Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Antworten
Livia
neu
neu
Beiträge: 1
Registriert: 23. Juni 2011 00:38

Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Beitrag von Livia » 23. Juni 2011 00:55

Hallo Leute,
Ich habe gerade mein Abitur gemacht, überraschenderweise doch ganz gut.
Jetzt bewerbe ich mich bei verschiedenen Unis und bekomme Angst:
In der Schule hatte ich immer sehr mit dem Stottern zu kämpfen, z.B. bin ich nicht ins mündliche Abitur, obwohl das meinen Schnitt um ein Zehntel verbessert hätte.
Und jetzt in eine neue Stadt zu ziehen, neue Freunde finden und sich dabei so oft vorstellen zu müssen...
und die Aussicht auf die Seminare und damit verbundenen Referate verursacht bei mir ziemliche Panik.
Small Talk kann ich ja, nur meinen Namen zu sagen ist zur Zeit mal wieder schwierig :roll:
Ich hab schon eine Therapie bei der Kassler Stotter Therapie gemacht, die ja sehr gut ist, mir persönlich aber nicht geholfen hat ( ja,ja, fehlende Disziplin).
Natürlich freue ich mich auch auf das Neue, aber die Angst vernebelt alles.
Wie waren/sind eure Erfahrungen denn so? War es anfangs sehr schwer Kontakte zu knüpfen?
Wird bei der Benotung von Referaten Rücksicht auf das Stottern genommen?
Glaubt ihr es ist sinnvoll eine andere Therapie zu versuchen?

Livia

F.J.Neffe
kompetent
kompetent
Beiträge: 288
Registriert: 30. Mai 2007 12:40
PLZ: 84384
BVSS-Mitglied: nein
Kontaktdaten:

Die Chance, endlich LEBEN zu lernen

Beitrag von F.J.Neffe » 6. Juli 2011 10:52

Um die Probleme zu lösen: Schau doch mal etwas genauer hin!
In der Schule hast Du keineswegs mit dem Stottern gekämpft sondern mit Dir.
Du bekommst die Angst nicht sondern sie ist schon immer da und Du hältst sie mit Deiner Energie am Leben.
Nicht die Aussicht auf Referate verursacht Panik sondern ganz konkret Du.
Dermaßen ständig durch mich selbst geschwächt, könnte ich auch meinen Namen kaum sagen.
Lat. "dis-ciplina" kommt von "caput = Kopf" und "dis = auseinander". Wie soll die dauernde Schädelspalterei ein Problem lösen? Du betrügst Dich selbst, wenn Du aus Deiner konkreten Erfahrung sagst, dass so eine "Therapie" sehr gut ist.
Nicht die Angst: Du vernebelst also alles.
Warum fragst Du, ob Rücksicht auf das Stottern genommen wird? Warum fragst Du nicht endlich, ob Rücksicht auf Dich genommen wird? Warum nimmst Du keine Rücksicht auf Dich?
Griech. "therapeuein = pflegen, verehren". Du pflegst und verehrst ständig jeden beliebigen Schrott, nur Dich und Deine so feinen, sensiblen Persönlichkeits- und Sprechtalente nicht. Du schämst Dich für sie und für Dich. Du bist ihnen und Dir nie treu. Du verrätst sie und Dich bei jeder Gelegenheit. Ist es da so verwunderlich, dass es ihnen und Dir beschissen geht?
Was hast Du doch für wunderbare, Dich offenbar liebende Kräfte & Talente, dass sie Dir bei dieser Behandlung noch nicht längst davongelaufen / entschwunden sind!
Warum liebst Du diese, Deine wunderbaren, genialen, feinfühligen Kräfte & Talente nicht endlich auch?
Warum bekennst Du Dich nicht zu ihnen und ihrer Großartigkeit, zu ihrer Feinheit und Güte?
Warum dankst Du ihnen nicht endlich dafür, dass sie immer noch zu Dir stehen und immer noch bereit sind, alles für Dich zu tun?
Warum hörst Du nicht auf, sie wie Feinde zu behandeln, und warum bittest Du sie nicht endlich, Deine Freunde zu sein, und behandelst sie als Deine besten Freunde?
Du weißt und fühlst sehr genau, dass Du auch mit Deinen anderen Talenten - den Kräften von Geist und Seele - nicht gerade gut umgehst.
Jeder Mensch hat mindestens 5.000 Talente. Mit wievielen davon bist Du persönlich befreundet?
Erkennst Du, wie einsam Du Dich hältst?
Fühle einmal, wie sich das anfühlt: mit 5.000 Kräften & Talenten in die Uni oder einfach in die Stadt zu gehen, die aus einem heraus strahlen: "Wir gehen hier mit unserer besten Freundin aus!"
Um das zu erleben, musst Du bloß aufhören, Dich und Deine so sensiblen, hoch fähigen Talente weiter zu quälen.
Du musst Dich und sie nur endlich menschenwürdig behandeln: ihnen / Dir Deine Achtung und Anerkennung geben, Deine Bestätigung und Bestärkung, Dein Interesse an ihrer / Deiner guten Entwicklung und mehr desgleichen. Regelmäßig. Nicht nur der Körper hat Hunger und braucht regelmäßig Stärkung und Pflege, auch Deine Geistes- und Seelenkräfte!
Die Uni ist für Dich und Deine wunderbaren Kräfte & Talente die große Chance, endlich LEBEN zu lernen.
Nutze sie! Gib Deinem Genie die Chance, die es verdient hat!
Ich freue mich auf Euren Erfolg.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

paul.dest
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1163
Registriert: 3. Mai 2010 22:36
Kontaktdaten:

Re: Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Beitrag von paul.dest » 9. Juli 2011 01:14

Hallo Livia,

Herzlichen Glückwunsch "zum überraschenderweise doch ganz gut"en Abitur!

