Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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Tarantandy
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Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von Tarantandy » 30. September 2009 13:46

Liebe User, liebe Eva, Lieber Johnny,

ich habe leider gerade einen folgenschweren Fehler beim Verschieben gemacht. Evas Beitrag ist aus Versehen verschwunden, ich habe diesen versehentlich gelöscht. Das selbe gilt für die Reaktion von JohnnyHell darauf. Kann euch dafür nur um Entschuldigung bitten!

Evas Beitrag habe ich zum Glück noch als Kopie gehabt - ich setze diesen hier ein. Johnny möchte ich bitten, seine Antwort wenn möglich nochmal reinzusetzen. Nochmals sorry - tut mir wirklich sehr leid!!
(Eventuelle direkte persönliche Antworten bitte nicht an mich, sondern an Eva)

Eva hat geschrieben:Hallo, ich bin neu hier und frage mich bzw. euch jetzt, wie ihr das Stottern in eurem Leben bewältigt. Also ich schäme mich zugrunde, wenn ich einen Block habe und ich die anderen, fragenden Augen auf mich gerichtet sehe. Klar, die ganze Zeit sprach ich einigermaßen flüssig bzw. auch garnicht und dann wenn ich drann bin, schweige ich...mit geöffnetem Mund...weil ich das Wort mit Rrr oder Mmm..jjj,hhh nicht rausbringe...kriege keine Luft, mein Bauch verspannt, sekunden vergehen...lange sekunden.. und plötzlich wie ein Ausbruch eines herausstürzenden Buchstabens, kommt es, wie ein tiefes Urgeräusch aus einer kleinen Frau,doch seltsam und unpassend, doch noch raus. Ich spreche besondern von Fremdspráchen lernen. Ich dachte ich wäre aus der Schulzeit schon raus, man oder Frau möchte sich ja doch weiterbilden und so habe ich mich zum Sprachkurs angemeldet, ganz vergessen, welche Erfahrungen ich in der Schule damals hatte. Doch die Erinnerungen kommen schnell wieder zurück. 10 Leute die eine Fremdsprache lernen wollen, sitzten in einem Raum, jeder ein Buch, lesen nach der Reihe- HORROR, meine hände schwitzen, ich lese schon vorweg in Gedanken meinen Satz, aber es kommt immer wie es immer kommt, ich bin drann und entweder rase ich den satz runter, in der Hoffnung das mich niemand unterbricht oder ich fange den satz erst garnicht an!! und der Urschrei löst dann den verkrampften Magen.
Dannach bin ich den Tränen sehr nahe, traue mich nicht nach oben zu schauen, vertiefe meine mit Tränen sich füllenden Augen ins Buch...und verharre der Dinge. Da es ja privat ist, kommt es auch vor, dass ich einfach mittendrin nach Hause gehe. Ich kann nicht anders-kann dann doch nicht vor den Schülern weinen. Und mir kommen immer die Tränen nach Blocks!! Immer...
Theraphien habe ich noch keine gemacht, war nur einmal bei einer Logpädin, was eigentlich die Sache nur noch schlimmer machte, noch nie habe ich so schlimm gestottert, wie zu der Zeit als ich bei der Logopädin war, wahrscheinlich weil ich jede Woche daran erinnert wurde, das ich stottere.
Wie macht ihr es? Wie schafft ihr es im Berufsleben zB, óder mit mehreren Menschen? ich erlebe jedesmal eine innere Katastrophe, scham, hiztewallungen, scham, tränen, weinen, jedesmal wenn ich die sich fragenden Augen der anderen sehe..block und dannach weinen. erst schäme ich mich das ich blocke und dannach das ich tränen in den augen habe!
Ich möchte aber gerne eine Fremdsprache lernen!
Leider bin ich finanziell nicht so gesegnet mir irgendeine Therapie in Hamburg oder Berlin, Göppingen, zu buchen.
Erzählt mir doch wie ihr es schafft! oder gehts einigen wie mir?

Freue mich auf jede konstruktive Antwort!!

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Tarantandy
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Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von Tarantandy » 30. September 2009 15:03

Hallo Eva,

ich bin 35, habe auch eine harte Schul-Karriere hinter mir, stottere auch immer noch merklich. Ich persönlich wäre sicher zurückhaltend, einen Fremdsprachenkurs anzutreten - finde das also durchaus mutig von dir, das überhaupt gestartet zu haben!

