne einen Test mit M. durchgeführt zu haben, kann jedoch durch Beobachtungen geschlussfolgert werden, dass seine Stotterfrequenz mit seiner Nervosität steigt.
Stotterraten werden meist nur in Untersuchungen oder Therapien angewendet und sind meines Erach-tens für den Schulbereich eher ungeeignet. Hier sollte sich die Lehrkraft vor allem über die Stottersymp-tomatik klar werden und diese einschätzen können.
Fördern & Betreuen

Was kann die Lehrkraft leisten?

„Stottern darf kein Tabu sein“3.3 und dennoch ist es notwendig mit den betroffenen SuS vor einer Thema-tisierung in der Klasse das Einzelgespräch zu suchen. Dabei sollte möglichst einfühlsam auf das Thema hingearbeitet werden um die Stellung des SuS zu seiner/ihrer Sprachstörung herauszufinden. Fragen wie „Wie bist Du mit deinen mündlichen Noten zufrieden?“ oder „Wie fühlst Du dich, wenn Du vor der Klasse sprechen musst?“ können in das Gespräch einleiten.

Fühlt man bei dem Betroffenen eine starke Abneigung gegen das Einzelgespräch, sollte man das Ge-spräch nicht weiter erzwingen. Dennoch können in diesem Fall die unten aufgeführten Verhaltenstipps etwas zur Reduzierung der Symptome des SuS im Unterricht beitragen.

Ist der SuS dem Thema gegenüber aufgeschlossen, können im jetzt freieren Gespräch Vereinbarungen getroffen werden. Dabei ist besonders darauf zu achten, Offenheit für die Vorschläge des Schülers zu zeigen; vielleicht sind dem SuS bereits speziell für Ihn passende Strategien bekannt. Dies könnte durch Fragen wie z.B. „Was kann ich machen damit es Dir besser geht?“ heraus gearbeitet werden.

Nun kann man vieles vereinbaren: Ob der SuS nicht aufgerufen werden möchte, oder nur, wenn er sich meldet. Ob er oder sie von Vorträgen ausgenommen werden möchte (evtl. Ersatzmaßnahmen wäre eine zusätzliche schriftliche Ausarbeitung). Hier sollte auch im Hinterkopf behalten werden, dass Stotterern ein Nachteilsausgleich zusteht (s.u.) und zusätzliche Zeiten für Antworten zu geben sind.

Die Kollegen sollten über das Gespräch mit dem SuS und die getroffenen Absprachen informiert werden. So könnte dies Basis für weitere Gespräche sein, oder der/die KollegeIn übernimmt für sich die mit einem anderen Lehrer vereinbarten Absprachen. Auch dieses Vorgehen sollte mit dem Betroffenen an-gesprochen werden („Möchtest Du, dass ich den Kollegen von unseren Vereinbarungen erzähle?“).

Nicht weniger wichtig ist die Information, ob der SuS bereits eine Therapie macht, gemacht hat oder eine solche plant. Bei minderjährigen SuS ist auch der Kontakt zu den Eltern zu pflegen.
Verhaltenstipps nach 3.3
• Blickkontakt mit dem Schüler halten und gelassen bleiben, wenn ein Stotterereigniss auftritt.
• Das Gefühl vermitteln, dass der SuS alle Zeit der Welt hat um das zu sagen, was er möchte.
• Hänseleien strikt unterbinden
• Nach Absprache: Stottern in der Klasse thematisieren – z.B. Thema: Anders sein.
• Nach Absprache könnte der/die Betroffene in einem eigenen Vortrag über das Stottern informieren. Dies sollte jedoch nur bei leichten Stotterern oder solchen, die Erfolge in Therapien verzeichnen, gemacht werden.
• Wissen ohne Beisein der anderen SuS abfragen (Häufig wird nicht wegen dem Lehrer gestottert, sondern wegen der Peinlichkeit vor den Mitschülern).
• Absprachen treffen (s.o.)
• Vor-/Lesen in Partnerarbeit. So bekommt der /die Betroffene ein Gefühl der Sicherheit und kann lo-ckerer an das Lesen gehen.
• Schriftliche Arbeiten als Ausgleich für die mündliche Note anbieten/zulassen.

Nachteilsausgleich

Auf der Basis des Artikel 3 (Absatz 3 Satz 2: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“) des Grundgesetzes fußen viele länderspezifische Regelungen für den Nachteilsausgleich. Für Hessen ist der Erlass vom 19.12.1995 (II B 2 - 170/36 – 31) gültig, und weist viele Beispiele auf, wie ein solcher Nachteilsausgleich aussehen kann.
In mündlichen Prüfungen kann z.B. die Antwortzeit verlängert werden oder Pcs/Notebooks Verwendung finden um über diese die Antworten zu tippen. Auch technische Hilfsmittel die das Stottern verringern dürfen verwendet werden (z.B. ein Metronom o.ä.).

