Schule Mündlich

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obama67
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Schule Mündlich

Beitrag von obama67 » 7. September 2009 21:52

Hallo erstmal,

Ich bin 16 Jahre Alt und gehe in die 10. Klasse. Ich hab mir vorgenommen das ich mein Real nächtes Jahr mache.Das Problem ist Im Unterricht Traue ich mich NIE zu melden weil ich angst habe einen Block zu bekomme bzw. stotter. Ich bin ein intilligenter Kerl. Wenn die Lehrerin Fragen stellt kommt mir die Antwort soforts in mein Kopf aber ich Traue mich nicht.


Habt ihr irgendwie TIPPS oder so?? :?:

Danke im vorraus §dup

2412

Re: Schule Mündlich

Beitrag von 2412 » 7. September 2009 22:47

Howdy,

du hast Anspruch auf den sog. Nachteilsausgleich.

Das bedeutet beispielsweise:

1) Du kannst auf Wunsch Referate durch schriftliche Arbeiten ersetzen

2) Du hast das Recht, auf Wunsch nicht im Unterricht aufgerufen zu werden

3) Du hast das Recht, Abfragen nach der Stunde mit dem Lehrer unter vier Augen durchzuführen.

Es ist Lehrern aus schulrechtlicher Sicht nicht erlaubt, bei der Benotung von behinderten Schülern (Stottern ist rechtlich gesehen eine Behinderung) auf die Behinderung keine Rücksicht zu nehmen.

Ich kann dir auch gerne eine Vorlage für einen Antrag auf Nachteilsausgleich schicken, den du am besten beim Direktor einreichen müsstest.

obama67
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Re: Schule Mündlich

Beitrag von obama67 » 7. September 2009 22:56

JonnyHell hat geschrieben:Howdy,

du hast Anspruch auf den sog. Nachteilsausgleich.

Das bedeutet beispielsweise:

1) Du kannst auf Wunsch Referate durch schriftliche Arbeiten ersetzen

2) Du hast das Recht, auf Wunsch nicht im Unterricht aufgerufen zu werden

3) Du hast das Recht, Abfragen nach der Stunde mit dem Lehrer unter vier Augen durchzuführen.

Es ist Lehrern aus schulrechtlicher Sicht nicht erlaubt, bei der Benotung von behinderten Schülern (Stottern ist rechtlich gesehen eine Behinderung) auf die Behinderung keine Rücksicht zu nehmen.

Ich kann dir auch gerne eine Vorlage für einen Antrag auf Nachteilsausgleich schicken, den du am besten beim Direktor einreichen müsstest.

Danke erstmal,

das wäre gut das du mir den Antrag auf Nachteilausgleich schicken würdest.

2412

Re: Schule Mündlich

Beitrag von 2412 » 7. September 2009 23:12

Ich poste meine Antragsvorlage, die ich für andere Schüler geschrieben habe, mal hier rein:
Antrag auf Nachteilsausgleich

Sehr geehrter Herr(…), verehrte Damen und Herren,

hiermit stelle ich einen Antrag auf Nachteilsausgleich.

Ich leide seit meiner Geburt an Stottern, einer sprachlichen Behinderung, die mir die Erbringung mündlicher Leistungen in besonderem Maße erschwert. Obwohl die Erkrankung situations- und personenabhängig, zuweilen auch willkürlich, auftritt, ist erfahrungsgemäß davon auszugehen, dass der mündliche Vortrag vor einer Gruppe und die mündliche Beteiligung am Unterricht erhebliche Stresssituationen darstellen, die dazu führen, dass sich die sprachliche Behinderung im gegebenem Fall massiv verschlimmert. Bei etwa mündlichen Abfragen vor der Klasse lasse ich aus Scham vor meiner Behinderung nicht selten Teile der Antworten weg oder äußere mich gar dahingehend, dass ich die Antwort nicht wisse, obwohl dies nicht der Fall ist. Dadurch wird es mir verunmöglicht, mein Wissen den Lehrern so zu vermitteln, dass ich gemäß meinem Wissensstand benotet werde. Dies bringt mich folglich in eine ungünstige Situation und gefährdet meine berufliche Zukunft. Meines Erachtens ist für mich daher die Erbringung der mündlichen Prüfungsleistungen in der vorgesehenen Form nicht zumutbar.

Die Bundesvereinigung der Stotterer-Selbsthilfe e.V. benennt mit Verweis auf die Regelungen der Kultusministerien der Länder verschiedene Maßnahmen zum Ausgleich der Beeinträchtigung (Nachteilsausgleich). So kommen angemessene Zeitverlängerungen und die Erbringung mündlicher Leistungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ebenso in Betracht wie das Anfertigen der mündlichen Prüfungen in schriftlicher Form. In keinem Fall jedoch darf die Maßnahme des Nachteilsausgleichs dazu führen, dass die modifizierte Prüfung vom Inhalt oder Umfang her die Anforderungen der ursprünglichen Prüfungsform überschreitet.

Die nachfolgende Auflistung führt diejenigen Maßnahmen auf, die meine Behinderung meines Erachtens angemessen ausgleichen würden:

- in jedem Fall sollte ein Aufrufen nur nach eigener Meldung erfolgen
- mündliche Leistungsabnahmen in Form von Abfragen sollten nicht vor der Klasse stattfinden, sondern nach der Stunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit entweder unter vier Augen mit der Lehrkraft oder in schriftlicher Form
- schriftliche Ausarbeitung von Referaten

Nach alledem beantrage ich die Gewährung der erbetenen Maßnahmen zur Herbeiführung des Nachteilsausgleichs. Ferner möchte ich um einen Bescheid bitten, der die gewährten Maßnahmen offiziell bestätigt und versichert, dass alle Lehrkräfte umfassend in Kenntnis gesetzt wurden.
Aus nachvollziehbaren Gründen möchte ich sowohl seitens der Lehrerschaft als auch der Schulleitung um angemessene Diskretion bitten.



