Abitur und Stottern

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
Gast

Colloquium (Abitur)

Beitrag von Gast » 2. März 2002 16:24

Ich selbst bin Stotterer und gehe in die 11. Klasse Gymnasium. Wie ist das mit dem verpflichtenden Colloquium im abitur? gibt es da irgendwelche "Regeln" für Stotterer? (in Bayern) Oder hat irgendjemand (Stotterer) hier schon sein Colloquium gehalten und welche positiven/negativen Erfahrungen hat er dabei gemacht? Ich freue mich über Antworten!!

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Beitrag von BVSS » 6. März 2002 10:27

Grundsätzlich gilt: Stottern ist eine Sprechbehinderung (übrigens auch im Sinne des Schwerbehindertengesetztes). Und Schüler mit Behinderungen haben das Recht auf einen so genannten Nachteilsausgleich, auch wenn das Stottern im Einzelfall nicht formal als Schwerbehinderung anerkannt ist.
<BR>
<BR>Der Nachteilsausgleich ist in den Bundesländern unterschiedlich klar geregelt. (Einen Überblick gibt es auf der <!-- BBCode auto-link start --><a href="http://www.stottern-und-schule.de" target="_blank">www.stottern-und-schule.de</a><!-- BBCode auto-link end -->) In Bayern z.B. gibt es keine Regelung auf Erlassebene, es liegt uns aber ein Schreiben des Kultusministers vor, in dem es heißt: \"Bei mündlichen und schriftlichen Leistungsanforderungen...sowie bei Abschlussprüfungen darf den Betroffenen kein Nachteil auf Grund einer sprachlichen Beeinträchtigung oder Behinderung entstehen. Erforderlichenfalls ist ein Ausgleich zu schaffen.\"
<BR>
<BR>Beispiele für solch einen Ausgleich sind schriftliche Ersatzleistungen oder Zeitzugaben. Wie das nun in Deinem Fall und bei einem Colloquium sein könnte, müsstest Du mit der Schule abklären. Wichtig ist, dass Du weißt, dass Du ein Recht auf solch einen Nachteilsausgleich hast. Wichtig ist natürlich auch klar zu machen, dass es nicht darum geht, weniger Leistung zu zeigen, sondern Leistung auf eine angemessene Art zu erbringen.
<BR>
<BR>Wenn Du weitere Fragen hast oder Unterlagen benötigst, melde Dich bei uns: Tel. 0221/13911-06 oder -07.
<BR>
<BR>Konrad Schäfers
<BR>Bundesvereinigung
<BR>Stotterer-Selbsthilfe e.V.

Korinna

Beitrag von Korinna » 9. April 2002 14:36

Hallo, ich hab mein Abi 1996 in Sachsen gemacht. Nachdem ich mit meinen Lehren gesprochen habe, war mein Stress nicht mehr ganz so gross. Sie waren alle sehr geduldig und haben sich ganz spitzenmässig verhalten. (Ich hab sogar 15 Punkte bekommen)Von Nachteilsausgleich wußte ich damals noch nichts. Rede einfach mal mit den deinen!!
Ich drück dir die Daumen (und nicht nur fürs mündliche!), Korinna

Gast

Beitrag von Gast » 17. Dezember 2002 19:53

Hi, ich geh auch in die 11. Klasse und mach mir langsam auch darüber gedanken.
Geh auch in Bayern in die Schule, vielleicht hast du ja mal Lust mir ne Mail zu schicken:
butter.cup.rebel@coffeerooms.com

Freu mich, falls du schreibst! ;-)

Olaf

Beitrag von Olaf » 4. März 2003 21:39

Hi,
ich gehe auch in die 12. Klasse (allerdings in Baden-Württemberg, wir müssen aber auch so was wie ein Colloquium machen). Ich bin Anfang der 12. zu meinem Schulleiter hin und hab mit dem geredet, der hat dann meinen Lehrern einen Brief geschrieben, dass sie die mündlichen Noten anders bewerten müssen. Wegen dem mündlichen Abitur wollte er sich drum kümmern. Meistens bekommt man aber einfach mehr Zeit, oder andere Hilfsmittel (z.B. Computer & Beamer). Geh am besten auch mal zu deinem Rektor hin (geh am besten selbst hin, und lass nicht deine Eltern hingehen, sonst wirkt das immer so, als wollten die dich beschützen...).
Oder wende dich selbst mal ans Kultusministerium. (bzw. schau mal auf deren WWW-Seiten)
Wir müssen jetzt (seit der neuen Bildungsreform) jedes Halbjahr eine "besondere Lernleistung" halten, das ist dann sowas wie ein Referat vor der Klasse mit 2-3 anderen Lehrern hintendrin. Das ging eigentlich ganz gut.
Wie ist das sonst so bei dir in der Schule? (mündliche Noten und so...)

kannst mir auch mal schreiben, wenn du willst: olafs@web.de, ICQ: 97022018

Olaf

Niklas

Mündliches Abitur - was tun?

Beitrag von Niklas » 15. Januar 2007 18:01

Hallo!

Ich mache dieses Jahr mein Abitur, und wollte anfragen, ob jemand Erfahrungen damit gemacht hat, welche Sonderregelungen man mit Lehrpersonal oder gegf. höheren Institutionen treffen kann um die Nachteile, die durch das Stottern bedingt sind, insb. bei der mündlichen Prüfung.

Weiterhin habe Ich gehört, es gebe in NRW einen sog. Härtefallbonus auf den NC, (meinte eine Dame vom Arbeitsamt).

Ist das wahr? Wenn ja, was bringt der, wo kann ich den beantragen?


Hoffentlich könnt ihr mir weiterhelfen,
vielen Dank im Vorraus!

Mfg Niklas

NiklasB
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Abitur und Stottern

Beitrag von NiklasB » 15. Januar 2007 18:18

Hallo!

Obwohl ich jahrlang in Therapie war, bin ich in Stress-Situationen ein starker Stotterer.

Jetzt steht ausgerechnet das Abi ins Haus, und ich wollte fragen:

Hat jemand damit Erfahrung, welche Vereinbarungen kann man mit Lehrern treffen kann oder was sich beantragen lässt (längere Prüfung?).

Weiterhin hat mir eine Frau der Berufsberatung der Bundesargentur gesagt, ich könnte einen besseren NC bekommen wenn ich Härtefall-Punkte (oder ähnlich) geltend mache.
Hat jemand damit Erfahrung? Wo müsste ich das wenn beantragen?


Kontaktaufnahmen per Forummessage und ICQ, sowie Forenantworten sind erwünscht und willkommen, vielen Dank für eure Hilfe!

- Niklas

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Tarantandy
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Beitrag von Tarantandy » 15. Januar 2007 23:36

Hi Niklas,

willkommen! Ganz kurz von mir:

- 4. Prüfungsfach im Abi hab ich ganz elegant umschifft: habe Sport gewählt, praktische Prüfung... (ich damals noch Ober-Vermeider)

- für Studienprüfungen hatte ich zwei Möglichkeiten:
(1) Redezeitverdoppelung oder
(2) schriftliche Prüfung statt mündlicher.
Meine Professoren waren alle ganz umgänglich und haben das teils von sich aus angeboten. Habe mich dennoch zusätzlich mit dem Behindertenbeauftragten der Uni beraten, der mir viel helfen konnte

- ich habe die Regelstudienzeit überschritten und hätte Strafgebühren zahlen müssen. In Abstimmung mit dem Behindertenbeauftragten stellte ich 2 Semester den "Härtefall-Antrag", und wurde so von den Strafgebühren befreit. Ich habe darauf verwiesen, dass ich anfangs mit dem Studium nicht zurecht kam, weil ich mich nicht traute, Referate zu halten, ergo keine Scheine machen konnte (was auch wirklich so war).

Ob dir das in deinem Fall nun konkret hilft, weiß ich nicht. Aber so, dachte ich, erhältst du schonmal nen Einblick, wie Dinge laufen können. Also nur Mut!