Die (mündliche) Mitarbeit, die einen Teil jeder Zeugnisnote ausmacht, kann z.B. durch zusätzliche Aus-arbeitungen ausgeglichen werden.
M. Beteiligung am Unterricht ist gut bis sehr gut. Auch wenn seine Beiträge durch das Stottern schwer zu verfolgen sind, ist der fachliche Inhalt deutlich erkennbar und korrekt. M. lässt sich nicht durch sein Handikap abschrecken, wodurch meine Notengebung nicht erschwert wurde. Die Aspekte des Sprach-flusses wurden dabei außer acht gelassen.

Das Gespräch mit M. im Rahmen der Notenbesprechungen für das erste Halbjahr wurden die SuS zu Einzelgesprächen nach vorne gebeten, während die restlichen SuS Gruppenarbeiten durchführten. M. war an diesem Tag krank. Am 19.01.2009 wurden dann für die SuS, die beim ersten Mal nicht da waren eine weitere Notenbespre-chung angesetzt (3 Schüler). Unter dem Aspekt, mit M. alleine und ungestört sprechen zu können, wur-den die Schüler nacheinander in den Nachbarraum gebeten.

Im Notengespräch mit M. wurde sanft auf sein Sprachproblem hingearbeitet („Wie bist Du mit deinen mündlichen Noten zufrieden?“) dennoch zeigte M. keine Reaktionen, sein Stottern zum Thema zu ma-chen. Ich habe das Gespräch nicht zwanghaft wieder auf das Thema gelenkt, sondern normal beendet.

Fazit

Im Gespräch mit Ausbildern und Mit-LiV, denen ich die Situation geschildert habe, wurde mir empfohlen bei geeigneter Situation M. direkt anzusprechen.
Da ich inzwischen denke, dass M. weniger ein Problem in seinem Stottern sieht als z.B. der Zuhörende, werde ich dieses Gespräch nicht erzwingen. Sollte sich im folgenden Halbjahr eine Situation ergeben, bei der das Thema aufkommt, werde ich die Chance ergreifen und mit Ihm reden.

Meine Kollegen werde ich (über den Klassenlehrer) über Verhaltenstipps und den Nachteilsausgleich informieren und mich selber daran halten. So kann für M. eine Umgebung geschaffen werden, die weniger Stress verursacht und dem Stottern weniger Grundlage zu bietet.
B., 19. Oktober 2008
Anhang
Ein besonderer Dank geht an ...

Quellen
1 Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprob-leme 10. Revision, German Modification, Version 2009 (ICD-10-GM Version 2009)
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/di ... /index.htm
2 Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(18): A 1216–1221
Ptok, Martin: Stottern – Pathogenese und Therapie
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... t&id=51277
3 Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e. V. (BVSS)
http://www.bvss.de/
3.1 FAQ
http://www.bvss.de/index.php?option=com ... e&id=18#f1
3.2 Orientierungshilfen [für Lehrer] für den Umgang mit stotternden Kindern
http://www.bvss.de/index.php?option=com ... cle&id=109
3.3 Faltblatt „Stottern in der Schule“ Eine Information für Lehrerinnen und Lehrer
September 2005, BVSS, Zülpicher Straße 58, 50674 Köln
4 Die Ropana-Methode
http://www.ropana.de/seite1.htm
4.1 Telefongespräch mit Herrn Roland Pauli, Ropana-Methode, 15.01.2009, 17:40

Herzlichst

Roland

---***---
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Re: Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von ---***--- » 1. Juni 2009 01:32

Hallo Roland,

beim ersten Lesen war ich beeindruckt, welche Gedanken sich der Mann gemacht hat. Dann überwog mein Unbehagen.

Soviel reden über jemanden und kein Gespräch mit dem Schüler?
Welche Antwort kann man denn auf eine Frage wie "Wie bist Du mit deinen mündlichen Noten zufrieden?“ erwarten? Das setzt schon hellseherische Fähigkeiten beim Schüler voraus, wenn der Lehrer eigentlich auf Stottern hinaus will. Ich sehe die große Gefahr, dass der Schüler wohl merkt, wie in der Frage etwas mitschwingt. Welchen Eindruck wird er haben? Über Stottern kann nicht offen gesprochen werden? Er weiß nicht, was der Lehrer tatsächlich denkt, wird im Unklaren gelassen. Warum mochte der Lehrer nicht einfach sagen, wie unsicher er ist, wie er mit dem Stottern umgehen soll. "Zeit lassen" ist natürlich ein guter Tipp, besser wäre, dem Schüler auch zu erklären, was der Lehrer nun beabsichtigt und denkt. Ich finde, solche "Maßnahmen" müssen immer mit dem Schüler besprochen werden, zumal der ja nicht mehr so jung ist, dass er nicht für sich sprechen könnte.