Mit freundlichen Grüßen,
Bisher wurde jeder Nachteilsausgleich bewilligt.

Wenn noch Unklarheiten bestehen, kannst du mich jederzeit fragen.

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Ernst-Martin
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Kontakt mit den Lehrern ...

Beitrag von Ernst-Martin » 8. September 2009 03:13

Lieber Obama,
Du stehst mit Deinem Problem nicht allein da!
Es ist wirklich ärgerlich, wenn man sich nicht zu melden traut.
Aber jeder Schuljunge hat seine Eigenheiten, auf die die Lehrerin Rücksicht nimmt - Du mußt nur mal zuerst mit ihr sprechen und Deinen Kummer äußern.
Mir hat die Lehrerin vorgeschlagen:
ich soll mich sooft melden wie ich will (und wenn ich natürlich in etwa die richtige Lösung weiß), jedoch mindestens in jeder Stunde 1x und
wenn ich merke, es kommt ein Block, setze ich mich einfach wieder hin.
Mit der Zeit bekommst Du die erfreuliche Sicherheit, weil Dich keiner kritisiert .... wirst Du eigentlich kritisiert? Dann wäre sofort ein Gespräch mit der Lehrerin fällig, schon wegen des § 185 StGB ff.
Du mußt also zu einer Lösung mit Deiner Lehrerin kommen - mit dem Nachteilsausgleichs-Gesetz bekommt auch sie bei der angemessenen "guten" Benotung Rückendeckung. Falls die Lehrerin wegen Überlastung sich eher abweisend verhält, hilft Dir auch ein Vorab-Gespräch mit dem Religionslehrer weiter - er findet in der Regel auch die richtigen Worte in den zwischenmenschlichen Beziehungen ... und läßt Deine Wünsche vom Direktor absegnen.
Ich weiß, Du bist nun in der Rolle des Bittenden ... aber es hilft Dir immer weiter!
Die Lehrerin wird herausfinden wollen, wo Deine Stärken liegen .... und zu welchem Beruf Du neigst.
Könntest Du uns erzählen, wie dieses Gespräch verlaufen ist ....? Es soll auch weitere Stotterer ermutigen, nicht aufzugeben!
§prost
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Re: Kontakt mit den Lehrern ...

Beitrag von 2412 » 8. September 2009 15:00

Ernst-Martin hat geschrieben:Falls die Lehrerin wegen Überlastung sich eher abweisend verhält, hilft Dir auch ein Vorab-Gespräch mit dem Religionslehrer weiter - er findet in der Regel auch die richtigen Worte in den zwischenmenschlichen Beziehungen ... und läßt Deine Wünsche vom Direktor absegnen.
Lieber Ernst-Martin,

meine Latein-Leistungskurslehrerin, die zugleich auch Religionslehrerin war, war die schlimmste *******, die mir je begegnet ist! (Ich glaube, ich kriege eine Verwarnung, wenn ich die Sternchen ausschreibe). Religionslehrer sind keine Übermenschen, zumal viele Religion als Fach nur deshalb wählen, weil es den Ruf hat, am leichtesten zu sein und man sich damit erhofft, das Erste Staatsexamen auf alle Fälle zu bestehen.

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Die Religionslehrerin ...

Beitrag von Ernst-Martin » 9. September 2009 10:55

JonnyHell hat geschrieben: Religionslehrer sind keine Übermenschen, zumal viele Religion als Fach nur deshalb wählen, weil es den Ruf hat, am leichtesten zu sein und man sich damit erhofft, das Erste Staatsexamen auf alle Fälle zu bestehen.
Es tut mir leid, Jonny, daß Du bereits in der Schule nicht so gute Erfahrungen gemacht hast!
An die Möglichkeit, ein Staatsexamen leichter zu bestehen habe ich nicht gedacht - und doch könnte ich mir dies durchaus vorstellen oder
daß sie gewillt war, in ihrem Fach "Latein" nur Musterschüler heranzuziehen. Ohje.
Meine Vorstellungswelt ging von meiner Schulzeit aus: Der Priester war gleich Religionslehrer (mit seinem Kaplan) und nicht auch noch Lateinlehrer.
Ihm würde ich mich auch heute noch anvertrauen! Trau, schau, wem ...

Aber wem könnte man sich heute auf einer weiterführenden Schule noch anvertrauen?
(Auch bei der Bundeswehr kann man sich auch an die "Seelsorger" wenden - mit Erfolg! Wenn ein allzuschneidiger Offiziersanwärter übertreibt ... und er plötzlich merkte, daß er von dieser Seite Kritik bekommt, wurde er merklich zahmer!)
:)
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Re: Schule erfolgreich mündlich

Beitrag von F.J.Neffe » 25. September 2009 14:37

Wenn Du Dich mit Deinen Kräften so, wie sie sind, nicht traust, dann ändere sie! Wenn sie zu schwach sind, gib ihnen STÄRKUNG. Wenn ich z.B. Deinen Sprechtalenten auch nur 1 gutes Worte sage, könnten wir sofort eine Verbesserung ALLER Lebensfunktionen messen. Also füttere halt nicht nur Deinen Körper täglich sondern auch Deine Seelen- und Geisteskräfte! Wenn Du eine einfache "Fütteranleitung" lesen willst, dann besorg Dir Coués Autosuggestion, die gibt´s für 7,50 € in jeder Buchhandlung. Es ist ganz normal, schwächere Kräfte zu haben und sie zu stärken. Und sie schließlich freizusprechen, damit sie frei für einen sprechen. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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