Umfrage: Schule und Stottern

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schlotte
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Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von schlotte » 21. Dezember 2011 12:50

Hallo,

ich studiere in Erfurt Förderpädagogik und besuche dort gerade ein Seminar zum Thema Sprachauffälligkeit. Ende Januar halte ich in diesem Seminar ein Referat, in dem es um die Frage geht, wie Schüler mit sprachlichen Auffälligkeiten am besten lernen können. Da ich mich mit diesem Thema nicht nur rein theoretisch auseinandersetzen möchte, interessiere ich mich sehr für eure Meinung und eure Erfahrungen. Ihr könnt selbst schließlich am besten einschätzen, was ihr von eurer Schule/ euren Lehrern braucht, um euch dort wohlzufühlen und gut lernen zu können.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir ein paar Antworten auf die untenstehenden Fragen gebt!

1. Wie alt seid ihr? Und wann seid ihr zur Schule gegangen bzw. geht ihr noch zur Schule?
2. Was für eine Schulform besucht ihr? (Geht ihr an eine Sprachheilschule?)
3. Was für Erfahrungen habt ihr an eurer Schule gemacht?
- Fühlt ihr euch durch Lehrer/Mitschüler mit euren sprachlichen Problemen angenommen?
- Nehmen Lehrer Rücksicht auf eure sprachlichen Schwierigkeiten? Z.B. bei mündlichen Leistungen
- Werdet ihr im Unterricht sprachlich gefördert? Oder außerhalb des Unterrichts/ nach der Schule?
4. Wie müsste ein Unterricht/ eine Schule aussehen, in der ihr euch wohl fühlt und gut lernen könnt?
- Wollt ihr lieber mit anderen Schülern, die ähnliche sprachliche Schwierigkeiten wie ihr haben, zusammenlernen, oder an einer "ganz normalen" Schule?
- Was wünscht ihr euch von Lehrern/ Mitschülern?
- Gehört Sprachförderung für euch überhaupt in den Unterricht?

Die Stichpunkte sind nur Anregungen. Ihr könnt die Fragen frei beantworten.
Vielen Dank für eure Mithilfe! Ich bin sehr gespannt auf die Antworten!

Liebe Grüße
Charlotte

numb
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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von numb » 21. Dezember 2011 16:07

also ich bin 14 und besuche die 8te klsse einer mittelschule. die lehrer nehmen schon rücksicht auf mich, aber ich muss mich halt mal am unterricht beteiligen. meistens geht es ja ohne viel stottern aber bei referaten, vorträgen usw dann richtig. dann gibt es in meiner klasse idioten, die mich auslachen und so. dass liegt wahrscheinlich daran dass sie trüber nicht viel wissen und es nicht verstehen. da schon zwei therapien von mir nach kurzer zeit gescheitert sind, hoffe ich dass die nächstes jahr mehr hilft, denn im berufsleben ist es ya besser wenn man flüssig spricht.
aber stottern ist dass hauptthema in meinem leben. es beeinflusst alles was ich tue. zb vor referaten oder vorträgen bin ich so aufgeregt und habe so viel angst, dass ich davor eine woche nicht schlafen kann. zudem würde ich mich gerne mehr trauen und mehr freunde haben ,weil es mir schwerfelt auf andere zuzugehen. irgendwie fühl ich mich minderwertig. ....

schlotte
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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von schlotte » 21. Dezember 2011 21:27