Problematisch finde ich diese Mutmaßungen:
Roland Pauli hat geschrieben:Sein Stottern scheint mir mit zunehmender Aufregung ebenfalls zuzunehmen. Durch Präsentationen kämpft er sich eisern durch und lässt auch seine (körperliche) Anstrengung erkennen (Erleichterungs-schnaufen – z.B. „phuhhhh“ - nach Ende seines Vortrags).
Bei manchen Blockaden setzt er seinen Satz mit einem synonymen Wort fort, ohne dass der Satzbau oder die Aussage beeinträchtigt wird.
...
Innere Symptome können von Gesprächspartner nicht unmittelbar erkannt werden. Ich vermute jedoch – aufgrund seines Auftretens -, dass M. kein negatives Selbstbild durch seine Sprachstörung hat, diese ihn aber sehr stört.
Zur ersten Beobachtung: es ist halt ein Unterschied, ob der Schüler eine Präsentation hält, also sprechen muss, und das über längere Zeit, oder kurze Redebeiträge im Unterricht hat. Die er womöglich davon abhängig macht, ob er relativ flüssig sein kann. Wenn dem Schüler sein Stottern (das eine Sprechstörung ist) sehr stört, dann ist das ein "inneres Symptom". Da verstehe ich das Schweigen über Stottern erst recht nicht.
Roland Pauli hat geschrieben:Ohne einen Test mit M. durchgeführt zu haben, kann jedoch durch Beobachtungen geschlussfolgert werden, dass seine Stotterfrequenz mit seiner Nervosität steigt.
Sehr heikle Ferndiagnose. Es könnte auch sein, dass er immer nervöser wird, je häufiger er stottert. "Einfühlung" in den Stotternden funktioniert nicht.
Roland Pauli hat geschrieben:• Nach Absprache könnte der/die Betroffene in einem eigenen Vortrag über das Stottern informieren. Dies sollte jedoch nur bei leichten Stotterern oder solchen, die Erfolge in Therapien verzeichnen, gemacht werden.
Warum sollten nur leichte Stotterer oder solche, die "Erfolge" durch eine Therapie hatten, über Stottern informieren dürfen?
Roland Pauli hat geschrieben:Im Gespräch mit Ausbildern und Mit-LiV, denen ich die Situation geschildert habe, wurde mir empfohlen bei geeigneter Situation M. direkt anzusprechen.
Da ich inzwischen denke, dass M. weniger ein Problem in seinem Stottern sieht als z.B. der Zuhörende, werde ich dieses Gespräch nicht erzwingen. Sollte sich im folgenden Halbjahr eine Situation ergeben, bei der das Thema aufkommt, werde ich die Chance ergreifen und mit Ihm reden.

Meine Kollegen werde ich (über den Klassenlehrer) über Verhaltenstipps und den Nachteilsausgleich informieren und mich selber daran halten. So kann für M. eine Umgebung geschaffen werden, die weniger Stress verursacht und dem Stottern weniger Grundlage zu bietet.
Ohne mit dem Schüler bisher gesprochen zu haben? Wie wollen die Lehrer dann wissen, was dem Schüler Stress macht und ob Stress eine "Grundlage" für Stottern ist?

Grüße, Mechthild

2412

Re: Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von 2412 » 1. Juni 2009 17:51

Ich möchte nur generell darauf hinweisen, dass sich in Foren seit Neuestem Vertreter bestimmter Firmen anmelden und dann Threads erstellen oder Beiträge schreiben, die zwar nicht sofort als Nonsense empfunden werden, die aber nur Alibi sind, um eine Werbeplattform für seine Firma zu bekommen.

Die Signatur weist dann in aller Regel eine Homepage auf, die zu der beworbenen Firma führt.

Insofern sollte man diese Leute vielleicht nicht so ernst nehmen.

---***---
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Re: Lehrerproblem oder Eltern?

Beitrag von ---***--- » 1. Juni 2009 20:22

Hi JonnyHell, mir liegt es wirklich fern, den Thread-Ersteller ernst zu nehmen (übrigens gibt es keine Signatur mehr, die können gelöscht werden). Ich habe auf Rolands Beitrag geantwortet, den nehme ich ernst. Manchmal kann Unsinn auch zu was Sinnvollem führen, wenn es auch oft umgekehrt ist, Grüße!