Was ich raten kann, ist, das Problem zunächst mit der Dozentin anzusprechen. Und es anschließend ggf. auch noch vor der Gruppe. Wenn es einmal offen raus ist, dass du eben stotterst, dann bist du von einer großen Last befreit, und die anderen können sich darauf einstellen.
Diese Öffnung fällt sehr schwer, und erfordert viel Mut - aber es lohnt sich.

Letztendlich denke ich, dass du nicht umhin kommst, dich dem Problem zu stellen und dir einzugestehen, dass du stotterst (was - neutral betrachtet - nicht weiter schlimm ist). Hierfür könnte gerade dieser Sprachkurs ein guter Anlass gewesen sein...

Mir persönlich hat die Lektüre von diversen Büchern zum Thema Stottern geholfen, insbesondere "Entmachtung des Stotterns", herausgegeben von Erhard Hennen. Das kann ich nur empfehlen.

Alles Gute und viel Kraft!

Andi.

2412

Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von 2412 » 30. September 2009 15:12

Auf ein Neues:

Liebe Eva,

was du hier beschreibst, kennen bestimmt viele Stotterer.

Gerade in Fremdsprachen besteht das Phänomen, dass Stotterer eine wesentlich stärkere Symptomatik an den Tag legen als in ihrer Muttersprache. Das habe ich erst neulich im Rahmen eines internationalen Kongresses nochmal bestätigt bekommen, wo fast alle Teilnehmer berichteten, dass Englisch zu sprechen für sie die Hölle auf Erden sei. Ich kann mich da nur anschließen.

Auch früher in der Schule hatte ich in Fremdsprachen sehr stark zu kämpfen. An meiner Uni kann man jedes Semester, finanziert aus Studiengebühren, einen kostenlosen Sprachkurs belegen. Trotz meines Handicaps lasse ich mir diese Möglichkeit in keinem Semester entgehen. Vor einiger Zeit war in meinem Kurs eine, die von Anfang mit ihrer Freundin ganz offensichtlich über mich tuschelte und jedes Vorlesen meinerseits mit Argusaugen verfolgte. Es schien so, als würden die beiden rätseln, was denn mit mir los sei. Als ich dann irgendwann bei einem Text richtig schwer hängen blieb, schrie sie förmlich auf: "Eindeutig sprachbehindert!". Ich stoppte und sagte ihr vor dem gesamten Kurs: "Sprechbehindert, nicht sprachbehindert, meine Liebe". Danach war Ruhe im Karton.

Ich habe durch jahrelange Desensibilisierungstherapie gelernt, negative Reaktionen zu ignorieren. Ich habe mittlerweile überhaupt kein Problem damit zu stottern und empfinde auch keinerlei Scham. Objektiv gesehen gibt es keinen einzigen Grund, weshalb man sich für Stottern schämen sollte. Ich kenne niemanden, der sich dafür schämt, eine Brille zu tragen, mit links zu schreiben oder Asthma zu haben. Dein Ziel muss es sein, deine Scham, vielleicht mithilfe einer Therapie, zu überwinden. Ich würde dir auch raten, dein Handicap mitten im Kurs anzusprechen und über deine Ängste ganz offen zu sprechen. Ich bin mir sicher, dass du Verständnis und Unterstützung ernten wirst. Ich muss an der Uni oft genug Referate vor Kommilitonen und Vorträge vor Professoren im Rahmen meiner Tätigkeit als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl halten. Ich spreche am Anfang das Stottern immer an, meist verbunden mit einer flapsigen selbstironischen Bemerkung. Das bricht das Eis und schafft eine entspannte Atmosphäre. Ich habe damit wirklich nur gute Erfahrungen gemacht.

Hinsichtlich einer Therapie kann ich dir mitteilen, dass die Krankenkassen alle Therapien, die von staatlich anerkannten Logopäden geleitet werden, übernehmen. Auch die Kosten für Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung übernimmt die Kasse auf Antrag. Insofern wüsste ich nicht, was dir da im Wege stünde. Du liegst mit Hamburg auch sehr richtig, diese Stadt hat wahrlich Starke Therapeuten!

Alles Gute,
Jonny

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Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von Tarantandy » 30. September 2009 16:30

Ich erinnere mich an einen Sprachkurs, den ich im Studium machen musste: Französisch für Historiker.
Da war es die nette Dozentin, die mich - als sie gemerkt hatte, dass ich stottere - vor allen ermutigte, mich zu beteiligen - sie habe mit anderen Stotternden die Erfahrung gemacht, dass es mit der Zeit besser werde.
Und fortan war damit das Thema durch, und ich fühlte mich auch wirklich ermutigt, dann öffentlich zu sprechen, wenn ich was wusste.