Grüße

Andi.

stupsmaus
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Beitrag von stupsmaus » 15. Januar 2007 23:40

Hi Niklas,

ich hab vor 3 Jahren Abi gemacht und studiere jetzt.
Bei mir war das so, dass ich in der mündlichen Prüfung die doppelte Zeit bekam. Weiß ja nicht wie lange ihr zeit habt. Wir hatten glaub ich 8 min., um das Thema / Vortrag zu halten, und dann 22 min, um Fragen zu beantworten. Ich hatte halt 16 min für Vortrag und den Rest wie sie lustig waren mit Fragen. Im Prinzip schaute kaum einer auf die Uhr bei mir.
Außerdem saß mein damaliger Logopäde mit drin, und der Direx. Wieso weiß ich auch nicht, konnten mir ja eh nicht helfen.

Das mit dem NC habe ich auch versucht (für Medizin) bekam aber eine Ablehnung, d.h. dies ist kein trifftiger Grund (laut deren Aussagen damals). Aber sollte ich es doch schaffen Anfang nächsten Jahres mein examen zu machen, so bekomme ich auch wieder mehr Zeit, zumindest wurde mir das versichert.

Aber eigentlich will ich das nicht, eine "Sonderstellung" haben. Also heißt es üben üben üben.

Drück dir die Daumen für dein Abi !!!
Was machst mündlich`?

Ich hatte Französisch :D

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Re: Abitur und Stottern

Beitrag von Andreas » 15. Januar 2007 23:45

Hi Niklas,

herzlich willkommen ;-)
NiklasB hat geschrieben:Hat jemand damit Erfahrung, welche Vereinbarungen kann man mit Lehrern treffen kann oder was sich beantragen lässt (längere Prüfung?).
Ich schreibe Dir auch mal kurz, wie es bei mir war: Ich hatte Geschichte als 4. Fach und habe bei der Schulleitung einen Antrag auf Verlängerung der Vorbereitungs- und Prüfungszeit gestellt.
Längere Vorbereitungszeit deshalb, weil ich mir dann mehr Notizen machen konnte, was schon sehr geholfen hatte, da ich mit entsprechenden Unterlagen immer flüssiger bin als beim freien Sprechen.
Der Antrag ging auch ohne Probleme durch. Die Schulleiterin saß dann zwar noch dabei, was die Sache nicht vereinfachte ;-)

Ich würde Dir so einen Antrag auf jeden Fall empfehlen!

Bei der BVSS gibts auch noch ein paar Infos, vielleicht ist das ja auch was für Dich:
http://www.bvss.de/schule/uebersicht/.

Viele Grüße

Andreas

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Beitrag von BTVS » 16. Januar 2007 09:26

Also ich hatte Deutsch als drittes und Religion als viertes Prüfungsfach. Man hat mir schon im Voraus angeboten von Seiten der Schulleitung und meinem Klassenlehrer, die Prüfungszeit zu verlängern oder notfalls an der Tafel weiterzumachen, falls es unter dieser extremen Stresssituation gar nicht geht.
Habe das zwar nicht gebraucht, aber es empfiehlt sich trotzdem, diesen Anspruch vor der Prüfung geltend zu machen nur als Absicherung. Eventuell kann das deine Prüfungsangst ein wenig senken.

NiklasB
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Beitrag von NiklasB » 16. Januar 2007 19:20

stupsmaus hat geschrieben:
Drück dir die Daumen für dein Abi !!!
Was machst mündlich`?

Ich hatte Französisch :D

Informatik, musste ich leider =P

Axel
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Beitrag von Axel » 17. Januar 2007 12:16

Hallo,

seit letztem Jahr gibt es endlich auf dem Bildungsserver NRW eine
Handreichung für Lehrer zum Thema Stottern und Schule.

http://www.mswf.nrw.de
http://www.bildungsportal.nrw.de/BP/Leh ... index.html

Suchbegriff Stottern und dann gibt es mehrere Seiten zum Thema. Da es von einer Behörde ist wird es von den Lehrern auch ernst genommen.

