Stottern in den Ferien

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
max22

Stottern in den Ferien

Beitrag von max22 » 18. August 2009 09:32

Hallo,

ich bin die Mutter einer 18 jährigen Tochter.
Unsere Tochter stottert seit dem Kindergartenalter phasenweise, wir waren bisher nur in Logopädischer Behandlung und dort konnte man ihr nicht wirklich helfen weil sie in diesen Stunden nie gestottert hat.Jede weitere Behandlung hat Laura strickt abgelehnt.Laura geht sehr selbstwewußt mit dem Stottern um und sogar in der Grundschule kam oft der Spruch an Mitschüler :"Ich stotter na und?" Laura ist immer gut mit Klassenkameraden zurecht gekommen und soweit ich weiß auch nie gehänselt worden.Im Moment bereitet sie sich sehr erfolgreich auf ihr Abitur vor, mündlich ist sie auch sehr gut in der Schule und hält sogar Referate.
Sie sagt das sie keine Angst hat zu stottern und findet es sehr lustig wenn ihre guten Freunde manchmal sogar unbewußt auch damit anfangen wenn sie zusammen sind.
So weit so gut, wir sind s e h r s t o l z auf unsere Laura und akzeptieren sie so wie sie ist und dazu gehört nun mal das Stottern.
Wir lieben das Gesamtpaket Laura.

Ich hoffe nur das sie uns nicht irgendwann übel nimmt das wir sie nicht gedrängt haben sich in Behandlung zu begeben.

Nun meine Frage??
Laura stottert ganz verstärkt in den wirklich stressfreien!!!! Schulferien??
Hat hier jemand eine Erklärung für dieses Phänomen????????

Viele Grüße aus Köln
Angela

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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von Jaspis » 18. August 2009 10:34

Hallo Angela,
toll, daß Eure Tochter schon so eine gelassene Einstellung zu ihrem Stottern hat! Darauf könnt Ihr als Eltern auch stolz sein, denn Eure Tochter hat es sicher zum Teil von Euch vorgelebt bekommen und von Euch gelernt. Vielleicht würde sie Euch wirklich später mal Vorwürfe wegen zuwenig Druck zu einer Therapie machen, ja, aber daß sie schon jetzt als Schülerin eine so gelassene Einstellung zu ihrem Stottern gefunden hat und auch lebt, wird einen viel größeren Wert für ihre Zukunft haben!!

Warum stottert Eure Tochter in stressfreier Ferienzeit mehr? Dazu fällt mir spontan ein, daß sie vielleicht eine gewisse Anspannung, einen gewissen Druck braucht, um flüssiger zu sprechen. Schulsituationen und ein strukturierter Alltag bieten ihr das vielleicht mehr als Ferien? Das ist gar nicht so selten, daß Stotterer unter gewissen Erfolgsdruck, unter Anspannung besser sprechen, allerdings strengt es auch mehr an und daher ist es vielleicht sogar ein Zeichen von Erholung, wenn Eure Tochter in den Ferien mehr stottert.
Stört es sie selbst denn jetzt auch mehr, oder fällt Euch das nur auf?

Noch schöne Ferien!
Karen

max22

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von max22 » 18. August 2009 11:06

Hallo Karen,

ich Glaube nicht das es Laura wirklich stört, es fällt uns und Laura einfach nur auf das es gerade in den Ferien immer so ist :shock:
Laura macht sich mit Vorliebe Stress :? Überall in der Schule muss sie dabei sein, Abi Ausschuss,Streit Schlichter,Sucht Beratung,Theater Gruppe :shock:
und natürlich Schulvertretung
Wir stoßen da auf taube Ohren wenn wir sie bitten es doch etwas langsamer anzugehen.