hallo, danke für deinen ehrlichen beitrag! warst du, bevor du an die mittelschule kamst an einer sprachheilschule? bzw.wäre das eine alternative für dich mit anderen schülern zusammen zu lernen, die ähnliche schwierigkeiten haben, wie du?
deine angst vor referaten, kann ich gut verstehen. fast jeder ist ja ohnehin vor einem referat sehr aufgeregt und wenn dann auch noch das stottern dazu kommt, ist das sicherlich eine sehr große belastung. aber trotzdem toll, dass du es machst. meinst du, es wäre hilfreich für dich, wenn dein stottern mal im unterricht thematisiert werden würde, damit deine mitschüler das besser verstehen können? oder wäre dir das eher unangenehm?
würde es dir leichter fallen, referate zu halten, wenn du keine angst haben müsstest, ausgelacht zu werden?
fändest du es gut, wenn deine lehrer auch im unterricht gezielt übungen zum freien sprechen machen würden, die du in der therapie erlernst? oder wäre es dir lieber, schule und therapie ganz voneinander zu trennen? bisher laufen die beiden sachen doch getrennt voneinander bei dir, oder?
es gibt ja auch verschiedene möglichkeiten, das referat-halten angenehmer zu gestalten. z.b. das du deinen vortrag zuhause mit der kamera aufnimmst und dann in der klasse der film gezeigt wird. oder dass du deinen lehrer bittest, nur vor einer kleinen gruppe zu reden... meinst du, solche sachen würden es dir leichter machen? und denkst du, deine lehrer wären offen für solche alternativen?

ganz schön viele fragen... sicher sind die auch gar nicht so einfach zu beantworten. aber ich würde mich sehr über eine rückmeldung freuen. und drücke dir die daumen, dass du lernst, mit deinem stottern umzugehen, damit es nicht mehr dein ganzes leben bestimmt!

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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von schlotte » 21. Dezember 2011 21:34

wenn jmd nich öffentlich an der umfrage teilnehmen will, könnt ihr mir auch gern ne pn schreiben. alle angaben werden selbstverständlich völlig anonym behandelt!

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Beitrag von Ernst-Martin » 25. Dezember 2011 08:05

Liebe Charlotte, Du „Freifrau“?
Schön, daß Du uns mal frägst, was wir dazu meinen!
Es wird natürlich jeder nicht die gleichen Erfahrungen gemacht haben.
1)
Wie alt seid ihr? Und wann seid ihr zur Schule gegangen bzw. geht ihr noch zur Schule?
Ich bin gerade 70 Jahre alt geworden und erinnere mich gerne an die Schulzeit; die Kameradschaft hat mir viel Spaß bereitet.
Es scheint, daß Sprachbehinderte ein überdurchschnittliches Langzeit-Gedächtnis haben – und Höhen und Tiefen nicht so leicht vergessen, ja manchmal sogar etwas nachtragend sind …


2) Was für eine Schulform besucht ihr? (Geht ihr an eine Sprachheilschule?)
Mittlere Reife mit div. Zusatz-Ausbildung

3) Was für Erfahrungen habt ihr an eurer Schule gemacht?
a) - Fühlt ihr euch durch Lehrer/Mitschüler mit euren sprachlichen Problemen angenommen?
b) - Nehmen Lehrer Rücksicht auf eure sprachlichen Schwierigkeiten? Z.B. bei mündlichen Leistungen
Ja, gleich in der 1. Stunde hat die Klasslehrerin (in meiner Abwesenheit) die Klasse aufgefordert, mich mit dem Vornamen anzureden und mir auch sonst helfen … mit dem Hinweis, mich immer ausreden zu lassen.
Ich habe mich immer gut vorbereitet und blieb sehr selten hängen. Falls ich mal hängen blieb, wiederholte ich einfach.
Mit einer gewissen Betonung ging alles gut.
Es war ja auch so, daß meine Mitschüler/innen bei Referaten selber zu kämpfen hatten – und so lachte keiner den anderen aus.
Ich hatte damals bereits den „blauen Gürtel“ und ich hätte es keinem geraten, mich auszulachen … außerdem hatte ich den § 185 ff StGB in der Hinterhand. Das gibt Selbstbewusstsein …!
Ich ersetzte keine Wörter durch andre; schwierig waren die Selbstlaute am Wortanfang.
Einmal ging es gar nicht mehr weiter – dann setzte ich mich einfach kommentarlos wieder in die Bank.
Kein Mensch kümmerte sich dann noch darum.
Bei der Benotung wurde die Sprachbehinderung nicht gewertet (ich lag fast immer auf einem Zweier – außer Musik …., auch English lag mir)
Es wurde mir freundlicherweise angeboten, auch meine Referate schriftlich einzureichen …. war aber nicht notwendig; außerdem hatte ich nur flüchtig hingeworfene Stichpunkte – und dann diese Mehrarbeit, denn woher eine Schreibmaschine nehmen?


- Werdet ihr im Unterricht sprachlich gefördert? Oder außerhalb des Unterrichts/ nach der Schule?
Nein – heute ist dies wahrscheinlich anders.
Ich habe auch keine Sprachschule mitgemacht.
Der Hals-Nasen-Ohrenarzt spielte mir einmal auf einem Tonbandgerät vor, welche Erfolge er bei einem anderen Stotterer erzielt hatte mit Szenen vorher … und nachher.
Er wollte offensichtlich mit mir ins Geschäft kommen (die Krankenkasse hätte nur einen Bruchteil bezahlt) …
Ich habe ja gestaunt, bei welchen Buchstaben der andere hängen blieb … und bekam glatt Minderwertigkeits-Gefühle aus Angst, daß dies bei mir auch einmal so kommen könnte.
Ich habe deshalb jede Therapie abgelehnt – um mir mein Selbstbewusstsein nicht zu verderben!
Ich bin zum 1. Mal mit ca. 60 Jahren einem Mann, der stotterte, gegenüber gestanden …. er war wirklich arm dran …
Es war in einem Selbsthilfe-Seminar des bvss. Gut finde ich diese zwanglosen Begegnungs-Wochenende mit Tanz .... man kann auftanken!


4) Wie müsste ein Unterricht/ eine Schule aussehen, in der ihr euch wohl fühlt und gut lernen könnt?
a)- Wollt ihr lieber mit anderen Schülern, die ähnliche sprachliche Schwierigkeiten wie ihr haben, zusammenlernen, oder an einer "ganz normalen" Schule?
Dies ist sicher Mentalitätssache.
Ich persönlich möchte lieber unter Normalos lernen.
In der Freizeit fühlte ich mich unter Behinderten wohler - es entfällt der Druck.


b) Was wünscht ihr euch von Lehrern/ Mitschülern?
c) Gehört Sprachförderung für euch überhaupt in den Unterricht?
Daß sich der Lehrer bei Beginn des Schuljahres die Zeit nimmt für ein persönliches Gespäch – auch der Herr Pfarrer (und gerade er als Vertrauens-Person!).
Dies sollte gesetzlich vorgeschrieben werden …
Falls es möglich ist, sollte ein Sprachunterricht mit einer ganzen Gruppe von „gleichwertigen“ Schülern/innen durchgeführt werden. Gleich und gleich gesellt sich gern!
Auch mit dem anderen Geschlecht; denn dann bauen sich keine Ängste auf … für die spätere Partnerwahl!

Begeistert waren wir von dem Angebot der Mathe-, Physik- und Englisch-Lehrerin, während der 2-stündigen Mittagspause zu ihnen ins Lehrerzimmer / Physikraum zu kommen, um 1 Stunde lang ein persönliches Gespräch zu führen! Dies diente zwar hauptsächlich um die mündlichen Noten zu verbessern - aber der persönliche Kontakt wirkte sich gut auf die "zwischen-menschlichen Beziehungen" aus. Die Lehrer kannten die Schüler auch privat bestens mit all ihren kleinen Sorgen.
Ziel der Schule war ja, der Wirtschaft die dringend benötigten Fachkräfte zuzuführen ... die einstellenden Firmen erkundigten sich immer bei der Schule.

Ich wurde später Soldat; heute kann sich die Bundeswehr ihre Freiwilligen heraussuchen und sie nehmen keine Sprachbehinderten mehr (nur noch Tauglichkeitsgrad 1 oder 2).
Ich habe mich auch nicht gescheut, notfalls beim Kaufmann einen Einkaufszettel abzugeben ...


