Melden oder schweigen?

Austausch speziell zum Thema Schule (Noten, Mobbing usw.) für stotternde Mädchen und Jungen, deren Eltern, Lehrer und alle Interessierten. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung
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djub
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Beitrag von djub » 19. Oktober 2007 16:08

Hi Britt,

also eine "egal" Einstellung halte ich PERSÖNLICH nicht für gut. Zumindest in Bezug auf die motivierenden Aspekte des Stotterns. Wenn ich eine "schlimme" Stottersituation hatte, dann versuche ich heute daraus zu lernen, Motivation zu schöpfen, wieder etwas an meinem Sprechen zu arbeiten.
(Schwer) Stotternd macht Sprechen einfach keinen Spaß.

Ich will aber gerne sprechen, halbwegs flüssig, leicht, einfach gut sprechen.

EGAL sollten dir die Meinungen der anderen sein, da stimme ich dir zu 100% zu. Aber ich möchte für MICH flüssig sprechen, für mein Selbstbild, für mein "gutes Gefühl".

Ich hoffe, du verstehst was ich meine. Ich habe kaum geschlafen, könnte also etwas wirr geraten sein. ;)

Achja:

Ich habe mein Vorhaben wahr gemacht und mich mit am aktivsten in einem neuen Seminar (25 Fremde) beteiligt. Trotz Herz, das bis zum Hals geklopft hat. Jetzt muss es weiter gehen bzw. noch mehr werden.
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Britt

Beitrag von Britt » 19. Oktober 2007 16:31

Hallo,
das Ziel von dieser Egal-Einstellung ist, dass ich weniger stottere...natürlich ist mir mein Stottern ganz und gar nciht egal! Natürlich viele ich mich blöd, wenn ich stottere...und um ein besseres Gefühl zu kriegen, wie du schon sagst, müsste ich auch flüssiger Sprechen können!
Ich muss eben diese Hürde überspringen, die du wohl schon übersprungen hast! Finde toll, dass du dich so viel beteiligst!

Liebe Grüße
Britt

newage
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Beitrag von newage » 19. Oktober 2007 22:30

hey an alle,
so, diese experiment woche ist endlich vorbei.......
hmmm, ich persönlich fand sie doch ganz schön anstrengend,
klar, ich hatte viele positive erlebnisse, aber es war - hmm- gewöhnungsbedürfig, weil ich mir auch irgendwie angwohnt habe, nicht so oft aufzuzeigen.
ich muss es mir jetzt von neuem angwöhnen.
aber dieses experiment hat seine wirkung schon erreicht.
aber das blöde ist, das sich an meinen stottern allgemein nichts verändert hat. ich stotter immer noch so viel wie vor den herbstferien........
aber trotzdem einen großen dank an mechthild. es war eine gute idee.^^

es freut mich auch, dass es dir geholfen hat d... hab deinen namen vergessen^^ ( nachmacher:)) ne scherz.

und ich hätte da eine frage: was ist tonisches stottern? ich kenne nur das "normale" stottern.

au revoir :D
newage
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Beitrag von ---***--- » 19. Oktober 2007 23:18

Hallo newage,

:respekt:,

mehr gibt's da eigentlich nicht zu zu sagen, tolle Leistung.
Ich bin aber schon noch neugierig: wie war das genau, die Reaktionen der Klasse, der Lehrer? Deine eigene Angst, ist die mit der Zeit weniger geworden? Hat Dich Dein Stottern sehr gestört?

Ich hatte gar nicht erwartet, dass es weniger wird, bei mir war/ist das auch so, auch wenn ich keine Angst vorm Sprechen/Stottern habe, stottere ich. Ich hoffe, Du findest noch einen geeigneten Therapeuten für Dich, grade in Deinem Alter ist noch so vieles zu ändern.

Zum "tonischen Stottern" kann ich Dir nichts aus dem Ärmel schreiben, müssen andere tun,

ciao! Mechthild

newage
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Beitrag von newage » 21. Oktober 2007 15:09

hallo mechthild,
meine klasse wusste ja schon, dass ich stottere.
ich hatte glaub ich eher angst, dass es sie nervt, wenn ich häufig stottere.
ich weiß nicht, ob du dass verstehst...
es ist ja eigentlich auch blödsinnig, sich so viel umd die meinugn der anderen zu kümmern. aber ich kümmere mich halt noch darum.

ja, meine mitschüler haben sich ganz normal benommen, einige waren - glaub ich etwas genervt- aber der größte teil war eigentlich so wie immer.

viele lehrer fanden es natürlich gut. einige haben mich gelobt.
aber es gibt einen lehrer, der mich unterbricht, wenn ich stottere, und bei dem immer wieder aufzuzeigen, war eine überwindung.

einen noch größere überwindung war das vorlesen. das herz schlug mir bis zum hals.. ich weiß auch nicht warum, aber ich werde immer ganz angespannt wenn ich vorlese.
dann ist man ja gezwungen, dass was man aufgeschrieben hat vorzulesen und beim sprechen kann man ja doch was anderes sagen, wenn man denkt: das wort kommt nit raus.
also, vorlesen bedeutete für mich schon herzklopfen.

hmm, meine mitschüler in den ag-s, die es nicht wussten (das sind so 2-3 ags), haben auch jetzt nicht richtig mitkommen, was sache ist. ich blieb ein paar mal stecken, und einige sagten dann dass, was ich sagen wollte, weiter. aber da unsere lehrerer die meiste zeit gesprochen haben und ich mysteriöser weise, in französisch flüssiger spreche als in den anderen sprachen hat dort keiner viel mitbekommen.

ein lehrer fielen mir ins wort und sprachen für mich weiter: das kann ich gar nicht ab. dann habe ich keinen bock aufzuzeigen, aber ich habs getan.

was mich am meisten gestört hat war, dass ich so angespannt war, wenn ich vor der klasse was vorlesen, sagen musste, obwohl es da absolut keinen grund gab. vorallem beim vorlesen war es stärker
am besten war das gute gefühl, dass ich mich trotz allem doch gemeldet hatte. aber ich muss zu geben, dass es auch ziemlich anstrengend war...

ich brauche unbedingt ein dickeres fell....

joa, so wars für mich.....

ciao newage
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Beitrag von ---***--- » 21. Oktober 2007 21:15

hallo newage,
newage hat geschrieben:ich hatte glaub ich eher angst, dass es sie nervt, wenn ich häufig stottere.
ich weiß nicht, ob du dass verstehst...
newage hat geschrieben:aber es gibt einen lehrer, der mich unterbricht, wenn ich stottere, und bei dem immer wieder aufzuzeigen, war eine überwindung.
ja, verstehe ich vollkommen, :wink:, hört sich so an, als ob es Dir Druck macht, wenn Du Anzeichen von Ungeduld wahrnimmst. Dass Du Dich überwunden hast, ist eine großartige Leistung, meine Bewunderung (und wieder ist die Smiley-Auswahl zu klein)
Mich nervt an Zuhörer-Raktionen immer noch sehr sowas betont freundliches, wenn jemand mit mir spricht, als wäre ich schwerhörig oder schwer von Begriff...

Konntest Du mittlerweile realen Kontakt zu anderen stotternden Jugendlichen aufnehmen? Gut wäre, wenn Du Situationen, die Dir zu schaffen machen, real durchgehen könntest.
newage hat geschrieben:einen noch größere überwindung war das vorlesen. das herz schlug mir bis zum hals.. ich weiß auch nicht warum, aber ich werde immer ganz angespannt wenn ich vorlese.
dann ist man ja gezwungen, dass was man aufgeschrieben hat vorzulesen und beim sprechen kann man ja doch was anderes sagen, wenn man denkt: das wort kommt nit raus.
also, vorlesen bedeutete für mich schon herzklopfen.
auch hier: meine Bewunderung.
Meinst Du, die Angst ist weniger geworden, nachdem Du öfter etwas getan hast, wovor Du ursprünglich Angst hattest?
newage hat geschrieben:ich brauche unbedingt ein dickeres fell....
wem sagst Du das,
wächst vielleicht über den Winter,
ich finde, Du hast allen Grund, auf Dich Stolz zu sein, ein klarer Fall für Blankas Mutmach-Thread http://forum.bvss.de/viewtopic.php?t=854,

sG Mechthild

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djub
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Beitrag von djub » 23. Oktober 2007 13:05

Also wirklich mal

:respekt:

Das finde ich echt klasse, newage.

Mach weiter so und zwar auch in neuem Umfeld. Ich hatte das "einfach melden" in der Schule eine ganze Zeit lang auch sehr gut drauf, aber habe mich dann ein paar Mal von neuen Umfeldern wieder einschüchtern lassen.

Wenn du in einem neuen Umfeld VON BEGINN an versuchst, dich sprechend einzubringen, dann läuft das. Wenn man einmal angefangen hat, sich nicht zu melden, wird die Hürde immer größer.

Das nur als Hinweis. Vllt. kannst du dir so ein paar Rückschritte sparen, die ich leider gemacht habe.

Nochmal: Respekt für deine Leistung.

Alles Gute und viel Erfolg weiterhin,
djub
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Beitrag von newage » 23. Oktober 2007 21:26

hey

ja, ich gerate wohl wirklich unter druck, wenn jemand ungeduldig ist.
denn damit zeigt er/sie mir ja, dass ich "anders" bin.

leider hatte ich noch keinen realen kontakt zu stotternden jugendlichen--
ich habe durch das forum 2 personen gefunden, die ungefähr in meinem alter sind und einen studeten.
und alle wohnen etwas weiter weg..

zu der frage, ob die angst weniger geworden ist.
hmm,etwas schon, aber bei längeren texten habe ich schon noch angst.
bei mir war es so: ich dachte mir: wenn du dich gerade in dem und dem fach zum vorlesen gemeldet hast, dann meldest du dich jetzt natürlich auch.
die angst wird schon weniger, weil man es ja schonmal gemacht hat, aber leider ist sie nicht ganz weg.
vorallem wenn ich mal eine "negative" erfahrung hatte, also viel gestottert habe, verfalle ich manchmal in das muster: hmm, beim m stottere ich für gewöhnlich viel, also sollte ich bei dem text jetzt nicht aufzeigen...etc.
deshalb war diese woche ja auch ne ganz andere erfahrung für mich.

und wenn man so eine woche hinter sich hatte, ist es ja auch leicher in der nächsten woche genauso viel gas zu geben :)

deshalb: danke an dich mechthild für die idee :)

und an alle anderen an!

newage
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Beitrag von ---***--- » 24. Oktober 2007 00:17

Hi newage,
gern geschehen!
newage hat geschrieben:ja, ich gerate wohl wirklich unter druck, wenn jemand ungeduldig ist.
denn damit zeigt er/sie mir ja, dass ich "anders" bin.
Zuerst zeigt derjenige mal, dass er ein ungeduldiger Mensch ist, und er/sie erst mal irritiert ist. Was er/sie wirklich von Dir denkt, das kann man daraus nicht ableiten.

Mich zum Beispiel stört Ungeduld gar nicht so, manchmal werde ich noch ruhiger. Meine "schlimmste" Zuhörersituation ist, wenn jemand anfängt, so superlangsam und verständnisvoll mit mir zu sprechen, selbst wenn wir bevor ich einen Block hatte, lange über etwas Anspruchsvolles debattiert hatten. Ich habe dann das Gefühl, der hält mich für dumm. :cry: , das ist aber meine Interpretation. Noch schlimmer: ich kämpfe auch noch damit klar zu kommen. Indem ich trotzdem weiterspreche bzw. die Leute wieder anspreche (das hilft auch, Vorteil von Stottern: mich vergisst keiner).

djubs Satz fand ich klasse:
Wenn du in einem neuen Umfeld VON BEGINN an versuchst, dich sprechend einzubringen, dann läuft das.
Wenn ich das schon 20 Jahre früher gewusst hätte ...

Mit dem Aushalten des eigenen Stotterns ist das auch so ne Sache, die sich Üben lässt (und das Stottern kann leicht gemacht werden). Ich wünsch Dir so sehr, dass Du viele Leute in deinem Alter findest, die auch stottern, bzw. eine Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe ist, mit netten Leuten.

ciao, Mechthild

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Beitrag von BeneB » 2. Januar 2008 13:51

Die Diskussion hier scheint zwar schon etwas eingechlafen zu sein, doch ich kann es mir jetzt nicht verkneifen hier auch meine Meinung zu hinterlassen. Ich denke, dass jeder Stotterer sich im Schulunterricht genau so verhalten soll, wie jeder andere Schüler auch.

Ich stottere seit meinem vierten Lebensjahr und hatte anfangs vor allem mit Hänseleien durch Nachbarschaftskinder zu kämpfen, doch das hat mich nie wirklich interessiert und hörte nach kurzer Zeit dann auch wieder auf.

Wenn ich jetzt so auf meine Grundschulzeit zurück blicke, muss ich sagen, dass ich mich eher vorlaut, als zurückhaltend und eher frech, als schüchtern verhalten habe. Auch mündliche Beteiligung war für mich selbstverständlich. Wenn ich etwas weiß, zeig ich auf. Es war mir egal was andere denken und das ist es auch heute noch. Jeder Mensch ist anders und ich brauch beim Sprechen halt manchmal was länger, aber das hindert mich mit Sicherheit nicht daran meinen Mund aufzumachen.

Ich finde es schade, dass man fast nur von Schülern hört, die sich eingeschränkt fühlen durch ihr Stottern. Klar ist man eingeschränkt, aber nur was die Tatsache betrifft, wie schnell man etwas sagen kann und nicht bezogen darauf, dass man überhaupt was sagen kann.

Ich will nicht behaupten ich hätte nie schlechte Erfahrungen Lehrern gehabt. Nur wenn sowas vorkamen hat der Lehrer mich nach kurzer Zeit so behandelt wie ich es wollte. Zum Beispiel wollte ein Englischlehrer mir keine Noten fürs mündliche geben. Daraufhin hab ich ihn vor die Wahl gestellt. Entweder er benotet mich genau wie alle anderen ach nach Qunatität und Qualität oder er geht mit zum Direktor und lässt sich von dem erklären, dass und nach welchen Kriteriem er mich zu benoten hat.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich mittlerweile mein Stottern sogar nutzen kann um mir gegenüber meinen Mitschülern einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Wer kann schon während des Redens noch so viel nachdenken wie ein Stotterer? Wenn ich mir nicht sicher bin bei Fragen des Lehrer zeig ich trotztdem auf und beginne einfach mit meiner ersten Vermutung, durch Reaktion des Lehrers merke ich ja, ob ich auf dem richtigen Weg bin und falls nicht, stottere ich noch ein wenig absichtlich und sage dann meine andere Vermutung, die dann zutrifft. Hilft wirklich wenn man sich mal nicht so ganz sicher ist.

Langer Beitrag, aber das musste ich mal loswerden, weil ich es nicht mit ansehen kann, wie viele Stotterer in der Schule nicht das leisten, was sie leisten können, eben weil sie sich viel zu viele Gedanken machen, wie ihr sprechen auf andere wirkt.

Das ist sehr sehr schade....

Peter
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Beitrag von Peter » 2. Januar 2008 23:27

Schön das jemand die Diskussion wieder belebt hat...

Deine Meinung zum Thema "Melden oder Schweigen?" finde ich grundsätzlich richtig, ich bin auch der Meinung, dass Stotternde Schüler, genau wie normale Schüler ohne Behinderung, sich im Unterricht ganz normal und frei äußern sollten.
Das Stottern aber auszunutzen um sich einen Vorteil zu verschaffen finde ich persönlich allerdings nicht ganz so gut. Ich habe es immer so empfunden, dass mir die Mitschüler und auch die Lehrer, wenn ich gestottert habe Mitgefühl und oft auch Mitleid entgegengebracht haben.
Ob es wirklich in allen Fällen das eine bzw. das andere war ist eine andere Sache, aber ich habe es so empfunden. Wenn ich meine Behinderung jetzt absichtlich einsetze um mir einen Vorteil zu verschaffen, spiele ich mit diesen beiden Empfindungen und das ist meiner Meinung nach nicht richtig.
Das Schicksal fragt nicht wer wir sind. Es würfelt blind.

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Beitrag von ---***--- » 8. Januar 2008 14:34

Hallo Ihr,

aus BeneBs Schilderung lese ich etwas anderes heraus als Peter.
BeneB hat geschrieben:Wenn ich mir nicht sicher bin bei Fragen des Lehrer zeig ich trotzdem auf und beginne einfach mit meiner ersten Vermutung, durch Reaktion des Lehrers merke ich ja, ob ich auf dem richtigen Weg bin und falls nicht, stottere ich noch ein wenig absichtlich und sage dann meine andere Vermutung, die dann zutrifft. Hilft wirklich wenn man sich mal nicht so ganz sicher ist.
Das ist ein ganz normaler Vorgang, der wunderbar dem entspricht, was Heinrich von Kleist in seinem Aufsatz „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ beschrieben hat:
Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung für denjenigen, der spricht, in einem menschlichen Antlitz, das ihm gegenübersteht; und ein Blick, der uns einen halb ausgedrückten Gedanken schon als begriffen ankündigt, schenkt uns oft den Ausdruck für die ganz andere Hälfte desselben.
Ich glaube, daß mancher großer Redner, in dem Augenblick, da er den Mund aufmachte, noch nicht wußte, was er sagen würde. Aber die Überzeugung, daß er die ihm nötige Gedankenfülle schon aus den Umständen, und der daraus resultierenden Erregung seines Gemüts schöpfen würde, machte ihn dreist genug, den Anfang, auf gutes Glück hin, zu setzen.


Es würde auch ohne Stottern funktionieren, und ich finde es sehr schade, dass BeneB glaubt, sein Stottern würde ihm einen Vorteil verschaffen. Das gleiche machen andere, sprachlich gewandtere Schüler ganz genau so, ohne sich überhaupt etwas dabei zu denken. (Übrigens schreibt Kleist im letzten Absatz etwas über die Schwierigkeiten der Examinatoren, die bei einer Prüfung selber „eine gefährliche Musterung passieren“)

Ansonsten war mir die Beschreibung eine große Freude, das wünsch ich mir, dass stotternde Schüler wissen, welche Rechte sie haben, und überhaupt: zu lesen, wie selbstbewusst und selbstverständlich BeneB mit Stottern umgeht.

@BeneB
Falls Du noch einmal hier liest: was glaubst Du, hat Dir geholfen, Dich nicht groß vom Stottern beeinträchtigen zu lassen?
War in Deiner Familie ein offener Umgang mit Stottern? Wie haben Deine Eltern Dich unterstützt? Hattest Du Therapien? Hattest Du irgendeine Unterstützung? Kennst Du andere stotternde Jugendliche?


sG Mechthild

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Beitrag von newage » 8. Januar 2008 21:59

Hallo an alle,
nachdem ich BenBs Beitrag gelesen hatte, musste ich zunächste einmal schmunzeln.
Ich fand es witzig mit welcher Leichtigkeit er sich einfach so durch sein Stottern Vorteile beschafft.
Ich persönlich würde sowas nicht machen, weil ich für mich selber dann denken würde, dass ich meine Note nicht verdient hätte.
Ich will gegenüber anderen Schülern keine Vorteile, ich will einfach mit meinem Wissen eine guten Note.