Viele Grüße Angela

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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von Jaspis » 18. August 2009 11:23

max22 hat geschrieben:Überall in der Schule muss sie dabei sein, Abi Ausschuss,Streit Schlichter,Sucht Beratung,Theater Gruppe
Ja, dann scheint es doch fast klar - ihr fehlen die Sprechherausforderungen! :) Aber zum Glück gehen die Ferien ja bald zu Ende ... ;-)
Eure Tochter könnte wirklich ein Vorbild sein, was man trotz und mit Stottern so alles auf die Beine stellen kann, zumindest sprachlich gesehen solltet Ihr sie nicht bremsen! §dup
Und, wenn sie so aktiv ist und für sich selbst entscheidet, was für sie wichtig und sinnvoll ist, wird sie auch darauf kommen, ob sie mal eine Therapie braucht oder nicht, oder?
Gruß, Karen

2412

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von 2412 » 18. August 2009 12:33

Es ist in der Tat sehr ungewöhnlich, dass ein Mädel von scheinbar ganz alleine auf den allerbesten Umgang mit seinem Handicap kommt. Ehrlich gesagt, ist das genaue Gegenteil die Regel: Rückzugsverhalten, Selbstgeißelung, Scham, Angst. Ihr habt da eine ganz besondere Tochter, Angela, und ihr solltet euch bittesehr nicht den Kopf machen, wann sie stärker stottert und wann nicht. Es ist völlig egal.

@ Karen:

Sie ist bereits geheilt, denn sie hat keine Angst vor dem Sprechen. Weil sie die beste Therapie für sich gefunden hat und sie konsequent durchzieht. Weil sie nicht nach jedem Strohhalm gegriffen hat, um ja nicht zu stottern. Weil sie nichts Schlimmes an Stottern findet. Was soll denn schlimm am Stottern sein, Karen, das therapiert gehört? Stottern ist cool, wenn man cool damit umgeht und das macht sie bestimmt. Stottern macht sympathisch, wenn man cool damit umgeht. Welche Therapie braucht sie also? Soll sie jetzt, deiner Meinung nach, eine typische "Hilfe-ich-stottere"-Vita durchmachen, in den nächsten 40 Jahren 30 Therapien machen und dann mit 60 genauso stottern wie zuvor, nur mit dem Unterschied ihr Leben vergeudet zu haben - ebenso wie es hierfür zig Beispiele in der Selbsthilfe gibt?

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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von Jaspis » 18. August 2009 13:35

Hallo JonnyHell,
ich hatte geschrieben:
"wird sie auch darauf kommen, ob sie mal eine Therapie braucht oder nicht, oder?"

Auch meiner Meinung nach braucht jemand keine Therapie, der schon so locker mit seinem Stottern umgeht und Sprechherausforderungen so begeistert annimmt. Aber entscheiden kann ich das nicht ;-)
Gruß, Karen

2412

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von 2412 » 18. August 2009 16:14

Hallo Karen,

ich hatte nur etwas Bedenken aufgrund nachfolgenden Satzes von dir:
Karen hat geschrieben:Vielleicht würde sie Euch wirklich später mal Vorwürfe wegen zuwenig Druck zu einer Therapie machen, ja,
Nichts für ungut!


Grüße,
Jonny

max22

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von max22 » 18. August 2009 16:50

Hallo,

ihr seit ja lieb :knuddel:

Unsere Laura ist wirklich was sehr besonderes,neben ihrem süßen Sprachfehler hat sie seit ihrem 15.Lebensjahr auch sehr gewissenhaft ein Skoliose Korsett getragen.Ihr könnt ja mal unter cheneau korsett Bilder googlen um zu schauen was das heißt!!!!!!
Manche lassen einfach nichts aus :roll:

Viele Grüße Angela

2412

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von 2412 » 18. August 2009 18:13

Hallo Angela,

meinst du, Laura hätte Lust, zum Bundeskongress stotternder Menschen zu kommen? Dem Vernehmen nach kommt ihr ja aus Köln und der Kongress ist ebenfalls in Köln:

http://www.stottern-der-kongress.de/

Sie könnte zahlreiche Kontakte knüpfen und eine Menge Leute könnten eine Menge von ihr lernen :wink:

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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von Roland Pauli » 18. August 2009 23:26

Hallo Angela,

Du hast wirklich eine bemerkenswerte, klasse Tochter.

So mit dem eigenen Stottern umzugehen ist wirklich super gut und professionell.

Bei mir selber und einigen meiner Semiarteilnehmer habe ich das Phänomen festgestellt, dass wir früher in den Ferien verstärkt gestottert hatten.