Darin heist es: Hinweise zum Umgang mit Stottern im Unterricht
Stotternde Kinder und Jugendliche sollten grundsätzlich die Schule besuchen, die dem gewählten Bildungsgang entspricht. Bei angemessenem Umgang mit dem Stottern lassen sich im Unterricht viele Problemsituationen vermeiden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Behinderung erkannt und offen mit ihr umgegangen wird.

Lehrerinnen und Lehrer sind für Schülerinnen und Schüler sprachliche Vorbilder. Eine deutliche Aussprache und ein reduziertes Sprechtempo erleichtern dem stotternden Kind oder Jugendlichen ein ihm angemessenes Sprechtempo zu finden. Stotternde Schülerinnen oder stotternde Schüler wissen, welches Wort sie gerade sagen möchten. Um einen Satz zu beenden, benötigen sie nur mehr Zeit als nicht stotternde Schülerinnen und Schüler.

Absprachen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern können den Betroffenen das Gefühl vermitteln, dem Stottern nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Solche Vereinbarungen können u. a. folgende Fragen betreffen: Möchten die betroffenen Schülerinnen oder Schüler aufgerufen werden oder sich selbst melden? Wirkt sich die Möglichkeit, ergänzend zum Vortrag Stichwörter an die Tafel zu schreiben, förderlich auf die Sprechflüssigkeit aus?

Nonverbale Unterrichtselemente wie z.B. Pantomimen bieten den Schülerinnen und Schülern die Chance, ihre Stärken zu zeigen.

Viele stotternde Kinder und Jugendliche werden von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern wegen des Stotterns gehänselt. Diese Erfahrung und andere das Stottern unmittelbar betreffende Inhalte können in Unterrichtsprozesse einfließen oder eigenständige Lerninhalte sein.

Bei der Überprüfung mündlicher Leistungen gewährt die Schule stotternden Schülerinnen und Schülern einen Nachteilsausgleich. Dieser kann u.a. darin bestehen, dass die betreffenden Schülerinnen und Schüler zusätzliche Zeitvorgaben bei mündlichen Prüfungen oder Alternativen zu mündlichen Prüfungen erhalten.

Ziele aller unterstützenden Maßnahmen sind, die Schülerinnen und Schüler am Unterricht zu beteiligen und ein Verständnis für Stottern zu entwickeln.

Für den hier angesprochenen Nachteilsausgleich für stotternde Schüler gibt es eine gesetzliche Grundlage.

Viel Erfolg und Gruß
Axel

Weitere Informationsangebote
Bundesvereinigung Stotterer - Selbsthilfe e.V.
Zülpicher Str. 58
50674 Köln
Tel.: 0221 / 139 11 - 06 / 07
http://www.bvss.de

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Beitrag von djub » 17. Januar 2007 15:45

ich wurde gefragt, ob ich redzeitverlängerung möchte, wollte es aber nicht.
ich habe fleißig geübt und war in der (deutsch-)prüfung erstaunlich flüssig für einen in vorträgen sonst recht starken stotterer.
heraus kam eine glatte zwei und ich habe nicht vermieden, d.h. die zwei war gerecht.
ich war zwar sehr blass an dem morgen der prüfung und hatte riesige angst - nicht wegen der prüfung, sondern wegen des "vorsprechens", aber wollte mich einfach in diese recht harte situation zwingen.

heraus kam ich mit gestärktem selbstbewusstsein. obwohl ich auch gestottert habe. aber ich habe es getan. und gut geschafft. und dazu noch unter normalen (!) umständen.

auch im studium habe ich vor, mir nichts zu ersparen. man ist nicht ewig in einer schonumgebung.

tja, so war's und ist's bei mir. ;)
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Beitrag von Tarantandy » 17. Januar 2007 17:52

Hi djub,

dazu kann man dir wirklich nur gratulieren. Und wenn du dir das zutraust, ist es auf jeden Fall auch genau richtig so. Sich den Herausforderungen zu stellen und sie anzunehmen.
Ich erinnere mich, ich hab zu Abi-Zeiten fast gar nicht gesprochen (auch nicht privat). Eine mündliche Prüfung zu absolvieren, war für mich damals komplett unvorstellbar.

Liebe Grüße

Andi.

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