Uni-Vortrag

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Elfi
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Uni-Vortrag

Beitrag von Elfi » 11. Oktober 2012 22:01

Hallo liebe Leute,

zunächst mal was zu meiner Stotter-Geschichte: Im Prinzip fing das stottern bei mir im Kindergarten an, ich erinnere mich noch an meine Kindergärtnerin "Bri-bri-bri-brigitte" :wink:
Am Anfang der Schulzeit war es glaube ich weg, ich hatte zunächst viel Spaß am lesen und schreiben lernen... überall ne 2, außer in lesen ne 1, dass hab ich immer gesagt :) Ab der vierten Klasse trat es dann wieder auf,
und meine Lehrerin hatte nicht den Deut einer Ahnung, was überhaupt los war. Das Silbenwiederholen aus dem Kindergarten hatte sich zu Blocks verwandelt und meist kam erst ein langen "ääähm" wenn ich mich gemeldet habe.
Daraufhin äffte sie mich ständig nach und schnauzte: Erst denken und dann melden!!! Ich vermute diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Die Zeit auf dem Gymnasium war dann sehr unschön...ich nehme an ihr wisst alle wovon ich rede :? Immer knappe 4en in mündlichen Fächern, höllische Angst vor dem Vorlesen, keine Hausaufgaben machen damit man nix vorlesen muss, eben das ganze Programm. Besonders schlimm finde ich Rückblickend die Unfähigkeit der Lehrer, die anscheinend keine Sekunde darauf gekommen sind, dass ich ein Problem haben könnte, denn meine schriftlichen Noten waren immer gut. Nach der 10 bin ich runter von der Schule, denn ich habe professionell Ballett getanzt und es begann mein Hauptstudium an einer Akademie... ich verletzte mich und stand vor der Frage was tun. Ich entschied mich für das Fernabitur, denn mich wieder den Lehrern aussetzen, ungerecht benotet werden und die Angst wollte ich auf keinen Fall zurück. Ich hatte dort auch 4 mündliche Prüfungen, davor hatte ich ziemlich Angst...ich dachte mir aber: es sind 3 fremde, erwachsene menschen, die ich nie wieder sehe...einmal Zähne zusammenbeißen und fertig. Ich habe vorher einfach gesagt das ich ein Sprachproblem habe, das war kein Problem..ich stotterte dann aber auch wirklich sehr stark.

So, nun bin ich 22, studiere ich im 3. Semester Bauingenieurwesen und dieses beinhaltet ein Projekt, bei dem ich ein Tragwerk entwerfen muss. Im November ist ein Zwischenkolloquium und im Februar ein Endkolloquium. Und ich muss sagen, ich mache mir jetzt schon unglaublich in die Hose :( Die Kolloquien werden vor allen Komillitonen und etlichen Professoren gehalten, in feierlicher Atmosphäre in einem Glaspavillon. Ich kenne die meisten der Komillitonen nicht wirklich und außer meine Freunde werden mich alle zum ersten mal sprechen hören. Ich fühle mich total wie früher in der Schule, das Gefühl wenn man vorne steht und man KANN einfach jedes 3. Wort nich rausbringen ist wieder total präsent. Das Ding ist auch, dass ich im Alltag nur ganz wenig hängen bleibe, ich umgehe meistens die gefährlichen Wörter oder stelle meinen Satz um...ich weiß, dass soll man nicht, aber ich mach das Ewigkeiten so :? Aber deshalb versteht es auch keiner wenn ich sage: "Ich kann nicht sprechen wenn ich vor leuten stehe,..." Ich will einfach nich, dass ich hinterher die bin, die beim Projekt nich reden konnte ... Die Theorie, dass man sich gut vorbereiten soll, ruhig bleiben etc... das is mir alles klar, aber aus meiner Schulzeit weiß ich halt das es entweder geht, oder nicht, egal wie ich mich vorher fühle :roll:

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tips, was ich machen könnte? Vielen Dank fürs Roman lesen :D ich brauch grad irgendwie seelischen Beistand :(
Lieben Gruß

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Jaspis
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Jaspis » 11. Oktober 2012 22:16