Im Berufsleben war es uns wichtig, wenig zu stottern, um möglichst effizient zu sein und uns gut präsentieren zu können. Wer als Stotternder das Glück hat, durch Konzentration eine höhere Flüssigkeit zu erreichen, setzt diese besonders in wichtigen Situationen ein.

Aber im Urlaub kann man sich hängen lassen, und damit kann die Bereitschaft nachlassen, sich auf sein Sprechen zu konzentrieren. Die Folge kann eine stärkere Symptomatik sein.

Eine andere Sachlage ergibt sich, wenn der oder die Stotternde sich und sein Sprechen besonders im Urlaub genau beäugt und denkt, dass er oder sie in entspannter Atmosphäre besonders gut sprechen würden.

Bei der Selbstkontrolle kann eine erhöhte Wahrnehmung der Symptomatik entstehen, und einen kann das Stottern mehr nerven als im stressigen Alltag, in dem eine Situation die andere jagt, ohne dass man viel Zeit hat darüber nachzudenken, bzw. sein eigenes Stottern zu bewerten.

Frag doch Deine Tochter einfach, wie sie in ihren Ferien fühlt und mit ihrem Sprechen klar kommt.
max22 hat geschrieben:Hallo,

ich bin die Mutter einer 18 jährigen Tochter.
...
Ich hoffe nur das sie uns nicht irgendwann übel nimmt das wir sie nicht gedrängt haben sich in Behandlung zu begeben.

Nun meine Frage??
Laura stottert ganz verstärkt in den wirklich stressfreien!!!! Schulferien??
Hat hier jemand eine Erklärung für dieses Phänomen????????

Viele Grüße aus Köln
Angela
Momentan scheint sie blendend mit ihrer Situation zurecht zu kommen, warum sollte sie euch je einen Vorwurf machen?

"In eine Behandlung drängen" wäre eh nicht angebracht, und Du kannst sie ja von Zeit zu Zeit fragen, wie sie persönlich und mit ihrem Sprechen fühlt und ihr bei Bedarf eine passende Therapie ermöglichen.

Ich wünsche Dir noch viel Freude mit eurer Tochter.

Herzlichst
Roland
http://www.ropana.de

max22

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von max22 » 19. August 2009 10:04

Hallo,

tja, der Kongress ist bestimmt sehr informativ aber.............
Mir ist nicht sehr wohl bei der Sache Laura einen Spiegel vorzuhalten, ich habe selber als Kind gestottert und fands auch nicht so schlimm bis zu dem Tag als ich mich selber auf Tonband gehört habe. Ich war wirklich geschockt und mein Selbstbewusstsein hat schon einen mächtigen Knacks bekommen :oops:
Das kann vielleicht von mir zu ängstlich sein aber Laura kommt sooooo gut mir iherer Situation zurecht da möchte ich nicht reinfuschen

Viele Grüße Angela

2412

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von 2412 » 19. August 2009 13:14

Hallo Angela,

Stotternde haben oft eine große Sehnsucht, Menschen kennenzulernen, die dasselbe Handicap haben. Ich würde an deiner Stelle auch nicht die eigenen Empfindungen von damals deiner Tochter unterstellen. Du konntest es nicht ertragen, den Spiegel vorgehalten zu bekommen - aber deine Tochter, der Stottern nichts ausmacht, auch? Auch solltest du bedenken, dass man nicht davon sprechen kann, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, wenn man andere Stotterer trifft. Immerhin stottert nahezu jeder sehr unterschiedlich.

Und ich habe ja auch nicht geschrieben, dass du ihr befehlen sollst, dahin zu gehen. Nein, was spricht dagegen, wenn du ihr einfach die Seite zeigst und sie dann selbst entscheidet, ob sie Lust hat oder nicht?