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ein Lehrer hats nicht leicht ...

Beitrag von Ernst-Martin » 3. Juli 2009 04:50

Roland Pauli hat geschrieben: „Stottern darf kein Tabu sein“3.3 und dennoch ist es notwendig mit den betroffenen SuS vor einer Thema-tisierung in der Klasse das Einzelgespräch zu suchen. Dabei sollte möglichst einfühlsam auf das Thema hingearbeitet werden um die Stellung des SuS zu seiner/ihrer Sprachstörung herauszufinden. Fragen wie
- „Wie bist Du mit deinen (mündlichen) Noten zufrieden?“ oder
- „Wie fühlst Du dich, wenn Du vor der Klasse sprechen musst?“ können in das Gespräch einleiten.
Herzlichst Roland
Diese oben angeführten Fragen gehören u.a. zu den Standardsätzen (in der Schule und auch sinngemäß beim Vorgesetzten/Personalchef bei Beurteilungen / Gehaltsverhandlungen / Aufstiegschancen) um ein heikles Gespräch (z.B. der Schüler bereitet sich zu wenig auf den Unterricht vor und fällt durch "Nix-Wissen" auf) einzuleiten und sie werden auch mindestens an 3 unserer Schulen praktiziert - allerdings vorrangig an Nicht-Stotternde (wir haben nur 1 Stotterer, der einfach mitläuft) und darüber berichtet dann die Lehrkraft in der Elternsprechstunde.
Die 1. Frage heißt jedoch: "Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit ... (wo fühlst Du Deine Stärken)?", um aufzulockern - möglicherweise liegt seine Schwäche in dem zu besprechenden Fach daran, daß ihn seine Stärken mehr interessieren ... wenn der Schüler sich im Laufe des Gesprächs betroffen fühlt, wird das Gespräch vertagt oder er kann sich schriftlich äußern ...
Wenn jemand noch einfühlsamere Eröffnungssätze spürt - ich gebe sie gerne an unsere Lehrkraft weiter!
§prost
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Re: Problemlösung selbst

Beitrag von F.J.Neffe » 25. September 2009 14:49

Brummerly hat geschrieben:Servus

Ist es eigentlich an den Eltern, Kindern bei "problemen" wie Stottern zu helfen? Oder den Lehrern? Aber dann muessten die doch zu viel Zeit auf die Kinder aufbringenn... Ich frag nur, weil ich selbst Lehrer bin und eine Diskussion mt Eltern hatte...
Problemlösung ist keine Frage der Quantität sondern der Qualität und der muss es machen, der es kann. Wenn ich zu Hause in der Familie mit der 7jährigen Sabrina spreche, die schon nicht mehr leben will, weil sie täglich von ihrer Lehrerin vor der Klasse bloßgestellt wird, dann ist ja keine Lehrerin da. Wenn Sabrinas Problem gelöst werden soll, muss aber die Lehrerin anders werden. Wie aber macht man das, dass ein 7jähriges Kind zu Hause die Lehrerin verändert? Im Grunde ist es ganz einfach; es geht nur mit dem feinsten Mittel und auf der feinsten Ebene: mit GEIST.
Es geht absolut nicht mit Druck sondern nur mit SOG.
Den Sog erkannten wir. Die Lehrerin musste nämlich erst einmal mit ihren eigenen Talenten schlecht umgehen, um dann anderen was Schlechtes antun zu können. Den Talenten der Frau ging es also schlecht, sie bekamen keine Güte, sie hungerten, man konnte es förmlich spüren: die Sogwirkung, die davon ausging.
Also schickte Sabrina ihrer "bösen" Lehrerin all das GUTE, was ihren Talenten fehlte, im Geiste. Auch diese Wirkung kann man förmlich spüren. Die Talente saugen sich voll. Dann sind sie SATT und satt ist jeder Mensch ein anderer Mensch; das ist die Ich-kann-Schule-Methode. Sabrinas Lehrerin änderte sich schnell und grundlegend und es war nicht nötig, dafür ein Wort mit ihr zu reden. Und Sabrina wuchs als Persönlichkeit durch ihren Erfolg. Sie strahlte jetzt Erfolg aus und zog diesen an, während sie zuvor daran war, Misserfolg auszustrahlen und diesen anzuziehen. Ein Experiment, das keinerlei Aufwand bedeutet und das man leicht nachmachen kann. Ich habe es schon öfters mit Kinder probiert - immer mit Erfolg. Guten Erfolg auch!
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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