Hallo Elfi,
willkommen hier im Forum!
Ich hätte ein paar praktische Ratschläge (bin Elektroingenieurin):
- bereite den Vortrag inhaltlich so ausführlich vor wie es geht. Das machen auch Profis! Spontan sprechen kann man bei kleinen, unwichtigen Vorträgen, aber große darf man inhaltlich genau vorbereiten.
- nimm den Vortrag mehrmals auf und überlege, an welchen Stellen Du den Vortrag inhaltlich und grammatikalisch noch besser formulieren kannst - so daß er Dir selbst gut gefällt.
- denke beim Sprechen&Aufnehmen des Vortrages nicht an das Publikum, sondern nur daran, wie er noch besser klingt, von den Formulierungen und den Betonungen her. Der Vortrag muß Dir so richtig gut gefallen!

Mein letzter Vortrag vor so großer Runde (100 Zuhörer) ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich konnte mit der o.g. Vorbereitung den Vortrag zu meiner Zufriedenheit vortragen. Ich habe zwar nicht viel vom Publikum mitbekommen, weil ich so in meiner "Übung" drin steckte, wie in Trance, aber das war für mich OK - alles geht eben nicht. :wink:

Wird der Vortrag mit Mikrophon gehalten? Hast Du Dich schon mal mit Mikrophon in einem Saal sprechen hören? Wenn man seine Stimme so laut im Saal hört, motiviert das viele, hab keine Angst davor!

Viel Glück! Und - ganz wichtig - viel Spaß!
Jaspis

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Elfi » 11. Oktober 2012 22:32

Hallo Jaspis!

Nein ich denke da wird kein Mikrofon sein... aber das mit dem Aufnehmen werde ich mir schonmal merken :) Ich fürchte nur, wenn ich mir Fotos von vergangenen projektkolloquien anschaue (da macht auch noch einer Fotos >.<) das die Professoren auch Fragen stellen ^^ Und dann muss ich spontan was sagen und kann wohl auch keine Wörter tauschen :shock: Ich hoffe auch dass ich überhaupt soviel Zeit haben werden mich vorzubereiten, weil man wird wohl meist erst sehr kurz vorher fertig, schlimmstenfalls muss man wohl nachtschichten einlegen >.<

Das mit der Trance kenn ich :D das is dann meistens gut... das hatte ich in meiner Spanisch Prüfung, als ich da n Gedicht vorlesen sollte ^^ das hab ich komplett flüssig gelesen, weil ich totaaaal betont und übertrieben geredet hab :mrgreen: aber das geht halt leider nur bei nem Gedicht.... ich finde das eh sehr merkwürdig, wenn ich meine Stimme verstelle, oder quasi etwas "spiele" dann hab ich überhaupt keine Probleme. Stottern ist wirklich schon ein Phänomen...

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von IgorOnline » 21. Oktober 2012 19:32

Hallo Elfi & Jaspis,

hab mich grad erst hier angemeldet und bin gleich auf den Thread gestoßen ;-) ... Ich kann vielleicht jetzt nix Produktives beitragen, aber ich hatte vor kurzem ein ähnliches Problem nur wäre mein Vortrag nicht vor so vielen Leuten gewesen.

Ich studiere Wirtschaftsingeneurwesen und hatte vor kurzem ein Kommunikationsseminar. War schon recht cool, das einzigste Problem was ich hatte war das wir ca. 15 Minuten Zeit hatten um einen Vortrag in Gruppenarbeit vorzubereiten. Bis hierhin alles kein Problem. Ich hatte dann aber übelst Panik vorm eigentlichen Vortrag. Muss dazu sagen, dass ich mich davor drücken konnte, wobei es ja eine gute Übung gewesen wäre, aber ich war dann so unendlich erleichtert, als das Seminar endlich vorbei gewesen ist. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

Aber das hilft mir ja auch nicht ewig, irgendwann muss ich mich ja auch damit auseinandersetzen. Ich muss auch sagen, dass ich seit über einem Jahr schon eine Therapie mache und so im Alltag klappt das auch schon ganz gut, bin auch deutlich entspannter als früher, aber bei einigen sachen habe ich immer noch erhebliche Probleme.

