Abitur und Stottern

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djub
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Beitrag von djub » 18. Januar 2007 12:49

danke. ;)

ich weiß allerdings nicht genau, ob ich mir das im studium wirklich zutraue, aber irgendwann muss ich ja mal endgültig über meinen schatten springen. genau deshalb will ich es zumindest versuchen.
auch wenn ich im boden versinken will, wenn ich mit hochrotem kopf vor lauter fremden leuten ständig "hängen bleibe". (wobei der hochrote kopf und die schweißausbrüche hier das wesentlich schlimmere übel sind - s.u.)

ich bin mittlerweile 22 jahre alt und habe es mehr als satt, angst zu haben.

immerhin habe ich enorm viel angst davor verloren, in einem gespräch mit einer kleinen gruppe zu stottern. aber große gruppen (bis ~250 Leute bei mir) sind halt auch für nichtstotterer ein ganz anderes kaliber.

aber hier soll es ja nicht um mich gehen.

Niklas, dir kann ich auf jeden fall mit auf den weg geben, dir eine einstellung anzueignen, die da lautet:

"Jetzt geht die Prüfung los. Klasse, dann hab' ich den Horror ja in 60 Minuten [oder wie lang auch immer, Anm. des Autors] hinter mir".
Also das negative Denken ("Scheiße, jetzt geht's los, das wird schlimm.") in ein positives Denken umwandeln.
Vllt. bekommst du das ja hin.

Ich versuche mir die Lage immer vor ungewissen oder "angsteinflößenden" Situationen (wie einer OP, einem Arztbesuch etc. oder eben einer bestimmten Sprechanforderung) in genau dieser Art klar zu machen.

Wenn man sich dazu noch ernsthaft versucht eine "allumfassende" Ruhe anzutrainieren, ist das enorm viel wert - auch wenn man stottert. Es geht einem besser dabei. Man ist lockerer.

Das wird natürlich nicht immer so klappen, wie du dir das wünschst, aber der Langzeiterfolg ist dir gewiss, wenn du am Ball bleibst.
Ich versuche das z.B. seit Jahren und habe gestern in einer kurzen Diskussion mit einer Dozentin einen hochroten Kopf und Hitzewallungen bekommen, als ich plötzlich vergessen habe, was ich sagen wollte.

Genau solche Situationen gilt es mit Gelassenheit und Ruhe zu meistern. Das muss man aber lernen und seinem Körper und seinem Geist beibringen. Du siehst, auch nach Jahren des Versuchens, gelingt es mir oft nicht.

Aber IM VERGLEICH zu früher, habe ich enorme Fortschritte gemacht.

Vllt. hilft es dir ja. :)
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Mara81
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Re: Abitur und Stottern

Beitrag von Mara81 » 24. Juli 2008 15:15

Hallo,
ich bin nur zufällig auf diese Seite gestossen, habe ein wenig rumgeschaut u möchte jetzt den Stotterern Hoffnung auf "Heilung" geben.

Ich bin 26 Jahre und habe seit meinem 6. Lebensjahr gestottert wie verrückt.
Schul-und Ausbildungszeit waren die Hölle..wer kennt das nicht: Spontanes Aufgerufenwerden, mündliche Referate, mündliches Abitur.
Mein Selbstbewusstsein war gleich Null.
Leider hatte ich zudem teilweise "Pädagogen", die für sowas nicht ausgebildet waren, damit nicht umgehen konnten etc., so dass ich teilweise 6en fürs Nicht-Melden kassierte etc.
Zum Glück war mein Tutor aber offensichtlich AUSGEBILDET und in der Lage mir zu Helfen.
Es gibt, für alle, die es nicht wissen, speziel für Stotterer, eigene Schulvorschriften bzgl. mündl. Mitarbeit, verlängerter Abiturzeiten etc.
Also traut Euch, danach zu verlangen, auch wenns anfangs peinlich ist (was gerade im Teenie-Alter bei mir der Fall war) und nutzt diese Regelungen voll und ganz aus. Es ist für Euch!!!

Ähnlich erging es mir in meiner schulischen Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin.
Gleich zu Anfang wurde mir nahegelegt, einen anderen Beruf zu wählen..was ICH denn wohl in ner Apotheke wollte..da bräuchte man ja wohl GESUNDES Personal.
Ich habe durchgehalten, auch wenn ich von Lehrern und Apothekern streckenweise wirklich schikaniert wurde.
Ich würde den Sprachfehler gleich zu jedem Vorstellungsgespräch durchblicken lassen.
Es gibt tatsächlich Firmen u Apotheken oder Arztpraxen, die sich auf die Fahne schreiben, Stotterer zu integrieren, weil sie sich somit als tolerant und authentisch beweisen.

Ich spreche jetzt mittlerweile nahezu barrierefrei. In Stresssituationen oder Stimmungs-Tiefs kommt es gelegentlich noch durch.
Wer damit nicht leben oder umgehen kann, der soll weghören und wenn ich blockadebedingt statt nem Mohn- ein Sesambrötchen bestellen muss, ist das ja wohl auch kein Weltuntergang!!

In diesem Sinne: Kopf hoch u schreit es zur Not raus...

Mara


P.S.
Meine erfolgreichsten Therapien:

Langzeit: Rehaklinik Werscherberg, Bissendorf

Logopäde Willeke, Lippstadt

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djub
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Re: Abitur und Stottern

Beitrag von djub » 25. Juli 2008 08:56

So ein Forum ist echt klasse.
Wenn ich meinen Beitrag von vor 1 1/2 Jahren lese, dann sehe ich, dass ich schon wieder tolle Fortschritte gemacht habe.
Die Fortschritte sind so langsam und schrittweise, dass man sie manchmal fast vergisst, wenn man gerade mal wieder einen extremen Block hatte. ;)
Da hilft es wirklich zu lesen, wie es einem vor einem Jahr ging.
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