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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von Jaspis » 19. August 2009 21:41

max22 hat geschrieben:Das kann vielleicht von mir zu ängstlich sein aber Laura kommt sooooo gut mir iherer Situation zurecht da möchte ich nicht reinfuschen
Hallo Angela,
ich kann Deine Sichtweise verstehen. Jetzt Deine Tochter auf das "Problem Stottern" aufmerksam machen, hieße ja sozusagen ihre bisherige Umgehensweise damit nicht als ausreichend zu beurteilen. Aber Ihr haltet sie ja für überaus ausreichend.
Du könntest ja selbst zum Kongress kommen! ;-) (Es treffen sich dort Leute jedes Alters und es gibt sogar einen Arbeitskreis "Stottern und Frauen".)
Interessant, in letzter Zeit melden sich hier immer mal wieder Mütter, die selbst stotter(te)n und nun für ihre Kinder Hilfe suchen. Weiß Deine Tochter, daß Du früher selbst stottertest? Hast Du das Gefühl, daß Du durch Deine eigenen Erfahrungen Deine Tochter zu dieser unkomplizierten Haltung gegenüber Stottern erziehen konntest? Da ich selbst stottere und Kinder habe, interessiert mich das Sprechenlernen innerhalb der Familie besonders, deshalb frage ich so speziell.
Alles Gute,
Karen

2412

Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von 2412 » 20. August 2009 01:50

Jemand, der andere Menschen mit "Ich stottere, na und?" über sein Handicap informiert, ist sich meines Erachtens des Stotterns vollauf bewusst. Ich finde einfach, dass man die Tochter lediglich auf den Kongress hinweisen sollte, denn vielleicht hegt sie eben genau den Wunsch, andere Stotterer kennenzulernen, äußert ihn aus welchen Gründen auch immer, jedoch nicht.

Ich bezweifle stark, dass man Laura irgendwo "reinpfuscht", wenn man mal fallen lässt, dass sich in Köln bald eine Menge Stotterer zu einem großen Event treffen. :wink:

---***---
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Re: Stottern in den Ferien

Beitrag von ---***--- » 20. August 2009 02:29

Hallo Angela,

zu Deiner Ausgangsfrage:
Ich kenne es von mir, dass ich mehr stottere, wenn ich wenig spreche. Ich scheine so eine Art "Warmsprechen" zu brauchen.

Warum glaubst Du, Ihr solltet therapiemäßig auf Eure Tochter einwirken?
Ich kann mir zwei Szenarien denken, vielleicht drei (ich kann auch völlig daneben liegen... ;)):
- Deine Tochter ist nun bald flügge und Du überlegst, was Du ihr noch alles mitgeben kannst fürs Leben.
- Du bist Dir nicht sicher, ob Stottern nicht doch heilbar ist, und man alles ausprobieren muss.
- Laura ist gut integriert, hat keine Sprechängste. Ihr Stottern ist aber, wenn es auftritt, nicht leicht, keine lololockeren Silbernwiederholungen. Du fürchtest, es könnte später nachteilig für sie sein.

Ich bin auch sehr neugierig, wie Du selber aufgehört hast zu stottern! Wenn Du es erzählen magst, wie alt warst Du? Oder war es schleichend, Stottern war irgendwann weg? Oder hast Du heute noch dann und wann Unflüssigkeiten, die aber niemand sonst bemerkt?

Ich habe mich als Kind auch aufgenommen, für mich war das auch ein Schock. Aber ein Stotterer-Treffen ist anders.
Es gibt einen Thread, wie es ist, jemanden anderen stottern zu sehen, hier: http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=1&t=1291&start=0
Mir ist es anfangs schwer gefallen, andere stottern zu sehen - weil ich mich selber gar nicht gekannt habe, Stottern nicht mochte. Ich finde, das Bild vom Spiegel schön. Deine Tochter wird aber immer wieder Spiegel vorgehalten bekommen, meist durch die Darstellung von Stotternden in den Medien - und diese Spiegel sind verzerrt.

Bei einem Treffen so vieler Stotternder wird es eine große Auswahl an Spiegeln geben, Leute, die tolle Rollenvorbilder sind, Gleichaltrige, mit ähnlichen Fragen, ähnlichen Träumen. Natürlich sollte niemand gedrängt werden, hinzugehen. Ich kann nur von meinen Erfahrungen erzählen, es ist immer sehr schön, sehr entspannt, lustig, andere Stotterer zu treffen.

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