Studium, Kolloquium

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Kwindsen
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Studium, Kolloquium

Beitrag von Kwindsen » 21. Juli 2010 21:48

Nabend :-)

Ich studiere an der DHBW Karlsruhe (früher BA Karlsruhe) und habe nun im September ein Kolloquium.
Das beinhaltet einen 10-minütigen (+-1 Minute) Vortrag über ein ausgesuchtes Thema sowie eine anschließende 20minütige Diskussionsrunde.

Da ich stottere und der Vortrag genau 10Minuten (maximal 1 Minute Plus/Minus Abweichung) dauern soll, bin ich gegenüber anderen klar benachteiligt.
Des weiteren kann ich den Vortrag ja nicht genau planen, da man nie weiß, wie stark das Stottern im Endeffekt auftreten wird.

Meine Frage:
Gibt es irgendwelche Rechte für Stotterer oder muss man auf die Studiengangsleitung hoffen, dass Sie einem entgegenkommt?

Danke & Gruß
Andy

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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Tarantandy » 22. Juli 2010 10:46

Hallo Andy,

willkommen. Ich kann dir nur raten, vorab ein Gespräch mit dem Dozenten zu suchen und das Thema anzusprechen. Dann weiß er schonmal Bescheid, und du hast mehr Sicherheit und weißt, dass er Bescheid weiß, und kannst auch seine Stellung dazu besser einschätzen.

Viele Grüße

Andi.

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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Matthias Kremer » 22. Juli 2010 10:54

Hallo Andy,

die BVSS hat vor einigen Monaten ein Buch veröffentlicht, mit den Rechten stotternder Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf.
Dort steht sehr viel über Deine Problematik und Deine Rechte drin.
Du kannst das Buch in Köln bestellen: http://www.bvss.de/shop/csc_articles.ph ... =Neuheiten

Viele Grüße
Matthias Kremer

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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Kwindsen » 22. Juli 2010 17:00

Hallo,

danke für die Rückmeldungen.
Ein Buch werde ich mir nur für diese Information, denke ich, nun nicht bestellen *g*
Aber das Gespräch werde ich auf jeden Fall angehen und hoffe auf eine Erleichterung.
Das Problem eben ist noch, dass dieser Vortrag vor einer "Jury" und noch ca. 90 Kommilitonen stattfindet.

Vielen Dank & Gruß
Andy

2412

Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von 2412 » 12. August 2010 01:09

Hi,

in Deutschland wird kein Studiengang akkreditiert, ohne, dass eine sog. Nachteilsausgleichsregelung für Studenten mit Behinderungen in der Prüfungsordnung enthalten wäre.

D.h. du solltest die Prüfungsordnung deines Studiengangs mal durchlesen und dann einen Antrag (mit einem ärztlichen Attest) auf Nachteilsausgleich (zB Zeitverlängerung) an den zuständigen Prüfungsausschuss richten. Das ist der dafür vorgesehene Verwaltungsweg.

Bin auch Student und stottere. Also, wenn du weitere Fragen hast, nur zu.

Rocko
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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Rocko » 8. September 2010 12:13

Hallo, bei mir steht das Kolloquium ebenfalls an und daher würden mich deine Erfahrungen sehr interessieren.
Deshalb habe ich dir auch eine PN geschrieben und würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Alleine der Gedanke daran, vor vielen Leuten aus meinem Studiengangsjahr zu präsentieren, lässt mich unruhig werden.

aufzumatom
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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von aufzumatom » 13. September 2010 10:51

hallo allerseits,

die meisten vorträge an der uni waren für mich immer die reinste katastrophe. das war auch ein grund, warum ich mir eine stationäre therapie gesucht habe (in meinem fall war es die bonner stottertherapie). und mittlerweile machen mir vorträge ziemlichen spass :).

vielleicht hilft dir der tipp, dass du dich vor deinem vortrag erstmal als stotterer "outest". mir nimmt das unheimlich den druck. weil dann muss ich garnicht erst versuchen mein stottern zu verstecken, was dann immer alles nur noch schlimmer machen würde.

beste grüße

nico

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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Kwindsen » 16. September 2010 11:19

Hallo.

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan.
Wie ich erst vor ein paar Wochen herausgefunden habe, ist, dass dieser Vortrag lediglich vor 3 Prüfungsleuten stattfindet.
Das mit den Mitkommilitonen war auf freiwilliger Basis in einem Präsentationsseminar, das über 2 Tage extern stattgefunden hat.

Das erste Gespräch mit der Studiengangsleitung verlief sehr gut. Er sicherte mir zu, dass sie das Problem berücksichtigen und ich eben dann ein wenig länger halten solle.
Nun habe ich gestern noch einmal nachgefragt, da der Vortrag anstatt 10 ca 16-17 Minuten gehen würde und die Zeit anschließenden mündlichen Befragung stehlen würde.
Nun sagte er mir, dass ich meinen Vortrag nun doch auf 11 Minuten kürzen soll und mir keine Sorgen machen solle, da der Vortrag sowieso nicht viel die Note beeinflusst..

Naja hoffen wir mal das Beste.. Am nächsten Dienstag ist es soweit.

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Frankie
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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Frankie » 16. September 2010 11:48

Hallo,

ich kenne dich und die Stärke deiner Symptome nicht, daher ist es auch schwer, einen konkreten Tipp zu geben. Ich beispielsweise stottere zwar noch hörbar, habe aber dank meiner Therapie keine zeitraubenden Blocks mehr und mache die kurzen Blocks durch schnelles Sprechen in der flüssigen Zeit wieder wett ;-) Mich würden diese 10 Minuten also nicht einschränken. Wenn du allerdings zu denen gehörst, die sich von Wort zu Wort quälen, sieht die Sache schon anders aus.

Mein Rat wäre, einen Vortrag vorzubereiten, für den ein Normalsprechender 10 Minuten benötigen würde. Diesen Vortrag würde ich halten und darauf bestehen, dass ich die dafür nötige Zeit erhalte. Ich würde mich nicht mit einer schlechten Benotung zufrieden geben, die allein darauf beruht, dass ich die 10 Minuten aufgrund der Stottersymptomatik nicht einhalten konnte, auch wenn die Note keinen großen Einfluss hat - denn auch ein kleiner Einfluss ist zuviel.

Das wäre ja noch schöner, wenn die Prüfer verlangen würden, dass du trotz Sprechbehinderung so schnell wie ein Normalsprechenden sprichts. Bei anderen, sichtbaren Behinderungen würde auch niemand auf die Idee kommen, diese zu ignorieren. Niemand würde von einem Blinden verlangen, etwas von der Tafel abzulesen, von einem Rollstuhlfahrer, den Vortrag im Stehen zu halten etc.

Noch was: Zu Beginn des Vortrags solltest du das Stottern unbedingt ankündigen, auch wenn es alle Prüfer möglicherweise schon wissen. Diese Ankündigung entspannt die Situation für alle Seiten ungemein und du wirst flüssiger Sprechen.

Grüße,
Frank

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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Kwindsen » 17. September 2010 12:20

Hallo,

ja so war es bisher auch geplant, dass ich einfach den Vortrag für 10 Minuten flüssig vorbereite.
Jedoch findet direkt danach eine mündliche Prüfung statt. Da die komplette Prüfungszeit 35 Minuten beträgt, wäre somit von der eigentlichen mündlichen Prüfung, die 4x stärker zahlt als der Vortrag somit Zeit weggenommen.
Wenn ich jedoch eine schlechte Note erhalten werde, werde ich natürlich dazu etwas sagen, da ich mich auch rechtlich erkundigt habe.

Die Prüfer wissen es bereits, aber ich werde es speziell vor der Prüfung noch einmal ankündigen.
Von Wort zu Wort quäle ich mich nicht wirklich, aber es dauert in der Aufregung wesentlich länger als ein flüssiger Sprecher.

Gruß

2412

Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von 2412 » 17. September 2010 17:15

Kwindsen hat geschrieben: Wenn ich jedoch eine schlechte Note erhalten werde, werde ich natürlich dazu etwas sagen, da ich mich auch rechtlich erkundigt habe.
Dann ist es viel zu spät. Im Prüfungsrecht gilt der Grundsatz, dass gegebene Noten rückwirkend nicht geändert werden.

Du hättest es so machen müssen wie ich es oben beschrieben habe, das ist der vom Gesetzgeber vorgesehene Weg. Dann hättest du jetzt einen SCHRIFTLICHEN Bescheid in der Hand, der die Prüfungsmodifikationen offiziell bestätigt. Wer sich hingegen auf das Wohlwollen der Prüfer verlässt ("sie wissen ja bescheid..."), fällt nicht selten auf die Schnauze.

transit
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Beitrag von transit » 17. September 2010 20:49

Reicht denn in dem Fall ein "ärztliches Attest", also eine ärztl. Diagnose, oder muss die Bestätigung einer Behinderung in Form eines GdB (Grad der Behinderung) vorliegen ?

2412

Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von 2412 » 17. September 2010 22:13

Damit derjenige, an den sich ein Antrag auf Nachteilsausgleich richtet, kein Ermessen hat ("Ermessensreduzierung auf Null"), den Antrag abzulehnen, müssen folgende drei Kriterien gegeben sein:

1) Eben ein schriftlicher Antrag, der konkrete Prüfungsmodifikationen benennt

2) Eine Behinderung

3) Die Behinderung muss kausal zu Erschwernissen bei Leistungsabnahmen führen


Für den Nachweis einer Behinderung reicht ein (fach)ärztliches Attest (allerdings kein logopädisches Attest) völlig aus.

Es ist aber dennoch sinnvoll, sich als Stotterer einen GdB von 50 (steht jedem Betroffenen zu) ausstellen zu lassen. Beispielsweise spart man sich als Student dann die Studiengebühren. (Und nein, der Schwerbehindertenausweis hat keinerlei Nachteile, man muss ihn auch nicht beim Bewerbungsgespräch vorlegen und kann sogar eine Frage des Arbeitgebers danach legal verneinen, obwohl das Gegenteil der Fall ist ["Recht auf Lüge" im Arbeitsrecht]).

Marco.WS
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Re: Studium, Kolloquium

Beitrag von Marco.WS » 19. September 2010 21:24

Matthias Kremer hat geschrieben:die BVSS hat vor einigen Monaten ein Buch veröffentlicht, mit den Rechten stotternder Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf.
Dort steht sehr viel über Deine Problematik und Deine Rechte drin.
Du kannst das Buch in Köln bestellen: http://www.bvss.de/shop/csc_articles.ph ... =Neuheiten
Hallo Mathias,

ich finde es gut, dass die BVSS einen solchen Ratgeber zusammengestellt hat. Nach meiner Erfahrung ist es aber gar nicht unbedingt notwendig, immer so ausdrücklich auf seinen Rechten zu bestehen. Meistens genügt ein vertrauensvolles Gespräch, indem man ganz freundlich darauf hinweist, wo man sich Rücksichtnahme und Unterstützung wünscht. Dann sind viele Leute erstaunlich schnell bereit, einem diese Rücksichtnnahme ganz freiwillig zu geben, auch ohne dass man gleich mit dem Gesetz drohen muss, um es mal drastisch zu formulieren.

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