Es ist gut zu wissen, dass ich nicht der einzigste bin mit solchen Problemen bzw. besser ist es ja wenn man es als Herausforderung betrachtet ;-) ...

Auch wenn ich jetzt nicht wirklich helfen konnte, wünsch ich dir viel Erfolg bei deinem Vortrag Elfi.

Gruß IgorOnline
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Elfi » 22. Oktober 2012 16:11

Hi Igor!

Doch, also mir hilft es schon mich mit anderen auszutauschen, denen es genauso geht :) Das mir hier keiner die Last abnehmen kann is ja kla...
Also bei mir ist letzte Woche folgendes vorgefallen: Es hieß wir hätten eine Besprechung des 1. Arbeitsschrittes in Gruppen, aber dann war es schon eine richtige präsentation vor ca 50 Leuten incl. 3 Lehrbeauftragte :shock: Ich war davon total überrumpelt und hab total Panik bekommen, hätte mich am liebsten als Erste gemeldet damit ich mich nich reinsteiger und total dicht mache. Aber es ging nach der Liste, wir waren auf Platz 11 und das ganze hat 2,5h gedauert bis ich dran gewesen wäre. Dazu wurden die Leute alle recht harsch kritisiert und die Stimmung war sehr angespannt...mein Körper hat den Gedanken gar nich verkraftet da gleich auch zu stehen...aber ich wollte unbedingt, weil irgendwann muss ich ja eh. Mir is aber so schlecht geworden das ich raus gehen musste kurz bevor ich dran gewesen wäre. Ich hätte auch vor lauter Anspannung eh nichts rausbekommen :( Habe jetzt morgen einen Termin beim Logopäden, wird wohl Therapie Nr 3 -.- nur fürs Vortragen -.-
Aber naja, was muss das muss...

Ich habe mich danach auch an meinen Projektbetreuer gewandt. Hatte total Schiss, weil der immer sehr streng ist. AAAber, er war sehr verständnissvoll und nett. Obwohl er mein Problem nich verstanden hat, weil ich mit ihm völlig flüssig und recht gewählt gesprochen hab :roll: Als ich dann aber erwähnte das ich schon 2 Sprechtherapien hinter mir hab um so reden zu können hat er eher verstanden und hat sogar gesagt das ich notfalls (!!) auch etwas schriftliches Abgeben kann und das bei mir als Ingenieur das präsentieren eh nich so wichtig ist. Er wird es auch nicht in meine Endnote mit einrechnen. Das erleichtert mich schonmal sehr... :)
Wie alt bist du wenn ich fragen darf?

LG Elfi

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von IgorOnline » 22. Oktober 2012 21:28

Hi Elfi,

das ist ja cool. Wenn ich das nächste mal einen Vortrag halten muss, werde ich auch vorher mit meinem Prof. reden. Ich muss sagen, wenn ich mich in Seminaren melde um was zu sagen klappt das mittlerweile recht gut. Nur in Marketing ist es dieses Semester so, das wir in der Vorlesung Themen bekommen, die wir in kleinen Gruppen meist zu 3. ausarbeiten und am Ende der Vorlesung muss dann einer aus der Gruppe vor und die Gedanken der Gruppe vortragen.
Bis jetzt brauchte ich noch nicht vor, aber das wird auch noch kommen ... da hab ich auch schon ein bisschen Panik vor.

Nur wenn ich da zu meinem Prof. gehe und ihm das Sage, dann muss ich auch meinen Komillitonen das dann sagen, davor hab ich auch noch en bissal bammel. Wobei eigentlich ist es ja blöd, weil man hört es ja bzw. nehm ich das immer noch wahr und denke das die anderen es ja auch hören. Bis jetzt hat mich zumindest auch niemand drauf angesprochen, dass ich stottere.

Ich bin jetzt 26 ... hab vorher schon ne ausbildung gemacht und gearbeitet ... und wollte es viele Jahr nicht wahr haben, dass ich Stottere :-D ... hab früher zwar weniger gestottert, dafür haben mich die Leute auch nicht verstanden, weil ich einfach viel zu schnell gesprochen habe :-D ...

So ein halbes Jahr bevor ich wusste das ich studieren wollte, hatte ich mich dann endlich dazu entschlossen was zu ändern :-)

Wäre dann jetzt eigentlich schon im 4 Semster, hatte aber die Hochschule gewechselt und bin dadurch jetzt im 2ten :-) ...

Wenn du sagst, dass du dich mit deinem Prof. bzw. Projektbetreuer flüssig unterhalten konntest, ist dass dann bei dir so, dass du dich mit Freunden genauso unterhalten kannst? Bei mir ist es oft Situations abhängig ...

Gruß

Igor
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Elfi » 22. Oktober 2012 22:21

Also ich würde wirklich offensiv damit umgehen... ich habe mein Abi per Fernkurs gemacht, d.h. ich hatte 4 mündliche prüfungen mit Prüfern, die ich nicht kannte...und sie mich halt auch nicht. Habe da auch einfach vorher kurz gesagt dass ich stottere und dann war das geklärt. Ich finde das Gefühl einfach besser, wenn die Leute wissen was los ist und nich denken " :shock: was hat die denn......??" oder so. Dann können deine Komillitonen auch kaum noch lachen, weil du hast das ja ganz sachlich geklärt :D Aber deine Panik kann ich sehr gut verstehen, es is ja doch immer nur alles leicht daher gesagt. Mir gehts ja genauso...

Bei mir is das auch situations- und tagesformabhängig. Aber im Alltag würde mich niemand als echten Stotterer "entlarven", außer andere Stotterer... wir sind da ja sensibler ;) Ich achte auf meine Atmung und darauf, dass ich betont und eher leise rede. Im Notfall stell ich den Satz um :oops: ... Das klappt recht gut. Daher is das für mich sone Art Coming out wenn ich was präsentieren muss bald :( weil da klappt das mit dem Atmen etc nich mehr.. Obwohl es jetzt die wichtigen Leute wissen, gehört haben sie es ja noch nicht ... -.-

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von IgorOnline » 22. Oktober 2012 22:41

Ja Satz umstellen und wörter austauschen kenne ich :-D ... aber ich versuche schon immer das so zu sagen, ohne das ich was umstelle ... ist zwar manchmal schwierig, aber ich habe gemerkt, wenn ich immer andere Wörter Suche bzw. den Satz umstelle oder sonst eine Strategie gegen das stottern benutze, dann brauche ich so viel mehr an Energie fürs sprechen.

Ich muss auch sagen, dass ich zumindest das Gefühl habe, seit dem ich das nicht mache, dass ich mich besser konzentrieren kann und mir auch sachen im Studium dadurch leichter fallen. Also es kann auch meine Einbildung sein ;-) ... aber ich habe schon das Geühl das es so ist :-) ...

Das Stottern direkt anzusprechen fällt mir auch immer noch recht schwer. Mittlerweile bin ich zwar schon so weit, dass ich das Stottern auch zulassen kann zumindest in vielen Situationen ;-) ... Wenn das überall so wäre, dann wäre ich gleich nochmal erleichteter ;-) ... §dup

Studierst du eigentlich an einer Uni oder Fachhochschule?
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von paul.dest » 22. Oktober 2012 23:23

Wenn es in diesem Forum einen Like-Button gäbe, hätte jeden einzelnen Beitrag dieses Threads geliket. Am liebsten mehrfach.

Ein großartiges Beispiel für gegenseitige, konstruktive Selbsthilfe! §dup

Viele Grüße,
Paul
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Jaspis » 28. Oktober 2012 09:35

