stottern und uni/ job

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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dom
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stottern und uni/ job

Beitrag von dom » 12. März 2007 20:43

HI!
Wurde zwar bestimmt schon öfter mal besprochen aber mich würden mal ein paar aktuelle meinungen interessieren...
was für erfahrungen habt ihr als stotterer an der uni gemacht?
ich selber studiere jura und arbeite für eine tageszeitung, da ich etwas journalistisches machen möchte. eigentlich war das von anfang an mein interesse, nur dachte ich mir , dass mein stottern bei jura weniger tragisch wäre als im Journalismus. hat da jemand erfährungen? bei besagter zeitung habe ich keine ( kaum) probleme; ist aber auch nicht sehr sprechintensiv.
gruss

blanka

Beitrag von blanka » 15. März 2007 12:21

Es gibt schon einen Thread zu Stottern und Beruf. Schau mal da rein.

Karl
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Stottern und Uni!

Beitrag von Karl » 16. März 2007 19:49

Hallo! Welche Erfahrungen habt ihr denn an der Uni gemacht mit dem Stottern? Also mir fällt es sehr leicht und meine Erfahrungen mit dem Studium und Stottern sind bis jetzt sehr positiv. Würde mich freuen, wenn sich Gleichgesinnte, evtl. auch aus Norddeutschland melden würden! Gruß Karl

keineAngst
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Re: stottern und uni/ job

Beitrag von keineAngst » 2. Mai 2008 14:00

Hallo zusammen,

mein Name ist Andreas, bin 27 Jahre alt und stottere seit meinem vierten Lebensjahr - teilweise auch stark. Schon lange liegt es mir auf dem Herzen einfach mal meine Erfahrungen weiterzugeben und andren Stotterer Mut zu machen und sich nicht hängen zu lassen - insbesondere Jugendlichen mit dieser Sprachstörung. Mein Beitrag wird wohl etwas länger sein, aber ich möchte einfach mal die wichtigen Punkte wiedergeben und einfach auch Tipps geben, wie man in Schule/Ausbildung/Studium und Job damit umgehen kann, welche Problematiken sich ergeben, wie man es meistern kann und den inneren Schweinehund bewältigt.
...am besten fang ich ganz von vorne an...
Wie bereits oben erwähnt begann mein Problem mit dem vierten Lebensjahr. Seither stottere ich teilweise auch stark...es gibt aber auch Phasen, da stottere ich überhaupt nicht und rede wie ein Wasserfall. Behandlungsmäßig war ich als Kind beim Logopäden und in HNO-Kliniken etc....hat aber alles nichts geholfen. Früher im Kindergarten und in der Grundschule, aber auch zu Beginn der Realschule wurde ich teilweise massiv gehänselt und geneckt...war teilweise sehr gemein. Kann und will mich aber nicht mehr wirklich dran erinnern. ...ich weiss nur noch, dass ich sehr oft geweint habe..oftmals auch nur innerlich. Meine Eltern hat das auch sehr belastet, insbesondere meiner Mutter hat das sehr zu schaffen gemacht...ihr tat es sehr weh und auch sie war öfters den Tränen nahe. Aber ich hatte gute Freunde, teilweise wurden meine "Necker" sogar zu Freunden, die hinter mir standen und mir geholfen haben. Schulisch hatte ich zu keiner Zeit irgendwelche Notenprobleme - Schulzeit lief problemlos. Klar, wussten manche Lehrer oft nicht damit umzugehen...einer, so war mein Eindruck, hielt mich aufgrund meines Handicaps für unterbelichtet. Nunja, nach der mittleren Reife gings weiter und ich entschied mich, das Abitur zu machen. ...also gewechselt aufs Gymmi und prompt das Abi in der Tasche...zwar nicht sonderlich gut - aber das lag an meiner Faulheit und nicht am stottern ;-) ...jetzt kam die Phase, wo ich merkte, was für Potential in mir steckt. Lange Jahre hatte ich nicht sonderlich viel Selbstvertrauen, hielt mich nicht für sonderlich intelligent. ...nach dem Abi, begann ich auf meinem Wunsch hin eine Lehre in industriellen Metallberuf. Hier kamen meine Arbeitskollegen teilweise zum ersten mal mit einem Stotterer zusammen. Teilweise hab ich gemerkt, wussten sie nicht richtig damit umzugehen. ...aber ich sagte nicht, und ich wusste aus Erfahrung, dass sie es nach einigen gar nicht mehr bedenken und sie mich als eifrigen, konsequenten und absolut korrekten Menschen erkennen werden. Das war auch so. Sie entdeckten welches Gefühl ich für die Materie habe, was auch nicht vor der Chefebene halt machte. Nach 2 (!) Monaten in der Lehre, bekam ich schon ein Jobangebot mit der Option, mir aussuchen zu können, welche Abteilung mir am ehesten zusagt. ...das war ein Wandel in meinem Leben. Einst hab ich gedacht, was soll wohl aus mir werden und jetzt sowas *freu*
...aber ich muss dazusagen, dass ich nie den leichtesten Weg gesucht habe...hab mir immer den schwersten gesucht - eben die Herausforderung. Begonnen mit der LK-Wahl auf dem Gymmi. Mit der Zeit der Lehre, die mir richtig Spass machte...kam der Wunsch nach mehr. Ich liebäugelte mit einem Studium des Maschinenbaus. Viele Mitarbeiter und Vorgesetzte, denen ich davon erzählte, gaben mir Recht und machten mir Mut das Ganze anzupacken weil ich das Zeug dazu habe. Das tat tierisch gut... Ich dachte, mich soll dieses scheissstottern nicht bremsen, meinen Weg zu gehen. Meine Ausbildung hab ich um ein Jahr verkürzt und schloss als Kammersieger ab und eine Woche später ab ins Studium. Gesagt getan...meine Eltern, Freunde, Geschwister etc. waren sowas von überrascht und erfreut von meinem Selbstbewusstsein...sie waren mächtig stolz. Doch eines setzte ich mir zum Ziel...Regelstudienzeit oder schneller!!! War mit meinem Studium dann ein Semester früher fertig als normal...mit einer eins vornedran. Aber alles hart erkämpft. Viele Vorträge, Referate und Praktika...Diplomarbeit etc....und alles als Stotterer! Glaubt mir wie ich manchmal bammel hatte, vor so vielen Leute zu sprechen. Aber glaubt mir eines, es war von mal zu mal einfacher und ich musste kaum noch stottern. Zum Abschluss meiner Diplomarbeit referierte ich mehrere Stunden vor der Geschäftsleitung einer Firma, Profs und Führungskräften. Wir diskutieren wild...und ich stotterte kaum! Es ist also abhängig von der eigenen Sicherheit und dem Selbstvertrauen. ...ich weiss das jetzt, habs rausgefunden, weil ich den Mut hatte, immer andre Firmen zur Studien-, und Diplomarbeit zu suchen - Praktika in einem andren Berufsfeld in einer andren Firma. Als betreuender Prof suchte ich mir den größten Hardliner raus...Stottern war nie ein Thema...er empfahl und warb mich...bekam als zweiter Student eine glatte eins von ihm.
Bevor ich mit dem Studium fertig war, hatte ich mehrere Jobangebote. Jetzt bin ich in einer Entwicklungsabteilung tätig, wo ich leider wenig frei sprechen bzw. Vorträge halten muss. Ja, richtig gelesen! LEIDER ...aber der Job macht riesig Spass.
Stottern war auch hier nie ein Thema - bin schon nach wenigen Wochen ein gemochter Kollege und Ansprechpartner für Fertigung etc geworden, weil es egal ist ob jmd stottert oder nicht! ...es kommt auf den Mensch an!
Zudem bin ich in einer großen Rettungsorganisation als Führungskraft tätig - wo ich oft frei sprechen muss und Einsätze etc leite...und da stottere ich nie, weil irgendwie das Adrenalin das alles wegdrückt.

Also Leute, Kopf hoch! Ihr habt was drauf! Seid selbstbewusst! ...auch ich musste das lernen! Wichtig sind Familie und Freunde drumherum! Seid Mensch, lebt wie ein Mensch aber lasst Euch nicht für blöd verkaufen! Wir Stotterer haben etwas drauf, nur schweigen wir oft lieber als dass wir uns mit Worte brüsten! ...auch bei mir ist das noch so. Und hin und wieder stottere auch ich noch...leider! ...und das bremst mich und wirft mich manchmal innerlich etwas zurück. Aber ich genieße das Leben und freue mich, meinen bisherigen Weg richtig gegangen zu sein und bin neugierig auf die Zukunft!

Übrigens hab ich mein Stottern in keiner Bewerbung erwähnt! ...wenn man nicht grad im Vetrieb ist, ist das so nebensächlich! Die fachliche Qualifikation und der Mensch der hintendransteckt, das zählt!!! Und glaubt mir - es ist nicht zu Eurem Nachteil. Geht aufrecht und zeigt Rückgrat! Und alle Jugendliche, die den Berufsweg noch vor sich haben: Geht nicht immer nur den einfachsten Weg, wagt etwas und zeigt, dass ihrs draufhabt! In unserer oftmals Scheiss-Ellenbogen-Gesellschaft ist das nicht immer leicht! ...Quatschköpfe und Schönredner gibts genug, aber dazu gehören wir nicht!

Darum: Keine Angst, ihr packt das!

Quax
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Re: stottern und uni/ job

Beitrag von Quax » 2. Mai 2008 20:30

Wirklich ein sehr guter und aufbauender Beitrag, keineAngst !

Motivation kann ich gerade wirklich brauchen, deshalb hat es mich heute abend ganz besonders gefreut ( :D ) deine Geschichte zu lesen.

Vielen Dank dafür !

Beste Grüße

BERND :grinundwe:

Krakau 1
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Re: stottern und uni/ job

Beitrag von Krakau 1 » 25. Mai 2008 19:32

Also Hallo alle zusammen, ich habe es noch nie schlimm empfunden wenn jemand stottert oder Sprachprobleme hat. Seit etwa 5 Jahren habe ich eine Freundin in Krakau, Ihr Name ist Joanna, Sie ist 24 Jahre alt und Studentin. Sie Hat Sprachprobleme und dadurch findet Sie keine Freunde, die man doch eigentlich brauch. Sie
hat Es in Ihrem Leben nicht einfach durch diese Probleme. Ich tu das immer etwas verharmlosen, aber Joanna macht das echt Stress. Ich möchte fragen ob jemand
weiß mit Adressen oder so, wie ich Ihr helfen kann.
Für Infos wäre ich dankbar.
Gruß Birgit

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Michael13
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Re: stottern und uni/ job

Beitrag von Michael13 » 25. Mai 2008 21:57

Hallo liebe Birgit,

gut, dass du versuchst, deiner Freundin zu helfen ...

Nur fehlen m.E. noch ein paar Details ...
Möchtest du so etwas wie Informationen über polnische Netzwerke stotternder Menschen?
Ich nehme mal an, dass die von dir erwähnten "Sprachprobleme" (sind es Probleme mit bspw. Deutsch, dann stimmt's; ansonsten würde ich "Sprech-" oder Kommunikationsprobleme sagen) mit dem Stottern zusammenhängen - sonst wärst du wahrscheinlich nicht auf dieses Forum gestoßen.
Wohnt Joanna in Krakau oder studiert sie in Deutschland?

Soll keine Ausfragen sein :) ... sondern eher der Versuch, dem eigentlichen Problem etwas näher kommen.

Alles Gute, Micha.

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