5)
Stottern ist zum großen Teil erblich bedingt dem Du nicht entfliehen kannst – und es wird weiter vererbt!
Dies sollte bei der Familienplanung beachtet werden und im Religions-Unterricht als Erbkrankheit besprochen werden;
ich würde eine Witwe mit – sprachfehler-freien – Kindern heiraten.
Falls Stottern als Erbkrankheit gesetzlich anerkannt wird, könnte im Berufsleben die Quoten-Regelung zur Wirkung kommen – hoffen wir es!


Andere Erfahrungen sind herzlich willkommen …

Frohe Weihnachten!

§prost
Ernst-Martin,
der Lechgeist
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Peter Alexander

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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von mini87 » 27. Dezember 2011 00:15

1. Wie alt seid ihr? Und wann seid ihr zur Schule gegangen bzw. geht ihr noch zur Schule?
also ih bin jetzt 24
2. Was für eine Schulform besucht ihr? (Geht ihr an eine Sprachheilschule?)
zuletzt habe ich die Fachschule für Sozialpädagogik besucht. Nun bin ich staatlich geprüfte Erzieherin im BP. Vorher habe ich die Gesamtschule bis zur 10. Klasse besucht
Abschluss: Fachoberschulreife mit Qualifikation
3. Was für Erfahrungen habt ihr an eurer Schule gemacht?
- Fühlt ihr euch durch Lehrer/Mitschüler mit euren sprachlichen Problemen angenommen?

Also hierzu muss ich durchgängig sagen NEIN von vollkommener Ignoranz bis zu dem Spruch: "Sprich ordentlich oder lass es!" war alles dabei.
- Nehmen Lehrer Rücksicht auf eure sprachlichen Schwierigkeiten? Z.B. bei mündlichen Leistungen
Nein leider nicht. Habe oft genug schlechte Noten kassiert, da ich relativ stark gestottert habe (und es immernoch tue)
- Werdet ihr im Unterricht sprachlich gefördert? Oder außerhalb des Unterrichts/ nach der Schule?
Nein abgesehen von Ratschlägen "Sprich langsam, lass dir Zeit usw."
4. Wie müsste ein Unterricht/ eine Schule aussehen, in der ihr euch wohl fühlt und gut lernen könnt?
- Wollt ihr lieber mit anderen Schülern, die ähnliche sprachliche Schwierigkeiten wie ihr haben, zusammenlernen, oder an einer "ganz normalen" Schule?

Eine ganz normale Schule, mit wirksamen Nachteilsausgleich währe super!
- Was wünscht ihr euch von Lehrern/ Mitschülern?
Zeit zum ausreden, Akzeptanz
- Gehört Sprachförderung für euch überhaupt in den Unterricht?
In sachen Stottern, gehört für mich Sprachförderung nicht in den normalen Unterricht. Dieser ist bei teilweise 32 Schülern in der Klasse auch nicht möglich. Aus meiner Sicht ist das beste, den stotternden Schüler ausreden zu lassen und mit ihm zu besprechen, wie der Lehrer / die Mitschüler reagiern sollen!

Viele Grüße

schlotte
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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von schlotte » 28. Dezember 2011 18:09

vielen dank für eure beiträge! weitere erfahrungen sind sehr willkommen! ;)

schlotte
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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von schlotte » 28. Dezember 2011 18:12

an ernst-martin: bist du in der brd oder in der ddr zur schule gegangen?

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Re: Umfrage: Schule und Stottern

Beitrag von Ernst-Martin » 28. Dezember 2011 22:53

schlotte hat geschrieben:an ernst-martin: bist du in der brd oder in der ddr zur schule gegangen?
in Bayern! Die Schule war städtisch.
Ferner wurde die Schule von den großen Arbeitgebern der Region (z.B. MAN + Bundeswehr) beieinflußt; der Lehrstoff wurde in Wirklichkeit nach ihren Wünschen ausgerichtet, damit sie möglichst vielen jungen Leuten eine "Lehre" anbieten konnten.

Ernst-Martin,
:wink:
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