Hallo Elfi!
Elfi hat geschrieben:... aber dann war es schon eine richtige präsentation vor ca 50 Leuten incl. 3 Lehrbeauftragte :shock: Ich war davon total überrumpelt und hab total Panik bekommen, hätte mich am liebsten als Erste gemeldet damit ich mich nich reinsteiger und total dicht mache. Aber es ging nach der Liste, wir waren auf Platz 11 und das ganze hat 2,5h gedauert bis ich dran gewesen wäre. Dazu wurden die Leute alle recht harsch kritisiert und die Stimmung war sehr angespannt...
Schon vom Lesen überträgt sich die Anspannung, da ist es kein Wunder (und kein Beinbruch), dass Du aufgegeben hast! :wink:
Wenn man selbst nicht so aufgeregt und damit "zu" wäre, würde man sicher gut beobachten können, dass auch viele andere unter solchen Umständen angespannt sind und Angst vorm Präsentieren haben. Das hilft uns zwar nicht unmittelbar, aber um die Situation (auch hinterher) einschätzen zu lernen schon. Mir hat es geholfen, solche Situation in gewisser Weise "anzunehmen", also zuzugeben und sich zugestehen: "Das ist jetzt hier eine sehr große Herausforderung und es ist völlig normal, dass ich so aufgeregt bin." Der nächste Schritt ist dann sich genau zu überlegen, was man für sich in solchen Situationen tun kann. Denn irgendwie muß man ja in der Situation bestehen.

So, wie es bei Euch laufen wird, Vorträge mit kurzer Vorbereitungszeit, langer Wartezeit bis man dran ist, so großes Publikum, kristisches Feedback -- da kannst Du Dir nur ein realistisches Ziel setzen: Durchkommen! Mit klarem Inhalt und wenig Stottern. Aber es wird nicht ohne Stottern gehen und es wird die Anspannung zu groß sein für einen brillanten Vortrag. Der "perfekte" Vortrag kommt dann eben später, in einer anderen Runde, unter anderen Umständen - vielleicht zu Deinem Abschluß? :wink:
Elfi hat geschrieben:... und das bei mir als Ingenieur das präsentieren eh nich so wichtig ist.
Nun, so ganz stimmt das leider nicht. :wink:
Das hängt vom späteren Job ab und das kann sich auch schnell mal ändern. In unserer Firma z.B. gab es, wie oben schon erwähnt, einmal im Jahr ein Kundenforum, und jeder Ingenieur mußte einen Vortrag halten. Die Idee war "einfach", dass die Kunden die Ingenieure als ihre Ansprechpartner besser kennenlernen. Und gegen diese Idee ist ja auch nichts einzuwenden. Dass aber dann der Vortrag vor 100 Leuten gehalten werden mußte und ich im ganzen Saal die einzige Frau war, die auch noch stottert -- hat die Relationen für mich ganz schnell und ganz wesentlich verändert. Ich hatte mich damals intensiv darauf vorbereitet, weil ich das als einzigen Weg für mich sah (und der war richtig). Meine Kollegen haben mich belächelt, aber ich habe ihnen gesagt, entweder ich bereite mich so vor oder ich schmeiße ihnen ihre schöne Veranstaltung. Es hatte geklappt, und die "Rechnung" war für mich aufgegangen, ich hatte mich mit/trotz Stottern durchgesetzt (das war meine persönliche Rechnung) und ich hatte mich als Frau in diesem Gremium durchgesetzt (das war die andere, auch sehr wichtige Rechnung). Aber - wenn mich jemand heute fragen würde, würdes Du wieder so einen Vortrag halten, hat doch gut geklappt damals - wäre meine erste Antwort: NEIN! :)
So ist das mit dem Stottern - man kann lernen damit umzugehen, aber es wird immer eine gewisse Extraportion Energie kosten, und mit seiner Energie sollte man achtsam umgehen. D.h. nicht sich schonen, aber auch sich nicht zu überfordern.

Also, Elfi, steh diesen Vortrag irgendwie durch, sammle Erfahrungen, aber überfordere Dich nicht! Beobachte mal all die anderen, wie sie auch aufgeregt auf ihren Stühlen rumrutschen und auch nicht entspannt vor 50 Leuten spontan Vorträge halten können, das kann nämlcih kaum jemand! Das hilft nur ein bisschen, aber vielleicht entdeckst Du in Deiner eigenen Vortragsweise dann auch positive Dinge, die Deinen Vortrag für andere interessant machen. Denn mal ehrlich, es ist doch auch langweilig, sich stundenlang die Vorträge der anderen anhören zu müssen, oder? :wink: Mein eigener Anspruch ist dann immer, einen guten Beitrag zur Veranstaltung abzuliefern, das hilft mir, mein Stottern nicht allzu in den Vordergrund zu stellen.