Eigentlich schon komisch, wie ich bei diesem Thema so strikt gegen diesen Vorteil, wie BeneB ihn nennt, bin, wo ich früher sehr oft zu Noten, die schlechter waren, als ich sie verdient hätte, einfach genickt habe oder mich zu Themen, zu denen ich was wusste, nichts gesagt habe.
Aber so ist es nun mal...

Das ist nur meine Meinung und soll keine Lehrpredigt sein.

Zum Schluss - ich finde es sehr gut, dass BeneB so offen und locker mit seinem Stottern umgehen kann. Aber ich denke, um so wie er zu sein, muss man - wie Mechthild vorher mal gesagt hatte- sein eigenes Stottern auch selber ertragen können.
Und da mich das auch persönlich stört, wenn ich stark stottere, ziehe ich für mich eher eine Therapie vor, in der ich neue Techniken lernen kann. Klar ist es auch wichtig gut mit seinem Stottern umgehen zu können, aber ich finde es auch wichtig, halbwegs flüssig reden zu können.

see you :)
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Beitrag von transit » 8. Januar 2008 23:14

@ Mechthild,

Wo genau beschreibt Kleist in dem oben von dir zitierten Text die von BeneB geschilderte vorsätzliche Vorteilsnahme ?

LG Isabel

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Beitrag von ---***--- » 9. Januar 2008 00:38

Hi Isabel,

ich weiß nicht recht, ob ich Deine Frage richtig verstehe, falls ich in die falsche Richtung galoppiere, korrigiere mich bitte!

Ich glaube nicht, dass BeneB eine "vorsätzliche Vorteilsnahme" begeht, auch wenn er das selber glaubt. Er meldet sich und ist sich nicht ganz sicher, was die korrekte Antwort ist. Aus der Reaktion des Lehrers merkt er, ob er richtig liegt. Nun setzt er Stottern ein, um etwas Zeit zum Nachdenken zu gewinnen - einem sprachgewandten Schüler stünden hier wahrscheinlich nett klingende Floskeln zur Verfügung - und er findet die richtige Antwort. Nach Kleist entstehen im Prozess des Redens Gedanken, das Reden schafft eine Klarheit, die es für den Redner vorher (nur im Kopf) nicht gab.
Vielleicht erschließt sich dieser Gedankengang nicht nur aus dem von mir zitierten Absatz ...
newage hat geschrieben:Ich will gegenüber anderen Schülern keine Vorteile, ich will einfach mit meinem Wissen eine guten Note.

Eigentlich schon komisch, wie ich bei diesem Thema so strikt gegen diesen Vorteil, wie BeneB ihn nennt, bin, wo ich früher sehr oft zu Noten, die schlechter waren, als ich sie verdient hätte, einfach genickt habe oder mich zu Themen, zu denen ich was wusste, nichts gesagt habe.
Aber so ist es nun mal...
Genau daran knabbere ich auch. Sind wir es so gewohnt, um die Anerkennung kämpfen zu müssen, dass es uns falsch vorkommt, wenn etwas leicht geht? :?

Ich kenne es noch aus meiner eigenen Schulzeit, wie ich Benachteiligung hingenommen und mich oft gar nicht recht über gute Zensuren freuen konnte, weil ich mich gefragt habe, ob es "Mitleidsnoten" sind.
Die Unsicherheit bei Lehrern und Schülern wär mE relativ leicht auflösbar, indem es klare Regeln im Umgang mit stotternden Schülern gibt, Regeln, die nicht jede/r selber erst aushandeln muss.

Meine 16jährige Nichte ist Legasthenikerin. Sie hat mir vor kurzem von einem Streit mit einem Lehrer erzählt, der sie aufgefordert hatte, vor der ganzen Klasse einen Text zu lesen. Sie zitierte die Bestimmungen des Kultusministeriums. Und gut war's.

lG Mechthild

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