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5000 Freunde gewinnen und STARK werden

Beitrag von F.J.Neffe » 30. September 2009 21:27

Liebe Eva,
es kommt nicht nur darauf an, WAS man macht und WIE man es macht, sondern ganz entscheiden auch IN WELCHEM GEISTE man es tut.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer schaue ich mir im Problemfall immer mit den Betroffenen an, wie SATT ihre Kräfte sind, die ja das Leben für sie bewältigen sollen. Den Körper füttern wir alle mehrmals ab Tag. Aber wie ist es mit Geist und Seele? Die lassen wir doch immer zuschauen und hungrig bleiben. Manchmal treffe ich bei Kindern schon Kräfte an, die völlig ausgezehrt sind. Andererseits: Wenn ich diesen kräften auch nur 1 gutes Wort sage, kannst Du sofort eine Verbesserung ALLER Lebensfunktionen messen. Und nun kann doch jeder tausende gute Worte zu seinen Seelen- und Geisteskräften sagen, oder etwa nicht?
In diesem Geiste wende ich Coués Autosuggestion an, als gutes Gespräch mit den feinsten Kräften. jeder hat doch wenigstens 5000 Talente und deren Lebenssinn ist doch: ALLES FÜR IHN ZU TUN. Warum also STÄRKEN wir unsere Talente nicht für ihren Lebenssinn? Stell Dir mal vor, Du wärest schon längst die beste Freundin aller Deiner 5000 Talente! Wie fühlt sich das an, wenn man mit 5000 Freunden durch die Stadt geht? Wenn Du mit 5000 vernachlässigten Talenten daherkommst, interessiert sich kein Talent in jemand für Dich, aber wenn aus Dir 5000 Freunde strahlen, dann wirst Du auf einmkal wahnsinnig attraktiv für alle Talente in allen leuten: Bei Dir könnte man ja erfahren, was man tun kann, dass es einem auch so gut geht!
Und wenn Du nicht vaufpasst, dann behandle ich DEINE Talente BESSER als DU; dann mögen sie mkich und folgen mir lieber als Dir! Das wird dann lustig! Mal sehen, wie Du Dich - und Deine 5000 Takente - entwickelst! Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von baemgirl » 27. Januar 2010 16:56

Text gelöscht.

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Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von Mia » 24. Oktober 2015 16:40

Hey,
ja ich habe auch einen Freund, der sehr stottert. Er war früher auf einer Schule, bei denen die Mitschüler sich oft über das stottern lustig gemacht haben. Davon wurde es sehr schlimm. Als er dann aber die Schule gewechselt hat (von real auf gym) und die Mitschüler das stottern quasi nicht beachtet haben und ihm geholfen haben, wurde es schnell viel besser! Vielleicht liegt deine Angst vor dem stottern und der Grund auch ein bisschen an sowas? Ich habe noch russisch und englisch in einer Sprachschule gelernt, in der viel geredet und weniger vorgelesen wurde. Glaubst du, dass ist einfacher? Denke auch, dass in so einem Fremdsprachenkurs die Leute damit besser umgehen können und dir helfen können als in der Schule.

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Re: Fremdsprachen lernen-Scham-weinen- Schule

Beitrag von hannah3001 » 7. April 2016 18:09

Hallo Eva,
das was du beschrieben hast, passiert mir regelmäßig. Am schlimmsten ist es bei mir in Fremdsprachen wie Englisch oder Französisch. Beim Lesen von französischen Dialogen (das machen wir immer im Unterricht) habe ich immer panische Angst. Oder auch z.B. musste ich vor ein paar Wochen einen Vortrag auf französisch halten und da habe ich mich schon Wochen vorher verrückt gemacht. Zum Glück hatte ich zwei Tage vor dem Tag der Präsentation einen Logopäden-Termin und meine Logopädin hat auf meinen Karteikarten in die Sätze Pausen eingezeichnet, bei denen ich Luft holen soll und aus atmen soll. Das hat mir persönlich sehr geholfen und das ist dann wie ein "roter Faden" an dem du dich ranhangeln kannst. Ich hoffe ich kann dir helfen. Beim lauten Lesen kannst du einfach bei geeigneten Stellen eine kurze Pause machen, kurz runter kommen und tief Luft holen. Die Probleme am Anfang "über die Schwelle zu kommen" kenne ich auch. Ich versuche dann immer einfach anzufangen zu reden und wenn es gar nicht geht dehne ich den Anfangsbuchstaben. Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen :knuddel:

Liebe Grüße Hannah :)

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