Dass und wie Du mit dem Prof./Lehrbeauftragten gesprochen hast, ist sehr gut! §dup Das hätte ich mich in dem Alter noch nicht getraut, und das zeigt, wie mutig Du schon bist - und das wird Dir weiterhelfen!

Viele Grüße,
Jaspis

Eberhard
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Eberhard » 29. Oktober 2012 12:01

Von mir gelöscht.
Zuletzt geändert von Eberhard am 30. Oktober 2012 07:26, insgesamt 2-mal geändert.
Nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem einer durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es für seine wahre Natur hält.

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von paul.dest » 29. Oktober 2012 15:29

Eberhard hat geschrieben:Dieser Thread zeigt wieder einmal wie viele andere, dass es unter den Stotternden einen ungewöhnlich großen Anteil von Menschen mit einer intellektuellen Begabung gibt. Intellektuelle sind nicht Menschen, welche die FAZ lesen.
Das ist jetzt aber eine ausgefallene Behauptung! Besonders der zweite Satz.
Eberhard hat geschrieben:Ortega y Gasset vergleicht die Situation eines Intellektuellen drastisch mit der eines Metzgers, der die Eingeweide eines von ihm gerade zerlegten Tieres in den Händen hat und vergleicht den Versuch eines Nicht-Intellektuellen, eine Idee zu entwickeln, mit dem Versuch eines Affen, einen Faden durch ein Nadelöhr zu ziehen.
Keine Ahnung, was Ortega y Gasset diesbezüglich geschrieben hat, aber das hier ist echt schräg und makaber. Wahrscheinlich, weil bald Halloween ist. Scheint sich zur Regel zu entwickeln, dass um Halloween herum gespenstisch-makabere Inhalte in diesem Forum auftauchen. :mrgreen:
Eberhard hat geschrieben:Ich erwähne das hier, um den in diesem Thread versammelten Ingenieuren ein besseres Gefühl für ihre eigene Situation zu vermitteln. Ihr solltet euch dessen bewusst werden, was euch ausmacht.
Wie ich das liebe, wenn Eberhard anderen Menschen mit seiner hyperintellektuellen Art ihre Situation klar zu machen versucht!

Es lebe Halloween! Boo! :G

Viele Grüße,
Paul
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Sascha
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Sascha » 29. Oktober 2012 15:47

Hallo an alle,

mein Name ist Sascha, ich bin 24 Jahre alt, Student der Wirtschaftswissenschaften an einer Universität und neu in diesem Forum.
Vorab möchte ich gerne loswerden, dass ich sehr froh bin hier Menschen "zu treffen", die ganz genau die selben Probleme haben wie ich.
Das ich meinen Namen und meinen Studiengang in diesem Forum schreiben kann und nicht sagen muss, ist schon eine enorme Erleichterung, denn genau diese beiden Dinge, als Sascha und Wirtschaftswissenschaften bereiten mir enorme Probleme, wie viele Wörter und Sätze im Alltag.
Ich stottere seit dem Kindergarten. Mal mehr, mal weniger, habe aber immer die Angst etwas zu sagen.

Wie oben gesagt, studiere ich zurzeit im dritten Semester Wirtschaftswissenschaften und fahre fast jeden Tag mit einem unsicheren Gefühl zur Uni.
Wie fast jedem von euch bereiten mir insbesondere das Sprechen und Lesen vor anderen Kommilitonen sehr große Probleme. Ich stehe vor ihnen und bekomme den fertigen Satz nicht raus, weil er mir sprichwörtlich "im Hals stecken bleibt". Was ich auch ausprobiere, bislang ohne großen Erfolg.
Als ich letzte Woche erfahren habe, dass man in diesem Semester für ein Tutorium (=Übungsgruppe zusammen mit ca. 40 anderen Studenten) einmal einen Vortrag halten muss, in dem man ein ausgearbeitetes Ergebnis präsentieren soll, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht dort nicht hinzugehen und mir den Stoff zuhause selbst zu vermitteln, nur um diesen Vortrag nicht halten zu müssen. Selbst wenn ich mein Ergebnis nur vorlesen müsste, wäre das die reinste Qual, denn beim Lesen vor anderen stottere ich so akut, dass ich nach kurzer Zeit aufhöre zu lesen. :?

In der Einführungsveranstaltung zu Beginn meines Studiums hat uns der Professor darauf aufmerksam gemacht, dass im Laufe des Studiums JEDER!!! :o Student mindestens einmal dort unten am Rednerpult stehen und vor 350 Menschen vortragen/sprechen wird! Jeder der in diesem Forum ist wird genau wissen, was einem in diesem Moment durch den Kopf geht.

Weiß jemand von euch, ob es Versammlungen von Stotterern gibt, in denen genau solche Dinge geübt werden und vor allem, wo man sie finden kann?
In denen man lernen kann vor großen Gruppen zu sprechen, um seine Panik in den Griff zu bekommen.

Falls es das gibt, wäre ich sehr dankbar, wenn es jemand nennen könnte.

Dankeschön :D

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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von IgorOnline » 29. Oktober 2012 16:20

Hallo Sascha,

das mit Wirtschaftingeneurwesen kenn ich auch :-( ... manchmal kann ich, wenn mich Leute fragen was ich denn studiere das Wort einfach ganz normal sagen und an anderen Tagen bekomm ich es einfach nicht raus. Bei meinem Namen habe ich nur schwierigkeiten, wenn ich vorher schon ziemlich nervös bin.

Ich war vor kurzem in einem Cafe und musste 15,20 € zahlen und wollte sagen das Sie auf 16 € aufrunden soll. Ich habe absolut nicht sechzehn sagen können, dass mir dann schon ziemlich unangenehm.

Jetzt zu deiner Frage.
Ich musste an meiner alten Hochschule einen Vortrag in Informatik vor ca. 30 Leuten halten. Das hatte ich dann vorher mit meiner Logopädin geprobt, zwar nur unter vier Augen, aber es hat mir geholfen. Ich war dann nicht mehr ganz so nervös.

In zwei Wochen gehe ich jetzt das erste Mal zu einer Stotterer Selbsthilfegruppe, vielleicht kann man vor so einer Gruppe auch schon mal seinen Vortrag proben und bekommt dann gleich von den Leuten noch tipps und Verbesserungsvorschläge.

An meiner alten Hochschule war ich immer extrem unsicher, wenn ich da hingefahren bin. Mir hat meine Logopädin extrem geholfen, wir haben halt auch über sowas gesprochen und sind dann einzelene Situationen durch gegangen.
Heute bin ich zwar immer noch etwas unsicher, aber die meiste zeit geht es jetzt, bin auf jedenfall deutlich entspannter als früher.

Hoffe konnte dir etwas weiterhelfen ;-) ...

Gruß Igor
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Re: Uni-Vortrag

Beitrag von Sascha » 29. Oktober 2012 16:44

Hey Igor,

erst einmal danke für deine rasche Antwort. :)
Ich muss sagen, du sprichst mir aus der Seele.
Vorgestern Abend wollte ich ebenfalls in einer Bar bezahlen und Trinkgeld geben. Bei ca. 11,20 Euro wollte ich ihr zwölf Euro geben, aber ich hatte bei zwölf einen so krassen Hänger, dass es mit dem Trinkgeld am Ende nicht geklappt hat, weil ich dann unfreiwillig gar nichts mehr gesagt habe. Ich finde sehr erstaunlich, wie sich so etwas ähnelt.
Ich besuche seit etwas mehr als einem Jahr ebenfalls regelmäßig eine Logopädin und die Zusammenarbeit hilft mir sehr.
Wir haben schon einiges über mein Sprachverhalten erforschen können und einige Konfrontationsmaßnahmen versucht. So habe ich beispielsweise letztes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt fremden Menschen spontan die Weihnachtsgeschichte vorgelesen (mit anschließendem Feedback) und in der Mitte des Platzes laut ein Gedicht vorgetragen.
Die Erkenntnis daraus war, dass es die Leute eigentlich gar nicht interessiert bzw. stört, dass man stottert, aber man sich dennoch selbst so unter Druck setzt, weil es möglichst nicht auffallen soll, dass es blockiert.
Ich denke auch über den Besuch einer Selbsthilfegruppe nach und denke, dass ich dies sehr bald auch machen werde. §dup

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