Wenn Dir eine bestimmte Therapie nicht (langfristig) geholfen hat, muss es nicht unbedingt an fehlender Disziplin liegen. Mir hat zum Beispiel das Kasseler Vorgehen - ich habe es selbständig geübt - auch nicht geholfen. Dafür aber durchaus andere Ansätze.

...

-----------------

Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 2. Dezember 2016 16:26, insgesamt 1-mal geändert.
http://stottern-verstehen.de

MarkusM
neu
neu
Beiträge: 2
Registriert: 18. August 2010 09:26

Re: Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Beitrag von MarkusM » 10. Juli 2011 23:02

Hey Livia,

mich würde interessieren, was du studieren möchtest.
Nun zur Sache: Ich kann dir sehr nachfühlen, denn ich hatte die gleichen Ängste. Das erste, was ich gelernt habe offensiv mit dem Stottern umzugehen.
Du wirst gerade an einer Universität auf coole Leute treffen, die das gar nicht als Problem sehen. Sprich mit Vertrauten darüber. Frag sie wie sie
es finden, wenn du stotterst.

Vor allem habe ja keine Angst vor dem Studium!!! Es gibt zwar nicht viele Stotterer auf der Welt aber relativ viele prominente Stotterer. Es ist denkbar,
dass ein Bezug zu einem höheren Intelligenzgrad und Stottern vorliegt.

paul.dest
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1163
Registriert: 3. Mai 2010 22:36
Kontaktdaten:

Re: Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Beitrag von paul.dest » 12. Juli 2011 00:55

MarkusM hat geschrieben:Es ist denkbar, dass ein Bezug zu einem höheren Intelligenzgrad und Stottern vorliegt.
Wenn's bloß so wäre, dann hätten wir hier alle hervorragende Referenzen. ;-)

Hallo MarkusM,

Ein Zusammenhang zwischen Stottern und dem IQ ist bisher nicht festgestellt worden. Obwohl vielfach untersucht. Wir, Stotterer sind also ziemlich normal. Hellere und dunklere Köpfe kommen unter uns nicht häufiger und nicht seltener als unter Nichtstotterern vor.

...

-----------------

Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 2. Dezember 2016 16:27, insgesamt 1-mal geändert.
http://stottern-verstehen.de

Benutzeravatar
Jaspis
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 945
Registriert: 27. August 2007 22:04
PLZ: 65xxx
Ort: Hessen
BVSS-Mitglied: ja

Re: Neuer Lebensabschnitt -> Angst vorm Studium

Beitrag von Jaspis » 12. Juli 2011 11:32

Hallo Livia,
Glückwunsch zum guten Abi! Das öffnet Dir viele Wege!

Mein Studium liegt schon 20 Jahre zurück und es war eine sehr wichtige Zeit für mich. Nicht nur, dass ich nun dank des Studiums in einem guten Job arbeiten kann, auch persönlich habe ich mich in der Zeit sehr entwickelt. Leider habe ich erst nach dem Studium Zugang zum Arbeiten an meinem Stottern gefunden, was ich im nachhinein sehr bedauere, denn ich hätte soviel Zeit und Übungsmöglichkeiten gehabt. Aber das ist nicht zu ändern und es ist nie zu spät.

Was ich Dir aber mit auf den Weg geben möchte, ist, dass es sich auf jeden Fall lohnt, auch mit Stottern ein Studium zu absolvieren. Und das man das auch kann. Bzw. lernen kann, es zu können. Und dass es von Vorteil ist, schon während des Studiums an seinem Stottern zu arbeiten, um danach für das Berufsleben fit zu sein. Denn die Herausforderungen werden im Berufsleben ja nicht kleiner. Klar ist es im Studium erst mal anstrengend, soviele neue Leute kennenzulernen und sich durch all die Seminare, Referaten und Praktika zu kämpfen. Aber davon kann man ja auch profitieren!

Du bist sicher nicht aus Disziplinmangel an der KST gescheitert! Der Ansatz der KST ist eher eindimensional, nicht sehr komplex, er setzt vorrangig auf Sprechtechnik. Und das allein reicht meist nicht. (Meine subjektive Meinung.) Ich selbst habe von einer Psychotherapie sehr profitiert, danach konnte ich auch an meinem Stottern erst arbeiten - mit mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstkontrolle und mehr Gelassenheit.

Viel Glück!!
Jaspis

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste